Skip to main content

Full text of "Zeitschrift für Numismatik"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commcrcial parties, including placing technical restrictions on automatcd qucrying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain from automated querying Do not send aulomated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogX'S "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct andhclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers reach new audiences. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http : //books . google . com/| 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch fiir Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .corül durchsuchen. 



I 




Cc/ 



.%rr 



ZEITSCHRIFT 



FÜR 



NUMISMATIK 



HERAUSGEGEBEN VON . ' • . 



* • 



ALFRED VON SALLET. 



ZWANZIGSTER BAND. 



BERLIN 

WEIDMANNSCUE BUCHHANDLUNG. 

1897. 



Inhalt des zwanzisrsten Bandes. 



AlterttaDin. 

Seit« 

T. Fritze, H., Beitrag zur Münzkunde von Delphi 62 

Seltroann, £. J., Eine unbekannte Münze der Antonia und lub'a, der 

Tochter des Augustus 119 

Y. Fritze, H., Die Münztypen von Athen im 6. Jahrhundert v. Ghr (Tafel V) 142 
Gaebler, H., Zur Münzkunde Makedoniens. 

I. Die autonome Münzprägung der Makedonen, Amphaxier und 

Botteaten (Tafel VI) 169 

II. Die Münzen der Derronen 289 

Qoilling, F., Ausgewählte römische Münzen und Medaillons der städtischen 

Sammlung in Frankfurt a. Main. (Tafel VU) .201 

T. Sallet, A., Silbermünze eines baktrischen Königs Antiochus . . . .219 
Femice, E., Über den Werih der monumentalen und litterarischen Quellen 

antiker Metrologie 222 

Seitmann, E. J., Unedirte römische Kaisermünzen 240 

Imhoof-Blumer, F., Zur Münzkunde des Pontus, von Paphlagonien, 

Tenedos, Aiolis und Lesbos (Tafel IX u. X) 254 

Mittelalter. 

Dannenberg, H., Unedirte Mittelaltermünzen meiner Sammlung (Taf. I u. II) 1 

Wunderlich, E., Mecklenburgische Münzfunde 28 

Heinemann, 0., Ein Beitrag zur Kenntniss der Brakteaten Bischof 

Hartberts v. Hildesheim 49 

Friedensburg, F., Ein verkannter schlesischer Denar 52 

Kuli, J. y., Studien zur Geschichte der Münzen der Herzöge von Bayern- 

Landshnt 72 

Friedensburg, F., Ein Dukat des Bischofs Johannes Y Turzo von Breslau 113 

Dannenberg, H., Münzfnnde aus Pommern und Mecklenburg (Taf. III u. IV) 122 
Cahn, J., Ein Beitrag zur Frage des Münzrechts deutscher Könige in 

Städten mit autonomer Münze 156 

Bachenau, H., Die ältesten, bisher unbekannten Münzen der Grafen von 

Katzenelenbogen 300 

Maller, L., Ein Ansbacher Schilling des Markgrafen Albrecht Achilles 

von Brandenburg 808 

Koetachau, K., Die Medaille auf Degenhard Pfeffinger (Tafel XI) . . . 310 



'i-o^<iS\ 



IV Inhalt des zwanzigsten Bandes. 

Seite 

Kleinere Mitttaeilnngren. 

Walker, K., Nochmals die seltene englische Münze 193 

Roux, W., Methode, undeutliche und selbst bis zur vollkommenen Un- 
sichtbarkeit abgeschliffene Prägung von metallischen Gegenständen 

wieder deutlich sichtbar zu machen 325 

V. Sallet, A., Falsche griechische Münzen 326 

Stückelberg, £. A., Münzfunde zu Baden in der Schweiz 328 

Literatur. ;i, 

de Witte, A., 107 

Lade, A., 331 

Bahrfeldt, E. 332 

Hildebrand, H., 339 

de Witte, A., 350 

Nekrologe. 

Wunderlich, E., 194 

Kupido, Fr., 194 

Grote, H., 195 

V. Werlhof, A., 200 

Fikent^cher, L., 355 

Hutten-Gzapski, £., 355 

Stronczjnski, K., 355 

V. Saurma-Jeltsch, H. Fr., 356 

Weingärtner, J., 356 

Ljubic, 8., 356 

Register 357 

Yerhandliingen der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin 1895. 1896. 



Unedirte Mittelaltennünzeii meiner Sammlung. 



Im Lauf der Jahre habe ich eine beträchtliche Anzahl bisher 
unbekannter mittelalterlicher Münzen aus meiner Sammlung 
namentlich in dieser Zeitschrift und in den Berliner Blättern für 
Münz-, Siegel- und Wappenkunde beschrieben ; dennoch sind, als 
meine Mittelaltermünzen im Jahre 1892 in das hiesige Egl. Mfinz- 
kabinet übergingen, nicht wenige der Bekanntmachung ebenso 
bedürftige zurückgeblieben, von denen ich allerdings einen Theil 
in der Festschrift zur Feier des 50 jährigen Bestehens der numis- 
matischen Gesellschaft zu Berlin (1893) beschrieben und erläutert 
habe. Den Rest, wenigstens die bedeutendsten derselben, über- 
gebe ich hiermit der Öffentlichkeit, hoffend, damit andern Jüngern 
Fachgenossen eine Anregung zu geben, damit nach und nach 
wenigstens einige der wichtigsten Gebiete unsrer vaterländischen 
Münzkunde Bearbeitung finden. 

Vorweg muss ich aber zu dem in der gedachten Festschrift 
enthaltenen Artikel Sayn, dem Witten Salentins III. No. 39 eine 
Berichtigung geben, denn, wie mir Herr Landgerichtsrath Kirsch 
in Köln mittheilt, liegt dessen Prägstätte Homburg, einer der 
vielen gleichnamigen Orte am Niederrhein, nicht nördlich von 
Duisburg, sondern im Ober-Bergischen, nach dem Siegerlande 
hin, im Kreise Gummersbach, im rechtsrheinischen Theile des 
Reg.-Bez. Köln ; das im Wiehlthale, unweit des Orts Numbrecht 
auf bewaldetem Bergkegel gelegene, aber verfallende Schloss 
Homburg gehört noch jetzt der fürstlichen Linie Sayn -Wittgen- 
stein-Berlebarg. 

Zeittchrill ftlr Naim«in«ftik. XX. . 1 



2 H. Dannenberg: 

und ferner zu dem Artikel Eleve S. 53 a. a. 0. ein erheb- 
licher Nachtrag, die vom Vic** de Jonghe in der Rev. num. Beige 
1891 S. 236 bekannt gemachte GemeinschaftsmUnze (Sterling) 
des Grafen Dietrich YIL und des Herzogs Johann I. von Brabant, 
v. J. 1287. 

Randerath. Arnold III., 1364—1390. 

1. KRßOIiDVS.DßS-RKßDEßROT in achtbogiger Ein- 
fassung ein geviertetcr Schild mit einem einschwän- 
zigen Löwen im I. und III., einem doppelschwänzigen 
in II. und lY. Felde, das Mittelschild geschacht; Rf. 
dasselbe geschachte Schild zu Anfang der inneren 
Umschrift MOßETKSMOVK, aussen +BNDiaTV: 
SITSNOMemOßlRXP, im Felde Kreuz. Taf.I 1. 

Dieser Turnosgroschen sieht denen täuschend ähnlich, welche 
Wilhelm IL von Berg, theils als Graf 1360—1380, theils als 
Herzog 1380 — 1408, also um 1380, so äusserst zahlreich in 
Mühlheim hat schlagen lassen. Auf diese nach Art der damaligen 
kleinen Herren offenbar in gewinnsüchtiger Absicht erfolgte Nach- 
prägung ist denn auch ohne Frage sowohl das Wappen mit den 
vier Löwen (dem jülichschen und dem bergischen) des bergi- 
schen Vorbildes, wie das moneta MOVÄ anstatt des IIOLM 
auf dem Mühlheimer Muster zurückzuführen ; das Randerathsche 
Schachwappen nimmt auf der Rf, die Stelle des Ravensbergi- 
schen Herzschildleins ein, und erscheint grösser und deutlicher 
in der inneren Umschrift der Rückseite. 

Unter den Münzen dieser Herrschaft, welche in v. d. Chijs 
leenen van Brabant S. 156 und in den Jahrgängen 1851, 1854, 
1856, 1860 und 1861 der Rev. num. beige bekannt gemacht 
sind, befindet sich keine ähnliche. Irrthfimlicherweise ist aber 
daselbst ein dänischer Hvid von Randers unter die Randerather 
aufgenommen. 

Wassenberg. 

2. T VRON V . S . CI VIS • das Stadtzeichen. Einfassung von 
12 Lilien. RJ\ +DßSDEVKSBRO, aussen (kleiner 



Unedirte Mittelaltermünzen meiner Sammlung. 3 

Löwe) BNDICTV i SIT 5 ßOffiG l Df I : DOVßll^HVXPI, 
im Felde Kreuz. Taf. I 2. 

Von diesem im Herzogthum Jülich an der Roer (nicht Buhr, 
wie Leitzmann, Wegweiser S. 198 sagt), eine Meile nordöstlich von 
Heinsberg, belegenen Städtchen hatten wir bisher nur einen 
Englisch (60DFRID - VSDttS Schild mit vier Löwen. R/. 
IIOßeTK^WKSSeßB Blumenkreuz), geprägt von Gottfried HL 
von Heinsberg 1361— 1395. (Rev. Beige IV 193). Vermuthlich rührt 
auch unser Turnose von demselben her. Ein Löwe (weiss und 
roth) war das Wappen von Heinsberg sowohl als von Wassenberg. 

Herzogthum Westfalen. Brilon. 
Erzbischof Wigbold (von Holte), 1297—1304. 

3. +WiaBOL-DVSQPIS der Erzbischof mit Buch und 
Krummstab sitzend. Rf. QIVITKS BRILOH ein mit 
einem Thurme zwischen zwei Fahnen besetztes Kirchen- 
dach, von einem Heiligen getragen. Taf. I 3. 

Ganz unbekannt ist dieser Pfennig nicht, denn er ist ab- 
gebildet in Wippo's Beschreibung des Fundes von Büren (Zeitschr. 
f. vaterld. Gesch. und Alt.-Kd. Westf. Bd. XXIX) Fig. 7 (S. 251 
No. 4), und danach in Weingärtners Silbermz. von Herz. Westf. 
Taf. in 93. Aber die Umschriften (WIQIOIiD . . . SQ Rf. 
CIIVITK ) sind daselbst viel weniger vollständig, und über- 
dies, wie Wippo bemerkt, aus fünf Exemplaren ergänzt, die Präg- 
stätte auch, dem Text zufolge, nur auf einem Exemplare mit 
den Schlussbuchstaben OH allenfalls zu erkennen. Daher war 
eine Abbildung dieses vollständig erhaltenen Stückes um so mehr 
geboten, als Wigbolds Münzen trotz seiner nicht allzu kurzen 
Herrschaft selten und solche ausserdem nur noch von den west 
fälischen Städten Lügde und Medebach bekannt sind. Ein stark 
abweichendes Gepräge s. Bl. f. Münzfreunde Taf. 102 No. 9. 

Marsberg (oder Stadtberg). 

4. +aiV .... ölQRSBeR Kreuz mit vier Kugeln in den 

Winkeln. R/. Das dreizeilige S— COLONII— A im 

Felde. Taf. I 4. 

1* 



4 H. r>annenberg! 

In der nicht unbeträchtlichen Reihe der Marsberger Mün- 
zen (s. Weingärtner, Corvei S. 73 und Dannenberg. deutsche Mz. 
d. Sachs, und fränk, K.-Z. S. 647) ein ganz neues Gepräge, dem 
Schriftcharakter und dem S. Colonia gemäss aus dem Anfange 
des XIII. Jahrh. Nicht wie hier im Felde, sondern in 
der Umschrift findet sich das S. Colonia bei Gappe, Köln 
Taf. Xn 194. 

5. +MOHS(M)KRTIS, i. F. grosses K umgeben von 

dreimal drei Pünktchen. RJ. MQ— RSBQ 

TTf^SS- Kirchenportal mit Schlüssel in demselben. 

Taf. I 5. 

Die jR/. stimmt mit dem Denare in Erbsteins Bruchst. 
Heft III Taf. II 22, die HJ. aber weicht erheblich ab und be- 
gründet eine neue Art, insofern sie das grosse 'R. nicht in einem 
Viereck und die Umschrift mons Martis ohne den Zusatz QIV 
zeigt Das 7C, welches um diese Zeit, d. h. zu Anfang des XIII. 
Jahrhunderts, Stadtzeichen geworden, und an welches sich die Sage 
knüpft, Karl d. Gr. habe die von ihm in Deutschland gestifteten 
Kirchen mit den Buchstaben des Alphabets und Marsberg als 
die älteste mit A bezeichnet, hat es verschuldet, dass Mader 
(1, 161) verschiedene kölnische Münzen wegen eines auf ihnen 
erscheinenden K ebenso hierher bezogen hat, wie andre, von 
Heinrich IV., auf denen derselbe Buchstabe neben dem Eaiser- 
kopfe steht (Bl. f. Mzkd. I S. 20b), unter Marsberg aufgeführt 
werden; freilich nicht ohne dass Grote (ebenda S. 20 ®) sich 
aus chronologischen Gründen hiergegen ausgesprochen hätte. 
Welchen Unfug vollends Cappe mit der Deutung vieler nach 
Nordheim und Umgegend gehörender, von ihm aber hierher 
versetzten Denare begangen hat, ist von mir andern Ortes 
(S. 638—640 meiner deutschen Mz. d. sächs. und fränk. E.-Z.) 
dargelegt. 

Interessant ist übrigens, dass der Stadtnamen auf der HJ. 
in lateinischer Übersetzung Mons Martis, auf der RJ. in seiner 
deutschen Form Mersberg erscheint. 



Unedirte Mittelaltermünzen meiner Samiulung. 5 

Arnsberg. Graf Ludwig, 1287—1313. 

6. +IiVDaVia-(VS).eniS3 sitzender Gekrönter mit 
Reichsapfel und Lilienscepter. RJ. ARHQSB— 
3RQL0SQ Kirche mit zwei Fahnen neben deren 
Thunne. Taf. I 6. 

Von diesem Grafen kannte Grote nur die Eversberger Adler- 
pfennige (Mzstud. VII S. 84). Von diesen weicht aber unser 
schöner und bemerkeuswerth vollständig ausgeprägter gänzlich, 
und nicht blos in der Fabrik ab, er erinnert an die seines 
Vorgängers Gottfried (a. a. 0. Taf. VII 3), auf denen nur die 
Fahnen der i2/. fehlen. Wir werden schwerlich irren, wenn wir 
unsre Münze fär älter als die Eversberger erklären« 

Diepholz. Edelherr Johann IL, 1377—1421. 

7. » lOIiSK — domiRVS sitzender Bischof mit segnen- 
der Rechten und Buch. RJ. « SSfiOTV St. 

Paulskopf mit Schwert, zu seiner Linken ein Schild- 
chen mit den Hirschgeweihen. Taf. I 7. 

Das den so äusserst häufigen Wewelinghöfern des Bischofs 
Ludwig von Münster (Cappe Westf. HI 47, 48) nachgeahmte Gepräge 

ist ganz das des Pfennigs unsres Johann mit +5Q0ß8T9 

TQ' Ä/. +IOIiKfinQS Mzstud. III 261 No. 3 Taf. IX 3. 

Die Umschriften beider Münzen schützen vor einer Verwechslung 
mit Hoya, dessen Bärentatzen dem Diepholzer Hirschgeweih, 
über das Grote a. a. 0. S. 255 zu vergleichen, völlig ähnlich 
sehen. — Dieser Pfennig sowie die nachstehend beschriebenen 
von Hoya, bis auf den Witten No. 8, und der Oldenburger No. 21 
sind einem 1875 im Oldenburgischen gemachten Funde ent- 
nommen, der leider nicht zur Beschreibung gelangt ist, weil nur 
wenige Stunden zu einer Auswahl durch das E. Münzbabinet 
und meinerseits gelassen waren; soviel ich mich erinnere enthielt 
er ausser gewöhnlichen Wewelinghöfern des XIV. Jahrh. auch 
einige Groschen, u. a. den Turnosen des Burggrafen Wilhelm 
von Hammerstein (Bd. X S. 231 d. Z.) 



ß H. Dannenberg: 

Nachdem Vorstehendes längst geschrieben war, ist Buche- 
naa's interessanter Aufsatz über den Bremer Fund S. 1 Bd. XIX 
d. Z. erschienen, in welchem unser Pfennig unter No. 25 S. 18 
vorkommt. Da indess die Abbildung Taf. I 25, für mein Auge 
wenigstens, von der Umschrift der Bf, nichts als das Dominus 
erkennen lässt, so halte ich es nicht für überflüssig, die deut- 
lichere meines Exemplares hier zu geben. Auch die meisten 
der folgenden Gepräge von Hoya waren in dem gedachten Funde 
vertreten, ich habe es jedoch aus demselben Grunde, weil die 
Lichtdrucke auf Taf. I und II zwar den Charakter der Münzen 
durchaus getreu wiederspiegeln, die Umschriften aber meistens 
zu wenig klar erkennen lassen, für erspriesslich erachtet, mit 
der Abbildung meiner bereits gezeichnet gewesenen und in den 
meisten Fällen vollständigeren Exemplare nicht zurückzuhalten. 

Hoya. 
Graf Gerhard III. zu Hoya und Johann I. zu Nienburg, 

1324-1377. 

8. +6IieR . Z lOh s aO : miiO Yff die Bärentatzen, i?/. 
+MOnaTff • maßBORah Kreuz. — K. Münzk. 
Kopenhagen. Taf. I 8. 

Diese Münze schliesst sich im Style wie in der Grösse und 
anscheinend auch im Gehalte durchaus den Witten der wendi- 
schen Städte an, was, trotz der Herrschaft der westfälischen 
Wewelinghöfer, in dem kleinen Hoya nicht befremdend ist, da das 
Umlautsgebiet dieser Witten sich nicht allein über Westfalen, 
sondern bis an den Bhein erstreckt hat, wie ausser den Funden 
auch gewisse rheinische Nachprägungen lehren (s. S. 57 der 
Festschrift d. Num. Ges. Berlin 1893). Vielleicht möchte man 
aber Anstoss nehmen an dem hohen Alter, das ich unserem Witten 
zuschreibe; der Hoyasche Stammbaum lässt indess keine Mög- 
lichkeit einer andern Zutheilung als an unser Brüderpaar zu, 
und ausserdem kommt in Betracht, dass in dem nahen Bremen 
Erzbischof Albert zwischen 1359 und 1369 ähnliche Witten (BL 
f Mzkd. I Taf. XIII 167) geschlagen hat. Auch von Gerhards 



ünedirte Mittelalternmnzen meiner Sammlung. 7 

Sühn Otto III., 1383—1428, hat uns Grote einen Witten ver- 
wandten Gepräges mitgetheilt (Mzstud. IV Taf. 8 No. 10). — 
Übrigens beziffert Grote Mzstud. IV S. 242 unseren Johann als 
den zweiten, richtiger aber wohl in seinen Stammtafeln S. 196 
als den ersten, da kein anderer Graf gleichen Namens vorhergeht. 

Graf Otto IIL, 1383—1428. 
9. (Sanctus) — SV0 .... sitzender Bischof mit segnen- 
der Rechten und Buch. Rf, OTT(0;com)IU hOY'ff 
Kopf des heiligen Paulus mit Schwert, zu seiner 
Linken ein Schildchen mit den Hoyaschen Bären- 
tatzen. — Taf. I 9. 

Das Gepräge, das sich genau an die schon No. 7 erwähnten 
Münsterschen Wewelinghöfer des Bischofs Ludwig (1310—1357) 
anschliesst, hat Grote bewogen, die drei typengleichen von Bassum 
und Nienburg (Mzstud. IV Taf. 8 No. 1 — 3), von denen der erste 
den Namen Otto zu tragen scheint, dem älteren Otto U. zu 
Nienburg (1290—1324) als einem Zeitgenossen Ludwigs zuzu- 
weisen. Mit Rücksicht aber auf den eben besprochenen gleich- 
artigen Diepholzer Pfennig, ffir den kein anderer Münzherr als 
eben Johann II., 1377 — 1421, ausfindig zu machen ist, und mit 
Rücksicht ferner auf den sogleich zu besprechenden Erich zu 
Nienburg, bei dem die Sache gerade ebenso liegt, ist es geboten, 
sowohl unsre als die Grotesche Münze für jünger, also für ein 
Gepräge Ottos III. zu erklären; wir müssen eben annehmen, dass 
jene noch heut in ausserordentlicher Fülle vorhandenen Münster- 
schen grade zu seiner Zeit im Münsterlande veie in den an- 
grenzenden Grafschaften massenhaft umliefen und somit zur 
Nachprägung anreizten. Diese Annahme stösst auf keinerlei 
Bedenken, im Gegentheil bleiben wir, ihr folgend, in Überein- 
stimmung mit der üblichen Zutheilung der ganz ähnlichen Olden- 
barger Denare (Mzstud. III Taf. I, 8 S. 104 No. 11) an den 
Grafen Moritz, dessen Regierung 1386—1426 mit der unsres 
Otto III. zusammenfällt. Auch steht keineswegs entgegen, dass 
die letzte der hier noch aufzuführenden Hoyaschen Münzen eben- 
sowohl als der ebenso sicher Otto UI. gehörige und von Grote 



^ U. Dannenberg: 

(Mzstud. IV S. 248 Tat 8 No. 10) ihm zugeschriebene Witte ein 
neueres Ansehen haben, seine Herrschaft von 45 Jahren lässt ja 
solche Unterschiede sehr wohl zu, ja fordert sie beinahe, und 
der alte Denar hat sich nirgends so lange erhalten als in dem 
konservativen Westfalen, wie u. a. der Soester Denar Erzbischof 
Friedrichs III. (M6m. Pet. HI Taf. IV 3) beweist. 

Nachträglich ersehe ich mein Einverständniss mit Buchenau, 
der aus der Zusammensetzung des gedachten Bremer Fundes 
und dem leichten Gewicht dieses Pfennigs zu demselben Ergeb- 
niss gelangt. Er giebt (a. a. 0. No. 10) als Umschrift OTTO« 

aOJß . . . J IiOYÄ Rf. ..ßaTa-— SW ; das sanctus 

Swenoier (S. 13, 14, 15 und 24 a. a. 0. weiss er so wenig zu 
erklären als ich. 

Dies vorausgeschickt, werden wir der Zeit Ottos UI. auch 
die folgenden drei namenlosen Fundgenossen zusprechen dürfen. 

10. Dieselbe Darstellung, aber — xBQRSQ ... Rf. 

— PSVLV (Buchenau No. 15 minder gut). 

Taf. I 10. 

11. Ebenso, aber moneTS — x BeGR .... Rf, — 

BflRQIiIS (Buchenau No. 18, weniger vollständig, 
und BeORSeüftS statt BaRQIiIS). Taf. I 11. 

Der auf der Hf von No. 10 genannte Prägeort Berssen 
scheint auf No. 11 beide Seiten einzunehmen. Grote weist a. a. 0. 
S. 244 den Namenswandel dieses Berssen in die heutige Form 
Bassum nach, wobei er freilich, in Folge der Zutheilung von 
Münzen an Otto II. (1290—1324) gegen Buchenaus Mittheilung 
(S. 13 a. a. 0.) verstösst, dass der Ort erst 1384 anHoya gekommen. 

12. ; HOftaTS — 'BaRSQßea sitzender baarhäuptiger 
Geistlicher mit dem Hoyaschen Schilde und Buch. 
Rf ; OTTO ; aOMQS ; Iß J ROYS der Schild von 
Hoya. Taf. I 12. 

Unter den Hoyaschen Münzen war diese im Funde am 
stärksten vertreten, vielleicht, wofür sowohl ihr Äusseres als 
ihr Fehlen im Bremer Funde spricht, weil sie die jüngste war. 



Unedirte Mittelaltermünzen meiner Sammlung. 9 

Graf Erich I. zu Nienburg, 1377- 1427. 

13. +HOßaTa — HVeam : OI sitzender Bischof mit seg- 
nender Rechten und Buch. Rf, OöiaVS J QO . . . . 
St. Paulskopf mit Schwert und dem Hoyaschen Schilde. 

Taf. I 13. 
um so schätzbarer, als Grote keine sicheren Münzen von 
diesem Herrn hat beibringen können. Bei ihm lautet der Name 
Nigenburg, hier müssen wir wohl ganz ähnlich Nygenburg lesen, 
der Stempelschneider war ja nicht sehr bewandert im Schreiben, 
wie das Ott statt der ähnlichen Buchstaben 3R am Anfange 
des gräflichen Namens zeigt. — Buchenau hat die Münze unter 
No. 7.) mit voUständigem QüiaVS iQQ--- $ßQS ;: IiOI+. 

Lippe. Bernhard III., 1229—1265. 

14. BQRNH(KR)D' IIF Königskopf mit Scepter. Rf. 
NIQ— OLQ— OHQ— liVH langes doppelliniges Kreuz 
mit drei Kugeln in jedem Winkel. Taf. I 14. 

Beschrieben, aber noch nicht abgebildet, aus dem Sterlings- 
funde von Ribnitz (Bd. XV S. 318 No. 221 d. Z). 

Herrmann III., 1265-1273. 

15. Gleiches Gepräge, mit IiaRMKNNVS lU'. Rf. 
Rei - aVD - (Hli— VH). Taf. I 1 5. 

Grote konnte in seiner lippischen Münzgeschichte (Mzstud. Y 
183) nur Eine Münze dieses Herrn beschreiben, und zwar mit 
einer Rose im Dreieck. Rf. Gebäude. Einen Sterling, ähnlich 
dem unsrigen, aber mit anderem Münzmeisternamen (HQIVIDGH 
LVH) hat dann der erwähnte grosse Sterlingsfund gebracht. 
(Bd. XV 319 No. 231 d. Z.) 

Simon I., 1275—1344. 

16. Dieselben Münzbilder, aber SIMON DB (LlP)Pia 
Rf. WIL— ai^-OHL— VND. Taf. I 16. 

Dass Simon die englischen Nachprägungen seines Grossvaters 
Bernhard III. fortgesetzt hat, war uns schon durch No. 35 



10 H. Dannenberg: 

Taf. IV Bd. V Münzstudien und den Ribnitzer No. 232 S. 319 
Bd. XV d. Z. bekannt. Auf ersterer nennt er sich SIMOII 
HOBIL III, vermöge der ihm nicht zukommenden Namensziffer III 
sich eng an das englische Vorbild anschliessend, auf letzterer 
dagegen, wie hier, Simon de Lippia. Später verlässt er dies 
englische Gepräge, indem er das doppellinige Kreuz durch ein 
einfaches, mit Röschen in den Winkeln ersetzt. So überliefert 
er es auf seinen Nachfolger Otto (Mzstud. V S. 197), nicht ohne 
zahlreiche neue Gepräge einzuführen, wozu seine langausgedehnte 
Herrschaft Gelegenheit genug bot. 

17. HO(bilis)— DGLIPP Brustbild mit segnender Rechten 
und Rose unter einem dreifachen Bogen, über dem sich 
eine Kirche mit zwei Fahnen zur Seite des Thurmes 
erhebt. Rf. NON~eTKL-IPP die Rose in einem 
Dreieck, in dessen Winkeln je ein Kreuzchen. 

Taf. I 17.. 

Nachträglich aus dem Funde von Meppen (Bd. X 197 d. Z.) 
ermittelt, und von der gewöhnlichen Art (Mzstud. V Taf. IV 44) 
durch das nobilis de Lipp an Stelle des Simon nobilis unter- 
schieden. 

Grafschaft Mark. Adolf IV., 1398-1422. 

18. KDOLPliVSJ(IOIia....G der Klevische Wappen- 
schild. Rf. MOß— (eta) »OV-K-ORSO der Märkische 
Schild auf drei Lilienstäben ruhend. Taf. I 18. 

19. » ÄDOLPhVS aOMBS OLGVe der Klevische Schild. 
RJ. ♦ MOttGTÄ ♦ SWGIRTen der Märkische Schild. 

Taf. I 19. 

Beide Prägestätten, das Städtchen Orsoy, am Rhein, im 
Reg.-Bez. Düsseldorf, Kreis Geldern, V^ Meilen nordwestlich 
von Duisburg belegen, sowie Schwerte an der Ruhr, im Reg.-Bez. 
Arnsberg, V^ Meilen südöstlich von der Kreisstadt Dortmund, 
begegnen uns hier zum ersten Male, denn wenn nach v. Steinen's 
westfälischer Geschichte in Schwerte 1406 Pfennige geprägt worden. 



Unedirte Mittelalterinünzen meiner Sammlung. H 

SO sind solche bisher doch nicht nachgewiesen, und die angebliche 
moneta nova Nuerde, die Mader (VI 175) hier geprägt glaubt, 
gehört vielmehr nach Horde (Bl. f. Mzkd. II Taf. XIX 277). 
Zweifelhaft kann der Münzherr sein, das Aussehen beider 
MüDzchen aber und obige Nachricht über eine Prägung zu 
Schwerte 1406 sprechen wohl mehr für den späteren Adolf als 
für seinen Vater Adolf III., der nur wenig länger als ein Jahr, 
vom 24. 12. 1391 bis zum 2. 1. 1393 geherrscht hat; jedenfalls 
aber sind unsre Münzen älter als 1417, denn in diesem Jahre 
wurde Adolf zum Herzog von Kleve erhoben. Pfennige gleichen 
Gepräges haben wir übrigens auch von Hattingen; bemerkens- 
werther Weise hat zwar der eine derselben um das Klevische 
Wappen ebenfalls den Titel von Kleve, der andere dagegen (Bl. 
f. Mzkd. II Taf. XXV 384) den von Mark. 

Johann IL, 1481—1521. 

20. lOh' DVX*aL — (e) — VQ • 2 • aO*MÄR der Her- 
zog im Mantel mit Schwert und dem Klevischen Wappen 
in einem Kreise. Ä/. MOß— ßOV— K*RO— RDä 
auf langem Blumenkreuz der gespaltene Klevisch- 
Märkische Schild. Taf. H 20. 

Dieser schöne Groschen ist eine genaue Nachbildung des 
Dortmunders von Kaiser Max I., den ich in der Festschrift der 
numismat. Gesellsch. zu Berlin 1893 Taf. II 11 veröffentlich habe, 
erklärlich durch die Nähe der tonangebenden Reichsstadt; der 
Reichsapfel ist ersetzt durch die Scheibe [mit dem Klevischen 
Wappen. Dieser Umstand lässt keinen Zweifel zu, dass 
weder Johanns II. gleichnamiger Vorgänger noch sein eben- 
so genannter Nachfolger mit unsrem Groschen bedacht werden 
darf. 

Übrigens wäre eine Mttnzgeschichte der Grafschaft Mark 
endlich nötbig, denn die Vorarbeiten von Mader (YI 139), 
Leitzmann (Num. Zeitschr. 1855 S. 95) und selbst von Grote 
(Bl. f. Mzkd. IT 127, 190, 359, 366) sind längst veraltet. 



12 H. Dannenberg: 

Oldenburg. 

21. SK - ÄIIBeRTVS sitzender Bischof mit segnen- 
der Rechten und Buch, auf der Brust einen Stern. 
Ef. (SK)ßaTVS X X X X St. Paulskopf mit Schwert, zu 
seiner Linken ein Stern. Taf. I 21. 

Grote bringt Mzstud. III 104 No. 11 einen ganz gleichen 
Denar, aber mit übrigens von ihm angezweifelten + MO . . . 
DÖUftBO an Stelle des SÄHQTVS. Ähnliche, aber minder deut- 
liche, hat der Bremer Fund (s. Tf. II 53, 54 Bd. XIX d. Z.) 
geliefert, doch fehlen die 4 Kreuzchen hinter dem Sanctus, dem 
hier anscheinend kein Name folgt. Buchenau bemerkt (a. a. 0. 
S. 33), dass diese Sternpfennige vielleicht von der Delmhorster 
Linie (Grafen Christian oder Otto) ausgegangen sein möchten. 

Ravensberg. 

Noch sehr dürftig ist die Reihe der Ravensberger Münzen, 
über die Grote (Bl. f. Mzkd. I No. 33 II 3 u. letzte Seite, Bd. II 
355) handelt. Sehr werthvoUe Bereicherung hat der Fund von 
Brümmerloh gebracht (Erbstein, Eat. Schellhass S. 53 u. 67), 
dessen Beschreibung wir freilich immer noch ersehnen; auch 
dem Funde von Rahden (Mzstud. Yll 102 b) verdanken wir 
einiges Neue. Wichtig ist folgender, nach irischem Muster ge- 
prägter Denar des 

Grafen Bernhard, 1329—1346. 

22. BeRlI~HKRD-(R)eX III Königskopf im Dreieck. 
Rf. BIL^ava~LDa— aiV Doppelliniges Kreuz 
mit drei Kugeln in jedem Winkel. 

Wäre nicht der Name Bernhard, den man doch nicht etwa 
durch lippische Nachprägung erklären kann, so v^urde man 
diesen Sterling gewiss früher, unter Otto III., 1249 — 1306, an- 
setzen, in dessen Zeit hauptsächlich diese Münzsorte fällt. 

Von Wilhelm dem Alteren, 1361—1408, zugleich Grafen, 
dann seit 1380 Herzoge von Berg, 



Unedirte Mittelaltermünzen meiner Sammlang. 13 

dem Sohne der Margarethe, Erbtochter von Ravensberg, 
ist folgender Pfennig: 

23 LMVS QOM . . der Kaiser halben Leibes, im 

Mantel, mit Scepter und Reichsapfel. Rf. MOttQTÄ 
BI(leye) LD Sparrenschild in einer Einfassung von 
vier Bogen. Taf. I 23. 

In dem oben bei No. 7 erwähnten Oldenburgischen Funde 
von 1875 stark vertreten, in einigen Verschiedenheiten, wie 
solche auch der Bremer Fund ergeben hat (s. Taf. II 67—74 
Bd. XIX d. Z.) 

Von demselben Grafen oder seinem gleichnamigen Sohne 
Wilhelm dem Jüngern, der 1415 auf das Bisthum Paderborn ver- 
zichtete, werden nachstehende Vierlinge herrühren: 

24. Ohne Umschrift. Brustbild ähnlich wie vorher. RJ. 
Ohne Umschrift. Der Sparrenschild von Ringeln und 
Röschen umgeben. Taf. I 24. 

Gleichen Gepräges mit Mader's Obole(?) Bd. VI Taf. I 12. 

25. Vierling mit ähnlichem Brustbilde, ohne Umschrift. 

RJ, BIL— a Der Sparrenschild in einem auf 

die Spitze gestellten Dreiecke. Taf. II 25. 

Sternberg. Graf Heinrich, 1249—1282. 

26. höNRiaVS aOMa Königskopf mit Scepter linkshin. 
Rf. BGS - IMG — VGL — DGI langes doppelliniges 
Kreuz mit einem Stern in jedem Winkel. Taf. II 26. 

Diese schöne Münze ist nicht ganz unbekannt, wohl aber 
noch unerklärt. Chautard in seinem Type esterlin hat sie Taf. 26 
No. 9 als ^nigmatique abgebildet und bemerkt: „rincoh6rence des 
lettres^' der Rf. lassen keine Erklärung zu, stellt sie jedoch richtig 
der im Gepräge völlig gleichen, aus Orote's Münzstudien V 
(Taf. ni 51) übernommenen seines Bruders, des Grafen Wittekind 
v. Schwalenberg zur Seite. Diese führt auf die richtige Spur, 
nur muss man nicht, wie Chautard thut, DSIOVSIHOVGL lesen, 



14 H. Dannenberg: 

sondern bei dem von ihm verkannten, aber auf unserm Exemplare 
deutlichen BO anfangen, um Bösingfelde, einen im heutigen 
Fürsten thum Lippe-Detmold an dem Flüsschen Ascher gelegenen 
Marktflecken zu finden, der bisher in unsrer Wissenschaft un- 
bekannt war. — Diese schottischen Sterlinge von Alexander IL, 
1214—1249, oder III., 1249—1285, sind in unsrem Vaterlande 
ausser von den gedachten beiden Herren meines Wissens nur noch, 
in etwas veränderter Art, in Lügde (mit ÄliÖXHNDaR • RQX Rf. 
Wappenschild, Mzstud. V Taf. 6 No. 3) sowie in Helmershausen 
(durch die Äbte Konrad III., Gottfried und Johann IL, s. Plato 
41, 42, Schönemann S. 67 No. 24) nachgebildet worden. 

Propstei Wildeshausen. 
Friedrich von Schagen, erzbischöflich bremischer Vogt(1360, 1386). 

27. STtna ... — Ra6 . . . VS sitzender Bischof mit segnen- 
der Rechten und Buch. ß/. +H0 — WILDBSVS 

St. Pauluskopf mit Schwert, zu seiner Linken ein 
leeres Schildchen. Taf. II 27. 

Dieses Münzchen hat mir viel Kopfzerbrechen verursacht; 
ich glaubte, den Heiligennamen Reinoldus, den des Ortes aber 
Besus, als Verstümmelung von Bassum lesen zu müssen, bis das 
sehr ähnliche Stück des Bremer Funds (Taf. I 42 Bd. XIX d. Z.) 
mir die Wahrheit enthüllt hat. Wir haben es also mit einem 
nicht nachweisbaren S. RQIGßaVS und der Propstei WilDGSVS, 
Wildeshausen zu thun, um die sich besonders Buchenau so ver- 
dient gemacht hat (s. Mzstud. VII 492 und Bd. XV 262 d. Z.) 

Köln. Erzbischof Rnprecht (Pfalzgraf), 1463—1480. 

28. 4f ROPGRTVS 4f TtRI' 4f ePS 4f GOLOß' der heil. 
Petrus mit Schlüssel und Buch, halben Leibes, zwischen 
dem kölnischen und dem pfälzischen Schildchen. Rf. 
BßDIGT VSIT ♦ KOMQ * DßffiRI ♦ IIiV ♦ XPI Schild- 
chen mit springendem Ross, innere Umschrift 6R0 — 
SSV— SBQ— RG' ein die innere Umschrift theilendes 
Kreuz mit einem Sterne in jedem Winkel. Taf. II 28. 

Cappe nennt die Prägstätte BGRGfc', BGRGhGR' einiger 



Unedirte Mittelaltermünzen meiner Sammlung. 15 

Goldgalden und Groschen dieses Herrn (No. 1136, 1159, 1160, 
1323) Bercben und vermuthet in ihr (S. 291) Bergheim, das 
aber nicht ihm, sondern dem Herzoge von Jülich gehörte; und 
doch hatte schon Joachim, den er für den Weissgroschen No. 1159 
anfahrt (Gr. Kab. E. Fach Taf. X 91) das Berch richtig auf 
Rheinberg, ein im Kreise Geldern des Beg.-Bezirks Düsseldorf, 
etwa zwei Meilen südöstlich von Xanten, belegenes Städtchen 
gedeutet. Unser Turnosgroschen ist schätzbar nicht blos als 
bisher unbekannt, sondern auch wegen seines vortrefflichen 
Stempelschnittes, von dem leider meine Zeichnung nur einen 
unvollkommenen Begriff giebt, er ist eins der schönsten Werke 
gothischer Kleinkunst. Statt des Titels dux We(stfaliae auf 
den gedachten Weissgroschen steht hier das westfälische Boss. 

29. »ROPaR^KR-ahiaPS'QO' der heil. Petrus mit 
Krenzstab und Schlüssel halben Leibes über einem 
Schilde mit dem springenden Bosse; Rj\ MOfiQTK- 
ftOVffi.BeRahG Wappenschild, gespalten, vorn Köln, 
hinten quergetheilt Pfalz und Baiern. Taf. II 29. 

Zu spät erst sehe ich, dass dieser halbe Weissgroschen aller- 
dings schon in Reistorffs Isenberger Münzfund S. 19 No. 38 
beschrieben ist. Die dort Taf. U 38 gegebene Abbildung steht 
aber der unsrigen, von der sie etwas abweicht, nach. Beistorff 
bemerkt, dass Ruprecht in Folge seiner Streitigkeiten mit dem 
Kölner Domkapitel aus dem grössten Theile des Erzstiftes ver- 
trieben worden sei und sich nur in dem nördlich, von den übrigen 
Stiftslanden getrennt liegenden Bheinberg und den westfälischen 
Besitzungen habe behaupten können, er setzt diese Münze daher 
in die Zeit von seiner Vertreibung bis zu seiner Gefangennahme, 
U73 bis 1477. 

Herzogthum Sachsen. Herzog Bernhard, 1170—1212. 

30. B(eRA)ARaVSDV« der Herzog unbedeckten Hauptes, 
mit Schwert und Kreuzstab, i. F. beiderseits ein 
Stern. RJ. +A6Teße[ CIVITÄ- drei Thürme auf 
einem Bogen. Taf. n 30. 



lg H. Dannenberg: 

Vor 35 — 40 Jahren legte mir der verstorbene Münzhändler 
Weidhas einen Denar vor, den ihm angeblich der gleichfalls 
verstorbene Sedlmair übersandt hatte. Er sollte Magdeburgisch 
sein, doch konnte bei näherer Prüfung kein Zweifel bleiben, dass 
das Bild keinen Heiligen und die Inschrift nur den askanischen 
Herzog Bernhard bezeichnete. Ich nahm von dieser interessanten 
Münze eine genaue Zeichnung, und habe sie nach dieser später 
in den Berl. Blättern Bd. IV S. 49 beschrieben und Taf. XLIII 8 
abbilden lassen, ohne das ACTE. . CIVITAS der Rf, deuten zu 
können. Gelegentlich äusserten dann die HH. Erbstein gegen 
mich die Ansicht, das ACTE. . sei wohl nichts als das K0TGß6 
des Denars bei v. Posern XLVI 16. Da bis auf die Umschrift, 
wenn man nur die weniger stylgetreue Darstellung bei Posern 
berücksichtigt, beide Münzen mit einander völlig übereinstimmen, 
auch die Abweichung in der Umschrift sich auf die noch dazu 
so leicht der Verwechselung unterliegenden beiden ersten Buch- 
staben der Rf. (A6 und KO) beschränkt, überdies keiner der 
berufensten Kenner eine Erklärung zu finden wusste, so erschien 
mir diese Ansicht in dem Grade annehmbar, dass ich sie zu der 
meinigen machte und ihr in der Anmerkung S. 260 Bd. V d. Z. 
Ausdruck gab, obwohl ich mir der Richtigkeit meiner Zeichnung 
wohl bewusst war. Darauf hat mir denn vor wenigen Jahren 
ein glücklicher Zufall diese Münze, und zwar eben dasselbe 
Sedlmairsche Exemplar^), welches namentlich au seinem Bruch- 
schaden leicht erkennbar ist, zugeführt, und femer ein zweites, 
das hier beschriebene und abgebildete, während ein drittes neuer- 
dings in die hiesige königliche Münzsammlung gelangt ist. Alle 
drei, einzeln wie zusammen, lassen über die Eichtigkeit der 
Lesung +A6TGßG keinen Zweifel. Ein Stempelfehler aber, also 
eine Verwechselung von A6 mit KO, ist selbctverständlich aus- 
geschlossen, man darf einen solchen doch nicht gleich in zwei 
auf einander folgenden Buchstaben annehmen, wenn alle übrigen 
richtig sind, und man darf ihn namentlich nicht annehmen bei 



1) jetzt im herzogl. Münzkabinet zu Dessau. 



Unedirte Mittelaltermünzen meiner Sammlung. 17 

Bernhard, dessen Münzen sich sämmtlich durch fast durchweg 
fehlerlose Umschriften auszeichnen ^). Wo aber ist unser Agtene 
zu suchen? Nicht weit von Eöthen, das beweist die Überein- 
stimmung unsres mit dem ged. Köthener Pfennige. Ein Blick 
auf die Landkarte genügt aber, um unsre Gedanken auf Aken 
zu lenken, das wenige Meilen von Köthen an der Elbe gelegen 
und von hohem Alterthum ist'). Wir werden also den bisher 
bekannten Münzstatten Bernhards, Köthen, Wittenberg und wohl 
auch Aschersleben') unser Aken hinzuzufügen haben, einen 
Ort, der bisher in der Münzkunde nicht genannt wurde und auch 
in Leitzmanns Wegweiser nicht erwähnt wird, denn eine Ver- 
muthung Maders (Bd. IV S. 55, VI S. 80), dafs ein Otto mit 
AKQVENA CI VITAS hier geprägt sein könnte, ist ohne Frage 
unbegründet und gewiss ARGENTINA zu lesen, wie namentlich 
der Titel pacificus auf der Hf. ersichtlich macht, es ist einer 
der Denare oderObole No.906, 906% 907, 907» in meinen deutschen 
Münzen der sächs. und fränk. Kaiserzeit. 

Anhalt. Fürst Albrecht V., 1424—1475. 

31. «ÄliBeRTVS . Dei . GRSaiÄ . DVX . ÄßH der ge- 
spaltene Anhaltische Wappenschild, über demselben 
Ä6®, zu jeder Seite eine Bosette. Ä/. JGROSSVS. 
IIOWS-aV-KUhÄliT- der kleine Schachschild, i. F. 
Blumenkreuz in einer vierbogigen Einfassung, mit 
einer Rosette in drei Winkeln. Taf. II 31. 

Es ist das derselbe Groschen, der aus dem Funde von 
Laucha bereits in der Numismat. Zeitung 1861 S. 50 bekannt 
gemacht und danach von Stenzel (Num. Studien S. 8) beschrieben 
worden ist, jedoch nur oberflächlich, so dass er, mangels Er- 
wähnung des Kreuzes als Hauptgepräges der i2/. die Bemerkung 
daran schliessen konnte, dieser Groschen habe ganz das Gepräge 



1) Kur der etwas übel gestaltete Brakteat Else I 6 leigt einige 
Stempelfehler. 

2) Aken besitit eine Liebfraaenkirche ans dem Anfange des XITI. Jahrh. 
(Kugler, Kunstgeschichte n S. 355). 

3) Erbstein Fond v. Trebiti S. 10, y. Hdfken Archiv II S. 79. 

Z«iuehrift fttr KuBatinstik. X2L 2 



18 M. Dannenberg: 

der in Brandenburg, Havelberg, Königsberg und Rathenau in 
den Jahren 1463 — 1468 ausgebrachten märkischen Groschen; dies 
ist jedoch keineswegs der Fall, denn letztere haben auf der Rf. 
ein einfaches Kreuz mit vier Wappen in den Winkeln, der unsrige 
dagegen, mit dem wappenlosen Blumenkreuz in einer Einfassung 
von vier Bogen tritt vielmehr als eine Nachahmung der Meissner 
Groschen auf. Bei seiner Seltenheit — mir ist kein zweites 
Exemplar bekannt — , seiner Schönheit, sowie als ältester An- 
haltischer Groschen und als die einzige Schriftmönze dieses 
Fürsten verdiente er eine Abbildung, getreuer als die in der 
Numismat. Zeitung Taf. 1 17 gelieferte. Auch der Titel dux, den 
die Anhaltischen Fürsten sonst nicht führen, verleiht ihm ein er- 
höhtes Interesse; da er schwerlich auf Willkttr des Stempelschneiders 
zurückzuführen ist, so dürfen wir vielleicht annehmen dass er ein 
Anspruchstitel ist, erinnernd an Albrechts Abstammung von Herzog 
Bernhard von Sachsen, der Herzogstitel war aber an die ältere, 
die Wittenberger Linie gekommen. Bemerkenswerth ist auch das 
namentlich in so später Zeit wenig gebräuchliche dV (cusus) der RJ, 

Georg II., 1474—1509. 

32. Grosses gothisches 6 im Felde. Rf. das Auhaltische 
Wappen. Taf. II 32. 

Es liegt am nächsten, in dem 6 der Hf. den Anfang des 
Fürstennamens zu sehen, also Georg I. (1405 — 1474) oder dessen 
Sohn Georg H. (1474-1509). Allein für Ersteren erscheint 
unser recht geringhaltiges Münzchen doch wohl zu jung, für den 
Sohn dagegen durchaus passend. 

Ernst, Rudolf und Wolfgang, 
gemeinschaftlich vom 25. April 1509 bis zum 8. September 1510. 

33. MO'ßO'K— 0-TGßQ'4f 1709 Gewappneter unbe- 
deckten Hauptes, in der Rechten den Anhaltischen 
Schild, in der Linken ein Fähnchen. Rf. »GOEUttS» 
ROLF* WLF^f FV (4^3) Vi^TOt die oben gehenkelten 
und verbundenen Wappenschilde von Anhalt und 
Aschersleben, unten zwischen ihnen JS. Taf.T[ 33. 



Unedirte Mittelaltennünzen meiner Sammlung. 19 

34. ÄhnUch, aber MO'ßO'STS— R— VSßSIS 1709 Rf. 
QRß'ROIi^^f WLP^f IieGRVTSTSßh' unter den Schilden 
(statt 1i) Taf. II 34. 

Den ersten dieser halben Groschen beschreibt Grote 
(Mzstud. Vn 490), jedoch etwas abweichend, mit wohl ver- 
lesenem Wmi statt WliF, und ohne Angabe des Gepräges, nach 
Maders handschriftlichem Kataloge, während der zweite noch 
ganz unbekannt ist^). Die Prägstätte Zerbst war bisher noch 
auf keiner Mittelaltermänze beobachtet, Köthen auch nicht mehrseit 
dem grossen Brakteaten Herzog Bernhards mit BGQIHHKRDVS • 
DEHÄRIVS . C0TH6 (Köhne Nf. IX 9, Elze Taf. I 7) und dem 
vorstehend ged. Denare desselben Herrn (v. Posem XLVI 1 6). Es 
ist zu betonen, dass wir aus dem Mittelalter, von vorstehendem 
Groschen Albrechts V. abgesehen, kein Groschengepräge haben 
ausser von diesen drei Ffirsten, und dass diese alle in der 
kurzen, veenig über 16 Monate dauernden Zeit ihrdr gemein- 
schaftlichen Herrschaft in nicht wenigen verschiedenen Arten 
und Stempeln ausgebracht worden sind, nämlich zwei ganze 
Groschen, einer mit der Madonna (Stenzel, Num. Stud. I 12) 
und ein anderer mit dem Anhaltischen Wappen im Felde 
(Mzstud. yil Taf. 19 No. 7), sowie mehre den vorstehenden 
ähnliche halbe Groschen aus der Münze zu Bernburg. Letzter e 
habe ich schon flüchtig erwähnt in der Wiener numismat. Zeit- 
schrift n 523, und gebe hier ihre vollständigere Beschreibung, 
mit dem Bemerken, dass die Schrifttrennungszeichen nicht über- 
all deutlich sind: 

35. MO*ßG*BaRHBORaß 1^0 wie vorher Rf. GRn 
ROF WIiF»PSIP'*VJS'*JSßfe dieselben Wappen, 
unter ihnen eine Lilie. 

36. Ebenso, jedoch ♦GRa^fROLF* W . . . F V*3V*nilh. 



1) Es ist mir iwar, als wäre mir der Zerbster schon, wahrscheinlich bei 
einer Fundbeschreibimg, Yorgekommen, ich vermag ihn aber, trotz alles 
Sachens, nicht aofsnfinden. 

2* 



20 H. Dannenberg: 

37. Ähnlich, aber mit BRn^fROIi'^fWLF'^PRK^ÄD* 

Alle diese Halbgroschen (im hiesigen E. Münzkabinet be- 
findlich), auf denen die eigenthümliche Form der Ziffer 5 be- 
merkenswerth (Mader IV 183), stellen sich als ziemlich getreue 
Nachbildungen der noch jetzt so häufigen Magdeburgischen halben 
Groschen des Erzbischofs Ernst dar. Von grossem Interesse 
ist es zu sehen, wie gleichzeitig die Bezeichnungen PrinSIPes 
V3tn Ttßtialt, principes ad Anhalt und zu Anhalt neben FVrsten 
V KHIialt und IiQRren V3Jn Äßfealt angewandt wurden, ein 
Wechsel in der Titulatur^) und in der Sprache, fast so auf- 
fallend wie das dux Anhalt der No. 31. — Wenn übrigens 
Grote (Mzstud. VII 491) das von mir a. a. 0, „Fürsten** ge- 
deutete HS eines anderen Exemplars lieber HratreS zu lesen 
vorschlägt, so steht ihm mehr noch als das auf unser Köthener 
Münze an* derselben Stelle, also gleichwerthig erscheinende HV 
der von ihm selbst angegebene Umstand entgegen, dass Wolfgang 
gar nicht der Bruder der beiden andern Fürsten Ernst und 
Rudolf, sondern der Sohn ihres 1508 verstorbenen Bruders 
Waldemar war. 

Als Th eilmünzen zu diesem halben Groschen gehören ver- 
schiedene einseitige Pfennige mit derselben Rückseite, von denen 
der mit K unter den Wappen sich bei Stenzel a. a. 0. Taf. 1 10 
abgebildet findet; ähnlich sind die folgenden: 

38. Die Wappenschilde von Anhalt und Aschersleben, wie 
auf No. 33 und 34 verbunden, zwischen ihnen unten 0. 

Taf. n 38. 

39. Ebenso, aber eine Lilie an Stelle des 0. Taf. II 39. 

Wie hier die Lilie, so ist doch wohl das K und an der- 
selben Stelle der einseitigen Pfennige und der Halbgroschen 
No. 32 und 33 nur als Münzzeichen anzusehen. Andere derartige 
einseitige Pfennige zeigen statt des Schachs den Bemburger Bären. 



1) Mader VI 51. 



Unedirte Mittelaltermünzen meiner Sammlung. 21 

Meissen? 

40. Ein mit einem flachen Hute bedeckter rechtsgewandter 
Kopf mit weit geöffnetem Monde, iü/. Anker. Taf. II 40. 

Höchst auffallend ist das Gepräge der Hauptseite, der auf- 
gesperrte Mund und die starken Falten um denselben geben 
dem Kopfe ein karikaturähnliches Aussehen, das auch an den 
sogenannten Jndenkopf, den thüringischen Helmschmuck, denken 
lässt; dass derselbe auf den bekannten meissnischen Judenkopf- 
Groschen (Böhme, Sachs. Gr. Kab. 1 272) mit einem spitzen Hute 
bedeckt ist, möchte in Anbetracht des verschiedenen Zeitalters 
nichts verschlagen. Auch wäre zum Vergleich heranzuziehen 
der Brakteat in den Bl. f. Münzkunde Bd. I Taf. 23 No. 304 
(Cappe, K. Mz. 11 Taf. XVIIl 193), auf dem nach A. Erbstein 
(Trebitz S. 41) das Brustbild rechts von dem aufgerichteten 
Schwert einen Judenhut, d. h. einen runden Hut mit einer in 
einen Knopf endigenden Spitze trägt. Der Anker der Rückseite 
dürfte vielleicht die Prägestätte bezeichnen; darf man diese 
etwa in Riesa suchen, das heut dies Wappenschild fuhrt? Ich 
bin indessen weit davon entfernt, diese Muthmassungen für 
Gewissheit auszugeben, lege unsem Pfennig, der sicher in eines 
der Brandenburgischen Nachbarländer gehört, vielmehr nur als 
ein interessantes Räthsel vor. 

Dorpat. Bischof Johann II. (Pifhusen), 1357-1369. 

4L (+)MO»eTffi-ThÄRBe Kopf mit Bischofsmütze. Rf. 
+MOfieT35; :• TIiffiRBe Schwert und Schlüssel gekreuzt, 
im oberen Winkel eine Lilie. Taf. II 41. 

Die bisher bekannt gewordenen Münzen dieses Bischofs 
(Köhne, Z. I 359, Kat. Reichel II S. 32, Kat. Minus -Prciss 
S. 308 u. s. w.) tragen alle auf der Hf, seinen Namen, dessenunge- 
achtet ist die Versuchung abzuweisen, die unsrige einer etwaigen 
Sedisvakanz zuzusprechen, weil das auf der Rf. angebrachte Ge- 
schlechtswappen der Lilie sie diesem Johann ebenso bestimmt zu- 
weisst, als ob sie seinen Namen trüge; überdies ist auch unser 



22 H. Dannenberg: 

Schilling den mit seinem Namen versehenen zum Verwechseln 
ähnlich. 

Würzburg. 

42. Statt der Umschrift Ringel. Brustbild des Bischofs 
mit Schwert und Buch. RJ. ohne Umschrift. Das 
Würzburger Monogramm (Bruno eps.) *) 

Trotz Schneidt, Mader und Streber vermissen wir noch 
immer eine würzburgische Münzgeschichte, und doch wäre deren 
Abfassung so lohnend als nützlich, beginnt sie doch schon mit 
Ludwig dem Kinde ^) und Bischof Meinhard I.'), und erstreckt 
sich mithin in langen, reichen und viel Abwechselung bietenden 
Reihen über einen Zeitraum von mehr als neun Jahrhunderten. 
Es gilt also, Bausteine heranzuschaffen, und als solcher wird 
auch der in Rede stehende, trotz und wegen seiner Kleinheit 
nicht zu verachten sein, denn halbe Pfennige der Bischöfe sind 
meines Wissens noch nicht abgebildet, jedenfalls selten. Das 
Fehlen des durch Ringel ersetzten Bischofsnamens und die 
Fabrik bringt ihn den bekannten Pfennigen nahe, welche den 
blossen Titel episcopus auf beiden Seiten tragen, also vielleicht 
in die Zeit der zwiespältigen Wahl der beiden Bertholds, des 
Grafen von Henneberg, 1266 — 1274, und des Grafen von Stern- 
berg, 1267—1287, gehören. 

Bischof Andreas (von Gundelfingen), 1303—1314. 

43. (+ffiH) DRaaS SP Brustbild des Bischofs mit Schwert 
und Krummstab. Ä/. eRBIPOL(eüft)SIS ♦ Kapelle 
zvnschen Halbmond und Stern. 



1) Diese von Streber wiederhergestellte alte Erklfinmg: ist unzweifel- 
haft richtig, wie der Denar von Embricho (Dannenberg, Deutsche Mz. d. sftch. 
n. frftnk. E.-Z. No. 866) beweist, doch spricht er zugleich dafar, dass wenigstens 
der hauptsächlichste Grund der Einführung dieses Monogramms in Münz- 
nachahmung bestanden (S. 329, 330 a. a. 0.). Unrichtig ist nur, wenn Streber 
(Mz. d. B. Gerhard S. 109, 114, 116) die ersten Münzen mit diesem Mono- 
gramme dem Bischof Otto I. (1207—1223) zuschreibt. 

2) Berl. Bl. f. Mzkd. V Tfc LVn 1. 

3) Dannenberg, Deutsche Mz. d. sächs. u. fir&nk. E.-Z. II 1652. 



Unedirte Mittelaltermünzen meiner Sammlung. 23 

44. Halber Pfennig gleichen Gepräges, aber Rf, (V) 
VIR2BVRC, der Halbmond rechts, der Stern links 
neben der Kapelle. Taf. H. 44. 

Nicht ohne Interesse ist der Wechsel zwischen dem deutschen 
und dem lateinischen Stadtnamen, letzterer kommt, wie schon 
Mader (IV 240) bemerkt, hier zuerst vor, wechselt aber mit 
dem Wirzborg, das auf den Pfennigen dieses Bischofs das ge- 
bräuchlichere ist; dann erscheint die lateinische Namensform erst 
wieder auf den Schillingen des Bischofs Gerhard (1372 — 1400). 

Worms. Bischof Lupoid (von Schönfeld), 1196—1217. 

45. LVBO . . . Brustbild mit Buch und Krummstab. 
22/. Ohne Umschrift. In einer Mauer eine Kirche 
mit einem Thurm auf jeder Seite. Taf. H 45. 

Derselbe Herr ist auch von 1200 — 1208 Erzbischof von 
Mainz, als Gegner Siegfrieds IL, gewesen. Aber zu den Mainzern 
passt unser Pfennig schlecht, namentlich fehlt ja auf der Rf. 
der Mainzer in dieser Zeit fast nie das aurea Moguncia. Es 
ist daher mehr Wahrscheinlichkeit für Worms, wo unser Pfennig 
in nicht unpassender Weise den unmittelbaren Vortritt vor den 
einseitigen Pfennigen der Bischöfe Heinrich II. und Landolf 
(Mader lY 87, 88) erhält. Wir haben jetzt also Denare aus 
dem Xn. Jahrhundert von Arnold L, Adalbero (?), Adalbert und 
Eppo, ihnen folgen zunächst unsichere grosse dünne Denare 
(Bl. f. Mzfrde. Taf. 39 No. 1 —10) und dann grosse Halbbrakteaten 
Konrads L, 1150—1171, und ähnliche aus der zweiten Hälfte 
des Xin. Jahrhunderts, unter ihnen einige mit dem Stadtnamen 
und der von mir demnächst (in v. Höfken's Archiv Bd. HI) 
bekannt zu machende Halbbrakteat (oder Brakteat?) mit sitzendem 
Bischof und Wormacia d. g. e., worauf dann wieder durch unsem 
Lupoid die Räckkehr zu zweiseitigen Denaren vermittelt wird, 
während seine beiden nächsten Nachfolger zu einseitigen Pfennigen 
übergingen, wie sie auch zu Alzei geprägt wurden*). 



1) 8. Joseph, Beitr. s. pfaligrftfl. n. MainB. Mskd. (ans Heft IX d. Mitth. 
d. hiator. Y. d. Piali) Abb. la n. Ib. 



24 H. Dannenberg: 

Constanz. 

46. Infalirter Kopf. RJ. +C0— HSTÄ— CIÄ in drei 
Zeilen, in einer Einfassung von Ereuzchen und 
Ringeln. Taf. II 46. 

* 

Wäre nicht die deutliche Inschrift, so würde diese Münze 
uns in arge Verlegenheit setzen, denn von ähnlicher Fabrik 
haben wir nur stumme Denare. Aber auch so, wie sie uns vor- 
liegt, glebt sie uns Räthsel genug auf. Befremdend ist zunächst 
die Kopfbedeckung, die aber doch wohl als eine Bischofsmütze 
anzusehen ist, allerdings mit sehr eigenthümlichen flügelartigen 
Zierrathen zur Seite und einem Kreuze oben. Und befremdend 
ist der zweiseitige Pfennig in einer Brakteatengegend. Soll 
man annehmen, dass er den Brakteaten voraufgeht? er würde dann 
in Barbarossa's Zeit fallen. Man könnte etwa an die Regens- 
burger Brückenpfennige ') denken, mit denen eine allerdings 
nur entfernte Ähnlichkeit vorhanden ist; aber von Regensburg 
an den Bodensee ist ein weiter Weg! 

England. Eduard der Bekenner, 1042—1066. 

47. +EDPAR — DRECX = diademirtes Brustbild mit Scepter 
linkshin. RJ. BVR — EDO — HSV— €06 langes 
doppelliniges Kreuz, mit PACX in den Winkeln. 

Hildebrand (anglosaksiska mynt) hat von diesem Könige 
einen Penny aus dieser Münzstätte Southwark, die bekanntlich 
seit Eduard VI. einen Stadttheil von London bildet, und Ruding 
führt nur die Stadt SVTHE und den Münzmeister BVREDNE, 
ohne genauere Beschreibung des Gepräges auf, so dass man wohl 
uusre Münze als noch unbekannt betrachten darf. Bemerkt sei 
das runde € neben den zwei eckigen. 



1) 8. Schratz, Die Gonvent Mz. d. Herz. y. Baiem u. d. Bisch, y. Regens- 
bnrg, No. 74—77 (ans Bd. 34 d. Yerhdlg. d. histor. Y. y. Oberpfalz n. Begens- 
bnrg) u. Wiener num. Zeitschr. XXII 25. 



Unedirte Mittelaltennünzen meiner Sammlung. 25 

Süditalien. 

48. Ohne Umschrift. Kopf mit langem Haar, umgeben 
von drei Sternen. Rf, +ME-H SEO-(C)TVB— R 
in vier Zeilen im Felde (Kupfer). Taf. 11 48. 

Die klare und deutliche Inschrift mense Octubr. erinnert 
uns sofort an ein andres Kupferstück, das man früherhin dem 
Yandalenkönige Geiserich zugetheilt hatte, von dem aber Fried- 
laender (Münzen der Vandalen S. 15) fiberzeugend nachgewiesen 
hat, dass es ihm nicht gehören kann, weil die Inschrift, in 
welcher man des Königs Namen nebst dem Titel augustus zu er- 
kennen vermeint hatte, denselben nicht enthält, vielmehr MEN — 
SEAV — VS6Ü gelesen werden muss. Diese Lesung erhält eine 
Unterstützung, wenn sie deren noch bedurfte, durch unser Stück, 
auf dem das mense Octubr völlig sicher und durch keine Über- 
prägung wie auf dem Friedlaenderschen gestört ist. Beide 
Denkmäler zeigen grosse Verwandtschaft, auch abgesehen von 
dem gleichen Metall. Dass sie Münzen nicht sind, darf man 
wohl mit Friedlaender annehmen, der das seinige für eine Tessera, 
und zwar für eine byzantinische hält. Sein Zweifel, ob die Auf- 
schrift durch mense Augusto zu erklären, oder ob man vielmehr 
an die mensa Augusti denken soll, wird durch unser Exemplar 
in ersterem Sinne entschieden, und damit auch wohl der Münz- 
charakter verneint, denn Monatsnamen auf Münzen zur Bezeichnung 
der Zeit ihrer Ausprägung kommen wohl nirgends anders vor 
als auf den arsacidischen Tetradrachmen, und auch hier nur 
als nebensächlicher Bestandtheil der Inschrift, neben dem Namen 
und Titel des Königs und der Jahreszahl. Wie wollte man es 
aber erklären, dass Münzen ohne Erwähnung des Münzherm 
oder der Frägestätte oder des Jahres, lediglich mit dem Monats- 
namen ihrer Ausprägung bezeichnet sein sollten? Also mit 
Marken haben wir es jedenfalls zu thun. Dagegen möchte ich 
nicht an byzantinischen Ursprung denken, sondern lieber an 
sfiditalischen ; im Königreich Neapel und in Sicilien fand ja bis 
in die Normannenzeit hinein eine starke Ausmünzung von Kupfer 



26 ^' Dannenberg: 

statt, und die Kupfermünzen von Neapel, Gagta, Amalfi^ Sa- 
lerno u. s. w. bieten viel Vergleichangspunkte. Friedlaender 
nimmt für sein mense Augasto das VIII. oder IX. Jahrhundert 
in Anspruch. Das kann richtig sein, doch möchte ich wegen 
des Frofilkopfes beide, gewiss doch nach Zeit wie nach Ort 
zusammengehörenden Stücke im Alter eher etwas hinauf- als 
herabsetzen. 

Ungarn. Bela I, Herzog 1048—1061. 

49. +B6rAD-AX Kreuz mit einer Kugel, zwei Punkten 
und einem Halbmonde in den Winkeln. Rf. V^8 

aTSTa^l^iVT Kreuz mit einem Dreieck in jedem 
Winkel Taf. U 49. 

Bei dem Fleisse, mit welchem Rupp und seine Nachfolger 
gearbeitet haben, und bei den verhältnissmässig geringen 
Schwierigkeiten, welche das geschlossene ungarische Münzwesen 
mit seinen meist gut gearbeiteten und mit deutlichen Umschriften 
versehenen Geprägen der Bearbeitung entgegensetzt, ist es schwer, 
auf diesem Gebiete noch etwas Neues aufzuspüren. Hier ist 
nun ein solcher Denar, der statt des in dieser Zeit üblichen 
Landesnamens Pannonia auf der Rückseite das Andenken an König 
Stephan I. den Heiligen erneuert, indem er die Hauptseite seiner 
Denare mit Regia civitas nachahmt. Man könnte vielleicht 
meinen, dass unsre Münze nur eine ausserungarische Nachmünze 
sei, wie deren der Fund von Farve so zahlreiche von Stephan I. 
geliefert hat, einer solchen Annahme steht aber die Fabrik 
und die Gestaltung der Buchstaben unbedingt entgegen, sie sind 
durchaus acht ungarisch. 

Nordafrika (el Maghrib). 

50. INNOMINgNCI8NOI. auf zwei Stufen eine Säule mit 
Querbalken darüber. Ä/. aAÖFRITINAFRKA^ßCCV, 
i. F. aiMIia- Triens (1,23 gr.) Taf. II 50. 

Dies Münzchen gehört zu der jetzt schon ziemlich zahlreichen 
Ellasse von ganzen und drittel Solidi, welche die Araber, ehe 



Unedirte Mittelaltennünzen meiner Sammlung. 27 

sie zu national-arabischen Prägungen übergingen, in Anlehnung 
an die vorgefundenen byzantinischen Goldmünzen, im nördlichen 
Afrika wie in Spanien geschlagen haben. Das Kreuz ist auf 
ihnen durch Weglassung des oberen Theiles seines christlichen 
Charakters entkleidet, und die Umschriften enthalten nach 
arabischer Weise das Land und Jahr der Prägung sowie Theile 
des mubammedanischen Glaubensbekenntnisses, meistens schwer 
zu entziffern, selbst bei vollkommener Ausprägung, erstens weil 
gewöhnlich nach orientalischem Brauche die Vokale vielfach 
unterdrückt sind, sodann auch ausserdem viele Buchstaben und 
ganze Silben ausgelassen sind. Klar ist nun auf unserm Drittel- 
Solidus ') die Umschrift der RJ. IKb (d. h. SIiD=solidus) FRT 
(feritus) INAFRIKA ANno XCV, und im Felde SIMILS, d. h. 
similis, der Schluss des auf diesen Münzen meistens erscheinenden 
Glaubensbekenntnisses: non est Dens nisi deus unus, cui nuUus 
alius similis. Schwieriger ist die Erklärung der HJ,^ zumal die 
Buchstaben hinter dem unzweifelhaften in nomine nicht rein aus- 
geprägt sind, sie können bedeuten: Domini misericordis miseratoris, 
wie auf andere ähnlichen zu lesen, wenn man nicht, mit Rück- 
sicht auf das similis der Rückseite ein stark verkürztes non est 
Deus nisi Deus cui nuUus alius darin zu sehen vorzieht. Die 
Entscheidung kaun nur ein deutlicheres Exemplar bringen. 

Übrigens gebe ich diese Münze nur unter Vorbehalt als 
unedirt, da ich, orientalischen Studien fremd, die betreffende 
Litteratur nur unvollkommen kenne. H. Dannenberg. 



1) er selbst nennt sich, wie diese Münzen durcbgehends Solidns. 



MeklenbiirgisGlie Müiizfaiide. 

(Aus dem Nachläse des yerstorbenen Grossherzoglichen Revisionsrathes 

E. Wunderlich zu Schwerin.) 



1. Der zweite Münzfiind TOn Bibnitz 1887« 

Wenige Tage nach dem Auffinden des Sterling - Fundes 
(9. April 1887) im Striezlingsberge bei Ribnitz (s. Bd. XV S. 302 
d. Z.) wurde von Arbeitern in der Nähe der Fundstelle des 
ersten Fundes ein weiterer Mänzfund gemacht. Die Finder haben 
eine Anzeige von ihrem Funde nicht erstattet, denselben vielmehr, 
wie man sagt, in Damgarten verkauft. Nachdem einzelne Stücke 
des Fundes bereits in andere Hände fibergegangen, hat der 
Lehrer Behrens in Berlin den Rest des Fundes käuflich an sich ge- 
bracht und denselben dem Grossh. hohen Ministerium des Inneren 
demnächst für das hiesige Münzkabinet käuflich überlassen. 

Erworben sind im Ganzen 1204 Münzen, von denen 978 Stück 
Münsterländische vom Wewelinghöfer Typus, 171 Stück englische 
Sterlinge, oder Nachprägungen derselben niederländischen oder 
Lippischen Ursprungs sind und 55 Gavaliers nach Hennegau 
gehören. 

A. Gavaliers. 

Grafschaft Hennegau. 

Margaretha von Constantinopel (1244—1280). 
1. In einem durch die Füsse des Pferdes getheilten Strichel- 
kreise ein nach rechts galoppirender Reiter nach vorn 
sehend, in der Rechten ein Schwert. HHiBOKQTÄ 

VÄiiaHoe-HeHSis 



E. Wunderlich: Meklenbnrgisclie Münzfnnde. 29 

Ezem- 
pUre. 

Rev. Im Strichelkreise ein kurzes Kreuz, in dessen 
vier Winkeln je ein Halbmond. Innere Umschrift 
* • SI6HVM Ä CRVCIS •, Äussere * flaKRÖKRaTK • 
COflüTISSK- Durchschnittsgewicht 2,30 gr. 4 

Johann II. d'Avesnes (1270—1304). 

2. In einem durch die Füsse des Pferdes und die Lanze 
durchbrochenen Strichelkreise ein nach links galoppiren- 
der Ritter mit vorgestreckter Lanze, mit Fahne und 
dreieckigem Löwenschilde. *IOIiKHH— IS COHäS 
— IiÄm 

Rev. Im Strichelkreise ein kurzes Kreuz. HhSIG 
ßVM QRVSIS. Äussere Umschrift HhMOaöTÄ 

VÄLöfiaeaesis 2,30 gr. 1 

3. Wie voriger mit *IOIiÄttfi QSaOMQS ~ hÄlß 

Rev. wie voriger, aber VÄLal^dÖWeUßSIS 2,47 gr. 16 

4. Wie voriger, aber QRVaiS 34 

ß. Wewelinghöfer. 
I. Bisthum MUnster. 

1. Bischof Eberhard (von Liest). 1275— 130r). 

Av. Mitrirtes Brustbild des sitzenden Bischofs mit 
segnender Rechten und Buch. +avaRH— AllDiaP 

Rev. Kopf des heüigen Paulus +SAHaTVS— 
PAVLVS 1,23 gr. 44 

2. Ebenso, nur im Rev. der Kopf des Heiligen grösser. 

1,25 gr. 2 

3. Wie voriger, nur im -4t?. mit QP-S 1,30 gr. 2 

4. Wie voriger, nur im Rev. der Kopf des Heiligen anders 
geformt 1,20 gr. 2 

5. Wie voriger, nur im Rev. der Kopf des Heiligen von 
noch anderer Zeichnung. 1,33 gr. 3 



1) Seine MfiBEen von Dorsten 8. No. 117, die seines Vorg&ngers Gerhard s. 
No. 110—116. Leider Hess sich die anachronistische Anordnung ohne Um- 
schreibung des Manoskripta nicht abstellen. H. D. 



30 E. Wunderlich: 

Exem- 
plar«. 

6. Wie voriger, nur im Av. mit PAVLVS0+ 1,30 gr. 8 

7. Wie voriger, nur im Av. mit PAVIiVS'+ 1,30 gr. 8 

8. Wie voriger, nur im Av. mit SAHCTV — SPAVIiVS+ 

1,33 gr. 14 

9. Wie voriger, nur im Rev. mit SANCTVS-PAVLVS ^+ 

1,31 gr. 9 

10. Wie voriger, nur im Av. mit ev VS^ + 

1,40 gr. 1 

11. Wie voriger, mit SV PISaO+ Rw. SANQ 

TVS LVSA+ 1,35 gr. 4 

12. Wie voriger, der Kopf des Heiligen von abweichender 
Zeichnung. 1 ,20 gr. 3 

13. Wie voriger, in der Zeichnung verschieden. 1,16 gr. 5 

14. Wie voriger, mit PAVLVSA'+ 1,25 gr. 3 

15. Wie voriger, mit PAVLVSI+ 1,25—1,26 gr. 10 

16. Wie voriger, der Kopf des Heiligen von abweichender 
Zeichnung. 1,25 gr. 2 

17. Wie voriger, aber GVaRH enPS+ Rev. mit bald 

grösserem, bald kleinerem Kopfe. 1,22 gr. 16 

18. Wie voriger, mit PAVLVS+ 1,33 gr. 11 

19. Ebenso, aber GVORH Rev. PAVLVS — 

APOSTe+ 1,30 gr. 6 

20. Wie voriger, Kopf des Heiligen von abweichender 
Zeichnung. 1,30 gr. 8 

21. Wie voriger, Reo. ffiPOSTO+ 1,30 gr. 16 

22. Wie voriger, e:vaRH-enPIS+ Rev. PffiVIiVSA — 
POSTOLVS+ 1,30 gr. 27 

23. Wie voriger, —6 Rev. SVaRHA— 

1,30 gr. 2 

24. Wie voriger, aber 6VQR . . — Rev. PAVLVSA- 

POSTÄO+ 1,35 gr. 4 

25. Wie voriger, H/. — RDVS Q+Rev..... LVSÄ— 

POSTÄO+ ♦ 1,33 gr. 3 

26. Wie voriger, Hf. unleserlich Rev. PAVLVSH— 

(Doppelschlag) 1,30 gr. 6 



MeUenbiiTgiBche Münzfdnde. 31 

27. Wie voriger. PAVIiVS -ÄPOST ....Rev. PAVLVSK- ' 
POSTOL... 1,20 gr. 4 

28. Wie voriger. Hf. unleserlich. Rev. PAVIiVS— 
APOSTO . . . 1,33 gr. 3 

29. Wie voriger, aber beide Umschriften unleserlich. 

1,25 gr. 2 

30. Wie voriger, aber QVeORH- Reo. PAVLVS 

♦Ä-POST 1,20 gr. 1 

31. Wie voriger, aber OPVST— Rev. PAVIiVSffi— 

POS 1,25 gr. 4 

32. Wie voriger, ff/. unleserUch. Rev. PKVIiVS ffi— 
SAHQT« 1,20 gr. 6 

33. Wie voriger, aber ÖVeORHA SaO + Reo. 

PAXTLVS A-SAHQT« 1,30 gr. 3 

34. Wie voriger SANGT— PAVLVSI+ Rev. PAVLVSA— 
SAHQT« 1,30 gr. 5 

35. Wie voriger, ff/, unleserlich. Rev. PAVLVS — 
äPOSTO 1,30 gr. 5 

36. Wie voriger, aber Rev KPOS 1,30 gr. 3 

37. Wie voriger. avaRH— ARDVSa+ Rev. PAVLVS— 
APOSTOL+ 1,34 gr. 8 

38. Wie voriger, aber ff/, unleserlich. Rev. PAVLVS— 
APOSTOL+ 1,33 gr. 3 

39. Wie voriger, .... — ÄRDV ....Rev. PAVLVS— 

0L'+ 1,30 gr. 5 

40. Wie voriger. Av. avaR .... — ... VS . . Rev 

— POSTOL' + 1,30 gr. 4 

41. Wie voriger, aber ff/, unleserlich. Rev. PAVLÜ — 
ÄPOS 1,40 gr. 2 

42. Wie voriger, aber avaRH— aPISQO Rev. PAVLVS— 
ÄPOSSTO+ 1,31 gr. 14 

43. Wie voriger. .. .. CRH- ... ISCP+ Äw. PAVLVS- 
ÄPOSTO+ 1,34 gr. 15 

44. Wie voriger, mit etwas veränderter Zeichnung. 

1,30 gr. 1 



32 E. Wundevlich: 

Exem- 
plare. 

45. Wie voriger. HJ. unleserlich, Ren. PAVIiVSÄP— 
SANCTVS+ 1,26 gr. 5 

46. Wie voriger. avaRÄ— . . . PISC+ Em. PAVLVS— 
SANOTVS 1,12 gr. 6 

47. Wie voriger. QVeRH-. ...OPS+ /««».SAHCTVSP— 
AVLVS'N+ 1,56 gr. 6 

48. Wie voriger. Hf. unleserlich. Rev. SA HCT V— + 

1,35 gr. 2 

49. Wie voriger. avaRH— PS+ Äw. SAHCTVS— 

PAVLVSO+ 1,33 gr. 14 

50. Wie voriger, jedoch der Bischof mit Krummstab in 
der Linken Q Reo. SAHCTVS-PAVLVS+ 

1,10 gr. 3 

51. Wie voriger, jedoch der Bischof mit Buch in der 
Linken. Hf. unleserlich. Ren. PaTRVS— .... 

1,30 gr. 6 

52. Wie voriger. avaR . . — aPIS+ Reo. SAHTAP- 
AVIiVSAP+ 1,27 gr. 14 

53. Wie voriger, von etwa verändertem StempeL 1,20 gr. 3 

54. Ao. Bischof mit segnender Rechten and Krummstab. 

Unleserliche Umschrift. Reo. Kopf des Heiligen mit 
kurzem Vollbart, Umschrift unleserlich. 1,30 gr. 4 

55. Wie voriger, aber Hj. undentlich. Reo. (von unten) 
SANTVSPe- APO 1,30 gr. 14 

56. Wie voriger — ePISCO Reo. SANXaA— 

PAVLVS 1,17 gr. 10 

57. Wie voriger. Hf. unleserlich. Reo — SCAHTA 

1,35 gr. 2 

58. Bischof Konrad L (Graf von Berg). 1306—1310. 

Av. Mitrirtes Brustbild des sitzenden Bischofs mit 
segnender Rechten und Krummstab — . . . . OJßR— 

Reo. Kopf des heiligen Paulus mit Halsansatz .... 
HCTV— SPAVIiVS-r 1,20 gr. 4 



Meklenburgische Münzfnnde. 33 

Exem- 
plare. 

U. Grafschaft Recklinghausen. 

59. Siegfried (von Westerburg), Erzbischof von Köln, 
1275—1297. 

Av, Der sitzende Erzbischof mit segnender Rechten 
und Krummstab. SIFRIOV— SeiSOR+ 

Rev. Kopf des Heiligen mit Halzansatz und kurzem 
Vollbart. RICHIiN-VS€NCIVIT+ 1,35 gr. 51 

60. Wie voriger. SIPRID- aPISaO+ Rev. RMHIilN- 
VS€HaiVIT+ 1,35 gr. 34 

61. Wie voriger, aber SIFID'— €PISaOI+ 1,30 gr. 13 

62. Wie voriger. SIFRIOV— 6PIS0+ Rev. RIKeiilH— 
CHVSeH'+ 1,33 gr. 16 

63. Wie voriger. SIRIFI3V-6IS0R+ Rw. ReOIilN-^ 
CHVSeH0O+ 1,85 gr. 4 

64. Wie voriger, jedoch der Erzbischof von veränderter 
Zeichnung. 1,35 gr. 2 

65. Wie voriger, jedoch der Erzbischof von noch anderer 
Zeichnung. 1,33 gr. 2 

66. Wie voriger, jedoch der Erzbischof von wieder anderer 
Zeichnung. 1,30 gr. 12 

67. Wie voriger. Av. SIFRID — COI+ 1,30 gr. 7 

68. Wie voriger, jedoch der Erzbischof von anderer 
Zeichnung. 1,30 gr. 4 

69. Wie voriger, aber SIFRIOV - SeiSOR + 1,36 gr. 9 

70. Wie voriger. Av. SIFRIOV— S€ISO+ der Krumm- 
stab oben ohne Krttmmung. 1,37 gr. 13 

71. Wie voriger. SIFRIOV— der Krummstab 

mit Krümmung. Rev. ReCIilHC — HVS6H0IC+ 

1,32 gr. 11 

72. Wie voriger, aber der Kopf des Heiligen von anderer 
Zeichnung. 1,38 gr.- 12 

78. Wie voriger. SIFRI — 0+ Rev. unleserlich. 

1,36 gr. 7 

74. Wie voriger. SIFRIOV — + Rev. ReCIiBHC 

— IC+ 1,28 gr. 9 

Zeiteekrifi fw Hnmiametik. XX. 3 



34 £. Wunderlich: 

plar«. 

75. Wie voriger. SIPRID3— ePISCOl+ Reo. ReCLIH— 
HVSeH'+ 1,30 gr. 13 

76. Wie voriger, aber SIFRID— €PISCO+ 1,35 gr. 2 

77. Wie voriger, SIFRroV-S€ISOR+ Rm. R6CLIN- 
HVS€HO+ 1,36 gr. 17 

78. Wie voriger, SIFRIOV— SeiSOR+ Rm. ReCMN— 
HVSeB[3+ 1,40 gr. 13 

79. Wie voriger, nur der Bischof von etwas anderer 
Zeichnung. 1,34 gr. 11 

80. Wie voriger. SIFRIS— SePISC+ Rm. ReCWHHW— 
S6HCIVITI+ 1,80 gr. 9 

81. Wie voriger. -SePISCI -- • Rw. RCCLINH 

— 1,30 gr. 1 

82. Wie voriger. SIFRI — SePISCO+ iJw. Re 

W— CIVITI+ 1,35 gr. 5 

83. Wie voriger. SIFRI3V— S€PISC+ Äw. RICHeLI— 
HCHVJS€^+ 1,33 gr. 18 

84. Wie voriger — SePISCO+ Rm. RICHeU 

— + 1,38 gr. 7 

85. Wie voriger. SIPR — ... PISC08+ Reo. 

RICHem— + 1,35 gr. 2 

86. Wie voriger. SIFRI3V— . ePISCO+ Reo. ReCLIN 

— + 1,31 gr. 27 

87. Wie voriger. SIFRI3V— SePISC§+ Reo. RIKeLIH— 
CHVS6H0+ 1,33 gr. 35 

88. Wie voriger — ISO+ Reo — 

CHVS€H+ 1,30 gr. 2 

89. Wie voriger. SIFRIOV— SePiaO+ Reo. ReK€IiIN— 
CHVSeN+ 1,32 gr. 14 

90. Wie voriger. SIFRID—VSCPISC + Reo. ReKGUIN 

. — H+ 1,33 gr. 6 

91. HJ. Der sitzende Bischof, die Rechte zum Segen er- 
hoben, in der Linken ein Buch. SIV6DVS— ePISCOP— 

Reo. Kopf des Heiligen mit langem Lippenbarte und 
Halsansatz. SÄHCTVS— PAVLVSKI + 1,23 gr. 24 



Meklenbnrgische Mfinsfonde. 35 

Bzem- 
pUre. 

92. Wie voriger. SIVeRD— + Rev. SffHCTVS— 

PAVIiVSra+ 1,25 gr. 4 

93. Wie voriger. Hf. unleseriich. Rev. SäHCTVS— 
PAV 1,33 gr. 3 

94. Wie voriger. SIVCDYS- . . . ISCO . . . + Mev. 
SÄHaTVS— 1,25 gr. 8 

95. Wie voriger. RDV . . — Äw.SKNCTV . . — 

PAV 1,40 gr. 2 

96. Wie voriger. — PIS+ Rev. SäHOTVS— 

PA 1,20 gr. 9 

97. Wie voriger. SIV6RD— 1+ Rev. SKHCTVS 

— RI+ 1,25 gr. 2 

98. Wie voriger. Sf. unleserlich. Rev — PAVSAP . . . 

1,23 gr. 3 

99. Wie voriger. Rev — PVÄ 1,25 gr. 1 

100. Wie voriger. Rev TVS — OV . • . 

1,25 gr. 4 

101. Wie voriger. . . . PRDVS— . . . SCOF+ Rev. 
SANTVS . . . — äVLVS . . . + 1,25 gr. 8 

102. Wie voriger. SI VS— Rev WS?— 

AVL 1,33 gr. 8 

103. Wie voriger, ff/, unleserlich. Rev. SAH — 

AVLVS 1,25 gr. 2 

104. Wie voriger. SIV6DVS— CPISC P+ Rev. SAHOTVS 

— ...LVSAP+ 1,25 gr. 7 

105. Wie voriger. H/. unleserlich. Rev VSP— 

Ä 1,25 gr. 4 

106. Wie voriger. RDS— Rev SP 

— 1,25 gr. 1 

107. Wie voriger. H/. unleserlich. Rev. SAN ... — 
AVLVSÄP+ 1,26 gr. 3 

108. Wie voriger. — 6PIS+ Rev — AVLVSÄP+ 

1,30 gr. 1 

109. Wie voriger. — €PISC+ Rev. ..... — 

— IiVSÄ+ 1,30 gr. 2 

3* 



36 E. Wunderlich: 

Bisthum MUnster. ^^; 

Bischof Gerhard (Graf von der Mark). 1261—1272. 

110. Der sitzende Bischof im verzierten Gewände, mit 
segnender Rechten and Buch H — 

Rev. Bärtiger Kopf des Heiligen mit Brustansatz. 
— ÄPO 1,30 gr. 1 

111. Hf. Der Bischof in glattem Gewände, wie vorher. 
xtH/v^— 

Rev. Der Kopf des Heiligen von anderer Zeichnung. 
— . . . OSTO+ 1,30 gr. 1 

112. Wie voriger. 6eR — F+ Rev VliVSK 

— 1,30 gr. 5 

113. Wie voriger. 6eRH - €?!•+ Rev. PAVIiVSÄ— 
POSTVIiVS'+ 1,35 gr. 4 

114. Wie voriger, nur das Brustbild des Bischofs von 
anderer Zeichnung. Umschrift unleserlich. Rev. 
Ä— POS 1,25 gr. 1 

115. Wie voriger. Hf. unleserlich. Rev LVS 

— 1,33 gr. 3 

116. Wie voriger. Rev. PÄVIiVS— Kopf des 

Heiligen von anderer Zeichnung. 1,33 gr. 2 

lU. Prägstätfe Dorsten. 

117. Eberhard von Diest, Bischof von MUnster (1275—1301). 
Der sitzende Bischof mit segnender Rechten und 

Krummstab. €V€RIi . . — 0+ Rev. Kopf des 

Heiligen mit kurz geschorenem Vollbarte und mit 
Halsansatz. CIV . . AS- . . RSTeN+ 1,25 gr. 4 

IV. Grafschaft Mark. 

118. Der sitzende Graf mit Scepter und Lilienstab. 
Unleserliche Umschrift. Rev. Kopf des Heiligen 
mit Vollbart und Halsansatz, an jeder Seite des 
Kopfes ein Kreuzchen. SKHCTV — . . . TRV . . . 

1,25 gr. 2 



Meklenbnrgische Münzfunde. 37 

y. Edelherrschaft Lippe. 
Simon I. 1275—1344. b?«*- 

plare. 

119. Der sitzende Bischof, mit segnender Rechten und Rose. 
SIMoN— + Rev. Kopf des Heiligen mit Voll- 
bart und Brustansatz. SAHCT— PAVIiVS+ 1,25 gr. 4 

120. Wie voriger. Hf. unleserlich. Rev. Kopf des Heiligen 
mit kurz geschorenem Vollbarte —SLIP 

1,50 gr. 1 

121. Wie voriger. Ilf. unkenntlich. 

Rev. Kopf des Heiligen von anderer Zeichnung. 1,25 gr. 1 

VI. Trier.') 

122. ErzbischofHeinrich(von Vinstingen), 1260—1286. 
Der sitzende Erzbischof mit segnender Rechten, in der 
Linken ein Buch. HGH ... — CVS 6PISC*. Rev. 
Kopf des Heiligen mit langem Vollbarte und Halsan- 
satz. SANaT-PAVLVS+ 1,25 gr. 2 

123. Wie voriger, aber — €PC+ Rev. Zeich- 
nung abweichend — PAVLVS+ 1,20 gr. 7 

124. Wie voriger — a...6PC+ Rev. SÄHQT— 

PAV Zeichnung anders. « 1,21 gr. 6 

125. Wie voriger. Ef. unleserlich. Rev. S — 

. AVLVS+ 1,30 gr. 1 

126. Wie voriger. Ifj. Zeichnung des Bischofs abweichend. 
Umschriften beiderseits unleserlich. 1,30 gr. 1 



127. Denar. Beiderseits unkenntlich. 1,30 gr. 1 

128. Desgl. Bischof sitzend, mit segnender Rechten und 
Buch. Unleserliche Umschrift Rev. Kopf des Heiligen 
mit grossem Vollbarte und; Halsansatz. SAHOTVS 

— ..t... 1,10 gr. 3 

S. auch No. 182—188. 



1) Wohl dieselbe Münie wie MünsstadieD Y Taf. Y, 51. 

2) Gewiss nicht Heinrich von Trier, sondern der Kölner Heinrich I. 
1225—1888 oder H. 1804-1332. H. D. 



38 E- Wunderlich: 

C. Sterlinge. 
Heinrich m. von England, 1216—1272. 

Oanterbnry. ^jjj- 

129. Kopf des Königs, daneben die Rechte mit dem Scepter. 
haHRiaVS ROX— Iir Reo, Langes, die Umschrift 
theilendes, doppeltes Kreuz, in dessen vier Winkeln je 
drei Kugeln SLa-OIN-Oia— OTT 1,45 gr. 1 

130. Wie voriger, aber Rf. IHO-HaÄ-HTa 

1,37 gr. 2 

131. Wie voriger. lOh— SOi-GflN— TSR 1,40 gr. 1 

132. Wie voriger. (sBü— BGR— TOi-OGH 1,25 gr. 2 

133. Wie voriger. lOh-SCH-aSH— TSR 1,40 gr. 2 

134. Wie voriger. lOR— OH— (KW-TaR 1,40 gr. 2 

135. Wie voriger, ohne Scepter. Rev. NIQ— OLQ— OiQ— 
ffitT 1,85 gr. 4 

136. Wie voriger mit Scepter. 1,35 gr. 7 

137. Wie voriger. ROB— GRT— (HO— SBOT 1,35 gr. 2 

138. Wie voriger, ohne Scepter. ROB-QRT— (HQ— aST 

1,35 gr. 1 

139. Wie voriger, mit Scepter. WIL— L€M— WQ— JHT 

1,31 gr. 12 

St. Edmundsbury. 

140. Wie voriger. R3BH-DVL— FW— S'GDO 1,34 gr. 1 

141. Wie voriger, ohne Scepter. IOH-(HS— BOM— VMO' 

1,35 gr. 1 

142. Wie voriger. Reo. IOH-(HS*-e)M-VID 1,85 gr. 1 

Lincoln. 

143. Wie voriger. Ria-ffiD— (Kli— IHQ 1,35 gr. 8 

144. Wie voriger. ... — ... — ONj— mo 1,35 gr. 1 

London. 

145. Wie voriger, aber mit Scepter. DSV— ION— LVH— 
DSI 1,15 gr. 1 



Meklenburgisclie Mänxfünde. 39 

Exem- 

146. Wie voriger. hGH-BIO— NLV- KOfl 1,30 gr. "'"s 

147. Wie voriger. heS-RIO-NiV— MOQ 1,30 gr. 1 

148. Wie voriger, aber ohne Scepter. 661— RIO— NLV — 
IDÖ 1,32 gr. 4 

149. Wie voriger, aber mit Scepter. hffl— RIO— NLV— 
UDO 1,30 gr. 1 

150. Wie voriger, ohne Scepter. NIQ- 01^8- OWi— VH> 

1,27 gr. 17 

151. Ebenso, aber ÄBNUaYS RaX TeROI Rev. NIQ— 
OLfl-ONL— VHD 1,30 gr. I 

152. Ebenso, mit Scepter. ÄQlTUaVS RaX-HI' Rev. HIO 
(oder HIQ)— OLfl— OHj— VND 1,37 gr. 6 

153. Wie voriger. Hia-OLÖ-OHIi-VND 1,37 gr. 1 

154. Wie voriger. ReH— ÄVD— Oli - VHO 1,30 gr. 24 

155. Wie voriger. RIQ- 21D-0IL— VH) 1,28 gr. 7 

156. Wie voriger. RIQ— SEID- OHL— VH) 1,28 gr. 8 

157. Wie voriger, aber ohne Scepter. MQ- SID- OIL- 
VH) 1,25 gr. 1 

158. Wie voriger, jedoch mit Scepter. WÄJ — TOR — 
Offli-VK) 1,45 gr. 2 

159. Wie voriger. T37IL— IiCM- OHIi-VH) 1,30 gr. 5 

160. Wie voriger. Wm-IiGM-OHi-VH) 1,30 gr. 3 

161. Ebenso. WIL-LeM-ONL -VH) 1,29 gr. 1 

162. Ebenso. Rev. WIL—L&l— — in der 

Mitte des Doppelkreuzes ein Punkt 1,10 gr. 1 

Newcastle. 

163. Ohne Scepter. haHilöVS Raxnr* Rev. \&i— 

Rio-ma-waa 1,25 gr. 2 

Northampton. 

164. Wie voriger. PW— LIP-OIN— Olli 1,30 gr. 1 

Oxford. 

165. Wie voriger. HOJ-OX • — SD • — MW 1,30 gr. 1 



40 E. Wunderlich: 

Winchester. ^■*- 

166. Wie voriger. HM— OLä-OiW— IH . . . 1,30 gr, 1 

York. 

167. Wie voriger. lOH— ...... GR— WIQ 1,31 gr. 1 

Nachprägungen. 

168. Ohne Scepter. Wie voriger. NIÖ—OLa— (HD-NR 

1,30 gr. 1 

169. Wie voriger. WIL— LeM-Nia-RIN 1,30 gr. 1 

170. Wie voriger. WlQ-ia(H-Nia— RIN 1,10 gr, 1 

171. Wie voriger. OIQ— MT— . . , OI-BRI 1,30 gr. 1 

172. Mit Scepter. Wie voriger. NIQ-ONV— 6ia— NIT 

1,30 gr. 1 

173. Wie voriger. OLV— 6ia-R . . — MQ 1,45 gr. 1 

174. Wie voriger. Mia-6L . — —RIO 1,15 gr. 1 

175. Wie voriger. RIQ-miO— —OiW 1,20 gr. 1 

176. Wie voriger. LON-mO— laR-LON 1,20 gr. 1 

177. Kopf des Königs ohne Scepter. Hf. Umschrift un- 
leserlich. 1,50 gr. 1 

178. Hf. und Rev. Doppelschlag. 1,40 gr. 2 

Eduard I., 1272—1307. 

Canterbury. 

179. Im Strichelkreise gekrönter Kopf des Königs mit 
grossen Seitenlocken. +aDWR' äNGL'DNSäYB Rev. 
Langes, die Umschrift theilendes Kreuz, in dessen vier 
Winkeln im Strichelkreise je drei Kugeln. OIVI — 
TRS— OäN- TOR 1,33 gr. 3 
Vgl. Thomson No. 9652. 

London. 

180. Ebenso, aber QIVI-TRS-LON— DON 1,35 gr. 4 
Vgl Thomson No. 9660. 

181. Wie voriger, +aDWRaKH6HDaJVB Rev. QIVI— 
TäS-LVN— DON 1,25 gr. 1 



Meklenburgische Mfinzfunde. 41 

Nachträglich ermittelte Wewelinghöfer. ^^■ 

182. Siegfried (von Westerburg), Erzbischof von Köln, 
1275 — 1297. Sitzender Bischof mit segnender Rechten 
und Buch. SIVeRD-VSGPISa+ Kopf des Heiligen 
mit grossem Vollbarte Ä— POSTOLVS 1,27 gr. 11 

183. Wie voriger, von etwas abweichender Zeichnung. 

1,35 gr. 1 

184. Wie voriger. Rev — . . . TOL 1,25 gr. 2 

185. Wie voriger €RD— Rev. unleserlich. 1,30 gr. 1 

186. Wie voriger. SIVCRDS-ePISCO <g» Reo. KPOSTOL 

— PAVLVS^g. 1,25 gr. 11 

Eberhard v. Diest. 

187. Wie voriger. €VRhAR— €PIS + Reo, eVRhA- 
PAVLVS+ 1,23 gr. 13 

188. Wie voriger — ePISQ + Reo. PAVLVS KP 

—OST + 1,25 gr. 9 



II. Der Wittenftind von Zameckow. 

I. Wismar. 

Wittenpfennige vor 1379. 

1. Im Strichelkreise ein LUienkreuz MOHeTK *> VYSMKR Ä 

Reo. Im Strichelkreise der ' meklenburgische Stierkopf 
mit Lilienkrone, grossen Hörnern, grossen, oben geraden, 
unten runden, weit abstehenden Ohren, aushängender Zunge 
und grossem gegatterten Halsfelle QIVITKS v MÄ6I10P 88 

2. Wie voriger, aber VVYSMÄR Rev. QIVITK *> 

3. u. 4. Wie voriger. HOnOTÄ % WYSMÄR Ä Reo, Der 
Stierkopf kleiner und ohne aushängende Zunge. OIVITKS 
II HÄGKOP Ä 

5. 6. 7. Wie voriger. MOHaTK A WYSMÄR Ä Rev. OIVI 

TKS *> HK6U0P 88 
8., 9. Wie voriger, aber der Stierkopf mit aushängender 

Zunge. 



42 E. Wunderlich: 

10. 11. Wie voriger, aber MORQTK **► 

12. Wie voriger mit MOßQTK + WYSMKR', «, der Stierkopf 
ohne aushängende Zunge OOTVITTCS t 

13. Wie voriger, im Rev. MÄGßOP' Ä 

14. Wie voriger mit HOIiQTK *> WYSMRR Ä Rev. QIVITR 

*} MRGHOP Ä 

15. Wie voriger. Rev. OTVITRS 

16. u. 17. Wie No. 3. Rev. OIVITKS « 

18. — 20. Drei Fehlprägen durch Doppelschlag. 

21.— 24. Wittenpfennige nach dem Bezess von 1381. 
Wie voriger mit einem sechsstrahligen Stern im Kreise 
auf der Mitte des Kreuzes und HOnaT^C t WISHTCR « 
Rev. Wie voriger mit OIVITäS t HÄGHOP • 

25.-27. Pfennige nach dem Rezess von 1381. 

Wie voriger mit NOUÖTR o WYSNKR • Rev. OIVITK 
o NffiGKOP • 

28.-40. Wie voriger. Rev. QIVITKS 

41. Ebenso, aber NüiGÜO 

II. Rostock. 

42. Wittenpfennige vor 1379. 

Im Sü'ichelkreise der Greif nOUatH i ROSTOKOeS d 
Rev. Im Strichelkreise ein kurzes Kreuz, auf dessen Mitte 
in einer vierbogigen Vertiefung ein Punkt. QIVITKS * 
MRQÜOPOU ® 

48.-45. Wie voriger, mit BOSTOKQQS' «? 
46.-48. Wie voriger, mit ROSTKOaS' Ä 
49. 50. Wie voriger, mit MOHaTÄ l ROSTOKOaS' <s> Rev. 
OIVITKS S MKGüOPOL' «? 

51. Wittenpfennige nach 1381. 

Der Greif, zwischen dessen Vorder- und Hinterpranken 
ein Punkt. MOHaTR i ROSTKQGS' • Äw. Im Strichel- 
kreise ein kurzes Kreuz, auf dessen Mitte im Rondel ein 
sechsstrahliger Stern QIVITäS i MKßHOPOL' Ä 



MeklenburgiBche Mfinzfande. 43 

52. Wie voriger, nur im Av. mit Punkt über dem Schwänze 
des Greifen und ohne Punkt zwischen den Vorder- und 
Hinterpranken. 

III. Güstrow. 

53. Wittenpfennige vor 1379. 

Im Strichelkreise der wendische Stierkopf ohne Halsfell 
OIVIT © DIU © D : WaRLfl ® Rev. Im Strichelkreise ein 
kurzes Kreuz, auf dessen Mitte in einer vierbogigen Yer- 
tieTung ein Punkt. MOßaTR © GVSTROWe Ä 

54. Pfennig vor 1379. 

Wie voriger mit OIVIT D»I © DWaRLfl Ä Rev. Im 
Strichelkreise ein kurzes volles Kreuz SHOß 6 VST . . ® 

IV. Parchim. 

55. Wittenpfennig vor 1379. 

Wie No. 53, aber Rev. HOHaTK © PKRQIiaM Ä 

56. a) b) c) Pfennige vor 1381. (3 Exemplare.) 

Im Strichelkreise der meklenburgische Stierkopf QIVIT o 
DmoDWaRLQÄ Rev. Im Strichelkreise ein kurzes 
Kreuz, auf dessen Mitte in einer vierbogigen Vertiefung ein 
Punkt. NOnaTK o PKROÄaN « 

57. Wie voriger, mit (HVITÄS . DUI « D x WaRLa Ä Rev. 
NOnaTK X PRRGIiaN « 

58. 59. Wie voriger, mit QIVIT : DIlI : D : WaRLa * Rev. 
HOnaTK : PRRChaH * 

60.— 64. F&nf nicht genau lesbare Exemplare. 

V. Lübeck. 

65. Wittenpfennige vor 1379. 

Im Strichelkreise der Adler mit Flfigelbinden nOn&XTi - 
LVBIOanS' : . : . Rev. Im Strichelkreise ein kurzes Kreuz, 

auf dessen Mitte in einer vierbogigen Yertiefong ein Punkt. 
OIVITRS . IMPaRIRL' . : . 

66. Wie voriger, mit MOKGTÄ % LVBiaaUS « Rev. aiVITKS 
: IMPORinL' d 



44 E. Wanderlich: 

67. 68. Wie voriger, mit MOßaTK : LVBiaaftS' . : . Rev. 

aiVITHS : IMPQRIKL ® 
69. 70. Wie voriger, mit MOßeTÄ o LVBiaailS' : ® Rev. 

OIVITKS S IMPflRIKL' Ä 

71. Wie voriger, mit MOHeTÄ : LVBiaOßS' : « Rev. COn 
TäS : IMPBRIÄL' Ä 

72. Wie voriger, nur unten neben dem Schwänze des Adlers 
an jeder Seite ein Punkt. MOKGTÄ : LVBiaaUS' « 
Rev. OIVITKS : IMPQRIÄL' ® 

73. Wie voriger, ohne die Punkte neben dem Schwänze des 
Adlers. MOHaTK • LVBiaGRS' Ä Rev. Mit Kreuzföden 
in der vierbogigen Vertiefung auf der Mitte des Kreuzes 
und mit QIVITOS • IMPaRlÄL' ® 

74. Wie voriger, mit MOKaTÄ : LVBIüeßS' Ä und den beiden 
Punkten neben dem Schwänze des Adlers. Rev. QJWtTiS : 
IMPaRIÄL' «? 

75. Wie voriger, MOßaTÄ • LVEIOaUS' «? Rev. QIVITKS : 
BMPaRIÄL' ® 

Wittenpfennige 1381. 

76. 77. Im Strichelkreise der Adler mit Fltkgelbinden. MO 
naTK : LVEiaanS* * Rev. Im Strichelkreise ein kurzes 
Kreuz, auf dessen Mitte im Bondel ein sechsstrahliger 
Stern CIVITÄS l IMPaRIÄL' ♦ 

Wittenpfennige 1403. 

78. Im Strichelkreise der Adler im spitz zulaufenden Schilde. 
HOßara o LVBiaanS Ä Rev. wie der Av. aiVITffiS <^ 
IHPaRmL ^ 

79. Wie voriger, HOHaTffi : LVBiaaUSIS Ä Rev. QIVITRS : 
IHPaRIÄLIS Ä 

Pfennige 1381. 

80.— 84. Im Strichelkreise der Adler mit Flägelbinden. MO 
naTÄ : LVBiaanS' * Rev. Im StricheUcreise ein kurzes 
Kreuz, auf dessen Mitte im Rondel ein sechsstrahliger 
Stern OIVITKS : IMPaiUffL' * 



HeUenburgische Hfiiufonde. 45 

Pfennig 1403. 

85. 86. Im Strichelkreise der Adler SaOU€LTR : LVBiaenS <^ 
Rev. Im Strichelkreise der Adler (ÜVITTtS iBfiPeRmLcgi 

VI. Hamburg. 

Wittenp fennige vor 1379. 

87. 88. Im Strichelkreise das Stadtthor. NOUSTK o IiTCN 
BVR660KS' X Eev. Im Strichelkreise ein kurzes Kreuz, in 
dessen vier Winkeln je ein Nesselblatt BanaDIOTVS ; 

Davs*® 

89. Wie voriger, nur ohne das o in der Umschrift der Hf. 

90. Wie voriger, nur mit o Rev. BaßaDIQTVS « DaVS* Ä 

91. Wie No. 87, doch Doppelschlag in der Umschrift. 

92. Wie No. 90 aber ÄKNBVRGa^S' i 

93. 94. Wie voriger, NOßaTK o RKNBVRGaßS' 

Wittenpfennige 1381. 

95. Wie voriger, mit NOnaTffi o RÄNBVRGanS * Rev. Im 
Strichelkreise ein kurzes Kreuz, auf dessen Mitte im 
Rondel ein sechsstrahliger Stern, in den vier Kreuzes- 
winkeln je ein Nesselblatt. BanaDIOTVS : OaVS' €3 

96. Wie voriger, mit NOKaTK t IiRNBVRGß * Rev. BOB. 

aoiarvs i oavs» «? 

97. Wie voriger. hÄNBVR6 ♦ 

Pfennig vor 1379. 

98. Im Strichelkreise das Stadtthor. N0naT3C >, hÄNaVR 
Gans d Rev. Im Strichelkreise ein kurzes Kreuz. B6üK 

aDiGTvs ; Davs* <g> 

Pfennige 1381. 

99. Wie voriger, mit NOßaTÄ o b^U^BVR ilfRev.lm Strichel- 
kreise ein kurzes Kreuz, auf dessen Mitte im Rondel ein 
sechsstrahliger Stern. BaRaDIGTVS : OaVS * 

100. Wie voriger hKNBVRG ♦ Rev. BaßaDIQTVS o OaVS ♦ 



46 K Wunderlich: 

VII. Lüneburg. 

Wittenpfennig vor 1381. 

101. Im Strichelkreise ein nach links aufgerichteter Löwe. 
HOneTK LX/KSBORChV Bev. Im Strichelkreise ein 
kurzes Ki'euz, in dessen vier Winkeln je ein Löwe. PTS! 
TRI SIT LRVS DQO V 

Wittenpfennig 1389. 

102. Wie voriger, mit HOßQTÄ LVaäBOROIi* Reo. Im 
Strichelkreise ein kurzes Kreuz, auf dessen Mitte im 
Rondel ein nach links aufgerichteter Löwe SIT • LKVS : 
DflO • PäTRI ♦ 

103. Wie voriger, mit HOßQTK • LVnaBORÜIi • Äe». SIT • 
LäVS . DQO • PKTRI o 

VIII. Stralsund. 

Wittenpfennige vor 1381. 

104.— 106. Im Strichelkreise der Strahl MOüäTK i SVäDQH 
SIS ^ Rev. Im Strichelkreise ein kurzes Kreuz, in dessen 
rechtem Oberwinkel ein kleiner, mit der Spitze nach der 
Mitte gerichteter Strahl. XiQ.VS> l TB. J »OMIßfl , TVO «? 

107. Wie voriger, Reo. DaVS l HL x ttOMma . TVO Ä 

108. 109. Im Strichelkreise der Strahl mit schraffirtem Schafte. 
MOßeTK % SVRDaRSIS ® Rev. Wie voriger, mit OaVS S 

lu % ßOHma o TVO ® 

110. Wie voriger, Reo. OaVS % TB. l KOMma % TVO $ 

Wittenpfennige zwischen 1381—1387. 

111. Im Strichelkreise der Strahl, anter dessen Schafte ein 
Punkt. NOUaTJC l SVIUDaiUSIS « Reo. Im Strichelkreise 
ein kurzes Kreuz,* auf dessen Mitte im Rondel ein sechs- 
strahliger Stern; im linken Oberwinkel des Kreuzes ein 
mit der Spitze nach der Mitte gerichteter Strahl oaVS i 
Bft l BOMma X TVO $ 

112. Im Süichelkreise der Stiehl HOßaTTC • SVRDaßSIS * 
Rev. Wie voriger, mit D&VS : Iß : fiOMIßa • TVO ® 



J 



MeUenborgische Münifnnde. 47 

IX. Ripen. 

Wittenpfennig vor 1381. 

113. Im Strichelkreise der nach links schreitende, gekrönte, 
leopardirte Löwe. Umschrift von links in der Mitte 
arOTTÄS l RGDa©ai ® Rev. Im Strichelkreise ein kurzes 
Kreuz, in dessen vier Winkeln je ein kleiner gekrönter, 
leopardirter Löwe. Umschrift von oben MOneTTTC o KIFanS 

Sehr selten. 

X. Kiel. 

Wittenpfennig vor 1379. 

114. 115. Im Strichelkreise ein Boot, fiber welchem ein Nessel- 
blatt. Umschrift von oben MOnaTR S KILeGaSIS .:. Rev. 

Im Strichekreise ein kurzes Kreuz, auf dessen Mitte in 
einer vierbogigen Vertiefung ein Punkt. Umschrift von oben 
OIVITäS § liOLSKOia .:. Selten. 

XI. Neustadt in Holstein. 

Wittenpfennig nach 1387. 

116. Im Strichelkreise eine gezinnte Burg, an jeder Ecke ein 
Thurm mit Zinnen, und mit offenem Thore, über der Burg 
einNesselblatt. Umschrift von obenNOßäTÄ t maSTKT <g» 
Rev. Im Strichelkreise ein kurzes Kreuz, in dessen Mitte 
im Bondel ein kleines Nesselblatt. Umschrift von oben 
OIVITHS S ÄOLTSKOiä ® Sehr selten. 

XII. Oldesloe. 
Pfennige vor 1381. 

117. Im Strichelkreise das Nesselblatt. OIVITRS o bOLZKCn <gi 
Rev. Im Strichelkreise ein kurzes Kreuz. Umschrift von 
oben MOäöTä ODGSLO « 

Wittenpfennige vor 1381. 

1 18. Wie voriger, mit (HVITRS o hOLZÄCH ^ Rev. MOnaTR 
o ODOSLO 88 



48 



E. Wunderlich: MeklenborgiBche Münzfnnde. 



119. Wie voriger, mit QIVITÄS o hOLTZÄOI -^ 



tr 



120. Wie voriger, mitOIVITÄS l hOLTZKOIQ* Rev. MOHaTK 



X ODBSLO ^ 
No. 117-120 sämmtlich selten. 



E. Wunderlich. 



Es hat also dieser kleine nur aus 122 Stack bestehende 
Schatz, dessen Vergrabung wegen No. 78, 79, 85 und 86 ins 
Jahr 1403 oder später anzusetzen , 82 Witten und 40 Pfennige 
geliefert, nämlich von: 

Wismar 24 Witten, 17 Pfennige 

Rostok 11 

Gastrow 1 

Parchim 1 

Lübeck 15 

Hamburg 11 

Lüneburg 3 

Stralsund 10 

Kipen , 1 

Kiel 2 

Neustadt 1 

Oldesloe 3 

Von Stralsund, Ripen, Kiel und Neustadt sind meines Wissens 
Pfennige überhaupt noch nicht bekannt. 

H. Dannenberg. 



n 



1» 



>i 



M 



1» 



»» 



91 



1» 



)? 



1» 



ij 



1 
11 

7 
S 



Ein Seitrag zur Eenntniss der Brakteateo 
Bischof Hartberts von Hildesheim. 




Bei der Sammlung des Katerials zu eiuer Arbeit aber 
die Diplomatik der älteren Bischöfe von Hildesheim fand ich 
an einer Urkunde des Bischofs Hartbert (1199—1216) ein Siegel, 
das offenbar mit einem Brakteatenetempel hergestellt ist. Der 
grossen Seltenheit wegen glanbe ich diesen gewiss interessanten 
Pall einem weiteren Kreise nicht vorenthalten zu dürfen. 

An der Urkunde des genannten Bischofs fQr das Kloster 
Lamspringe von 1212 Sept. 22') hängt am Pergamentstreifen 
das gewöhnliche spitzoTale Wachssiegel des Ausstellers. An 
demselben findet sich aber noch ein kreisrundes Rücksiegel, and 
dieses ist es, welches unser Interesse erregt. Der Durchmesser 
beträgt 28 mm. Das Siegelbild') zeigt den zwischen zwei Knppel- 
th&rmen auf einem mit Thierköpfen verzierten Faltstuhle sitzenden 
Bischof in Amtstracht mit Mitra, der in jeder Hand einen Kreuz- 
stab trägt. Das Ganze ist umgeben von einer Ferlensclmnr. 



I) Or. SUattuchiT Humorei b. B. KL Luupringe 9. 
S) Terg], ZeppanfeldtB fehleihaft« BMchreikimg in den Beitr. i. Hilduh. 
OeKh. I (1829), 73. 



EaitHkiift Ar Rumivutik. XX. 



50 ^- Heinemann: 

Das eigenartige Gepräge des Siegels, das von dem gewöhnlichen 
Typus der bischöflichen Siegel durchaus abweicht, führte zu der 
Annahme, dass der Stempel eines Brakteaten des Bischofs Hart- 
bert verwendet sei, und bewog mich, diese interessante Er- • 
scheinung näher zu verfolgen. 

Ein sehr ähnlicher Brakteat ist bei Cappe^) Taf. III, No. 35 
abgebildet. Noch mehr scheinen die auf S. 28, No. 40. 42 be- 
schriebenen zu stimmen. Die Minderwerthigkeit und ünzuver- 
lässigkeit des Cappeschen Buches veranlasste mich, einen von 
dem Siegel genommenen galvanoplastischen Abdruck nach Hildes- 
heim zu senden und mit den Üriginal-Brakteaten des Städtischen 
Museums vergleichen zu lassen. Denn waren die von Cappe 
verzeichneten Brakteaten in dessen Sammlung vorhanden, so 
mussten sie mit dieser in den Besitz des Museums gekommen 
sein. Leider ergab aber die von dem Direktor desselben, Herrn 
Professor Dr. Andreae in dankenswerthester Weise vorgenommene 
Yergleichung ein negatives Resultat. Der einzige vorhandene 
echte Brakteat Hartberts ist gänzlich verschieden, und auch 
unter den mit Gappes Sammlung in das Museum gelangten 
Seeländerschen Fälschungen ist kein Stack, das auch nur einige 
Ähnlichkeit mit dem unsrigen hat. 

Der aus dem Bünstorfer Münzfunde') stammende, unter 
No. 83 beschriebene Brakteat Hartberts weicht gleichfalls ab. 
Ebenso erwies sich meine Vermuthung, dass der unter No. 188 
verzeichnete zu dem unsrigen in Beziehung stehen könne, nach 
Mittheilung des Herrn Landgerichtsrath Dannenberg als irrig. 

Woher Cappe die erwähnten drei Brakteaten kennt, oder 
wohin dieselben gekommen sind, falls sie sich wirklich in seinem 
Besitze befanden, habe ich nicht ermitteln können. Jedenfalls 
wird aber durch das Siegel unzweifelhaft erwiesen, dass Bischof 
Hartbert wirklich den von Cappe beschriebenen gleiche oder 
zum Mindesten sehr ähnliche Brakteaten hat schlagen lassen. 



1) H. Ph. Cappe, Münzen der Stadt und des Stifts HUdesheim (1855). 

2) Yergl. Zeitschr. f. Numismatik YII (1880), 382 ff. 



Ein Beitr. z. Kenntniss d. Brakteaten Bischof Hartberts v. Hildesheim. 51 

Unser Siegel ist also in doppelter Hinsicht interessant: 
einmal für den Numismatiker, indem durch dasselbe ein schrift- 
loser bisher unbekannter Brakteat dem Bischof Hartbert von 
Hildesheim mit Sicherheit zugeschrieben werden kann; sodann 
für den Diplomatiker insofern, als die Verwendung eines Brak- 
teatenstempels zur Herstellung eines Siegels sonst nicht vor- 
kommt, oder doch wenigstens eine ausserordentliche Seltenheit 
ist^). Doch ist die Erscheinung für die Diplomatik von weniger 
hohem Werthe, da man ihr irgendwelche rechtliche Bedeutung 
nicht beimessen kann. Der Grund der Benutzung des Stempels 
entzieht sich unserer Kenntniss. 



1) Wohl zu unterscheiden von dem vorliegenden FaUe ist das Vorkommen 
wirklicher Münzen an französischen Frivaturkunden des 12. Jahrhunderts. 
Vergl. A. Girj, Man. de dipl. (1894), 656 f. 

Marburg. 0. Heinemann. 



Sin verkannter schlesisclier Denar. 





Zu den merkwürdigsten Mittelaltermünzen gehören sicher 
die schlesischen Denare, jene zweiseitigen Pfennige, welche um 
1290 die Brakteaten ablösen und somit die Vorläufer, nicht 
die Folge der Groschenprägung König Wenzels von Böhmen 
darstellen und daher auch nicht Halbgroschen genannt werden 
dürfen^). Diese schon durch Dewerdeck in die numismatische 
Litteratur eingeführte, aber erst von Mader und Vossberg etwas 
eingehender behandelte Münzsorte bietet der Erklärung die 
grössten Schwierigkeiten und so schüttet denn die verhältniss- 
mässig kleine, im Ganzen 101 Stück umfassende Keihe ein Füll- 
horn der verschiedensten Zweifelsfragen vor uns aus. Unter 
solchen Umständen mag auch eine kleine Bereicherung bezw. 
Berichtigung unseres Wissens, wie sie im Folgenden gegeben 
wird, auf das Interesse der Münzforscher Anspruch haben. 

Mader ^) veröffentlichte zuerst einen Pfennig, der auf der 
einen Seite die Umschrift HH h 4^ DVX ... IS 4^ um einen Eber- 
kopf, auf der andern einen schreitenden Adler in einem aus 



1) So fälschlich noch Menadier, Deutsche Münzen I S. 205 Anm. 140b, 
ohne den Anachronismus zu merken, der In dem Namen Groschen far eine 
vor 1300 geprftgte Münze liegen würde. 

2) Kritische Beyträge Theü UI Taf. V, 67. 



F. Friedensburg: Ein verkannter schlesischer Denar. 53 

Kleeblättern gebildeten Kreise zeigt. Er erblickte in dem Ge- 
präge eine Verbindung des schweidnitzer Wappenbildes mit dem 
von Glogau und bezeichnete unseren Pfennig als Gemeinschafts- 
münzQ «Heinrichs von Schweidnitz und Jauer^ und Heinrichs IH. 
von Glogau. Yossberg') hat dann das Stück in seine Glogauer 
Mänzen übernommen und es ebenfalls an Heinrich HL, den be- 
kannten münzreichen Fürsten und Nebenbuhler Wladislaw 
Lokieteks von Polen, gegeben, Maders Erklärungsversuch unter 
Berufung auf Köhnes Autorität wiederholend. Endlich ist der 
Pfennig dann noch im Thomsenschen Yerzeichniss unter Nr. 7991 
als Gepräge Heinrichs IIL aufgeführt, und dort das Ende der 
Umschrift ausdrücklich zu GlogovI8 ergänzt. Diesen Vorgängern 
folgend habe auch ich') mich der hergebrachten Ansicht ange- 
schlossen, jedoch unter Ablehnung der Erklärung Maders, die 
mir s^hon in Rücksicht auf den Umstand, dass die Umschrift 
des angeblichen glogauer Herzogs um das schweidnitzer Münzbild 
steht, unmöglich erschien. 

Durch die selbstlose Güte eines Freundes erhielt ich jüngst 
das in einer kleinen schlesischen Sammlung aufgetauchte Exemplar, 
welches am Kopfe dieses Aufsatzes abgebildet ist Zeigt die 
Vergleichung der Abbildungen und Beschreibungen, dass Mader, 
Vossberg und Thomsen ein und dasselbe Stück*) vor sich gehabt 
haben, so stellt sich mein Pfennig als ein zweiter Stempel dieser 
offenbar sehr seltenen Münze dar, indem hier der Stern am 
Ende der Umschrift fehlt. Diese Umschrift selbst wird höchst 
willkommener Weise durch mein sonst weniger gut erhaltenes 
Stück zu b DVX SliGSia ergänzt und damit fallt zunächst die 
Ztttheilung an den glogauer Herzog, der sich auf seinen Münzen 
stets nach seiner Hauptstadt nennt ^), sodass wir mindestens 



1) Berliner Bl. f. Müns- etc. Kunde 1862 No. 4 der Tafel. 

2) Friedensborg, Schlesiens Münsgeschichte im Mittelalter No. 620. 

3) Der Gate des Herrn Dr. Haubold in Kopenhagen verdanke ich einen 
Abdruck des dortigen Exemplars, der obige Angabe bestätigt und sngleich 
erkennen Iftsst, dass auch auf jenem Stempel nicht Glogovie gelesen werden 
kann, weil der Torhandene Banm far so viele Bachstaben nicht aasreicht. 

4) YgL Fdbg. 615, 18, 19, 21, 22. 



54 F. Friedensburg: 

keinen Anlass haben, ihm den Pfennig mit der von dem ganzen 
Lande genommenen Titulatur zn belassen. Auch ist hier der 
Stempelschnitt, wie sich insbesondere an den Buchstaben zeigt, 
breiter, kräftiger als der der glogauer Denare. 

Die Frage entsteht nun: wohin aber mit unserem Pfennig, 
wenn er kein Glogauer ist? Die Antwort ist wegen des häufigen 
Vorkommens des Namens Heinrich bei den schlesischen Herzögen 
des Xni. Jahrhunderts nicht leicht zu geben, auch die Darstellung 
der Rückseite unseres Pfennigs ist durchaus nichtssagend: der 
schreitende Adler wird von mehreren piastischen Fürsten des 
XIV. Jahrhunderts, namentlich im RücksiegeP), geführt. Bleibt 
also nur der Eberkopf zur Anknüpfung einer Zutheilung, und 
bei ihm denkt man, wenn man es mit einer schlesischen Münze 
zu thun hat, unv^illkürlich an die Stadt Schv^eidnitz. Allerdings 
zeigen die Siegel dieser Stadt ^) im XIH. und XIV. Jahrhundert 
noch das Bild eines Greifen und erst nach 1400 findet sich das 
offenbar um des Namensanklanges willen zum redenden Stadt- 
wappen gewordene Schwein als Siegelbild. Aber da schon auf 
einem schweidnitzer Schöppensiegel von 1335 das ganze Schwein 
erscheint und auch die bekannten Hohlpfennige'), die sicher 
noch in die Zeit vor 1400 zurückreichen, den Eberkopf haben, 
so steht nichts im Wege, das Bild unserer Münze auf Schweidnitz 
zu beziehen, zumal da keine anderen Städte als Mitbewerber in 
Frage kommen. 

Unter den schweidnitzer Plasten aber ist der Herzogsname 
Heinrich in der Denarzeit nicht un vertreten: Bolko I., der Gründer 
der Linie, starb 1301 mit Hinterlassung von drei unmündigen 
Söhnen Bernhard, Heinrich und Bolko II. Diesen Fürsten habe 
ich die bekannten Denare mit GÄXiaÄ DVQVM SLASIÖ um 
den Adlerschild, Rf. IWÖHVM BOXiKOHVM*) und mit Pfauen- 



1) Vgl. Pfotenhauer, Schles. Siegel von 1250 bis 1300 1 No. 4, 5, 7 u. IV 27. 

2) Vgl. Pfotenhauer a. a. 0. XIV No. 111. und v. Saurma, Wappenbuch 
der schlesischen Städte Sp. 303 n. Taf. IX Nr. 114 fg. 

3) Fdbg. 702 fg. 

4) Fdbg. 692 fg. 



Ein verkannter schlesischer Denar. 55 

federn bestecktem Helm beigelegt, die man früher nach Dewerdeck^) 
an zwei oppeler Plasten des Namens Bolko und Boleslaw gab. 
In meinem Werke aber die schlesiseben Mittelaltermünzen habe 
ich diese Zutheilung näher begründet; doch muss ich, da Dannen- 
berg in einer Besprechung meines Baches ') einen leisen Zweifel 
gegen die Richtigkeit meiner Ansicht angedeutet hat, auf diese 
Frage noch einmal ausführlich eingehen, wie es die Wichtigkeit 
des Gegenstandes und die Bedeutung eines von der ersten 
Autorität unserer Wissenschaft geltend gemachten Bedenkens 
erheischt. Es kommt mir dabei zu Gute, dass seither der vierte 
Band der schlesiseben Begesten') erschienen ist, in welchem 
sämmtliche aus der Zeit von 1300 bis 1315 vorhandenen Urkunden 
verzeichnet sind, sodass wir von dieser Epoche, in der unsere 
Pfennige aller Wahrscheinlichkeit nach nur geprägt sein können^), 
ein ziemlich klares Bild besitzen. 

Was zunächst die Darstellungen des streitigen Pfennigs an- 
langt, so sind sie nicht von entscheidender Bedeutung. Der 
Adlerschild kommt ebenso den ober- wie den niederschlesischen 
Plasten zu und es ist insbesondere, wenigstens für die^hier in 
Rede stehende Zeit, ohne Belang, dass der Adler mit der mond- 
f&rmigen Binde und den Kleeblättern geschmückt ist. Ebenso 
steht es mit dem Helm, der den allen schlesiseben Fürsten ge- 
meinsamen Schmuck trägt: zwar führte Bolko I. in der Regel 
den auch auf seinen Münzen^) angebrachten gekreuzten Pfauen- 
nnd Hahnenwedel als Kleinod, doch kommt bei seinen Söhnen 
aacb der gewöhnliche Helm vor, wie ihn unsere Pfennige zeigen*). 



1) Sfleaia nnmismatica 8. 496. 

2) Bd. 16 8. US d. Ztschr. 

3) Grünhagen, Regesten zor schlesischen Geschichte, Band 7 und 16 
des Codex diplomaticns Süesiae, hier stets mit «Reg." angefahrt. 

4) Vgl. Friedensbnrg 8. 41. Neuere Untersnchnngen über die schlesiseben 
Denare, insbesondere ancb über deren Datimng, gedenke ich ein anderes Mal 
in Teröffenilichen. 

5) Fdbg. 687/88. 

6) Vgl. s. B. Pfotenhauer a. a. 0. 19 u. Zeitschr. f. Gesch. u. Alterthum 
Schlesiens Bd. 26 Taf. m 5, lY 7, 8. 



56 F- Friedensburg: 

Die Umschrift ist also das Wichtigste an der Münze, aus ihr 
müssen wir die Entscheidung zu gewinnen suchen. Ihre Fassung 
GffiLSÄ DVaVM SLSSia IWBHVM BOIiKONVM giebt sich 
unschwer als eine Weiterbildung derjenigen Herzog Bolkos I. 
von Schweidnitz GffiLeffi DVQIS BOLKOHIS zu erkennen und 
findet ihr Seitenstück auf einem Pfennig Herzog Semovits von 
Beuthen^) in 6KLGK DVQIS Semoviti, was oflFenbar die reine 
Entlehnung oder Nachahmung ist. Es fragt sich nun, wie ist 
diese Umschrift, die nur mit „der Helm der jungen (d. i. minder- 
jährigen") Bolkonen, Herzöge von Schlesien** übersetzt werden 
kann, zu deuten? Vielleicht am nächsten liegt die Annahme, 
dass zwei junge Herzöge des Namens Bolko gemeint sind, und 
dann kann der Pfennig nur den oppeler Brüdern dieses Namens, 
den Söhnen Boleslaws I. von Oppeln, gehören, da nur dort zwei 
Brüder Bolko vorkommen. Dies ist denn auch der Grund für 
Dewerdecks Zutheilung gewesen. In den Stammtafeln wird zwar 
der ältere Bruder Boleslaw, der zweite Bolko genannt, in den 
Urkunden aber wechseln diese Namen bei beiden, ist doch Bolko 
nur die ^Abkürzung für Boleslaw. Es fragt sich nun zunächst, ob 
diese oppeler Fürsten bei dem im Jahre 1313 erfolgten Tode ihres 
Vaters noch Juvenes** waren. Leider ist diese Frage nicht mit 
irgend welcher Sicherheit zu beantworten. Nach Beg. 3157 
urkundet ihr Vater mit ihrer Zustimmung bereits im Jahre 1310, 
was für ihre Mündigkeit sprechen würde, andererseits aber wird 
diese Annahme wieder minder wahrscheinlich durch die Thatsache, 
dass die Söhne erst 12 und bezw. 14 Jahre nach des Vaters 
Tode heirathen. Regierungshandlungen von ihnen sind in den 
Regesten bis zum Jahre 1315 nicht verzeichnet, politisch treten 
sie erst um 1327 hervor, als Schlesien in den böhmischen Lehns- 
verband aufgenommen wird. Vollends gar nichts wissen wir 



1) Fdbg. 814. 

2) Juvenis im Sinne von mindeijShrig z. B. Script, rer. Siles. Bd. L 
S. 125. Bemerkenswerth ist auch eine Urkunde Heinrichs v. Schweidnitz 
von 1313, in der das Wort den Namen von zwei herzoglichen Mannen zuge- 
setzt ist (Beg. 3351). 



Ein verkannter schlesischer Denar. 57 

von einer besonders innigen Gemeinschaft oder gar von einer 
gemeinsamen Herrschaft beider, ihre Siegel aus späterer Zeit 
zeigen auch verschiedene Titulaturen: dnx Falkenbergensis und 
dux Opoliensis. Also nirgends eine Unterstützung der lediglich 
auf die erste Deutung der Umschrift gestützten Zutheilung. 
Man kann diese Umschrift aber auch mit ^der Helm der 
Bolkonischen Prinzen^ übersetzen, wie dies Dewerdeck selbst 
bei einem zweiten Exemplar unseres Pfennigs thut, in dessen 
rückseitiger Inschrift er irrig den Namen Münsterberg findet^). 
Dann können nur die Söhne Bolkos von Schweidnitz in Frage 
kommen, denen auch Dewerdeck das eben erwähnte zweite Stück 
zutheilt. Denn Boleslaw I. von Oppeln nennt sich niemals Bolko 
und ein dritter gleichnamiger Fürst, dessen Söhne noch Denare 
geprägt haben könnten, kommt nicht in Frage. Die Söhne 
Bolkos aber haben längere Zeit gemeinschaftlich regiert, zunächst 
bis 1308 unter der Vormundschaft Hermanns von Barby, bezw. 
Hermanns von Brandenburg, aus welcher Zeit wir einen sicheren 
Pfennig') besitzen, dann unter der des inzwischen erwachsenen 
ältesten Bruders Bernhard, der insbesondere auch an die von 
ihm und seinen Brüdern gemeinschaftlich ausgestellten Urkunden 
sein Siegel angehängt hat^). Es ist wohl nicht ohne Belang für 
unsere Streitfrage, dass einzelne dieser Urkunden ^) auf die Zeit 
der Mindeijährigkeit zurückgreifen und damals getroffene Fest- 
setzungen neu bestätigen. So heisst es 1311: „quod cum olim 
in annis nostris pupillaribus dominus Hermannus dictus de 
Barboy. . . . capitaneus nostre terre existeretconstitutus. . . . verum 
cum jam adulti terram nostram ad manus propra regiminis resum- 
psissemus . . . decrevimus etc.^ Femer im selben Jahre: „beneficiis 
.... in annis nostris puerilibus et minus provectis datis et concessis 
ex nunc, cum divina gracia opitulante ad annos magis discretos 
maturos provenimus et adultos, .... observamus.*' Endlich 1312: 



1) Dew. 8. 408. 

2) Fdbg. 691. 

3) 1. B. Reg. 2967, 2985, 3134, 3162, 3213 u. ö. 

4) Die folgenden Stellen aus Reg. 3136, 3213, 3269. 



58 F. Friedensbnrg: 

Jus patronatus .... quod etiam mater nostra .... contiilit nobis 
in annis puerilibus constitutis ex nunc et modo damus etc.^ 
Also auch hier die Betonung der gemeinschaftlichen Jugendzeit. 
Man wird angesichts aller dieser Thatsachen und Zeugnisse nicht 
umhin können, den Pfennig den schweidnitzer Fürsten zuzu- 
sprechen, da nur bei dieser Zutheilung alle Momente zusammen- 
stimmen : Wappen, Helm, Gemeinschaft und schliesslich auch die 
Titulatur „duces Slesie". Wie bereits in meinem Werke hervor- 
gehoben, ist „Slesia^ nur die Bezeichnung ffir Niederschlesien, 
und unter den oberschlesischen Piasten nennt sich nur Herzog 
Semovit auf seinen oben erwähnten Pfennigen dux Slesie. Diese 
Pfennige aber sind eben denjenigen der Juvenes nachgeahmt, 
wie dies auch sonst anderswo geschehen ist^). Und zu alledem 
muss man auch noch die damaligen Verhältnisse Schlesiens in 
Hinsicht der Kultur und Politik in Erwägung ziehen: es wäre 
im höchsten Grade auffallend, wenn uns die Söhne des mächtigen 
Bolko, die Besitzer eines der grössten und reichsten Ffirsten- 
thümer Schlesiens, kein sicheres numismatisches Denkmal ihrer 
Herrschaft, dagegen die recht obskuren Fürsten eines armen 
und wenig entwickelten Ländchens diese sauberen und offenbar 
in grosser Menge geprägten Münzen hinterlassen hätten. — 

Im Jahre 1314 theilten die Brüder ihr Erbe und es erhielt 
dabei Herzog Bernhard Schweidnitz, wo er bis 1326 regierte, 
Heinrich bekam Jauer und starb kinderlos 1346, Bolko II. erbte 
Münsterberg, wo sein Geschlecht bis 1428 regierte. Also scheint 
es zunächst, als ob ein Pfennig mit dem schweidnitzer Stadt- 
zeichen nicht von einem Herzog Heinrich, bezw. diesem 
zweiten Sohne Bolkos, der allein in Frage kommt, ausgegangen 
sein könnte, da dieser nicht Schweidnitz selbst besass. Nun ist 
aber nicht bekannt, dass in Herzog Heinrichs Hauptstadt Jauer 
vor dem XV. Jahrhundert eine Münze bestanden hätte ^). Aller- 
dings gehörte zu Heinrichs Erbe auch die Stadt Löwenberg, die 



1) Vgl. Fdbg. 435, 698. 

2) Vgl. Scheuner in dieser Zeitschr. Bd. 18 S. 36 und Friedensbnrg in der 
Festschr. zur Feier des 50 jähr. Bestehens der Berliner num. GeseUschaft S. 95. 



Ein verkannter schlesischer Denar. 59 

an Bedeutung Jauer überragte und die nach einer Urkunde von 
1268 0) i^ d^^ ^i^ Arnoldus tunc nionetarius unter den Zeugen 
erscheint, schon im XIII. Jahrhundert eine Münzstätte beherbergt 
zu haben scheint. Wir wissen aber nichts davon, dass diese 
Münzstätte auch zu Heinrichs Zeiten betrieben worden wäre. 
Die Annahme liegt daher nahe oder ist mindestens nicht ausge- 
schlossen, dass Herzog Heinrich nach der Theilung in seines 
Bruders Stadt unter eigenem Namen hat weiter prägen lassen 
und dass der schweidnitzer Stempelschneider den Eberkopf nur 
als Zeichen der Herkunft dieses Pfennigs verwendet hat, ohne 
damit irgendwie das Recht an der Münze auszudrücken. Dass 
man damals^) städtische Wappenbilder zur Bezeichnung der 
Heimath des Pfennigs ohne Rücksicht auf das Recht an der 
Münze selbst verwendete, zeigt eine Urkunde von 1349, in der 
BolkoII. von Schweldnitz ausdrucklich verspricht, dass seine Mflnzer 
das Gepräge der Stadt Löwenberg nicht nachahmen sollen*"^). 

Aber selbst wenn der Eberkopf nicht das Zeichen der Stadt 
Schvfreidnitz sein sollte, würde keine andere Zutheilung als an 
unsern Herzog Heinrich sich begründen lassen. Man müsste 
den Kopf dann als ein Adelswrappen ansehen, deren Vorkommen 
auf schlesischen Mittelaltermünzen ^), wenn auch vielleicht noch 
nicht ausreichend erklärt, so doch sicher genug — für die Denar- 
zeit insbesondere durch die Pfennige mit den Wappen Sachenkirch 
und Dohna^) — nachgewiesen ist. Nun führte, die Familie von 
Schweinichen ein ganzes Schwein, die von Peterswald einen 
Schweinskopf im Wappen. Beide Geschlechter gehören zur 
schweidnitzer Mannschaft*) und namentlich die Peterswald werden 
in den Urkunden aus dem Anfang des XIV. Jahrhunderts viel 



1) Reg. 1091. 

2) Ans neuerer Zeit sind u. a. die stolbergischen Münzen mit dem 
aagsbnrger Stadtzeichen (z. B. Madai 1910) und die augsburger und erfurter 
Oeprftge Gustav Adolfs zu vergleichen. 

3) Fdbg. Urkundenbuch Nr. 62. 

4) Fdbg. S. 20, 44 und Archiv f. Bracteatenkunde Bd. I S. 44 u. 311. 

5) Fdbg. 443, 462. 

6) Ein glogauer Schweinichen in Reg. 3243, 44 u. ö. 



60 F* Friedensburg: 

genannt. Die ebenfalls einen Eber im Wappen führende Familie 
von Stracbwitz kommt bis 1315, überhaupt wohl in der ersten 
Hälfte des XIV. Jahrhunderts in unseren Urkunden nicht vor. 

Nach alledem dürfte die Zutheilung unseres Pfennigs an 
Herzog Heinrich von Jauer so gut begründet sein, als dies unter 
so schwierigen Umständen überhaupt möglich ist. Leider lässt 
sich ihm zur Zeit kein zweites Stück anschliessen, insbesondere 
ist es nach den vorhandenen Schriftresten nicht angängig, auf jenem 
nur in dem Exemplar des Egl. Münzkabinets zu Berlin erhaltenen 
Pfennig vom Gepräge der Juvenes, dessen Umschrift mit Gl beginnt 
und mit b schliesst^, ein rückläufiges b dux SlesIB zu suchen. 

Es ward bereits erwähnt, dass zu Herzog Heinrichs Land 
auch die Stadt Löwenberg gehörte, in der znr Bracteatenzeit 
eine Münzstätte bestanden zu haben scheint. Die Stadt muss 
damals sehr ansehnlich und wohlhabend gewesen sein, denn sie 
hat ihrem Landesherm öfters in seinen Geldnöthen ansehnliche 
Beihülfe gethan und sich dafür auch in üblicher Weise durch 
Gewährung wichtiger Rechte und Freiheiten entschädigen lassen ^). 
Im Jahre 1327 scheint es dem Herzog besonders schlecht ge« 
gangen sein, denn er giebt den Löwenbergern gleichzeitig drei 
wichtige Begnadungen darunter auch das Münzrecht. Leider ist 
gerade dieses Privileg') überaus kurz und dürftig abgefasst: 
„wir haben — heisst es — gelasen unde gelegen unse muncze 
in allim unsim lande an cleynen Pfenningen u. s. w.*^ ; kein Wort 
über die bisherigen Mflnzverhältnisse des Landes. Damals war 
die Denarprägung längst eingestellt, die böhmischen Groschen 
beherrschten durchaus den Verkehr und zwar so gut wie aus- 
schliesslich, indem anfänglich nur wenige «Parvi^ geprägt wurden. 
Da deren Ausmünzung aber in Böhmen gerade seit dem Jahre 1327 
stärker betrieben veurde^), so mag das löwenberger Privileg wohl 
mit den dortigen Verhältnissen in innerem Zusammenhang stehen. 



1) Fdbg. 6S9. 

2) Tgl. W^esemanii, Urkunden der Stadt Löwenberg 8. 15 fg. 

3) Fdbg. Urkondenbuch Nr. 60. 

4) Vogt, Böhmische Münzen 8. 120 inm. 41. 



Ein verkannter schlosischer Denar. gl 

Bisher kannten wir nur einen löwenberger Heller^), der 
nach Fandgenossenschaft und Feingehalt aus der zweiten Hüfte 
des XIV. Jahrhunderts stammen dürfte. Inzwischen sind mir aus 
zwei verschiedenen kleinen schlesischen Sammlungen zwei Exem- 
plare (Gew. 0,33 und 0,4 gr.) des hier abgebildeten Münzchens 
zugekommen. 





Der Feingehalt ist höher, wie bei dem eben erwähnten 
Stück, der Styl der Darstellungen zierlich und gefällig: der 
Löwe gleicht in Haltung und Ausführung dem auf dem ältesten 
löwenberger Stadtsiegel erscheinenden und der schreitende 
Adler schliesst sich an die entsprechende Darstellung der Denare, 
insbesondere desjenigen Herzog Heinrichs, an. Es unterliegt 
daher keinem Zweifel, dass wir hier einen der auf Grund des 
Privilegs von 1327 geschlagenen Löwenberger Heller und damit 
den ältesten datirbaren schlesischen Heller überhaupt vor uns 
haben. 



1) Pdbg. Nr. 699. 

F. Friedensburg. 



Beitrag zur Münzkunde von DelpM. 



Henry de Longp6rier behandelte vor nunmehr 25 Jahren 
eine Reihe von Prägbildern autonomer Münzen von Delphi'). 
Hierzu bot ihm ein Unicum Veranlassung, welches seinen Weg 
in das Pariser Gabinet gefunden hatte. Dasselbe, jetzt in einem 
weiteren Exemplare auch in der Berliner Sammlung vorhanden, 
trägt auf der Vorderseite zwei an einander gelegte Widderköpfe, 
darüber zv^ei sich mit den Mäulern berührende Delphine und 
am unteren Rande die Inschrift AAA®IKON. Das Ganze ist 
von einem Perlkreis eingefasst. Die Rückseite schmückt ein 
gevierteltes Quadratum incusum, deren jedes Vierteil einen 
Delphin aufweist. Es ist dies die als eine ungewöhnlich schwere 
Tetradrachme attischer Währung erkannte Münze '^). Die Er- 
klärung des Widders als apollinisches Symbol ist der Ausgangs- 
punkt der Untersuchung Longp^riers. Er deutet auf das Wesen 
des Apollon xagvetog hin, dem gerade der Widder eng verbunden 
ist, wie es schon das Wort ^xagpog' besagt^). Diese Beziehung 
ist heute allgemein angenommen^), wie überhaupt sämmtliche 
Münzstempel von Delphi bis auf einen, dessen Bedeutung noch 
immer nicht genügend erklärt ist, den Negerkopf, mit Recht als 
apollinisch betrachtet werden. Dies gilt unzweifelhaft von dem 



1) Revue nnmismat. 1869. p. 149 ff. 

2) Vgl. Longp^rier a. a. 0. y. Sallet, Zeit. f. Num. XIII. S. 61 ff. Head, 
Hist. nnm. p. 289, abgeb. bei v. Sallet a. a. 0. Tf. III, 1. und Rev. num. 1869, 
Titelblatt. 

3) Preller-Robert, Griech. Myth. * I, S. 251 und Anm. 2. 

4) Vgl. Head a. a. 0. u. v. Sallet a. a. 0. 



H. von Fritze: Beitrag zur Münzkunde von Delphi. 63 

Dreifuss, da sich derselbe kaum in Verbindung mit einer anderen 
Gottheit nachweisen lassen wird. Widder und Ziege sind jedoch 
nicht ausschliesslich Apollon zugehörig. Spielten beide Tiere 
doch in den Culten verschiedenster Gottheiten eine Rolle, und 
es giebt eine ganze Reihe von Städten, welche sie als Prägbilder 
benutzen, wo ihre Zuteilung zu Apollon unmöglich oder doch 
unwahrscheinlich ist. So wird, um ein Beispiel anzuführen, der 
Widder auf pheneatischen Münzen sicher mit Hermes zu ver- 
binden sein, der nach Paus. VIII, 14, 10 dort die grösste 
Verehrung genoss; jedenfalls tritt der Apollodienst in Pheneos 
nicht so hervor. Eine deutliche Bestätigung giebt die Statue 
des Hermes xQioqÖQog^ welchen die Pheneaten nach Delphi weihen *) 
(Paus. V, 27, 8). Auf den kyprischen Stempeln dagegen ist der 
Widder aphrodisisch*). Ähnliches Hesse sich für die Münzen 
mit der Ziege als Wappenbild feststellen; denn auch sie ist 
verschiedenen Göttern heilig oder als Opfertier genehm'). Wie 
nun im delphischen Wappen der Widder als Attribut des Apollon 
xagystog ZU rechtfertigen ist, so liegt auch für die Ziege ein 
Zeugnis vor, welches sie mit dem delphischen Gott in Verbindung 
bringt. Man hat nämlich eine bei Diodor XVI, 26 überlieferte 
Localsage herangezogen. Nach ihr wird durch weidende Ziegen 
der Erdspalt mit den gasigen Dämpfen entdeckt. Ob diese 
Legende wirklich zur Wahl des Münzbildes Veranlassung gab 
oder erst erfunden wurde, um vielleicht die Bedeutung der Ziege 
im Cult oder auf der Münze zu erklären, bleibt unsicher. Dass 
aber der pythische Apollon Bockopfer fordert, beweist Paus. 
X, II, 5, wo die Kleonäer ein solches xa%ä (jtdvrevfia ix JsXipäv 
darbringen, und nach Befreiung von der Pest dem Apollon einen 



1) Völlig sicher ist der Widder als Symbol des Hermes auf den Münzen von 
Lemnos, Imbros und Samothrake. Vgl. auch Rob.-PreU. a. a. 0. S. 386, Anm. 2. 

2) Vgl. Robert-PreUer a. a. 0. S. 381, Anm. 1. Dass der Widder 
cultlich auch zu Zeus und Poseidon gehört, ist bekannt. Vgl. ebenda 
S. 144 u. 588. 

3) Die Ziege als Opfertier spielt z. B. in den Gülten der Hera, des Askle- 
pios, des Dionysos und besonders auch der Artemis eine BoUe. VgL Robert- 
Preller a. a. 0. S. 170, S. 518 u. Anm. 4, S. 714, Anm. 5. 6, S. 302 u. Anm. 4. 



g4 H. von Fritze: 

ehernen Bock weihen'). — Die Wahrscheinlichkeit, dass beide 
Tiere, Widder und Ziege, auf delphischen Münzen Symbole des 
ApoUon sind, ist also vorhanden. Ausschlaggebend aber wird 
für mich der Umstand, dass der Delphin hinzutritt, und zwar 
nicht als Beizeichen, sondern als Teil des Wappens. Dies ist 
besonders deutlich auf der oben beschriebenen Tetradrachme, 
wo auf den ersten Blick der sogenannte Wappenstil sowohl bei 
den Widderköpfen, als auch den darfiber befindlichen Delphinen 
zu erkennen ist, ^^ein Musterbild schematischer Wappencompo- 
siüon^', wie E. Curtius es treffend bezeichnet^). Verstärkt wird 
die Bedeutung der Delphine noch dadurch, dass sie auch in den 
vier Quadraten der Rückseite vorkommen. Durch diese Anord- 
nung auf der Tetradrachme wird nach meiner Überzeugung auch 
für die kleineren Nominalen des Widdertypus bewiesen, dass der 
bei dem Kopfe erscheinende Delphin nicht Beizeichen, sondern 
Teil des Wappens ist. Schon Longp6rier hob hervor (a. a. 0. 
p. 155), dass die delphischen Widdermfinzen sich vor allen 
solchen anderer Städte gerade durch den Delphin charakterisieren; 
ich möchte dies noch schärfer fassen, indem ich sage: durch 
den Delphin werden diese Münzen nicht nur für Delphi, sondern 
für Apollon und zwar den Delphinios gesichert. — Dasselbe tritt 
uns nämlich auch bei den delphischen Ziegenstempeln entgegen, 
bei denen häufig rechts und links von dem Ziegenkopf Delphine 
streng wappenmässig angeordnet sind '). Über die Bedeutung des 
Apollon öehpivtog ist oft und erschöpfend gehandelt worden^); auch 
der französische Gelehrte widmet ihm einen Passus seines Auf- 
satzes. Interessant ist die Aufgabe, innerhalb der Münzreihen ver- 
schiedener Städte den Nachweis zu versuchen, wann der Delphin als 
poseidonisches und wann als apollinisches Symbol anzusehen ist. — 



1) Aach sonst erscheint die Ziege bei ApoU; vgl. die Münse von Tylisos 
bei Svoronos, Nnmismat. de la Crete anc. Macon 1890, pL XXX, No. 29 <= 
Brit. Gat. XIX, 15. Hier hftlt der Gott einen Ziegenkopf in der Hand. Bock- 
opfer in Magnesia vgl. Opferurkunde bei Kern, Arch. Anz. 1894, S. 79 if. 

2) ^ Wappenstil and Wappengebraach im Alterthum'' Ges. Abh. n, S. 103. 
8) Vgl Brit Cat "Central Greece". pl. IV, 3. 10-12. 

4) z. B. Preller-Bobert a. a.0. 1, S. 257 ff. Cartins, Griech. Qeschfi I, S. 494. 



Beitrag zur Münzkunde von Delphi. 65 

Für diese längere Untersuchang ist hier nicht der Ort 
Ich wende mich vielmehr zu einem delphischen Prägbild, dessen 
gewöhnliche Deutung zwar bisher nicht angezweifelt ist, mir 
aber unrichtig erscheint Auf der Rückseite der kleinen Silber- 
münzen, deren Vorderseite den Dreifuss oder auch den Widder- 
kopf aufweist, findet sich ein Kreis und in seiner Mitte ein 





erhöhter Punkt. (Abb. a nach BerL Exempl.) Von allen Inter- 
preten wird diese Darstellung als dgA^alog y^g bezeichnet^) und 
Head bemerkt bei Gelegenheit der Besprechung phliasischer 
Münzen'): In the centre of the wheel (dem Prägbild der Rück- 
seite) there is usually a pellet enclosed in a circle, which here 
as at Delphi may symbolize the 0[A(fak6g^ a sacred stone at Phlius, 
which the inhabitants with inaccountable ignorance of distances 
affirmed to be the centre of Peloponnesus. (Paus. II, 13, 3.) 
Vgl. Abb. b nach Berl. Exempl. — Qeht man von diesem 
Münzstempel aus, so ergiebt sich Folgendes: das phliasische 
Rad ist verschieden dargestellt. Es kommt die einfach glatte, 
stabartige Form der Speichen vor, dann aber auch solche, die 
sich nach den Enden zu verjüngen im Bestreben nach gefälligerem 
Aassehen. Auch die Radnabe macht Wandlungen durch. Sie 
erscheint als blosser Punkt auf der Kreuzung der Speichen oder 
mit feiner ausgeführten Einzelheiten, indem die Nabe selbst sowie 
die sie umschliessende Kapsel zum Ausdruck gelangen'). Dies 
nämlich und nichts anderes bedeutet der Kreis mit Punkt, 



1) Vgl. Head a. a. 0. p. 289. — Gat. of. gr. coins in the brit. Mos. 
(Centr. Greece) p. 24. — Iinhoof-Bliiiner = Garclner, Nom. Comment. on 
Pausanias (Jonrn. of. hell Stad. YUI [1887]. p. 17> 

2) Hifft nom. p. 343. Ebenso Imhoof - Gardner a. a. 0. p. 54 und Brit. 
Mos. '^Peloponnesos'' p. 33 Anm. 

3) Vgl. Brit. Cat '"Peloponnesus" pl. VI, No. 19. 20. 23. 

Z«itMlirifl far Kniiiiuttstik. XX. 5 



I 



66 H. von Fritze: 

welcher in des Rades Mitte auf einigen Mflnzen von Phlius 
sichtbar ist^). — Abgesehen von der Erwägung, dass eine solche 
Wiedergabe des Omphalos, wie sie hier bisher angenommen ist, 
durchaus nicht ohne weiteres klar wäre, glaube ich auch da- 
durch jene Erklärung zurückweisen zu können, dass ich bei den 
Stempeln anderer Städte, welche ein Rad fähren, dieselbe Er- 
scheinung nachweise. Es genügt, die interessanten Münzreihen 
zu betrachten, als deren Heimath man früher Attica, jetzt aber 




Euböa in Anspruch nimmt ^). Auch hier ist die Gestaltung der 
Radteile eine mannigfaltige. Doch finden sich mehrere dem 
phliasischen Radmittelpunkte analoge Darstellungen. Man ver- 
gleiche obenstehende Abbildung eines Berliner Exemplars '). 
Nabenkapsel und Nabe sind ganz entsprechend wiedergegeben 
wie dort. Aber nicht nur Münzen stehen zu Gebote. Eine 
Fülle von Beispielen gewähren die Vasenbilder, und zwar be- 
sonders schwarzfiguriger Technik. Man braucht nur Gerhard, 
Auserlesene Vasenbilder Tf. 10, 20, 40, 41, 43, 44, 53 u. s. w. 
einzusehen, um die Überzeugung zu gewinnen, dass wir es mit 
etwas ganz gewöhnlichem zu thun haben. 

Wenn durch diese Beweisführung jeder Grund fortfällt, in 
dem Münzstempel von Phlius etwas anderes zu sehen, als ein 
Rad mit Speichen und Nabe, so ist damit auch für jene Inter- 
pretation des delphischen Prägbildes ein Anhalt verloren. Aber 
auch die weiteren Betrachtungen werden sie unmöglich machen. 
In erster Linie ist hervorgehoben, dass eine solche Darstellung 
des Omphalos eine zum wenigsten ungewöhnliche ist. Wir be- 



1) ebend. pl. VI, No. 23. 

2) Brit. Cat. "Centr. Greece" p. XLVI. 

3) Auch Brit Cat. "Centr. Greece" pl XX. No. 3. 



Beitrag zur Münskunde von Delphi. g7 

sitzen eine Menge von deutlichen Omphalosabbildungen auf 
Monumenten verschiedener Gattung. Stets ist es derselbe un- 
verkennbare Typus: ein konischer, oben etwas abgeplatteter 
Stein, etwa in Sitzhöhe vom Erdboden aufragend und meistens 
durch ein Netz von heiligen Wollbinden charakterisiert'). Ganz 
anders hier. Die geometrische, oder soll man sagen von oben 
gesehene Darstellung des Weltmittelpunktes ist durchaus nicht 
leicht in dem Sinne zu verstehen. Hat diese Art der Wieder- 
gabe doch nur dann Zweck, wenn ein Gegenstand seitlich be- 
trachtet nicht zur Anschauung zu bringen ist; so z. B. wird das 
Labyrinth als solches nur erkennbar sein, wenn man es im 
Grundriss abbildet, wie es auch die Münzen von Knossos zeigen'). 
Ferner muss man eine in umhegtem Gebiet vor sich gehende 
Handlung aus der Vogelperspektive zeichnen*). Diese Möglich- 
keiten kommen jedoch für den Omphalos nicht in Frage. Die 
ünwahrscheinlichkeit jener Annahme wird noch dadurch erhöht, 
dass auf Münzen der delphischen Ampiktyonie aus der Zeit 
um 346 Y. Chr. ein Omphalos der bekannten Form vorkommt 
und zwar nicht nur hier, wo er Apollon als Sitz dient*), son- 
dern auch später als alleiniges Münzwappen der hadrianischen 
Diobolen, umwunden von der Schlange*). 

Müssen wir so die bisher gültige Erklärung als hinfällig 
bezeichnen, so entsteht die Aufgabe, der Deutung auf anderem 
Wege näher zu kommen, und da bietet sich sofort eine Inter- 
pretation , welche sich mir beim ersten Anblick aufdrängte: es 
ist eine von innen gesehene Schale. Alles, was gegen die Be- 



1) Vgl. z. B. die Seleucidenmünzen: Head, Coius of the Ancients pl. 38 
no. 16 --20. Overbeck, Knnstmythol. Textbd. lY (Apollon) taf. III, wo eine Reihe 
Omphalosmfinzen zusammengestellt sind. Brit. Cat. ^^Mysia'* pl. IX, 13 (Kjzikus). 

2) z. B. Head, Uist num. p. 389 ff., fig. 245. 247. 248. Brit Cat 
"Crete" pl IV. V. 

3) z.B. die bei Friedl&nder-v. Sallet, Kgl. Münzkab. S. 223 No. 876 
erwfthnte Münze des phryg. Laodicea. 

4) Head, Coins of the Ancients pl. 22 no. 25 = Brit Cat ''Centr. Gr."" 
pl. lY, 13 = Head, Hist Num. p. 289 fig. 346. 

5) Brit. Cat. "Ccntr. Greece" pl. IV, no. 20. 

5* 



ueDDUiig des Symbols als Oniphalos spricht, passt für diese Be- 
zeichnung. Eine seitlich gesehene Schale, wie sie so häufig von 
Personen gehalten, auf Vasenbildern erscheint, wäre nicht für 
ein Münzfeld geeignet, welches sie allein ausfüllen soll. Hier 
muss es vielmehr darauf ankommen, eine möglichst deckende 
Fläche zu erhalten. Diese bietet in vorzüglicher Weise das Innen- 
rund der Schale. Als einziges die Münzseite füllendes Wappen 
ist mir die Schale sonst nicht bekannt. Dagegen lässt sich eine 
ganze Reihe von Piägbildern nachweisen, auf denen speudendc 
Figuren Schalen ähnlicher oder analoger Form tragen *). Üherall 
erkennt man dieselbe Darstellungsweise. Meist ist die ^tälij 
etwas schräg gehalten, sodass neben der ganzen Peripherie auch 
die durch einen erhöhten Punkt bezeichnete Mitte des Schalen- 
grundes sichtbar ist. Vgl. Stater von Side nach Berl. Exemplar. 




Dass die griechischen Opferschalen in der Regel diese 
Gestalt haben, beweist z. B. die Ausnahme in dem Tempel- 
inventar bei Dittenberger (Sylloge No. 367, 184), wo unter 
vielen ifiälai eine aufgeführt wird mit dem Zusatz: ofufalov 
ovK e%ovüa. Es ist das von den Römern "patera nmbelicata" 
bezeichnete Gefäss. Völlig übereinstimmend mit unserer del- 
phischen Schale sind diejenigen, deren Innenseite dem Beschauer 
voll zugekehrt ist. Auch hierfür giebt es deutliche Beispiele'). 
Einen zwingenden Beweis für die Richtigkeit meiner Inter- 

1) Vgl. Seiinas: P. Gudner, Tjpes of gi. coins, pl. II, 15. 16. VI, 1. 
Hirnen: ebeod. II, 18. VI, 2. Kjpros; ebeod. X, 27. Kjiene: He&d, Coina 
of thfl Ancients, pL XXVI, no. 43. Trikka: Friedlftnder-v. Sallat: Hflnikab. 
Tf. III, no. 203. Auch auf röm. Hünieo mit Opferscen«, vgl. Orneber-Poole 
Roman medaillions in the Brit. Mns. London 1874. pL XIV. 

21 E. B. ApoUon mit Schale: Oveibeck, Kunstmylh. Teitbd. IV (ApoUon) 
MÜMtafel lU, 53. 54. auch Head H. N. p. 2aG. fig. IGD (OdeBsos). 



Beitrag zur Münzlnmde tod Delphi. g9 

pretation sehe ich in einigen Münzen des mysischen Parium. 
Hier nämlich giebt es nnter den zahlreich vorkommenden Silber- 
mflnzen mit dem Bilde eines nach links stehenden, umschauenden 
Stieres eine Anzahl, auf welcher als Beizeichen eine von innen 




gesehene Schale von genau entsprechender Zeichnung erscheint, 
wie auf der delphischen Münze'). Die Schale ist dort richtig 
erkannt (Brit. Cat. "Mysia" p. 96, No. 30—33). Ferner finden 
wir dieselbe als Beizeichen bei dem Athenakopf auf korinthischen 
Stateren (Leukas). Vgl. Brit. Cat. ''Corinth" pl. XXXIV 7 ; dazu 
p. 126, no. 15, und in der gleichen Form auf korinthischen 
Drachmen neben dem Kopfe der Aphrodite (Brit. Cat. '*Corinth" 
pl. X, no. 17— 19; vgl. p. 33, no. 303—305). Auch auf einer 
SilbermQnze des thrakischen Chersonnes ist unzweifelhaft eine 
Schale dargestellt (v. Sallet, Egl. Museen zu Berlin: Beschreib, 
d. antiken Münzen I S. 253, no. 39). Somit ist die (fuxlfi auch 
als selbstständiges Münzbild, zugleich aber als Symbol erwiesen. 
Symbol des Opferdienstes ist sie als Bestandtheil des Priester- 
omates; sie veurden umgehängt getragen^). Ebenso sicher deutet 
dieselbe auf priesterliche Funktionen, wenn man sie im Verein 
mit Kanne, Schöpfkelle und Augurstab auf stadtrömischen 
Münzen antrifft*). Bemerkenswert ist hier, dass sie ebenfalls 
in voller Innenansicht gegeben ist. Aber noch anderweitig er- 
scheint die Schale als Symbol. Die delphischen Ausgrabungen 
haben nach Furtwänglers Bericht*) Stücke von der FaQade des 
Siphnierschatzhauses zu Tage gefördert, an denen Phialen an- 
gebracht waren. Diese sowohl, wie z. B. auch die auf dem 

1) Vgl. obenstehende Abbildung nach Berl. Exemplar. 

2) Vgl. E. Cortins, Oes. Abhdl. 11, 8. 256. 

3) Cohen, M^daüles Imperiales > I, pl. UI, no. 347. 348. IV, p. 204 
DO. 588. p. 525 no. 9. V, p. 39 no. 182. und Mon. de la r^p. rom. pL m, 
no. 9. 10. 

4) Berl. philol. Wochenschr. 1894. 29. Sept. Sp. 1276. 



70 H. von Fritze: 

Saboaro£fschen Kybelerelief^) an der Tempelwand angehefteten 
Schalen können nur symbolisch als Hindeutung auf Opferdienst 
zu verstehen sein^). 

Vielleicht genügt diese Erklärung schon, um ihr Vorkommen 
auf der delphischen Münze zu rechtfertigen; nicht ohne Grund 
aber glaube ich noch eine intimere Beziehung derselben zu 
ApoUon nachweisen zu können. Denn die Phiale spielte offenbar 
in der pythischen Mantik eine wichtige Rolle. Ein rothfiguriges 
Schaleninnenbild ^) zeigt den inschriftlich bezeichneten Aigeus, 
wie er das delphische Orakel befragt. Vor ihm sitzt eine 
Fraucngestalt auf dem Dreifuss nach rechts, langbekleidet, den 
Mantel leicht über das Hinterhaupt gelegt. Sie trägt in der 
Rechten einen Lorbeerzweig, in der Linken die Schale. Die 
Beischrift lautet OEMIZ*). Lukian (de Jov. trag. 30) be- 
zeichnet nun als zur Ausübung der apollinischen Mantik not- 
wendig: Dreifuss, Räucherwerk und die n^y^ /*aw**«y*). Aus 
ihr schöpfte die Pythia sich den Trunk, der sie ebenso wie die 
gasigen Dämpfe des Erdspaltes in den ekstatischen Zustand ver- 
setzte^). Auf letztere deutet der Dreifuss; was lag näher, als 



1) Fartwängler, Samml. Sabour. II. Taf. 137 und Text dazu. 

2) Hier sei die Inschrift des nach der Schlacht von Tanagra von den 
Lakedämoniem geweihten Anathems berücksichtigt. Die in Olympia aufge- 
fundenen Fragmente ergSuzen sich durch die Notiz bei Pausanias Y, 10, 4. 
(Vgl. Purgold, A.Z. 1882. S. 179 ff.) Das Epigramm beginnt: Naog fiiv 
fpucXttv j/€i. Mit der (fuiXrj ist das geweihte Schild gemeint. Wenn nun das 
Anbringen von Opferschalen an Fa^ade oder Wand des Tempels nichts un- 
gewöhnliches war, wie obige Monumente beweisen, so erklärt sich die euphe- 
mistische Ersetzung des nach dem Bürgerkriege geweihten Schildes durch 
die (f>MX»j leichter, da ja auch die Form zur Yergleichung Anlass bot. 

3) Gerhard, Auserles. Yasenb. lY. Taf. 327/8. Zu vergl. EL ceram. 11. 
pl. 46, wo ApoUon selbst auf Dreifuss sitzend in der Linken den Bogen hftlt, 
mit der Rechten die Schale erhebt. 

4) Trotz der Beischrift sehe ich hier die Pythia dargesteUt. Wir haben 
entweder eine Willkür des Malers oder mit Gerhard (a. a. 0. S. 103) ein 
Beiwort der delphischen Priesterin anzunehmen. Plut. Thes. 3 lässt aus- 
drücklich die Pythia dem Aigeus das Orakel geben. 

5) Lukian irrt, wenn er hier die Eastalia anführt. Es war die Kassotis. 
YgL K. G. Hermann, Gottesd. Altert.» S. 257, §40, Anm. 11. 

6) Hermot. c, 60. 



Beitrag zur MQnzkande von Delphi. 71 

durch die Schale auf die Quelle hinzuweisen? Es ist beiderseits 
dasselbe Prinzip der Symbolisierung. Diente der Lorbeerzweig 
in der Hand der Pythia zur Räucherung — und dies bezeugt 
auch Plutarch, de Pyth. orac. 6 — , so ist die genannte Lukian- 
stelle genau durch unser Bild illustriert. Eine andere Version 
(Plut. bis acc. 2) lässt die Priesterin Lorbeerblätter kauen, um 
sich dadurch zu berauschen. Gleichviel, alle drei Symbole haben 
enge Beziehung zur apollinischen Weissagung. — 

Damit ist die Bedeutsamkeit der Schale als Cultinstrument 
gerade für Delphi ausser Frage gestellt, sodass ihre Berechtigung, 
als Münzbild aufzutreten, erwiesen ist. Keineswegs nun steht 
sie in ihrer Art allein da. Es existieren eine Reihe von Stempeln, 
mit welchen die Phiale gut zu einer Gruppe vereinigt werden 
kann. Braucht man doch nur an Gefässe, wie den Kantharos, 
die Amphora und Oinochoe zu denken, deren Beziehung zum 
Göttercult nicht in Zweifel gezogen werden kann^). 



1) Vgl. E. Curtius, Der religiöse Charakter der griech. Münzen (Ges. 
Abh. n, S. 443 ff.)* Neuerdings ist der Grundgedanke dieses Aufsatzes in 
das Gebiet der Hypothese verwiesen worden. Es werden Münzkenner aufge- 
rufen zur Neubearbeitung des diesbezüglichen Stoffes. Eine Erweiterung 
desselben ist allerdings wünschenswert. Leicht jedoch kann sich Jeder 
überzeugen, dass berufene Männer, wie P. Gardner (Types of greek coins 
p. 41) und B. y. Head (Hist. num. p. XX und XXXIX) die Resultate jener 
Abhandlung nicht nur als wahrscheinlich sondern als grundlegend bei Be- 
sprechung dieses Themas verwandt haben. Vgl Weil, Z. f. N. IX S. 237. 
Deshalb sollte man doch ein Bütteln an so gesicherten Ergebnissen vermeiden. 

November 1894. H. von Fritze. 



Studien zur Geschichte der Münzen der Herzöge von 

Bayera-Landshnt. 



Schon als die Söhne Herzogs Otto II. des Erlauchten , die 
Herzöge Ludwig II. der Strenge und Heinrich I. am 28. März 1255 
ihre väterlichen Lande theilten, sind die Benennungen Ober- und 
Niederbayern entstanden. Die Wiedervereinigung nach dem Tode 
Herzogs Johann L, des letzten Sprösslings Heinrich I. von Nieder- 
bayem hat nur wenige Jahre gedauert. 

Die Landestheilung vom 13. Dezember 1349 unter den Söhnen 
Kaisers Ludwig Hess abermals Ober- und Niederbayern entstehen, 
und als die drei Brüder Stephan II. mit der Hafte, Wilhelm I. 
und Albrecht I. die ihnen zugefallenen Lande des niederen 
Bayerns nebst den holländischen Provinzen am 3. Juni 1353 
wiederholt theilten , war es Herzog Stephan II. , welcher den 
grösseren Theil von Niederbayern mit der Hauptstadt Landshut 
empfing, während seine beiden Brüder Wilhelm L und Albert I. 
die Provinzen in Holland und den kleineren Theil des bayerischen 
Niederlandes mit der Hauptstadt Straubing erhielten*). 

1) Ludwig y., seit Anfang M&rz 1323 (feierlich am 24. Juni 1324) Mark- 
graf von Brandenburg, erhielt mit seinen Brüdern Ludwig VI. dem Römer 
und Otto Y. dem Finner bei dieser Theilung die Mark Brandenburg, Ober- 
bayem und Tirol. Am 10. November 1350 tauschten dieselben unter sich 
auf sechs Jahre in der Weise, als Ludwig VI. und Otto die Mark behielten, 
während Ludwig V., genannt der Brandenburger, in den alleinigen Besitz 
von Oberbayem und Tirol gelangte. — Nach dem Tode Mainhards, einzigen 
Sohnes Ludwigs Y., kam Oberbayern an Herzog Stephan IL mit der Hafte» 
Tirol an Österreich. — Ludwig YI. der Römer starb am 17. Mai 1365 zu 
Berlin, und Otto Y. (siehe weiter unten) kehrte nach dem Yerkauf der Mark 
am 15. August 1373 nach Bayern zurück. 



J. y. Kuli: Geschichte der Münzen der Herzöge von Bayern Landshut. 73 

Nach dem Ableben Herzogs Stephan II. am 19. Juli 1375, 
der inzwischen auch in den Besitz Oberbayerns gekommen war, 
regierten seine drei Söhne Stephan III. der Enäufel, Friedrich I. 
und Johann II. die väterlichen Lande gemeinschaftlich. 

Bald darauf trat deren Oheim Kurfürst Otto, welcher am 
15. August 1373 die Mark Brandenburg gegen die böhmische 
Pfandschaft vor dem Walde vertauscht hatte, mit diesem Gebiete 
der gemeinschaftlichen Regierung der drei Brüder ebenfalls bei. 

Am 24. März 1376 theilten die Herzöge in der Weise, als 
Stephan III. und Johann II. Oberbayern und Ämter des Nord- 
gaues, Friedrich I. aber und dessen Oheim Otto V., genannt der 
Finner, das Landshuter Niederland und die Pfandschaft vor dem 
Walde empfingen. Herzog Otto starb am 15. November 1379. 
Am 31. Juli 1384 vereinigten sich die drei Brüder wieder zu 
einer gemeinsamen Regierung, welche, unwesentliche Verände- 
rungen abgerechnet, bis zur endgiltigen Theilung vom 19. November 
1392 fortdauerte. An diesem Tage erhielt Stephan III. die 
Hälfte von Oberbayern mit der Hauptstadt Ingolstadt und Theile 
des bayerischen Nordgaues, Friedrich Niederbayern mit der 
Hauptstadt Landshut, Johann H. die andere Hälfte von Ober- 
bayern mit der Hauptstadt München und den Rest der nord- 
gauischen Besitzungen. Herzog Friedrich ist demnach der eigent- 
liche Begründer der Linie Bayern-Landshut geworden. 

Friedrich I. und Otto V. der Finner 
1376-1379. 
Die böhmische Pfandschaft vor dem Walde, auch unter dem 
Namen Pfandherrschaft Sulzbach bekannt, nannte man jenen 
Theil des von König Karl IV. im Nordgau gegründeten Neu- 
böhmens*), welchen derselbe durch die Abtretung der Mark 

1) Im Jahre 1353 gelang es Karl IV. theils als Entschädigung für ge- 
roachte Darlehen, theils durch Kauf und Schlauheit von den Pfalzgrafen 
Rupert I. und II. den grosseren Theil des pfalzgräflichen Nordgaues zu erwerben. 
Er kaufte vom Stift Waldsassen Bärnau; löste von dem Burggrafen von Nürnberg 
Floss nnd Parkstein ein, kaufte die Veste Rothenberg etc. Diese Gebietstheile 
mit den Münzstätten Lauf, Auerbach, Erlangen und der Hauptstadt Sulzbach 



74 J. V. Kuli: 

Brandenburg an den ehemaligen Kurfürsten, Herzog Otto Y. dem 
Finner um hunderttausend Goldgulden Nürnberger Währung ver- 
pfändete mit der Bedingung, dass, wenn Otto Y. ohne Leibes- 
erben stürbe, diese Gebietstheile mit den Hauptorten Sulzbach, 
Lauf, Hersbruck eine Pfandschaft Herzogs Stephan U. mit der 
Hafte und seiner Söhne Stephan UL , Johann H. und Friedrich 
bleiben sollen, vorbehaltlich des Einlösungsrechtes um die Summe 
von hunderttausend Goldgulden, durch König Karl lY. oder seinen 
Erben den Königen von Böhmen*). 

Die eventuelle Übertragung dieses Pfandrechts auf Herzog 
Stephan mit der Hafte und seinen Söhnen war demnach der 
Hauptbeweggrund, weshalb die Herzöge ihren Oheim am 29. Sep- 
tember 1375 mit diesem seinem Lande vor dem Walde an der 
gemeinschaftlichen Regierung theilnehmen liessen, und Herzog 
Friedrich nach der Landestheilung vom 24. März 1376 mit seinem 
Oheim in den ihnen zugefallenen Landen die Regierung in gleicher 
Weise bis zu dem am 15. November 1379 erfolgten Tode Herzogs 
Otto Y., fortsetzte. 

König Karl lY. benützte in seinem Neuböhmen, ausser Er- 
langen und Auerbach, das nun zur bayerischen Pfandherrschaft 
gehörige an der Pegnitz gelegene Lauf als Hauptmünzstätte, 
welche zweifellos noch in Thätigkeit gewesen war, als Exkurfürst 
Otto von seinem neuen Lande Besitz genommen hatte. Die Yer- 
muthung aber, derselbe möchte ohne Zögerung den Betrieb fort- 
gesetzt haben, ist bis zur Stunde durch den ganz vereinzelten 
Pfenning^) nicht genügend bestätigt worden. Diese Münze, welche 
wir nachstehend unter Nr. 1 beschreiben, unterscheidet sich von 
den darauffolgenden gemeinschaftlichen Pfenningen mit OTT— 



als Neuböhmen vereinigt, konnte Karls Nachfolger nur bis 1400 behaupten. 
Diejenigen ehemaligen oberpfälzischen Bezirke, welche ausser der Pfandschaft 
noch in böhmischer Gewalt blieben, hat König Rupert, als Pfalzgraf der dritte, 
nach und nach wieder an sein Hans gebracht. 

1) Muffat, Über die Grösse und Schicksale der Entschädigungen, welche 
dem Hause W^ittelsbach für die Abtretung der Mark Brandenburg von dem Kaiser 
Karl lY. verschrieben worden sind. Abh. d. k. bayer. Akad. d. W. X. 1867. 

2) Beierlein, Die bayer. Münzen des Hauses Witteisbach. T. IV, 62. 



Stndien zur Geschichte der Mfinzen der Herzoge v. Bajem-Landshut. 75 



SnU und RRIDR€IGIi allerdings dadurch, dass auf dem Revers 
mit dem rechts aufsteigenden Löwen der Name RRIDRGIGh. fehlt, 
allein der Schnitt des Stempels ist so gleichartig, dass die Be- 
nfitzong desselben unseren Pfenningen Nr. 2 nur ganz kurz vor- 
ausgegangen sein kann. 

1. Pfenning. 

*o OTT- am o 

Rf. Rechts aufsteigender Löwe. 

Beierlein, Die bayer. Mfinzen des Hauses Witteis- 
bach, T. IV, 62. 

2. Pfenning. 

a) *« OTTo — oam o 

b) * OTT» — oÄRl* o o o 

c) * OTTo _ oSlil o o o 

d) . OTT - oflßl * 

e) OTTo- SRio 

f) OTT — am 

g) * OTT — aÄIoooo 
Vorwärts sehende Bfiste mit Hütchen bedeckt, unten 
Rautenschild. 




Rf. a) + oHRIDRQICh o 

b) * mUDReiCIi o o 

c) * RRIORGIGIi (undeutlich) 

d) * URIDReiCh (undeuUich) 

e) * HRTORaiCh 

f) + HRIDRQICIi V 

g) HRIDReiCh HK. o o 

Der Löwe rechts aufsteigend in runder Einfassung. Viele 
kleine Verschiedenheiten, a. b. Beierl. T. IV, 63. 64; a— c) eigene 
Samml.; d) Kirchner, Mailacher Fund T. 1, 1; c) Kall, Cat. 48; 
f) Samml. Mossauer; g) K. MQnzkab. Mflnchen. 



76 J- V. Kuli: 

3. Pfenning. Vorwärts gekehrtes Brustbild über einem 
zinnenartigen Aufbau. Neben dem Brustbilde: 0— H (Otto — 
Friedrich). 

Rf. Zwei Brustbilder unter Spitzdächern. Vierschlag. 
Beierl. T. IV, 66. KuU, ObeiT)falz 184. Varietäten. 

4. Pfenning. Wie vorher, aber unter dem Brustbilde 
der Rautenschild den zinnenartigen Aufbau theilend. 

Beierl. T. IV, 65. Kuli, Oberpfalz 185. Varietäten. 
Am 12. Dezember 1377 kamen Burggraf Friedrich V., Pfalz- 
graf und Kurfürst Rupert I. und Herzog Friedrich überein, gleich- 
massige Pfenninge und Heller prägen zu lassen. Die Urkunde 
hierüber lautet: Wir Fridrich von gots gnaden Burkgraue zu 
Nüremberg, veriehen für den hochgebomen fürsten vnd herren^ 
Herrn Ruprecht den Ehern pfcdnczgrauen bey Rein vnd Herzog 
in Bet/m, vnd für den Ttochgebornen fürsten vnd herren, herm 
fridrich pfalnczgrauen bey Rein und herczogen in Bej/m, Vnd für 
vns, vnd tun kunt offenlichen mit disem brief Alien den, die in 
seilend, hören odir lesen, ümb die pfenning müncz vnd haller 
fhüncz der wir mit einander überein kommen sein, Vnd die besten 
sol an den pfenning die zwey teyl lotigs silber, vnd daz dritteyl 
susacz; Vnd die Auszcd sol besten, zwey pfunt vnd sechsvndfunfczig 
Pfenning vff ein Nüremberger mark ongeuerde. Vnd doran sol 
man nichts übersehen, weder am, kam, noch an der auszal ongeuerde. 
So sol die haller müncz besten, am kom daz driUeü lotigs süber 
vnd die zwey teyl zttsacz; vnd die Auszal zwey pfünt vnd aht 
Schilling Auf ein Nüremberger mark, in Alle der messe, als die 
haller, die man nehst zu Nüremberg geslagen hat, daz vnr, von 
der egenannten herren vnd von vnsem wegen, die erbem weysen 
mann, die Burger dez Rats der Siat zu Nüremberg ßeizziglichen 
gebeten haben, daz sie durch vnsem willen vnd durch notdurft 
vnd gemains nücz wegen land vnd leüt zu derselben Müncz 
sullen warten vnd sehen, vnd die versuchen, als oft sie dünkt, 
daz sein notdurft sey. Vnd wenn sie die anders vinden, Ez sey 
am kom odir an der vsszal, dann Als oben geschriben stet. 
Welche herren Müncz die wer, demselben herren oder seinem 



Studien zur Geschichte der Münzea der Herzöge v. Bayera-Landshut. 77 

Amptmann sollen sie daz zu wissen tün^ Wie sie daz funden 
heten^ vnd solten im dez gelts senden^ daz sie also funden heten, 
Vnd der seih herre oder Amptmann moht dann denselben seinen 
Munezmeister dorumb straffen, als billichen wer, vnd daran solten 
die egenannten burger dez Rats der Stat zu Nüremberg wider 
der obgenannten Herren dheinen, noch wider vns, noch wider 
niemant getün^ noch gefreueU haben in dheir weyse gar vnd 
genczlichen ongeuerde. Vnd dez zu Vrkunde geben wir In disen 
brief, versigelt mit vnserm anhangendem Insigel. Geben An dem 
Samstag noch sant Nyclas tag, nach Cliristus geburt drewzehen- 
hundert iar vnd in dem sibenvndsibincigstem Jare^). 

Nachdem wir wissen, dass Herzog Friedrich im Nordgau 
keine andern Interessen zu vertreten hatte, als solche, welche 
sich auf das gemeinschaftliche Regiment in der Pfandschaft vor 
dem Walde bezogen, bestätigt die vorstehende Urkunde unsre 
Yermuthung, dass sich Herzog Otto überhaupt wenig um die 
Regiernngsgeschäfte bekümmerte, sondern dieselben, wo seine 
Mitwirkung nicht absolut nothwendig war, seinem klugen Neffen 
Herzog Friedrich überliess. 

Die oben beschriebenen beiden Pfenningarten'), ihrer äusseren 
Erscheinung nach so wesentlich von einander verschieden, sind 
oberpfälzisch-fränkischen Schlages und stimmen mit dem Fein- 
gehalte der vorgenannten Convention überein. Nachdem dieselben, 
abgesehen von Nr. 1, nur in dem engen Zeitraum vom 24. März 
1376 bis 15. November 1379 geschlagen worden sein können, so 
wären solche geeignet, die Führung bei der Bestimmung der 
gleichzeitigen Münzen des Burggrafen Friedi-ich und des Kur- 
fürsten Rupert L, insbesondere derjenigen unsrer Convention vom 
12. Dezember 1377, zu übernehmen. 

Älter als der Typus der Schriftdenare ist im Nordgau der- 
jenige mit dem Doppelbrustbilde im Revers, welcher bekanntlich 



1) K. aUgein. Reichsarchiv in Manchen, abgedruckt Mon. Zollerana lY 381. 

2) Einen Pfenning: Rantenschild. Rf, Zwei Brastbilder unter Spitz- 
dichem hat Beierlein den Herzögen Otto und Friedrich im guten Glauben 
zugewiesen und Taf. lY, 67 abgebildet. 



78 J. V. Kuli: • 

schon unter Herzog Otto III. von Niederbayeru in Regensburg 
entstanden ist, und von Kurfürst Rupert L und Burggraf Friedrich 
um 1360 imitirt nach und nach mit unterschiedlichen Beizeichen 
in Cirkulation gebracht wurde. 

Zu unseren 0— F-Pfenningen Nr. 3 stehen diejenigen des 
Burggrafen Friedrichs V. (Streber T. I, 5. 6 ^)) und die Amberger 
Pfenninge Ruperts I. (Streber T. II, 7 *)) in allernächster Ver- 
wandtschaft, während unsren 0-F Nr. 4, die burggräflichen 
Pfenninge (Streber T. I, 7—9 event. 10) und die pfalzgräflichen 
(Streber T. II, 10. 11) am meisten gleichen. 

Als Münzstätten um 1377 können wir auf Grund der bis 
jetzt gemachten Erfahrungen für die Herzöge Friedrich und Otto 
die Stadt Lauf an der Pegnitz, für Burggraf Friedrich Langen- 
zenn, Bayreuth und Neustadt an der Aisch, und für die Pfalz- 
grafen Rupert I. und II. die Städte Amberg und Neumarkt an 
der Sulz') bezeichnen. Bedeutend unterscheiden sich von den 
vorher besprochenen Pfenningen unsre Schriftdenare mit OTT — 
am und HRIDReiCh, die aber ebenso gut wie jene für unsre 
Convention in Betracht gezogen werden können. An ähnlichen 
Genossen fehlt es weder in der Münzreihe der Burggrafen noch 
in derjenigen der drei Ruperte, nur dass dieselben bis jetzt nicht 
an der richtigen Stelle liegen. 

Es ist überhaupt nicht wohl denkbar, dass die Herzöge 
Otto und Friedrich für das kleine isolirte Territorum, wie es 
die Pfandschaft vor dem Walde gewesen ist, diese Schriftdenare 
mit so vielen Stempeln und in so grosser Menge prägen konnten, 



1) Die ältesten borggr. nürnberg. Münzen. 4. Manch. 1847. 

2) Die ftltesten von den Wittelsbacbern in der Oberpfalz geschlagenen 
Münzen. 4. Manch. 1858. 

3) Am 3. Dezember 1373 verleibt Bnpert L, Contz dem Giesser von 
Nürnberg nnd seinem Sohn Jordan die Münze zu Amberg, nnd am 26. Dezember 
dem Wemher Steinmacher seine Münze in Neumarkt. Nachdem Kurfürst 
Rupert karz vorher dem .... von Halle die Münze in Heidelberg auf zehn 
Jahre übergeben hat, so ist anzunehmen, dass das Yertragsverh&itnis an den 
beiden oberpf&lzischen Münzstätten gleichfaUs von l&Dgerer Dauer gewesen 
ist Reg. der Pfalzgrafen am Rhein. 4. Innsbr. 1887—1894. S. 240. 241. 243: 



Studien zur Geschichte der Münzen der Herzöge v. Bayern- Landshnt. 79 

wenn dieselben nicht gleichartig mit denen der Nachbarfürsten 
gewesen wären. 

Von ganz besonderer Bedeutung für unsre Studien sind 
auch die Pfenninge mit VßOßeTK liVDGß, welche Streber mit 
grossem Scharfsinn und lichtvoller Erklärung dem Pfandbesitzer 
von Burg und Stadt Lauda an der Tauber, dem Kurprinzen 
Rupert III. zutheilte und nachgewiesen hat'), dass derselbe 
kraft kaiserlicher Bewilligung vom Himmelfahrtstage 1377 d. d. 
Tangermünde in der That als Kurprinz MünzeA, wie solche 
n Herzog Ruprecht der älteste schlagen lässt*', prägen konnte. 
Diese für Franken geprägten Laudaer Pfenninge, deren Stempel 
wie diejenigen unsrer Schriftdenare eine und dieselbe geschickte 
Hand bekunden, bestätigen nicht allein die gleichzeitige Ent- 
stehung sondern auch die Vermuthung, dass die Gontrahenten 
der Vereinigung vom 12. Dezember 1377 bei Ausprägung neuer 
Pfenninge gerade diesen Typus für die Cirkulation in Franken 
im Auge hatten, während unsre 0— F-Pfenninge und Genossen 
früheren und späteren Schlages für die Lande südlicher Richtung 
bestimmt waren. 

Unsre Urkunde vom 12. Dezember 1377 redet auch von 
bi löthigen Hellern, die zur Ausprägung gelangen sollten. Solche 
Münzen, welche den Herzögen Friedrich und Otto oder einem 
von beiden allein zugewiesen werden könnten, sind bis jetzt nicht 
zum Vorschein gekommen, wohl aber dürften die in der Neuzeit 
in grosser Menge gefundenen einseitigen Heller des Burggrafen 
Friedrich V. mit BVRGRAVII und Brakenkopf und FRIDERICI 
mit Löwen (vergl. Streber 1 — 9 ein- und zweiseitig), sowie die 



1) Streber a. a 0. Abth. UI S. 16 Tal III, 28. 30. — Als Qraf Qerlach 
von Hohenlohe im Jahre 1H74 Burg and Stadt Luden an Rupert I. besw. an 
Kurprinz Rupert HI. TerpCbidete, war er selbst nur Pfandgläubiger. Die 
wirklichen Besitzer sind nach dem Tode Kaisers Ludwig lY. , dessen Söhne 
Ludwig y. der Brandenburger, Ludwig YL der Römer und Otto Y. der Finner, 
sp&ter Stephan IL mit der Hafte, sodann dessen Söhne Stephan HL, Johann 
und Friedrich, (insbesondere der letztere), gewesen, Grund genug, unsre Schrift- 
denare mit den Laudaem in Yerbinduog zu bringen. 



80 J- V. Kuli: 

Heiler Kurfürsts Rupert I. mit RVPtRTI und Löwen und 
SßOßGTTt KSßB mit gleichem Bilde (vergl. auch KuU, Ober- 
pfalz 15— 17b und Streber 15—17 ein- und zweiseitig) in der 
Zeit um 1377 entstanden sein. Natärlich müssen wir bei diesem 
Hinweis voraussetzen, dass sich der Passus der bezüglichen 
Urkunde „i« Alle der messe als die haller die man nehst zu 
Nüremberg geslagen hat^Y' sich nicht auf die äussere Form 
der Münzen sondern lediglich auf Schrot und Korn derselben 
bezieht. Jedenfalls wird die nähere Bekanntgabe dieses merk- 
würdigerweise von allen Forschern') bayerisch-fränkischer Numis- 
matik bis jetzt unbeachtet gebliebenen Yertragsinstruments ihre 
Wirkung nicht verfehlen, wenn wir auch heute noch nicht mit 
bestimmten Angaben vor unsere Leser treten können. 

Friedrich I. allein 
1379—1393. 

Die Lande, welche Herzog Friedrich seit 24. März 1376 mit 
seinem Oheim Otto regierte, sind nach dem Tode des letzteren 
in den Alleinbesitz Friedrichs gekommen. Am 10. Dezember 1384 



1) Kirchner (der Münzfund von Mailach, Mitth. der Bayer. N. G. Y, 1886) 
bringt auf Taf. lU 9 unter Burggrafen und auf gleicher Tafel unter Nürnberg 
Stadt Nr. 1 gleichartige Heller mit Gabelkreuz, die derselbe mangels bessrer 
Unterlage der Übereinkunft zwischen dem Burggrafen und der Stadt vom 
16. November 1378 zuzuführen sucht. Der geehrte Forscher wird, wenn wir 
unsre Vereinigung vom 12. Dezember 1377 in Betracht ziehen dürfen, mit 
seiner Ansicht über diese Münzsorte der Wahrscheinlichkeit wohl am nächsten 
gekommen sein. Dagegen aber bestätigt sich dessen Yermuthung, welche 
derselbe auf Seite 80 der genannten Fundbeschreibung in Bezug auf den 
bayerischen Heller mit Gabelkrcuz zu erkennen giebt, nicht. Genau derselbe 
Heller ist auf der gedruckten Kundmachung Herzogs Albert lY. d. d. Ingol- 
stadt am 2. Februar 1507 über die Ausgabe seiner neuen Münzen nebst dem 
Goldgulden, Weissgroschen, Gröschl oder Halbbatzen, scharf abgebildet. 
(Münz- Acta U31 — 1524 pag. 94 im K. allgem. Beichsarchiv in München, vergl. 
Lori, Samml. des bayer. Münzrechts I, pag. 128, ohne Abbild.) 

2) Gebert (Geschichte der Münzstätte der Reichsstadt Nürnberg) schreibt 
zwar S. 16: „Bereits 1377 ersuchte Burggraf Friedrich Y. den Rat^ eine ge- 
wisse Münze, über die er sich mit den Herzögen Friedrich und Rupprecht 
verglichen, zu probiren." Obwohl der geehrte Yerüasser auf den Anfbe- 



Studien zar Geschichte der Münzen der Herzöge v. Bayem-Landshut. gl 

einigten sich die drei Brfider abermals zu einer gemeinschaft- 
lichen Regierung, und zwar so, dass Stephan und Johann dieselbe 
in Oberbayern und den nordgauischen Ämtern aus&bten, Friedrich 
dieselbe wiederum in Niederbayern und der Pfandschaft fährte, 
bis endlich die Landestheilung vom 24. März 1392 Bayem-Mflnchen, 
Bayem-Ingolstadt und Bayern-Landshut entstehen Hess. 

Die Münzen, welche Herzog Friedrich für die Zeit von 
1379—1384 zugewiesen werden, sind wahrscheinlich alle zu Lauf 
und Sulzbach geprägt worden. 

Münzstätte Lauf. 

5. Pfenning. Vorwärtsgekehrtes Brustbild daneben F— L 
(Friedrich — Lauf) darunter der Rautenschild zwischen zwei 
Perlendreiecken. 

Rf. Die beiden Brustbilder unter Spitzdächem. 
Beierl. T. V, 97. KuU, Oberp&lz 193. 

6. Pfenning. Wie vorher, aber der Bautenschild zwischen 
zwei Sternchen. 

Beierl. T. V, 98. EuU, Oberpfalz 194. 

7. Pfenning. Wie vorher. Der Rautenschild zwischen 
zwei Böschen. 

Beierl. T. V, 99. Kuli, Oberpfalz 192. In SammL Mossauer 
befindet sich ein Pfenning mit F— L neben Brustbild 
auf Sockel wie Beierl. 66. Die Parthie unter dem 
Sockel ist undeutlich. 

8. Pfenning. Wie Nr. 5, aber neben dem Brustbild L— F 
(Lauf— Friedrich). 

Beieri. T. V, 100. EuU, Oberpfalz 196. 

9. Pfenning. Wie yorhery aber der Bautenschild zwischen 
zwei Boaetten. 

Beieri. T. V. 101. Kuli, Oberpfalz 195. 



wahmiigsort der Urkunde hinweist, hat derselbe deren Wortilaat, wie seine 
AnsIBbrnngen in verstehen geben, nicht gekannt. Wir selbst sind aaf dieses 
Aktenstfiek erst durch die „Begesten der Pfalsgrafen am Rhein^' pag. 393 
anfinerksam gemacht worden. 

MtMbiift ftr Nnmkmatik. XX. 6 



82 J. V. Kuli: 

Münzstätte Sulzbach. 

10. Pfenning. In runder Einfassung der Bautenschild 
von Ringeln umgeben, daneben E — ? 

i2/. Im Vierpass Lilie, in den Winkeln Punkte. Vierschlag. 
Beierl. T. VI, 106. KuU, Oberpfalz 187. 

11. Pfenning. Im Vierschlag Kopf über BÄUtenschild, 
daneben F— S. 

Rf. Zwei Brustbilder unter Spitzd&chern. 
Beierl. T. VI, 102. KuU, Oberpfalz 190. 

12. Pfenni,ng. Im Vierschlag Kopf auf Sockel oder Leiste 
zwischen F— S. 

Rf. Wie vorher. 

Gr. 0,48. K. Münzkab. München. 

13. Pfenning. Über Rautenschild Büste, daneben F — S. 
Einfassung rund im Vieischlag. 

Rf. Wie vorher. 

Beierl. T. VI, 103. Kuli, Oberpfalz 191. 

14. Pfenning. Im Vierpass Büste über Rautenschild, da- 
neben F— S, in den Winkeln Ringeln. 

Rf Wie vorher. 

Gr. 0,48. K. Münzkab. München. 




15. Pfenning. Vorwärtsgekehrtes Brustbild mit Spitzen- 
kragen, daneben F-S in runder Einfassung. 

Rf Im Vierschlag rund eingefasst der Rautenschild von 
Ringeln umgeben. 

Beierl. T. VI, 104. Kuli, Oberpfalz 188. 

16. Pfenning. Das Brustbild im Vierschlag, sonst wie vorher. 
Beierl. T. VI, 105. KuU, Oberpfalz 189. 

17. Pfenning. Der Rautenschild oben und unten von 
Kleeblättern umgeben, zwischen F— S in runder Einfassung. 



Studien zur Geschichte der Münzen der Herzöge v. Bajem-Landshut. g3 

BJ. Zwei Brustbilder unter Spitzdächern, oben ein Kleeblatt. 
Or. 48. K. Münzkab. München. 




18. Pfenning. Wie vorher, aber der Avers im Vierschlag. 
Or. 0,48. K. Munzkab. München. 

Für die Prägungen Herzogs Friedrich zwischen 1379 und 
1384 zu Lauf redet eine Urkunde von 1380 d. d. Regensburg, 
in welcher derselbe seinem Münzmeister Georg Butz zu Lauf 
„dt« zwm hamer vnd hamerstet gelegen an der pegnüz zw Lauf 
bey dem Beheim prunnen etc.^ gegen Zahlung von jährlich „am- 
pfund regenspurger pfennig zu vnnsern haus zu Itauf'' verliehen 
hat'). Die billige Überlassung dieser Wasserkräfte deutet an, 
dass sich Georg Rutz dem Herzog bereits als sehr nützlich er- 
wiesen haben muss, oder im Begriffe stand erhebliche Dienste 
zu leisten. 

Für die Münzstätte in Sulzbach spricht in erster Linie der 
Pfenning Nr. 10 mit der grossen Lilie deutlich, und die vielen 
Verschiedenheiten der F— S-Pfenninge, welche sich durch Funde 
der Neuzeit wieder vermehrt haben, lassen ebenfalls eher auf 
Sulzbach schliessen als daran denken, dass dieselben während 
der kurzen Zwischenregierung der Brüder Friedrich und Stephan 
vom 31. Juli 1384 bis zum 10. Dezember des nämlichen Jahres 
geschlagen worden wären*). 



1) ^Till, Nürnb. M&nzbelast. IV, 8. 46. 

2) Aus dieser Übergangsperiode bis zum Anscbioss Hersogs Johann an 
die abermalige gemeinscbaftlicbe Regierang der drei Brüder müssten die 
Pfenninge mit dem Buchstaben FS aof dem Avers und dem rechts aufsteigen- 
den Löwen (Beierlein T. Y, 75. 76) stanmien, wenn diese Buchstaben die 
Initialen der Namen der Münzberren zum Ausdruck bringen sollen. Die 
Minuskel f neben der auffallend grossen Initiale für Stephan tritt uns aber 
gerade so als Beizeicben ror die Augen, wie das Kreuz auf dem sehr fthnlicben 
Pfenning Herzogs Stephan (Beierlein T. Y, 79) mit dem einzigen Unterschied, 
dass dieses hier nach dem S, das kleine F vor demselben die Stelle einnimmt. 

6* 



84 J. V.Kull: 

Gegen Ende des vierzehnten Jahrhunderts ging ein frischer 
Zug Leben durch das in Verfall gerathene Münzwesen. Der 
Münzordnung Kaisers Wenzeslaus von 1390 waren sämmtliche 
fränkische Münzherren, darunter auch die Pfalzgrafen Friedrich 
und Rupert und Bischof Burkhard von Augsburg, beigetreten^), 
während Herzog Friedrich und seine Brüder 1391 die Münz- 
Ordnungen für Niederbayern zu Burghausen'}, für Oberbayern zu 
München') im Einvernehmen der Landstände errichteten. Der 
Feingehalt und die Aufzahl der durch die Mttnzmeister Marquard 
Giesser zu Oetting und Peter Giesser zu München zu prägenden 
Pfennige waren gleich, wenn auch der Wortlaut und die Anordnung 
in den beiden Kundmachungen scheinbar auseinandergehen. 

Die Geschichte der Münzstätte zu Landshut reicht bis in 
die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts hinauf. Eine Urkunde 



An die Bestimmungen irgend einer Convention erinnern diese Löwen-Pfenninge 
nicht; was aber den Prägeort anbetrifft^ gleichviel ob dieselben von Friedrich 
und Stephan oder von letzterem allein geschlagen wurden, so dürften die von 
Herzog Stephan am 30. August 1404 an den Darlehensgeber Ulrich Ochs mit 
verpfändeten Münzstätten Freystadt und Stein (Hilpoltstein) in der heutigen 
Oberpfalz wohl ins Auge zu fassen sein. 

1) Lori I 8. 20 XXIX. 

2) Lori I S. 24 XXXII. 

3) Lori I 8. 21 XXX, Beierlein hat versucht dieser Münzordnung die 
Oettinger Pfenninge mit dem Rautenschilde und dem Hund (BeierL 
Taf. lY, 71—74) zuzuweisen. Als Gemeinschaftsmünzen der drei Brüder 
aus der Zeit von 1375—1392 werden überdies bezeichnet: 

Pfenninge. Im Yierschlag die Buchstaben Fsb (Friedrich, Stephan, 
Hans) umgeben von Röschen oder Kleeblättchen. 22/. Der Rauten- 
schild mit ähnlichen Verzierungen in runder Einfassung. BeierL 
IV, 68-70. 

Pfenning einseitig, fränk. Schlages. Der Bautenschild in runder Ein- 
fassung, oben S, an den Seiten &— F. BeierL T. VI, 77, woselbst 
aber die leere Stelle links des Schildes, durch das auf gut er- 
haltenen Exemplaren erscheinende gothische F zu besetcen ist. 
Fikentscher vertritt consequent die Anschauung, dass der Buch- 
stabe h hier den Münzmeister, das F an dritter Stelle die Münz- 
stätte (Frejstadt), während das S den alleinigen Münzherm Stephan 
bezeichne. Über die beiden Meinungen kann nur Archivmaterial 
entscheiden. 



Stadien zur Geschichte der Münzen der Herzöge y. Bayern- Landshut. 35 

vom 5. September 1255*) belehrt uns, dass Herzog Otto 11. der 
Erlauchte, als er mit dem Bischof Albert I. zu Regensburg in 
Streit gerathen war, ohne Rücksicht auf seine Verbindlichkeiten 
zur Münze daselbst, in Landshut kurz vor seinem Tode prägen, 
und die Regensburger Münzen in seinen Landen verbieten Hess. 
Heinrich L von Niederbayern hatte die Streitigkeiten mit dem 
Bischof Albert I. beendigt und in der genannten Urkunde zuge- 
standen, ausser in Regensburg nur noch in Oetting") gleichartige 
Pfenninge schlagen zu Isssen. Von da an bis zur Landestheilung 
von 1392 ist von einer Münzstätte zu Landshut freilich nirgends 
mehr die Rede. Erst die folgenden von Herzog Friedrich L mit 
dem Helm gezeichneten Pfenninge bestätigen, dass der Neubetrieb 
der Münzstätte zwischen 1392 und 1393 geschehen musste, nach- 
dem bereits am 4. Dezember 1393 Herzog Friedrich das Zeitliche 
gesegnet hat. 




19. Pfenning. In runder Einfassung F zwischen zwei 
Kreuzchen. 

Ä/ Der Helm im Vierschlag. Varietäten. 
Beierl. T. IV, 107. 108. 

1) QneUen nnd Erörterungen Y, 8. 136. fioehmer, Wittehb. Reg. 8. 24. 

2) Bezüglich dieser in Urkunden vielmals genannten Münzst&tte und 
deren Kennzeichen rermSgen wir nichts Besseres beizubringen als was uns 
Beierlein a. a. 0. 8. 16 if. hierüber berichtet hat. Unter (Bayerisch-) Oetting 
kann entweder nor der uralte berühmte Wallfahrtsort Altotting oder die aus 
einem Vororte desselben entstandene schon im XIY. Jahrhundert blühende 
Stadt Neuötting am Inn verstanden werden. Ungleich schwieriger ist das 
Bild des Hundes mit dem Baum oder Blüthenzweig über dessen Rücken zu 
erklären. Zudem sind über die Fabrikation der Münzen selbst, weder in den 
Landesarchiven noch im stftdtischen Archiv zu Neuötting, Akten zu finden. 
Dieselben sind, wie uns vor kurzem von geehrter Hand von dort geschrieben 
wurde, mit vielen andern Urkunden bei dem grossen Brande, der die Stadt 
im Jahre 1797 heimgesucht hat, wahrscheinlich zu Grunde gegangen. — Mit 
dem Brakenkopfe, der Helmzier des Wappens des fürstlichen Hauses zu 
Oettingen im Ries, hat unser Hund mit dem Baum nichts gemein. 



86 J. V. Kuli: 

Bedenklich ist uns der Oettinger Pfenning, den Beierlein 
unter Nr. 109 beschrieben und ebenfalls auf Tafel IV abgebildet 
hat. Die so ganz am Rande stehende, allerdings einem F 
gleichende Figur scheint in Folge Fehlschlag entstanden zu 
sein. Die Zeichnung ist nach diesem einzigen im K. Mttnz- 
kabinet zu München befindlichen Exemplare gemacht und weitere 
Genossen sind bis jetzt weder bekannt noch gefunden worden. 
Immerhin ist es sehr wohl möglich , dass die erst am St. Veits- 
tag 1391 aufs Neue wieder eingerichtete und mit dem Mfinz- 
meister Marquard Giesser besetzte Münzstätte Oetting ihre 
Thätigkeit nach der bald darauf erfolgten Landestheilung vom 
19. November 1392 fortsetzte. 

Heinrich IV. der Reiche. 

1393—1450. 

Als am 31. Oktober 1395 sämmtliche Bayemherzöge nebst 
dem Bischöfe und der Stadt Begensburg eine neue Münz-Con- 
vention unterzeichneten, stand Herzog Heinrich noch unter Vor- 
mundschaft seiner beiden Oheime Stephan III. und Johann IL, 
weshalb es am Schlüsse der Urkunde heisst: „denn allein wir 
obgenant Herzog Heinrich bekennen, das wir an der Zeit nicht 
begrabens Insigl haben und geben den Brief versigelter mit 
Oswald des Torringers, nnsers Vitztumbs in nidern Beiern, und 
der Stat zu Lanshuet In&igl.^^^) 

Diese Convention bestimmte, dass eine einseitig geprägte 
Münze halb Silber halb Zusatz von schwarzer Farbe die regens- 
burgische Mark') zu 432 Pfenningen oder das Loth zu 27 Stücken 
die zukünftige bayerische Landeswährung bilden sollte. Jeder 
Münzherr durfte nur eine Münzstätte benützen. Herzog Stephan 



1) Lori I S. 27. —■ Die Siegel der Herzöge v. Bayern Landshut sind 
beschrieben: Archiv f. Oberbayern XLI S. 90 und Archival. Zeitschr. X— XIII. 
Vergl Bayerland, München S. 392 flf. 

2) Die Regensb. Mark rauh 246,144 Gr., das Loth 15,384 Gr., das Stück 
0,5697 Gr. = Feingehalt 0,2848 Gr., vergl. Muflfat, Beiträge z. Gesch. d. bajer. 
Münzwesens. — Abh. d. K. b. Akad. d. W. III. Kl. XL Bd. I. Abth. S. 252. 



Studien zur Geschichte der Münzen der Herzöge v. Bayem-Landshut. 37 

und sein Sohn Ludwig konnten in Ingolstadt, die Herzöge Johann 
und Ernst in München und Herzog Heinrich zu Landshut 
prägen lassen. 

Die Sachwalter Herzogs Heinrich sind aber allem Anschein 
nach nicht gesonnen gewesen mit Prägungen solcher Pfenninge, 
die bereits am 27. Februar zur Ausgabe gelangen sollten, zu 
beginnen, weil es in der Urkunde heisst: ,,Wäre auch das wir 
obgenannt Herzog Heinrich schlagen wurden so sullen vnr nur 
in unser Stat zu Landshut schlagen und anderstwo nindert^^^), 
Pfenninge von ihm, welche sich mit dem Wortlaut dieser Con- 
vention decken, wird man daher vergebens suchen. Erst als am 
19. Juli 1406 zwischen den Herzögen Stephan HL, Ernst, Wilhelm 
und Heinrich eine neue Vereinbarung getroffen wurde, eine zwei- 
seitige Münze im Feingehalt von sechs Loth, 24 Stücke minder 
den dritten Theil eines Pfennings auf ein Landshuter Loth^) 
gehend, schlagen zu lassen^), hat sich Herzog Heinrich, dem 
Habitus seiner Pfenninge nach zu urtheilen, entschlossen die 
Münzstätten zu Landshut und Oetting wieder in Gang zu bringen. 

Münzstätte Landshut. Pfenninge mit Vierschlag: 

20. Pfenning. Der Buchstabe b zwischen zwei Kreuzchen. 
Bf. Der Helm. 

Busson, Num. Z. Wien XX, S. 170. 

21. Pfenning. Wie vorher ohne Beizeichen. 
Rf. Der Helm. Verschieden. 

Schratz, Verhandl. d. h. V. f. Niederbayern XXV, 24. 

22. Pfenning. Der Buchstabe h zwischen zwei vierblät- 
trigen Böschen. 

Rf. Der Helm. 

Beierl T. VI, 110. Kuli, Cat. 91—94. 



1) Lori I S. 26. 

2) Die Landshuter Mark rauh 249,460 Gr., das Loth 15,591 Gr., das 
Stück 0,6587 Gr = Feingehalt 0,247 Gr. ; vergl. MuJBfat, Beitrage — 8. 255. 

3) Lori I S. 29 XXXV. 



88 J. V. Kuli: 

23. Pfenning. Wie vorher, aber die Röschen sind fünf- 
blättrig. 

Beierl. T. VI, 111. Schratz a. a. 0. 21. 

24. Pfenning. Der Buchstabe b zwischen zwei Ringeln. 
Rf. Der Helm. Verschieden. 

Beierl. T. VI, 112. KuU, Cat. 96-97. 

25. Pfenning. Wie vorher, aber der Helm im Dreipass. 
Beierl. T. VI, 115. 

26. Pfenning. Der Buchstabe b zwischen zwei Sternchen. 
Rf. Der Helm in runder Einfassung. 

Beierl. T. VI, 113. KuU, Cat. 95. 

27. Pfenning. Wie vorher ohne Beizeichen. 
Rf. Der Helm im Vierpass. 

Beierl. T. VI, 114. Schratz a. a. 0. 25. 

28. Pfenning. Im Linienkreis der Helm. 
Rf. Glatter Vierschlag. 

Schratz a. a. 0. 31. Eigene Sammlung. 
Der Fund von Grafenau hat unter dreizehn Landshuter 
Heinrichspfennigen drei Stücke dieser Nr. 28, mit dem glatten 
Vierschlag in der Form einer grossen Raute, enthalten. Die 
Anmerkung von Schratz bezüglich des Alters der Münze ist wohl 
zutreffend, dagegen wäre das Vorkommen von drei gleichen Fehl- 
schlägen, bei einer so kleinen aus sieben Varietäten bestehenden 
Zahl von Findlingen, merkwürdig. 

Münzstätte Oetting. Pfenninge mit Vierschlag: 

29. P f en n i n g. Der Buchstabe h zwischen zwei fünfstrahligen 
Sternchen. 

Rf. Der Hund mit dem Baum. 

Beierl. T. VI, 116. Kuli, Cat. 98-101. 

30. Pfenning. Wie vorher. Die Sternchen sind sechs- 
strahlig. Verschieden. 

Beierl. T. VI, 117. Schratz a. a. 0. 30. 

31. Pfenning. Der Buchstabe Ii zwischen zwei Ringeln 
innerhalb eines Perlen- oder Rautenkreises. 



Studien sur Geschichte der MünEen der Herzöge v. Bajem-Landshut. gg 

Rf, Der Hand mit dem Baum. Viele Verschiedenheiten. 
Beierl. T. VI, 120— 123. Kuli, Cat. 102-105. Vgl. 
Thomsen, Cat. 4803. 

32. Pfenning. Wie vorher, aber die Ringeln fehlen. 
Rf. Der Hund mit dem Baum. 

Schratz a. a. 0. 26. 27. 

33. Pfenning. Der Buchstabe Ii im Linienkreis ohne Bei- 
zeichen. 

Rf. Wie vorher. 

Schratz a. a. 0. 28. Thomsen, Cat. 4804. 

34. Pfenning. Der Buchstabe b zwischen zwei Punkten, 
sonst wie vorher. 

Schratz a. a. 0. 29. 
34a. Pfenning. Der Buchstabe b im Bautenkranz, sonst 
wie vorher. 

K. MQnzkab. München. 




Münzstätte Braunau. 

35. Pfenning. Der Buchstabe b im Vierschlag. 
Rf. Im Vierschlag, ein Schild mit drei Wecken. 

Beierl. T. VI, 124. Thomsen, Cat. 4805. 

36. H ä 1 b 1 i n g. In runder Einfassung der Dreiweckenschild 
wie vorher. 

Rf. Vierschlag, leer. 

Gr. 0,22. Eigene Sammlung. 




90 J. V. Kuli: 

Von U06 angefangen bis zum Ableben Herzogs Heinrich lY. 
sind wir über dessen Münzthätigkeit auf kurze Notizen ange- 
wiesen. Wir denken uns aber, dass derselbe sowohl in Landshut 
wie in Oetting diese fünf bis sechslöthigen Pfenninge wie seine 
Vettern zu München') in grossem Umfang weiter prägte, eine 
Vermuthung, die durch die Mittheilung bestätigt wird, dass in 
den Jahren 1424 — 1427 die Stadt Landshut an der Münz- 
prägung Antheil gehabt hatte'). 

Welche Gründe Herzog Heinrich bewogen haben, eine Münz- 
stätte in Braunau mit Umgehung von Burghausen ') zu errichten, 
vermögen wir um so weniger zu erklären, als die Thätigkeit 
dieser Anstalt unter seiner Regierung eine äusserst minimale 
gewesen sein muss. Die unter Nr. 35 — 36 beschriebenen zwei 
Münzsorten, ein Pfenning und ein Heller, sind meines Wissens 
hier zu Lande bis jetzt die einzigen bekannten Exemplare, welche 
ihr Dasein auf unsre Zeit herunter gebracht haben. 

Die Bestimmung des Pfennings durch Beierlein stützt sich 
zunächst auf eine Notiz aus einem Gutachten über das Münz- 
wesen um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts, in welchem 
von Braunauer Pfenningen Herzogs Heinrich die Kode ist, welche 
in der Probe 4 Loth 2 Quint hielten und 34 auf ein Loth 
gingen^); überdies auf ein Münzgebot der Herzöge Johann IV. 
und Sigmund I.*^), das zu den kursfähigen Münzen auch die 
alten Braunauer rechnete, während die einzelnen Wecken den 
Braunauer Rautenschild nach der Meinung Beierleins ebenso 
wie der einzelne Helm, die eine Lilie, die Wappen von Landshut 
beziehungsweise Sulzbach zur Darstellung bringen sollen. Der 
zierliche Hälbling ist erst in neuester Zeit allein stehend unter 



^1) Lori I S. 33 XXXVm. 

2) Bararia, Landes- und Volkskunde I S. 1068. 

3) Burghausen mit seinem festen ScUoss galt um diese Zeit als sweite 
Hauptstadt der Herzöge von Bajem-Landshut. Hier wurden ihre ungeheuren 
Sch&tze gehütet, aUein die Meinung als müsse daselbst auch geprftgt worden 
sein, hat sich bis jetzt nicht bestätigt. 

4) Lori I S. 89. 

5) Lori I S. 8L LXXXIII. 



Stadien zur Geschichte der Münzen der Herzöge v. Bayem-Landshut. 91 

vielen anderen bayerischen Pfenningen gefunden worden. Unter 
den Münzproben, die im Jahre 1502 von einem Sachverständigen, 
aber sämmtliche bayerische Schwarzpfenninge und Heller und 
einer grossen Zahl fremder in Bayern cirkulirender Münzsorten, 
zu München^) angestellt wurden, befinden sich auch „Inglstetter 
Hainricher^ von denen 440 Stücke gleich den übrigen probirten 
Münchnern, Landshntern, Braunauern, Ingolstädtern, Ambergern 
und Passauern auf die Mark gehen und durch den Feingehalt 
von 5 Loth Va Quint und 1 D. mit den vorgenannten Geprägen 
gleichfalls übereinstimmen« 

In unsem ^Studien zur Geschichte der Münzen der Herzöge 
von Bayern vom 13. bis anfangs des 16. Jahrhunderts inbesondere 
aus der Münzstätte Ingolstadts^), haben wir nach den bis jetzt 
noch immer unbekannten Pfenningen zum ersten Male Umschau 
gehalten, sind aber damals, und heute geht es uns nicht besser, 
zu keinem bestimmten Resultate gekommen. 

Die Benützung der Münzstätte Ingolstadt zur Ausprägung 
der genannten Pfenninge Herzog Heinrichs hat kaum vor dem 
1/2. Mai 1447, dem Todestage Ludwig YII. des Bärtigen, 
beginnen können, weil derselbe trotz seines rigorosen Vorgehens 
gegen den alten Ludwig nicht nur gegen die Ingolstädter Stände 
und Herzog Albert HI. zu München, sondern auch gegen den 
Markgrafen Albrecht zu Brandenburg und dessen Schwester 
Margarethe, der Wittwe Ludwig VIII. des Höckrigen, Rücksichten 
zu nehmen hatte'). Die Pfenninge geboren zu dem fünf- bis 
sechslöthigen Oelde und sind zwischen 1447 und dem Todesjahr 
Herzogs Heinrich 1450 geschlagen worden. Unter den Pfenningen, 
die mit dem redenden Zeichen der Münzstätte Ingolstadt, dem 
Panther, versehen sind, befinden sich auch solche, welche über 
dem Wappenthier die bayerischen Wecken ohne und mit 
Einfassung tragen, Bestandtheile eigener Sammlung, welche wir 
theilweise zuerst im Katalog der Bayer, und Pfalz. Münzen des 



1) Lori I S. 103. 

2) Sammelblatt d. h. Vereins in und für Ingolstadt 1892. 

3) Vergl. Krenner, Landtagsh'andlangen UI. IV. 



92 J. V. Kuli: 

Hauses Witteisbach S. 5/77 bekannt gemacht, beide Varianten 
aber in unsern Ingolstädter Stadien bei der Mttnzreihe Herzogs 
Stephan III. des Enäufels untergebracht und abgebildet haben. 
Beide Mttnzen sind, wie die Nummern 10 und 11 daselbst, mit 
S über dem Panther, Unica, und konnten aus diesem Grunde 
einer genauen Probirung nicht unterzogen werden. Der Schrötling 
aber ist von gleichem Gewichte, einseitig beprägt, und deckt 
sich mit den Bestimmungen der Convention vom 31. Oktober 1395 
vollkommen, während später von einseitigen Pfenningen in keiner 
Urkunde mehr die £ede ist. Dennoch haben wir auf Seite 29 
unserer Ingolstädter Abhandlung, bei dem Abschnitt Bayern- 
Landshut und Heinrich IV., die Anmerkung nicht unterlassen 
können y dass die Pfenninge mit dem Rauten über dem Rücken 
des Panthers für Heinrich IV. in Betracht zu ziehen seien. 
Inzwischen haben wir aber auch über die einseitigen Pfenninge 
Einst und Wilhelms, insbesondere aber Alberts UI. nachgedacht '). 
Wenn diese Gepräge nicht alle Fehlschläge sind, und dennoch 
ohne archivalische Unterlage ezistiren, dann dürften unsere 
„Ingistetter Hainricher" in den Pfenningen mit dem Rautenschild 
über dem Rücken des Panthers umso wahrscheinlicher gefunden sein« 

Ludwig IX. der Reiche. 
1450—1479. 

Das archivalische Material, welches wir über die Münz- 
thätigkeit dieses Fürsten vor uns haben, kann als ein überaus 
grosses bezeichnet werden. Es giebt Zeugniss von dem eifrigen 
Bestreben, Missstände im Münzwesen, welche so tief in das 
sociale Leben des Volkes eingreifen, zu beseitigen, für die 
Erhaltung einer gesunden Oeldwährung zu sorgen, und damit 
die beste Grundlage eines guten Staatshaushaltes zu schaffen. 

Am 12. Mai 1451 wurde der Münzmeister Stephan Nagelbekh^) 
zu Landshut beauftragt, ein Jahr lang sechslöthige Pfenninge, 
die Mark zu 480 Stücken, und vierlöthige Hälblinge zu 720 Stücken 

1) Beierlein a. a. 0. T. YII, 149. 150. T. YIII, 161. 

2) Muffat, fieitrftge - S. 257. 



Stadien zur Geschichte der Münzen der Herzöge v. Bayern- Landshut. 93 

von schwarzer Farbe auszuprägen*). In gleicher Weise wurde 
Ludwig: Taschner *am Montag nach St. Lucemtag 1453 installirt '), 
jedoch mit dem Unterschied, dass derselbe nur zehn Pfenninge 
für jede gemischte Mark Schlagschatz zu entrichten hatte, 
während sein Vorgänger elf Pfenninge dafür zahlen musste. 

Viel Verdruss bereiteten dem Herzog die Nachbarfürsten, 
welche die bayerische Form und Farbe geringer nachahmten 
und damit habsüchtigen Leuten und Händlern Gelegenheit gaben, 
diese Münze in grossen Massen in Bayern einzuschleppen und 
gegen das bessere landesübliche Geld mit grossem Vortheil 
umzuwechseln. Die Bischöfe von Bamberg und Passau, der Erz- 
bischof von Salzburg, insbesondere aber die Landgrafen von 
Leuchtenberg und Graf Ulrich von Oettingen erhielten ernste 
Mahnungen, von der Weiterprägung nach bayerischer Farbe 
abzulassen^). Die Bayernherzöge und die Pfalzgrafen Friedrich 
und Otto vereinigten sich sogar im Jahre 1458 zu einem Bttndniss, 
in welchem sie sich unter einander verpflichteten, gegen Jedermann, 
^yWer der wer^ der auf swarze Färb und pairischen Formb münfse, 
und uns Irrung in unser Mün/sstäty oder tun wollen j da/s wir 
egenante Pursten darin alle einander getreulich beholfen und bei' 
gestendig mit allen unseren Landen und Leuten und allen unsem 
Verrnügen sein sullen, und wellen mit täglichen Krieg mit Herzügen 
und Heershräften etc."*) 

Ausser den Pfenningen des Grafen Ulrichs von Oettingen, 
die „Rieser" genannt, sind es „die bösen Halser" der Landgrafen 
Johann und Leopold von Leuchtenberg gewesen, die am meisten 
gefürchtet waren, über die ersteren schreibt schon Burkard 
Zink in seiner Chronik, dass ,,m dem Jar da man zalt 1457 
Graff Ulrich von Oettingen ain newe Müntz schwarz dn schlalien 
liessy die ward gar geng überall in Baim und in Schwaben . . . 



1) Die Landshuter Mark rauh 249,460 Gr., der Pfenning rauh 0,5192 Gr., 
fein 0,1948 Gr., der H&lbling rauh 0,3464 Gr., fein 0,0866 Gr. 

2) K. aUgem. Reichsarchiv München. 

3) Lori I S. 86 ff. Vergl. Krenner, Landtagshandl. VII S. 34. 

4) Lori I S. 55. LVIII. 



94 J. V. KuÜ! 

die Müntz ward je länger je böser ^ denn jedermann suchet sein 
allxifanz und sein vorteiL Man pracht der Müntz sovil gantze 
fass voll . . ."^) 

Die Prägungen der Landgrafen von Leuchtenberg hat Luschin 
von Ebengreuth genügend besprochen*) und nachgewiesen, dass 
schon im Jahre 1427 die Halser Hälblinge zu den leichtesten 
Geprägen des Münzverkehrs in Österreich gehörten. Wenn wir 
zudem die oftmaligen Gesuche") der Leuchtenberger um Cours- 
gabe ihrer Pfenninge in Bayern, trotz ebenso vieler Verwarnungen 
von Seite der bayerischen Fürsten lesen, so will uns das Gefühl 
beschleichen, dass die Existenz dieses vormals so angesehenen 
Hauses bereits in jener Zeit auf ziemlich schwachen Füssen 
gestanden haben muss. 

Die Angaben des Chronisten Burkard Zink, dass man die 
verrufenen Pfenninge fassweise ins Land schleppte, werden uns 
durch eine Reihe von schriftlichen an Eidesstatt gegebenen 
Erklärungen Braunauer Bürger und Handelsleute von 1458 
bestätigt^), die wegen Umwechlung solcher Münzen angeklagt 
oder desshalb in Verdacht gerathen waren. 

Dieselben Fürsten, welche sich am 6. Februar 1458 so 
energisch gegen die Ausprägung nach bayerischem Typus ver- 
einigt hatten, hielten bald darauf in Landshut einen Münztag, 
auf welchem am 9. März beschlossen wurde, neue sechslöthige 
Pfenninge, dreissig Stücke aus dem Loth, in ähnlicher Form wie 
nach der Convention von 1406 auszuprägen'^). 

Aus dem Text dieser neuen Vereinbarung entnehmen wir 
die Bestätigung, dass seit Jahrzehnten sowohl in Niederbayern 
wie in Oberbayern an Schrot und Korn wenig geändert wurde. 



1) Hegel, Chroniken der deutschen Städte. Y S. 222. — Yergl. Löffel- 
holz, Oettingana S. 12 ff. 

2) Mitth. d. Bayer, num. Gesellschaft YII S. 1. 

3) Lori 1 S. 35 ff. — Landgraf Johann erklärt überdies 1448, seine 
Pfenninge so gut wie Herzog Heinrich prägen zu wollen. K. allgem. Reichs- 
archiv in München. 

4) E. allgem. Reicharchiv in München IL Fase. (1400—1499). 

5) Lori I S. 58. LXI. 



Studien zur Geschichte der Münzen der Herzöge v. Bajem-Landshut. 95 

Es beisst in denselben: ^^unser cdlte Münsa die wir Fürsten und 
unsere Vordem vor hie zu Baim auf Swarz geslagn und habn 
slehn lassen Landtswerunq sein soll ain Pfenning für ain Pfenning 
und gein der neuen Münss im gleichen Ganckh haben^^. Nur 
von den alten Pfenningen des Pfalzgrafen Otto I. von Mosbacb, 
eines Mit-Gontrahenten der betreffenden Convention beisst es 
auffallender Weise in einem gleichzeitigen Munzgebot Herzogs 
Ludwig, dass ,ydie Münss so zum Neunmargkt aufm Sannt bey 
Nürnberg geslagen worden ist auch nit zu nemen^' sei')» oder 
an anderer Stelle ,,nä anders genommen werde, denn ander ring 
Münss die nit auf sechs Lot bestetJ'" ') 

Gleichzeitig mit der Bestallung des Münzmeisters Hans 
Part zu Manchen am Montag vor St. Georg 1458 hat unter 
gleichen Bedingungen die Aufnahme der beiden Münzmeister 
Georg Erlinger und Stephan Schärdinger zu Landshut statt- 
gefunden. Ausser den bereits in der Cionventionsurkunde 
genannten Pfenningen wurde den Münzmeistern aufgetragen, je 
die zwanzigste Mark Silber in SValöthigen Hälblingen, 42 auf 
ein Landshuter Loth gehend^), zu prägen; jedoch solle der 
Schrötling durch Zusatz stärker und grösser gemacht werden, 
„denn die Helbling, die vorgeslagen sind worden/^ ^) 

Die Anstellung von zwei Münzmeistern zugleich an einer 
und derselben Münzstätte klingt unwahrscheinlich. Wir nehmen 
deshalb an, dass der eine von beiden die Prägungen in Landshut, 
der andere aber in Oetting zu besorgen hatte, und zwar um so 
gewisser, als die nach den Bestimmungen vom 9. Mäi'z 1458 
mit dem Zeichen der Münzstätte Oetting versehenen Pfenninge 
heut zu Tage noch ebenso zahlreich und mit so vielen Ver- 
schiedenheiten, wie diejenigen mit dem Helm, dem Zeichen der 
Münzstätte Landshut, vorkommen. 



1) Lori I S. 67 LXVn. 

2) Lori I S. 62 LXU. 

3) Dm Landshuter Loth 15,591 Gr. rauh, der H&lbling 0,S718 Gr. rauh, 
fein 0,081 1 Gr. 

4) Lori I S. 64 LXVI. 



96 J. V.Kull: 

Wir unterscheiden die Münzen Herzogs Ludwig IX., sämmtlich 
mit Vierschlag, in folgender Weise: 

Münzstätte Landshut. 1450-1460. 

37. Pfenning. Der Buchstabe h zwischen zwei Röschen. 
Rf. Der Helm im Perlenkreis. Verschieden. 

Beierl. 127. 128. Schalk, Num. Z. Wien XXII, 37. Kuli, 
Cat. 107. 

38. Pfenning. Der Buchstabe I zwischen zwei Sternchen 
Rf. Wie vorher. Verschieden. 

Beierl. 125. 126. Schalk 38. Kuli, Cat 106. 

39. Pfenning (Schinderliug). Der Buchstabe I zwischen 
zwei Röschen. 

Rf. Der Helm im Perlenkreis. 
Beierl. T. VII, 135. 

40. Hälbling. Einseitig. Der Helm im Linienkreis. 
Vierschlag. 

Schalk 39. Beierl. T. VII, 134. Schratz 31 aus dem 
Grafenauer Fund ist ein Pfenning, den wir unter Nr. 28 
in der Münzreihe Herzogs Heinrich IV. beschrieben 
haben. 

■ 

Münzstätte Landshut. Zeit ungewiss. 

41. Pfenning. Die Buchstaben Ib. zwischen Röschen. 
Rf. Der Helm mit Linienkreis. 

Beierl. T. VII, 132. Busson a. a. 0. S. 170. 

42. Hälbling^). Der Buchstabe I und der Helm neben 
einander. 

Rf. Er&nzchen(?) 

Beieri. T. VII, 133. 



1) Der Schrötling dieses Hftlbling ist aUerdings siemlicb schwer; die 
Munsmeister wurden jedoch 1458 angewiesen, diesen dorch Zosats stftrker 
und grösser zu machen „denn die Helbling die Yorgeslagen sind worden** — 
Lori I S. 64. 



Stadien zur Geschichte der Münzen der Herzöge v. Bajem-Landshut. 97 

Münzstätte Oetting. 1450—1460. 

43. Pfenning. Der Buchstabe h (als Majuskel) zwischen 
zwei Sternen. 

Rf. Der Hund mit Baum. 
Beierl. 131. Schalk 41. 

44. Pfenning. Wie vorher, aber der Buchstabe als Minuskel. 
Bussen S. 170. 

45. Pfenning. Der Buchstabe h als stumpfe Majuskel 
zwischen zwei Ringen. 

Rf. Wie vorher. 

Beierl. Vü, 129. 130. Kuli, Cat. 108. 109. 

Münzstätte Braun au. 1450 — 1455. 

46. Pfenning. Der Buchstabe h zwischen zwei Sternen. 
Rf. Der Rautenschild mit zwei unten sich kreuzenden 

Zweigen, oben mit Perlen geziert. 

Beierl. T. V, 93 unter Ludwig Vn. dem Bärtigen. Ebner, 
Mitth. d. Bayer.Num. G. XI, S. 49. 

47. Pfenning. Wie vorher. 

Rf. Der Rautenschild im Perlenkreis. 

Beierl. T. V, 95. Kuli, Cat 83—85. Als Klippe 26 mm 
von Eck zu Eck. Gr. 4»60. Ebner a. a. 0. S. 49. 

48. Pfenning. Der Buchstabe h ohne Beizeichen. 
RJ. Wie Nr. 46. 

Beierl. T. V, 94. Ebner a. a. 0. S. 49. 

49. Pfenning. Der Buchstabe h zwischen zwei Sternen 
im Perlenkreis. 

R/. Der Rautenschild ohne Zweige im Perlenkreis. 
Beierl. T. V, 96. 

Münzstätte Ingolstadt. Zeit ungewiss. 

50. Pfenning. Einseitig. Der rechts aufsteigende Panther, 
darüber li. 

Kuli, Ingolstadt. Abbild. 34. 

Zaitaekrift fltr Namianiatik. XX. 7 



98 J. V. Kuli: 

In einer kurzen Abhandlung über die Prägungen der Herzöge 
von Ober- und Niederbayern im 12. bis 16. Jahrhundert und 
über die Zeichen der alten bayerischen Münzstätten haben wir 
schon vor längerer Zeit die Überzeugung ausgesprochen, 
dass jene Pfenninge mit dem Buchstaben L und dem verzierten 
Rautenschild, welche Beierlein unter 93 — 96 im guten Glauben 
Ludwig yil. dem Bärtigen zugeschrieben hat, nach Braunau zu 
verweisen seien ^). 

In unsern Studien zur Geschichte der Münzen der Herzöge 
von Bayern etc., insbesondere aus der Münzstätte von Ingolstadt, 
hatten wir uns wiederholt mit diesen Pfenningen zu beschäftigen. 
Nachdem uns aber zur Bekräftigung unserer persönlichen Über- 
zeugung noch immer die archivalische Unterlage fehlte und weil 
das fortwährende Rütteln an glaubwürdigen Bestimmungen älterer 
Forscher ohne klare Gegenbeweise unserem Standpunkte entgegen 
strebt, so mussten wir die Entscheidung, ob Herzog Ludwig IX. 
zu Landshut oder Herzog Ludwig VII. der Bärtige zu Ingolstadt 
— vergl. Kuli, Ingolstadt S. 21 und 29 — abermals oflFen lassen. 

Eine allseitig befriedigende Lösung dieser Frage hat bald 
nach dem Erscheinen dieser unserer Abhandlung Franz Ebner ') 
gefunden, und zwar dadurch, dass ihm der Zufall die Abbildung 
eines Siegels der Stadt Braunau in den Mittheilungen der k. k. 
Central - Gommission zur Erforschung und Erhaltung der Bau- 
denkmale, Jahrgang XVI, 1871, vor Augen führte, auf welchem 
er genau dieselbe Zeichnung und Verzierung des Bautenschildes 
erblickte, wie solcher auf unsern Pfenningen erscheint. Dieses 
kleine Siegel wurde schon 1377 gebraucht')^ wähi*end wir bisher 



1) Zeitschr. für Numismatik v. A. v. SaUet XV S. 93. 

2) Mittheil. d. Bayer. Num. G. XI S. 47. — Angeregt durch diesen Er- 
folg, ist es Ebner auch gleichzeitig gelungen, die Wasser bürg er Pfenninge 
zu bestimmen. Yergl. Schnepf, Mitth. d. Bayer. Num. G. VI S. 77 — Kuli, Ingol. 
Stadt S. 21 Note. Wir sehen hieraus abermals, dass neben der Ortsgeschichte 
die Eenntniss der Heraldik und Sphragistik für das Studium alter Münzstätten 
und der schriftlosen oder Schriftarmen Gepräge von grösster Bedeutung ist. 

3) Primbs, Wanderungen durch die Sammlung von Siegelabgüssen im 
K. aUgem. Reichsarchiv zu München. — Sonderabdr. d. Archiv. Zeitschr. Bd. XII. 



Studien zur Geschichte der Münzen der Herzöge v. Bayern-Landshut. 99 

nur das grössere kannten, auf welchem die Wappenbilder der 
Pfalz und von Bayern neben einander stehen. 

Wenn einmal eine Sache richtig in Fluss gebracht worden 
ist, dann gibt das eine das andere. Unsere unausgesetzen 
Recherchen in Bezug auf die bayerischen Münzstätten des 12. 
bis 16. Jahrhunderts haben uns in jüngster Zeit zur Eenntniss 
von Urkunden verhelfen, aus denen wir nicht nur die Prägezeit 
dieser Braunauer Ludwigspfenninge erfahren, sondern auch die 
Namen der damit beschäftigten Münzbeamten kennen lernen. 
Die beiden Aktenstücke lauten wörtlich: 

1. Bekenntnissbrief von Hans Perger, Bürger und Goldschmied 

in Braunau: 

Vermergt wie mir Hannsen perger goldsmid burger zu Praunau 
das eyaen graber amte vo7i dem Räntmeister zu burgkhausen an 
stat vnd von wegen meines genedigen Herrn Herzog Ludwigen in 
beyweaen des ganzen rate zu Praunau verlassen vnd verlihen ist 
worden. 

Item von erst ist mir von dem benannt Räntmeister bevolhen 
worden gar ernstlichen das ich dg eysen zu der münss graben vnd 
macJien soll nach aller notturfft als sich dann zu der münss geburd 
vnd ich soll auch dy wol bewam das ich wisse da vor meinem 
genedigen Herrn zu antwurten. 

Item vnd also höh ich das eysengraber ambt aufrecldlich^ 
redlichen^ treulichen vnd vngeverlichen gehandt vnd die eysen 
gegraben als sich zu der münss geburd vnd mir bevolhen ist worden 
nach dem vnd des notturft gebesen ist vnd so man nit ze prägen 
gehabt hat als oft das besehen ist so hat mir der präger dy eysen 
verslossen vnder des aufzihers petschaft geantwurt di ich auch 
alsdann bewart als ich das mein gelöbniss dem Räntmeister an 
stat m^nes genedegen Herrn geben auch mein em treuen vnd ayde 
schuldig gebesen bin. 

Item vnd als man nit mer gemünsst hat da ist der aufziher 

zu mir kommen vnd hat alle eysen die ganzen vnd zerbrochenen 

alle bewart vnd verpetschaft mit seinen petschaft die ich auch also 

7* 



100 J- V. Kuli: 

vnversehrt vnd vnverrugkt in meiner gewaU behalten vnd bewart 
hab bis das wir das sein Hoff geantburt haben. 

Und des zu vrkund gib ich dysen Geschrift mit mein aygen 
für gednikten petschaft an samstag vor sant Augustintag 1458^). 

2. Heinrich Prandstetter Bekenntnissbrief (anno 1458). 

Item vermerkht das Begem als mein Herr Herr Wilhalm von 
Aichperg Hofmaister an mich Heinrich Prandstetter getan hat, von 
erst well er ein wissen haben mit was petschafi die prägeysen 
veipetschaftet gewesen sein als ich yn die geantwurt hab, nachmal 
wel er wissen wie die prägeysen gehalten worden sein als man zu 
braunau gemünsst hat auch wie lang sei das man aufgehört hat 
ze münssen auch wen ich die prägeysen geantwurt hab. 

Item zu dem ersten stet mein Antumrt also das der eysengral)er 
vnd ich euer Vestichait vnd andre Khantzl die eysen geben hab 
vnd die verpetschaßung mit mein eigen Heinrich prandstetters 
petschaft vnd haben die also geantwurt am pfinstag vor vity ietz 
vergangen. 

Item mein genädig Herr Hertzog Ludwig hat aufgehört ze 
schlahen der Münss praunau als man gezelt im fünf vnd fünf- 
zigsten Jaren. 

Item nachmal lass ich auch wissen als man zu braunau gemünsst 
hat wie die eysen gehalten worden sein. 

Item wann die präger aufgehört haben ze prägen vnd feyrabent 
gehabt haben es sei zu nacht oder aber unter dages als dann so 
habent si mir allweg die prägeysen zu pracht, als ein aufziher 
daselbst hab ich die verpetschaftung nach laut des Münssbrieff vnd 
hab den Prägern die wieder geantwurtt das si es dem eysengraber 
zu pringen der ist ir dan behaUer gewesen vnd der aufziher nichs 
damit zu schicken gehabt^ geschriben mit mein hantgeschriß darzu 
mit mein aigen petschaß das ich auf die Inschriß vnd auf die 
Zetl drukh vnd mit disem gegenwärtigen petschaft hab ich die 
prägeysen verpetschaßet^).^^ 

1) K. allgemeines Beichsarchiv in München. 

2) E. allgem. Beichsarchiv in Mönchen. 



Stadien zur Geschichte der Münzen der Herzoge v. Bayem-Landshut. IQl 

Welche Ursachen der Rentmeister von Barghausen gehabt 
haben mag, diese Erklärungen, welche auffallender Weise mit 
den bereits obengenannten Bekenntnissbriefen mehrerer anderer 
Braunauer Bürger zusammentreffen, zu verlangen, wollen wir 
nicht untersuchen. Uns genügt zu erfahren, dass die Pfenninge 
Herzogs Ludwigs IX. mit dem Rautenschild in den ersten Jahren 
der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts geschlagen 
worden sein müssen, nachdem der Münzwardein Heinrich Prand- 
stetter an £idesstatt erklären konnte, dass die Prägungen für 
Herzog Ludwig bereits im Jahre 1455 aufgehört hatten. 

Die Hoffnungen, die man auf die guten Wirkungen der nach 
so vielen Vorbereitungen entstandenen Münz-Convention vom 
19. März 1458 setzte, sind von kurzer Dauer gewesen. Herzog 
Albert HI. fing an , Pfenninge mit ganz geringem Korn prägen 
zu lassen^), und bald nach dessen Tod, am 10. März 1460, 
erhielten die Münzmeister Christoph Rudolph und Hans Pfaff 
von den Herzögen Johann HI. und Sigmund I. den Auftrag, in 
Straubing Pfenninge mit einem Feingehalt von ebenüalb nur 
einem Loth, fünfunddreissig Stücke aus dem gemischten Lands- 
hnter Loth zu prägen'). Diese hässlichen Produkte, unter dem 
Namen ^Schinderlinge** bekannt, wurden leider in Landshut 
ebenfalls fabrizirt und haben Verwirrung genug angerichtet'). 
Die Soldaten Herzogs Ludwig, denen man sonst gute Manns- 
zncht nachrühmte, sollen die Annahme dieser Münzen als 
Löhnung verweigert und dieselben ins Feuer geworfen haben. 
Glücklicherweise erkannten die Herzöge sehr bald, dass mit einer 
derartigen Fabrikation aufgehört werden müsste. Am Sonntag 



1) Lori I 8. 74. LXXVm. 

2) Lori I 8. 77. LXXX. — Der Schrötling dieser Pfenninge wiegt 
0,4455 ; der Feingehalt beträgt 0,0609 Gr. 

3) Der Chronist Hektor Mfilich schreibt: jjitem hertzog Ludwig zu Lands- 
Attf und hertzog Albrecht zu MUnehen beid herren von Bairen, haben anfahen ain 
mimtz XU schlagen ^ ain i6 Münchner ßlr ain guldin zu StMt Michelstag. zu imA- 
neidäen ward H €6 Münchner für ain Guldin geben, die newe müntz ward hie 
zu Augspurg aUe heftigUch verpottenf das behub uns hie bei grossem gut." Hegel, 
Ghronikeii, Augsburg HI p. 152. 



102 J. V. Kuli: 

vor St. Johannestag zur Sonn wende 1460, drei Monate nach der 
Anstellung der Straubinger Munzmeister, erliessen die Herzöge 
Johann IIL und Sigmund ein Münzgebot, worin die alten sechs- 
löthigen Pfenninge verschiedener Münzherren aufs Neue als 
Landeswährung verkündet und die einlöthigen Schinderlinge aber 
auf ihren wahren Werth von Ve Pfenning herabgesetzt wurden^). 

Es darf keineswegs unbeachtet bleiben, dass die gewaltigen 
Kämpfe, in welchen sich Herzog Ludwig IX. und mit ihm seine 
Vettern zu Beginn der sechsziger Jahre verwickelt hatten, die 
grösste Anspannung aller Kräfte erforderten und nicht wenig 
zu dieser periodischen Münzzerrüttung beigetragen haben. 

Noch lange ist in den Münzgeboten der Herzöge beider 
Landestheile von diesen Schinderlingen und von der bösen „ringen'' 
Münze die Bede, leider aber niemals davon, dass die Re- 
gierungen Vorsorge getroffen hätten, das „böse** Geld zu demselben 
Werth wieder einzulösen wie es zu Beginn aus den Münzstätten 
in die Bevölkerung eingedrungen ist. 

Den Pfenning Nr. 50 aus der Münzstätte zu Ingolstadt haben 
wir das Glück gehabt zum ersten Mal in unsern Studien zu dieser 
Münzstätte publiziren zu können. Noch liegt derselbe als 
einziges bisher bekanntes Exemplar im k. Münzkabinet zu 
München, und dürfte nach dieser Seltenheit die Ausprägung 
derselben zu Ingolstadt wohl zu bemessen sein. 

Die Beziehungen Herzog Ludwigs IX. zu Kaiser Friedrich lU. 
müssen sich trotz des mit grosser Erbitterung geführten Kampfes 
bald nach dem Friedensschluss aufs Beste gestaltet haben. Der 
Kaiser ertheilte dem Herzog und seinen Nachkommen in der 
üblichen Form d. d. Neustadt am Eritag vor St. Jakobi 1464 
das Recht, zu Burghausen, Landshut oder Ingolstadt ungarische 
Dukaten oder Gulden nach rheinischem Fusse schlagen zu lassen '^). 
Die Münzen sollten auf der Hauptseite den Löwen mit der 
Umschrift „Lutwig Pfalzgrav bey Rein'* auf den Revers den 



1) Lori I S. 81 LXXXm. 

2) Zeitschr. f&r Numismatik v. A. v. SaUet XV S. 93. 



Studien xur Geschichte der Münzen der Herzoge y. Bayern- Landshut. 103 

Weckenschild mit Fortsetzung . des Titels ,,Hertzog in Nidern 
and Obern Bairn'^ tragen, die Münzsorten aber, nämlich „d^i" 
Golden der auf das ungarisch Korn geslagen wird^^, sollte durch 
ein h, der Dukaten gewöhnlicher Art durch ein L, und der 
rheinische Goldgulden durch ein 6 auf der Seite mit dem Löwen 
unterschieden werden. 

Von diesem kaiserlichen Privilegium hat aber Herzog 
Ludwig IX. ebenso wenig wie sein Sohn Georg L der Reiche 
Gebrauch gemacht^). Das Protokoll eines Münztags, der von 
Herzog Ludwig, Herzog Albert IV. und dem Markgrafen Albrecht 
Achilles zu Brandenburg an Lätare 1476 in Eichstädt abgehalten 
wurde, belehrt uns vielmehr, dass die Zeiten zur Einführung 
der Goldwährung nicht geeignet waren. Dem Goldgulden wurde 
allenthalben eine stärkere Legirung beigegeben; das Agio auf 
Dukaten war steigend und die Befürchtung stand nahe, „dass 
ein Irrung in der Gulden Münz werde, als vormals in der silbren 
Münz, genannt „Schinderling^^, gewesen sei.''') 

Eine Urkunde, grössten Formates, aufgenommen durch den 
Notar Christoph Yest am 28. September 1468 in der „vorstuben 
des Sloss^' zu Burkhausen im Beisein hoher Beamten Herzogs 
Ludwig, handelt zunächst von der Entlassung des Münzmeisters 
Peter Hiezen von N^burg aus dem Gefängniss, sodann von der 
Beschlagnahme seines beträchtlichen Eigenthums zu Neuburg und 
Rattenberg am Inn, wozu auch dessen Bruder, der Dekan Johann 
Hiezen von Feuchtwangen, als Zeuge ei*schienen war'). Trotz 



1) Denkmünzen oder Serienmedaillen der Landshuter Herzöge sind nicht 
Torhanden. Im Oatalog der GoUektion Spitzer kommt nnter 2194 ein Dam- 
brettstein Ludwig IX. des Reichen vor, und auf einer Medaille von 1831 von 
Neuss, zur Erinnerung an die St. Martinskirche zu Landshnt werden Ludwig JX, 
und sein Vater Heinrich IV. als die Erbauer genannt. 

2) Lori I S. 96. XCVIL 

3) K. allgemeines Reichsarchiv in München. Daselbst befindet sich auch 
eine Urkunde vom Montag nach St. Georgi 1474, kraft welcher ein gewisser 
Beintsch, der sich „Herr von der W^ajtmül, Borggrave zum Karlstein und 
oberster Münzmeister des Königreichs von Böhmen" nennt, mit 18 Pferden 
in die Dienste Herzogs Ludwig tritt. Auf die herzogliche Münze dürften 
sieh diese Dienstleistungen kaum bezogen haben. 



104 J. V. Kuli: 

des grossen Umfangs der Urkunde lässt sich daraus leider nicht 
erkennen, wo und wann Peter Hiezen als Mnnzmeister für Herzog 
Ludwig thätig gewesen war, oder ob er einen Vertrauensposten 
beim herzoglichen Berg- und Hüttenamt, mit Domizil zu Rotten- 
berg, bekleidet hatte. Vielleicht trägt diese Mittheilung dazu bei, 
mit der Zeit Näheres über diesen Münzmeister zu erfahren. 

Georg der Reiche. 
1479-1503. 

So umfangreich die Münzthätigkeit Herzogs Ludwig gewesen 
war, so wenig wissen wir vbn seinem Nachfolger zu sagen. Die 
Vereinbarungen Herzogs Georg mit Albert IV. zu München 
beschränken sich auf die Valvirung oder auf den Verruf der 
fremden in den bayerischen Landen coursirenden Münzen^), 
während über Ausprägungen Herzogs Georg während seiner vier- 
undzwanzigjährigen Begierung bis heute nichts gefunden werden 
konnte. Beide Fürsten waren sich wohl bewusst, dass mit der 
Währung der landesüblichen alten Schwarzpfenninge allein nicht 
mehr auszukommen sei; ihre persönlichen Beziehungen zu 
einander waren aber nicht geeignet eine Einigung über eine 
durchgreifende, für beide Landestheile erspriessliche , Münz- 
ordnung herbeizuführen. 

Auf Grund älterer Bestimmungen hat Beierlein zwei Varianten 
eines Oettinger Pfennings beigebracht, über die er auf Seite 49 
sagt: „Man legt diese Oettinger Pfenninge (die letzten, welche 
bekannt sind) gewöhnlich dem Herzog Georg bei, weil der Namens- 
buchstabe allerdings eher ein I (Jörg) als einem L gleicht, und 
weil auf Siegeln der Name des Herzogs sowohl mit H-G (Herzog 
Georg) als auch mit H-J (Herzog Jörg) ausgedrückt ist." Wir 
sind nicht im Stande an dieser Meinung, die sich ja auf jahre- 
langen Erwägungen pro und contra gründet, etwas zu korrigiren. 

51. Pfenning. Im Perlenkreis der Buchstabe I zwischen 
zwei Ringen. 



1) Lori I S. 99 ff. 



Studien zur Geschichte der Mauzen der Herzöge v. Bajem-Landshut. 105 

Rf. Der Hand mit Baum. Yierschlag. Varietäten. 
Beierlein T. VH, 136. 137. Kuli, Cat. 110. 

Herzog Georg der Reiche war am 1. Dezember 1503 ge- 
storben. Der Krieg um seine Erbschaft entbrannte. Herrliche 
Landestheile geriethen in den Besitz scheinbar wohlmeinender 
Vermittler, und die reichen Schätze zu Burghausen waren beim 
„Kölner Spruch*' verschwunden, ohne die geringste Spur ihres 
so viel beneideten Daseins hinterlassen zu haben. Die Ver- 
prägnngen vielen Goldes and Silbers za Nenburg, von denen 
auf Grund der Trutzverse Pfalzgrafs Buprecht'), Schwiegersohns 
Herzogs Georg, ältere Historiker zu erzählen wissen, gehören 
sicher in das Gebiet der Sagen. 

Als im Jahre 1505 Pfalzgraf Friedrich der Weise, Oheim 
und Vormund der beiden Enkel Herzogs Georg, fQr seine beiden 
Mündel Otto Heinrich und Philipp Silbermünzen mit dem neuen 
Wappenbild der Hauptstadt der jungen Pfalz prägen liess'), 
war derselbe auf den sparsamsten Haushalt angewiesen. 

Mit fester Hand vereinigte Herzog Albert IV. der Weise 
zu München die wieder angefallenen Lande von Niederbayern 
mit Oberbayern. Das Primogeniturrecht wurde eingeführt und eine 
Mflnzordnung geschaffen, welche durch ein volles Jahrhundert 
ihre solide Ginindlage bewährte. 



1) Pfalzgraf Ruprecht hleibe ich. Eine neue Münze vermag ich ... . 

Yergl. Zschokke, der Baierischen Geschichten 11 8. 503 Anm. and 8. 506. 

2) KuU, Das Wappen ron Neuburg und die ersten Münzen Otto Heinrichs 
and PhiUipps. Zeitschr. f. N. v. A. v. SaUet XIV S. 133. 

J. V. Kuil. 



106 J* ^* Kuli: Geschichte der Münzen der Herzöge v. Bajem-Landshut. 



CO 

Irt K* cy =• 

CO H fis 

CO r- » 

^ 3 

CO 

-^ CS 







-I- CO 
— CO 

^ I 



CO 



CD 



00 

7o 



CO 

c;« 



2" ff P- 
^ H ^ 

So* 

a 



'^ ^ ^ a 

<Ä I W g* N- 

«i^ I B g w 

;p h-t SM M e^ 

•^ SJ* H ai 

CO S* "-^ ^ 



E?- 





O 


fc^ 


A 


1^ 


O 


--1 


•^ 


CO aq 


^ 


HH 






Ol 


CL. 


o 


A 


CO 


►< 






er" 

o ^ 

►;^ • 

So tö 

— » 



Ä 

CO S 

o J-. 

f g- 

Ol 



CO 

o 



p' 

CD 
(0 




Ä CO 

5 ^ t ^ 



CO 

CO 



CO 









CO 
C^i 

CO 

CO 



CO 

I 



o 



o 
1»^ 



CT* 



s ^ 



^^ - w ^ 

^ 1^ Ol gl o 

CO -< * 3 <- 

--3 • ^ rt" r^ 

>: c CS 5 

^ 5: "^ g- «^ 



OD 



s 



cr 



SB 

oa 
CD 

t-« 
P' 

9) 



P' 
CD 

» 
CD 



CO 

o 

I 



CD 
CD 



CD 

CD 

■ 
CD 



\ 



Literatur. 



Alphonse de Witte. Histoire mon^taire des comtes de Louvain, 
ducs de Brabant et marquis du saint empire romaiD. Tome L 
Bruxelles 1894. 4° S. 212. Mit 25 Kupfertafeln, 

Belgien ist in numismatischer Beziehung besonders gl&cklich 
daran, insofern seine schönen und hochansehnlichen Münzreihen 
jetzt allseitige Bearbeitung gefunden haben, in einer Weise, die 
unsren Neid erregen kann, denn wie weit sind wir noch von 
diesem Ziele entfernt, wie lässt sich doch, um nur ein paar 
Lficken anzudeuten, eine Darstellung der bairischen Münzen des 
Mittelalters noch ebenso vermissen wie der zweite Theil des 
Posernschen Werkes, der für die vreltlichen Münzen Sachsens 
bestimmt vrar. Und mehr als das: der Kern des Landes, das 
reiche Brabant hat sogar eine ganze Reihe von Schriftstellern 
beschäftigt, und nachdem der Stoff durch die gründliche und 
umfangreiche Arbeit von van der Ghijs*. de munten der voormalige 
Hertogdommen Brabant en Limburg (Harlem 1851) erschöpft 
schien, bat der durch viele Aufsätze in der Revue de la 
numismatique Beige und seine Ergänzung zu Ghalon's monnaies 
der comtes de Hainant vortheilhaft bekannte Hr. Verf. den 
kühnen Wurf gewagt, das Werk dieses seines Vorgängers, das 
mit dem Jahre 1577 abbricht, zu ergänzen und zu über- 
bieten. Und dass ihm Letzteres gelungen, das lehrt ein Blick 
auf die trefflichen Kupfertafeln, denn es fehlen beispielsweise 
von den uns hier vorgeführten Münzen Johanns L bei von der 
Ghijs nicht weniger als die No. 202—207, 211, 219, 243, 254, 



108 Litteratnr. 

255, 258 and 271—274, letztere die merkwürdigen, von diesem 
mit dem Beinamen le victorieux ausgezeichneten Herzoge nach 
dem Siege von Worringen 1288 in dem kölnischen Bonn ge- 
schlagenen Sterlinge, die van der Chijs noch irrthümlich dem 
Herin von Bunde zugeschrieben hatte. — Den Nachdruck aber 
legt der Hr. Verf. selbst auf die urkundlichen Nachrichten, die 
er in bei Weitem grösserer Fülle als seine Vorgänger beigebracht 
habe, und dürfen wir ihm wohl vertrauen, dass er alles Erreich- 
bare herbeigeschafft hat Indessen bergen die Urkunden, so 
werthvoU sie auch zur Ergänzung der uns überkommenen Münzen 
und zu Einblicken in das Münzwesen der alten Zeit sind, doch 
eine unleugbare Gefahr, die der Überschätzung ihres Werthes, 
in sich, der man leicht verfällt, wenn man ausser Acht lässt, 
dass auch sie, ebensowenig als die Münzen vollständig auf uns 
gekommen sind, und dass auch nicht wenige Bestimmungen in 
ihnen oft gar nicht oder nur geändert zur Ausführung gelangt 
sind. Diese Gefahr kommt u. a. zur Erscheinung, wenn der 
Hr. Verf. S. 87 bei Besprechung des Sterlings mit DIDflRiaVS 
aOJH i2/. I Den GRäTHC zweifeit, dass er, wie de Jonghe an- 
nimmt, einer Münzvereinigung zwischen Johann I. von Brabant 
und Dietrich VII. von Eleve, auf die doch Bild und Schrift hin- 
weist, seinen Ursprung verdanke, weil wir keine einen solchen 
Münzverein bestätigende Urkunde besitzen. Aber bemerkt denn 
nicht der Hr. Verf. selbst (S. 186), dass die aus der Begierung 
von Johanna und Wenzel uns doch so vollständig überkommenen 
Urkunden der Viertel-botdrager keine Erwähnung thun? einer 
Münzsorte, die sich doch in allen Sammlungen befindet. Also 
diesem Grunde werden wir wohl keine entscheidende Bedeutung 
beilegen dürfen. Freilich stützt sich Hr. de Witte bezüglich 
des gedachten Sterlings noch auf die Thatsache, dass eben dieser 
Herzog Johann durch Vertrag d. d. Köln 28. 8. 1279 dem 
Grafen von Geldern und unsrem Dietrich von Kleve untersagt 
hat, Münzen zu schlagen mit ihnen nicht zukommenden Wappen 
oder mit dem Namen eines ihnen nicht gehörenden Ortes. Wir 
haben aber doch unzweifelhaft zahlreiche Vereinsmünzen, für die 



Litteratnr. 109 

UQs die betreffenden Vertragsnrkunden fehlen, und gerade das 
vorliegende Werk macht uns mit manchen derartigen Yereins- 
münzen bekannt, z. B. denen von Lüttich und Brabant (No. 31, 32) 
and denen von Arnold von Looz and Johann L von Brabant 
(No. 275-278). 

Aber lassen wir den reicheu Inhalt des Buches an unsren 
Angen vorübergehen. Den Beginn machen die Gepräge der 
Orafen von Löwen, welche später den Herzogstitel von Löwen 
and dann von Brabant führten. Zu diesen rechnet der Hr. Verf. 
und beginnt die Reihe mit den Denaren von Brüssel und Nivelles 
mit BRVOCSELLA (Dannenberg Mz. d. Sachs, u. fränk. E. 
(No. 141) und HIVIELLA (a. a. 0. 144)) aus dem Funde von 
Betekom, indem er bezüglich der letztem sich auf die Urkunden 
von 1040 und 1041 stützt, in denen König Heinrich IIL der 
Abtei die Münze zurückstellt, und aus denselben schliesst, dass 
der Graf als deren Vogt bis dahin das Münzrecht der Abtei 
widerrechtlich zu seinem eigenen Nutzen ausgebeutet habe. Die 
von de Coster den Orafen von Löwen zugeschriebenen Denare 
aus dem Maestrichter Funde (Dannenberg a. a. 0. 136 — 139) 
übergeht der Hr. Verf. augenscheinlich, weil er sie bei ihrer 
schlechten Erhaltung und theilweisen Schriftlosigkeit nicht für 
genügend sicher hält. Es folgen nun die wenigen und seltenen 
Münzen der drei Gotfriede, I. 1096—1140, U. 1140—1143 und 
in. 1143—1190, von denen die der beiden letzten Herzöge, den 
schönen und sinnreichen Lütticher Oeprägen styl verwandt, sich 
kaum sondern lassen. Unter den Denaren Gotfrieds I. wäre wohl 
der, den ich a. a. 0. No. 1250 (nach dem Reicheischen Kataloge 
IV 2574) aufgeführt habe, zu erwähnen gewesen; je dürftiger 
diese Reihe der ältesten Münzen ist, desto weniger sollte man 
irgend eine derselben ausschliessen. — Von den Gotfrieds zu 
den Heinrichs leitet No. 16 hinüber: mit GODEFRI und seinem 
Bilde Rf. SCVT • HEHRICI um den Löwenschild, er entstammt 
offenbar der Zeit, wo Heinrich I. für seinen im heiligen Lande 
weilenden Vater die Herrschaft führte« Auch Gotfrieds III. 
Nachfolger tragen alle drei denselben Namen Heinrich, 11 90-- 1235 



110 liitteratur. 

— 1248—1261, und bieten also hinsichtlich der Sonderung keine 
geringe Schwierigkeit. Einige, welche in Grösse und Styl sich 
den jüngeren Gotfrieds anschliessend kann man unbedenklich an 
Heinrich I. geben, denn fortan nehmen sie immer mehr an Werth 
und Grösse ab. Unter ihnen ist der merkwürdige Denar mit 
BAH (bandum oder banniera) DVC liOV zu erwähnen, den man 
früher, auf der HJ, NVOII • HAR lesend, nach Herstal, oder 
(B. Serrure) nach Arnheim (HARN Voll) verlegt hat; wenn da- 
gegen, nach Picqu6 (S. 40), diese Umschrift vielmehr HVÖII • HAH 
lautet, so ist wohl mit diesem Forscher die Prägstätte in Hanaut 
zu suchen. — Etwa mit Heinrichs L Ausgange nimmt eine Reihe 
Münzen ihren Anfang, welche neben den herzoglichen Geprägen 
einhergehend, einen mehr städtischen Charakter zeigen nnd theil- 
weis schriftlos, theilweis mit den Anfangsbuchstaben der Städte 
Antwerpen, Brüssel und Thienen (Tirlemont) oder den Namen 
der Münzmeister Bastin, Gerard, Gilo (oder Goli?), Franco und 
Bollinc versehen sind; wir haben solche auch von Löwen und 
Yilvorden, sowie vielleicht von Haelen und Maestricht, während 
andere, mit Adler und mit einem Schiffe, sich keiner bestimmten 
Örtlichkeit zutheilen lassen. Den Gegensatz bilden die Pfennige, 
welche den Herzog zu Rosse oder seinen Löwenschild darstellen, 
bisweilen mit der Beischrift DVX, H • DVCIS oder BAST. Den 
Beschluss machen einige, welche der Hr. Verf. auf Grund der 
Inschrift ALIT (Alitia) und H (obilis) V (idua) der Aleyd von 
Burgund zuschreibt, die von 1261— 1267 die Vormundschaft über 
ihre und Heinrichs III. unmündige Kinder geführt hat. Hiermit 
nehmen auch die kleinen Denare ihr Ende, welche man wegen 
ihrer winzigen Grösse den Ringeln eines Panzerhemdes (cotte 
de mailies) verglichen und daher mailles benannt hat 

Unter Heinrichs III. zweitem Sohn Johann I. (1267—1294), 
auf den in Folge Verzichts seines älteren Bruders die Herrschaft 
überging, nahm das Münzwesen ein anderes Ansehen an, es 
wurde der englische Sterling im Werthe von vier alten Denaren 
(Gew. 1,40 gr.) als Drittel des französischen Turnosen eingeführt, 
welcher letzter aber zuerst unter dieses Herzogs gleichnamigem 



Litteratur. m 

Nachfolger ausgeprägt wurde. Auch hier folgt auf den zweiten 
Johann (1294—1312) ein dritter desselben Namens (1312—1355), 
und beim Mangel eines hinlänglichen Anhaltes an Urkunden so- 
wie an Funden, die nur in ungenügender Weise zu unsrer 
Kenntniss gelangt sind (S. 209), sind die äusserst zahlreichen 
Gepräge dieser drei gleichnamigen Herzöge schwer zu trennen; 
der Hr. Verf. hat sich in dieser Hinsicht meistentheils an van 
der Chijs angeschlossen. Johanns I. Münzstätten sind Antwerpen, 
Brüssel, Dalhem und Löwen, ausserdem das schon erwähnte Bonn 
sowie das holländische Dordrecht (No. 254); 1291 Hess er sie 
jedoch bis auf Brüssel und Löwen eingehen, wo er hier 40, 
dort 50 Münzer beschäftigte. Sein Sohn Johann II. vermehrte 
die Zahl der Münzer um 200 und hat in Antwerpen, Brüssel, 
Genappe (No. 309), Maestricht und Rolduc geprägt, u. a. die 
ersten ganzen und halben Turnosen, Gavaliers und Scheidemünzen 
in billon noir. Von ihm haben wir auch den ersten Stal (pied- 
fort), er ist von schlechtem Silber, und der Hr. Verf. schliesst 
daran die Bemerkung, dass derartige Stücke den Münzern zu 
Mustern dienten, wohingegen die in den Ordonnances öfter 
(S. 171, 181, 194, 205) erwähnten Dickmünzen (dicken pennincs) 
in Gold oder gutem Silber als Geschenke an Standespersonen, 
welche der Münzprägung nahegestanden, ausgereicht worden 
seien. — Johanns III. Regierung ist bemerkenswerth durch Ein- 
fuhrung der Goldmünze, die als Florentiner (mit St. Johann Bf. 
Lilie) und Klinkharts (chaises d'or) auftreten, während von einer 
andern Goldmünze mit dem Bilde des heil. Servatius nur ein 
kupferner Probeabschlag (No. 336) auf uns gelangt ist. Unter 
ihm sowie unter seiner Tochter Johanna und deren Gemahl, 
Wenzel von Luxenburg, erreichten die Münzen ihre höchste 
Vollendung und wahrhaft künstlerischen Werth, nicht allein die 
Goldmünzen (moutons, doubles moutons, gouden Pieters, cavaliers 
und Florenen mit S. Servatius), sondern auch gewisse Silbermünzen, 
wie die tourelles oder Schuerkens (so genannt wegen der Kirche 
über dem Schilde, die als Scheune oder Scheuer angesehen wurde) 
und die Brijmans mit dem Bilde des Herzogs in voller Rüstung, 



112 Litteratur. 

■ 

die nach des Verf. Ansicht ihren Namen von dieser Darstellung, 
also brijdgom (Gemahl) herleiten. Bemerkenswerth ist auch, 
dass die auch in den Urkunden so genannten doubles moutons 
keineswegs das doppelte der einfachen moutons, vielmehr statt 
2 x*,70=9,40 gr. nur 5,80 gr. wiegen. Nach dem Tode ihres 
Gemahls (1383) setzte Johanna die Prägung in Gold, Silber 
und billon noir fort, theilweis in Gemeinschaft mit Philipp dem 
Kühnen, Grafen von Flandern. Ihr Grossneffe Anton von Burgund 
trat für sie zunächst als Verwalter ein (1404), dann nach ihrem 
Tode (1406) als Erbe, womit das Land aus dem Hause Löwen 
auf das Haus Burgund überging; in beiden Eigenschaften als 
Ruwaart wie als Herzog hat er geprägt. Sein Sohn Johann IV. 
(1415—1427) zeigte sich seinen Herrscherpflichten so wenig 
gewachsen, dass die Stände sich veranlasst sahen, die Regierung 
für einige Jahre seinem jüngeren Bruder Philipp Grafen von 
St. Pol anzuvertrauen, den er auch zum Nachfolger (1427—1430) 
hatte. Mit den nicht wenigen Geprägen, welche uns aus diesen 
drei Zeitabschnitten geblieben sind, schliesst dieser Band, den 
wir wegen der Fülle des gut verarbeiteten interessanten Stoffes 
bestens empfehlen, überzeugt, dass ihn Niemand aus der Hand 
legen wird, ohne mit uns den Wunsch zu hegen, recht bald im 
zweiten Bande die brabantische Münzgeschichte über das Ziel, 
das van der Chijs sich gesteckt hatte, das Jahr 1577 zu Ende 
geführt zu sehen. 

H. Dannenberg. 



Ein Dnkat des Bischofs Johannes T. Tnrzo von Breslan. 




£b ist ein alter ErfahniDgssatz, dass man nicht gut daran 
thnt, das Vorhandensein einer Mfinze Oberhaupt zu bestreiten, 
wenn sich auch augenbUclilich kein Stück davon nachweisen lässt 
Ich habe hiergegen Terstossen, als ich in meinem Buche über 
die schlesischen MittelaltennUnzen es fflr wahrscheinlich erklärte, 
dass der Brealaner Bischof Johannes V. (1506 bis 1520) von dem 
ihm durch Maximilian ertheilten Privileg der Goldmfinze keinen 
G-ebrauch gemacht, also uns keine Dukaten hinterlassen habe. 
FQr diese Unvorsichtigkeit habe ich bUssen müssen: als im vorigen 
Herbst wirklich ein Dokat Bischof Johanns auftauchte, hat es 
viele Hübe und sehr viel Geld gekostet, ihn zu erwerben. Und 
nun zur Sache! 

Die Goldmünzen der Breslaoer Bischöfe des XVI. Jahr- 
hunderts tragen ausnahmslos die Inschrift KVNVS CAESARIS 
MAXIMILIANI, welche noch den ersten Gelehrten, die sich mit 
diesen Stftcken beschäftigten, M. Hanke (1706) und Dewerdeck 
(1711) unverständlich, blieb. Da das Bisthum das Münzrecht 
schon viel länger — seit 1290 — besitzt, so glaubte Hanke 
jene Worte auf eine Bestätigung desselben durch Maximilian 
deuten zu sollen, während Dewerdeck überhaupt keine Erklärung 

Zcitwkrin rai HaniHutik. XX. g 



214 F. Friedensburg: 

versuchte. Erst F. W. von Sommersberg veröffentlichte^) 1729 
die vom 31. August 1515 datirte, im Domarchiv zu Breslau be- 
findliche Urkunde, durch welche der Kaiser dem Bischof verleiht 
omnimodam et plenam auctorüatem potesiatem et facuUatem 
cvdendi fdbricandi et faciendi legales et veros ac indu- 
bitatos et justos in materia et pondere ducatos aureoa et 
ßorenos^ in quorum latere uno eaprimi debet aancti Joannis 
Baptiste efßgies, in altero vero insignia dicti episcopatus^ 
que sunt, ut accepimus, lüia sex, ita tarnen, quod in altero 
latere inscribantur hec verba: Munus Cesaris Mcusimiliani 
et in altero ponatur nomen episcopi pro tempore existentis. 
Diesen Brief sandte Kaspar Ursinus Velius, der Unterhändler 
des Bischofs, unter dem 24. März 1516 mit einem Schreiben 
nach Schlesien, aus welchem hervorgeht, dass es viele Mühe 
und Kosten gemacht hat, das Privileg endlich zu erlangen, und 
dass der Bischof ursprünglich ausser seinem Namen und Titel 
die Worte: Ecce agnus dei in das Gepräge hatte aufgenommen 
wissen wollen, dass aber der Kaiser darauf bestanden hatte, seinen 
Namen genannt zu sehen, wenn nicht der Reichsadler oder Reichs- 
apfel dargestellt würde. Es empfiehlt sich, die entsprechenden 
Stellen hier mit unwesentlichen Kürzungen wiederzugeben: 

ÄUatum est tandem ad me, diis gratia est, privüegium 
toties flagitatum literis meis atque eapetitum . . . (Privilegium 
est) amplum et non vulgaris notae, nisi non probetur ab 
Ämplüudine vestra Caesaris in hoc constans voluntas, utpote 
qui noluerit aliter Privilegium elargiri, nisi vel informula 
cudendorum nummum aureum aquüa eaprimeretur vel 
pomum, qux)d vocatur, rectius orbem iUud appeüarim, 
effigiaretur aut potius nomen suum, Quare cum Amplitudo 
vestra cuperet altero latere imaginem Baptiste Christiani 
preferri, ne vel globus Caesareus vel aquüa locum Hlum 
preriperet — si nomen Caesarianum in nsQkipsqia circum" 

1) Neuere Abdrücke von Bauch im 56. Bericht des Vereins für das 
Museum schles. Alterthümer, wo auch der unten erw&hnte Brief des Ursinus 
Yelius mitgetheilt ist, und Ton Friedensburg Urkundenbuch Nr. 101. 



Ein Dukat des Bischoüs Johannes Y. Tnrzo von Breslau. 115 

scriberetur^ quo loco scitum illud in aacris: Ecce o/gnua 
dei ponere . . . Amplitudo vestra constituerat^ non adeo 
ineptum visum fiiit. 
Bis zum Jahre 1894 nun waren keine solchen Dukaten des 
Johannes Turzo bekannt geworden, während wir von seinen 
Nachfolgern deren eine ziemlich beträchtliche Anzahl — fast 
alle Jahrgänge sind vertreten — besitzen. Die Annahme schien 
daher nahe zu liegen, dass der Bischof von seinem neuen Rechte 
keinen Gebrauch gemacht hat, vielleicht, weil ihm das ihm auf- 
gedrungene Gepräge nicht zusagte. Da wurde im August 1894 
in Hülst, einer kleinen Stadt Seelands, ein Fund von 320 Stück 
Goldmünzen gemacht, der nach den Mittheilungen des von Herrn 
J. Schulmann in Amersfoort herausgegebenen Auktionsverzeichnisses 
zum grössten Theil aus Angelots Heinrichs VIIL, Kronen Franz' L, 
Realen und halben Realen Karls Y. und Philipps I. für Brabant 
und Flandern bestand, aber auch eine grosse Menge, zum Theil 
höchst seltener Gepräge der verschiedensten Länder und Herren 
enthielt und dessen jüngstes Stück die Jahreszahl 1586 aufwies, 
wesshalb man annahm, der Schatz sei 1591 bei der Belagerung 
der Stadt durch die Spanier vergraben worden. Unter den zur 
Versteigerung gelangten MiLnzen befand sich auch, als Nr. 279 
im Yerzeichniss aufgeführt, der oben abgebildete Dukat, dessen 
eingehendere Beschreibung und Erläuterung sich mit Rücksicht auf 
die Einfachheit der Darstellung und die Klarheit der Zeichnung 
erübrigt Nur sei erwähnt, dass der Schild der Hauptseite in 
der oberen Hälfte das Wappen des Bisthums, in der unteren 
das Familienwappen des Bischofs selbst enthält. Bemerkenswerth 
ist femer der Umstand, dass die Umschriften links unten beginnen, 
und die Verwendung der römischen Ziffern für die Jahreszahl 
— beides in Schlesien zu dieser Zeit sonst nicht nachweisbar — , 
femer die AuAiahme des Familiennamens des Bischofs in die 
Umschrift, der weder auf den Groschen noch auf dem thaler- 
fSrmigen Schaustück dieses Herrn erscheint Auch Johanns 
Nachfolger Jakob von Salza setzt den seinigen nur auf die 
Goldmedaillen, während er bei Balthasar Promnitz und Kaspar 



116 F. Friedensburg; 

Logau wieder auf den Münzen vorkommt. Daneben ist angesichts 
des Wortlauts des Privilegs, welches Dukaten und Florene um- 
fasst, nochmals ausdrücklich festzustellen, dass unser Stück ein 
Dukat ist. Dukaten schlug damals auch die Stadt Breslau, 
während auf dem Reichenstein bis 1522 Florene geprägt wurden, 
um dann den Dukaten zu weichen, und Breslau 1531 einen 
Versuch mit der Prägung rheinischer Gulden machte: ein geld- 
geschichtlich interessanter Wechsel, welcher zeigt, dass man zu 
Anfang des 15. Jahrhunderts in Schlesien schwankte, welchem 
System der Goldmünze man folgen sollte. 

Das Merkwürdigste an diesem unserem Dukaten aber ist 
die Jahreszahl 1513 selbst: sie verlegt seine Prägung etwa zwei 
Jahre vor Erlass des betreflFenden Privilegs. 

Es liegt nicht der geringste Anlass vor, das Stück dieser- 
halb für falsch zu halten. Abgesehen davon, dass der Fund als 
solcher und die Zugehörigkeit des Dukatens zu ihm gut be- 
glaubigt sind und dass ein Fälscher, der sich diesen Gegenstand 
aussuchte, sich wohl genauere Kenntniss über die seinem Mach- 
werke zu gebende Datirung würde verschafft haben, weist das 
Äussere die Münze als unzweifelhaft echt aus. Es ist derselbe 
kräftige Stil in Buchstaben und Bildern, wie ihn die gleichzeitigen 
Dukaten der Stadt Breslau zeigen, die auch ganz dieselben fünf- 
blättrigen Röschen als Theilungszeichen und ein ebenso geformtes 
A verwenden. 

Wir müssen also die Münze, wie sie vorliegt, zu erklären 
suchen. Da kann es denn wohl keinem Zweifel unterliegen, dass 
wir sie als eine Art Probestück, geprägt in der Erwartung der 
offenbar lange schon erstrebten und verheissenen kaiserlichen 
Begnadung, anzusehen haben. Wenn auch vielleicht der oben 
wiedergegebene Eingang des Briefes des Drsinus sich auf die 
zwischen dem Datum der Urkunde und ihrer Ausfolgung an den 
Agenten liegenden dreiviertel Jahre bezieht, so lässt sich doch 
mit Sicherheit annehmen, dass zwischen der Bewerbung um 
das Privileg und seiner Ertheilung ebenfalls ein längerer Zeit- 
raum verstrichen ist. Und was Ursinus über den Inhalt der 



Ein Dukat des Bischofs Johannes V. Turzo von Breslau. 117 

BegnaduDg schreibt, beweist, dass der Kaiser von Beginn der 
Verhandlungen an auf die Anbringung der endlich festgesetzten 
Umschrift: Munus Caesaris Maximilian! besonderen Werth gelegt 
hat ^). Dann aber steht der Annahme nichts im Wege, dass der 
Bischof schon im Jahre 1513 einmal die Angelegenheit ihrer 
Erledigung nahe geglaubt und in Erwartung des baldigen Ein- 
treffens des Privilegs mit der Dukatenprägung hat beginnen 
lassen. Da sie sich als verfrüht erwies, wird er die bereits 
fertig gestellten Stücke wieder haben einziehen lassen. Eine 
solche verfrühte Prägung wäre nichts Unerhörtes in der Münz- 
geschichte, im Besonderen derjenigen Schlesiens. Herzog Joachim 
Friedrieb von Liegnitz-Brieg hat bereits im Jahre 1600 Dukaten 
schlagen lassen, obwohl er erst 1601 das entsprechende Privileg 
erlangte'). Hatte die Eile dieses Herzogs ihren Grund darin, 
dass er im Jahre 1599 die Reicbensteiner Goldbergwerke er- 
worben hatte, deren Ertrag sich am Vortheilhaftesten durch 
Prägung eigener Goldmünzen verwerthen Hess, so scheint auch 
der Dukat des Johannes Turzo ähnlichen Umständen sein Dasein 
zu verdanken. Bischof Johannes Y. stammte- aus einer durch 
den Bergbau reich gewordenen Familie und erwies dement- 
sprechend auch dem Bergbau in seinem geistlichen Fürstenthum, 
wo man namentlich in der Gegend von Freiwaldau und Zuck- 
mantel auf Gold grub, ein lebhaftes Interesse. Das urkundiche 
Material, was wir zur Beurtheilung dieser Verhältnisse besitzen '), 
Iftsst jedoch erkennen, dass wenigstens zu Anfang des 16. Jahr- 
hunderts diese Goldgruben nicht sehr ertragreich gewesen sind, 

1) Auf Goldmünxen und kupfernen ModaiUen des GioTanni II. BentiToglio, 
Henn von Bologna, (1494 bis 1509) erscheint Tom Jahre 1494 ab die Inschrift: 
Manmiliani imperatoris munus (Gatalog Rossi Nr. 106 fg., Exemplare im KgL 
Kabinet), doch habe ich einen Abdruck des entsprechenden Privilegs nicht 
ermitteln können. 

2) Bd. 18 S. 180 d. Z. 

3) Vgl. Zeitschr. f. Gesch. u. Alterth. Schlesiens Bd. 19 8. 47^., Stein- 
beck Gesch. d. schles. Bergbaus ßd. 2 S. 107 fg. Keine hier interessirenden 
Naehrichten bei Rhonius Dissertatio de Johanneis Yratislaviensibus, Heyne 
dokumentirte Gesch. d. Bisth. Br. Bd. 3 S. 324, 725 und in dem dort ange- 

ffihrten gani werthlosen Aufsats von Herber in der Statistik des Breslauer j 



2 lg F. FriedensburgrE. Dukat d. Bischofs Johannes Y. Turzo y. Breslau. 

dass man aber trotzdem auf bessere Ausbeute gehofft hat. Nur 
ein einziges Mal wird in diesen Urkunden der Münze gedacht. 
Unter dem 1. Januar 1518 giebt der Bischof dem Gewerken 
Christoph Behr von Krakau für seine Bergwerke auf acht Jahre 
eine Befreiung von dem ihm geschuldeten Zehnten, der erst nach 
Ablauf dieser Frist in der alten Weise wieder gezahlt werden 
soll: „das ander — sagt die Urkunde — es sey goü^ silier^ kupfer^ 
bley, stoU eyaenn oder wellerley ertzt^ mögen sie nach irem bestenn 
nocz unnd fromen arbten^ schmelczenn unnd kanndellen . . . es wurde 
dann die ursach, das wir sulch golU silber unnd metall zu unnser 
muncz unnd oberkeit notturflig [hetten]^ so soUenn wir den gewerken 
nach vrirdenn, wie sunjs der gmeine khauj^ zu Breslaw zu derselben 
czeit sein wurde, mit bereytem gelde, gutter ganghafftiger muncz gut- 
lichenn beczalenn.'' Auch in dieser Stelle ist nicht mehr zu finden 
als der Ausdruck der Absicht, die Ausbeute in erster Linie für die 
Münze zu verwerthen. Diese Art der Verwendung lag um so 
näher, als in dem benachbarten Reichenstein die damals noch 
ziemlich bedeutende Ausbeute ebenfalls in die Münze wanderte: 
auch an diesen Bergwerken waren die Turzos neben den Fuggern 
als Hauptgläubiger der Herzöge finanziell betheiligt ^). Dass wir 
von den Breslauer Bischöfen nicht eine ebenso reiche Reihe 
Goldmünzen besitzen wie von den Herzögen von Münsterberg- 
Öls, ist also ausschliesslich aus dem ungünstigeren Stande ihrer 
Bergwerke zu erklären, und so kann man denn auch nach dem 
Auftreten unseres Dukatens nur dabei verbleiben, dass Johannes V. 
von seinem „Privilegium regale et splendidissimum'', wie es in 
der Urkunde heisst, keinen Gebrauch gemacht hat. 

Bisthums 1825 § YlII S. 23/24. Auch das Domarchiv zu Breslau enthält^ 
wie mir Herr Dr. Juugnitz freundlichst mittheilt, keine weiteren die Münz- 
prägung betreffenden Archivalien. In der Zeitschr. a. a. 0. S. 48 ist ein 
fürstliches Münzhaus, die jetzige Pfarrei, zu Zuckmantel erwähnt, doch fehlt 
die Angabe, von wann und wo diese Nachricht stammt. 

1) Zeitschr. f. Gesch. und Alterth. Schlesiens Bd. 28 S. 294 fg. 

F. Friedensburg. 



Eine nnbekaimte Münze der Antonia und Inlia, 

der Tochter des Angnstns. 





Vs. Brustbild der Antonia nach links. Davor (ANT)fiNIA- 

rYNH. Alles im Perlenkreise. 
Rs. Inlia, als Venus Victrix, nach links stehend, in der 
Linken einen Lorbeerzweig, auf der ausgestreckten 
Rechten eine Siegesgöttin haltend, welche im Begriff ist, 
der Prinzessin einen Lorbeerkranz aufzusetzen. Rechts: 
GYrATPI . lEBAZTOY. Links im Felde LE. Alles im 
geperlten Kreise. — Bronze. 
Bis jetzt ist, so viel ich weiss, keine Mfinze bekannt ge- 
worden, welche in ihren Typen diese beiden Prinzessinnen ver- 
einigt. Das Interesse unseres Stückäs liegt also zunächst in 
einer positiven Erweiterung des Gebietes numismatischen Wissens. 
Die Mflnze ist von mittelguter Erhaltung und feiner, zierlicher 
Arbeit. Über die Richtigkeit der Zutheilung kann ein Zweifel 
nicht bestehen. Der Kopf der Vorderseite mit dem charakteristi- 
schen Haarzopf ist unverkennbar derjenige der Antonia, und 
wenn schon die ersten drei Buchstaben des Namens den Schröt- 
ling verfehlt haben, so lässt sich doch die Verstflmmelung nur 
als ANTfiNIA ergänzen. Hinter rVNH — eine seltene Be- 
zeichnung, die nach Rasche') nur auf Münzen der jttngeren 

1) Rasche, Leiicon anirenae rei nomariae retoniiD, tom. II, p, 1558. 



120 E. J. Seitmann: 

Agrippina, ^'KAAYAIOY • FYNH", vorkommt - hat jedenfalls 
APOYIOY gestanden. 

Die Darstellung und Inschrift der Bückseite ist vollständig 
erhalten und bedarf also, was ihre Zutheilung an die lulia an- 
geht, keiner weiteren Besprechung. 

Als ich die Münze, welche längere Zeit unbeachtet und, so- 
zusagen, im Winkel gelegen hatte, das erste Mal einer genaueren 
Betrachtung unterzog, fühlte ich mich versucht dieselbe, ihrem 
ganzen habitus nach, gewissen Serien loniens (Smyrna) zuzuweisen. 
Sogleich bemerkte ich aber die Datirung LE, und diese wies zu- 
nächst nach Alexandrien. Dass die beiden Buchstaben LE sind, 
ist durch ihre völlige Deutlichkeit gesichert. Doch widersprechen 
so gewichtige Gründe dieser Zutheilung, dass dieselbe von vorn 
herein ausgeschlossen scheint, denn die Münzen dieser Stadt 
unterscheiden sich bekanntlich durch einen durchaus charakteristi- 
schen Stil, und ihre Eigenart erstreckt sich bis auf den Schröt- 
ling, dessen Rand bei den Bronzemünzen dieser Periode im Guss 
stets einen schräg abfallenden Rand erhalten hat. 

Wo die Münze sonst noch entstanden sein könnte, darüber 
lassen sich allerdings Vermuthungen aufstellen. Innerhalb der 
Sphäre ägyptischen Einflusses, in Palästina und in Theilen von 
Syrien, kommt das Zeichen L auf den Münzen mancher Städte 
aus der Kaiserzeit vor, z, B. auf denjenigen von Caesarea, Gaza, 
Neapolis, Sebaste, Nysa, Gadara und Damascus, und indem ich 
den Stil unserer Münze mit jenen nach den Abbildungen in De 
Saulcy's „Numismatique de la Terre Sainte" vergleiche, scheint 
sie sich einigermassen gewissen Münzen des Nero zu nähern, 
welche in Caesarea (Tafel VII, 5), Sebaste (Tafel XIV, 7), 
Nysa (Tafel XIV, 9) und Gadara (Tafel XV, 2) geprägt 
worden sind. 

Sonst kommt das Zeichen L bekanntlich auf vielen Ptolemäer- 
münzen, zum grossen Theil in Cypern geprägt, vor. Dagegen 
findet sich auf Münzen dieser Insel aus der Kaiserzeit nur ETOYE. 
Mionnet wenigstens kennt kein Beispiel mit L. 

Schliesslich soll LIA auf zwei Exemplaren der bekannten 



Eine unbekannte Münze der Antonia u. lulia, d. Tochter d. Augustus. 121 

Bronzemünze von Nemausus mit dem gefesselten Krokodil vor- 
kommen, deren eine sich im Berliner, die andere im Pariser 
Kabinet befindet'). Die letztere ist von ziemlich roher Arbeit; 
die erstere von besserem Stil, und beide scheinen innerhalb des 
Kranzes an der Palme jenes LIA zu haben. Professor von Sallet 
giebt aber die Möglichkeit zu, dass die vermeintlichen Buchstaben 
des Berliner Exemplares Yerbildungen einiger Kranzblätter sein 
konnten'). Wegen der roheren Fabrik vielleicht noch unge- 
sicherter scheint die Lesung der Inschrift im Kranz der Pariser 
Münze. Wie dem aber auch sei — unsere Münze passt natür- 
lich am allerwenigsten nach Nemausus. Der Stil bleibt in solchen 
Fragen schliesslich der beste Prüfstein, und vom stilistischen 
Gesichtspunkt aus erscheint auch die Zutheilung nach Palästina 
oder Syrien als ein Nothbehelf. Die Zartheit der Arbeit, welche 
besonders der Revers in seiner mikroskopischen Feinheit bekundet, 
spricht nicht für Zugehörigkeit an jene Districte, sondern sie 
weist eher nach dem eigentlichen Kleinasien, wo feiner hellenisti- 
scher Kunstgeschmack im ersten Jahrhundert nach Christus sich 
blühend entfaltete. 

Man wird die Münze am natürlichsten der Begierung des 
Claudius zutheilen, wofür auch der Gebrauch des rYNH (welches, 
wie oben bemerkt, sonst nur noch unter diesem Kaiser vorkommt) 
spricht, LE würde dann das Jahr 45 n. Chr. bezeichnen. 

1) Siehe Friedlaender, Berliner Blätter for Münzkunde II p. 277 und 
0. Hirschfeld, ,Die Krokodihnnnzen von Nemausos*', Wiener Stadien II p. 320. 

2) ZeiUchrift für Numismfttik XU p. 377. 

E. J. Seitmann. 



Münzfande ans Pommem nnd Meklenbnrg. 

. (Tafel in u. IV.) 



Der so ausgiebige Boden von Pommern und Meklenburg hat 
uns wiederum zwei Münzfunde bescheert, deren Andenken bewahrt 
zu bleiben verdient. 

A. Der Denarftmd von Züssow. 

Es ist der Geldumlauf des dritten Jahrzehntes des XL Jahr- 
hunderts, welcher sich in dem nachfolgend geschilderten kleinen 
Schatze darstellt, der im Jahre 1893 in Züssow, Kreis Greifs- 
wald, gehoben worden ist, die Zeitgrenze ergiebt sich aus den 
Pennies von Knut und dem Merwaniden-Dirhem No. 75; im Ein- 
klänge damit steht das Fehlen von Münzen Konrads II. und 
seiner Zeitgenossen, jedoch muss auf das zu No. 40 Gesagte ver- 
wiesen werden. Es wird eine kurze Aufzählung, unter Hinweis 
auf die ausführliche Beschreibung in meinem Buche «die deutschen 
Münzen der sächsischen und fränkischen Kaiserzeif" (Berlin 1876 
und 1894) genügen. 

Bxem- 



1. Verdun. Bischof Haimo, 990—1024. Obol. Dannenberg 
II, Taf. 64, No. 97. 1 

2. Dinant. Otto III. Dannenb. I 171. 1 

3. Huy. „ „ 223. 2 

4. Köln. Otto I. ji 331, von denen der 
grössere Theil (18) sehr abgenutzt. 21 

5. Köln. Ottol. Dannenb. II 331b (mit Dreispitz). 1 

6. ^ Otto III. (ODDO). Dannenb. I 334 2 

7. Ahnliche, aber unkenntlich. 5 

8. Heinrich IL, mit Eopf rechtshin. Dannenb. I 354. 1 



H. Dannenberg: Monsfunde ans Pommern und Meklenbarg. 123 

Bxem- 

pUre. 

9. Igel Herzog Dietrich von Oberlothringen, 984—1027. 

Dannenb. 432. 2 

10. Trier. Heinrich IL Dannenb. I 462. 2 

11. Deventer. Heinrich U., mit Ad), Dannenb. I 562. 2 

12. Thiel. « Dannenb. I 578. 3 

13. Sachsen. Herzog Bernhard I., 973—1011. Dannenb. I 
585 (mit KopO. 1 

14. Sachsen. Herzog Bernhard I., Nachahmungen desselben 
Pfennigs. Dannenb. I 1298. 16 

15. Sachsen. Herzog Bernhard IL, 1011— 1062. Dannenb.I 

589 a (mit Kreuz, Rf. Kugel). 6 

.« 

15 a. Ahnliche, leichter und nachlässiger im Gepräge. 26 

15b. Noch andere, fast unkenntlich. 27 

Wegen gleicher Fabrik ist hier anzuschliessen folgender 
Pfennig mit Trugschrift. 

16. DNHOVENHHX kurzes Kreuz, Rf. wegen Durchprägung 
unkenntlich. 4 

17. Bremen. Heinrich IL Dannenb. I 723. 1 

18. Dortmund. Otto III. (mit Gesicht). Dannenb. I 745. 1 

19. „ HeinrichIL (gekrönter K:opf links). Dbg.1,749. 1 

20. Dortmund. Heinrich IL (diademirter Kopf links). 
Dannenb: I 752. 1 

21. Mainz. Otto in.? Ähnlich Dannenb. I 779. 2 

22. „ Heinrich IL (Kreuz, /{/. Kirche). Dannenb. 1785. 1 

23. „ „ (byzantinisches Brustbild). Dannen- 
berg I 788. 2 

24. Mainz. Erzbischof Willigis (975— 1011). Dannenb. 1802. 2 

25. Worms. OttoIIL Ähnlich Dannenb. 1844, 844a, 844b, 
wie gewöhnlich sehr schlecht ausgeprägt. 7 

26. Würzburg. Otto HI. (OTTO IMPE). Dannenb. I 856, 1 

27. Erfurt. Erzbischof Aribo, 1021—1031, oder Bardo, 
1031—1051. Dannenb. I 877 oder 878 oder 879. 3 

28. Augsburg. Bischof Bruno, 1006— 1029 (V VI). Dannen- 
berg I 1027. 1 

29. Augsburg. Heinrich IL Dannenb. I 1032a. 1 



124 H. Dannenberg: 

Bzem- 

plare. 

30. Regensburg. Herzog Heinrich IL, 985— 995. Dannen- 
berg I 1069 g (Münzmeister co IG). 1 

31. Regensburg. Herzog Heinrich IV., 995 — 1002. 
Dannenb. I 1071g (VVIC). 1 

32. Regensburg. Heinrich IL (Kopf, Rf. VECCHO). 
Dannenb. I 1077 b. 1 

33. Örtlich unbestimmte. Otto III. (Nimwegen? Namur?) 
Dannenb. I 1159. 3 

34. Ob Ol gleichen Schlages. Dannenb. II, Tf. 93, 1734. 1 

35. Otto III. und Adelheid (mit Kopf). Dannenb. I 1164. 1 

36. „ « y, Dannenb. I 1167 (die gewöhn- 
liche Art). 16 

36 a. Von derselben Art kleinere und schlechtere, meistens 

mit einer Kugel auf jeder Seite der Elirche. 60 

37. Gräfin Adela? t 1017. Dannenb. I 1237. Undeutlich. 2 

38. Theophilus , Michael und Constantin VIH. Dannenb. I 
1240. 1 

39. Otto III. IMPERAT Rf. SCSPETÄVS. Dannenb. I 
1261a. 1 

40. Nachahmung Egberts L von Friesland. Dannenb. 1 1301. 1 
Diese MiLnze bereitet uns eine grosse Schwierigkeit, 

denn ist sie, wie ich bestimmt glaube, dem Pfennige Egberts L 
(1057 — 1066) No. 523a nachgeahmt; so ist sie mindestens 
30 Jahr jünger als die aus den sonstigen Daten zu ent- 
nehmende Yergrabungszeit. Muss man also nicht annehmen, 
dass der etwa um 1025 gesammelte Schatz ungefähr 35 Jahr 
später eine Vermehrung durch diesen Nachzügler erfahren 
hat? ein Vorkommen, auf das ich a. a. 0. Bd. II S. 524, 525 
als eine Ausnahme hingewiesen habe. 

41. Ältester VTendenpfennig, aus dem X. Jahrhundert. 
Dannenb. I 1325. 1 

42. Ähnlich, mit dicken Kugeln um das £renz. — Berliner 
Münzblätter S. 1805 No. 72. 1 

43. Wendenpfennige Magdeburger Art. — Dannenb. I 
1330-1332. 85 



Hflncfunde ans Pommern and Heklenburg. 125 

Exem- 
plar«. 

44. Wendenpfennige mit schmalem Rf. breitem Kreaz. Ahn- 
lich Dannenb. I 1350. 2 

45. Wendenpfennige mit stehendem Heiligen. Rf. Kreuz. 
Dannenb. U, Tf. 97, No. 1804. 1 

46. England. Ethelred, 978-1016. Hildebrand typ. A 
{Rf. kleines Kreuz). Hnntingdon SEPINE. 

47. England. Ethelred. London BO.... 

48. , , „ EADMVND. 

49. , „ Winchester CYNA. 

50. , , Hildebrand Typ. B 2. (Hand). Lon- 
don OSCYTEL. 

51. England. Ethelred. Hildebrand Typ. C (mit CRVX). 
Bochester EDSICE. 

52. England. Ethelred. Hildebrand Typ. Gb. Ipswich? 
r&ckläufig. Flach. 

53. England. Ethelred. Hildebrand Typ. C. London 
EADMVND. 

54. England. Ethelred. Hildebrand Typ. D. London 
CODRIC. 

55. England. Ethelred. Hildebrand Tjrp. D. Lincoln? 
: CDLOELHI. 

56. England. Knut, 1016—1035. Hildebrand Typ. E. 
Lincoln OSFERB. 

57. England. Knut, 1016—1035. Hildebrand Typ. E. 
Stanford CODPINE. 

58. England. Knut, 1016—1035. Hildebrand Typ. K 
York COLCRIM. 

59. Irland. Sihtrikm., 989-1029. (Hildebrand-Ethelred 
Typ. D.) EDYRICM • OD VF 

60. Italien. Pavia. Otto IMPERATOR iZ/. AVGVSTVS und 
PAPU. 

61. Italien. Pavia. Otto IH. TERGIYcoGE A/. IMPE 
RATOB. 

62. , Verona. Otto IIL 



126 



H. Dannenberg: 



63. Frankreich. Ludwig IV., 936— 954. Langres. Gariel 
Bd. II 309, Tf. LV, 12 

64. Orient'). Samaniden. Ismail ben Ahmed, 902, eshShäsh. 

65. „ y, Nasrll ihn Ahmed, 301—331. 

66. ^ y, ,, „ „ 939 Samar- 
kand. 

67. Orient. Samaniden. Nasrll ibn Ahmed, 940 esh Shäsh. 

68. y, y, Nuh I ibn Nasr. Jahr und Mänz- 
stätte undeutlich. 

69. Orient. Samaniden. Nuh I ibn Nasr, 945 Samarkand. 



Exem- 
plare. 



70. 
71. 
72. 
73. 
74. 
76. 









« „ . 956 
Abd-el-Melik ibn Nuh, 959. 

»» » » 1» ,) Samarkand. 
Bujiden. Bagdad, 947. 

„ Muizz eddaula, 951, el Ahw&z. 

Merwaniden. Nasr eddaula abü Nasr Ahmed, 
1011—1061. 

76. Orient. Zijariden. Washmegtr. Gorgän. 

77. Verwilderte Dirhems. 4 

78. Römisches Kaiserreich. Vespasian. RJ. SPQR im Kranze. 1 

79. Unkenntliche. 32 

zusammen 395 
Dazu tieten zwei zum Prägen zugerichtete Schrötlinge. 

Unter den Bruchstücken waren ausser denen von vorstehend 
aufgeführten Münzen auch solche von Regensburg, Herzog Hein- 
rich IL, ECO Dannenb. I 1074a, von Boleslaw III. von Böhmen 
mit der Hand Rf. Kirchengiebel und ONO, von Jaromir, 1003—1011 

mit +IH N08TER um das Bild des Erlösers, und der 

dänische Halbbrakteat abgebildet inKöhnesZeitschr. Bd. II Tf.IX,4. 

Den Münzen war wie gewöhnlich Hacksilber beigesellt, 
nämlich 92 Stücke zerhackten Schmuckes, aber auch ein unver- 
sehrter Halsring aus dreifachem Drahtgewinde und eine runde 
Silberplatte von 6^^ cm Durchmesser und \ cm Dicke. 



1) nach gef. BoBtumnung des Herrn Dr. Nütiel za Berlin. 



Münsfnnde aus Pommern and Meklenbarg. 127 

» 

B. Der Wittenfund toh Woidegk. 

Zu den in meiner Pominerschen Münzgeschichte S. 11 — 24 
aufgeführten Funden Pommerscher Münzen ist neuerdings auch 
der von Gross-Cordshagen ^) hinzugetreten, und reiht sich ihm der 
nachstehend beschriebene* zeitverwandte an , welcher in diesem 
Frühjahr (1895) in dem Städtchen Woldegk (in MekL-Strelitz) 
gehoben worden ist. Er verdient eine Beschreibung nicht blos 
wegen des mancherlei Neuen, das er bringt, sondern auch weil 
trotz der Verdienste, welche sich Masch, Max Schmidt und in 
letzter Zeit auch Wunderlich um die Bearbeitung der Meklen- 
burgischen Funde erworben haben, unsere Kenntniss der meklen- 
burgischen Mittelaltermünzen doch noch eine recht lückenhafte 
ist, namentlich aber die Evers'sche Münzgeschichte für diese 
älteren Zeiten so durchaus ungenügend ist. Und da es insbe- 
sondere an Abbildungen so sehr gebricht, so habe ich mir die 
Mühe nicht verdriessen lassen, die Fundmünzen in ihren Haupt- 
arten sämmtlich, zwar kunstlos aber getreu zu zeichnen, und so 
auf den beigefügten beiden Tafeln, ähnlich wie ich es in meiner 
angeführten Schrift gethan habe, den ganzen Fund dem Auge 
darzustellen ; nur die Prager Groschen von Karl un^ Wenzel IV. 
(No. 37 und 38) haben wegen Raummangels und als allbekannt 
keine Aufnahme gefunden. 

Unser kleiner Schatz hat im Ganzen 261 Münzen geliefert, 
der weit überwiegenden Menge nach Witten^ denen zwei Gross- 
pfennige (Sechspfennigstücke), 19 Brakteaten (Zweipfenniger) 
und 28 Prager Groschen nebst einem falschen zugesellt waren. 
Diese Fremdlinge sind es, welche dem Funde sein eigenthüm- 
liches Gepräge verleihen. Abgesehen von ihnen, haben wir es 
nur mit Mecklenburg als dem Fundorte, und mit Pommern zu 
thun, welche beiden Länder in der Wittenzeit nur Ein numis- 
matisches Ganzes bildeten. 

Der folgenden Beschreibung ist die Bemerkung vorauszu- 
schicken, dass sie nur die deutlichen Exemplare berücksichtigt, denn 

1) Betebrieben ron £. Bahrfeldt in den baltischen Studien 1894, S. 227. 



128 H. Dannenberg: 

lückenhafte Wiedergabe der in den Schrifttrennungszeichen und 
anderen Nebensachen unsicheren Stücke verspricht keinen Nutzen. 

I. Meklenburg. 
Friedland. 

1. S HOfteTTt : VRaDeiiR» der gekrönte meklen- 
burgische Stierkopf, mit Hals und ausgeschlagener 
Zunge, im Felde links ein Ringel. Rf. ^OIVITRS: 
WRßUQVGli. Kreuz, in dessen Mitte ein Stern im 
Kreise. — 11 Stück. Taf. III No. 1. 

Bd. VII dieser Zeitschr. S. 190 No. 21 (Fund von Lübeck), 
Bd. IV d. Z. S. 188 (Fund von Arnsberg). Bahrfeldt, Cords- 
hagen No. 27. 

la. Ebenso, aber HRGßOPOIil. — 1 Stück. 

Bd. VII d. Z. S. 191 No. 22. 

Da diese Stemwitten mehr abgenutzt sind als die folgenden, 
so mögen sie ihnen im Alter vorgehen. Nehmen wir an, dass 
die kleineren Städte beflissen waren, die eigenen Prägungen denen 
der tonangebenden grösseren, über die wir aus den Urkunden 
zum Theil unterrichtet sind, anzupassen, so würden vorstehende 
Witten in das neunte Jahrzehnt des XIV. Jahrhunderts fallen. 

2. Ebenso, aber ohne den Ringel neben dem Stierkopfe. 
Rf. l aiVITKS l HÄGßOPOIi Kreuz mit einem Sterne 
in jedem Winkel. — 3 Stück. Taf. III No. 2. 

Bd. IV d. Z. S. 188 (Fund von Arnsberg). 

Gnoien. 

3. (halbe Lilie) OIVITffiS (halbe Lilie) HRGßOPOL 
Greift). Rf. (halbe Lilie) HOftGTR (halbe Lilie) 
6a06IiaßSIS Kreuz, in dessen Mitte eine halbe 
Lilie im Kreise. — 4 Stück. . Taf. III No. 3. 



1) Der Qreif erscheint aaf allen diesen Fundmünien, ebenso wie meistens 
auf den pommerschen Münzen, linksgewandt (Ton der linken Seite); s. meine 
Pominersche Ifünzgeschichte S. 7. 



Münsfande aus Pommern and Meklenborg. 129 

3 a. Ebenso, aber (halbe Lilie) aiVITffiS: etc. Rf. (halbe 
Lilie) H0ß8Tffi: etc. — 2 Stück. 
Schwiesow (Berl. BL I S. 290) hat uns diese Münzen in acht, 
Remlin (Bd. XVIII S. 218 No. 7—9 d. Z.) in neun Exemplaren 
geliefert (s. meine Pom. Münzgesch. Tf. H 17 und L 271). — Die 
hier im Kreuze und zur Schrifttrennung verwendete Lilie ist be- 
kanntlich das Stadtzeichen von Gnoien. Dass diese Stadt übrigens, 
trotz ihrer Bezeichnung als meklenburgische Stadt, nicht den 
Stierkopf, sondern den Greifen führt, erklärt sich daraus, dass 
sie zur Herrschaft Bestock gehörte, die nach dem Aussterben 
dieses Hauses, 1323, an Heinrich II. den Löwen, Fürsten von 
Meklenburg, kam. 

4. Ähnlich, aber das Kreuz von einem Yierblatt durch- 
brochen, in welchem ein Punkt, hinter moneta die 
halbe Lilie. — 2 Stück. Taf. m No. 4. 

So selten hier, so häufig war diese Abart bei Schwiesow, 
wo sie mit 84 Stück, und bei Remlin, wo sie mit 232 Stück 
auftrat (Tf. H 18 und L 265 Pomm. Münzgesch.). 

Güstrow. 

5. aiVITffiS Dm DWGEUi der Werlesche Stierkopf (ohne 
Halsfell). Rf. $ßO»8TR * 6VSTR0W Kreuz, in 
dessen Mitte ein Punkt in einem Vierblatt. — 1 Stück. 

Taf. m No. 5. 
Eyers, Mekl. Münzgesch. II S. 19. 

5 a. Ebenso, aber OTiaT DRI DWaRLa. Rf. MOUaTÄ 
GVSTROWa. — 1 Stück. 
Auf beiden Arten sind die Schrifttrennungszeichen undeutlich . 

6. S QIVITffiS ; DRI S DWaUüa derselbe Stierkopf im 
Dreipass. Rf. V HOHaTffi J GVSTaRO Wa Kreuz, 
dessen senkrechter Balken von zwei Blättern gebildet 
wird, in der Mitte ein Punkt von einem Kreise um- 
schlossen. — 1 Stück. Taf. HI No. 6. 

Z«fto«hrifl ftr Nanismatik. XX. 9 



230 H. Dannenberg: 

Aach bei Remlin in 1 Exemplare vorgekommen (Bd. XVIII 
d. Z. S. 221 No. 10, Tf. L 300 Pomm. Münzgesch.), während 
bei dem Schwiesower Exemplare (Berl. El. I S. 286, Tf. H 1 
Pomm. Münzgesch.) die Umschrift unserer Rf. auf der Hf.y die 
unserer HJ. auf der Rf. steht. 

Von gleichem Gepräge ist folgender Witte ohne Stadtname, 
der daher hier anzuschliessen sein wird. Meines Wissens noch 
nirgends beschrieben. 

7. : aiVITKS S Dßl ° DWGEUia. Rf. VOIVIT^DIli: 
DWaRLa, sonst wie No. 6. — 1 Stück. Taf. III No. 7. 

Malchin. 

8. ® GIVIT . Dßl . DWGRIia der Werlesche Stierkopf, 
auf jeder Seite ein Punkt. Rf. ® HOßaTffi : 
HÄliGIima»* Kreuz, in dessen Mitte ein Punkt im 
Vierblatt, im linken Oberwinkel ein Punkt. — 1 Stück. 

Taf. III No. 8. 
Vorgekommen bei Rust (Jahrbch. d. V. f. mekl. Gesch. XV 
S. 350) und Remlin (Bd. XVIII d. Z. S. 219, s. Tf. L 278 
Pomm. Münzgesch.). 

Neu -Brandenburg. 

9. saiVITÄS°HÄß6ß0P0 der gekrönte meklenburgische 
Stierkopf, mit Halsfell und ausgeschlagener Zunge. 
Rf l HOßaTffi l BRKßOaPO Kreuz mit einem Stern 
im linken Ober- und rechten ünterwinkel. — 6 Stück. 

Taf. III No. 9. 
Auch im Lübecker Funde (Bd. VII d. Z. S. 190 No. 20.) 

9 a. Ebenso, aber mit BRTSßüaBO. — 2 Stück. 
Wie bei Arnsberg (Bd. IV S. 188 d. Z.). 

Parchim. 
10. aiVITffiS Dßl OaWGEUia der Werlesche Stierkopf. 
Rf * HOßaTffi : PÄRGIiaH Kreuz, in dessen Mitte 
eine Rosette im Kreise. — 1 Stflck. Taf. Ill No. 10. 
EversU 20. 



Hönzfonde am Pommern und Heklenbnrg. 131 

Die Buchstaben R, b, 8 und H des Stadtnamens sind 
schlecht gebildet 

Rostock. 

11. "/HOßaTÄ^ROSTOKaei der Greif. Ä/l ♦OIVITÄSS 
WRGüOPOh Kreuz mit einem Punkte im Yierblatt 
— 2 Stack. Taf. m No. 11. 

Ähnlich Evers II 390. 

IIa, Ebenso, aber ® HOßeTK///ROSTOKaa. Ä/. VOI- 
VVTKS i HKGßOPOL. — 12 Stück, zum Theü mit 
nicht deutlichen Schrifttrennungszeichen. 

Auf zwei derselben rnOßSTÄ statt HOHeTÄ; das M in 
verschiedener Gestaltung auf derselben Münze bildet namentlich 
auf dem Wittengeide keine seltene Erscheinung. 

Bei Schwiesow und Remlin in vielfachen Abarten zu vielen 
Hunderten vertreten. Geprägt nach 1381. 

12. ^ JßOnaTR ° ROSTOKOe der Greif. Rf. ©QIVI- 
TTiS l UKGüOPOh dasselbe Kreuz mit einem Sterne 
im rechten ünterwinkel. — 6 Stück. Taf. III No. 12. 

13. : HOßGTR ; ROSTOKdan der Greif. Bf. iCUn- 
TäS V H3t6ßOPIi das Kreuz, in dessen Mitte ein 
Stern im Yierblatt — 1 Stück. Taf. III No. 13. 

13a. Ebenso, jedoch { HOßSTR J ROSTOKOeß. iJ/ 
♦ (nVITÄS///H3r6ßOPOL. — 1 Stück. 

13b. Ebenso, jedoch ROSTOKOat R/. VOIVITÄS; 
H2t6ßOPOIi. — 13 Stück, mit theilweis nicht deut- 
lichen Unterscheidungszeichen. 

Hier ist auch vrohl folgender Witte unterzubringen, der den 
Stadtnamen verschweigt: 



14. ®aiVITÄS:HÄ6ßOPOIi der Greif. Rf. «OIVITOS: 
H2C6ßOPOIj Kreuz, in dessen Mitte ein Punkt im 
Vierblatt - 2 Stück. Taf. HI No. 14. 

9* 



132 H. Dannenberg: 

Also bis auf das moneta Rostokce der Rf. ganz wie No. 12. 
Wunderlich hat daher diese Münze (Bd. XVIII d. Z. S. 215 
No. 36) ohne Weiteres bei Rostock eingereiht. 

15. ♦ HOßQTÄ ; ROSTOKQäßS der Greif. iJ/.^QlVI- 
TäS J HÄGftOPOL Schild mit einem Querbalken auf 
gegittertem Grunde. — 1 Stück. Taf. IV No. 15. 

Auch bei Lübeck (Bd. VII d. Z. S. 189 No. 9) und bei Remlin 
(Bd. XVIII S. 216 No. 55, s. auch Tf. L 263 Pomm. Münzgesch.) 
vorgekommen, während sie bei Schwiesow vermisst wird; sie 
scheint so selten als die ähnliche Greifswalder häufig. 

Hierher wird auch das folgende einseitige Zweipfennigstück 
zu verweisen sein: 

16. Der Greif in gestrahltem Rande. — 6 Stück. 

Taf. IV No. 16. 

Dannenberg, Pomm. Münzgesch. No. 344a, Tf. F 24 und J 4. 

Zwar habe ich a. a. 0. diesen bei Schwiesow und Remlin 
gefundenen Brakteaten, wenn auch zweifelnd, für herzoglich 
pommerisch erklärt, allein jetzt möchte ich, auf Grund der Zu- 
sammensetzung unseres Fundes, diese Ansicht zu Gunsten von 
Rostock aufgeben. Denn wenn auch in jenen beiden Funden 
die herzoglich pommerschen Witten besonders zahlreich vorge- 
kommen sind und daher jene Zutheilung begünstigt haben, so 
fehlen sie dagegen hier beinahe ganz, und es ist daher wohl 
mehr Wahrscheinlichkeit dafür, dass wir Theilmünzen des mit so 
vielen Witten auftretenden Rostock als der Herzoge von Pommern 
vor uns haben. Allerdings erscheint der Greif auch auf den hier 
unten (No. 25—27) zu erwähnenden Greifswalder Grosspfennigen 
und Witten, und das war wohl für Wunderlich bestimmend, sie 
bei Beschreibung des Remliner Schatzes bei dieser Stadt einzu- 
reihen (Bd. XVIII S. 222 No. 4), aber von ihr haben wir doch 
hier (No. 28) wie bei Remlin schon die Eopfbrakteaten, und es 
geht doch wohl nicht an, dass wir Greifs wald mit zwei so ver- 
schiedenen Geprägen desselben Werth es (Doppelpfennige) bedenken, 



Mfinzfnnde ans Pommern und Meklenburg. 133 

das jedenfalls hinter Greifswald nicht zurückstehende Rostock 
aber leer ausgehen lassen. Hieraus, nicht aber aus der Fabrik, 
glaube ich die Entscheidung entnehmen zu müssen. 

Nicht mindere Schwierigkeit bereitet folgender Witte, dessen 
Stätte in Meklenburg zu suchen, aber schwer nachzuweisen 
sein wird. 

17. QP/ITffiS Dßl (D?)WeRIia der Werlesche Stierkopf. 
Rf. * eiVITTtS HÄ6ßOPOIi Kreuz, in dessen Mitte 
ein Stern im Kreise. — 1 Stück. Taf. IV No. 17. 

Als Städte der Herren von Werle geben sich auf ihren 
Witten Güstrow, Malchin, Parchim und Teterow zu erkennen, 
als meklenburgische dagegen Friedland, Gnoien, Neu-Branden- 
bürg, Rostock und Wismar, keine einzige aber nennt sich zugleich 
meklenburgisch und Werlisch. Dies wäi*e nur möglich seit dem 
Jahre 1436, wo nach dem Erlöschen der Werlischen Linie deren 
Besitz mit Meklenburg vereinigt wurde; seitdem hätte sich eine 
ehemals Werlische Stadt wohl zugleich als civitas Magnopolensis 
bezeichnen können, ähnlich wie Gnoien, das doch ebenfalls eine 
civitas Magnopolitana war, dennoch wegen ihrer Zugehörigkeit zur 
ehemaligen Herrschaft Rostock den dieser zukommenden Greifen 
auf seine Münzen gesetzt hat. Allein, wie in dem Schlussworte 
dargethan werden wird, ist unser kleiner Schatz schwerlich in 
80 später Zeit niedergelegt, und da also dies Auskunftsmittel 
versagt, so wird nichts übrig bleiben, als an Falschmünzerei zu 
denken, wozu auch der etwas röthliche Schimmer der Münze 
and der im* Weiteren zu erwähnende falsche Prager Groschen 
auffordert Es wird sich also mit unserm Witten ähnlich ver- 
halten wie mit dem, welcher den Namen Rostock auf der Hf. 
und den von Güstrow auf der Rf, trägt (Eab. Thomsen 6894). 

Ehe wir uns zu den pommerschen Bestandtheilen des Fundes 
wenden, ist noch auf das gänzliche Fehlen der doch so häufigen 
Münzen von Wismar hinzuweisen, während bis auf das so seltene 
Teterow alle übrigen meklenburgischen Städte hier ihre Ver- 
tretung gefunden haben. Diese auffallende Erscheinung habe 



134 ^- Dannenberg: 

ich schon für Remlin festgestellt (Pomm. Mfinzgesch. S. 21 Anm.), 
weiss aber keinen Grund dafür anzugeben, namentlich nicht etwa 
räumliche Entfernung, und doch kann man schwerlich blossen 
Zufall voraussetzen, der allerdings bei der Zusammensetzung 
unserer MQnzfunde eine grosse, wohl nicht immer nach Gebühr 
gewürdigte Rolle spielt. Auch unter den 1680 Münzen des 
Schwiesower Fundes, von denen doch 903 meklenburgische, war 
Wismar nur mit drei Stück bedacht. 

II. Pommern. 

Herzogtham Stettin. S vantibor III. , 1368—1413, bis 1404 

mit Bogislaw VII., seitdem allein. 

18. * HOftaTÄ ° DVaiS ^ STBTI der Greif, unter ihm 
ein Ringel. Rf. * HOßQTff l TRePGTOW Kreuz. 
— 1 Stück. Taf. IV No. 18. 

Eine bemerkenswerth schöne Münze, von der ähnlichen 
Tf. XIV 346 meiner Pommerschen Münzgeschichte durch das 
vollständige DVQIS anstatt des zweideutigen DVG unterschieden. 
Sie dürfte daher aus der Zeit von Svantibors Alleinherrschaft 
sein, wenngleich der schöne Stempelschnitt auffordern könnte, 
sie früher anzusetzen. Die tadellose Erhaltung widerstrebt aber 
einer Ansetzung vor 1368, also einer Zutheilung an Svantibor's 
Vater Barnimlll., 1345-1368. Mit dem Remliner Witten ( Bd. XVUI 
d. Z. S. 237 No. 6) darf sie nicht verwechselt werden, denn dieser 
hat in der Mitte des Kreuzes einen Stern im Kreise. 

Herzogthum Wolgast. 

19. ° H0R8TÄ : DVQ' W0L6 Greif. Rf. :;BaßeDia. 
TVS°DQVS Kreuz, belegt mit einem Vierblatt, in 
dem ein Viereck mit einem Punkte. — 1 Stück. 

Taf. IV No. 19. 

Bis auf das Zeichen in der Mitte des Kreuzes wie Tf. XV 359 
Pomm. Münzgescbichte. 



Münefunde aas Pommein und Meklenborg. 135 

20. l HOßaTR o DVff o WOIiG der Greif. Rf. l DevS o 
IHoROHIRQ TV Kreuz mit einer Rose im Kreise 
in der Mitte. — 1 Stück. Taf. IV No. 20. 

Tf. XY 360 Pomm. Münzgesch. 

20a, Desgleichen, mit oHOnaTÄoDVff WOLßffi. Rj. 

D&VS o m o HOHIßa TVO. — 1 Stück. 
Ähnlich Tf. 360 a meiner Pomm. Münzgeschichte. 

Anklam. 

21. * HOUaTR : TJtHGIilM Lüie, neben der Unks ein 
Punkt. Bf. : DaVS Uß : ßOHiaa ; TVO Lüie. — 
1 Stück. Taf. IV No. 21. 

Von dem Witten Cordshagen la und Ib sowie meinem 
Exemplare Tf. VI 174 Pomm. Mflnzgesch. in Kleinigkeiten ab- 
weichend. Diese seltenen Lilienwitten waren also keine Eintags- 
fliegen, wie man, so lange nur ein Exemplar bekannt war, etwa 
glauben konnte. Die Demminer Lilie auf diesen Anklamer Oe- 
prägen wird sich vielmehr ähnlich erklären wie der Stralsunder 
Strahl auf den übrigen Anklamern und der Lübische Kopf auf 
den Qreifswaldern. Als Abzeichen begegnet uns übrigens die 
Lilie auch auf folgenden Witten. 

22. (Lilie) NOßaTÄ l TKKGLIHa Strahl. RJ. l DaVS : 
Iß : ßOHma TVO Kreuz mit einer LiUe im rechten 
Oberwinkel. — 1 Stück. 

Dannenberg, Pomm. Mflnzgesch. VI 176. 

22a. Ebenso, aber : HOßaTÄ ; TffilGIilHa. — 7 Stück. 

Taf. IV No. 22 a. 
Diese sind wohl vor 1381 , die folgenden aber zwischen 
1387 und 1389 geschlagen. 

23. o HOßaTffi ; TffißGLIH Strahl. Rf. oavS J Iß ; ßO 
HIßa l TVO Kreuz mit einem Kreise, in dessen Mitte 
ein Punkt. — 1 Stück. 

Ähnlich Taf. VI 178 Pomm. Mflnzgeschichte. 



X36 H. Dannenberg: 

23 a. Ebenso, aber °lI0aaT2C und anter dem Strahle ein 

Ringel. Rf. % DflVS l m % KOHIße TVO. — 1 Stück. 

23 b. Desgleichen, aber °H0ßaTK:TKß6Lma. - 1 Stück. 

23 c. Ebenso, jedoch %° HORaTÄ TKßGIilH. Rf. % DaVS l 

m^ßOHmasTVO der Punkt im Kreise wegen 
Durchprägung nicht sicher. — 1 Stück. Taf. IV No. 23 c. 

Ähnlich Taf. VI 178 b Pomm. Münzgeschichte. 

Demmin. 

24. SHOnaTÄ^DaHmanS Lilie, ä/ : QIVITKS : DVQ'S 
WOLGA der Greif. — 1 Stück. 

Ähnlich Taf. VIII 192 Pomm. Münzgeschichte. 

24 a. Ebenso, aber DanmeaS. — 1 Stück. 

24b. „ , ♦ HonaTÄ ° DamaaRS. Rf.^wvi- 

TÄS»DVa'°W0L6. - 1 Stück. Taf. IV No. 24 b. 

24 c. : HORaTTC ° OanmaRS die Lilie zwischen zwei 

Ringeln. Rf. l GIVITT^S % DVG' • W0Ii6 der Greif. 

- 1 Stück. 

Greifswald. 

25. Grosspfennig (Sechspfennigstück). ® HORGTÄ 1 6RI 
PaSWO Greif. Rf. ® DA— LÄV-DaH— 080 auf 
langem Kreuz der Balkenschild in gegittertem Felde. 

— 2 Stück. Taf, IV No. 25. 

Vermuthlich nach 1395 geschlagen, da in diesem Jahre die 
Stadt mit Anklam und Stralsund einen Vertrag wegen Prägung 
„grosser Pfennige", 144 Stück aus der 121öthigen Mark er- 
richtete (Stavenhagen, Beschr. der Stadt Anklam S. 455). 

26. Witte. HORaXÄ GRIPaSWÄLT der Greif. Rf. 
V DR %° liKVDaH V DeO der Balkenschild in ge- 
gittertem Felde, auf kurzem Kreuze. — 1 Stück. 

Taf. IV No. 26. 

Ähnlich Taf. VIII 209 Pomm. Münzgeschichte und Lübecker 
Fund (Bd. VII d. Z. S. 192 No. 32). 



Münzfunde ans Pommern und Meklenburg. 137 

Aus der grossen Zahl (47) der Witten mit dem Flaggen- 
wappen auf langem, die Umschrift theilenden Kreuze seien, da 
die wenigsten in allen Theilen deutlich sind, nur die folgenden 
hervorgehoben : 

27. : HOaaTK l CRIPeS wo der Greif Rf. . DA - LÄV— 
D8H— DQO auf langem Kreuze derselbe Balken- 
schild, über demselben zwei Ringel. — 2 Stück. 

Ähnlich Taf. VIII 210 Pomm. Münzgeschichte. 

27 a. Ebenso, mit 6RIPQSW0L. — 1 Stück. 

27 b. Ebenso, aber S HOHQTÄ : GRIPeSWO, unter dem 

Greifen ein Ringel. Rf. auch unter dem Schilde zwei 

Ringel. — 5 Stück. 
27 c. Desgleichen, aber GRIPeSWOj. — 2 Stück. 
27 d. Ebenso, jedoch : HOHÖTÄ l GRIPQSWO. Ef. • Dff — 

LÄV— DaH-DQO. - 4 Stück. Taf. IV No. 27 d. 
27 e. Desgleichen, aber GRIPaSWOL. — 8 Stück. 
27 f. Ebenso, mit GRIPÖSWOi. — 9 Stück. 
27 g. Ebenso, aber • HOäQTä : 6RIP8SW0. — 1 Stück. 
27 h. Andere ähnliche 15 Stück entziehen sich genauerer 

Beschreibung. -— Gewicht von 10 Stück 9,66 gr. 

28. Brakteat mit gekröntem Kopfe in gestrahltem Rande. 
— 2 Stück. Taf. IV No. 28. 

War auch bei Remlin (Bd. XVIII S. 221, s. auch Taf. J 1 
Pomm. Münzgeschichte). 

Bekannt ist der Streit, ob die Brakteaten mit vor- 
wärtsgekehrtem gekrönten Kopfe in Lübeck oder in Greifswald 
zu Hause sind^), doch ist jetzt wohl Niemand, der nicht 
auch letzterer Stadt einen Antheil zubilligte. Die Ent- 
scheidung ist von Fall zu Fall zu treffen, und fällt oft recht 
schwer, hier aber scheint sie leicht, denn wie bei der 
gleichen Münze des Remliner Fundes Wunderlich kein Be- 
denken getragen hat, sich für Greifswald zu bestimmen, weil 
unter allen 1785 Stücken desselben keine einzige Schriftmünze 
von Lübeck war, so führt uns hier derselbe Grund dahin, unsern 

1) DanneDberg, Pomm. Ifumgeschichte 8. 62fgg. 



138 H* DaDoenberg: 

Hohlpfennig für einen Greifs walder Doppelpfennig, die Hälfte 
des Witten zu erklären. Wie der gekrönte Kopf den Münzen 
von Lübeck und Greifswald gemeinsam war, so der Strahl denen 
von Anklam und Stralsund, die Lilie den Anklamern und Dem- 
minern und der Balkenschild den Greifswaldem und Rostockern ; 
das Bestreben kleiner Münzstände, sich an die Gepräge grösserer 
anzuschliessen, war im ganzen Mittelalter weit verbreitet. Wer 
würde ohne die Umschrift die ebengenannten Witten von ein- 
ander unterscheiden können? 

Stralsund. 

29. • HOßQTffi : SVRDeßSIS der Strahl. Rf. ® DQVS; 
m nOHUlQ TVO Kreuz mit dem Strahle im rechten 
Oberwinkel. — 1 Stück. Taf. IV No. 29. 

Ähnlich Dannenberg, Pomm. Münzgeschichte, Taf. X 259. 

29a. ; HOÄÖTffi c SV»D8fiSIS Strahl. Ä/. DeVSoino 
ßOH . . . TVO Kreuz mit dem Strahle im linken Ober- 
winkel. — 1 Stück. 
Ein anderes abgenutztes Exemplar zeigt den Strahl im 
inken Unterwinkel. 

29c. Ä HOHara Ä SVHDQHS Strahl. Ä/lÄDÖVS^m; 
ftOHina TV Kreuz mit dem Strahle im linken Ober- 
und rechten Unterwinkel. — 2 Stück. 

Dannenberg Pomm. Münzgeschichte, Taf. X, 259 b. 

29 d. Ebenso, aber der Strahl im rechten Ober- und linken 

Unterwinkel. — 1 Stück. 
Alle diese Witten fallen in die Zeit vor 1381. 

30. • HOneTK J SVftDÖßSIS Strahl. Rf. Ä DQVS J Iß J 
R0HII16 X TVO Kreuz mit einem Stern im Kreise, im 
linken Oberwinkel der Strahl. — 2 Stück. 

Taf. IV No. 30. 

Ähnlich Pomm. Münzgeschichte Taf. XI 261. Zwischen 1381 
und 1384 (oder 1387) geprägt. 



Münzfunde ans Pommern und MeUenburg. 139 

31. ♦UOHäTÄ SVßDGlSIS Strahl. Rf. ♦!« OmS 
TV Da ♦ VS Strahl. - 1 Stück. Taf. IV No. 31. 

Ähnlich a. a. 0. Taf. XI 263 und im Lfibecker Fände 
(Bd. VII d. Z. S. 193 No. 40—43). 

Ans dem Jahre 1403 und folgenden. 

32. HOI10TÄ SVßDaiSIS Strahl. Rf. OaV— Sm — 
OHR — STV langes Kreuz mit Strahl im linken 
Ober- und rechten Unterwinkel. — 1 Stück. 

Taf. IV No. 32. 
Ähnlich Pomm. Münzgesch. No. 264 und (aus dem Lübecker 
Funde) Bd. VII d. Z. S. 193 No. 44. 
Geprägt 1410 und später. 

33. ♦ HOKaTÄ : SVnDeüaSI , i. f. ecWges jß. Rf. 

: OaVS : m : ßOHma TVO, i. f. dasselbe 81. — 
1 Stück. Taf. IV No. 33. 

Pomm. Mttnzgeschichte Tf. XI 271a und Lübecker Fund 
(Bd. Vn 193) No. 46. 

34. Auf beiden Seiten der Strahl im Schüde + HOßaTff : 
SVHDeßSIS. Ä/. • DQVS : m : nOHIHS TVO. Die 
Umschriften beginnen am oberen Schildesrande links. 
— 11 Stück. 

Pomm. Münzgesch. Tf. XI 267. 

34 a. Ebenso, doch fangen die Umschriften rechts am oberen 

Schildesrande an. — 3 Stück. 
34b. Desgleichen, doch beginnen die Umschriften der Hf. 

rechts, die der Rf. links. ~ 1 Stück. 
34 c. Ebenso Rf. TV statt TVO. Die Umschriften beginnen 

rechts am oberen Rande. — 1 Stück. 
34 d. Ebenso, aber SVftDenSI und TVO. Die Umschriften 

beginnen links am oberen Rande. — 7 Stück. 
34 e. Desgleichen. Die Umschriften beginnen rechts am 

oberen Rande. — 6 Stück. 
34f. Desgleichen, doch beginnt die Umschrift der Hf. rechts, 

die der Rf links. — 2 Stück. 



140 H. Dannenberg: 

34g. Ebenso, aber T statt TVO; die UmschrifteD fangen 
links an. — 1 Stack. 

34 h. Ebenso, aber SD8VS. — 4 Stück. 

34 i. ^ « SVßDeUSIS und jnaVS statt D&VS. 

— 1 Stück. 

34k. Ebenso, aber + H0ß8TÄ : SVßD8KSIS , über dem 
Schilde ein Punkt und unter der linken Linie des 
Strahles ein Ringel. Rf. * DSVS ° ffi J ßOHma 
TVO, Punkt und Ringel wie auf der Hf. ; Anfang der 
Umschriften rechts. — 1 Stück. Taf. IV No. 34 k. 

341. Weniger erkennbar in den Einzelheiten sind die 
übrigen 13 Stück. — 

Gewicht von 10 Stück 9,14 gr. 9,50 gr., 9,60 gr. 

35. Brakteat (Zweipfenniger), mit Strahl in gestrahltem 
Rande. — 5 Stück. Taf. IV No. 35. 

War auch bei Remlin (s. Pomm. Münzgesch. No. 276 Tf. J 68). 

36. Brakteat (Doppelpfennig). Die Flagge links, unter ihr 
der Strahl, alles in gestrahltem Bande. — 4 Stück. 

Taf. IV No. 36. 

Dannenberg, Pomm. Münzgesch. Tf. XXII 275a. 

Wie unser Fund darin sich von anderen ähnlichen unter- 
scheidet, dass ihm die Münzen der Hansestädte Lübeck, Hamburg 
und Lüneburg ebenso wie die von Wismar gänzlich abgehen, so 
hat er vor denselben umgekehrt voraus das reichliche Vorhanden- 
sein von Münzen aus 

III. Böhmen, 

denn er enthält 28 Prager Groschen, und zwar 

37. von König Karl, 1346—1378 (Voigt, böhm. Mz. U 
S. 128 No. 4). 1 Stück. 

38. von König Wenzel IV., 1378—1419 (Voigt, böhm. 
Mz. II S. 101 No. 1)'). 27 Stück 

und ausserdem ein kupfernes, also falsches. 



1) Voigts lediglich auf das tercius der Umschrift gestützte Zntheilang 
an Wenzel III. 1305—1306 ist l&ngst und allgemein als irrig erkannt. 



Münzfande ans Pomroern und Meklenburg. 141 

Nur bei Dölitz liessen sich diese weitverbreiteten Groschen, 
vier an der Zahl, betreffen (s. Pomm. Münzgesch. Tf. Q 44), 
ausserdem war ein Bruchstück im grossen Arnswald^ Funde 
(Pomm. Münzgesch. Tf. N 65). Sie mögen für drei Witten ge- 
nommen worden sein. 

Die Zeit, in welche die Yerbergung unseres Schatzes fällt, 
lässt sich bei der langen Regierung des Königs Wenzel aus 
dessen Münzen nicht entnehmen, doch kündet ihr äusserst ab- 
genutzter Zustand immerhin einen längeren Umlauf an. Wichtiger 
für die Ermittelung des gedachten Zeitpunktes sind die Stral- 
sunder Witten, deren Prägungszeit zum grösseren Theile sich 
aus den uns aufbewahrten Urkunden bestimmen lässt, namentlich 
wissen wir daher von denen mit langem, die Umschrift theilen- 
dem Kreuze (No. 32), dass ihre Prägung im Jahre 1410 ihren 
Anfang genommen hat, und den hier wie bei Schwiesow und be- 
sonders bei Remlin so reichlich gefundenen Witten mit dem 
Stadtwappen auf beiden Seiten (unsre No. 34) dürfen wir wohl 
eine noch späteren Entstehungszeit zuschreiben. Dies leitet 
uns denn auf das dritte Jahrzehnt des XV. Jahrhunderts, also 
ungefähr dieselbe Zeit, denen wir die Funde von Lübeck, 
Schwiesow uud Bemlin verdanken'), doch sind allem Anschein 
nach die beiden letzten um einige Jahre jünger als der Lübecker. 
Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit mögen wir unseren 
Woldegker zwischen den von Lübeck und die von Schwiesow 
und Remlin einordnen, namentlich auch weil bei Lübeck die 
Stralsunder mit dem Wappen auf Haupt- und Rückseite sich 
vermissen liessen, die bei Schwiesow und Remlin ebenso wie 
hier einen so bedeutenden Fundbestandtheil ausmachten. 



1) Pomm. Mönzgeschichte S. 19 und 20. 

H. Dannenberg. 



Die Münztypen von Athen im 6. Jahrhundert v. Chr. 

(Tüfel VI)). 



Nachdem man Erkannt hatte, dass die sogenannten Wappen- 
münzen nicht Attika, sondern Euboea zuzuteilen seien ^), hat 
sich eine ausgedehnte Diskussion darüber entsponnen, ob und 
welche attische Typen der Solonischen Zeit angehören^). Fast 
alle ausführlicheren Untersuchungen gehen bei Erörterung dieser 
Frage von der Tradition über Solon und die Peisistratiden aus 
und berücksichtigen erst in zweiter Linie die stilistischen Eigen- 
thümlichkeiten der sicher athenischen Münzen. Mein Weg ist 
ein umgekehrter; ich will versuchen, zuerst die Erfahrungen, 
welche sich durch das Studium der Typenentwickelung auf den 
ginechischen Münzen gewinnen lassen, zu verwerthen, um dann 
die Resultate mit der historischen Überlieferung in Einklang zu 
bringen. 



1) Die Tafel ist nach Abdrücken von Exemplaren des Berliner Münz- 
kabinets hergesteUt, deren Yermittelung ich der Güte des Herrn Dr. Gaebler 
verdanke. 

2) Vgl. £. Curtins, Hermes X, S. 215ff. Imhoof-Blumer, 
Monatsber. d. berl. Akad. d. W. 1881. S. 656. U. Koehler, Mitth. d. 
athen. Inst 1884. S. 356 ff. 

3) Von solchen Abhandlungen, die mehr oder weniger ausföhrlich auf 
diese Frage eingehen, nenne ich: v. Prokesch-Osten: Abhd. d. berl. Akad. 
1848. — £. Benli: Les monnaies d'Athenes. Paris. 1858. — G. Rath- 
geber: 99 sUbeme Münzen der Athener. Weissensee 1858. — Imhoof- 
Blumer: Monatsber. d. berl. Akad. 1881. I. — J. G. Drojsen: Sitzungsber. 
d. berl. Akad. 1882. U. — U. K5hler: Mitth. d. athen. Instit. 1884. — B. Y. 
Head:Historianumornm. 1887. — B. Y. Head: Brit. Gat. 'Attika'. 1888.— 
E. Babelon: Revue des ^tndes grecques, II. (1889.)— Howorth: Numism. 
Chronicle. 1893. — B. Y. Head: Numism. Chronicle. 1893. — E. Babelon: 
Revue numismatique. 1895. 



H. von Fritze: Die Mänztjpen von Athen im 6. Jahrh. y. Chr. 143 

Die neuere Forschung hat die Grundlagen geschaffen für 
den Ausbau einer typengeschichtlichen Untersuchung durch die 
Einordnung s&mmtlicher griechischer Münzen in ein chronologi- 
sches System^). Freilich läfst dieses der subjektiven Auffassung 
Spielraum, soweit es sich um stilistische Fragen handelt. Trotz- 
dem ist es gelungen, im Ganzen sichere Anhaltspunkte zu ge- 
winnen, die unserer Betrachtung vollauf genügen^). Legt man 
dieselben zu Grunde, so ergeben sich zwei uns hier vorzüglich 
interessirende Facta, deren eingehendere Begründung ich mir 
vorbehalte; nämlich erstens, dass die Anfänge der doppelseitigen 
Prägung kaum über die Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. 
hinaufgeschoben werden können*) und eher der zweiten Hälfte 
des Jahrhunderts zufallen, dann — und dies ist nicht scharf 
genug betont worden — , dass die Darstellung menschlicher Typen 
ebenfalls ungefähr erst in dieser Zeit auf den Stempeln beginnt. 
Beide Eigenthümlichkeiten weisen die athenischen Tetradrachmen 
mit Pallaskopf und Eule auf, und ohne irgend welche historische 
Tradition würde niemand auf den Gedanken kommen, sie in den 
Anfang des 6. Jahrhunderts hinaufzurücken. Durch sie jedoch 
befangen, glauben einige Numismatiker, unter ihnen besonders 
Head, sich diese Münzreihen durch Selon geschaffen denken 
zu müssen, und er begegnet dem Einwurf der doppelseitigen 
Prägung*) mit der Frage: warum soll Athen hierin nicht vor- 
angegangen sein?*) Eine Frage, die den Einwand zwar nicht 
entkräftet, aber an sich vollkommen berechtigt wäre. Head 
freilich in seinem Sinne wird die Behauptung kaum halten 



1) Es ist durehgefohrt in dem trefflichen Catalog des britischen Ma- 
senms; in fthnlicher Weise dann von B. V. Head in seiner ^Historia nomornm^ 
nnd in den 'Coins of the Ancient8\ 

2) Vgl. über Chronologie der griech. Münsen P. Gardner, Nom. 
Chron. 1879, p. 222: We can usnally arrange all the series of money issaed 
by a Greek city in chronological sequence without mach risk of yery serious 
error, except in details. 

3) Dies hebt schon Droysen hervor a. a. 0. S. 1202. 

4) Nomismat. Chron. 1898, p. 244 (Howorth). 

5) Brit. Cat. *AtHca\ p. XVD; ygl. Nun. Chron. 1893, p. 253. 



144 H. von Fritze: 

können, wenn er eine Vergleichung mit der Typenentwickelung 
anderer Städte unternimmt und zwar an der Hand der von ihm 
selbst aufgestellten Chronologie. Am geeignetsten sind hierzu 
wohl die Serien von Städten, welche die Annahme ungeföhr 
gleicher Entwickefungsstadien zulassen^). Von Korinth z. B.. 
wissen wir, dass es mit unter den ersten Stätten des griechi- 
schen Mutterlandes die Münzprägung einführte und eine ganze 
Reihe von korinthischen Geprägen lassen eine gute Übersicht 
über die Veränderungen in Fabrik und Wahl des Symbols zu. 
Mit Geschick vertheilt Head dieselben auf folgende Perioden*): 
Die ältesten Stücke dicker Fabrik mit Pegasos und einem dem 
äginetischen ähnlichen Incusum stammen schon des letzteren 
wegen aus dem 7. Jahrhundert. Er teilt sie vermuthungsweise 
der Zeit des Eypselos (657—625) zu. Die flaXshen Münzen mit 
demselben Typus, nur einem Swastica-Incusum statt des ägine- 
tischen würde nach ihm der Epoche Perianders (625—585) zu- 
zurechnen sein und diese Prägbilder bleiben nun etwa 100 Jahre. 
Ca. 500 erscheint dann der Pallaskopf auf der Rückseite, 
während die Vorderseite den Pegasos behält. In richtiger 
Schlussfolgerung vertheilt Head die Münzen mit Pegasos und 
Incusum wegen der Menge der Typen aus verschiedenen Stem- 
peln über eine lange Epoche ^). Die Datirung der ersten Pallas- 
köpfe beruht nach seinen Angaben vornehmlich auf stilistischer 
Vergleichung mit ähnlichen Köpfen derselben Periode. Dem 
Ansatz stimme ich vollkommen zu, nicht aber der Gleichsetzung 



1) Drojsen (a. a. 0. S. 1202) kann ich nnr beipflichten, wenn er betont, 
dass die Übergänge von einseitiger zur doppelseitigen Pr&gong nicht überall 
zur selben Zeit erfolgt sein werden. Andererseits aber entwickelt sich die 
Münzprägung der Hellenen im Grossen und Ganzen nach denselben Principien 
mit Ausnahme kleiner localer Eigenthnmlichkeiten. Vorzugsweise darf man 
diejenigen Städte mit einander in Parallele setzen, deren politische Be- 
ziehungen überliefert sind. 

2) Brit. Cat. 'Corinth etc.' p. XVin ff. 

3) Brit. Cat. 'Corinth^ p. XYIII 'from the large number of specimens 
of different dies which have come down to us, it is evident that this coinage 
must have lasted a longtime.' 



Die Mfinztypen von Athen im 6. Jahrhundert y. Chr. 14 5 

aller von ihm herangezogeoen Typen. Die nächsten Analogieen 
gewähren allerdings zweifellos die phokischen Frauenköpfe mit 
denen der Aphrodite auf korinthischen Drachmen. Eine Verwandt- 
schaft besteht ebenso zwischen dieser und den ältesten Köpfen auf 
den syrakusanischen Stücken. Durchaus nicht aber kann ich ihm 
beistimmen, wenn er alle im Brit. Cat. 'Corinth' pl. II publicirten 
Atbenaköpfe mit denen im Brit. Cat. 'Attica' pl. III abgebildeten 

— es ist die Serie mit den Ölblättern auf dem Helme der Göttin 

— auf dieselbe Stufe stellt, unter den dort ausgewählten 
korinthischen Silbergeprägen befinden sich deutlich geschiedene 
Entwickelungsstadien und zwar im Wesentlichen zwei auf ein- 
ander folgende. Der früheren zähle ich No. 1, 2 und 13 zu, 
während die übrigen einer späteren Gruppe angehören. Für 
jene ältere ist besonders das Auge charakteristisch, welches 
mandelförmig, wie aufgelegt, ohne organische Verbindung mit 
dem Antlitz dargestellt ist und keine oder nur ganz schwach 
angedeutete Details zeigt. (Vgl. unsere Taf V No. 5. 8. 10.) Das 
Auge der jüngeren Köpfe ist sorgfältig modellirt, indem die 
Augenlider vom Augapfel abgelöst sind und scharfe Umrisse 
aufweisen (Taf. V No. 12 — 14). Diesen mögen die Pallasköpfe der 
athenischen Münzen, welche Taf. V No. 15. 16 abgebildet sind, 
hierin und auch sonst etwa gleichstehen. Die älteren aber finden 
völlig entsprechende Typen in den athenischen Pallasköpfen der 
ersten Periode. Als Beispiele sind zu vergleichen auf Taf. V 
No. 3. 4. 6. 7. 9. 11. Vgl ferner Triobol im Brit. Cat'Attica' pl.II 9, 
dem die korinthischen Stücke a. a. 0. pL II 1 und 2 und vorzüg- 
lich 13 zur Seite zu stellen sind. Wenn auch die korinthischen 
Stücke ein äusserst flaches Relief aufweisen (Taf. V No. 5. 8), 
die athenischen aber höher ausgeprägt sind, so lösen sich doch 
auch die letzteren noch nicht so scharf vom Grunde ab, wie es 
bei den darauf folgenden Gruppen zu constatiren ist (Vgl. 
Taf. V No. 3. 4. 7. 9 mit 15. 16). Dagegen zeigt sich beiderseits 
das eben gekennzeichnete Auge, beiderseits die plumpe und dicke, 
vorspringende Nase, sowie dieselben wulstartig gestalteten Lippen, 
deren heraufgezogene Winkel das gezierte Lächeln verursachen; hier 

2«lto«hrifl for Nnmumstik. XX. 10 



146 ^* ^0° Fritze: 

wie dort das runde sich vorschiebende Kinn. Endlich ist auch die 
häufig übereinstimmende und auch in ihrer Ausführung sehr ähn- 
liche Haartracht zu nennen, die in auf die Stirn und Schläfen fallen- 
den, glatt abgeschnittenen, dicht nebeneinanderliegenden Strähnen 
besteht (vgl. Tafel V No. 3. 4. — 5. 8. 10). Die korinthischen 
Köpfe zeigen die vom Hinterhaupt herabfallende Haarmasse 
unten zusammengebunden. Auf den athenischen Stücken verdeckt 
sie zum Theil der Nackenschirm des Helms; doch fehlt sicher 
der unten abgebundene Knoten. Abgesehen von diesen klaren 
Übereinstimmungen, die sich auch in dem Gesichtswinkel aus- 
sprechen, bemerkt man bei den korinthischen Typen schon einen 
unleugbaren Fortschritt gegen die ältesten athenischen Tetra- 
drachmen. Hierauf komme ich später zurück. P. Gardners 
Worte ^) über die athenischen Pallasköpfe, die Head zur Bezeich- 
nung des noch rohen Urtypus citirt, passen aber so gut auf 
unsere athenischen, wie auf die korinthischen Gepräge. — Und 
nun sollen erstere fast 100 Jahre vor diesen entstanden sein? 
Seit Solon galt in Attica euböische Währung ^), dieselbe wie in 
Korinth. Im Anschluss an die euböische Handelspolitik') sah 
Solon die Zukunft des attischen Volkes, und diese führte nicht 
nur nach dem Norden des ägäischen Meeres, sondern auch gen 
Westen nach Sicilien, wo Korinth gleichfalls seine bedeutenden 
Beziehungen hatte ^). unter solchen Umständen wenigstens un- 
gefähr gleiche Entwickelungsstadien auch hinsichtlich der äusseren 
Ausstattung der Münze für Athen und Korinth anzunehmen, 
liegt, wie ich meine, nahe genug. Meines Erachtens sind der- 
artige Überlegungen nicht ohne Weiteres bei Seite zu schieben, 
wie es mit Recht betreffs der epigraphischen Bedenken ge- 



1) Tjpes of greek coins p. 84: 'The head of PaUas is important as one of 
the very earliest works of Athenian art. The projection of the nose, and the 
size of the almondshaped eye, pass the custom of even archaic art and belong 
to the yery infancy of local design.^ 

2) YgL znerst Mommsen, Mon. Born. Ed. Blacas J, p. 29 ff.; p. 73 sq. 
und jüngst R. Weil, Arch. Anz. 1894, S. 75. 

3) Vgl. Köhler a. a. 0. S. 151ff. Lehmann, Hermes 1892, S. 553ff. 

4) Vgl. Busolt, Qriech. Gesch. IV, S. 262. 



Die Münztypen von Athen im 6. Jahrhundert v. Chr. 147 

schehen ist^). — Noch eines möchte ich hinzufügen. Wenn 
Head mit Gardner die rohesten Exemplare der attischen Tetra- 
drachmen als Beispiele kindlichster Anfänge athenischer Kunst 
und lokaler Zeichnung anführt, so sind diesen Versuchen leicht 
andere zur Seite zu stellen. Unter den vom arkadischen 
Heräa geschlagenen ältesten Didrachmen giebt es mehrere, 
welche an primitiver Wiedergabe kaum hinter jenen zurück- 
stehen. Man vergleiche Brit. Cat. 'Peloponnesus' pl. XXXIV, 1—3. 
Jene setzt Head unzweifelhaft mit Becht in die Zeit zwischen 
550 und 500 vor Chr. Einen Abstand zwischen ihnen und den 
attischen Urtypen um auch nur 50 Jahre anzunehmen, ist mir 
unmöglich. 

Somit weist alles darauf hin, die Entstehungszeit der atti- 
schen Stempel mit Pallaskopf und Eule erst der zweiten Hälfte 
des 6. Jahrhunderts zuzuschreiben. Wie steht es nun aber mit 
den historischen Daten? Es ist undenkbar anzunehmen, Solon 
habe eine av^tftg ro(Ai(f(Aatog vorgenommen, ein Gesetz gegen 
Falschmünzer gegeben, ohne dass eine speziell attische Münze 
vorhanden war. Daher halte ich die Muthmassung, nur euböi- 
sches Geld könne etwa seit Solon in Attika courant gewesen 
sein '), für a priori abzuweisen. Ebenso feststehend aber ist die 
Thatsache — und es ist Heads Verdienst, dies endlich scharf 
betont zu haben ^) — , dass Hippias keine neuen Typen einge- 
führt hat. Die pseudoaristotelische Notiz (Oecon. H, 5, S. 1347 
Bkk.) sagt so deutlich, wie nur möglich, dass dasselbe, d. h. das 
vorher coursirende, Geld, welches Hippias einforderte, sofort 
wieder ausgegeben wurde*). Heads weitere Kombinationen, 



1) Head, Brit. Cat *Attica', S. XVI u. Nnm. Chron. 1893, p. 253 im 
Gegensatz tu Imhoof-Blnmer a. a. 0. S. 656. 

2) So steUt 68 Droysen a. a. 0., S. 1203 'als Möglichkeit hin. Die 
Ton ihm angestellte Alternative h&lt schon Köhler a. a. 0., 8. 357 Anm. 1 
nicht für zwingend. 

3) Num. Chron. 1893, p. 247 ff. 

4) Die oft citirte Stelle lautet: to <fc po fit^/ta t6 op 'A^yaiotc aSrnfiov 
inoitfCiV to^i ifi UfAtjy ixiltviT» nQos avtoy avaxo/ui(c*K * cwiX^oyrmy <fc ini 



148 ^- ^^° Fritze: 

deren Zweck eine Ehrenrettung des Hippias ist, haben für mich 
nichts Überzeugendes. Er folgert nämlich richtig aus dem Text 
unserer Stelle betrügerische Manipulationen des Tyrannen 
(various financial tricks and frauds), hält sie jedoch ohne zwin- 
gende Gründe für Verleumdung und meint, es seien von ihm 
leichte stilistische Änderungen an der Münze vorgenommen, die 
das Volk nicht bemerkt habe, und das sei der Grund zu jener 
Verleumdung geworden. (Zu vgl. Hist. num. p. 311.) Dies 
letztere scheint mir das Unwahrscheinlichste seiner ganzen Aus- 
führung und ich halte den Zweifel von Howorth^ für durchaus 
gerechtfertigt. 

Wie nun dies Dilemma beseitigen? Will man der Er- 
fahrung folgend, die durch das Studium der Entwickelung der 
Münzplastik zu gewinnen ist, sich einen Münztypus konstruiren, 
der jenem mit Athenakopf und Eule voraufgeht, so kann dieser 
nur auf der Vorderseite eine Eule, auf der Rückseite ein Qua- 
dratum incusum tragen^). Nun ergiebt sich die überraschende 
Thatsache, dass nicht nur unter den 'Wappenmünzen' solche 
Stücke in Silber vorkommen^), sondern auch in Electron*), 
deren U. Köhler a. a. O. S. 359 sechs zählt. Die Gründe, 
welche bisher einer Zutheilung dieser Electronsechstel zu Attica 
widersprachen, das Metall und die Währung, vermag Köhler zu 
entkräften^), ohne freilich selbst zu einer anderen Folgerung zu 
kommen, als: „Die Möglichkeit scheint vorauliegen, dass die ein- 

1) Schon Beul 6 a. a. 0. p. 15 interpretirt die Stelle in derselben 
richtigen Weise. 

2) a. a. 0. p. 241. Seiner Yermuthung betreffs des solonischen Geldes 
kann ich aber ebenso wenig zustimmen, wie seinem Urtheil über die psendo- 
aristotelische Nachricht. 

3) Diesen Gedanken fand ich dann auch bei Beul6 a. a. 0. p. 20 an- 
gedeutet: Äthanes aurait eu la chouette, comme Egine la tortue, comme 
Gorinthe le P6gase. Vgl. auch die flüchtige Angabe bei v. Prokesch-Osten 
a. a. O. S. 13. 

4) Abgeb. auf Tal V No. 1 und Brit Cat. *Centr. Greece' pl. XXTV, IS. 19. 

5) Abgeb. auf Tafel V No. 2, femer Brit. Cat. 'Attica' pl. I, 1. 

Beul^ a. a. 0. p. 64. KaiuXoyos tup a^jf. yofiKT^droDv t^g ffvlXoy^s *AX. Mi' 
XtTonovkov, Tftf. IV, 67. 

6) Goldprägung in früher Zeit ist nämlich für Ägina und Euboa nach 



Die Münztypen von Athen im 6. Jahrhundert y. Chr. 149 

seitig geprägten Electron- und SilbermüDzen in Athen vor 
Hippias geschlagen sind^. Die Provenienz jener sechs Electron- 
stücke stellt sich nun, wie folgt: zwei sind sicher aus Attica, 
zwei so gut wie sicher daher und von zweien ist der Fundort 
unbekannt. Warum man nicht die Silberstücke mit der Eule 
von den * euböischen Wappenmünzen trennen sollte, sehe ich 
keinen Grund. Da man erkannt hat, dass die solonische Reform 
in einem Übergang vom äginetischen zum euböischen Münz- 
system bestand, wäre ein Anschluss des von ihm geschafifenen 
Geldes auch in Stil und Fabrik an die Gepräge Euböas sehr 
natürlich. Die muthmassliche Zutheilung dieser Stücke zu 
Athenae Diades durch Head ^ hat wenig innere Wahrscheinlich- 
keit, und in diesem Gefühl ist er selbst auch schon davon ab- 
gekommen^). Aber auch wenn man die 'Wappenmünzen' mit 
der Eule wegen der Gleichheit ihrer Technik Euböa überweisen 
wollte, so weichen die Electronsechstel mit der Eule in der 
Form des Incusums in eigenthümlicher Weise von dem der 
'Wappenmünzen' ab. Sollte dieser Umstand nicht jedenfalls 
durchschlagend sein, sie von diesem Gesichtspunkte aus keines- 
falls Euböa und eher Athen zuzusprechen? Mir liegt kein 
Grund vor, die Münzen mit Eule und Incusum Athen und zwar 
im Besonderen Selon vorzuenthalten'). Auch Head kommt zu 
einer bestimmteren Auffassung, wenn er von den 'Wappen- 
münzen' mit Eule sagt (Brit. Cat. p. XIII): which by reason of 
their type, the Owl, might be and have been with almost equal 
probability assigned to Athens. Auch die Electronhekten schreibt 
er . vermuthungsweise Athen zu, freilich mit allem Vorbehalt 
eines 'doubtful point'. 



gewiesen (Köhler a. a. 0. S. 360. Head, Eist. n. p. 803, 810, 881 f.), ebenso 
die hier und da in der euböischen Währung zu konstatirende Drittelang. 
Man siebt darin ausgleichende Stücke für die Berfihrung mit ftginet. Gelde. 

1) Hist. num. p. 302. 

2) Brit. Cat. 'Attiea\ p. XUI. 

3) Diesem Ansätze fügt sich ohne Weiteres auch der Stil. Vgl. BeuU 
a. a. 0. p. 29. Für seine Beortheilung bieten die langen athen. Serien mit 
Eule reichliches Material. 



150 H. Ton Fritze: 

Anders denkt E. Babelon, auf dessen Ausführungen in der 
fievue des ^tudes grecques 11 p. 124 ff. ich kurz eingehen muss. 
Seiner Meinung nach hat Athen kein Electron geprägt, und im 
letzten Heft der Revue numismat. p. Iff. möchte er die Aus- 
prägung dieses Metalls nur auf Eleinasien und zwar das Ge- 
biet zwischen Milet und Eyzikos beschränken. In beiden Be- 
hauptungen scheint er mir zu weit zu gehen. Nur die erstere 
bedarf im Rahmen dieser Abhandlung einer Besprechung. Richtig 
betont Babelon (p. 127), dass die attischen Hekten Electron und 
nicht känstlich legirtes Gold darstellen. Er übersieht aber den 
oben erwähnten Nachweis von ü. Koehler, dass auch das euböisch- 
attische System die Drittelung kennt und dieser Umstand jeden- 
falls nicht gegen die Zutheilung der Stücke an Athen spricht. 

Gegen den ersten Hauptgrund für diese Bestimmung der 
Münzen, die Fundthatsachen, macht Babelon geltend, sie bewiesen 
nur, dass dies Geld in Attika coursirte, nicht dass es attisches 
Geld sei, und als Belege führt er die syrakusanischen Pegasos- 
münzen und die euböischen Wappenmünzen an. Sicher kraft- 
volle Stützen seiner Ansicht; aber bei jenen lässt die Überein- 
stimmung des Typus, des Stils, der Technik und Fabrik mit 
korinthischen Münzen nicht den geringsten Zweifel aufkommen, 
bei diesen konnte nachgewiesen werden, dass die Fülle der 
verschiedenen Typen unmöglich Athen zugehören könne. Beide 
Gründe fallen aber bei unseren Electronsechsteln fort. Denn ein- 
mal haben wir in Athen selbst die Eule als Wappenthier, und der 
nächste Gedanke muss doch sein, auch die Sechstel für athenisch 
anzusehen, ein Grund, der für die Zutheilung der 'Wappenmünzen' 
an Athen nicht vorlag. Andererseits muss dann für die Eule 
ein anderes Stadtwappen nachgewiesen werden, wie es Korinth 
für die sicilischen Fegasosmünzen bot. Dieses glaubt Babelon in 
der That gefunden zu haben. Er verwirft freilich das einst von 
Head gewollte Athenae Diades, um dafür eine Hypothese von 
M. T. Jones zu äcfceptiren. Dieser zieht Ilias XIV 290 heran: 



Die Münztypen von Athen im 6. Jahrhundert v. Chr. 151 

Seine Schlussfolgerang ist: x^Ax^g wird mit xvikkvdkq identificirt. 
Im Scholion zu dieser Stelle, sowie in einem Aristophanesscholion 
und bei Suidas wird HVfA^vötg durch yJiav^ interpretirt, folglich 
ist die Eule (x^il»^) das redende Wappen von Chalkis. Dafür 
spreche, dass sich nach Strabo X p. 447 Chalkis als ionische 
Kolonie von Athen her aus der Zeit vor dem troischen Krieg 
bezeichnet. Dies erkläre gleiche Mythen und Münztypen beider 
Städte. Die ganze an sich sehr künstliche Auslegung steht und 
fällt mit der Erklärung des Vogels xt)/iA»vdK ; merkwürdiger Weise 
ist Plinius als Zeuge nicht beachtet, welcher ihn h. n. X 8. 10 
als accipiter nocturnus, Nachthabicht, bestimmt. Dies Zeugniss 
wiegt mir gleich schwer, wenn nicht schwerer als die Scholiasten 
und Suidas und macht so die Zutheilung zu Chalkis unmöglich. 
Aber noch mehr: die von Babelon für Chalkis ebenfalls aner- 
kannten Typen : Adler fliegend, Adler Hasen verschlingend, vier- 
speichiges Rad, wiederholen sich sämmtlich in den späteren 
Perioden mit kleinen Varianten; eine Eule kommt zu keiner 
Zeit vor. Kurz ich sehe in seiner Ausführung kaum eine sicherere 
Behauptung als die, mit welcher Head Athenae Diades einführte 
und selbst wieder aufgab ^). — Aber auch Babelons Bemerkungen 
allgemeinerer Art halten, wie ich glaube, nicht Stich. In der 
Revue numismat. 1895 p. 4 wirft er die Frage auf, ob es denn 
denkbar sei, dass man z. B. Electronmetall aus dem Paktolos 
oder den Minen des Tmolos nach Athen. Kyrene, Korkyra oder 
Tarsus gebracht habe, um es dort auszuprägen in Stücke, die 
sich in den Münzserien dieser Länder nur als sporadische und 
momentane Erscheinungen erwiesen. Wir tragen kein Bedenken, 
die Frage zu bejahen. Schon die Thatsache, dass die hellenischen 
Städte der Westküste Kleinasiens zur Zeit der Erfindung der 
Münze Gentren des griechischen Handels überhaupt waren, bevor 



1) In der Kev. num. 1895 p. 41 verzichtet Babelon auf die Zntheilung 
der Electronsechstel an ChaUds, um sie nach Lebedos zn versetzen, das nach 
190 V. Chr. attische Münztypen annahm. Diese Vermuthong entbehrt jeder 
Stutze, ebenso wie die Datimng der Electronmünze in die erste Hälfte des 
5. Jahrb. v. Chr. 



152 H. Ton Fritze: 

die Seeplätze des Matterlandes ihren grossen Aufschwung nahmen, 
muss die Yermuthung stützen, dass diese bei Schaffung der Mfinze 
Anhalt bei jenen suchten und erst nach Regulirung der gegen* 
seitigen Beziehungen zu fester Gestaltung ihres Münzwesens 
kamen. Darin liegt, wie mir scheint, auch die Erklärung des 
sporadischen Auftretens von Electrongeld im griechischen Mutter- 
lande. Es waren das eben tastende Versuche mit dem an der 
jenseitigen Küste dominirenden Metall. Für Athen insbesondere 
ist die Verbindung Solons und der Alkmäoniden mit Lydien 
bezeugt, was auch Babelon nicht übersieht. Wenn er nun 
weiter (p. 3) meint, die meisten Länder hätten vorzugsweise in 
den Metallen gemünzt, welche ihnen das Land selbst bot, so ist 
das gewiss richtig. Es braucht aber keineswegs von Anfang an 
der Fall gewesen zu sein. Ein Analogon dürfte in dem um- 
stand zu sehen sein, dass athenische Künstler sich in frühester 
Zeit des Marmors von Faros und Naxos bedienten und erst 
dann darauf kamen, nach attischen Steinbrüchen für ihre Zwecke 
zu suchen. — Aber noch weiter. Her. I 50 nennt unter den 
Geschenken des Eroisos an das delphische Heiligthuin ^fAmUvd^ta 
Xsvxov xQ^<fov. Dass wir es mit Electron zu thun haben, bemerkt 
richtig Stein in seiner Herodotausgabe. Die Stelle liefert also 
den Beweis, dass man Electron in Barrenform exportirte, und 
das ungefähr in dem Zeitalter, um welches es sich hier handelt 
Eine Ausprägung des so importirten Metalls im griechischen 
Mutterlande ist also von dieser Seite nicht zu beanstanden. 
Was nun das attische Laurium betrifft, so komme ich gleich 
darauf zurück, und wir werden sehen, dass die darüber vor- 
handenen Nachrichten unsere Gedankenreihe vervollständigen. 
Also kann ich nur meine Behauptung festhalten, dass die Electron- 
sechstel mit der Eule athenisch sind. Denn daraus, dass die Eule 
hier links, auf den Tetradrachmen rechts gewandt ist, wird kaum 
ein Grund gegen meine Annahme herzuleiten sein. Zahlreiche 
Beispiele könnten für ein solches Yorkommniss angeführt werden. 
Wenn et endlich sagt, der Stil der Electroneulen habe nichts 
gemein mit denen auf den sicheren Silbermünzen von Athen, so 



Die Münztypen von Athen im 6. Jahrhundert v. Chr. ] 53 

ist das bis zu einem gewissen Grade richtig. Aber es ist zu 
bedenken, dass erstens die Eule etwas anders gestellt ist, dann 
aber auch das Münzfeld soviel kleiner ist, als das der attischen 
Tetradrachmen, und endlich eben eine zeitliche Differenz zwischen 
beiden Geprägen liegt, welche eine Änderung des Typus voll- 
kommen erklären kann. Was die Electroneulen selbst angeht, 
so dflrfte ihre Zutheilung an Selon dem Stil nach durchaus 
passen; Vergleichungspunkte bieten die kleinasiatischen Electron- 
stflcke griechischer Städte aus derselben Periode. 

Noch aber bleibt die Frage offen, wer hat nun der Pallas 
Haupt auf die Münze und zwar auf die Vorderseite gesetzt, dem 
die Eule auf der Rückseite entspricht? Sieht man sich in der 
älteren griechischen Geschichte um, so geht aus den spärlichen 
auf Münzwesen bezüglichen Überlieferungen hervor, dass ein 
Tyrann sich um dasselbe verdient gemacht hat, Pheidon von 
Argos'). Dies vermuthlich und die Erwägung, dass der Beginn 
der Münzprägung im hellenischen Mutterlande in die Epoche 
fällt, welche unter dem Zeichen der Tyrannis steht, hat Head 
veranlasst, den Typenwecbsel bei den korinthischen Serien mit 
den Kypseliden in Verbindung zu bringen^), und das, wie ich 
glaube, nicht ohne grosse Wahrscheinlichkeit, da jene Seihen 
zeitlich kaum anders anzuordnen sind. Sollte nun der Gedanke, 
die zweiseitige Prägung in Athen und damit die Einführung des 
Athenakopfes dem Peisistratos zuzuschreiben, nicht manches für 
sich haben? Eine Stütze dieser Auffassung scheint mir allein 
schon die Überlegung, dass der Tyrann selbst mit der Stadt- 
göttin persönlich aufs engste verknüpft ist. Für den Erneuerer 
der panathenäischen Spiele, der an Athenas Seite auf der Akro- 
polis nach der Vertreibung seinen Einzug hielt und ihr auf der 
Burg einen prächtigen Tempel errichtete, dürfte es wohl passen, 
dass er das Bild seiner und der Stadt Patronin nun an Stelle 
ihres Symbols die Hauptseite der Münze schmücken Hess. Eine 



1 ) Die oben besprochene Nachricht über Uippias zeigt ebenfalls, dass die 
Tyrannis sich mit Münzfragen abgab; hier freilich nicht in rühmlicher Weise. 

2) Vgl. Brit. Cat. p. XVniff. 



154 H- ^^^ Fritze: 

wichtige indirekte Bestätigung gewinnen ^Yir aus einer Notiz 
des Herodot (I, 64): JIs^^ofAivtav di xäv ^A^tivaionv ovtta d^ 
JlfKJiifiQatog %o tqitov <sx^v Idd^i^vag iQQil^c/Kfe t^v tvqavvida inir 

XOVQOKfl TS 7loXloT(fk^ Xoi XQVf*^'^^^ CVVodotCi^ %ÜV fA€V aVtO'd'SVy 

%mv ds ano 2tQVfiovog n<na[iov Gvvi>6v%mv. Richtig erkennt Busolt 
(Gr. Gesch. I*, S. 556 f.), dass es sich hier um die Verwertung 
der Bergwerke des attischen Laurion und des silberreichen, von 
Peisistratos neu erworbenen, Strymonlandes handelt (zu vergl. 
Her. V, 23). Die durch den Tyrannen veranlasste gesteigerte 
Silbergewinnung macht einen Einfluss seinerseits auf die Landes- 
münze in hohem Grade wahrscheinlich, besonders wenn man die 
langen Reihen der attischen Tetradrachmen ins Auge fasst, die 
von nun an für Athen typisch bleiben. Hierzu kommt weiter 
eine interessante Stelle der Politie des Aristoteles (A^^valmv 
nohtsia ed. Blass S. 33, Z. 13, Kap. XXII, ed. Kenyon' S. 90). 
Sie lautet: htk 3i tgitat fieta taikcc N$xo(Aijdovg ä^x^vrog, wg 
i(pdvfj tä ikhaXXa tu iv MaQWVslq^ xal neq^eyivBto t^ noXsi td" 
Xavxa ixavov ix twv s^mv etc. Dass wir es mit einem attischen 
Maroneia zu thun haben, zeigt Demosth. or. 37, 4 und argum. ; 
vgl. Harp. u. Suid. Wir erfahren, dass dieses attische Bergwerk 
erst zur Zeit des Themistokles entdeckt wurde {iipdvni nur im 
Sinne von evqi&fi möglich; vgl. Eenyon a. a. 0.), ein Beweis, wie 
die Verwerthung der eigenen Landesprodukte erst verhältnissmässig 
spät begann. Sehr ansprechend ist die mir von E. Curtius ge- 
äusserte Annahme, dass das attische Maroneia seinen Namen von 
dem thrakischen Orte gleichen Namens erhielt. Das Bindeglied 
giebt hierfür die schon erwähnte Erwerbung des Strymonlandes 
durch Peisistratos. Ähnliche Namensübertragungen sind bei 
Koloniegründungen überaus häufig und auch sonst nachweisbar. 
Der Rühm , die zweiseitige Prägung als eine der ersten 
Städte angewandt zu haben, bliebe auch bei dieser Datirung 
Athen erhalten. Aber auch alles andere fügt sich so unge- 
zwungen zu einander. Wie wir sahen, fällt die Einfuhrung 
menschlicher Typen in diese Epoche. Der stilistische Fort- 
schritt, den man bei den ersten Köpfen der korinthischen 



Die Münztypen von Athen im 6. Jahrhundert v. Chr. ] 55 

Göttinnen im Yerhältniss zu den ältesten athenischen Pallas- 
typen konstatiren kann, erklärt sich jetzt durchaus natürlich, 
da jene etwa um die Wende des Jahrhunderts aufkommen, die 
Zwischenzeit also für diese Periode der Eunstfibung nicht zu 
gross ist, um das Festhalten der alterthümlich- charakteristischen 
Bildung der Gesichtstheile zu erklären, aber gerade gross genug 
zur Entwickelung der sich bereits in den korinthischen Typen 
dokumentirenden Fähigkeit, verschwimmende Formen mit un- 
sicherer Linienführung zu einer selbstbewussten und festen Ge- 
staltung des Antlitzes auszubilden. Denselben Fortschritt können 
wir an den attischen Münzen selbst wahrnehmen, deren jüngste 
Exemplare der ersten Periode sich ebenfalls zu geübterer Dai*- 
stellung aufgeschwungen haben. Vgl. Taf. V. 15. 16. Aber auch ein 
von Head (Num. Chr. 1893, p. 249) geäusserter Einwand fallt nun 
fort. Er sagt, die kugelförmigen athenischen Münzen könne man 
nicht bis zu Hippias hinabrücken, weil die grosse Zahl verschiedener 
Stempel einer längeren Periode angehören müsse und dieselben 
nicht bis ca. 477 v. Chr. geschlagen sein können, da um diese Zeit 
bereits die Serien mit den Ölblättern auf dem Helm der Pallas be- 
ginnen. Hat nun aber schon um die Mitte des 6. Jahrhunderts 
unter Peisistratos die Ausgabe dieser Tetradrachmen begonnen, 
so fügen sie sich in einen hinreichend grossen Zeitraum ein. 
Den oben genannten Didrachmen von Heräa, deren älteste, wie 
schon bemerkt, bald nach der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. 
anzusetzen sind, würden die frühesten athenischen Tetradrachmen 
nun nicht nur stilistisch hinsichtlich der primitiv kindlichen 
Ausführung, sondern auch zeitlich nahe stehen. Stellen wir 
so den Peisistratos als den Begründer der doppelseitig geprägten 
athenischen Münze hin, so fällt endlich auch auf das betrügeri- 
sche Unternehmen des Hippias ein neues Licht. Sein Vater 
hatte die Stempel geändert ; um so eher konnte der Sohn, ohne 
Misstrauen zu erwecken, eine ähnliche Massnahme zu treffen 
vorgeben, um daraus seinen Vortheil zu ziehen. — 

Berlin. H. von Fritze. 



Ein Beitrag znr Erage des Münzreolits dentsolier Könige 

in Städten mit antonomer Münze. 



Im achten Bande seiner Münzstndien hat der jungst ver- 
storbene Altmeister der deutschen Numismatik, Hermann Grote, 
einen Aufsatz über „Das Munzrecht der deutschen Könige und 
die Autorität des Sachsenspiegels^^) veröffentlicht, in welchem er 
diese Autorität als eine möglichst geringe, ja sogar als gar nicht 
vorhanden darzustellen sucht und die Möglichkeit einer könig- 
lichen Ausprägung in Städten mit autonomer Münze bestreitet. 
Dannenberg, der bereits in der Einleitung zum ersten Bande seiner 
^Deutschen Münzen'' einer früher von Grote aufgestellten Ansicht 
über das Münzrecht der deutschen Könige') entgegengetreten, 
führt in der Einleitung zu dem neu erschienenen zweiten Bande 
den Inhalt des oben erwähnten Aufsatzes an und erklärt ihn 
für „lehrreich, wenn auch kaum überzeugend ''. Er tritt daf&r 
ein, alle in bischöflichen Städten geschlagenen Münzen, welche 
den Namen oder das Bild des Königs ohne dasjenige des Bischofs 
zeigen, auch nach der Verleihung des Münzprivilegs für könig- 
liche Gepräge zu erklären. Das* ist vom Standpunkt des prak- 
tischen Numismatikers gewiss das richtige, kann aber wissen- 
schaftlich gerechtfertigt erst dann erscheinen, wenn in den 
rechtlichen und Verfassungszuständen der Zeit die historische 
Grundlage dafür gefunden ist und sichere Beispiele bezeugt sind. 
Diese Frage ist nun schon vielfach erörtert, aber noch nicht 
zur Entscheidung gebracht worden, und vor allem haben die 



1) Münzstudien Bd. VIII p. 313 if. 

2) Münzstndien Bd. YIII p. 38 £f. 



Dr. J. Cahn: Ein Beitrag z. Frage d. Münzrechts deutscher Könige 157 

Ausfahrungen jenes Grote'schen Aufsatzes, soviel ich weiss, eine 
Widerlegung bis jetzt nicht gefunden. Übersehen wir daher zu- 
nächst die hierüber bestehende Litteratur und suchen dann auf 
Grund der Quellen und Münzen selbst zu erfahren, wie es sich 
damit, besonders in der Entstehungszeit des Sachsenspiegels, ver- 
halten habe. 

Waitz kommt in seiner systematischen Behandlung der 
deutschen Yerfassungsgeschichte auch auf unsere Frage zu 
sprechen ^), doch lässt er sie offen. Eines nur steht ihm als er- 
wiesen fest, dass die deutschen Könige niemals aufgehört haben 
zu münzen. Eheberg nimmt das Recht deutscher Könige, in 
aUen Städten des Reiches bei ihrer Anwesenheit zu münzen als 
Thatsache hin^). Ferner spricht er von einer konkurrierenden 
königlichen und bischöflichen Münzprägung, die lange Zeit in 
Strassburg bestanden haben soll. Jedoch nach dem Wortlaut 
der Urkunde Ottos II. vom 10. April 974, durch welche der 
Bischof von Strassburg das unbeschränkte Münzrecht erhielt'), 
kann von der Existenz einer solchen nicht die Rede sein. Auch 
sind wir nicht berechtigt, wie es Eheberg thut, die Usurpation 
des Münzrechts seitens der weltlichen Grossen ohne weiteres an- 
zunehmen, da etwaige Verleihungsurkunden bei dem gänzlichen 
Mangel weltlicher Archive aus dem früheren Mittelalter uns nicht 
rhalten sein können. 

Dannenberg, der, wie oben erwähnt, der Zuteilung von 
Münzen an die Könige recht günstig gestimmt ist, stellt schliess- 
lich zwei Fragen als zweifelhaft hin: 1. Wofür hat man die 
Münzen anzusehen, welche weder des Kaisers noch des Bischofs 
(oder Abtes) Bild oder Namen, sondern meistens die eines 
Heiligen tragen? 2. Hat man auch die ihrem Gepräge nach 
als kaiserlich auftretenden Münzen, welche zwar vor dem Er- 
scheinen sicherer Bischofsmünzen, aber nach der Erteilung des 



1) Verf.-Ge8ch. Bd. VIII p. 326. 

2) Eheberg: Das ältere deutsche Münzwesen und die Hausgenossen- 
schaft. In Schmollers staatswissenschaftlichen Forschungen Bd. II. 

3) M. G. D. 0. II. 72. 



158 Dr. J. CahD*. 

Münzrecbts in bischöflichen Städten geprägt sind, als kaiserliche 
oder nicht vielmehr als bischöfliche anzusehen? 

In der Besprechung des Dannenbergischen Buches^ ) weist Prof. 
Bresslau darauf hin, dass man bei Münzen, welche nicht den Namen 
des Bischofs tragen, auch an eine Prägung der betreffenden Dom- 
kapitel denken könne; man wird indes hierin vorsichtig sein 
müssen, denn eine Ausübung des Munzrechts seitens der Kapitel 
lässt sich erst für das XIV. Jahrhundert nachweisen. 

Wenn ich nun näher auf den Grote'schen Aufsatz über das 
Münzrecht der deutschen Könige und die Autorität des Sachsen- 
spiegels eingehe, so muss ich eine Entschuldigung voraus- 
schicken, dass ich es wage, den Ausführungen eines Forschers 
entgegen zu treten, der so ausserordentliches für die Münzkunde 
geleistet hat. Hier sein Lob zu singen, wäre vermessen ; dagegen 
mag man wohl bedauern, dass er sich mit dieser Arbeit auf 
ein Gebiet begab, auf welchem er sich mehr als moderner Jurist, 
denn als Historiker zurecht zu finden bestrebt war. 

Von vornherein überzeugt, der Verfasser des Sachsenspiegels 
müsse das, was er über das Münzrecht der deutschen Könige 
seiner Zeit gesagt, erfunden haben, sucht er nach Gründen, 
welche diese Erfindung wahrscheinlich machen könnten. Hierzu 
zieht er die Privilegien heran, welche Philipp August im Jahre 
1211 den französischen Münzerkorporationen verlieh, angeblich 
auf Grund von Ansprüchen, welche dieselben aus dem edictum 
Pistense hergeleitet hätten. Diese Privilegien nun habe Eike 
von Repgow gekannt und aus ihnen geschlossen, vcreil zur Karo- 
lingerzeit die Könige „in palatio^' münzten, müsse nun auch der 
deutsche König am Orte seines Aufenthalts das Münzrecht aus- 
üben dürfen. Noch mehr wird aber dem Leser zugemutet durch 
den Versuch, die Urkunde Ottos IV. für den Erzbischof Albert 
von Magdeburg von 1209, durch welche dies Recht ausdrücklich 
bezeugt wird, als unwesentlich zu eliminieren. Erzbischof Albert 
soll nämlich die Behauptungen des Sachsenspiegels gekannt und 



1) HiBt. Zeitschr. Nene Folge Bd. IX. 



Ein Beitrag zar Frage des Mnnzrechts deutscher Könige. 159 

gefürchtet haben, der König könne einmal von dem ihm darin 
zugesprochenen, in Wirklichkeit aber gar nicht existierenden, 
Rechte Gebrauch machen wollen ; deshalb habe er sich im Jahre 
1209 von diesem „das Versprechen geben lassen, dass er die 
neue Münzrecht-Ausübungs-Theorie gegen ihn selbst wenigstens 
niemals in Vollzug setzen wolle^!^. Da müsste doch zunächst 
der Sachsenspiegel damals bereits existiert haben. Grote be- 
hauptet zwar (p. 327), es zweifle jetzt niemand mehr daran, 
dass derselbe um 1180 entstanden sei, jedoch grade die be- 
deutendsten Forscher auf diesem Gebiete, wie Schröder, sind 
anderer Ansicht. Vielmehr f&llt die Abfassungszeit zwischen 
1215 und 1235. 1215 war Eike von Repgow, der überhaupt 
nur zwischen 1209 und 1240 urkundlich erwähnt wird, noch 
freier Herr und befand sich erst 1218 im Stand der Ministerialen 
(seiner s. g. schöffenbar freien), denen er in seinem Werk be- 
sondere Beachtung schenkt. Sowohl die treuga regis Heinrici 
von 1224, als auch den von Friedrich II. 1225 errichteten Frieden 
der Kreuzfahrer hat er gekannt (Sachsensp. n, 66; I, 28 und 
II, 7) '). Es ist also zum mindesten sehr gewagt, bei einer Ur- 
kunde vom Jahre 1209 bereits Einfluss des Sachsenspiegels an- 
zunehmen. Indes muss jeder Historiker folgende Argumentation 
Grotes von sich weisen: „Weil der Erzbischof von Magdeburg 
bereits 1209 etwas wusste, was er aus gar keiner anderen Quelle 
als aus dem Sachsenspiegel erfahren haben konnte, so muss der 
letztere schon vor 1209 vorhanden gewesen sein').^^ 

Dürfen wir aber überhaupt dem Sachsenspiegier so sehr alle 
Kenntnis der Verfassung seiner Zeit absprechen, dass wir, wie 
Grote sagt, aus seinem Werke gar nichts vom Staatsrecht des 
Mittelalters lernen können ? — Grote selbst warnt einmal davor, 
unsere . modernen Anschauungen und Begriffe auf Zustände ver- 
gangener Zeiten zu übertragen. Dann sollte man aber auch 
nicht für den Anfang des XIIL Jhs. von einer „berühmten Ju- 

1) ft. ft. 0. p. 821. 

2) Vgl. Sehröder: Deutsche Rechtsgeschichte» 2. Aufl. p. 622 ff. 

3) a. a. 0. p. 327. 



160 Dr. J. Gähn: 

ristenfakaltät zu Magdeburg'^ reden, an welcher der „gelehrte 
Schöffenstuhlassessor'^, der „Professor Eike von Bepgow seinen 
esprit des loix, seinen contract social schrieb^^'). Der Einfall, 
Eiken mit Montesquieu und Rousseau zu vergleichen, mag wohl 
„witzig und scharfsinnig" sein, wie sein Urheber selbst sagt^), 
wir dürfen aber dem zu liebe nicht unsere Hauptquelle des 
mittelalterlichen Staatsrechts ganz opfern; auf so reale Dinge, 
wie das Münzrecht wird sich die bildende Phantasie des Autors 
wohl kaum erstreckt haben. 

Sehen wir uns viehnehr die Quellenstellen, deren Text bei 
Grote vermisst wird, vorurtheilslos an. Im Sachsenspiegel heisst 
es Buch ni, Art. 60, § 3*): „In swilche stat der kung kümt binnen 
deme rtche, dir ist ime ledic munzce unde zoL" Und im 
Schwabenspiegel findet diese Stelle noch erweitert ihre Be- 
stätigung in den Worten: „En swele stat der kiunig kumet, diu 
in dem riebe lit, daz ist diu wile unde er da inne lit, diu munzze 
unde der zol unde das gerihte ist sin*)". 

Diese Worte klingen durchaus nicht, als ob sie das Resultat 
phantastischer Kombinationen wären. Welchen Zusammenhang 
sie gar mit karolingischen Kapitularen haben sollen, die doch 
für ganz andere Verfassungszustände bestimmt waren, ist nicht 
recht verständlich. Sie decken sich vielmehr ausgezeichnet mit 
dem im Mittelalter allgemein gültigen Bechtsgrundsatz : In 
Gegenwart des Königs ruhen alle verliehenen Regalien. Die 
Münze aber wird wie Zoll und Gericht stets mit unter den Re- 
galien aufgezählt, ausserdem wird diese ihre Eigenschaft durch 
sehr viele Urkunden und Gesetzesstellen erwiesen. Nun sagt 
Grote, es müsse sich, wenn wirklich ein solches Becht der 
deutschen Könige bestanden habe, eine Andeutung davon in den 
vielen erhaltenen Münzverleihungsurkunden vorfinden in Form 
eines Vorbehaltes, einer Verklausulierung; die Thatsache, dass 



1) a. a. 0. p. 320. 

2) a. a. 0. p. 329. 

3) Ausg. WeiakeHildebrand p. 115. 

4) Schwabenspiegel, Landrecht § 133. 



Ein Beitrag zur Frage des If&nzrechts deutscher Könige. Ifil 

dem nicht so sei, beweise die Nichtexistenz dieses Rechtes. 
Aber auch in den zahlreichen Immanitäts -Verleihungen vom 
9. Jahrhundert an, durch welche geistliche Herren und Stifter 
eine autonome Gerichtsbarkeit erhielten, findet sich nicht die 
Spur eines solchen Vorbehaltes königlicher Rechte, und haben 
nicht dennoch die Könige überall wohin sie kamen, auch in 
bischöflieben Städten, Gericht gehalten? Erwähnt konnte ein 
solches reservatum nur werden, wenn einmal ein König aus- 
nahmsweise ausdrücklich darauf verzichtete. Dies geschah im 
Jahre 1209 seitens Ottos lY. gegenüber dem Erzbischof Albert 
von Magdeburg. Die Stelle in der bekannten Urkunde vom 
19. Mai dieses Jahres lautet wörtlich 0: „Porro cum Romani 
imperatores et reges antecessores nostri in omnibus civitatibus 
et oppidis ecclesiarum imperii durantibus curiis imperialibus in 
iUis accipere consueverint theloneum et monetam et in suos usus 
convertere, nos propter sinceram dilectionem, quam ad memo- 
ratum gerimus archiepiscopum, eandem consuetudinem eiusque 
debitum prorsus abolere decrevimus et tam Magdeburgensi civi- 
tati quam universis oppidis ad ipsam ecclesiam pertinentibus 
illius onus obsequii liberaliter in perpetuum relaxamus. In 
terris quoque ubi ex antiquo Magdeburgensis numismatis per- 
cussio currere consuevit, statuimus nee theloneum nee monetam 
ant per nos aut unquam per alium aliquem nisi de voluntate 
et consensu ipsius archiepiscopi et successorum suorum ponendum.'^ 
Deutlicher kann nicht ausgedrückt werden, was einem König 
bezüglich des Mflnzrechts noch zustand. Zog er in eine Stadt 
mit autonomer Münze ein, um dorten feierlich Hof zu halten, 
(denn curia imperialis heisst keineswegs nur Reichstag, vgl. Du 
Gange), so fielen ihm für diese Zeit Zoll und Münze zu. Es ist 
geradezu undenkbar, dass der Erzbischof hier den König auf 
ein Recht verzichten liess, das in Wirklichkeit nie existierte, 
denn dann würde sich letzterer nicht besonders darauf berufen 
haben , dass seine Vorfahren auf dem Thron es besessen. Auch 



1) Origines Gnelficae UI, 639. 

ZeitMlirift ftu Namumfttik. XX. 2| 



162 Dr. J.Cahn: 

war die Regierangszeit Ottos IV. gewiss nicht dazu angethan, 
neue königliche Rechte zu erfinden. 

Gerade aus der Entstehungszeit des Sachsenspiegels, der 
ersten Hälfte der Regierungszeit Friedrichs IL, finden wir noch 
weitere Belege für die Existenz dieses Rechtes. &rote selbst 
druckt eine Stelle aus der Vertragsurkunde Friedrichs mit den 
geistlichen Fürsten von 1220 ab, laut welcher sich der König, 
obwohl er damals vieles preisgab, sogar ausdrücklich dies Recht 
vorbehielt: Inhibemus ne quis officialium nostrorum in civitatibus 
eorundem principum jurisdictionem aliquam sive in theloneis, 
sive in monetis seu in aliis officiis quibuscunque sibi vindicet, 
nisi per octo dies ante curiam nostram ibidem publice 
indictam et per octo dies post eam finitam. Zwar sagt 
Grote, es handele sich hier nur um eine Gerichtsbarkeit, aber 
es geht doch aus vielen Analogieen hervor (z. B. dem Strassburger 
Stadtrecht), dass der Inhaber des Berichtes der Münze auch 
deren Einkünfte einzog. Hier ist zum ersten mal davon die 
Rede, dass sich dies Recht des Königs auf die Zeit vom achten 
Tag vor seiner Ankunft bis acht Tage nach seinem Abzug erstrecke. 

Über die thatsächliche Ausübung dieses Rechtes auch 
noch im XIY. Jh. geben uns mehrere Stellen verschiedener 
Metzer Chroniken zu den Jahren 1353 und 1385 Zeugnis, welche 
F. de Saulcy in seinen Recherches sur les monnaies de la cit6 
de Metz abgedruckt hat^). So sagen die Aufzeichnungen von 
Philippe de VigneuUes zu 1354: „Durant que Tempereur Charles 
fut ä Mets Fan precedent 1353, il fit faire monnoye d'or et 
d'argent; c'est assavoir florins d'or en guise de petits florins, oü 
il y avoit d'une part un empereur et d'autre un aygle, et ceux 
d'argent estoient k la faQon d'un gros tournois, oü il y avoit 
d'une part la moiti^ d'un empereur arm^ tenant son glaive en 
sa main et de l'autre un aygle, et son nom estoit en escrit 
autour, et valoit ledit gros d'argent douze deniers et le florin 
9 gros 6 deniers monnoye de Metz et fit laditte monnoye hucher ^) 

1) Metz 1856, p. 23 und 24. 

2) publier. 



Ein Beitrag zur Frage des Ifünzrechts deutscher Könige. Ig3 

devant le palaix par un sien Chevalier; et en jeta ledit Chevalier 
en voye, apris ledit huchement fait, une grande poign^e d'icelui 
argentO". 

Diese ganz bestimmten Angaben können doch nicht aus der 
Luft gegriffen sein. Ferner erwähnen diesen Vorgang noch 
zwei andere Metzer Quellen, die Chronik der dortigen Gölestiner 
und das 1385 geschriebene Lehenregister des Bistums. Erstere 
sagt von dem königlichen Rechte: ^Quand il lui (dem König) 
plait d'y venir, il fait faire teile monnoye comme il veut et en 
teile fleur comme il veut. Cette monnoye doit courre huit jours 
devant sa venue et tant comme il est dans la ville et huit jours 
apr^s son all^e, et cette monnoye doit on passer k teile vaillance 
qu41 le veuf Dass das lediglich Übersetzungen aus dem 
Sachsenspiegel seien, wie Grote a. a. 0. p. 329 behauptet, dürfte 
sich wohl schwerlich aufrecht erhalten lassen. 

Kann an der Existenz des Rechtes gar nicht länger ge- 
zweifelt werden, so fragt es sich nun, wie wir uns seine Aus- 
übung bis ins XIII. Jahrhundert zu denken haben. Es ist klar, 
dass es sich lediglich darum handelte, dem König für die Dauer 
der Hoftage die Einkünfte aus Münze und Zoll zufliessen zu 
lassen. Das würde auf den ersten Blick gegen eine eigentlich 
königliche Ausprägung bei solchen Gelegenheiten sprechen, und 
Dannenberg nimmt das auch an^). Aber gerade der genannte 
Zweck nötigt uns, für jeden Fall eine eigene Neuprägung 
seitens des Königs anzunehmen; denn Einkünfte aus dem Münz- 
regal konnten damals nur in Form von Einziehung der laufenden 
Münze und Ausgabe einer neuen, durch den damit verbundenen 



1) Dass man derartige Münzen, so viel mir bekannt, bis jetzt nicht 
anigefanden, kann bei der jedenfaUs geringen Zahl, in der sie geprägt wurden, 
nichts gegen diese Stelle beweisen. Für das Gepräge der Gulden ist wenigstens 
ein Analogon in den Gulden Karls lY. mit dem König von vorn und dem 
Löwen vorhanden. (P. Joseph, der Bretzenheimer Fund, 22. Abb. 14.) Es 
scheint mir daher kein Zwang zu bestehen, die letzteren, obwohl sie nur den 
Königstitel tragen, wegen des von den Florentinern abweichenden Gepräges, 
wie Joseph will, nach 1355 zu setzen. 

2) Bd. IT, p. 512. 

11* 



164 ^^' ^' Cahn: 

Wechsel und Schlagschatz bezogen werden. Einen anderen 
Weg, sein Recht nutzbar zu machen, hatte der König nicht. 
Es ist allerdings damit noch nicht gesagt, dass diese neuen 
Münzen deshalb auch immer durch ihr Gepräge als königliche 
bezeichnet sein mussten, dürfte aber für die Mehrzahl der Fälle 
das Wahrscheinliche sein. Denn durch die neueren Forschungen 
Menadiers über diese Fragen ist dargethan worden, dass es den 
Fürsten im Mittelalter doch nicht so ganz gleichgültig war, wie 
die Stempel ihrer Münzen aussahen; jedenfalls geht Grote zu 
weit, wenn er die Wahl derselben als ganz zufällig und von den 
Arbeitern abhängend darstellt*). Auch mag das Zusammen- 
strömen einer so grossen Menschenmenge zum Hoflager des 
Königs, zumal wenn er einen Reichstag berief oder zu einer 
Heerfahrt rüstete, eine intensivere Ausprägung nötig gemacht 
haben^ wie Beyschlag bemerkt. Daher darf es nicht verwundem, 
wenn wir von einzelnen Städten mehr königliche als bischöfliche 
Denare haben; denn nach der oft sehr geringen Zahl der von 
manchen Städten erhaltenen Stücke müssen wir annehmen, dass 
in gewöhnlichen Zeiten die Ausmünzüng bis ins XIII. Jahrhundert 
hinein eine recht wenig bedeutende gewesen ist. 

Wir dürfen uns indes keineswegs vorstellen, dass die Könige 
auf ihren Zügen Münzer mit sich gefuhrt hätten. Das verboten 
schon die Währungsverhältnisse des damaligen Deutschland, 
in welchem das Münzwesen ganz territorial geworden war. 
Herrschten doch im XIII. Jahrhundert allein auf der Rheinlinie, 
z. B. in Köln, Strassburg und Basel ganz verschiedene Münz- 
systeme, denen sich die königlichen Beamten immer erst hätten 
anpassen müssen. Das war auch schon unmöglich durch die 
Art und Weise, wie in den meisten Städten das Münzregal aus- 
geübt wurde, denn man konnte doch die Korporationen der 
Hausgenossen nicht aus ihren Rechten vertreiben. Vielmehr 
musste der König, wenn er von seinem Rechte Gebrauch machen 
wollte, sich jedesmal der an Ort und Stelle bestehenden Münz- 
einrichtungen bedienen. 

1) a. a. 0, p. 329, 



Ein Beitrag zur Frage des Münzrechts deutscher Könige. 165 

Es ist vielleicht von Interesse, gerade aus der Zeit als der 
Sachsenspiegel eben entstanden war, einen besonderen Fall der 
Ausübung des königlichen Münzrechts in einer Stadt mit 
autonomer Münze nachzuweisen. 

In den Wirren, welche der Thronbesteigung Friedrichs IL 
vorausgegangen, während des Bürgerkrieges, den der Thron- 
streit Ottos IV. und Philipps von Schwaben hervorgerufen, waren 
die königlichen Rechte, wie in vielen anderen Dingen so auch im 
Münzwesen teilweise in Vergessenheit geraten , kleinere Dynasten, 
wie z. B. die Grafen von Tübingen und Württemberg, hatten 
sich das Recht einer eigenen Münzprägung angemasst'), und 
die Unordnung, welche schon ohnedem im Geldwesen Deutsch- 
lands bestand, war noch vermehrt worden. Auf den grossen 
Tagen, welche dann Friedrich II. berief, um die Verhältnisse 
des Reichs wieder zu ordnen, Hess er sich auch angelegen sein, 
den hier eingerissenen Missbräuchen zu steuern und die könig- 
lichen Rechte zu wahren. Bereits auf dem Tage zu Frankfurt 
1234 war der Kaiser gegen die zu Unrecht bestehenden Münzen 
eingeschritten'), und auf der feierlichen Reichsversammlung zu 
Mainz 1285 fasste er dann endgültig folgenden Beschluss^): 
„Statuimus firmiter omnes monetas post mortem divae memoriae 
Heinrici imperatoris patris nostri omnino cessare, ubicunque et a 
quocunque fuerint institutae, nisi qui tenet eos prout justum est, 
coram nobis ostendebat se ab imperio de jure habere. Quicunque 
vero monetas injuste tenebit tanquam falsarius puniatur.^ 

Es ist von vornherein wahrscheinlich, dass derselbe Kaiser, 
der so energisch die Rechte des Reiches wahrte, auch von dem, 
was ihm noch am Münzrecht in Städten mit autonomer Münze 
übrig geblieben war, Gebrauch gemacht habe. Dass er es gerade 
damals gethan hat, glaube ich an einigen elsässischen Denaren 
erweisen zu können. 

Nach jenem Reichstag zog Kaiser Friedrich im Dezember 



1) Beysohlag: Yersach einer Münigeschiohte Angsborgs. p. 155. 

2) H. G. L. L. n, p. 201. 
S) H. G. L. L. n, p. 315. 



166 



Dr. J. Cahn: 



1235 von Augsburg nach seiner Pfalz Hagenau im Elsass, 
um dorten den Winter zu verbringen^). Wir finden ihn daselbst 
ohne Unterbrechung bis in den März des folgenden Jahres an- 
wesend. Mit Strassburg und dessen Bischof Berthold stand er 
während dieser Zeit in regstem Verkehr. Es bestand damals 
eine kleine Differenz zwischen Kaiser und Bischof wegen eines 
Lehens, welches ersterer von seinen Vorfahren her im Bistum 
besass. Anfang Februar kamen sie zusammen, um sich wegen 
dieser Sache gütlich zu besprechen. Dann zog der Kaiser 
Anfang März nach Strassburg hinüber, um dort in Gegenwart 
des Erzbischofs von Mainz, des Abtes von St. Gallen und vieler 
anderer einen feierlichen Vergleich zu Stande zu bringen.') Er 
hielt sich den grössten Teil des Monats März in Strassburg 
auf und nahm, laut Vertragsurkunde, die Güter, auf welche er 
Anspruch hatte, vom Bischof zu Lehen ; gleichzeitig unterdrückte 
er die in Schlettstadt zu Unrecht bestehende Münze. 

Mit diesen Vorgängen bringe ich folgende drei Denare in Ver- 
bindung, welche, für ihre Zeit durch besondere Schönheit des 
Stempelschnittes ausgezeichnet, unverkennbar Arbeiten derselben 
Werkstatt sind, ja sogar alle drei von derselben Hand verfertigt 
zu sein scheinen. 






1) KBPeRKTOR. Gekröntes Brustbild von vorn mit Scepter 
und Reichsapfel. Rf. HKGGNOWe. Dreitürmiges Ge- 



1) Inde Imperator se contulit ad oppidum Hagenowe in quo hiemavit. 
Ann. Col. 

2) Vgl. die Urkunde bei Böhmer reg. imp. Y 2143. 



Ein Beitrag zur Frage des Münzrechts deutscher Könige. lß^ 

bäude mit einem Portal. Engel 1. Els.-lothr. Landes- 
münzsammlung. Sammlung Nessel. 

2) IflttPeRKTOR. Gekröntes Brustbild von vorn mit Scepter 
und Beichsapfel Rf. ÄRGeNTINffi. Dreitttrmiges Ge- 
bäude mit einem Portal. Engel 158. Els.-lothr. Landes- 
mänzsammlung. 

3) ePISCOPVS. Brustbild des Bischofs von vorn mit 
Krummstab und Buch. Rf, ÄRGeNTINK. Dreiturmiges 
Gebäude mit einem Portal. Engel 161. Els.-lothr. 
Landesmünzsammlung. Samml. Nessel. 

Das Gewicht dieser Denare schwankt in den erhaltenen 
Exemplaren zwischen 0,75 und 0,95 gr, wodurch sie, abgesehen 
vom Stil, in die erste Hälfte des XUI. Jahrhunderts gewiesen 
werden. Denn das durch das erste Strassburger Stadtrecht 
festgesetzte Normalgewicht für die bischöflichen Denare von 
0,97 gr wurde mit geringen Abweichungen bis Heinrich von 
Stahleck 1245—1260 beibehalten. Die Gleichheit des Stempel- 
schnittes dieser drei Stücke ist ausserordentlich auffallend, be- 
sonders wenn man die Gebäude auf der Kehrseite untereinander 
vergleicht. Die Ausführung auch der Umschriften ist sehr zier- 
lich und sauber, so dass man sieht, wie besondere Sorgfalt auf 
diese Stempel verwandt wurde. Es sind in ihrer Art kleine 
Meisterstücke der damaligen Strassburger Prägestätte. 

Auffallend könnte erscheinen, dass auch der Stempel für das 
Hagenauer Stück in Strassburg verfertigt wurde; indes die 
Strassburger Hausgenossen, welche gerade während des XIH. Jahr- 
hunderts den Höhepunkt ihrer Macht erreichten, genossen v^eit- 
hin des besten Rufes, und der Kaiser liess sich wohl gern von 
ihnen die Münze auch für seinen Gebrauch in dem benachbarten 
Hagenau liefern. Dass in dieser Zeit dorten eine eigene Münz- 
stätte existiert habe, ist urkundlich nicht zu erweisen. Als dann 
der Kaiser selbst nach Strassburg kam und sich mit dem Bischof 
feierlich über die gegenseitigen Rechte vertrug, mochte es 
nahe liegen, auch von dem alten, ihm noch zustehenden Münz- 
rechte wieder einmal Gebrauch zu machen. Jedenfalls kann 



861 ^» J. Cahn: Zur Frage des Münzrechts deutscher Könige. 

der Imperatordenar nur vom Kaiser selbst ausgegangen sein, 
denn nie würde der Bischof dies Wort auf die Vorseite einer 
Münze gesetzt haben, deren Kehrseite den Namen seiner Stadt 
trug. Vielleicht liess der Kaiser, um sein Einvernehmen mit 
dem Bischof zu kennzeichnen, gleichzeitig den Episcopusdenar 
herstellen, doch kann dieser auch nach dem Abzug des Kaisers 
entstanden sein. 

So konnte also noch im XIII. Jahrhundert ein Kaiser in 
einer Stadt wie Strassburg, deren Bischof seit 974 die unbe- 
dingte Münzhoheit besass, bei seinem Aufenthalt münzen lassen. 
Hierin eine widerrechtliche Beeinträchtigung des Bischofs sehen 
zu wollen, wäre falsch ; denn nach der Beichsverfassung standen 
die Ansprüche des Königs, als Herrn und Verleihers der Regalien, 
über den seinen. Sicherlich aber beweist die faktische Aus- 
übung dieses Rechtes, dass die Quellen, welche uns darüber 
berichten, nicht lügen; bei näherer Untersuchung werden sich 
wohl noch mehr Beispiele beibringen lassen, wenn es freilich 
auch bei unseren deutschen Mittelaltermünzen, die keine Daten 
tragen, über deren Entstehung keine Überlieferung berichtet, 
schwer ist, sichere Beweise zu führen. 

Wir sollten aber nicht, einer Neigung zur Hyperkritik 
unsern Quellen gegenüber folgend, Thatsachen aus der Geschichte 
streichen, die uns so gut bezeugt sind, wie das Münzrecht 
deutscher Könige in Städten mit autonomer Münze. 

Dr. Julius Cahn. 



Zni Münzbmde Makedoniens. 



Die autonome Mlbizprägung der Makedonen, Amphaxier und Botteaten. 

Hiena Tafel YI^. 

Die autonomen makedonischen Silber- und Bronzemflnzen 
mit der Aufschrift MAKE oder MAKEAONfiN sind von Eckhel') 
ohne Begründung, aber gewiss richtig, in die Zeit der letzten 
makedonischen Könige gesetzt worden. Lenormanf) hält sie 
„wegen ihres Stiles"* (I) für gleichzeitig mit den bekannten Tetra- 
drachmen der ersten und zweiten Provinz, deren Prägung in die 
Zeit von 158— U8 fällt. Für die kleinen Silbermünzen mit 
MA I KE und Keule im makedonischen Schild auf der Vf. und 
makedonischem Helm auf der Rf. hat sodann Müller^) geltend 
gemacht, dafs sie wegen der Übereinstimmung ihrer Monogramme 
mit denen der Silbermünzen Philipp's V. in die Zeit dieses Königs 
gehören, ohne jedoch daraus weitere Schlüsse zu ziehen. Diese 
unzweifelhaft richtige Beobachtung MüUer's ist seltsamerweise 
gänzlich unbeachtet geblieben. Die Behandlung der in Rede 

1) Die aaf der Tafel abgebildeten Stücke sind aas folgenden Sammlungen: 
1. 2. 8. 4 Berlin 11 Berlin Cat. 9, 7 17 Berlin 

5 Paris, H. I 585, 895 12 « « 9, 1 18 Berlin Cat 10, 11 

6 „ , 894 13 Paris, H. 1 452, 2 19 , „ 10, 14 

7 Berlin 14 Berlin Cat 10, 9 20 » » 68, 1 

8 Paris, H. 1 585, 893 15 Karlsrahe 21 , n 68, 4 

9 Berlin Cat 9, 4 16 F/: BerHn Cat 12, 35 22 E. Fischer (Wien) 
10 » »9,5 i2/. London Cat 16, 68 23 St Petersburg. 

2) Doctr. nun. vet II S. 61. 

3) ReTne nnm. 1852 S. 817 n. 326. 

4) Nnm. d'Alex. le Grand S. 26 Anm. 32 und etwas ausf&hrlicher Beme 
num. 1867 S. 189 ff. 



170 H. Gaebler; 

stehenden Münzen durch Bompois^) und Head"^) bedeutet den 
Ausführungen Müller's gegenüber einen entschiedenen Rück- 
schritt. Während Bompois') ohne genauere Begründung diese 
Münzen der Zeit des Perseus zuweist, hält sie Head, wie früher 
Lenormant, für gleichzeitig mit den Prägungen der vier Provinzen. 
Aber ganz abgesehen von dem Umstände, dass die Provinz- 
bezeichnung (nQoitfi, SsvriQo), welche die Tetradrachmen tragen, 
auf dem gleichzeitigen Kleingeld doch nicht fehlen konnte (vgl. 
z. B. die Bronzemttnzen der tetdQtti), und abgesehen von der 
sehr erheblichen stilistischen Verschiedenheit, welche jene auto- 
nomen Prägungen unbedingt älter erscheinen lässt, haben wir, wie 
Müller zuerst erkannt, in der Übereinstimmung der Monogramme 
einen unumstösslichen Beweis dafür, dass die oben erwähnten 
makedonischen Silbermünzen in die Zeit Philipp's Y. gehören. 
Es kommen zur Vergleichung hier folgende Prägungen in Betracht : 

Philipp V. 
Tetradrachmen. Vf. Kopf des Königs als Heros Perseus mit ge- 
flügeltem Greifenhelm und geschulterter Harpe nach 1. in der 
Mitte eines makedonischen Schildes. i2/. Im 1. gebundenen 
Eichenkranz: BAZIAEfil | *IAirrOY und dazwischen Keule mit 
dem Griff nach 1.; im Feld oben ein, unten zv^ei Monogramme, 
am Rande 1. Beizeichen. Tafel VI 1 u. 2. 

Didrachmen. \ 

^ - \ VT, Kopf des Königs mit Diadem nach r. Rf. 

Drachmen. >., r,,^,xTx«:. 

„ .^ , I wie vorher. Tafel VI 3—8. 

Hemidrachmen. j 

Makedonen. 
Vy. MA I KE und dazwischen Keule mit dem Griff 
Tetrobolen. 1 nach 1. in der Mitte eines makedonischen Schildes. 
Diobolen. j Ef. Makedonischer H elm, umgeben von drei Mono- 
grammen und einem Beizeichen. Tafel VI 9—15. 

1) Examen chronologique des monnaies frappees par la communaute 
des Macedoniens, 1876. 

2) London Cat. Macedonia (1879) S. LII u. S. 9 sowie Historia numorum 
(1887) S. 209. 

3) a. a. 0. S. 17 (ygl. S. 73-82, I. cat6gorie). 



Zur Münzkunde Makedoniens. I. 



171 



Diese sechs Mänzarten ergeben folgende Tabelle 



A. 


B. 


1^ 






IhC 


55 55 






W 55 


55 15 






55 55 


55 55 






55 15 


»^ 






/9t 



c. 



Phüipp V 

... , -^ 


• 


Make- 
donen 


4 Dr. 


SDt. 


iDr. 


{Dr. 


Tetrob. 


Diob. 


— 


55 


55 


— 


V) 




55 


55 


55 




55 


I 


55 


55 


W 


— 


55 


— 


•^— 


55 


W 


— 


55 


— 


T5 


55 


55 


— 


V 


— 


55 


5» 


55 




55 


— 


n 


55 


55 


— 


55 


— — 


'— 


— 


— — 


15 


— • 


— 


55 




55 


55 


^^" 


55 



vergL 
Tafel VI 



I 
II 

(in) 

IV 
V 

VI 

VII 
VIII 

IX 
X 



li! Blitz — 



5) II 

M Dreifuss 

55 55 

Z Dreizack 

55 « 

E Stern 



R Kerykeion — — 



9 
lu. 10 

3u. 11 
5u. 12 
6 

7u. 13 
8u. 14 
4 
2u. 15 



Betrachten wir zunächst No. I— VIII, so sehen wir, dass 
die Prägungen aus zwei Reihen bestehen, A + C und B + G. 
In beiden Reihen bleiben je zwei Monogramme (A, resp. B) kon- 
stant die gleichen, während das dritte Monogramm gleichmässig 
in beiden Reihen wechselt, und mit ihm zugleich auch das Bei- 
zeichen. Es ergiebt sich daraus, dass das Beizeichen zu dem 
dritten Monogramm (C) gehört und offenbar das Wappen des 
betreffenden Beamten darstellt. Müller hat dies nicht erkannt, 
sondern vermutet in dem Beizeichen einen „type (oder signe) de 
Tille*', und zwar für: Blitz — Pella, Dreizack — Amphipolis, 
Stern — Uranopolis. Die Münzen mit dem Dreifuss als Bei- 
zeichen waren ihm nicht bekannt. Von der Kombination No. III, 
die als Parallele zu IV zu erwarten ist, hat sich bis jetzt weder 
bei Philipp V. noch bei den Makedoneh ein Exemplar nachweisen 
lassen. Vielleicht sind solche Stücke überhaupt nicht geprägt 
worden, doch kann das auch Zufall sein. 

In No. IX und X haben wir Exemplare einer zweiten Doppel- 
reihe, die aber nur spärlich ausgeprägt worden zu sein scheint. 



172 H. Gaebler: 

Ans der Stellung der Monogramme ^) im Vergleich mit den Reihen 
I — VUI ergiebt sich, dass das Beizeichen (Kerykeion) zu dem 
dritten Monogramm gehört, nicht zu dem ersten, welches ja 
auch in IX und X wiederkehrt. 

Es giebt ferner Kupfermünzen Philipp's V. mit: 

a) Vf. Zeus köpf mit Eichenkranz nach r. iZ/. B | A und 
Reiter im Schritt nach r. mit erhobener R. 

b) VJ. Jugendlicher Herakleskopf mit Löwenfell nach r. 
iZ/. BA und Zwei Ziegenböcke nach r. liegend. 

c) Vf, Makedonischer Schild mit Sichelstern. Rf. BA und 
<t> Keule mit dem Griff nach r. (z. B. Revue num. 1866 
Taf. X 1), 

welche die Monogramme £ ^ resp. 1 ^E tragen^) und als Bei- 
zeichen einen Dreizack haben (vgl. in der Tabelle No. V. VI). 
Hier fehlt also das dritte Monogramm, und der Beamte signiert 
nur mit seinem Wappen. Dieselbe Erscheinung finden wir auch 
bei dem Tetradrachmon der Amphaxier^): auf diesem steht k F. 
oben ^ 1 und am Rande scheint als Beizeichen der Blitz dar- 
gestellt zu sein, was also der No. I der Tabelle entspricht. 

Die obige Tabelle beweist unwiderleglich, dass die Silber- 
münzen der Makedonen zur Zeit Philipp'sY. geprägt sind. Der 
König hat demnach den Makedonen eine gewisse Autonomie und 
mit dieser das MUnzrecht verliehen, wahrscheinlich um von ihnen 
reichlichere Hülfe und Unterstützung zu erhalten, deren er bei 
den wiederholten Misserfolgen im Kriege mit Rom dringend be- 
durfte. Diese Thatsache, welche nirgends überliefert ist und uns 
allein aus den Münzen bekannt wird, ist gewiss bemerkens- 
wert. Sie zeigt, wie schwach in Makedonien die königliche 



1) Das dritte Monogramm, zu welchem das Beizeichen gehört, steht auf 
den Münzen Pbilipp^s y. stets unten rechts, auf den makedonischen links 
oben. 

2) Von a und b sind beide Arten, yon c bisher nur die zweite nach- 
weisbar. 

3) Hennin, Manuel de num. (1830) Taf. XVm 7. Millingen, Sylloge 
(1837) S. 50, Taf. I 24. Reyue num. 1866 Taf X 11; 1867 S. 99. 



Zur Manzkunde Makedomens. I. 173 

Gewalt, die ja stets ziemlich enge Schranken umgaben^), im 
2. Jahrh. bereits geworden war, dass Philipp seine Unterthanen 
nicht mit Gewalt zu erhöhten Leistungen zwingen konnte oder 
wollte, sondern es vorzog, durch Verleihung wichtiger und ein- 
träglicher Privilegien sich neue Hülfsquellen bei ihnen zu er- 
schliessen. 

Der Zeitpunkt, wann diese Verleihung geschah, lässt sich, 
wie es scheint, ziemlich genau feststellen. Livius nämlich be- 
richtet Buch XXXIX 24, wo er von den umfassenden Rüstungen 
Philipp's zu erneutem Kampfe gegen Rom spricht, vom Jahre 185: 
(Philippas) vectigalia regni non fructibus tantum agrorum portoriü" 
que maritimis auaä^ sed metalla etiam et vetera intermissa 
reeoluit et nova multis locia instituit. Es liegt sehr nahe, 
mit der hier gemeldeten Inbetriebsetzung zahlreicher alter und 
neuer Bergwerke das Erscheinen jener Prägungen der Makedonen, 
Amphaxier und Botteaten in Verbindung zu bringen. Philipp 
&berliess die Ausbeutung eines Teiles jener Bergwerke offenbar 
den Bewohnern der betr. Distrikte, gestattete ihnen, aus dem Er- 
trag M&nzen zu prägen, und Hess sich dafür eine bestimmte Pacht 
zahlen. Dass diese ausserordentlich hoch war, wird uns, für die 
Zeit des Perseus, bezeugt durch Livius XLV 18, wo es heisst: 
melaUi quoque Macedanici^ quod ingens vectigal eratj locatio- 
nee praediorumque ruetieorum tollt placebat {sc, Romanie)^ und 
XLV 29, wo berichtet wird, dass die Römer nach der Schlacht 
bei Pydna den Makedonen den Betrieb der Gold- und Silber* 
gruben gänzlich untersagten, von den Eisen- und Kupferberg- 
werken aber an Pacht nur die Hälfte von dem erhoben, was die 
Makedonen vorher dem König zu zahlen hatten. Wenn obige 
Kombination richtig ist, so haben wir also den Beginn der 
autonomen makedonischen Münzprägung in das Jahr 185 v. Chr. 
zu setzen. 

Aus der vollkommenen Übereinstimmung der Monogramme 



1) Vgl. Abel, Makedonien vor Ktoig Philipp (1847), 8. 123 ff.; Born, 
Zar maked. Geschichte, Berliner Progr. 1858, 8. 13 ff; Kdhler, Sitinngsberichte 
der Berliner Akad. d. Wissensch. 1891, S. 478. 



174 H. Gaebler: 

und Beizeichen geht hervor, dass die Makedonen, als sie 
das ihnen verliehene Münzrecht auszuüben begannen, zunächst 
ihr Silbergeld in den königlichen Münzstätten und unter Eon- 
trole der königlichen Beamten herstellen Hessen und erst später 
eigene Prägestätten einrichteten. Natürlich schlössen sie sich 
auch in dem Mnnzfuss der königlichen Prägung an. Diese wurde 
seit Alexander dem Grossen bekanntlich nach attischer Währung 
ausgebracht. Philipp Y. prägte, wie wir oben gesehen haben, in 
Silber 4, 2, 1, und ^^ Drachmenstücke, und zwar im Gewicht 
von etwa 17,20, 8,60, 4,30 und 2,15 gr. Demgemäss sind die 
grösseren der makedonischen Silbermünzen, deren Gewicht durch- 
schnittlich etwa 2,75 gr. beträgt, als Tetrobolen zu betrachten und 
ihre Halbstücke also als Diobolen^). 

Wir haben ferner noch eine zweite Gattung makedonischer 
Münzen, deren Prägung zur Zeit Philipp s V. gesichert ist. Es 
sind dies die bronzenen sog. serrati mit 

Vf. Kopf des Poseidon mit Taenie und geschultertem Drei- 
zack nach r. 

Ä/. Im 1. gebundenen Eichenkranz: MAKE | AONßN und da- 
zwischen Keule mit dem Griff nach 1.; i. F. unten zwei 
Monogramme. Tafel VI 1 6. 

Diese Münzen hat Bompois ^) dem Andriskos(Pseudo-Philippos) 
zugeteilt, dessen Aufstand die Omwandelung Makedoniens in 
eine römische Provinz zur Folge hatte (148 v. Chr.)'). Head*) 
und neuerdings Babelon^) und Svoronos^) setzen sie noch später 
an, in die ersten Jahre, als Makedonien bereits römische Pro- 



1) Bompois, Examen chronol. S. 75 f. bezeichnet diese Manzen irrig als 
Triobolen, Diobolen und Trihemiobolien. 

2) Examen chronol. S. 48 ff. (ygl. S. 89, Y. cat6gorie). 

3) Vgl. über dieses Datum Kaestner, de aeris quae ab imperio Caesaris 
Octaviani constituto inifium duxerint, Leipz. Dissert. 1890, S. 43 ff., bes. S. 49 
u. 50; Eubitschek, Arch.-epigr. Mitth. aus Osterreich XIII (1890) S. 121 ff. 
und derselbe bei Paulj-Wissowa, Realencyklop. 1 1, Sp. 636. 

4) London Gat. Macedonia S. 16, 67. 68: after 146. 

5) Les rois de Sjrie, 1890, S.CLXXXVni: Ters Tan 145. 

6) BnU. de corresp. hellen. XYIII (1894) S. 126: vers 145. 



Zar Münzknnde Mtkedoniens. I. 175 

vinz geworden war. Beides wird widerlegt durch eine Münze 
Philipp*s V. in Berlin mit 

Vf. Bärtiger Herakleskopf mit Löwenfell nach r. 

Rj. Im 1. gebundenen Eichenkranz: BAZIAEfiZ | fDIAIPPOY 
und dazwischen Harpe mit dem Griff nach 1.; i. F. oben 
^, am Rande 1. Stern. Tafel VI 17, 

die auf einen solchen serratus der Makedonen überprägt ist^). Es 
musd also auch diese Gattung der makedonischen Münzen in 
Philipp's Zeit gehören. Die eigentümliche Art, Münzen mit 
gezahntem Bande zu prägen, ist um die Mitte des 3. Jahrh. v. Chr. 
in Rom aufgekommen und später von den Karthagern, Seleukiden 
und Makedonen nachgeahmt worden^). Die Karthager prägten 
ihre ersten serrati um 200 v. Chr.; in Syrien beginnt die Prägung 
derselben gegen das Ende der Regierung Antiochos' III. (222 
— 187); etwa um dieselbe Zeit, nur ganz wenig später (vgl. oben 
S. 173), dürften die makedonischen serrati geprägt sein. 

Das Metall einiger dieser Münzen hat einen weisslichen 
Glanz, der von Weisssieden mit Silber herzurühren scheint. 
Bompois, Head und Babelon bezeichnen solche Stücke unrichtig 
als Potin. 

Den oben besprochenen makedonischen Tetrobolen und Di- 
obolen schliessen sich eng an die Bronzemünzen mit 

Vj, KE in der Mitte des makedonischen Schildes 

iZ/. Makedonischer Helm, von vier oder drei Monogrammen 
umgeben (z. B. Bompois Taf. II 25) 
welche, wie schon Müller^ ausgesprochen, gewiss auch in Philipp's 
Zeit gehören. Mit diesen wiederum sind eng verbunden durch 
die Gemeinschaft derselben Monogrammkombinationen die Bronze- 
münzen mit 

V[. Apollo köpf mit Lorbeerkranz nach r. 

Rf. MAKE I AONfiN und dazwischen Dreifuss. i. F. I. und r. 
Monogramme (z. B. Bompois Taf. I 13). 



1) Man erkennt anf der Rf, nocb denÜiche Reste des Alteren Gepräges. 

2) Vgl. hierüber zuletzt Babelon, Les rois de Sjrie, 1890, S.CLXXXYIIIf. 

3) Revue num. 1867 8. 192 ff. 



176 H. Gaebler: 

Etwa derselben Zeit gehören auch die Tetrobolen mit 
Vf. Keule in der Mitte des makedonischen Schildes 
iZ/. MAKE I AONfiNzudenSeiten des makedonischen Helmes; 
i. F. 1. unten Aphlaston (z. B. Bompois Taf. I 5) 
an. Mommsen') weist diese Stücke in die Zeit vor Alexander III., 
weil er sie nach persischem Gewicht geprägt glaubt Aus der 
Analogie der oben besprochenen Silbermünzen geht aber hervor, 
dass wir in ihnen nicht Sechstelstatere (Diobolen) persischer 
Währung, sondern Tetrobolen nach dem leichten attischen Ge- 
wicht, dem auch Philipp's V. Münzen folgen, zu erkennen haben. 
Etwas später, vielleicht schon unter Perseus, sind die Tetro- 
bolen mit 

Vj. Makedonischer Schild mit Sichelstem in der Mitte 
Rf. MAKE I A0NS2N und dazwischen Schiffshinterteil') 
nach r. Tafel VI 18 

geprägt, denen sich die Münzen mit gleicher 22/., aber dem wein- 
bekränzten Kopf einer Maenade auf der Vf. (Taf. VI 19) an- 
schliessen. Ihr Gewicht ist durchweg etwas niedriger. 

Dass endlich auch die übrigen autonomen Bronzemünzen mit 
der Aufschrift MAKEA0NS2N demselben Zeitraum (c. 185—168) an- 
gehören, bedarf nunmehr keines Beweises. Mit Unrecht aber hat 
Bompois (Exam. chron. Taf. II 22. 23) die kleinen Bronzen mit 
Vf. Nike nach 1. oder nach r. schreitend 
RJ. MAKEAONfiN um den makedonischen Schild 
in seine I. Catögorie aufgenommen. Dieselben sind von so er- 
heblich geringerem Stil und so verschiedener Fabrik, dass sie 
ohne Zweifel in die Kaiserzeit zu setzen sind, zumal auch der 
Schild in seiner von den oben erwähnten Münzen gänzlich ver- 
schiedenen Zeichnung durchaus dem Schild auf den makedonischen 
Münzen des Claudius und der folgenden Kaiser entspricht. Aus- 
zuschliessen sind ferner die Bronzemünzen mit 
Vf Epheubekränzter Silenskopf nach vorn 



1) Gesch. des röm. Münzw. S. 692 Anm. 86. 

2) Dass die bisherige Bezeichnung «pFora** unrichtig und yiehnehr eine 
puppis dargestellt ist, hat Assmann, Jahrb. d. Inst. VII (1892) S. 51 gezeigt. 



Zar Manzkunde Makedoniens. I. 177 

Rj, D I MAKE I AONßN in drei Zeilen im unten gebundenen 
Epheakranz (Bompois a. a. O. Taf. II 16), 
welche auch Head^) irrig in die Zeit von 158—146 setzt. Das 
Auftreten des lateinischen D (wohl = decreto), dem später das 
LEG, CÄ-PR. u. s. w. folgen, beweist, dass diese Prägungen in 
die Zeit nach 148 gehören, als Makedonien bereits römische 
Provinz war. Gesichert wird diese Zuteilung durch den Um- 
stand, dass zahlreiche solche Stücke mit D auf Münzen der 
Quaestoren C. Publilius und L. Fulcinius überprägt sind. 

Drittens endlich ist es unmöglich, mit Bompois die Tetra- 
drachmen mit 

Vf. Lorbeerbekränztes Brustbild der Artemis mit Köcher und 
Bogen nach r. in der Mitte eines makedonischen Schildes 
Rf. Im 1. gebundenen Eichenkranz : MAKE | AONßN und da- 
zwischen Keule mit dem Griff nach 1.; i. F. r. Mono- 
gramm, am Bande 1. Blitz (Bompois Taf. I 1—3) 
unter die autonomen makedonischen Münzen aus Philipp's Zeit 
aufzunehmen und ihnen die oben S. 170 f. besprochenen Tetrobolen 
und Diobolen als Teilstücke zuzuweisen. Mit diesen Münzen aus 
Philipp's V. Zeit haben sie nichts gemein. Kein einziges der sehr 
zahlreichen Monogramme jener Reihe kehrt auf ihnen wieder. Der 
Eichenkranz ist nicht mehr der nur aus stilisierten Blättern bestehen- 
de, wie ihn die Münzen des Philipp (vgLTaf.YIl — 8) undPerseus, die 
der Makedonen (z. B. Bompois Taf. I 10 und IV 1} und auch 
noch die Münzen der vier makedonischen Provinzen (Bompois 
Taf. III 1 — 5) zeigen, sondern er ist viel naturgetreuer gezeichnet 
and aus grossen Blättern und Eicheln gebildet, ganz ähnlich wie 
bei den Tetradrachmen mit LEG (Bompois Taf. II 1. 2)'). Mit 
diesen letzteren stimmen sie, wie Head*) mit Becht hervorhebt, 
im Stil so vollkommen fiberein, dass sie von ihnen schlechter- 



1) London Cat. Macedoni* 8. 14, 55-58. 

3) Schon deshalb ist es onmöglieh, mit Bompois diese Tetradraehmen 
mit LEO swischen die autonomen makedonischen Mfinsen und die Prftgongen 
der vier ProTinzen einzuschieben. 

3) London Cat. Macedonia 8. LUX. 

Ztitiokrift Ar Namkmatik. XX. 12 



178 H. Gaebler: 

dings nicht durch einen grösseren Zeitraum getrennt werden 
können. Man vergleiche z. B. die Verzierung des Schildes, den 
harten, trockenen Stil des kleinen Artemiskopfes mit dem langen, 
dünnen Halse, femer den aus Blättern und Früchten bestehen- 
den Eichenkranz , die Zeichnung der Keule u. s. w. In allen 
diesen Einzelheiten ist die Übereinstimmung so augenfällig, dass 
an einem engen zeitlichen Zusammenhang dieser beiden Tetra- 
drachmenserien nicht zu zweifeln ist. Nun gehören aber die 
Tetradrachmen mit LEG, was gewiss als legatus pro quaestore 
zu ergänzen ist (vgl. die Münze des Sura^)), sicher in die Zeit 
bald nach 148, in die ersten Jahre der römischen Provinzial- 
verwaltung, und es liegt sehr nahe, die ähnlichen Stücke ohne 
LEG der Herrschaft des Andriskos zuzuteilen, de;* i. J. 150 
Makedonien von dem verhassten römischen Joch 1)efreite und 
i. J. 149 über das Heer des Praetors P. luventius Thalna^ der 
selbst in der Schlacht fiel, einen glänzenden Sieg davontrug'). 
Auf diesen Erfolg mag sich der Lorbeerkranz beziehen, mit 
welchem der Artemiskopf auf jenen Tetradrachmen geschmückt 
ist. Schon i. J. 148 wurde Andriskos, nachdem er etwas über 
ein Jahr in Makedonien geherrscht, von dem Praetor Q. Caecilius 
Metellus entscheidend besiegt und floh ausser Landes'). Daraus 
würde sich auch die ausserordentliche Seltenheit jener Tetra- 
drachmen erklären, welche zu beweisen scheint, dass ihre Aus- 
prägung nur von ganz kurzer Dauer gewesen ist. Auf keinen 
Fall geht es an, diese Tetradrachmen vor die Münzen der vier 
makedonischen Provinzen zu setzen, wie Bompois thut. 

Nach diesen Ausscheidungen bleiben also folgende Prägungen 
der Makedonen, die mit Sicherheit dem ersten Drittel des 
2. Jahrhunderts (c. 185 — 168) zuzuteilen sind*): 



1) Berlin Cat. 21, 1, Taf. II 14; London Gat 20, 87. 
2j Livios Perioch. 50; Florns IT 14; Entrop. TV 13; Orosius lY 22, 9; 
Zonaras IX 28. 

3) Ygl. die zu 2 angeführten Stellen nnd Yelleius 111. 

4) Die Belege zu den einzelnen Nummern machen keinen Anspruch auf 
YoUständigkeit, sondern bilden nur eine für den Torliegenden Zweck genügend 
erscheinende Auswahl. 



Zar Münskunde Makedoniens. I. 179 

1. M Tetrobolen uod Diobolen. Vf. MA | KE and Keule im 

makedonischen Schild. Rf. Makedonischer Helm, drei 
Monogramme und ein Beizeichen. 

Berlin Cat. 9, l—T^ — London Cat. 9, 11—15; — Paris, Mionnet I 
452, 1. 2; Sappl. III 1, 2; Cousin^rj, Yojage en Mac^d. I, Taf. UI 9; 

— Goltz, Graecia Taf. XXH 1; — Bompois Taf. I 4. 9; — Imhoof, 
Zeitschr. f. Nom. YII (1880), S. 4. 

2. M Tetrobolen. Vf. wie vorher. i2/. Helm, ohne Monogramme. 

Berlin Cat 9, 8; — London Cat. 9, 16. 

3. JE 16 mm. Vf. K1E im makedonischen Schild. Rf Helm, 

]. F. Monogramme. 

London Cat. 12, 39; — Paris, Mionnet S. HI 2, 4; Bompois 
Taf. II 25*); — Sestini descr. nnm. vet. 84, 6; — Cat. Wehl 1742; 

— Revue nom. 1866, Taf. Z 2. 

4. M 20 mm. Vf. Lorbeerbekränzter Apollo köpf r. Rf. MAKE| 

AONfiN Dreifnss, i. F. Monogramme, darunter dieselben 
wie bei 3. 

Berlin Cat. 14, 56—62; — London Cat. 11, 37. 38; — Paris, 
Mionnet 1 453, 20—25; Suppl. III 8, 15—19. 21. 22; Bompois Taf. 1 13. 

Die folgenden Nummern, 5 — 20, haben sämtlich auf der 
Rf. die Aufschrift MAKE | AONfiN. 

5. M 23 — 18 mm. Vf. Kopf des jugendlichen Dionysos mit 

Epheu r. Rf. Ziegenbock r. stehend, i. F. Monogramme, 
darunter dieselben wie bei 4. 

Berlin Cat. 12, 37—42; — London Cat 11, 32—36; — Paris, 
Mionnet I 454, 28. 29; Snppl. UI 5, 88; Bompois Taf. 11 20. 21. 

6. M 25 mm, gezahnter Band. Vf Poseidonkopf mit Drei- 

zack r. 22/. Keule und zwei Monogramme im Eichen- 
kranz. 

Berlin Cat. 12, 85. 36; — London Cat. 16, 67. 68; — Paris, 
Mionnet S. in 2, 8, Taf. III 1; Consinöiy, Yoyage I, Taf. m 11; 
Bompois Taf. lY 1. 

7. & Tetrobolen. Vf. Keule im makedonischen Schild. Rf 

Helm, i. F. 1. Aphlaston. 

Paris, Mionnet S. III 1, 3; Bompois Taf. I 5; — Cat Walcher 
(1894) Tai: yn 938. 



1) Taf. n 24 ist eine Münxe der Botteaten, rgl unten S. 191, lY. 

12* 



180 BLOaebler: 

8. iE] 15 mm. VJ. Makedonischer Schild mit Sichelstern. i2/. 

Helm, i. F. Monogramm^). 

Berlin Cat 10, 21. 

9. & Tetrobolen. Py. wie vorher. Ä/. Schiffshinterteil; 

i. F. Stern oder Buchstabe. 

Berlin Cat. 10, 10-12; — London Cat 9, 17—22; — Paris, 
Mionnet I 452, 3. 4; Cousinery, Yojage I, Taf. III 8; — Bompois 
Taf. I 6. 

10. iR Tetrobolen. VJ. Kopf einer Maen ade r. 12/. wie vorher 

(i. F. dieselben Buchstaben). 

Berlin Cat. 10, 18—20; — London Cat 10, 23—31; — Paris, 
Mionnet I 452, 5—7; — Cousinery, Voyage I, Taf. HI 7; — Bompois 
Taf. I 7. 8. 

11. iE 22 mm. VJ, Kopf des Strymon von vorn. RJ. Artemis 

mit Fackel r. stehend; i. F. zwei Monogramme. 

Berlin Cat 11, 23. 24; — Paris, Mionnet I 454, 27; Bompois 
Taf. I 12. 

12. Ei 18 mm. F/l Athen akopf r. Rj. Pferd r. laufend, i. F. 

Monogramme. 

München; — Cat Wiciay 2573, daraus Mionnet S. III 4, 26 and 
Bompois S. 79, 11; Sestini, Mus. Hederv. S. 92, 11. 

13. E 20 mm. Vj. Jugendlicher Herakleskopf r. Rf. Pferd 

r. schreitend, i. F. zwei Monogramme. 

Löbbecke; — Paris, Mionnet S. m 4, 27; — Turin Cat 2179; 
— Cat Welzl 1757—1760. 

14. ^ 24- 20 mm. VJ. Kopf des Strymon r. Rf. Dreizack, 

i. F. Monogramme. 

Berlin Cat 14, 50—55; — London Cat 12, 40—45; — Paris, 
Mionnet I 454, 30-32; Snppl. III 4, 24. 25*); — Bompois Taf. I 
15 und U 17. 



1) Von dem Monogramm ist leider nnr der obere Teil erhalten. Mög- 
licherweise ist es zn B^ zu ergänzen; dann w&re das Stack den Botteaten- 
Münzen nnten S. 191, lY anzureihen. 

2) Mionnet nennt den Kopf der VJ. im I. Band nPan**, im Suppl. III, 
Combe (Mus. Hunter 180, 21) folgend, „Ceres*; es ist aber der gehSrnte 
Kopf des Flnssgottes Strymon mit Schilf kränz, der bei No. 1 1 Ton vom dar- 
gestellt ist. 



Zur Münskande Makedoniens. I. igl 

15. M 24 mm. FJT. Poseidonkopf mit Taenie r. Rf. Keule 

und zwei Monogramme im Eichenkranz. 

Berlin Gat. 12, 31—34; — London Cat. 14, 51-53; — Paris, 
Mionnet I 453, 15. 16; Suppl. m 2, 9^12; — Bompois Tal I 10. 

16. M Umm. Vf. Makedonischer Schild mit Stern. iZ/ Schrift 

in zwei Zeilen und zwei Monogramme im Eichenkranz. 

Berlin Cat. 15, 64—66; — München, Sestini descr. 84, 5. 

Bei No. 12 -16 wiederholen sich zum Teil dieselben Mono- 
gramme, von denen einige auch bei No. 3 wiederkehren. 

17. M 22 mm, F/*. Lorbeerbekränzter Apollokopf r. Ä/ Lyra, 

1. Bogen, r. Monogramm. 

Berlin Cat. 11, 25—27; — London Cat. 14, 54; — Paris, Mionnet 
8. m 3, 20; — Bompois Taf. 1 14. 

18. Eä 17 mm. Vf. Jugendlicher Herakleskopf r. Rf Keule 

und ein Monogramm im Eichenkranz« Das Monogramm 
scheint dasselbe zu sein wie bei No. 17. 

Oxford, Wise num. BodL 8. 2. 

19. M 22 mm. Vf Lorbeerbekränzter Zeuskopf r. iZ/l Pferd 

r. schreitend, ohne Monogramm. 

Bompois 8. 77, 3. 

20. M 22 mm. Vf. Poseidonkopf mit Taenie r. Rf wie 

vorher. 

München. 

Die No. 3, 4 und 5 haben ausnahmslos das Monogramm J^ 
oder S oder (in einem einzigen Falle) auch beide zugleich. 
Das erstere ist, wie weiter unten (S. 184) gezeigt werden soll, 
in AM0A[ElfiN] aufzulösen; das zweite, welches zuweilen an die 
Stelle des ersteren tritt, bedeutet wahrscheinlich QE[aaaXovinfi]. 
Die Münzen sind also in dem Distrikt Amphaxitis, und zwar in 
der Hauptstadt desselben, in Thessalonike, geprägt 

Wir kommen nunmehr zu den Prägungen mit den Auf« 
Schriften AM^AEIßN und BOTTEATßN. Man hat bisher allgemein 
angenommen, dass die Amphaxier und Botteaten als selbständige 
Yölkerschaften innerhalb Makedoniens das Mflnzrecht ausgeübt 



182 H. Gaebler: 

haben, und zwar setzt Head, der zuletzt hierüber gehandelt'), 
die Münzen beider in die Zeit nach 168. Doch ist es undenk- 
bar, dass die Bömer, die i. J. 168 alle bestehenden Verbände in 
Makedonien auflösten und dem Lande eine neue Einteilung in 
vier willkürlich begrenzte Bezirke aufzwangen, einem einzelnen 
Yolksteil innerhalb eines dieser Bezirke gestattet haben sollten, 
besondere Münzen zu prägen neben den der neuen Einteilung 
entsprechenden Prägungen mit PPßTHZ, AEYTEPAZ und TETAP- 
TH£. Die Münzen mit den Namen der Amphaxier und der 
Botteaten müssen unbedingt vor dem Jahre 168 geprägt sein'). 
Es ist nun aber äusserst unwahrscheinlich, dass im 2. Jahrh. v. Chr. 
in Makedonien noch einzelne alte Völkerschaften von irgendwie 
selbständiger Bedeutung existiert haben sollten. Vielmehr waren 
die verschiedenen Volksstämme, welche die makedonischen Könige 
bei der allmählichen Ausbreitung ihres Reiches sich unterworfen 
hatten, im 2. Jahrhundert sicher mit der Bevölkerung des make- 
donischen Kernlandes längst zu einem Volke, den Makedonen, 
verschmolzen. In dieser Zeit gab es keine eigentlichen IdfAipa^^oi 
oder BoTtsatai als besondere Völkerschaften mehr, die, mit einer 
gewissen Autonomie ausgestattet, ihre besonderen Münzen hätten 
prägen können. Ich glaube deshalb, dass wir in diesen beiden 
Namen nur Distriktsbezeichnungen im Sinne von Verwaltungs- 
bezirken zu erkennen haben. Diese Auffassung wird durch die 
Münzen selbst unterstützt. Ausser den Prägungen mit 'yi(jbq>a^iwv 



1) London Cat. Macedonia S. LVf. und Eist. nun. S. 211. 

2) Schon MüUer, Num. d'Alex. le Grand S. 376 setzt die Münzen mit 
dem Botteaten-Monogramm richtig in die Zeit der letzten makedonischen 
Könige. Das von Müller a. a, 0. unter No. 27 verzeichnete Diobolon Philipp^s II. 
mit angeblichem Botteaten-Monogramm, das er aus Sestini, Descr. num. vet. 
S. 134, 6 entnommen hat, ist jedoch zu streichen. Die Münze, aus der Samm- 
lung Cousinöry, befindet sich jetzt in München und hat, wie ich daselbst 
feststellen konnte, nicht das Botteaten-Monogramm, sondern '^, ist also gleich 
den unter No. 104 verzeichneten Diobolen Philipp's II. Auch Müller's An- 
gabe, dass sich das Botteaten-Monogramm auf Münzen Fhilipp^s Y. finde, ist 
unrichtig. Das hier gemeinte Monogramm hat vielmehr auf allen deutlichen 
Exemplaren stets die Form "K ; darnach ist auch die Münze bei Leake, Num. 
hell., kings 8. 15, 13 zu berichtigen. 



Zur Münskande Makedoniens. I. jgß 

und Bottsatwy allein giebt es nämlich Stttcke mit der Aufschrift 
MAKEAONßN AM^AEIfiN und MAKEAONßN V (= Bottsatav), 
was ohne Zweifel nur bedeuten kann: (Münze) der Makedonen in 
der Amphaxitis^) und (Münze) der Makedonen in der Bottiaia. 
Schon hierdurch wird es wahrscheinlich, dass die^e Münzen 
gleichzeitig sind mit denen, welche nur MAKEAONßN haben 
und, wie oben gezeigt, vom Jahre 185 ab geprägt worden sind. 
Eine besondere Bezeichnung der einzelnen Distrikte erschien, 
als Philipp den Makedonen die Ausbeutung der Gruben überliess 
und zugleich das Prägerecht verlieh, offenbar im Interesse einer 
genaueren Eontrole notwendig für die königlichen Beamten, 
welche die Bergwerkspacht einzuziehen und die Rechnungsablegung 
zu prüfen hatten. Die mit MAKEAONfiN allein bezeichneten 
Münzen mögen in dem Haupt- Berg werksdistrikt Edonis^), und 
zwar in Amphipolis^) geprägt sein, die in der Amphaxitis und 
der Bottiaia geschlagenen Stücke haben ausserdem noch ihre be- 
sondere Bezeichnung, und wahrscheinlich ist auch in dem Mono- 
gramm 4^, welches die No. 17 und 18 (oben S. 181) tragen, eine 
Distriktsbezeichnung enthalten. Wenn wir von diesem letzteren, 
unsicheren Falle absehen, so ergeben sich drei parallele Reihen 
von makedonischen Münzen, welche folgende Aufschriften haben : 

I. IL in. 

Distrikt Edonis Distrikt Amphaxitis Distrikt Bottiaia 

(Pr&geaUtte Amphipolis) (Prägest&tte Thessalonike) (Prftgest&tte PeUa) 
MAKEAONfiN AMOAEIfiN BOTTEATßN 

MAKEAONßN AMOAHIfiN — 

MAKEAONßN ^ MAKEAONßN V 

^) Hierbei kann nnmöglich an eine städtische Prftgong gedacht werden, 
wie G. Hirschfeld (bei Paulj-Wissowa, Bealencjklop. I 2 8p. 1884) thnt, der 
stt der Ansicht neigt, dass die Münien eine Stadt Amphazion (die nor Steph. 
Bjs. nennt) besengen. Die Münsen von Hyrkanis, Blanndos, Dokimion nnd 
Pdtai aus der Kaiserzeit mit YPKANnN — , BAAYNAEaN — , AOKiMEnN — , 
HEATHNnN MAKEAONAN sind hiermit nicht su vergleichen. 

') In diesem lag das durch seinen Metallreichtnm von Alters lier be- 
rfihmte Pangaion-Gebirge. 

s) F&r die Münien mit Strymonkopf Rf. Dreisack (8. 180 No. 14) ver- 



184 H. Gaebler: 

Es haben also die MüDzen der Distrikte Amphaxitis und 
Bottiaia anfangs den Distriktsnamen allein getragen, und zwar 
zuerst voll ausgeschrieben, dann im Monogramm; später wurde 
er als Monogramm zu dem Gesamtnamen hinzugesetzt. Aus 
dieser Zusammenstellung geht auch hervor, dass das Monogramm 
J^, welches die makedonischen Münzen No. 3. 4. 5 (S. 179) tragen 
(vgl. oben S. 181), in AM<|)A[EinN] aufzulösen ist^. Dies wird 
bestätigt dadurch, dass einige Monogramme der Bronzemünzen 
mit AMOAEIßN, wie schon Head^) bemerkt hat, auf den Münzen 
mit Dionysoskopf i2/. Ziegenbock (S. 179 No. 5), welche durchweg 
mit 4^ signiert sind, wiederkehren. 

Wenn es nach dem Gesagten schon sehr wahrscheinlich ist, 
dass die Prägungen der obigen drei Reihen einander gleichzeitig 
sind, so lässt es sich auch im einzelnen noch genauer beweisen. 
Was zunächst die Münzen der Amphaxitis (zu beiden Seiten 
des unteren Axios, im Westen an die Bottiaia grenzend)^) be- 
trifft, so ist schon oben S. 172 gezeigt worden, dass das (einzige 
bisher bekannt gewordene) Tetradrachmon mit der Aufschrift 
MAKEAONßN AMOAEIßN in den Monogrammen und in dem Bei- 
zeichen mit Silber- und Bronzemünzen Philipp's Y. übereinstimmt 
und deshalb in die Zeit dieses Königs zu setzen ist. Bezüglich 
der Bronzemünzen mit 

Vf. Jugendlicher Herakleskopf mit Löwenfell r. 

Rf. Im 1. oder unten gebundenen Eichenkranz: AM4>A | E\QN 
und dazwischen Keule mit dem Griff nach 1. oder r., 
i. F. Monogramm. 

Berlin Cat. 34, 1. 2; ~ London Cat. 42, 1—4; — Paris, Mionnet I 
462, 98-100. 

ist oben schon hervorgehoben worden, dass sie mehrere Mono- 



mutet dies aach Head, London Cat. Maced. S. 12. Von diesen sind aber 
No. 12. 13. 15. 16 (S. 180 f.) nicht zu trennen, da sie, wie dort schon bemerkt, 
dieselben Monogramme aufweisen. Anch No. 11 ist des Strymonkopfes wegen 
gewiss in Amphipolis geprägt. 

1) Daran hat schon Head, London Cat. Maced. S. LIII u. LT gedacht, 
doch zieht er. S. 11 die Erkl&rung Aiti^i[nolts] vor. 2) a. a. 0. S. LV. 

3) Strabo VII 329, 11 und 330, 23; vgl. auch Polyb. V 97. 



Zur Münzkunde Makedoniens. I. lg5 

gramme mit den Bronzemünzen : Dionysoskopf Rf. Ziegenbock 
(No. 5 S. 179) gemeinsam haben, woraus hervorgeht, dass sie in 
dieselbe Zeit wie diese gehören. Die Hauptstadt der Amphaxitis 
war Thessalonike, und hier sind wahrscheinlich alle diese Münzen 
mit AM4>AEifiN und if geprägt. Die Tj'pen: Dionysoskopf RJ. 
Ziegenbock finden sich z. B. bei den Münzen von Thessalonike ') 
wieder. Das Monogramm S, welches einige Münzen der Am- 
phaxitis statt des 1^ zeigen, dürfte demnach, wie schon oben 
S. 181 bemerkt, als OEferaailoWxi;] zu erklären sein. 

Nach dem Jahre 148 prägte der Quaestor C. Publilius in 
der Amphaxitis Bronzemünzen') mit seinem Namen und dem 
Monogramm 4^, deren Typen, Dionysoskopf iZ/ Ziegenbock, den 
autonomen Münzen dieses Distriktes (S. 179 No. 5) gleich sind. 

um die Prägungen mit der Aufschrift BOTTEATQN, zu 
denen wir nunmehr übergehen, zu erklären, hat Bompois in 
einer ausführlichen Arbeit über diese Münzen') die Behauptung 
vorgebracht, dass Philipp Y. Bottiäer aus der Ghalkidike, nach 
der dieses Volk einst, durch die ersten makedonischen Könige 
aus der Emathia vertrieben, ausgewandert war, in die Emathia 
zurückgeführt habe, und von diesen seien dann, aber erst unter 
Perseus, die Münzen mit BOTTEATflN geprägt worden *). Diese 
angebliche Rückwanderung der Bottiäer in die Emathia hat 
Head sowohl im Cat. Maced. S. LYI wie in der Hist. num. S. 211 
ohne weiteres als Thatsache aufgenommen. Und doch ist sie 
durch kein Zeugnis aus dem Altertum zu belegen. Bompois 
hat die Nachricht, wie die wörtliche Übereinstimmung beweist, 
aus Desdevises-du-D6sert, O^ogr. anc. de la Mac6doine (1863) 
entnommen, wo es S. 364 heisst: „Philippe, Als de D^m^trius, 
en (sc. des Botti6ens) rappela un certain nombre dans r£mathie, 
alors d6peupl6e, et leur y donna des terres de pröförence aux 



1) Vgl. z. B. Berlin Gftt 186, 42 iL; — London Gftt. 110, 10 ff. 
%) Vgl. s. B. Berlin Gftt. 22, 6—8; — London Gftt. 18,75; — Bompois, 
Exam. chron. Taf. lY 5. 

3) Nnm. chronide 1S74, S. 215 ff. 

4) a. a. 0. 8. 218 n. 222. 



186 H. Gaebler: 

Colons gaulois, encore barbares, qui furent 6tablis au delk^. 
Weiter hinauf vermag ich diese Notiz bis jetzt nicht zu ver- 
folgen. Delacoulonche in seiner sehr ausführlichen und sorg- 
fältigen Specialarbeit über die Emathia^) weiss nichts davon, 
ebensowenig neuerdings Papakonstantinos in seiner denselben 
Gegenstand behandelnden Schrift'). Dagegen finde ich bei 
Jtl(jblt<tag, Wpx. r€«r^ayto %^g Maxsdovlag (1870/4) Bd. II 2 S. 366 
(wohl auch aus Desdevises entnommen): Oi Bottkato$ <tvrxcoy$V' 
d'ivtsg (ABtä %£v Xakwdifov iniüti^iSav t^v avT^v tvxfjP fi^ez^ avtfov 
xal [Molovoti fjk€td vaina vno OiXinnov tov y avaxl^^ivttg elg 
t^v nqfatfiv %(iqav mal natqiäa noXXol l| aitäv inav^X&ov^ wofür 
der Verfasser als Beleg Thukydides (II 101) citiert! 

Überdies ist diese Nachricht von einer Rückberufung der 
Bottiäer schon an und für sich höchst unv^ahrscheinlich. Denn 
dieses Volk, das schon im 6. Jahrh. v. Chr. ') in die Ghalkidike 
eingewandert ist, war zur Zeit Philipp' s Y. längst mit den Chal- 
kidiem völlig verschmolzen. Vermutlich hat Desdevises die 
Rückberufung der Bottiäer nach der Emathia nur geschlossen 
aus Livius XLV 30*), wo es heisst: tertia regio nobiles urbes 
Edesaam et Beroeam et Peüam habet et Vettiorum beUicosam gentem; 
denn er sagt S. 88: „Philippe, p^re de Pers6e, rappela dans leur 
patrie les Botti6ens (Vettiens dans Tite-Live)". Diese Korrektur 
des handschriftlichen Vettiorum in Bottiorum (oder Bottiaeorum), 
die auch Niebuhr^), Delacoulonche') undMadvig') vorgeschlagen 

1) Memoire sor le berceau de la puissance mac6d. etc. in: Revue des 
soci^tes savantes Bd. IT und Y (1858). 

2) 'IffTOQtx^ Tt Mal ytfoyoacf^Xfj igtwa ntgl lov nvQ^vot xov ag^alov 
Maxtdovtxov ßatftktiov ifioi rfe *IIfAad'ia(j Leipz. Dissert« 1888. 

3) JedenlaUs vor 510, vgl. Abel, Makedonien Tor König Philipp S. 146 £.; 
Delacoulonche, Bev. d. soc. sav. Y S. 725. Nach Curtius, Griech. Gesch. III ^ 
S. 389: unter Amyntas I. (540—498). 

4) Vielleicht in Verbindung mit der Nachricht beiLiv. XL 3 (=Poljb. 
XXIY 8), dafs Philipp V. die (ihm verdächtigen) Bewohner der Eüstenst&dte 
nach der Emathia verpflanzte und an ihrer Stelle Thraker und andere Barbaren 
ansiedelte. 

5) Vorträge über alte Länder- u. Völkerkunde, hrsg. y. M. Isler, S. 300. 

6) Bev. des soc. sav. V S. 747 Anm. 1. 

7) Emendationes Livianae (1860) S. 611. 



Zar Münzkunde Makedoniens. I. igy 

haben, ist jedoch abzuweisen. Die Bezeichnung „bellicosa gens*' 
legt es vielmehr nahe, an eine vor nicht allzu langer Zeit ein- 
gewanderte gallische Völkerschaft zu denken, und überdies finden 
wir bei Livius XLY 34 einen gallischen Häuptling Solovettius 
genannt'). Die Hypothese von der Zurückberufung der Bottiäer 
durch Philipp Y. ist also aufzugeben. Es bedarf ihrer auch zur 
Erklärung der Münzen mit BOTTEATfiN nicht. Denn, wie oben 
S. 182f gezeigt, haben wir in dieser Aufschrift nicht den Namen 
einer autonomen Völkerschaft zu erkennen, sondern vielmehr nur 
eine geographische Bezeichnung, die im wesentlichen das Gebiet 
umfasst, welches in alter Zeit die Bottiäer vor ihrer Vertreibung 
durch die makedonischen Könige bewohnt hatten und an dem 
also der Name seiner einstigen Bewohner haften geblieben war. 
Es lag am thermäischen Busen westlich von der Amphaxitis, zu 
beiden Seiten des Lydias, und reichte wahrscheinlich bis zum 
Haliakmon '). Dieses Gebiet wird von ^en alten Schriftstellern 
gewöhnlich BottttUa genannt'); daneben findet sich die Bezeich- 
nung Battla*) und bei Herodot (VU 123 und 127) auch Batumlg 
X(iiia (oder y^) '). Die neue Heimat der Bottiäer in der Chalkidike 
hiess Bomx^^). Hier prägten die Bottiäer gegen Ende des 
5* und in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts Silber- und 
Bronzemünzen mit der Aufschrift BOTTIAUZN'). So lautet der 
Name auch in den Inschriften') und bei den alten Schrift- 

1) Vgl. Zensa» Die Deatschen und die Nachbarstämme (1837) 8. 180. 

2) VgL Niebnhr a. a. 0. 8. 291 f.; Poppo, Thac7d.-Aii8gabe, 1 2 (1823) 
8. 356 ff.; Abel a. a. 0. 8. 26 o. 140; Delacoolonche a. a. 0. lY 8. 647 u. 
y 8. 121 ffL; Giseke, Thrakisch-pelasg. 8t&mme der Balkanhalbinsel (1858) 
8. 22; Teoffel-Forbiger bei Panly, Realenejkl.*, 1 2 (1866) 8. 2457 f.; JtiftCtffagy 
*AqX' y^^Q' «VC iKax«(f. II 2 (1874) 8. 218 ff.; Kiepert, Lehrbuch der alten 
GeogT. (1878) 8. 310; nanaxnyeiaruyt a. a. 0. (1888) 8. 20 u. 39. 

3) Thucyd. n 100; 8trabo Vn 330, 23; Livius XXVI 25. 

4) Thucyd. II 99; Polyb. Y 97; Etjm. M. s. Bitnow. 

5) Dichterisch Bott^k in dem Orakelspruch der Pythia an Perdikkas I., 
bei Diod. 8ic. VU 17. 

6) Vgl. Delaeonloncbe a. a. 0. V 8. 124; Teoffel - Forbiger a. a. 0. 12 
8. 2458; dfiiiitaaq a. a. 0. II 2 8. 365 ff.; Kiepert a. a. 0. 8. 317. 

, 7) Vgl. Head, Bist. num. 8. 189. 

8) C. I. A. I 52 0. 234; Dittenberger, 8jrlloge 60. 



188 H. Gaebler: 

stellern '), wenn sie von der aus der Emathia nach der Chalkidike 
eingewanderten Völkerschaft sprechen. Die späteren Bewohner der 
Bottiaia in der Emathia dagegen nannten sich, wie ihre Münzen 
bezeugen, im 2. Jahrh. v. Chr. Bovteätat. So werden sie auch 
bei Scymn. 623 und Steph. Byz. s. U^wgog bezeichnet'). 

Die in dem Distrikt Bottiaia geprägten Silbermünzen stim- 
men in den Typen mit den oben S. 180 unter No. 9 verzeichneten 
makedonischen Tetrobolen überein: 
I. Vf. Makedonischer Schild mit Sichelstern. 
Rf. BOTTEATßN auf einem Schiffshinterteil. 

a) Berlin Cat 68, 1—5; — London Cat. 64, 1 u. 3; — Paris, 
Mionnet 1470, 167; — Imhoof, Monn. grecques 66, 28. 29. 31. 

Taf. VI 20. 21. 

b) London Gat 64, 2 u. 4; — Paris, Mionnet S. III 50, 329; — 
Imhoof, Monn. gr. 67, 30 n. 32. Tal YI 22. 23. 

Zu beachten ist, dass bei einer Reihe von Exemplaren (a, 
z. B. Taf. VI 20. 21) der Schild anders gezeichnet erscheint. Der 
Schildrand ist nämlich nur mit den halbmondförmigen Ornamenten 
verziert, zwischen denen keine Punkte (•%) eingeschoben sind. 
Diese Art der Schildverzierung ist auf den makedonischen 
Eönigsmünzen des 3. Jahrhunderts und auch noch auf den Tetra- 
drachmen Philipp' s V. die gewöhnliche. Daneben tritt vereinzelt 
die Einschaltung der Punkte auf^), welche später ausnahmslose 
Regel wird. Demgemäss haben wir auch die Botteaten -Münzen 
ohne Punkte als die älteren zu betrachten. Sie haben zuweilen 
Monogramme, niemals Beizeichen. Die grösseren (Taf. VI 20) 
wiegen etwa 3,60, die kleineren (Taf. VI 21) etwa 1,80 gr. 
Brandis ^), der diese Münzen vor der Zeit Alexander's des Grossen 

1) Herod. VII 185; VIII 127; Arißtot. bei Plut. Thes. 16; Strabo VI 279; 
VII 329» 11 u. 830, 20; Diod. Sic. XII 47; Plut. quaest. gr. 35; Plin. n. h! 
rV 11; Suidas s. Nixata. 

2) Das £tym. M. nennt eine sonst nirgends bezeugte Stadt Bottcmc oder 
BoTtHit die wahrscheinlich nur aus der ungewöhnlichen Form Borrcara* er- 
schlossen ist — Dass die von Bompois, Num. chron. 1874 S. 219 ff. veneich- 
neten Münzen mit bottaian auf irriger Lesung beruhen und zu streichen 
sind, hat schon Imhoof, Monn. gr. S. 67 bemerkt. 

3) So z. B. auch bei dem Tetradrachmon der Amphaxitis. 

4) Münz-, Mass- und Gewichtswesen in Vorderasien S. 531, vgl. auch S. 580. 



Zar Münzkunde Makedoniens. I. jgQ 

geprägt glaubt, betrachtet sie als Drachmen und Hemidrachmen 
kleinasiatischer (d. h. phönikischer) Währung. Dies ist aber, 
wenn ihre Zeit richtig als die erste Hälite des 2. Jahrhunderts 
bestimmt ist, nicht möglich. Das phönikische Gewicht, zu 
welchem zuerst Akanthos nach seinem Abfall von Athen i. J. 424 
überging, wurde bald auch von Aineia, Amphipolis, Mende, Terone 
und Tragilos» später von Philippoi, den Ghalkidiern und den 
Bottiäem (auf der Chalkidike) angenommen. Alexander der Grosse 
fährte bekanntlich das attische Gewicht in die makedonische Silber- 
prägung ^) ein, das bald zu ausgedehntester Herrschaft gelangte. 
Die einzige makedonische Stadt, die nach Alexander dem Grossen 
noch nach phönikischer Währung prägte, war üranopolis '), und 
es ist undenkbar, dass noch im 2. Jahrhundert die Makedonen 
in der Bottiaia dieser längst aufgegebenen Währung gefolgt 
wären, zumal sie, wie wir oben gesehen, in ihren anderen Mfinz* 
Stätten Tetrobolen und Diobolen nach dem leichten attischen 
Gewicht prägten. Nach diesem müssen also auch die in der 
Bottiaia geprägten Silbermunzen ausgebracht sein, und zwar 
sind die grösseren (3,60 gr, z. B. Taf. VI 20) als Pentobolen, die 
kleineren (1,80 gr, z. B. Taf. VI 21) als 2]i Obolenstficke aufzu- 
fassen. Wir finden also in der Silberprägung der Makedonen 
eine grosse Mannigfaltigkeit in den Teilstücken der Drachme, 
indem sie zu dem königlichen Geld, den Drachmen und Triobolen 
Philipp's V., ihrerseits 5, 4, 2M und 2 Obolenstücke prägten. 

Neben den kleineren Stücken mit der älteren Schildverzierung 
(Taf. VI 21) erscheinen dann Münzen von gleichem Gewicht, die 
sich aber durch die Punkte auf dem Schildrand von jenen unter- 
scheiden und ausserdem auf der Rf. einen Buchstaben (M) oder 
ein Beizeichen (Dreifuss, Eerykeion) tragen (z. B. Taf. VI 23). 
Sie sind im Stil den entsprechenden Tetrobolen mit MAKEAONfiN 
Taf. VI 18) vollkommen gleich ; auch der Buchstabe M im Feld 
ist beiden gemeinsam, und die erwähnten Beizeichen finden wir 



1) In der GoldprAgung hatte es schon Philipp II. angenommen. 

2) Vgl. Head, London Cat. Maced. 8. XXXII and Bist nom. 8. 183» 



190 H. Gaebler: 

auf den Tetrobolen mit Schild RJ. Helm und auf den Silber- 
münzen Philipp's V. wieder (vgl. IV, IX und X in der Tabelle auf 
S. 171 und Taf. VI 2, 3, 4, 11 und 15). Zu diesen späteren 
Prägungen tritt endlich ein grösseres Nominal (Taf. VI 22) mit 
gleicher Schildverzierung und einer Keule als Beizeichen auf der 
jR/., im Gewicht von etwa 2,80 gr, also den oben S. 170 ff. be- 
sprochenen Tetrobolen gleichwertig. Die Keule findet sich 
gleichfalls (wie Dreifuss und Eerykeion) auf den Silbermünzen 
Philipp'sV. als Beizeichen'). 
Die Bronzemfinzen mit 
II. Vf. Athenakopf r. mit reich verziertem attischen Helm. 
jR/. BOTTE I ATßN weidendes Rind nach r. 

Berlin Gat. 69, 9—11; — London Gat 64, 5. 6; — Paris, Mionnet 
I 470, 169-171 mit imger Aufschrift, Tgl. oben S. 188 Anm. 2. 

gleichen in ihren Typen den Münzen von Pella \ woraus Head ') 
mit Recht geschlossen hat, dass sie höchstwahrscheinlich in 
dieser Stadt, dem Hauptorte der Bottiaia, geprägt sind. Den 
Münzen Philipp' s V.^) entlehnt sind die Typen der Bronze- 
münzen mit 

III. VJ. Jugendlicher Paus köpf nach r. mit geschultertem Pedum. 
Rj. Im Eichenkranz: 7 und zwei Ziegenböcke nach r. 
liegend. 

Berlin Gat. 68, 6—8; — London Gat. 13, 46; — Paris, Mionnet 
I 586, 912; S. IH 51, 334. 335. 

deren Typen ganz ebenso vereinigt auch auf Münzen von Pella ^) 
wiederkehren. 

Von den Bronzemünzen mit MAKEAONfiN 'S auf der JR/I 
sind folgende Prägungen bekannt: 



1) Vgl. z. B. Mionnet I 584, 890. Diese Stücke mit Eenle sind oben in 
die TabeUe nicht mit anfj^enommen, weil ihnen keine Tetrobolen der Make- 
donen entsprechen. 

2) YgL z. B. Berlin Gat. 108, 21 ff.; London Gat 91, 16 ff. 

3) London Gat. Maced. S. LYI. 

4) Z. B. Berlin; — Sestini, Descr. nom. vet. 142, 33, jetzt in Manchen. 
Vgl. auch die Rj\ oben 8. 172 b. 

5) YgL Berlin Gat 111,47. 



Zur M&nskunde Makedoniens. L 191 

IV. VJ, Makedonischer Schild mit Sichelstern. 
12/. Makedonischer Helm. 

Berlin Gat 10, 22; — Paris, Mionnet I 453, 11; Bompois, 
Exam. chron. Taf. II 24 (vgl. oben S. 179 Anm. 1); — Reime nnm. 
1866, Taf. X 10. 

V. Vf. Jugendlicher Hera kies köpf mit Löwenfell nach r. 
Rf. Reiter im Schritt nach r. mit erhobener R. 

Berlin Gat. 15, 63; — London Gat. 13, 47; — Paris, Mionnet 
I 457, 68; S. m 4, 28 a. 30; Bompois Tat 11 18 n. 19. 

VI. Vj, Zeus köpf mit Lorbeerkranz nach r. 
nj. Geflagelter Blitz. 

Berlin Gat 13, 43— 48^; — London Gat. 13, 48—50; — Paris, 
Mionnet I 453, 12-14; — Bompois Taf. 1 11. 

No. IV entspricht vollkommen der oben S. 180 unter No. 8 
verzeichneten Bronzemünze mit MAKEAONfiN und stammt zweifel- 
los aus derselben Zeit. No. V ist offenbar den Münzen Philipp's V. 
mit den gleichen Typen *) nachgebildet. Die Typen von No. VI 
finden wir auf Münzen von Fella ') wieder ; der Zeuskopf der VJ. 
stimmt im Stil vollkommen überein mit dem Poseidonkopf S. 181 
No. 20. 

Nach dem Jahre 148 prägte der Quaestor C. Publilius, VTie 
in der Amphaxitis (mit ^, vgl. S. 185), so auch in der Bottiaia 
Bronzemünzen mit seinem Namen und dem Distriktsmonogramm 
(B*), deren Typen: Athenakopf Rf. weidendes Rind undPanskopf 
Rf. zwei Ziegenböcke von den autonomen Münzen der Bottiaia 
(S. 190 No. II und III) entlehnt sind. Dagegen scheint von 
158—148 die Distriktsmünzstatte in Pella ausser Thätigkeit ge- 
wesen zu sein; wenigstens sind bis jetzt noch keine Münzen mit 
MAKEAONfiN TPITHZ zum Vorschein gekommen. 

Wenn wir zum Schluss noch einmal das Resultat der vor- 
stehenden Untersuchung zusammenfassen, so hat dieselbe ergeben, 



1) Die folgende M&nse des Cat., No. 49, ist nicht makedonisch, sondern 
▼on Selenkeia in Syrien. 

2) Z. B. Mionnet S. HI 254, 656; — V^ilde, Sei. nnm. Taf. I 7; — Liebe, 
Gotha nnm. S. 104 (mit unrichtiger Anfschrift). Vgl. auch die 22/. oben & 172 a. 

3) Vgl. Berlin Cat 111, 58. 



192 H. Gaebler: Zar Münzkunde Makedoniens. I. 

dass die Makedonen, wahrscheinlich i. J. 185 y. Chr., von Philipp V. 
das Mfinzrecht erhalten und in mehreren Münzstätten ausgeübt 
haben, deren Prägungen zum Teil mit besonderen Distrikts- 
bezeichnungen versehen wurden. Als solche haben sich die 
Aufschriften AM<l>AEIßN und BOTTEATßN, sowie die entsprechen- 
den Monogramme J^ und ¥ erwiesen, so dass wir drei Reihen 
von Prägungen nebeneinander feststellen können: l. in Amphi- 
polis (ohne besondere Bezeichnung), 2. in Thessalonike, dem 
Hauptort der Amphaxitis (mit dem Namen oder Monogramm 
des Distriktes oder mit dem Monogramm des Stadtnamens), und 
3. in Pella, dem Hauptort der Bottiaia (mit dem Namen oder 
Monogramm des Distriktes). Alle diese Prägungen fanden i. J. 
168 ihr Ende, als Makedonien nach dem Sturz des Königtums 
von den Römern in vier willkürlich abgegrenzte und systematisch 
gegen einander abgeschlossene Bezirke geteilt wurde, deren 
jeder für sich eine republikanisch-föderative Verfassung erhielt. 

Berlin. Dr. Hugo Gaebler. 



Kleinere MitfheilangeiL 



Nochmals die seltene englische Münze. 

Im XIX. Bande dieser Zeitschrift, S. 289 und 290, erschien 
Ton mir eine Mittheilung über eine englische Münze. In Folge 
dessen erhielt ich kürzlich von Sir John Evans in Nash Mills, 
Hemel Hempstead in Hertfordshire in England, dem Präsidenten 
der Londoner Numismatischen Gesellschaft, eine interessante 
Zuschrift. Sir Evans enthält sich eines abschliessenden Urtheils 
über die in Rede stehende Münze, da er sie nicht gesehen hat. 
Er neigt indess zur Ansicht, sie sei ein Penny Eduard's des Be- 
kenners, und bemerkt dabei: „Die Inschriften auf seinen Münzen 
sind öfters sehr unregelmässig, und ^LF£ED ON LYND war 
einer seiner Münzmeister.^ 

Leipzig, den 11. März 1895. 

Dr. Karl Walcker, 

FriTaidoient der Staatswissenschaften an der 
Universität Leipzig. 



EdtMhrift tar Nsmitmatik. XX. 13 



ITekrologe. 



Es ist eine lange Reihe von Todesfällen im Kreise unserer 
Fachgenossen, über die wir heut die traurige Pflicht haben zu 
berichten : 

I. Am 26. Juni v. J. (1894) ist in dem verhältnissmässig 
jungen Alter von 54 Jahren der Grossherzogl. Revisionsrath 
E. Wunderlich zu Schwerin aus diesem Leben geschieden. 
Seinem Berufe nach Jurist, verwaltete er im Nebenamte die zu 
Schwerin vereinigten drei Münzensammlungen, die Grossherzog- 
liche, die des Vereins für mecklenburgische Geschichte und die 
des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg. Ausserdem hat 
er seine Liebe zur Münzkunde durch Bearbeitung einer grossen 
Zahl Münzfunde bethätigt, die ausser in unserer Zeitschrift 
Bd. 18 und 20, in Bd. 43, 44, 46 und 48 der Jahrbücher des 
Vereins für meckl. Geschichte und Bd. 2, 3 des v. Höfkenschen 
Archivs zum Abdruck gelangt sind. Er hinterlässt den Ruf 
eines um die ihm anvertrauten Sammlungen sorgsam bemühten, 
wissenschaftlich bestrebten und in hohem Grade entgegen- 
kommenden, liebenswürdigen Mannes. 



IL Im Februar d. Js. entschlummerte ein anderer unserer 
Mitarbeiter, der K. E. Notar Dr. Franz Kupido zu Stadt 
Liebau in Mähren, im 60. Jahre. Einige Arbeiten aus seiner 
Feder enthält Bd. 3 und 5 der Berl. Bl. f. Münzkunde, die über 
den hochwichtigen Rackwitzer Schatz ist in unserem 16. Band 
abgedruckt. Seine nicht unbeträchtliche Münzsammlung hat der 



Nekrologe. 195 

Verewigte dem ^Deutschen Hause^ zu Brunn vermacht, denn 
er hielt sein Deutschthum hoch, dessen Bedrängnng durch slavi- 
sche Übergriffe ihm in den letzten Jahren bittere Klagen aus- 
gepresst bat. Jetzt ruht er aus von allen Sorgen und Kämpfen. 



III. Am 3. März d. J. ist in seinem Hause auf der Erder- 
worth vor Limmer bei Hannover, wo er seit langen Jahren gelebt 
hatte, der Dr. jur. Hermann Grote im Alter von 92 Jahren 
dahingeschieden. Sicher ist keiner unter unseren Lesern, der 
nicht eine Vorstellung von der Grösse dieses Verlustes hätte, 
voll und ganz aber kann sie nur der ermessen, der von gleicher Liebe 
zur mittelalterlichen Münzkunde wie der Verewigte durchdrungen, 
aus dessen Schriften ein eingehendes Studium gemacht hat. 

Der gewöhnlichen Aufgabe dessen, der an einer frischen 
Gruft ein Lebensbild des Dahingegangenen zu entrollen hat, sind 
wir überhoben, denn Grote hat bei Gelegenheit seines Münz- 
sammler -Jubiläums 1867 uns seine eigene Lebensgeschichte er- 
zählt (Münzstudien VH, 145), er hat uns berichtet, wie er, von 
der Heraldik ausgehend, zum Münzsammeln geführt worden ist, 
wie er nach erlangter Reife die Feder in die Hand genommen, 
welche Hemmnisse er erfahren, und wie namentlich die Politik 
ihn auf lange Zeit der Mttnzwissenschaft abwendig gemacht habe. 
Daraus erklären sich die weiten Lücken, welche zwischen den 
verschiedenen Zeiträumen seiner numismatischen Thätigkeit liegen. 
Denn, von kleinen Vorläufern abgesehen, sind es doch haupt- 
sächlich zwei Unternehmen, in denen seine Kraft sich voll ent- 
faltet: seine „Blätter für Münzkunde"", in 4 Bänden 1835 bis 
1837 und 1844 erschienen, und seine „ Münzstudien *", von denen 
8 Bände, der 6. leider nur unvollständig, aus den Jahren 1857 
bis 1877 vorliegen, und denen sich ein 9. anschliesst, welcher 
Stammtafeln zum numismatischen Gebrauch enthält. Beide 
Zeitschriften, wenn man sie bei ihrem, auch von Grote selbst 
betonten und zum Theil beabsichtigten unregelmässigen Er- 

13* 



196 Nekrologe. 

scheinen so nennen darf, rühren zum grösseren Theile, die 
Münzstadien ganz überwiegend, aus Grotes Feder her. In ihnen 
ist sein Lebenswerk, so weit es unsere Wissenschaft zum Gegen- 
stande hat, beschlossen, wenn wir etwa noch die Anfänge des 
numismatisch - sphragistischen Anzeigers und die Leipziger 
„Blätter für Münzfreunde* hinzunehmen, denen er von 1877 bis 
1881 als Herausgeber vorgestanden hat Seitdem hat er geruht, 
und auch die Hoffnung auf Vollendung der mit dem ersten Hefte 
des 6. Bandes der Münzstudien abgebrochenen schwäbischen 
älteren Münzgeschichte hat sich nicht erfüllt; der wenn auch 
noch so rüstige Achtziger hat doch wohl nicht mehr die er- 
forderliche Schaffensfreude besessen, und hat nach dem Verkaufe 
seiner Münzsammlung, jetzt einer Zierde unseres Berliner Mu- 
seums, über die er in den Münzstudien Bd. VII, 365—378 kurz 
berichtet hat, auch des erforderlichen Stoffes entbehrt. 

Wir könnten uns nun hier an den aufgezählten Früchten, 
seines Fleisses und seiner eigenen, bis nahe an das Ende seiner 
schriftstellerischen Tbätigkeit geführten Lebensbeschreibung ge- 
nügen lassen, allein um den Schein zu vermeiden, als folgten 
wir nur der allgemeinen Stimme, die im Loben wie im Tadeln 
nicht immer Maass hält, bedarf es eines etwas näheren Ein- 
gehens auf das, was Grote für die Münzkunde geleistet hat, 
zumal ein oberflächlicher Urtheiler leicbt meinen könnte, für ein 
so langes, durch keinerlei Berufspflichten beengtes Leben sei 
das doch etwas wenig. Ja freilich, non multa sed multum. 
Man muss sich nur vergegenwärtigen, wie es bei Grotes erstem 
Auftreten um unsere Wissenschaft stand, wie Geringes erst für 
die deutschen Mittelaltermünzen gethan war, denen doch haupt- 
sächlich Grotes Arbeit galt, und wie erst so wenig von ihnen 
vorhanden war, während glückliche Funde und eifriges Sammeln 
in diesen letzten 60 Jahren uns eine damals ungeahnte und doch 
zum grossen Theil schon wissenschaftlich verwerthete Fülle 
dieser Denkmäler verschafft haben, aus denen es nicht mehr so 
schwer ist, die Regeln herzuleiten, welche unserer Wissenschaft 
zu Grunde liegen. Daher denn das in den Blättern für Münz- 



Nekrologe. I97 

konde erkennbare Bestreben, den kleinen Vorrath durch Ver- 
öffentlichung bisher unbekannter Stftcke zu vermehren, woneben 
zahlreiche Miscellen und, aus fremder Feder, Aufsätze über An- 
tikes (grösstentheils von beiden Orotefends), sowie hier und da 
Modernes. Aber Grotes zusammenfassender Geist tritt auch hier 
schon in grösseren Abhandlungen, wie über die bremischen, ver- 
schiedene westfälische, die utrechter und die luxemburgischen 
Münzen, sein Sinn für wissenschaftliche Methode in seinem Auf- 
satze über numismatische Systeme (Bd. I, No. 26 und 35) und 
dem über „die Münzkunde des Mittelalters'' (Bd. II, 8. 133) 
hervor. Doch waren das noch seine Lehrjahre; gereift sehen 
wir ihn nach Verlauf von mehr als 20 Jahren die Münzstudien 
beginnen, in denen er, einige Aufsätze über antike Münzen ab- 
gerechnet, fast allein, nur mit gelegentlichen Mitarbeitern das 
Wort führte 9 und sich, von seinen Studien zur Geldgeschichte, 
Geldlehre und Heraldik abgesehen, fast ausschliesslich mit dem 
deutschen Mittelalter beschäftigt, wo er nicht, wie in dem lehr- 
reichen Aufsatze über die systematische Anordnung der modernen 
Münzen (Münzstudien VII, 241) Fragen allgemeinerer Natur er- 
örtert, und zwar sind es meistens Monographien über west- 
fälische und rheinische Münzreihen, Abhandlungen, die eben so 
gut als selbstständige Schriften, wie hier, gesammelt, nach Art 
einer Zeitschrift, hätten erscheinen können. Diese Münzge- 
schichten von Münster, Osnabrück, Hervord, Arnsberg, Lippe 
und Waldeck, von Berg, Jülich, Isenburg, Sayn u. s. w., nach 
Form und Inhalt gleich vollendet, gehören unstreitig zu dem 
Besten, was unsere Litteratur aufzuweisen hat, und werden nie 
veralten, sollte auch die Zukunft uns mit noch so vielen Nach- 
trägen beschenken. Es ist nicht weniger dankbar anzuerkennen, 
dass er ganz neue, noch unbekannte Gegenstände in Angriff 
genommen, als dass er die von Cappe so übel behandelten 
Münzreihen der westfälischen Stifter von dessen Irrthümem 
gereinigt hat Und wenn es wahr ist, dass Aufdeckung eines 
Irrthums verdienstlicher ist als Entdeckung von Neuem, so ist 
Grote ganz besonders zu preisen wegen des gelungenen Nach- 



198 Nekrologe. 

weises, dass so viele der in unseren Thaler -Kabinetten aufge- 
führten ältesten Thaler, so z. B. der von Hannover 1482, der 
von Bogislaw X. von Pommern 1498, der des Hochmeisters 
Albrecht, besonders aber der im Alter allen vorangehende von 
Dietrich von Mainz 1438 niemals vorbanden gewesen sind, son- 
dern nur nach ächten Ooldgulden oder kleineren Silbermünzen 
vergrössert in den alten Münzbüchern nachgezeichnet sind; man 
lese die schlagende Beweisführung in dem Aufsatze über „die 
Mönchsschrifts-Thaler in Arends Münzbuch *" (Münzstnd. I, 412). 
Und von wie vielen anderen alten Vorurtheilen hat er uns be- 
freit! Wie müht sich doch selbst Lelewel noch so oft erfolglos 
mit dem Entziffern von Münzinschriften, von denen der mit dem 
Alexanderschwerte bewaffnete Grote nachweist, dass sie nur der 
Schreibensunkunde ihrer Verfertiger entstammen und einen Sinn 
ebensowenig geben als zu geben bestimmt gewesen sind; wie 
lehrreich und zutreffend ist das, was er über die Beibehaltung 
des Kaisernamens Otto auf den ältesten westfälischen Denaren, 
was er über das ausserhalb der Kölner Münzstätte so häufig 
angewandte S. Colonia, was er ferner über Münznachahmungen 
sagt, und namentlich seine Warnung, nicht überall die Gepräge 
und Umschriften aus staatsrechtlichen Rücksichten zu erklären, 
welche doch den alten Stempelschneidern durchaus fern lagen. 
Alle diese seine Aussprüche, über die man Münzstudien I, 188; 
IV, 59; V, 158, 163, 173 bis 176 le§en möge, gehören jetzt zu 
den Grundpfeilern unserer Wissenschaft. 

Dass er auch auf den verwandten Gebieten der Geldwissen- 
schaft und der Heraldik Grosses geleistet hat, das kann hier 
nur angedeutet werden; auch der Laie wird seine Abhandlungen 
über das preussische Wappen (Münzstudien Bd. H, S. 501 — 776) 
und seine Geschichte der weifischen Stammwappen (Bd. III, 
S. 287 — 410 a. a. 0.) ebenso wie seine von der Berliner Kauf- 
mannschaft mit einem Preise ausgezeichnete Geldlehre (Bd. IV, 
2. Abth. und S. 113— 144 a. a. 0.) mit Interesse zur Hand nehmen. 
Und auf ein anderes selbstständiges Werk, das Hannoversche 
Wappenbuch, war er wohl mit Recht stolz. 



Nekrologe. 199 

Es wäre jedoch ÜbertreibuDg, wollte man alles, was Grote 
je geäussert, als unbedingte Wahrheit gelten lassen. Aber 
Niemand hat leichter als er den eigenen Irrthum bekannt, so 
z. B. Münzstudien Bd. III, 271 Anm., dass alle zweiseitigen hohen- 
staufischen Denare mit dem Namen Friedrich von Friedrich II. 
herrührten, a. a. 0. Bd. YII, 193 Anm., die irrige Deutung des 
R0L58HiRHD86 auf dem bekannten Ortenburger Denar, ebenda 
Bd. VIII, 121 Anm. die Annahme, dass die Urstücke der Ottonen 
den Namen stets OTTO und nur die Nachmünzen ODDO 
schreiben; und seine ebenda Seite 80 bis 88 entwickelte Theorie 
von der starken Nachprägung der bairischen Denare in Polen 
hat er, ohne sie freilich ganz aufzugeben, ebenda Seite 165 be« 
deutend abgeschwächt. Wir sehen eben, dass er seine Person 
hinter der Sache zurücktreten lässt, und daher berührt es wohl- 
thuend, wenn wir ihn überall gern und willig fremdes Verdienst 
anerkennen sehen, nicht blos bei Mader, den er mit Recht den 
geistreichsten Kenner der Münzkunde des Mittelalters nennt 
(Münzstudien Bd. V, 104), nicht blos bei Thomsen, dem er für 
seinen ersten Hinweis auf Nachmünzen Lob spendet (a. a. 0. 
Bd. ly, 59 Anm.), sondern auch bei Eöhne (Bd. I, 390 Anm.), 
mit dem er doch sonst, von ihm vielfach gereizt, scharf ins Ge- 
richt geht. Diese selbstlose Wahrheitsliebe entspringt bei Grote 
aus dem heissen Drange nach Erkenntniss. Daher sucht er 
denn überall den Gegenstand zu erschöpfen, springt aber nicht 
selten auf die verschiedensten, scheinbar fremden Gebiete, auch 
auf das der ihn so mächtig bewegenden Politik über. Um des- 
halb aber wirken auch seine Schriften so belebend und anregend, 
denn sie spiegeln uns den ganzen, lebendig empfindenden Men- 
schen v^ieder, ihn, dessen Durst nach Wahrheit jede Fessel 
hasste und ihn sein Leben einrichten hiess nach dem Horazi- 
schen mea virtute me involvo probamque pauperiem sine dote 
quaero. Er war eben ein Charakter, der äussere Ehre und Vor- 
theil nie gesucht hat. 



200 Nekrologe, 

IV. Oleicbfalls zu hohen Jahren hat es Orote's Landsmann, 
der am 23. März d. J., 86 Jahre alt zu Hannover verstorbene 
Obergerichts-Präsident a. D. A. v. Werlhof gebracht , bekannt 
als ehemaliger Sammler antiker Münzen, sowie als Verfasser des 
Handbuches der griechischen Münzkunde (Hannover 1850) und 
als Übersetzer von Cavedoni's biblischer Numismatik (Hannover 
1855). Er war ein feinsinniger und liebenswürdiger Mann, dem 
leider sein Lebensabend durch zunehmende Schwäche seiner 
Augen getrübt vnirde. 

H. Dannenberg. 



Ansgewälilte römisclie Mimzeii und Medaillons 
der stadtisclien Münzsammlnng in Frankfurt a. H. 

(Hierzu Tafel VII.) 



Aus dem reichen Bestände der Frankfurter städtischen 
Mfinzsammlung, besonders der antiken Abtheilung derselben, ist 
nur Weniges bis jetzt publicirt worden. 

Während die frankfurtischen Münzen, welche das Kabinet 
besitzt, der Mehrzahl nach bereits veröffentlicht sind') und 
ausserdem den Gegenstand einer demnächst erscheinenden Ge- 
sammtpublication der Herren E. Fellner und P. Joseph bilden, 
haben von den antiken Mtinzen der Sammlung bisher nur einige 
wenige Bearbeitung gefunden. 

Auch die im Folgenden behandelten, auf Tafel VII abge- 
bildeten römischen Medaillons sind bis jetzt unbekannt geblieben 
und soUen daher durch die nachstehende Beschreibung') wissen- 
schaftlich zugänglich gemacht werden. 

1. M. Aurelius. 

Bronzemedaillon (Dm. = 37 mm, Dicke •» 4 mm, Gewicht -> 
40,04 g.). 



1) Besonders von Rüppell in den älteren Jahrgängen des »ArchiTS fOr 
Frankfurts Geschichte and Konst* ; femer in den MMittheilongen des VereinB 
für Geschichte and Alterthamskande za Frankfurt a. M.'^ Eine erschöpfende 
Übersicht über die bis zam Jahre 1885 in Zeitschriften etc. erfolgten Pabli- 
cationen bietet Grotefends „Yerieichnis von Abbandinngen and Notisen lor 
Geschiebte Frankfurts** (Frankfurt a. M. 1885). 

2) Vielfache Winke and Rathscbläge in dieser Hinsicht verdanke ich 
der Gftte des Hemi Prof. B. Pick in Gotha. 

ZtHMkrift Hx Numitnifttik. XX. 14 



202 Dr. F. Quilling: 

Das aus der Glockschen SammluDg stammende Medaillon 
ist leider nur schlecht erhalten; besonders die Rückseite ist 
theilweise so abgegriffen, theilweise aber auch durch unvernfinftiges 
Putzen im Ausdruck so undeutlich geworden, dass eine sichere 
Bestimmung der Umschrift und der figürlichen Einzelheiten nur 
mit grösster Mühe ermöglicht werden konnte; immerhin lässt 
sich Folgendes als gesichert betrachten: 

AVRELIVS CAES ANTON AVG PII F Jugendliche 
Büste, gewandet, nach links. 
Rf. TR [P]OT XI COS n^). Weibliche Figur (wie es scheint, 
behelmt, also Pallas) nach links stehend, hält in der 
vorgestrecken R. einen Blitz, im linken (wie es scheint, 
auf einer Säule ruhenden) Arm ein Füllhorn. Vor ihr 
ein hoher Altar, um welchen eine Schlange geringelt ist ; 
hinter ihr ein Ölbaum, worauf die Eule sitzt; vor ihm 
am Boden der ovale Schild. 
Die beiden bis jetzt existirenden Beschreibungen unseres 
Medaillons weichen von der hier gegebenen wesentlich ab, 
stimmen aber auch unter sich nicht überein. 

Im Numophylacium Olockianum S. 47 finden sich folgende 
Notizen : 

„AVRELIVS . CAES . ANTON . AVG . PII . F. Caput Au- 
relii juvenile nudum. P. M.TRP , XXVIU, Pallas 
stat coram ara, d. tenet fulmen, sin. Cornu copiae, cu- 
bitu columnae nititur, adjacet clypeus & noctua arbori 
insidet'^ 
Dagegen lautet die Beschreibung Rüppells: 
Avers: AVRELIVS . CAES . ANTON . AVG . PH . F. Jugend- 

liches Brustbild n. links mit Paludamentum. 

Rv8. TR .POT . XI . COS . IL Pallas? oder Priesterin nach 

links stehend, in der Rechten ein Opfermesser, in der Linken 

ein Füllhorn. Links ein Altar mit Schlachtopfer? Rechts ein 

Lorbeerbaum auf welchem eine Eule sitzt; unter derselben (un- 



1) Danach gehört das Medaillon in das Jahr 157 n. Chr. 



Mfinzen and Medaillons der Münzsammlung in Frankfurt a. M. 203 

deutlich) ein grosser ovaler Schild ? Glock p. 47 . . . giebt andere 
Beschreibung^^ 

Aus der Schlussbemerkung ergiebt sich, dass Mppell 
sich bei seiner Bestimmung des Medaillons in bewusstem 
Gegensatze zu Barckhaus, dem Verfasser des numophylacium 
Glockianum, befand; der Unterschied zwischen beiden Beschrei- 
bungen l&sst sich kurz dahin präcisiren, dass Barckhaus die 
Darstellung der Rückseite (in der Beschreibung der Hauptseite 
stimmt er mit Bfippell überein) richtig, dagegen die Umschrift 
falsch gedeutet hat und Rfippell umgekehrt. Diese auffallende 
Thatsache mag sich dadurch erklären, dass das Medaillon ^ so- 
lange es sich noch in Glock-Barckhaus'schem Besitze befand, 
das ursprüngliche Aussehen mehr bewahrt, noch nicht durch un- 
vernfinftige Reinigung beschädigt worden war; so konnte Barck- 
haus die figürlichen Details noch leichter und sicherer er- 
kennen als Rüppell ; die Umschrift hingegen scheint von Anfang 
an in dem jetzigen Zustande gewesen zu sein und durch das 
Putzen nicht wesentlich gelitten zu haben; sie konnte der im 
Lesen von Inschriften geübtere Rüppell richtiger erkennen als 
der mit praktischer Numismatik weniger vertraute Barckhaus. 

Die Darstellung auf der Rückseite unseres Medaillons ist 
ausserordentlich interessant, ja sogar bis jetzt wohl einzig in ihrer 
Art, besonders durch die zum Theil ganz aussergewöhnlichen 
Attribute, welche der Hauptfigur beigegeben sind und die Art 
ihrer Verbindung. Der Schild und der schlangenumwundene 
Altar bieten nichts Unregelmässiges, ersterer durchgehends das 
Attribut der Kampfesgöttin, der Altar ihr eigenthfimlich in ihrer 
Eigenschaft als Hygiea, als Salus. Ungewöhnlich dagegen sind 
der Blitz, die Säule und ganz besonders das Füllhorn. Wir wollen 
diese Attribute in der angegebenen Reihenfolge näher besprechen. 

Der Blitz als Attribut der Athena (d. h. die Modiflcation 
des Speer- zum blitzschwingenden Typus) tritt zuerst auf bei den 
Münzen Macedoniens unter Antigonos Gonatas^); von römischen 



]) Vgl. Fnrtwinglej in Roschars Lexicon der Mythologie I Seite 692. 

14» 



204 I>r. F. Quilling: 

Münzen findet er sich nur auf denen Domitians, welcher bekannt- 
lich gerade für Minerva eine besondere Vorliebe^) hatte and sie auf 
seinen Münzen häufiger als jeder andere Kaiser darstellen Hess. 

Unser Medaillon bietet somit das erste Beispiel einer Minerva 
mit Blitz auf einer nichtdomitianischen Münze oder Medaille '). 

Das Attribut der Säule, welches Minerva auf dem Medaillon 
gegeben ist, ist noch bei Weitem ungewöhnlicher als das des 
Blitzes. ,,Die weichliche Richtung praxitelischer Kunst, die die 
Götter gern sich anlehnend darstellt, hatte auf die Bildung der 
Athena wenig Einfluss".') 

Minerva auf eine Säule oder einen Pfeiler gestützt, ist in 
der That eine bis jetzt in ihrer Art einzige Darstellung; diese 



1) Diese Vorliebe Domitians für PaUas ergiebt sieb gerade aus einer 
Betrachtung seiner Münzen auf das AUerdeutlichste. Cohen mäd. imp. I z&hlt 
deren im Ganzen 680 Stück auf; 190 davon, also mehr als der vierte Theil, 
tragen Pallasdarstellungen. Und zwar begegnen Pallas mit Blitz und Lanze 
auf folgenden Münzen: 
Cohen I. 472. 27. PaUasbüsten auf folgenden: 

483. 142. 151. Cohen I. 513. 521-524. 

485. 166. 516. 544. 

501. 351-354. 520. 607-609. 

502. 362. 526. 677—680. 
507. 441—443. 

517. 557. 

518. 583-585. 
520. 603. 604. 

Femer findet sich auf den Münzen mit den Reyers-Umschriften imp. viiir, 
IMP. X, IMP. XI, deren bekanntlich „une prodigieuse quantitä** ezistirt, von 94 
Pallastjpen (welche Cohen anfahrt) im Ganzen 18 mal der Typus der Miner- 
va mit Blitz und Lanze. 

Übrigens Hess sich Domitian auch gerne selbst in dieser Weise dar- 
stellen, vgl. z. B. Cohen I. 512. 509—515. 

2j Rasche, Lexicon universae rei numariae II pag. 1189 sagt: «Minervam 
enim etiam cum fulmine effictam ostendit Livius L. XII.^ Livii Hb. XII ist 
aber bekanntlich nicht erhalten. Nach gütiger Mittheilung des Herrn Prof. 
Dr. A. Riese scheint diese Notiz auf einem sehr flüchtigen BHck auf Liv. XXII. 
1, 17 zu beruhen, wo Jovi donum fulmen aureum und in der nächsten Zeile 
Minervae ex argento dona erwähnt werden. 

3) YgL Furtwängler a. a. 0. Seite 703. Die Verwendung der Säule 
bei der Parthenos des Phidias ist zu andersartig, als dass man an irgend 
welchen Einflnss von dieser Seite her denken könnte. 



Münieo und Medaillons der Mnnzsammlang in Frankfart a. M. 205 

Beigabe ist typisch fttr Securitas, nächstdem für Providentia; 
auch bei Salus, woran man vielleicht wegen des schlangenum- 
wundenen Altares zu denken geneigt sein könnte, findet sie sich 
einige Male (z. B. Babelon, monn. consul. I, 106. 8; Cohen, mM. 
imp. I, 334. 230 etc.). Eine Vermischung mit dem Securitas- 
typus wird kaum anzunehmen sein, wenn auch hie und da Pallas- 
typen auf römischen Münzen von der Umschrift „Securitas^' be- 
gleitet sind, wie z. B. auf den Caracalla-Münzen Cohen IV, 202. 
562—567. Die Reversbeschreibung lautet hier: „SECVRITA8 
PERPETVA Pallas debout ä gauche avec l'^gide sur la poi- 
trine, appuy^e sur un bouclier et tenant un sceptre." 

Hingegen wird man in Betracht ziehen mQssen, dass solche 
Säulen oder Pfeiler gerade auf Medaillonbildern häufig, willkür- 
lich zugesetzt, als Stütze oder Beiwerk vorkommen'). Auf jeden 
Fall muss unserer Figur irgendwelche Stütze gegeben sein, wie 
schon aus ihrer Haltung zu erkennen ist; sie würde ohne eine 
solche umfallen ^) ; wir kommen auf die Frage, welcher Art diese 
Stütze ist, später noch einmal zurück gelegentlich einer kurzen 
Betrachtung der Attribute, welche Minerva auf unserem Medaillon 
zugetheilt sind, in ihrer Gesammtheit. 

Die Allerauffallendste dieser Beigaben ist offenbar das Füll- 
horn. Es ist typisch zunächst für Fortuna, danach für Aequi- 
tas und Moneta und schliesslich in ungefähr gleichmässiger Ver- 
tbeilung für Providentia, Liberalitas und Annona. 

Zu unserer Darstellung, Minerva mit dem Füllhorn, kenne 
ich nur ein einziges — und zwar sehr zweifelhaftes — Analogen, 

1) Vgl. Kenner in dem „Jahrbach der Kanstsanunlongen des öster- 
reichischen Kaiserhanses'* I, Seite 82 zu No. 25 und Tafel Y, 8 and 19. 

2) Ludern der Oberkörper infolge des Anlehnens etwas nach rechts 
lurücktritt, entsteht eine schön geschwangene Linie. Aach sonst ist die 
Gomposition der Reversdarstellnng unseres KedaiUons ganz vorzüglich and 
künstlerisch reiflich durchdacht. Der Ölbaum mit der Eule, der Schild und das 
grone Füllhom auf der rechten Seite, welche hierdurch sehr stark betont 
wird, bedürfen eines kräftigen Qegenaccentes auf der linken Seite; dieser 
wird in wirksamster Weise geboten durch den hohen Altar, um welchen sich 
die Schlange windet (die das Feld ähnlich den Baumzweigen rechts aus- 
füllt) sowie durch den vorgestreckten rechten Arm mit dem mächtigen Blitz. 



206 ^r. F. Quilling: 

nämlich das Reliefbild einer von Montfaucon, L'antiquit^ 
expliqu^e Bd. V, 2 (Paris 1722) pl. 168 abgebildeten Lampe. 
Es heisst im Texte dazu Seite 219: ,,La Minerve suivante est 
une figure panth6e des plus charg^es de simboles qu'on ait 
encore vues. Minerve assise sacrifle sur un fiutel charg^ de 
fruits sur lequel est un sei^pent, Symbole d'Esculape et d'Hygiea : 
eile tient d'un bras (links) la corne d'abondance et le timon, 
symboles de la fortune. Sur son dos est le paon de Junon et 
derriire eile le dauphin de Neptunc. On voit devant eile la 
foudre de Jupiter, la lyre d'ApoUon, le caduc^e de Mercure, 
les tenailles de Vulcain, les pavots de Ceres; et si Toiseau qui 
est percb^ sur un des pavots est un pigeon, c'est la colombe 
de Venus." 

Die Lampe macht, wie schon bemerkt, einen äusserst ver- 
dächtigen Eindruck; die Yulcanzange ist in raffinirtester Weise 
zur Verkleidung der Eingussöffnung verwendet, das kleine Säul- 
chen, auf welchem die Lyra steht, muthet sehr modern an, der 
Delphin ist offenbar mit Bücksicht auf das Steuerruder beigefügt ; 
Zuthat sind ferner die Früchte auf dem Altar, Minerva opfert 
nicht, sondern füttert die ihn umwindende Schlange; die ganz 
unmotivirte Sphinx rechts von dem Stuhle der Minerva ist natür- 
lich nur eine missverstandene Sesselstütze, ähnlich wie z. B. auf 
der Buckseite der Geta-Münze CohenMII, 153. Tafel XIIP). 

Dieses Monument trägt demnach so deutliche Spuren der 
Fälschung an sich, dass es in keiner Vt^eise zur Erläuterung 
unserer Darstellung zu verwenden ist; vielmehr werden wir nach 
einer Erklärung aus dieser selbst heraus suchen müssen und 
sie vielleicht finden durch eine Betrachtung sämmtlicher der 
Minerva beigegebenen Attribute und der Art ihrer Verbindung. 

Ehe ich meine eigene Ansicht hierüber mittheile, führe ich 
einen ähnlichen Deutungsversuch an; welchen mir Herr Dr. Gaebler 
in Berlin freundlichst zukommen Hess. Er schreibt: „ Ich glaube, 



1) Wo es sich um Abbildungen handelt, citire ich lieber nach der 
ersten Auflage von Cohen mit ihren schönen Stichen als nach der zweiten 
mit den schlechten Zinkdrucken. 



Hünsen und Medulloos der Mfinzsammlaiig in Frankfurt a. M. 207 

dass wir darin eine pantheistische (oder richtiger synkretistiscbe) 
Darstellung zu erkennen haben. Besonders beliebt war bei den 
Römern die Verbindung mit Fortuna, die bei mehreren Göttinnen 
stattfand. Auch auf dem in Bede stehenden Medaillon möchte 
ich die Darstellung als Minerva-Fortuna deuten. Der „Pfeiler'', 
auf den sich die Göttin mit dem 1. Arm stützt, ist höchstwahr- 
scheinlich vielmehr das Steuerruder gewesen, was ich auch 
deshalb vorziehe, weil der Contur nicht senkrecht verläuft, wie 
es doch bei einem Pfeiler nothwendig wäre, sondern etwas 
schräg, von rechts oben nach links unten. Ganz ähnlich sind 
die beiden Attribute (Steuerruder und Füllhorn) angebracht bei der 
Spes-Fortuna auf den Münzen des Aelius (Cohen II, 264. 63. 65.)''. 
Diesen Ausführungen kann ich mich deswegen nicht an- 
schliessen, weil sie das Attribut des Altares mit der Schlange uner- 
klärt lassen. Meiner Ansicht nach giebt uns das Beversbild des 
Medaillons eine Darstellung der Minerva in ihrer Eigenschaft als 

1. Promachos, Nike (Schild, Helm, Blitz), 

2. Hygiea, Salus (schlangenumwundener Altar), 

3. Etesia, Spenderin der Habe (FtUlhorn). 

Ölbaum und Eule bedürfen keiner Erläuterung und die für 
die anderen Attribute gegebene Erklärung ebenfalls nicht mit Aus- 
nahme des Füllhornes zur Charakterisirung der Athena Etesia, 
welches bis jetzt in dieser Verwendung noch nicht bekannt ist; allein 

der Unterschied ist wohl gering, ob Athena in dieser Eigenschaft 

*• 

mit Ähren in den Händen oder mit einem Füllhorn in dem 
Arme abgebildet wird (vgl. Boscher in seinem Lexicon der 
Mythologie I, Seite 684); in beiden Fällen findet eine Annäherung 
an den Typus der Annona statt, welche mit beiden Attributen 
ausgestattet vorkommt. 

Die Säule ist in diesem Falle entweder als bedeutungsloses 
Beiwerk (s. oben) oder vielleicht noch eher als jenes Attribut 
zu erklären, welches sich auch bei Salus allein auf den Bevers- 
bildern römischer Münzen hie und da findet (s. oben). Die 
Entscheidung, welcher dieser beiden Erklärungen des Pfeilers 
der Vorzug zu geben sei, bleibt zweifelhaft« 



208 ^^' ^* Qnilling: 

2. M. Aurelius. 

BroDzemedaillon. (Dm. =37 mm, Dicke = 5 mm, Gewicht ^ 

50,05 g.) 
Bei diesem Medaillon ist glücklicherweise die Erhaltang 
eine bessere als bei No. 1, so dass Legende und Darstellang 
mit Sicherheit zu erkennen sind: 

M AVREL ANTONINVS AVG GERM SARM [TR P] 
XXXI Beiorb. bärtige Büste, gewandet, nach rechts. 
Rf. IMP Villi COS III P P; im Abschnitt CLEMENT] A 
AVG. M. Aurelius im paludamentam nach links stehend, 
den rechten Arm auf den Bücken legend, in dem ge- 
senkten linken eine Lanze haltend; dem Kaiser zuge- 
wendet kniet nach rechts eine weibliche Fignr, mit 
beiden Händen einen grossen (bis in Kopfhöhe reichen- 
den) ovalen Schild haltend, welcher unten aufeteht; vor 
ihr am Boden ein Helm. 
Auch in diesem Falle weichen die Barckhaussche und die 
Rüppellsche Beschreibung ab, auch hier stimmen sie anter sich 
nicht überein ; und zwar liest wie bei Nr. 1 Rflppell die Legende 
sicherer, während Barckhaus die Darstellung richtiger erkennt. 
Im Numophylacium Glockianum heisst es S. 47: 

^MAVRELIVS. ANTONINVS. AVG Caput AnrelU 
senile barbatum et laureatum. 

IMP. VUII . COS . HI . P • P • infra CLEMENTIA-AVG. 

Fig. muL genuflexa clypeum offert Imperatori pala- 

datus stanti, dextra intergum rejecta, sin. hastam 

tenet, adjacet globus pro pedibus figorae gennflexae.*" 

Dagegen beschreibt Rüppell das Medaillon wie folgt: 

Avers: M • AVREL • ANTONINVS • AVG • GERM - SARM • TB- 

PXXXI. Mit Lorbeer bekränztes Brbid. n. Rechts 

mit Paludamentum. 

Rvs: IMP. Villi. COS. III. P.P. im Abschnitt: CLEMENTIA- 

AVG. Der Kaiser nach Links stehend, die Rechte auf 

die Brust gelegt, in der Linken einen Scepter. Vor ihm 



Münzen und Medaillons der Münzsammlung in Frankfart a. M. 209 

ein knieender Germane, der ihm ein grosses Gefäss dar- 
reicht. Glock p. 47 . . . hält die Vase für ein Schild." 

Rfippell giebt danach die Legende vollständig richtig wieder, 
dagegen ist die Beschreibung der Darstellung auf der Rückseite 
des Medaillons ziemlich in Allem unzutreffend. 

Besonderes Gewicht ist auf die Thatsache zu legen, dass 
nicht ein Germane, sondern eine weibliche Figur in der knie- 
enden Gestalt zu erkennen ist, wie schon Barckhaus richtig be- 
merkte, und dass sie nicht ein Gefäss, sondern einen Schild hält. 

Dass ein Weib dargestellt ist, ergiebt sich aus der starken 
Betonung der Hüften- nnd Bauchgegend sowie aus der Art der 
Haartracht in langen Flechten, welche im Nacken niederfallen. 
Der Irrthum, die Figur halte ein auf dem linken Knie aufge- 
stütztes Gefäss, mag daraus entstanden sein, dass die auf den 
oberen Rand des ovalen Schildes aufgelegte Hand derselben im 
ersten Augenblicke Hals und Mündung eines Gefässes zu gleichen 
scheint, dass ferner der untere Theil des Schildes durch das 
linke Bein der knieenden Figur stark verdeckt wird und nur 
ganz wenig mit einem Theile des Randes neben dem linken 
Schienbein zum Vorschein kommt, welches ihn in unschöner 
Weise schneidet. 

Indem somit der ganze untere Theil des Schildes leicht 
dem Auge entschwindet, und nur der obere, welcher durch die 
aufgelegte Hand auch dazu noch mit Hals und Mündung ver- 
sehen zu sein scheint, zur Betrachtung kommt, kann leicht der 
Eindruck entstehen, als halte die Figur auf dem linken Knie 
ein Gefäss. 

Nichtsdestoweniger ist mit aller Bestimmtheit in dem von der 
knieenden Figur gehaltenen Gegenstande ein Schild zu erkennen. 

Die Darstellung ist genau dieselbe wie diejenige, welche 
sich häufig auf Grossbronzen verschiedener Kaiser findet; bei- 
spielsweise sei das Stück: 

Cohen, Monnaies imperiales ' I. 510. 490. angeführt, dessen 
Original mir in einem Exemplare der Frankfurter Sammlung 
vorliegt. 



208 ^^' F. Quilliag: 

2. M. Aurelius. 

BroDzemedaillon. (Dm. ==37 mm, Dicke = 5 mm, Gewicht ^ 

50,05 g.) 
Bei diesem Medaillon ist glücklicherweise die Erhaltung 
eine bessere als bei No. 1 , so dass Legende und Darstellung 
mit Sicherheit zu erkennen sind: 

M AVREL ANTONINVS AVG GERM SARM [TR P] 
XXXI Beiorb. bärtige Büste, gewandet, nach rechts. 
Rf. IMP Villi COS III P P; im Abschnitt CLEMENTIA 
AVG. M. Aurelius im paludamentum nach links stehend, 
den rechten Arm auf den Rücken legend, in dem ge- 
senkten linken eine Lanze haltend; dem Kaiser zuge- 
wendet kniet nach rechts eine weibliche Figur, mit 
beiden Händen einen grossen (bis in Kopfhöhe reichen- 
den) ovalen Schild haltend, welcher unten aufsteht; vor 
ihr am Boden ein Helm. 
Auch in diesem Falle weichen die Barckhaussche und die 
Rüppellsche Beschreibung ab, auch hier stimmen sie unter sich 
nitht überein ; und zwar liest wie bei Nr. 1 Rüppell die Legende 
sicherer, während Barckhaus die Darstellung richtiger erkennt. 
Im Numophylaciom Glockianum heisst es S. 47: 

„ M . AVREUVS . ANTONINVS • AVG Caput Aurelii 
senile barbatum et laureatum. 

IMP- Vmi • COS . in . P . P . infra CLEMENTIA -AVG. 

Fig. mul. genufleza clypeum offert Imperatori palu- 

datus stanti, dextra intergum rejecta, sin. hastam 

tenet, adjacet globus pro pedibus figurae genuflexae.*^ 

Dagegen beschreibt Rüppell das Medaillon wie folgt: 

Avers: M • AVREL • ANTONINVS • AVG • GERM • SARM • TR- 

P-XXXI. Mit Lorbeer bekränztes Brbld. n. Rechts 

mit Paludamentum. 

JRt?«: IMP.VnnCOS.ni.p.P. im Abschnitt: CLEMENTIA- 

AVG. Der Kaiser nach Links stehend, die Rechte auf 

die Brust gelegt, in der Linken einen Scepter. Vor ihm 



Münzen und Medaillons der Münzsammlung in Frankfart a. M. 209 

ein knieender Germane, der ihm ein grosses Gefäss dar- 
reicht. Glock p. 47 . . . hält die Vase für ein Schild." 

Rfippell giebt danach die Legende vollständig richtig wieder, 
dagegen ist die Beschreibung der Darstellung auf der Rfickseite 
des Medaillons ziemlich in Allem unzutreffend. 

Besonderes Gewicht ist auf die Thatsache zu legen, dass 
nicht ein Germane, sondern eine weibliche Figur in der knie- 
enden Gestalt zu erkennen ist, wie schon Barckhaus richtig be- 
merkte, und dass sie nicht ein Gefäss, sondern einen Schild hält. 

Dass ein Weib dargestellt ist, ergiebt sich aus der starken 
Betonung der Httften- nnd Bauchgegend sowie aus der Art der 
Haartracht in langen Flechten, welche im Nacken niederfallen. 
Der Irrthum, die Figur halte ein auf dem linken Knie aufge- 
stütztes Gefäss, mag daraus entstanden sein, dass die auf den 
oberen Rand des ovalen Schildes aufgelegte Hand derselben im 
ersten Augenblicke Hals und Mündung eines Gefasses zu gleichen 
scheint, dass ferner der untere Theil des Schildes durch das 
linke Bein der knieenden Figur stark verdeckt wird und nur 
ganz wenig mit einem Theile des Randes neben dem linken 
Schienbein zum Vorschein kommt, welches ihn in unschöner 
Weise schneidet. 

Indem somit der ganze untere Theil des Schildes leicht 
dem Auge entschwindet, und nur der obere, welcher durch die 
aufgelegte Hand auch dazu noch mit Hals und Mündung ver- 
sehen zu sein scheint, zur Betrachtung kommt, kann leicht der 
Eindruck entstehen, als halte die Figur auf dem linken Knie 
ein Gefilss. 

Nichtsdestoweniger ist mit aller Bestimmtheit in dem von der 
knieenden Figur gehaltenen Gegenstande ein Schild zu erkennen. 

Die Darstellung ist genau dieselbe wie diejenige, welche 
sich häufig auf Grossbronzen verschiedener Kaiser findet; bei- 
spielsweise sei das Stück: 

Cohen, Monnaies imperiales ' I. 510. 490. angeführt, dessen 
Original mir in einem Exemplare der Frankfurter Sammlung 
vorliegt 



210 Dr. F. Quilling: 

Auch hier redet die Beschreibung fälschlich von einem 
„Germain a genoux'% die knieende Figur ist hier noch viel 
deutlicher als bei dem Medaillon durch starke Betonung 
der Hfiften und lange Haartracht als weiblich gekennzeichnet; 
sie hält einen (sechsseitigen) auf dem Boden aufstehenden Schild 
ebenso wie die knieende Figur auf der Rückseite des Medaillons; 
nur in der Haltung des Schildes besteht zwischen der Dar- 
stellung beider Stficke ein Unterschied, und zwar der, dass 
auf der Mckseite der domitianischen Münze der Schild nicht 
wie bei dem Medaillon des Marc Aurel fast ganz von dem 
linken Beine der knieenden Figur verdeckt wird, sondern (bis 
auf einen schmalen Randstreifen) vollständig zum Vorschein kommt, 
so dass jede missverständliche Deutung ausgeschlossen erscheint. 

Es erübrigt zum Schlüsse, noch zwei Punkte zu besprechen : 
1. den Typus der figürlichen Darstellung auf der Rückseite 
unseres Medaillons. 2. Die Frage, auf welchen Gnadenakt des 
Kaisers sich diese Darstellung bezieht. 

Bei den Reversbildern der römischen Münzen, welche eine 
Eigenschaft des Kaisers, unter dessen Regierung sie geschlagen 
sind, verkörpern sollen, ist in jedem Falle wohl zu unterscheiden, 
ob diese Eigenschaft als solche, abstract, dargestellt ist oder in 
ihrer Bethätigung, als concrete Erscheinung. Der Typus der 
Glementia-Darstellungen gehört bei Weitem nicht zu den inte- 
ressantesten und lehrreichsten; trotzdem aber liefert seine Ver- 
folgung durch die römische Numismatik hindurch einige beachtens- 
werthe Ergebnisse, in deren Reihe sich auch die Darstellung 
unseres Medaillons leicht einfügt; sie seien im Folgenden kurz 
angegeben: 

Es sondern sich deutlich 4 Typen-Gruppen ') von einander 
und zwar: 



1) Basehe, Lexicon universae rei numariae I, 2 führt weit mehr Cle- 
mentia-Typen (s. v.) an als Cohen; ich habe meinen Untersuchnngen indessen 
nur dessen medaiUes imperiales zu Grunde gelegt (2. Aufl.)i ^ Rasche sich 
vielfach auf zu unsichere Gewährsmänner wie Goltz etc. stützt und eine 
Nachprüfung der einzf^lnen Fälle mich zu weit gefuhrt haben würde. 



Münzen und Medaillons der Münisammlung in Frankfurt a. M. 211 

a) dementia als Göttin. 

b) dementia als Personification einer Eigenschaft; 

a. reiner Typus, 

ß. Vermischung mit anderen Typen. 

c) dementia, eine Handlung verkörpernd, symbolische Dar- 
stellung. 

d) dementia temporum^) 

a. in Anlehnung an Typus b. 
ß. neuer, selbständiger Typus. 

Die hier gegebene Aufzählung entspricht gleichzeitig im 
Wesentlichen der chronologischen Reihenfolge der Typen. Auf den 
ältesten in Betracht kommenden Münzen begegnet uns die Göttin 
dementia (Typus a) oder eine Darstellung des Tempels, welchen 



1) Der Typus dementia temporum gehört nicht unmittelbar in den 
Bereich unserer Betrachtungen und ist hier nur der YoUstAndigkeit halber 
mit aufgeführt; er lehnt sieh snnftchst an den Typus der dementia Augnsti 
an und zwar an den Typus b) ß. So finden wir bei 
Gallienns (Cohen V, 357. 102): „dementia mit einem Scepter, auf eine 

S&ole gestutzt nach links stehend.** 
Taeitus (Cohen VI, 223. 16—18) 1 Derselbe Typus, doch dementia mit ge- 
Florianus (Ibid. 241. 7. 8.) / kreuzten Beinen. 

In diesen sämmtlichen F&llen spricht sich eine starke Anlehnung an 
den Securitas-Typus aus; eine solche an den Yirtus-Typus jst wohl Cohen 
YI, 228. 15 (Tacitns). 

Seit Tacitns (Cohen YI, 223. 20.) tritt ein neuer Typus auf, nämlich 
der einer symbolischen Handlung, welcher sich von da an für die dementia 
temporum durchgängig findet: Der Kaiser in Milit&rtracht mit einem Adler- 
oder Kransbekrönten Scepter (manchmal fehlt die BekrÖnung oder sogar das 
ganze Scepter) empfängt Yon Juppiter (ebenfalls mit Scepter, im Mantel) die 
Weltkugel, worauf eine Yictoria steht. Dieser Typus begegnet uns bei: 
Probtts (Cohen YI. 264. 87-101) 
Carus (Ibid. 352. 13) 
Nnmerianus (Ibid. 369. 8. 9) 
Carinns (Ibid. 385. 19-21) 
Dioeletianus (Ibid. 417. 18—20; hier an Stelle des kaiserlichen Scepters 

das Schwert) 
Mazimianus Herc. (Ibid. 496. 30—33) 

In einem Falle (Taeitus; Cohen YI. 223. 19) empfängt der Kaiser die 
Kugel nicht von Juppiter, sondern von Roma. 



212 Dr. F. Qttilling: 

der Senat deip Divus Julius nnd der dementia Caesaris gemein- 
sam errichten Hess. Dieser Tempel findet sich mit der Um- 
schrift GLEMENTIAE CAESARIS auf der Münze Cäsars Cohen 
m^d. imp. L 16. 44; die Büste der Göttin in Vorderansicht auf 
einem Schilde als Hintergund (ähnlich wie Moderatio etc.) auf der 
Tiberiusmünze Cohen I. 189. 4 mit der Umschrift GLEMENTIAE. 

Von der Darstellung der Göttin dementia bis zur Wieder- 
gabe der Personification der dementia als einer besonders 
hervorragenden Eigenschaft des Kaisers ist nur ein kleiner 
Schritt; auch die Aufnahme einer Göttin dementia in den 
öffentlichen Cultus nach der Ermordung Caesars geschah ja 
lediglich zu dem Zwecke, einer seiner schönsten Eigenschaften 
Ausdruck zu verleihen, sie zu verkörpern, zu personificiren. 

Die Personification dementia erscheint auf den Münzen 
typisch (Typus b. a), ähnlich Juno und (in der ersten Zeit) 
Yesta, als stehende weibliche Figur mit Patera und Scepter; 
einzelne kleine Abweichungen (nur eine Schale oder anstatt 
Patera und Scepter zwei Schalen etc.) kommen nicht in Betracht. 
Diesen Typus finden wir auf den Münzen des: 

1) Hadrianus Cohen II. 122. 215—235. 

2) Antoninus Pius „ II. 283. 123—126. 

3) M. Aurelius „ III. 6. 20. 

4) „ „ „ III. 6. 22-26. 

5) „ „ „ III. 6. 28. 

6) „ „ „ III. 36. 358. 359. 

7) Albinus „ III. 416. 6. 

Dieser Typus wird indessen schon in verhältnissmässig 
früher Zeit (früher als es bei anderen Personificationen der Fall 
zu sein pflegt) entweder dadurch verwischt, dass die für ihn 
charakteristischen Attribute der dementia mit anderen ganz 
oder theilweise vertauscht werden, so dass eine Vermischung 
mit andern Typen eintritt, oder dadurch, dass die Stellung und 
Haltung der Figur selbst eine Änderung erfährt (Typus b. ß). 
Die folgenden Beispiele werden diese Behauptung erläutern: 



MÜDzen und Medaillons der Münzsammlnng in Frankfort a. M. 213 

Eine Abweichung von dem reinen Typas begegnet uns zu- 
erst auf den Münzen des 

Yitellius (Cohen L 356. 7 — 11): „dementia mit Zweig 
und Scepter nach links sitzend'\ (Ähnlich dem 
späteren Justitia-Typus; bis dahin derselbe ebenfalls 
mit Schale und Scepter als Attributen; der Zweig 
vielleicht von der „Fax"' heräbergenommen). Es 
kommen ferner in Betracht die Münzen des 

Hadrianus (Cohen II. 122. 212): „dementia neben 
einem geschmückten Brandaltare mit Schale und 
Scepter nach links stehend'S (Keine Anlehnung 
an bestimmten Typus, sondern Zugabe ähnlich wie 
bei Vesta.) 

Hadrianus (Cohen ibid. 213. 214): „Derselbe Typus, 
doch einfacher Altar und dementia auf Säule gestützt'^ 
(Keine Anlehnung an bestimmten Typus, sondern Zu- 
gabe, ähnlich wie bei Vesta bezw. Securitas, Felicitas). 

Anton in US Pins Cohen II. 282. 122) und 

M. Aurelius (Cohen III. 6. 17 — 19): „dementia nach 
links stehend, mit der Rechten die Schale haltend, 
mit der Linken das Gewand fassend*'. (Anlehnung an 
den Spes-Typus.) 
Später als die im Vorstehenden besprochene Gepflogenheit, 
Eigenschaften des Kaisers durch Personiflcationen zu verkörpern, 
tritt ein anderes, denselben Zweck verfolgendes Verfahren auf, 
nämlich die Wiedergabe einer Handlung, welche diese Eigen- 
schaft bethfttigt, eine symbolische Darstellung. (Typus c.) Im 
Gegensatze zu anderen existiren deren für den Clementia-Typus 
nur zwei, beide dem M. Aurelius angehörig, die Münze Cohen III. 
6. 27 und unser Medaillon^). 



1) BMche fehlt a. a. 0. mit Benifoog anf Eekfael (Gatalogns Hiuei 
Caatard VindoboneDsis numomm Yetamin. Vindobonae 1779 II, p. 229) 
avMerdem noch folgendes MedaiUon an «clementu avg. imp. vi. cos. ni. 
s. c. Imp. palndatofl stans, s. haetam, prae quo mnlier gennflexa cum Bcnto 



214 I>r. F. Quilling: 

Die Münze stellt den Kaiser in der Toga mit Lanze und 
Schild dar; vor ihm eine knieende, also seine Milde anflehende Figur; 
stillschweigende Voraussetzung (sonst kommt dieselbe dadurch 
zum Ausdruck, dass der Kaiser die Knieende aufhebt; vgl. die 
ähnlichen Münzen mit der Reversaufschrift RESTITVTORI ITA- 
LIAE etc. z. B. bei Hadrian) ist dabei natürlich, dass er auch 
wirklich Milde übt. Die Darstellung des Medaillons ist bekannt; 
sie ist prägnanter als die eben angeführte durch die Attribute 
der knieenden Figur ; sie überreicht den Schild, am Boden liegt 
der Helm, ofifenbar die Personification eines besiegten Landes 
oder einer bezwungenen Stadt, welche den Kaiser um Schonung 
bittet. 

Schon bei Darstellungen des Typus b, Eigenschaftspersoni- 
ficationen, wird man trotz der Allgemeinheit ihres Charakters 
in manchen Fällen an eine Anspielung auf ein bestimmtes Er- 
eigniss denken können, welches die Milde des Kaisers besonders 
deutlich zu Tage treten liess; man wird daran denken müssen 
bei so prägnanten Darstellungen wie der unseres Medaillons. 



Gennanico. J&, max. mod.^ Bei Eckhel hingegen steht a. a. 0. unter Nr. 288 
das Medaillon wie folgt beschrieben: ^m. avrel. antoninvs avg. ... Caput 
laureatum. R/, clementia avg . . . Imperator paludatus stans s. hastam 
prae quo mulier seminuda genuflexa cum scuto Gennanico. M. m. m.** Hier 
also fehlen die Buchstaben imp. vi. etc., welche Rasche der bei Eckhel unter 
289 angeführten Grossbronze desselben Typus (Cohen in. 6. 27) entnommen 
hat. Die Eckhersche Beschreibung des MedaUlons ist die richtige, das 
Wiener Exemplar mit dem nnsrigen identisch; yon dem cos. iii. p. p der 
Rückseite sind noch deutliche Spuren selbst auf einem Gipsabgüsse sichtbar, 
welchen ich der Güte des Herrn Direktor Dr. Fr. Kenner in Wien verdanke; 
derselbe theilt mir gleichzeitig über das dortige Medaillon freundlichst 
Folgendes mit: „Leider ist das Stück recht schlecht erhalten; ich glaube, es 
war dies schon bei der Auffindung und ist sehr stark gescheuert worden, die 
Patina scheint mit Gewalt entfernt worden zu sein. Auf der Vf. zeigt sich 
im Namen antoninvs der Abdruck eines Stempelsprunges. Es ist dasselbe 
Stück alten Besitzes, welches Eckhel im Cat. Mus. Caes. beschreibt; ein zweites 
Exemplar besitzt die kais. Sammlung nicht. Das Gewicht ist 49,58, Durchm. 
37, Dicke 5 mm. Ich habe es wegen der schlechten Erhaltung in meine 
Pnblication im Jahrbuch der kunsthist. Samlgn. des Ah. EH., Bd. I nicht 
au^enonunen.* 



Münzen und Medaillons der Münzsammlung in FranHart a. M. 215 

Es gehört ungefähr der gleichen Zeit an, wie die drei oben 
(Seite 212) unter Nr. 5 und 6 angeführten Münzen des M. Aurelius 
(Cohen Nr. 28. 358. 359). Diese fallen in das Jahr 176 n. Chr., 
das Medaillon in das Jahr 177 n. Chr. 

Im Frülgahre 175 hatte sich bekanntlich^) auf das falsche 
Gerficht hin, M. Aurelius sei gestorben, der Oberbefehlshaber 
der römischen Provinzen an der Parthergrenze, Avidius Gassins, 
erhoben und die Bewohner Syriens und Ägyptens, besonders die 
von Antiochia und Alexandria mit in die Bewegung hineingezogen ; 
im August desselben Jahres wurde er ermordet ; M. Aurel begab 
sich sofort nach dem Orient, um die Erhebung zu unterdrücken, 
suchte dies aber nicht mit Feuer und Schwert zu erreichen, 
sondern durch Milde ^und grossmflthige Verzeihung; trotzdem 
Faustina und der Senat strenge Züchtigung der Parteigänger 
des Cassius verlangten, gebot der Kaiser den gegen dessen 
Familie vom Senate eingeleiteten Verfolgungen Einhalt und be- 
strafte die Einwohner der Städte Antiochia und Alexandria so 
gut wie gar nicht 

Es liegt gewiss nahe, in den Reversdarstellungen der drei 
genannten Mttnzen, besonders aber der des Medaillons eine An- 
spielung auf dieses Ereigniss, und in der knieenden weiblichen 
Figur eine Personification der Einwohnerschaft von Antiochia 
oder Alexandria zu erkennen. 

Dass auch sonst, ohne unmittelbaren Anlass dazu, gerade 
bei M. Aurelius (ebenso wie bei Hadrianus) sich die Glementia- 
Typen nach Ausweis der oben gegebenen Zusammenstellung 
ungleich häufiger finden als bei irgend einem anderen Kaiser, 
hat seinen Grund lediglich in der Vorliebe M. Aureis, gerade 
diese von seinen Eigenschaften, welche er sogar mit der des 
Caesar und Augustus zu vergleichen pflegte, besonders gewttrdigt 
zu sehen*). 



1) Durny - Uertsberg, Geschichte des römischen Emiserreiches. II. 
(Leipiig 1886.) Seite 554ff. 

2) Yaleatius GaUicanos (Script, hist. Aug. ed. H. Peter. Leipiig 1884. 
L p. 93, 94. 



216 ^^' ^' Quilling: 

3. Gordianus III. 

BroDzemedaillen (Dm. = 35 mm, Dicke = 6 mm, Gewicht « 
49,35 g) mit massivem, 41 mm breitem Messiogrande. 

Auch dieses Medaillon stammt, wie die vorigen, aus der 
Glockschen Sammlung und ist bis jetzt nicht publicirt, wenn auch 
bereits eine Anzahl Exemplare mit sehr ähnlichen Darstellungen 
bekannt ist Die Erhaltung ist eine ganz vorzügliche und darum 
die Beschreibung absolut zweifellos und sicher: 

IMP GORDIANVS PIVS FELIX AVG. Beiorb. Büste 
mit Schild und Scepter n. 1. Auf dem Schilde in Re- 
lief dargestellt: Der Kaiser zu Pferde n. 1., gefolgt von 
einem Soldaten; vor dem Reiter Victoria mit Kranz n. 
links. (= Cohen Y. 29. 84; Grueber, Roman medallions 
in the British Museum [London 1874] p1. XLII, 1; 
Fröhner, Les medaillons de Tempire romain [Paris 1878] 
p. 188.) 
Rf. ADLOCVTIO AVGVSTI. Gordianus, begleitet von dem 
Prätorianer-Präfecten, auf einer Estrade nach rechts 
stehend, spricht zu vier am Fusse derselben ihm gegen- 
überstehenden Soldaten, deren dritter mit einem Schilde, 
deren vierter mit Lanze und Schild bewafiFhet ist, 
während die ersten beiden waffenlos zu sein scheinen. 
Im Hintergrunde werden (von 1. n. r.) eine Standarte, 
ein Feldzeichen, ein Legionsadler und ein Pferd (mit 
dem Vordertheil) sichtbar. (= Cohen V, 20. ^ and 
Grueber, R. m. pl. XLI unten.) 
Infolge der guten Erhaltung unseres Medaillons sind denn 
auch die beiden Beschreibungen, welche davon bis jetzt existiren, 
die Barckhaussche und die Büppellsche, richtig. 

Im Numophylacium Glockianum heisst es pag. 48 f. 

„IMP . GORDIANVS . PIVS . FELIX . AVG. CaputGor- 
diani Juvenis laureatum, ad pectus sinistrorsum spectans, 
d. hastam, sin. clypeum, in quo Imp. eques praeeunte 
Victoria conspicitur, tenet. 



Münzen ond Medaillons der Mfinzsamrolnng in Frankfurt a. M. 217 

ADLOCVTIO . AVGVSTL Imperator in suggestu cum 
praetorii praefecto stans adloquitar cohortes. 
Est nummus contorniatus circulo ex aere flavo circumdatus 
eximiae elegantiae et raritatis'^ 
Rflppell schreibt einfach: 

y^Avers = Cohen IV. 146. 181. 

Revers = Cohen IV. 144. 173. 

Aus zweierlei Metall geprägt. RR." 

Unser Medaillon gehört in die Reihe der Stücke, welche 
nach Kenners sehr wahrscheinlicher Vermuthung^) dem Jahre 242 
n. Chr. zuzuweisen sind und sich auf die Eröffnung des Feldzuges 
gegen die Perser beziehen; die Prägung in zweierlei Metallen, 
welche bereits seit Commodus existirt, ist nicht auffällig. 

4. Caracalla. 

Grossbronze (Cohen No. 236) mit umgeschlagenem Rand. 

Woher das Stück stammt, vermochte ich nicht festzustellen ; 
in dem numophylacium Glockianum ist es nicht aufgeführt und 
die Acten der Bibliothek enthalten keine Notiz darüber. 

Die Manier des gehämmerten Randes ist eine bekannte, bei 
römischen und griechischen Kaisermünzen öfter vorkommende. 
Der Zweck derartiger Behandlung ist bis jetzt noch nicht klar- 
gestellt; neuerdings erkennt F. Gnecchi^ in diesen Stücken 
Vorläufer der Contomiaten. Dass sie wenigstens hinsichtlich der 
äusseren Form zu denselben Zwecken wie diese brauchbar waren, 
wird sich nicht leugnen lassen. Ausserdem aber scheint für 
Gnecchis Vermuthung der Umstand zu sprechen (freundliche Mit- 
theilung des Herrn Dr. Gaebler), dass gerade die Grossbronze 
des Oaracalla mit der Darstellung des Circus verhältnissmässig 
häufig so bearbeitet erscheint. 



1) Kenner, Römische Medailloiu (J«hrbiich der kuntthiftorifehen 
Samnüiingen des AUerhöchsten Kaiserhaoses Bd. 1—3; 5; 9; 11.) Bd. m, 
8. 17 (Nr. 102-104). 

2) BiTisU italuna di nomismatica YDI (1895) pag. 2a3ff. 

Z«itaclkrifl ftt HumiraMtik. XX. 15 



218 I^f* ^* Qu ill ing: Münzen u. Medaillons d. Münzsaimnl. in Frankfurt a. M. 

5. Pertinax Caesar. 

Wenn ich zum Schiasse den bekannten, von A. von Sallet 
vorzüglich und erschöpfend besprochenen^) Alexandriner des 
jüngeren Pertinax der städtischen Sammlung in Frankfurt noch- 
mals abbilde, so geschieht es lediglich zu dem Zwecke, der bisher 
allein existirenden zeichnerischen Darstellung desselben (von der 
Hand Dardels) eine gerade für die Wiedergabe von Münzen be- 
sonders geeignete, mechanische Reproduction auf photographischem 
Wege zur Seite zu stellen. 



1) Zeitschr. f. Numism. I (1874) Seite 314 ff. und Tafel IX, 2. Danach 
Text nnd Abbildung in Cohen, M^d. imp.^ m, Seite 397. 

Frankfurt a. M. Dr. F. Quilling. 



Silbennünze eines baktrisclieii Königs Antiochus. 





Bärtiger Kopf mit Diadem L, den parthischen Königen 

etwas ähnlich, oben undeutliche Schrift. 
Ä/. .A^IAEß^.MTIOXOY. Stehende rohe Figur von vorn 

mit langen Diadembändern, kurz bekleidet, in der Linken 

den Bogen haltend (also wohl Apollo). Rechts unten K 

oder k. iit. 3. Gutes Silber. 
Diese wohl erhaltene, vom Berliner Münzcabinet vor Kurzem 
erworbene, rohe Münze gleicht im Gepräge und im Styl fast 
genau den nicht seltenen, ebenfalls, der Sitte der späten Zeit 
entgegen, oft aus gutem Metall geprägten Silbermünzen, welche 
aber dem Kopfe die Beischrift YPKGJAOY und auf der Bückseite 
eine oft sehr verwilderte Beischrift, die auf den scheinbar 
correcteren Stücken PAH0POY MAKAPO, meistens aber ganz 
anders und wohl völlig sinnlos lautet, tragen ; eine kleinere Sorte 
hat auf der Vorderseite den Kopf, auf der Rückseite die Auf- 
schrift YPKCJAOY und das Vordertheil eines Pferdes. Der 
Fundort dieser Münzen ist nach Wilsons Angabe in seiner Ariana 
antiqua Kabul, in der nordwestlichen Ecke von Vorderindien. 
Man hat in dem YPKCJAOY wohl mit Recht den Genitiv eines 
Eigennamens, also doch wohl des Herrschers, des Hyrcodes 

oder Hyrcodes, vermuthet, ein Name, der ja mit andern asiatischen 

15* 



220 A. V. Sallet: 

Namen Ähnlichkeit hat, so mit dem einer parthischen Neben- 
dynastie angehörenden König Hyrodes, von dem wir Kupfer- 
münzen mit parthischem Königskopf und YPGJAHC BACIAEYC 
besitzen (s. Mordtmann, Zeitschr. f. Numism. III p. 224 f.); 
ähnlich ist dann Orodes, Herodes. Der Arsacide Orodes I. wird 
bei Plutarch ebenfalls Hyrodes genannt. Was das PAH0POY 
MAKAPO heisst, ist unbekannt, vielleicht ist es Göttername, aber 
an das homerische /laxag, selig, darf man wohl nicht denken, 
obgleich sich gerade bei einer baktrischen, späten Königsmfinze 
die poetisch und homerisch klingende Bezeichnung: wqavvovvxoq 
^Hqccov 2dxa xoigdyov findet ~ wenn, was ich sicher glaube, 
diese Lesung richtig ist (s. Gardner, Catalog der baktrischen 
Münzen des British Museum, Introduction p. XLVII). — Wann 
der Hyrcodes geherrscht hat, ist unbekannt; der Styl ist ganz 
roh, schlecht und nachlässig, seine Münzen scheinen die Vor- 
bilder der offenbar sehr späten Silberstücke der Sah-Dynastie 
der Sinha-Könige zu sein. — Nun kommt plötzlich das oben 
beschriebene, im Styl fast durchaus den rohen Hyrcodes-Münzen 
gleichende Stück dazu, das uns völlig deutlich und zweifellos, 
bis auf ein umgekehrt gestelltes N völlig correct einen König 
Antiochus nennt, der aber nichts mit einem syrischen Münz- 
herrn zu thun hat^), sondern im Nordwesten Vorderindiens in 
später Zeit, wohl etwa im ersten Jahrhundert vor Christus, 
gewohnt haben muss. 

In so später Zeit ist meines Wissens von einer politischen 
Verbindung des zu Ende gehenden syrischen Reiches oder gar 
der geringen Gommagenischen Herrschaft mit Baktrien oder 
Indien nichts bekannt, eine Gopie syrischer Gepräge ist aber 
unser Stück bestimmt nicht, und eine einfache barbarische, ohne 
Nachdenken gemachte Gopie, eine rohe Nachahmung, scheint bei 
der Gorrectheit der Inschrift wohl völlig ausgeschlossen. 

Das merkwürdige Stück ist also vorläufig völlig räthselhaft, 



1) Ein stehender Apoll mit Bogen kommt allerdings als Bückseite bei 
syrischen (and ähnlich bei griechisch - baktrischen) Königen vor, aber sehr 
anders als der auf den Münzen des Hyrcodes. 



Silbermüiize eines baktrischen Königs Antiochus. 221 

es scheint ein Zeugniss einer sehr späten, wohl ganz ephemeren 
griechischen Herrschaft im fernen Osten zu sein; bei der Deut- 
lichkeit und fast fehlerlosen Gorrectheit der Inschrift wird man 
wohl genöthigt sein zu glauben, dass es in jener Zeit in der 
Gegend von Kabul wirklich einen griechischen oder sich als 
Griechen gerirenden König Antiochus gegeben hat, der aber, wie 
das bisherige Fehlen seiner Prägung und das späte Auftauchen 
einer einzigen Münze zu beweisen scheint, nur sehr kurze Zeit 
als ephemerer Herrscher existirt haben mag. 

A. y. Sallet. 



über den Wert der monnmeiitaleii und litterarisolien 

Quellen antiker Metrologie. 



Wer einmal bei der Lektüre eines antiken Schriftstellers 
oder bei der Erforschung antiker Rainen oder wenn er beim 
Messen von Statuen oder bei der Inhaltsbestimmung antiker 
Gcfässe den modernen Wert in den alten umsetzen will, Ge- 
legenheit gehabt hat, sich mit antiken Maassen und Gewichten 
zu beschäftigen, wird finden, dass nur in sehr seltenen Fällen 
in den geläufigen Handbüchern volle Übereinstimmung erreicht 
worden ist, dass vielmehr für gewöhnlich soviel verschiedene 
Ansichten existiren, als überhaupt ausgesprochen sind. Und 
wer dann, um zu selbständigem Urteil vorzudringen, sich gar 
in die metrologische Einzellitteratur vertieft oder zu vertiefen 
sucht, dem wird sich aus der Fülle einander widersprechender 
Ansichten das Bild einer grenzenlosen Verwirrung und das wenig 
tröstliche Resultat ergeben, dass eine Erkenntniss der wirklichen 
ehemaligen Verhältnisse so gut wie unmöglich ist. Es besteht 
daher eine, so wie die Sachen heute liegen, allerdings nicht 
unbegründete Abneigung gegen alles, was mit der Metrologie 
zusammenhängt. 

Die Unsicherheit und das Schwanken in der Bestimmung 
antiker Maassgrössen ist hervorgerufen durch eine falsche Be- 
urteilung des Quellenmaterials; ihm ist stets zuviel zugemutet 
worden. Man hat sich nie darauf beschränkt, vorsichtig das 
als Grundlage zu wählen, was als schlechthin sicher gelten kann, 
um von da aus in allmählichem Eindringen zu neuen Ergeb- 
nissen zu gelangen, sondern es herrscht in der Art, wie man 



1) AntrittsTorleBung, gehalten in Berlin am 4. März 1896. 



E. Pernice: Wert monument. n. litt«rar. Quellen antiker Metrologie. 223 

ZU den Quellen Stellung genommen hat, eine Willkür, wie sie 
für jedes andere Oebiet der Altertumswissenschaft unerhört 
ist; man pflegt sich meist aus dem reich vorhandenen Stoff 
das auszuwählen, was zu der aufzustellenden Hypothese 
passt, und ein Beweis ist fertig, der für jeden, der den Dingen 
nicht näher steht, überzeugend sein muss ; nur schade, dass man 
mit einem anderen Stück ebenso überzeugend das Gegenteil 
beweisen kann. 

Als eine Pflicht methodischer Forschung erscheint es mir 
daher, dass hier möglichst kräftig Einhalt geboten werde. Denn 
die Metrologie wird discreditirt und ihr schönes und höchstes 
Endziel, die Geschichte des antiken Welthandels und Weltver- 
kehrs, wird an einen Punkt gestellt, der, wenn wir einen Schritt 
auf ihn zu gethan zu haben vermeinen, um das Doppelte von 
uns abrückt und schliesslich in nebelhafter Ferne zu verschwin- 
den droht. 

In welcher Weise wir aber das uns erhaltene monumen- 
tale und litterarische Qnellenmaterial zu benutzen haben, 
wie viel oder wie wenig es uns lehren kann und welche Auf- 
gaben zu lösen sind, damit sich auf dem neu bereiteten Funda- 
ment ein besserer und sicherer Bau erhebe, das soll in kurzen 
Zügen und an einer Keihe von Beispielen veranschaulicht 
werden. 

Die Hauptmasse des monumentalen Materials besteht in 
Gewichten. Es sind ihrer Tausende erhalten, griechische und 
römische, und unter den griechischen nicht nur attische, sondern 
aus allen Teilen Griechenlands und vop den Inseln. Doch es 
erhebt sich zunächst die Vorfrage: welche Stücke dürfen wir 
f&r unseren Zweck benutzen? Wenn wir alles das als Gewichte 
gelten lassen sollten, was jemals dafür ausgegeben worden ist, 
dann würden wir recht bald in der grössten Verlegenheit sein. 
Denn alles, was man nicht besser zu erklären wusste, war als 
Gewicht gut genug. Terracottakegel mit irgendwelchen Marken, 
Bleistficke, deren Verwendung man nicht erraten konnte, durften 
als Gewichte frei die Linie passiren. Man dachte nicht daran. 



224 E. Pernice: 

dass Terracotta wegen ihrer Veränderlichkeit ein untaugliches 
Material ist — nur ein einziges sicheres Gewicht ist bisher be- 
kannt, eine attische Mine nach seiner Aufschrift, im Gewicht 
von 429 g — und dass Bleistücke doch ein charakteristisches 
Merkmal haben müssen, was sie als Gewichte ausweist. Eines 
der lehrreichsten Beispiele fehlerhafter Erklärung, die selbst in 
das corpus inscriptionum latinarum Eingang gefunden hat, ist 
folgendes. In Pompei wurden zu verschiedenen Zeiten Blei- 
stücke in Form von abgestumpften Pyramiden gefunden mit der 
Inschrift 'eme habebis' oder seltener 'für cave malum\ Diese 
Stücke sind ganz im Allgemeinen an Gewicht gleich und halten 
sich etwa zwischen 500 und 350 g. Man schloss nun, dass 
diese Stücke wirklich Gewichte seien und ihnen die attische 
Mine von 436 g zu Grunde liege , und gewann so das handeis* 
geschichtlich hochwichtige Resultat, dass in Pompei das attische 
Gewicht fast ebenso verbreitet war, als das römische. Aber schon 
der Umstand, dass alle Stücke ungefähr die gleiche Grösse haben, 
musste vor dieser Erklärung warnen. Denn die Teilstücke 
fehlen ganz; es wäre etwa das Gleiche, wenn bei uns nur Kilo«- 
gewichte in Gebrauch wären, von Halben und Vierteln aber 
überhaupt nicht die Rede wäre. Wenn man aber die 
Fundnotizen vergleicht, so bemerkt man, dass die Stücke fast 
stets in mehreren Dutzend bei einander in Kaufläden gefunden 
sind. Wozu brauchten die Händler so viel gleichschwere Ge- 
wichte? Und was soll denn die Inschrift 'eme habebis'? Für 
eine Waare passt sie wohl, auch die andere ^fur cave malum', 
'stiehl mich nicht, sonst geht es Dir schlecht', aber doch nicht 
für ein Gewicht; denn die Erklärung bei Overbeck Pompei^ 
S. 280 ^kaufe und du wirst haben, natürlich die mit diesen Ge- 
wichten gewogenen Waaren' liegt doch nicht sehr nahe. Diese 
Stücke sind eben nichts anderes als Blei, das zum Verkauf stand 
und das man in annähernd gleichschweren Stücken goss, um es 
leichter und ohne weiteres Nachwiegen bequem verkaufen zu 
können. 

Aber solche Beispiele sind nicht vereinzelt und sie sollten 



Wert monnment. n. litterar. Quellen antiker Metrologie. 225 

lehren, dass zunächst doch nur solche Stttcke in Betracht kommen 
können, die eine Bezeichnung dessen tragen, was sie vorstellen 
sollen — und solche giebt es genug. Da aber nun die ihrem 
Werte nach bezeichneten Stücke wenigstens in Griechenland 
ein Bild zu haben pflegen, welches für jeden Wert eine cha- 
rakteristische Form hat, so können wir auch diejenigen Gewichte 
heranziehen, welche nur das Bild ohne Wertangabe tragen, 
und so die Reihen ergänzen. Aber weiter dürften wir metho- 
discher Weise nicht gehen, in keinem Falle dann, wenn wir aus 
den Gewichten den Beweis einer metrologischen Vermutung er- 
bringen wollen. 

Beginnt man nun, nachdem auf diese Weise das Material 
zurechtgelegt ist, die Gewichte auf ihre Schwere zu untersuchen, 
so stellt sich heraus, dass sie alle ungenau sind, nicht dui'ch 
äussere Einwirkungen allein dazu geworden, sondern von vorn 
herein so hergestellt. Man glaubt kaum, wie weit die 
Fehlergrenzen gesteckt sind; dass ein Gewicht, das rund 100 g 
wiegen soll, um 5—10 g zu schwer oder zu leicht ist, ist ganz 
gewöhnlich; das steigert sich in entsprechender Weise bei den 
grösseren Gewichten, und selbst diejenigen, welche den Namen 
ein und desselben staatlichen Controleurs tragen, schwanken 
unter einander in ihren Beträgen wesentlich. 

Diejenigen nun, welche kühn genug waren, haben gerade 
aas diesen Unregelmässigkeiten die wichtigsten Thatsachen er* 
schlössen; so wurde konstatirt, dass genau wie bei den Münzen 
Herabminderungen oder Vergrösserungen der Gewichtsnormen 
stattgefunden hätten, man fand, dass eine ganze Reihe ver- 
schiedener Gewichtsnormen zu gleicher Zeit in Gebrauch ge- 
wesen waren, ja dass allmählich Übergänge aus einer Norm in 
die andere zu konstatiren seien. Aber man bedachte dabei 
nicht, dass Gewichtsstücke ganz anders als wie die Münzen be- 
handelt werden müssen. Das, was für das Münzwesen typisch 
ist und hier seine volle Erklärung findet, gilt nicht ohne Wei- 
teres für Gewichte, die für den Kleinverkehr auf dem Markte 
bestimmt sind, mit dem der tägliche gewiss wohlfeile Bedarf 



226 E. Pernice: 

des attischen und römischen Bürgers abgewogen wurde. Man 
hat bei dieser rein theoretischen Betrachtungsweise nicht an die 
Möglichkeit praktischer Durchführung gedacht Wie können im 
Kleinverkehr mehrere verschiedene Gewichtsnormen gleichbe- 
rechtigt nebeneinander hergehen, wie kann man von dem gewöhn- 
lichen Mann verlangen, dass er die sieben verschiedenen Ge- 
wichtssysteme — denn so viel sind für Athen während seiner 
Blütezeit konstatirt worden — im Kopfe hatte, und wie können 
denn überhaupt Verminderungen und Vergrösserungen statt- 
finden? Zu welchen Zeiten sanken denn die Gewichte herab, 
und wie erfuhr man, dass abermals eine Abnahme oder Zunahme 
des Gewichts stattgefunden hatte? Es ist doch eine bekannte 
Thatsache, dass das Gewicht, das auf dem Markte verwendet 
wird, eine ungemeine Stabilität zu besitzen pflegt. Das lässt 
sich in alter und neuet Zeit immer wieder beobachten. Wenn 
das Geld weniger werth ist, bekommt man weniger Waare, aber 
was man bekommt, wird mit dem unveränderten Gewicht abge- 
wogen. Das römische Pfund zum Beispiel, welches wahrschein- 
lich zugleich mit der Silberprägung in Rom eingeführt wurde, 
hat sich unbekümmert um die Reductionen des As, unbekümmert 
um die Veränderungen des Silberdenars mit eiserner Festigkeit 
gehalten von Anfang an, und noch in spätbyzantinischer Zeit 
ist es das übliche Marktgewicht gewesen. Grosse durchgreifende 
Veränderungen lassen sich natürlich auch im Gewichtswesen 
denken und haben auch oft genug stattgefunden, dazu gehört 
beispielsweise die Ablösung des vorsolonischen Gewichtssystems 
durch das Solonische, die Einführung des römischen Beichsge- 
wichts in Athen seit dem Beginn der römischen Herrschaft, die 
Abschaffung des italischen Pfundes, das durch das römische er- 
setzt wurde; aber die einmal eingeführten Beträge haben sich 
gewiss konstant auf ihrer Höhe gehalten. 

Es bleibt also dabei: die aus dem Altertum auf uns ge- 
kommenen Gewichte sind wirklich ungenau, 4ind weil sie ungenau 
sind, sind sie zur feineren Bestimmung irgendwelcher Gewichts- 
normen nicht zu gebrauchen. Nur wenige Gewichte giebt es, 



Wert monoment. n. litterar. Qaellen antiker Metrologie. 227 

die sorgfältiger hergestellt sind; dazu kann man die heiligen Ge- 
wichte rechnen, d. h. diejenigen, welche in den Tempeln aufbe- 
wahrt wurden und zum Nachwägen der eingegangenen wert- 
vollen Weihgeschenke gebraucht wurden, und in vielen, aber 
nicht allen Fällen auch die von Staatswegen mit dem Aichstempel 
versehenen Stücke; sie dienen dazu, um zu erkennen, welche 
Norm dem Gewicht zu Grunde liegt, aber eine genaue Grössen- 
bestimmung darf man auch auf sie nicht begründen. Hier müssen 
eben die Münzen eintreten. 

Wenn aber die Gewichte so ungenau sind, sollte man denken, 
dann sei es überhaupt nicht nötig und lohnend, ihnen noch 
besondere Aufmerksamkeit zu schenken, dann kämen sie über- 
haupt für Fragen der Metrologie nicht mehr in Betracht. Das 
ist nicht richtig; aber es sind allerdings Gesichtspunkte und 
Resultate ganz anderer Art, die sich aus der Beschäftigung mit 
den Gewichten ergeben, als wie man sie zumeist bisher gewonnen 
hat. Dass diese aber nicht weniger wichtig sind, wird ein Bei- 
spiel am besten beweisen. Es betrifft das Gewichtswesen von 
Attika während seiner Blütezeit. Die übliche Lehre von der 
Einteilung des attischen Gewichtssystems ist die, dass an der 
Spitze das Talent steht, der sechzigste Teil des Talents ist die 
Mine, und diese zerfällt wieder in fünfzig Statere oder hundert 
Drachmen (denn der Stater ist das Doppelte der Drachme) ; die 
Drachme endlich hat als Teilstücke sechs Obolen. Diese Ein- 
teilung gilt als vollkommen sicher, niemals hat sich ein Zweifel 
dagegen erhoben, und doch ist sie nur halbrichtig; das lehren 
uns die so ungenauen Gewichte überzeugend. Wenn man näm- 
lich die vielen Hunderte von Gewichten mustert, die sich durch 
Stempel und Zeichen als attische ausweisen, so findet man wohl, 
dass die Einheit, die Mine, häufig vertreten ist, man begegnet 
den Drachmen vom Fünfundzwanzigdrachmenstück herab bis zur 
Drachme und ihren Theilen, den Obolen, alles wie es die übliche 
Einteilung erwarten lässt. Aber damit ist es noch nicht zu 
Ende. Denn neben dieser Reihe her geht eine andere, die ihr 
an Zahl der »Stücke überlegen ist, und sie beruht zwar auf dem- 



228 E. Pernice: 

selben Gewichtsfuss, zeigt aber eine ganz andere Einteilung und 
ist auch auf einer ganz anderen Einheit aufgebaut. Die Funde 
im Perserschutt der Akropolis haben uns gelehrt, dass diese 
Einheit gerade doppelt so schwer war, wie die der anderen 
Reihe, die Mine, und dass sie genau wie das Doppelte der 
Drachme Stater genannt wurde. Es gingen also in Athen zwei 
auf demselben Gewichtsfuss aufgebaute Systeme neben einander 
her, ein leichtes und ein schweres. Das leichte System hatte 
als Hauptvertreter die Mine, und als Teilstücke die Drachmen- 
gewichte, ihr sechzigfaches war das Talent. Das schwere System 
war auf dem Stater aufgebaut, der doppelt so gross wie die 
Mine war, und der Stater zerfiel, wie die Wertaufschriften der 
Gewichte erweisen, in Drittel tQivfifiOQta^ Viertel %6%aq%i^ik6qw^ 
Sechstel tjykiiqixa, Achtel ^(iniiaqva und so weiter; das Talent, 
das zu dieser Beihe gehörte, war demnach doppelt so schwer 
als dasjenige, welches das sechzigfache der Mine bildete. Man 
mag dieses Nebeneinander zweier Gewichtssysteme verwirrend 
finden ; aber wir brauchen uns doch nur daran zu erinnern, dass 
in dem heutigen Gewichtsverkehr ein ganz analoges Yerhältniss 
besteht; wir rechnen nach einer schweren Einheit, dem Kilo, 
und nach einer leichten, dem Pfunde, das halb so schwer als 
das Kilo ist; beide Einheiten haben ihre bestimmten Unterab- 
theilungen. Und in Babylon waren ein schweres Talent und eine 
schwere Mine neben dem leichten Talent und der leichten Mine 
in Gebrauch; die leichten wogen halb so viel als die schweren. 
Gerade dieser Zusammenhang mit Babylon spricht für die Rich- 
tigkeit dieser für das Yerständniss des attischen Gewichtswesens 
wichtigen Beobachtung, die nur durch das Studium der Gewichte 
ermöglicht worden ist. 

Auch für Italien lassen sich aus den Gewichten trotz ihrer 
UnvoUkommenheit wichtige handelsgeschichtliche Schlüsse ziehen. 
Aber diese gewinnen wir nicht allein, indem wir die Schwere 
der einzelnen Stücke prüfen, sondern durch eine Betrachtung 
der Wertbezeichnung, die sie tragen. Schon vor Jahren hat 
eine Reihe pompeianischer Gewichte wegen ihrer merkwürdigen 



Wert monument. u. litterar. Quellen antiker Metrologie. 229 

Aufschrift die Aufmerksamkeit Mommsens auf sich gezogen. Das 
wichtigste von ihnen ist ein grosses Steingewicht mit der Auf- 
schrift 37. Schon der Umstand, dass das Gewicht nicht eine 
runde Zahl von Einheiten wiegt — wer würde heutzutage ein 
Gewicht von 37 Kilo herstellen — lässt hier etwas Besonderes 
erwarten; 37 römische Pfund sind hier nicht gemeint, das er- 
kennen wir aus der zu grossen Schwere des Stückes, vielmehr 
wiegt das Stück etwa 37 attische Minen, und 37 attische Minen 
entsprechen genau einem halben römischen Gentner. Also es 
ist ganz klar, dass man in dem Gewichte das halbe römische 
Centumpondium in attischem Gewicht ausdrücken wollte, näm> 
lieh für diejenigen , die nach attischem Gewicht rechneten, und 
dass es solche in Pompei gab, ist bei dem lebhaften Handel 
der Stadt kein Wunder. Ein anderes Gewicht zeigt die Auf- 
schrift 33, gleichfalls für ein Gewicht eine abnorme Werthbe- 
zeichnung, es wiegt genau 33 römische Pfunde und diese sind 
25 attischen Minen gleich. Hier hat man also umgekehrt die 
runde Zahl attischer Minen durch die unregelmässigen der rö- 
mischen Pfunde ausgedrückt, aber gleichfalls, um ein Rechnen 
nach beiden Gewichtssystemen zu ermöglichen. Die Beispiele 
dieser Art, die Mommsen seiner Zeit zusammengestellt hat, lassen 
sich naturgemäss für Pompei heute um ein Bedeutendes ver- 
mehren; aber sie beschränken sich nicht auf Pompei allein. 
Sondern es ist möglich, an allen Stellen, wo uns der Zufall eine 
grössere Anzahl von Gewichten erhalten hat, neben dem ein- 
heimisch-römischen das attische Gewichtssystem, und zwar auf 
Grund von Stücken wie die eben erwähnten, nachzuweisen, in 
Pompei, in Rom, in Aquileia und wahrscheinlich selbst am Rhein, 
wohin es vielleicht von Massalia gekommen ist. 

Dieser von Mommsen zuerst aufgestellte Gesichtspunkt hat 
sich auch für eine zweite Reihe italischer Gewichte als frucht- 
bar erwiesen. Aus der Litteratur kennen wir eine Mine, die 
das anderthalbfache des römischen Pfundes wog und f^m VvaiUxf 
genannt wurde. Dieselbe Mine heisst aber ebenso häufig /i«va 
n%o3i€(Mix^ und es darf keinem Zweifel unterliegen, dass sie, 



230 E. Pernice: 

nachdem Ägypten dem römischen Reich einverleibt worden ist, 
von dort herübergenommen und wegen ihres bequemen Verhält- 
nisses zum römischen Pfund als (Avä ^haXmtii weitergeführt wurde. 
Wenn wir nun sehen, dass ein Gewichtstttck als Aufschrift V^ 
trägt und dass es V^ römische Pfund wiegt, so ist klar, was 
hier gewollt ist. Man drückte durch das Stück von 1)^ Pfund 
die ykvä HtokefMcix^ oder (ivä ^haXt»^ aus. Das gleiche ist der 
Fall bei einem Gewicht mit der Aufschrift 4*^, das ja ohne be- 
sondere Absicht schwerlich jemand hergestellt hätte, das sind 
eben 4^^ römische Pfunde, welche drei dieser Minen darstellen. 
Und so geht es weiter; ja selbst das Talent dieser Mine ist uns 
in zwei Exemplaren aus Pompei erhalten. 

Ich glaube, dass mit solchen Beobachtungen der Metrologie 
und der Handelsgeschichte weit mehr genützt wird, als mit Hy- 
pothesen, die lediglich auf der Prüfung der Schwere einzelner 
Gewichte beruhen, die in einzelnen Fällen wohl das Richtige 
treffen, aber zur Evidenz niemals gebracht werden können. 

Was von der Zuverlässigkeit der Gewichte gilt, gilt noch 
weit mehr von der Zuverlässigkeit der erhaltenen Hohlmaasse. 
Der Satz, aus den erhaltenen Maassgefässen lasse sich eine ge- 
naue Bestimmung der griechischen und römischen Hohlmaasse 
nicht ermitteln, ist nicht entfernt scharf genug; es lässt sich, 
vielleicht von verschwindenden Ausnahmen abgesehen, überhaupt 
nichts aus den Hohlmaassen für die Grössenbestimmung ermitteln. 
Fast wie ein Spott klingt es, wenn von einem ächtattischen Maasse, 
das mit einem athenischen Pallasbild und der athenischen Eule 
gestempelt ist und die Aufschrift df^kociov trägt, nachdem es 
sich erwiesen hat, dass es in die Reihe der Hohlmaasse nicht 
einzuordnen ist, gesagt wird : Wahrscheinlich aber gehört dieses 
Gefäss trotz des athenischen Stempels einem anderen Maass- 
system an\ Was für Maasse sollen wir denn benutzen? Was 
nützt es, attische Preisamphoren, was man gern und häufig ge- 
than hat, auf ihren Inhalt zu prüfen? Ihre Grösse ist, wie eine 
Übersicht über die Beispiele zeigt, durchaus nicht konstant Es 
fElhrt zu nichts, wenn man aus einer Reihe von ihnen den Durch* 



Wert monoment. u. litterar. Quellen antiker Metrologie. 231 

Schnittsbetrag berechnet und dieses f&r den eines attischen 
Maasses^ nämlich des Metretes ausgiebt. Denn woher wissen 
wir, dass diese Amphoren wirklich den Metretes darstellen 
sollten? Man hat diese Gefässe doch sicher nicht bei der Preis- 
verteilung einfach bis an den Rand voll Öl geschüttet, sondern 
mit kleineren Maassen so viel in sie hineingemessen, bis das 
vorgeschriebene Quantum erreicht war. Was nützt es weiter, 
die wirklichen Maassgefässe auf ihren Inhalt zu prüfen , wo wir 
gar nicht wissen, wie weit sie gefüllt werden sollten? Vor allem 
aber, was nützt uns die Untersuchung der Maasstische? Sie 
bilden für die Hohlmaasse das Hauptmaterial. Auf dem Markte 
einer jeden Stadt des Altertums war die Möglichkeit der Con- 
trole der Marktgef&sse durch einen solchen Maasstisch gegeben. 
Er besteht aus einer starken Marmorquader, die auf zwei Pfeilern 
ruht, und in diese Quader sind die Normalmaasse der Reihe nach 
eingehauen; nach unten haben diese Maasse Löcher, um das, 
was man in sie hineingeschüttet hat, bequem herauslassen zu 
können. Diese Monumente, deren bisher ungefähr ein Dutzend 
entdeckt sind, versprechen, weil sie, wie mehrfach Inschriften 
erweisen, Normalmaasse enthalten, für die Metrologie einen be- 
deutenden Oewinn und sie sind denn auch nach Kräften ver- 
wertet worden. Nicht nur hat man die Löcher mit der pein- 
lichsten Genauigkeit ausgemessen, sondern man hat sogar, wenn 
Stücke des Marmors ausgebrochen waren, stereometrische Rech- 
nungen nicht gescheut, um den Inhalt der Maasse zu bestimmen. 
Welcher Art die Resultate sind, die man aus solchen Inhalts- 
bestimmungen gewonnen hat, mag an zwei Beispielen erläutert 
werden. Der berühmteste Maasstisch, d. h. deijenige, welcher 
bisher am meisten zu metrologischen Zwecken herangezogen 
worden ist, stammt aus Gytheion in Lakedämon. Er enthält 
ffinf Maasse, davon eines, das xoSg, ein zweites, das 9/i*»xot;v be- 
nannt ist, sodann ein ^fkhxtoy und zwei xatvXat. Die Aus- 
messung des Ghus ergab nun ein bestimmtes Yerhältniss dieses 
Maasses zu dem äginäischen Hekteus und wieder der äginäische 
Hekteus steht in einem bestimmten Yerhältniss zu einem baby- 



232 E. Pernice: 

Ionischen Maass, dem Maris. So ergab sich, dass der Ghus von 
Gytheion der Hälfte des babylonischen Maris gleich sei — 
eine wichtige Wechselbeziehung zwischen lakedämonischem 
und babylonischem Maasssystem. Und weiter aus der Aus- 
messung dieser Hohlmaasse wurden dann die Inhalte anderer 
lakedämonis/^her Hohlmaasse berechnet, die auf dem Maasstisch 
nicht vorhanden sind. Ganz ähnliche Schlüsse sind ganz kürz- 
lich aus einem anderen Monument abgeleitet worden, das zu 
Kosovo in Bulgarien an der Stelle des alten Nikopolis ad Istrum 
in Niedermösien aufgedeckt worden ist. Als man sich der Mühe 
unterzog, den stark fragmentirten Stein zu messen, wunderte 
man sich darüber, dass die Wände der eingehauenen Maasse 
nicht glatt, sondern ganz unregelmässig bearbeitet waren, und 
bedauerte, dass die Böden der einzelnen Maasse jedesmal in 
barbarischer Weise durchstossen seien. Auch der Inhalt dieser 
Maasse ist nun zu dem babylonischen System in Beziehung ge- 
setzt worden, denn das eine, welches l^cv^g ^^n9(<^) genannt 
wird, enthält genau so viel, oder nur um ein geringes weniger, 
als das von Brandis auf 0,56 Liter angesetzte babylonische Log. 
Das sind Resultate, wie sie aus der Betrachtung der Maass- 
tische gewonnen werden. Sie sind sämmtlich verfehlt. Denn 
kein Maasstisch hat im Altertum so ausgesehen, wie er uns 
überkommen ist. Sämmtliche Maasse hatten vielmehr ursprung- 
lich bronzene Einsätze. Das lässt sich schon von vornherein an- 
nehmen, kann aber für jeden einzelnen noch ausdrücklich bewiesen 
werden. Wenn die Maasse inwendig so unregelmässig bearbeitet 
sind, so wurden diese Unregelmässigkeiten durch den bronzenen 
Einsatz verdeckt. Und wenn die Böden der Maasse bei dem 
eben erwähnten Monument barbarisch durchstossen sind, so ist 
das deswegen geschehen, damit man die bronzenen Einsätze um 
so leichter stehlen konnte. Ein Maasstisch, den ich früher in 
Tripolitsa, dem alten Tegea, untersucht habe, zeigt noch in 
mehreren Maassen an den Ansflnssstellen die Reste der Bronze- 
füllung, desgleichen ein anderer ans Naxos, und an dem Tisch 
von Gytheion ist der Bronzeeinsatz an dem grössten Maass, dem 



Wert nonument. q. litterar. Qaelleo antiker Metrologie. 233 

Chus, noch deutlich aus seinen Resten zu erkennen. Also waren 
die Maasse viel kleiner, als wie sie uns die Monumente zeigen, 
und die schönen Beziehungen zu anderen Maasssystemen fallen 
fort. Man weiss überhaupt nicht, wie gross die Maasse eigent- 
lich haben sein sollen. Was wir aus diesen Monumenten lernen 
können, ist sehr bescheiden. Im besten Falle, nämlich dann, 
wenn Inschriften bei den einzelnen Maassen stehen, erfahren 
wir, wie die jeweiligen Maasse genannt wurden, sonst können 
wir aus dem Inhalt nur entnehmen, wie wohl der Aufbau des 
Maasssystems gewesen sein mag, in wieviel Unterabteilungen 
das grösste Maass zerfiel, in welchem Verhältniss die einzelnen 
Maasse zu einander standen, und endlich wie gi*oss der Maximal* 
inhalt eines jeden Maasses anzusetzen ist. 

Und wie ist es mit den Längenmaassen ? ^Die wenigen aufge- 
fundenen Fussmaassstäbe oder in Stein gehauenen Abbildungen 
solcher Maassstäbe geben keine zuverlässigen Werte des Fusses, 
welchen sie darstellen, und überdies ist es fast ausschliesslich 
römisches Fnssmaass, welches in dieser Weise erhalten ist.' Dieser 
von Hultsch ausgesprochene Satz ist vollkommen richtig, und die 
Bestimmung von Längenmaassen aus diesen Monumenten ist daher 
wegen ihrer Unzuverlässigkeit mit Recht abgelehnt worden ; denn 
sie weichen in der That für genaue metrologische Untersuchungen 
in ihren Beträgen zu wesentlich von einander ab. Aber was 
für die so ungenauen Gewichte gilt, kommt auch hier in Be- 
tracht; es sind eben andere Gesichtspunkte, welche die Samm- 
lung auch dieser Monumente lohnen und ausgiebige Resultate 
versprechen. Wir sehen beispielsweise aus den Grabsteinen rö- 
mischer Handwerker, welche neben all ihrem sonstigen Hand- 
werkszeug auch das Fnssmaass auf dem Stein verewigen liessen, 
dass diese Maassstäbe von der anderweitig berechneten Länge 
des römischen Fusses nur um Millimeter differiren; man legte 
offenbar auf eine möglichst genaue Nachbildnng Wert, und wir 
können erwarten, das das immer so gewesen ist. Wenn ann 
auf dem Grabstein eines Zimmermanns in Florenz ein Maass- 
stab abgebildet ist, der das Maass des römischen Fusses wesent- 

Zeiiaelirift fOi Nvmboiatik. XX. 16 



234 E.Pernice: 

lieh tiberschreitet, dagegen eine Länge hat, die von der der alt- 
italischen Elle nar um ein Unmerkliches verschieden ist, muss 
man da nicht glauben, dass dieser Handwerker sich noch in der 
Kaiserzeit des uralten heimischen Maasses bediente und darin 
wieder einen Beweis erblicken für die Zähigkeit, mit der das 
einmal bestehende Maass festgehalten wurde und fortlebte, ein 
Fortleben, das ftir die Hohlmaasse am besten durch die von 
Galen bezeugte Thatsache illustrirt wird, dass man noch in 
seiner Zeit für gewisse Dinge sich eines Maasses bediente, welches 
auf dem 400 Jahre vorher abgeschafften italischen Pfunde be- 
ruhte ? 

Eine zweite monumentale Quelle für die antiken Längen- 
maasse hat man aus den erhaltenen Bauten gewonnen. Für 
Italien kommt hauptsächlich Pompei in Betracht. Den umsich- 
tigen und sorgfaltigen Untersuchungen Nissens ist es zu ver- 
danken, dass hier hochwichtige Ergebnisse erreicht worden sind, 
welche jeden Zweifel an ihrer Bichtigkeit ausschliessen. Aus 
der Messung der Stärke der Mauern, der Länge von Fa^aden 
privater und öffentlicher Gebäude wurde festgestellt, dass bis zu 
einer gewissen Epoche in der Geschichte Pompeis, nämlich bis 
zu der Sullanischen Golonisation ausschliesslich der oskische 
Fuss angewendet wurde, der dann allmählich durch den römi- 
schen verdrängt worden ist; gleiche Beobachtungen sind auch 
an den Ruinen anderer italischer Städte gemacht worden. Bei 
allen diesen Untersuchungen ist jedoch zu bemerken, dass der 
oskische Fuss, den man in Pompei erwarten konnte, nicht aus 
den Messungen heraus konstruirt wurde, sondern seine Länge 
war uns durch die litterarische Überlieferung insoweit bereits 
bekannt, als sein Verhältniss zum römischen Fuss angegeben 
war. Es wurde also hier, was die rein metrologische, nicht die 
historische Seite dieser Forschungen anlangt, ein Zeugnis der 
Litteratur durch monumentale Belege gestützt und erhärtet, zu- 
gleich aber auch der mntmaasslich genaueste Betrag des oski- 
schen Fusses gewonnen. 

Anders steht es mit den Messungen, die an den Ruinen 



Wert monümpnt. ii. litterar. Quellen antiker Metrologie. 235 

griechischer Tempel vorgenommen worden sind. Aus dem peri- 
kleischen Parthenon wurden hintereiuander drei Fasse berechnet, 
nach denen er erbaut sein sollte, einer von 308 mm, einer von 
296 mm und einer von 327 mm, und ein jeder dieser Füsse galt 
als sicher erwiesen. Für das Heraion von Samos ist behauptet 
worden, dass die Axweiten der Säulen an der Langseite nach 
dem gemeingriechischen Fnss bemessen seien, die an der Schmal- 
seite dagegen nach dem philetärischen Fuss. Der Tempel in 
Aegina soll an der Unterstufe in der Front 48 Fuss zu 316 mm 
lang sein, in der Langseite 96 Fuss zu 313 mm, bei dem Arte- 
mision in Ephesos die königliche Elle und der ephesische Fuss 
nebeneinander in Anwendung gekommen sein. Wie also die 
athenischen Händler bei der Annahme eines Nebeneinanderbe- 
stehens von mehreren Gewichtsystemen stets mehrere Dutzend 
Gewichte bei sich hätten führen müssen, um die verschieden 
rechnenden Kunden zu bedienen, so musste der Architekt stets 
mit mehreren Maassstäben ausgerüstet sein. Das ist doch nicht 
wahrscheinlich und die Zusammenstellung schon dieser wenigen 
Beispiele, welche sich nach Belieben vermehren lassen, zeigt, 
wie wenig Verlass auf derartige Berechnungen ist. Mit derselben 
Leichtigkeit, mit welcher man aus unbezeichnetcn Gewichtsstücken 
ohne Schwierigkeit jede antike Mine und Drachme nachweisen 
kann, kann man aus den Bauwerken jeden geforderten Fuss 
heransrechnen, und es wird dabei doch immer den Anschein 
haben, als ob diese Rechnung von dem antiken Baumeister über- 
haupt gar nicht anders habe beabsichtigt sein können. Es ist 
eben bisher kein Mittel gefunden worden, wenigstens keines 
das unbedingte Anerkennung verdient, nach welchem es möglich 
wäre, das den antiken Tempeln zu Grunde liegende Maass ohne 
Weiteres zu erraten. Man mag die grossen Dimensionen der 
Tempel wie die Längen der Stufen, der Gella, die Höhe der 
Säulen und ihre Axweiten zur Grundlage wählen, und in ihnen 
eine runde Summe von Füssen erkennen, oder die kleinen archi- 
tektonischen Glieder wie die Perlstäbe, Kymatien, die einzelnen 
Teile des Architravs, den Fries u. s. w. und sie als so und so 

16* 



236 E. Pernice: 

viel Daktylen erklären — beide Methoden haben sich nicht 
bewährt. Vielmehr ebenso wie die Gewichte nur dann in Frage 
kommen, wenn eine Aufschrift uns sagt, was sie vorstellen sollen, 
^so sind die antiken Bauwerke nur dann mit genügender Sicher- 
heit für metrologische Zwecke zu verwerten, wenn uns gleich- 
zeitige inschriftlich überlieferte Maassangaben darüber vorliegen, 
wie viel Fuss der oder jener Teil des Gebäudes lang ist. Solche 
glücklichen Fälle werden naturgemäss selten genug eintreten, 
und es ist denn auch nur bisher das Erechtheion in Athen, 
dessen Maasse uns in dieser Weise überliefert sind. Aber der 
Gewinn ist auch ein ganz einzigartiger. Denn aus diesen An- 
gaben ist von Dörpfeld mit Sicherheit der Fuss berechnet wor- 
den, nach welchem dieser Bau errichtet worden ist, und dieses 
eine Resultat gilt mehr, als hunderte anderer aus Messungen 
hervorgehende Combinationen , die selbst im günstigsten Falle 
über eine gewisse Wahrscheinlichkeit nicht hinaus kommen 
können. 

Nur weniges ist noch über die litterarischen Quellen hinzu- 
zufügen. Aus dem Altertum überlieferte metrologische Texte 
sind in grösserem Umfange zum ersten Male in übersichtlicher 
Weise in der höchst verdienstvollen und vorzüglichen Ausgabe 
der metrologici graeci von Hultsch herausgegeben worden. Erst 
seit dieser Ausgabe haben wir von dieser merkwürdigen Litte- 
raturgattung eine Vorstellung gewinnen können. Die Schriften 
über Maasse und Gewichte reichen bis in den Anfang unserer 
Zeitrechnung hinauf und sie sind einmal einem allgemein prak- 
tischen Bedürfniss entsprungen: man wollte die Möglichkeit 
haben, die seit Augustus im ganzen römischen Reich eingeführten 
römischen Maasse mit den Landesmaassen, die sich stets da- 
neben hielten, zu vergleichen; vor allem aber ist es die medizi- 
nische Wissenschaft gewesen, welche diese Litteratur hervor- 
gerufen hat. Die höchst komplicirten Recepte, welche uns in 
den medizinischen Schriften erhalten sind, setzen es geradezu 
voraus, dass diesen Schriften Hilfstafeln beigegeben waren, aus 
denen man sich über die verwendeten Maasse und Gewichte 



Wert moDoment. a. litterar. Quellen antiker Metrologie. 237 

Orientiren konnte. Galen erwähnt mehrfach Autoren, die aber 
Maasse und Gewichte geschrieben hatten — das sind zweifellos 
Mediziner gewesen — und er deutet auch an, dass er sich selbst 
mit solchen Arbeiten befasst habe. Von einigen der metrologi- 
schen Tafeln lässt es sich aber auch beweisen, dass sie als An- 
hang zu Receptbüchern gedacht sind, und fast alle sind in Hand- 
schriften von Medizinern auf uns gekommen. Wie man im 
Mittelalter solcher Hilfstafeln zum Yerständniss der Recepte 
bedurfte, so hat man sie sicher auch im Altertum gehabt 

Wenn man nun diese metrologischen Tractate näher be- 
trachtet, so bemerkt man ohne Schwierigkeit, dass sie sich in 
einem höchst traurigen Zustand befinden. Die einen von ihnen 
sind halb vollständig, die anderen sind dürftige Auszüge, noch 
andere sind, wie sich deutlich wahrnehmen lässt, überarbeitet 
worden. So ist beispielsweise ein noch unedirter Text der Va- 
tikanischen Bibliothek in seiner ursprünglichen Fassung vor Nero 
geschrieben worden; denn die Berechnungen sind nach vomero- 
nischen Denaren angestellt. Von einer späteren Hand aber ist 
statt des vorneronischen Denars der nachneronische eingesetzt 
worden. Dabei haben sich natürlich Fehler eingeschlichen und 
der Text verliert, wenn er auch noch einer der wichtigsten bleibt, 
bedeutend an Wert. Gleiche Vorgänge können wir bei vielen 
der edirten Tafeln voraussetzen. Das Ansehen, welches die alte 
Medizin im Mittelalter genossen hat, hat der medizinisch-metro* 
logischen Litteratur unendlichen Schaden bereitet. Kann man 
unter diesen Umständen den metrologischen Tractaten wirklich 
trauen, sie so unbedenklich verwenden, wie es in der metrologi- 
schen Litteratur so häufig geschieht? Sind hier nicht erst noch 
ganz andere Aufgaben zu lösen? In den vorzüglichen Prole- 
gomena, welche Hultsch seiner Ausgabe vorausgeschickt hat, 
sind Quellenuntersuchungeu, welche das Verhältniss der einzelnen 
Tractate zu einander zum Gegenstande haben, nur in geringem 
Umfange angestellt worden. Und doch ist das der einzige Weg, 
auf welchem wir hofifen können, diese Litteratur einmal wirklich 
mit gutem Gewissen zu verwenden. In vielen Fällen wird frei- 



TInedirte römisclie EaisenQünzeu. 

Hierzu Tafel Vm. 



Ich habe Sammler römischer KaisermüDzen sagen und be- 
dauern hören, dass es auf diesem Gebiet kaum noch Gelegen- 
heit zur Entdeckung unbekannter Münzen gäbe. Wann hört 
man von Grossbronzen mit neuen Typen? Wie selten ist eine 
Mittelbronze mit einem unedirten Revers! Ein unbekannter 
Aureus taucht wohl noch gelegentlich auf; aber man muss eine 
tiefe Börse besitzen, um solche Seltenheiten erwerben zu können 
— Seltenheiten zumal, deren Echtheit, wegen des den färbenden 
und zersetzenden Einwirkungen der Zeit fast unzugänglichen 
Metalles, nicht immer über jeden Zweifel erhaben ist. An 
einer gewissen Art unedirter Kaisermttnzen mangelt es aller- 
dings keineswegs. Man sehe nur Auktionakataloge ein, da 
kann man bald genug etwa so lesen: „TR*POT.I etc. Cohen: 
TR.PII etc. Unedirt^. Oder: „IMP. CAESAR etc. Cohen: IMP. 
CAES- etc. Unedirt". Derartige Münzen haben wohl ein for- 
melles Recht sich unedirt zu nennen; aber es wäre thöricht, sie, 
solch kleinlicher Abweichungen halber, besonders hochzuschätzen, 
und ich erwähne deshalb Varietäten dieser Gattung nicht. 

Es giebt indessen auch immer noch Eaisermünzen , die 
wirklich unedirt genannt zu werden verdienen, und zwar müssen 
dieselben zahlreicher sein, als gewöhnlich angenommen wird. 
Denn wenn schon eine kleine Privatsammlung von Kaiseimünzen 
wie die meinige (von weniger als tausend Stück, die ausserdem 
nicht vom wissenschaftlichen, sondern vom dilettantischen Stand- 
punkte des Sammlers, der weit weniger seltene, als schön er- 



3. J. SeltmaDii: Unedirt« rOmiache KaUermünzeD. 



241 



haltene Stücke snciit, aufgebaut ist), weDn eine derartige Samm- 
lung eine kleine Beihe inedita aufweisen kann, so mUsseo sie in 
grossen Privats&mmlungen zahlreicher vertreten sein, und sollten 
andere Sammler hierdurch yeranlasst werden, ihre unbekannten 
Seltenheiten zn verüfTenÜichen , so wäre der Hauptzweck dieser 
Zeilen erreicht. 

Ich gebe die M&uzen in chronologischer Ordnung, wie folgt: 




1. Titus, Mittelbronze. T-CAESIMP-AVG-F.TR.p.COS-V!. 
CENSOR. Sein lorbeerbekränzter Kopf nach r. Rf.: 
IVDAEA ■ CAPTA. Judaea nach r. unter einem Palmbaum 
auf einem Panzer sitzend. Hinter ihr: Helm, Feldzeichen 
und 4 Schilde. Ausserdem vor ihr: 2 Speere und 2 Schilde. 
Schön erhalten und patinirt. 

Cohen kennt die Mnnze nur mit Helm, Feldzeichen und 
Schilden hinter der Judaea. 

2. Domitianus, Kleitibronze. Rhinoccros mit Doppelhorn 
nach links. Rf.: SC in einem Lorbeerkranz. Abgeb. 
Tafel VUI 1. 

Eine nicht seltene bekannte Varietät hat das SC mit der 
Umschrift IMP-DOMITAVG-GERM. Eine andere, weniger ge- 
wöhnliche, trägt zwischen dem S und C einen Lorbeerzweig. 
Mit dem Kranz ist die Münze neu. 

3. Traianus, Uenar. IMP-TRAIANOAVC-GER-DAC-P-M- 
TR-P. Sein lorbeerbekiänztes Brustbild nach links (die 
unbedeckte Brust fast von vorn gesehen), mit dem Zipfel 
des Gewandes auf der linken Schulter. R/.: COSV-P-P. 
S.P-Q (ROPTIMO )PR1NC. Arabia, mit Zweig in der R. 



TInedirte römisclie Kaisermüiizeu. 

Hierzu Tafel VIIL 



Ich habe Sammler romischer KaisermüDzen sagen und be- 
dauern hören, dass es auf diesem Gebiet kaum noch Gelegen- 
heit zur Entdeckung unbekannter Münzen gäbe. Wann hört 
man von Grossbronzen mit neuen Typen? Wie selten ist eine 
Mittelbronze mit einem unedirten Revers! Ein unbekannter 
Aureus taucht wohl noch gelegentlich auf; aber man muss eine 
tiefe Börse besitzen, um solche Seltenheiten erwerben zu können 
— Seltenheiten zumal, deren Echtheit, wegen des den färbenden 
und zersetzenden Einwirkungen der Zeit fast unzugänglichen 
Metalles, nicht immer über jeden Zweifel erhaben ist. An 
einer gewissen Art unedirter Kaisermünzen mangelt es aller- 
dings keineswegs. Man sehe nur Anktionskataloge ein, da 
kann man bald genug etwa so lesen: „TR*POTI etc. Cohen: 
TR.P.II etc. Unedirt^. Oder: „IMP. CAESAR etc. Cohen: IMP. 
CAES- etc. Unedirt"*. Derartige Münzen haben wohl ein for- 
melles Recht sich unedirt zu nennen; aber es wäre thöricht, sie, 
solch kleinlicher Abweichungen halber, besonders hochzuschätzen, 
und ich erwähne deshalb Varietäten dieser Gattung nicht. 

Es giebt indessen auch immer noch Eaisermünzen , die 
wirklich unedirt genannt zu werden verdienen, und zwar müssen 
dieselben zahlreicher sein, als gewöhnlich angenommen wird. 
Denn wenn schon eine kleine Privatsammlung von Kaisermünzen 
wie die meinige (von weniger als tausend Stück, die ausserdem 
nicht vom wissenschaftlichen, sondern vom dilettantischen Stand- 
punkte des Sammlers, der weit weniger seltene, als schön er- 



E. J. Seltmann: Uoedirt« rSmische KaiBennGaien. 241 

haltene Stücke sucht, aufgebaut ist), weon eine derartige Samm- 
luag eine kleine Reihe inedita aufweisen kann, so mOssen sie in 
grossen Privatsammlungen zahlreicher vertreten sein, und sollten 
andere Sammler hierdurch veranlasst werden, ihre unbekannten 
Seltenheiten zu verüflentlichen , so wäre der Hauptzweck dieser 
Zeilen erreicht. 

Ich gebe die Mdnzen in chronologischer Ordnung, wie folgt: 




1. Titos, Mittelbronze. T.CAES.IMP-AVG.F-TR-P-COS.V!. 
CENSOR. Sein lorbeerbekränzter Kopf nach r. Rf.: 
IVDAEA ■ CAPTA. Jadaea nach r. unter einem Palmbaum 
auf einem Panzer sitzend. Hinter ibr: Helm, Feldzeichen 
und 4 Schilde. Ausserdem vor ihr: 2 Speere und 2 Schilde. 
Schön erhalten und patiuirt. 

Cohen kennt die Mfinze nur mit Helm, Feldzeichen und 
Schilden hinter der Judaea. 

2. Domitianus, Kleinbronze. Khiuoceros mit Doppelhorn 
nach links. Rf.: SC in einem Lorbeerkranz. Abgeb. 
Tafel Vm I. 

Eine nicht seltene bekannte Varietät hat das S - C mit der 
Umschrift IMP-DOMIT-AVC-GERM. Eine andere, weniger ge- 
wöhnliche, trägt zwischen dem S and C einen Lorbeerzweig. 
Mit dem Kranz ist die Münze nen. 

3. TraianuB, Denar. IMP-TRAIANO-AVG-GER-DAC-P-M- 
TR-P. Sein lorbeerbekränztes Brustbild nach links (die 
unbedeckte Brust fast von vorn gesehen), mit dem Zipfel 
des Gewandes auf der linken Schulter. Rf.-. COS-V-P-P. 
S-PQ-{R-OPTIMO)PRINC. Arabia, mit Zweig in der R. 



242 ^' ^' Seltmann: 

und Rohr (?) in der L., nach links. Neben ihr ein Kamel. 
Abgeb. Tafel VIII 2. 

Dies scheint das einzige Beispiel einer Silbermünze des 
Traianus mit dem Kopfe nach links zu sein. Das Brustbild des 
Kaisers ist von sehr schönem Styl. 

4. AntoninusPius, Mittelbronze. (IMP.)CAES.AEL.HADR. 
ANTONIN VS . AVG • PIVS • P • F. Sein lorbeerbekränzter Kopf 

nach r. Rf. : TR . POT COS . Uli. Im Abschnitt: S • C. 

Der Kaiser auf nach 1. schreitendem Pferde. Er ist be- 
kleidet mit Tunica und Faludamentum, führt in der L. ein 
langes Scepter und öffnet die vorgestreckte Rechte wie 
zum Grnss und Willkommen. Der Revers ist in erhabenem, 
feinem, medaillonartigem Styl ausgeführt. 

Cohen giebt unter No. 953 eine Grossbronze mit derselben 
Darstellung und der Reversaufschrift TR . POT . xnn • COS . DIL Es 
ist sehr wahrscheinlich, dass diese letztere auf meiner Münze 
ebenso gelautet hat. Die Schrift ist an dieser Stelle retouchirt, 
wie auch die ganze Münze etwas überarbeitet ist. 

5. AntoninusPius, Kleinbronze. ANTONINVS • AVGVSTVS. 
Sein lorbeerbekränzter Kopf nach r. R/.: DARDANICI. 
Weibliche Figur nach 1., in der R. einen Zweig haltend. 
Abgeb. Tafel VIII 3. 

Dieses kleine unscheinbare Unicum ist von hervorragender 
numismatischer Bedeutung. Es gehört zu der Klasse der numi 
metallorum, von denen bis jetzt nur 70 Exemplare bekannt ge- 
worden sind. Schon EckheP) hat von diesen interessanten 
Denkzeichen (ich möchte sie kaum Münzen nennen) gehandelt. 
Später hat Lenormant^) über dieselben geschrieben und zuletzt 
R. Mowat^) die ganze bekannte Serie auf das eingehendste be- 
sprochen. Alle bisher bekannten Stücke dieser Gattung sind 
unter Traian und Hadrian ausgeprägt worden. Dies ist das 



1) Doctrina num. vet. VI, S. 445 ff. 

2) La monnaie dans Fantiquitä, I, S. 239 ff. 

3) Revue Numismatique, in. S., XII (1894), S. 373 ff. 



Ünedirt6 röinische Kaisermünzen. 243 

erste and einzige, das uns ans der Regiemug des Antoninus 
Pias erhalten ist. 

Man gestatte mir einige Bemerkungen im Anschluss an die 
ebenso treffliche wie gründliche Arbeit von R. Mowat. um das 
Vorhandensein sowohl wie das Fehlen des SC aaf denselben 
Reversen zu erklären, sagt er (a. a. 0. S. 394 u. 395): „II y a donc 
eu succession dans les deux r^gimes de propri6t6, c'est-ä-dire 
transfert de Tun ä l'autre, vraisemblablement par voie d' behänge, 
soit pour des convenances particuliöres , soit pour des facilit^s 
administratives. Les mutations de ce genre ne sont pas sans 
pr^c^ent. Strabon, au livre III, chap. II, 10, nous apprend 
que les mines d'argent d'Espagne avaient cess6 d'appartenir 
k r£tat, pour passer aux mains des particuliers*^ etc. etc. Ich 
bemerke hierzu, dass ein solcher Verkauf an Private mit einem 
staatsactlichen Austausch von Bergwerken zwischen dem Senat 
und dem Kaiser nichts gemein hat. Mowat giebt dann be- 
kannte Beispiele eines solchen Besitzwechsels ganzer Provinzen 
zwischen Kaiser und Senat. 

Des Weiteren constatirt er, dass jene Districte wenig Kupfer, 
im Gegensatz zu andern Metallen, produziren, und meint endlich, 
der echt römische Charakter der numi metallorum als Colonial- 
münzen könne nur damit erklärt werden, dafs man anzunehmen 
habe, die Münzen selbst seien erst in Rom geprägt und dann 
in jene Districte exportirt worden; oder die Stempel seien 
jedenfalls in Rom angefertigt worden, während die Benutzung 
derselben in der Provlnzialmünze Statt hatte. Der letzteren 
Erklärung giebt er den Vorzug. 

Mir scheint noch eine dritte Erklärung möglich, nämlich 
die, dass die Münzen resp. Denkzeichen einfach in Rom für 
Rom (und Italien) ausgeprägt worden' sind. Mowat fühlt sich 
offenbar, um mich eines prägnanten englischen Ausdrucks zu 
bedienen, „on the horns of a dilemma^ zwischen dem römischen 
Styl und der colonialen Aufschrift, welch' letztere den Gebraach 
der Stücke für die Bergwerkdistricte zu bedingen scheint. Indem 
er nun beiden Gesichtspunkten gerecht zu werden strebt, legt 



244 ^* ^' Seitmann: 

er jedem das gleiche Gewicht bei. Es fragt sich, ob er damit 
recht thut. 

Ich bin, wie ich bereits aussprach, in Bezug auf römische 
Numismatik nicht Kenner und Gelehrter, sondern nur Liebhaber 
schöner Münzen. Bisher hat mich meine beschränkte Erfahrung 
gelehrt, dass für die Unterscheidung zwischen colonialen und 
römischen Münzen der Styl das entscheidende Moment ist, und 
wenn wir auf dem Reverse einer Münze von unrömischem Styl 
ein SC finden (ich erinnere z. B. an die lange Reihe Bronzen, 
welche Antiochia Syriae zugewiesen werden), so betrachten wir 
sie als colonial. Natürlich ist damit nicht ausgeschlossen, dass 
diese Prägungen aus den Provinzen, besonders wenn sie nach 
römischem Fuss ausgeführt waren, vermittelst des Handels ihren 
Weg nach Italien finden konnten. Das würde z. B. von den 
zahlreichen römisch - hispanischen Prägungen des ersten Jahr- 
hunderts nach Christus gelten. Gilt die stylistische Regel aber 
in der einen Richtung, so muss sie in der andern doch ebenso 
stichhaltig sein. Das heisst: wenn Münzen nicht -römischen 
Charakters — zunächst — für Colonien bestimmt waren, so 
waren solche von römischem Styl — zunächst — für Rom und 
Italien geprägt worden. 

Das ist für mich der allgemeinste Gesichtspunkt in dieser 
Frage. Ein zweiter, gleichfalls von allgemeiner Natur, ist der: 
von grossen und reichen Minendistricten (wenn solche eigene 
Münzen überhaupt besitzen) erwartet man mehr als kleine arm- 
selige Pfennige. Diese Regel wird durch die Erfahrungen aller 
Zeiten bestätigt. 

Wende ich mich nun den Reversaufschriften zu, als dem- 
jenigen Moment, nach welchem die Ausmünzung dieser Stücke 
bis jetzt nach den Donaugebieten verlegt worden ist, so finde 
ich für das wichtigste Wort zwei verschiedene Fälle, je nach- 
dem es in der Einheit oder der Mehrheit steht: MET ALU oder 
METAL(LIS). Soll man bei ersterem numus oder moneta hinzu- 
denken? Oder sind es Locativfälle im Singular und Plural? Eins 
oder das Andere müsste man doch annehmen, wenn man die 



Unedirte römische Eaisermünzen. 245 

Aufschriften auf örtliche Ausprägung beziehen will. Ich kann 
mir freilich keine parallelen Beispiele ins Gedächtniss zurück- 
rufen. Füge ich dagegen der Aufschrift METAL • PANNONICIS 
oder MET AL.AVREU ANIS ein Verbum im Participium Perfecti 
des Passivums bei — im Sinne von «eröffnet" — , so habe ich eine 
gut römisch-numismatische Phrase nach dem Muster von SIGNIS • 
RECEPTDEVICTIS.GERM- und ähnlichen Wendungen. Die Gene- 
tivform METALL! VLPIANI würde sich dann durch Beifügung eines 
Substantivums (z. B. Eröffnung) ergänzen. Die Beschränkung 
des Münzfeldes bei so kleinen Schrötlingen dürfte eine genügende 
Erklärung jener Auslassungen sein. Doch die Frage, wie die 
Beversaufschriften zu verstehen oder zu ergänzen seien, er- 
scheint mir, im Verhältniss zum stylistischen Beurtheilungspunkt, 
als eine wesentlich untergeordnete. Auf Grund des echt römi- 
schen Charakters muss ich mich, wie ich schon sagte, zu der 
Ansicht bekennen, dass diese Münzchen als Erinnerungszeichen 
an die Eröffnung von Bergwerken ausgegeben worden sind. 
Waren es Kupferminen, so wurden sie, kraft des Senatsprivilegiums, 
senatus consulto, in anderen Fällen aber durch kaiserlichen Er- 
lass eröffnet. Da jene metallreichen Districte aber gerade an 
Kupfer unverhältnissmässig arm sind, so sind auch die mit dem 
Senatssiegel gezeichneten Stücke entsprechend selten, und wir 
besitzen unter 71 Stück nur zwei mit dem S C. Dass wir den- 
selben Revers — METALL! * VLPIANI — sowohl mit als ohne 
das Senatssiegel finden, spricht wenig gegen diese Erklärung. 
Es gab verschiedene Bergwerke dieses Namens (MET ALU •VL- 
PIANI- DELM und METALL!. VLPIANI. PANN). Also konnten 
auch jene verschiedenen Münzen sehr wohl aus gesonderten Be- 
zirken kommen. Gewiss umfassten die Metalla Ulpiana einen 
weiten District» in dem Metalle verschiedener Art — ein Mal 
auch das dort seltene Kupfer — gefunden werden konnten. 

Ich will noch bemerken, dass meine Münze aus Italien 
kommt und wahrscheinlich auch dort gefunden worden ist. 
6. Marcus Aurelius, Kleinbronze (ein wenig über die ge- 
wöhnliche Grösse). M • ANTONINVS • AVG • GERM • TR • 



246 ^- J- Seltinann: 

P . XXIX. Sein bekränzter Kopf nach r. Rf. : UBERAL . 
AVG . VI . IMP . vn . COS . III. Liberalitas steht nach 1. ge- 
wendet, mit Füllhorn im 1. Arm und Tessera in der er- 
hobenen Rechten. Abgeb. Tafel VIII 4. 

7. Marcus Aurelius, Kleinbronze. M • ANTONIN VS . AVG • 
TR. P. XXVIII (?). Sein bekränzter Kopf nach r. R/.: 
IMP • VI • COS • III. Siegesgöttin, mit Kranz in der erhobenen 
Rechten und Tropaeum auf der linken Schulter, nach r. 
schreitend. Abgeb. Tafel VIII 5. 

8. Severus Alexander, Grossbronze. IMP • ALEXANDER • 
PIVS • AVG. Kopf des Kaisers mit Lorbeerkranz nach 
rechts. 22/.: Lorbeerkranz, innerhalb desselben: 

VOTIS 
VICEN 
NALIBVS 

cosni.p.p 

S-C 
Abgeb. (die R/,) Taf. VIII 6. 

Muthmasslich ein Unicum. In Gold (Wien) und Silber 
(Paris) kommt die Münze vor; aber ohne COS- III« PP. 

9. Severus Alezander, Mittelbronze von schöner Erhaltung 
und mit hellgrüner Patina. IMP • CAES . M . A VR • SEV . 
ALEXANDER - AVG. Belorbeertes Brustbild des Kaisers 
mit dem Paludamentum nach rechts. R/.: MONETA • 
AVGVSTI-S.C. Moneta stehend, nach links gewendet. 
Sie hält die Waage in der Rechten und das Füllhorn in 
der Linken. Vor ihr, auf der Bodenlinie, ein Metall- 
haufen. 

Als ßrossbronze ist diese Münze ziemlich gewöhnlich. 

10. Gallienus, Silberquinar von vorzüglicher Erhaltung. IMP • 
C . P . LIC . GALUENVS • AVG. Sein Kopf mit Lorbeerkranz 
nach r. Rf,: PAX-AVGG. Fax steht nach 1. gewendet, 
in der erhobenen Rechten einen Zweig, in der Linken schräg 
ein Scepter haltend. Abgeb. Taf. VIII 7. 

11. Numerianus, Kleinbronze. [IM]P NVMERIANVS • AVG. 
Brustbild des Kaisers mit Strahlenkrone und Paludamentum 



Unedirte römische Kaisernmnzen. 447 

nach rechts. Ä/. : GENIVS • EXERCITI. Im Abschnitt 
KAA (?). Der Genius, nach links gewendet, hält in der 
Rechten eine Patera und ein Füllhorn in der Linken. 

12. Licinius der Ältere, Kleinbronze. IMP . UCINIVS • P . F • 
AVG. Brustbild des Kaisers mit Lorbeerkranz nach 1., 
vom RQcken gesehen, mit mindern Schild und Speer und 
dem Schwertgurt über der nackten Schulter. RJ. : SOLI • 
INVICTO . COMITI. Im Felde: S . F; im Abschn. tarl. Sol 
nackt nach 1. mit dem Mantel auf der 1. Schulter, die 
Rechte erhebend, in der Linken Erd- oder Himmelskugel. 
Abgeb. Taf. VIH 8. 

Die Vorderseite ist verschieden von den bei Cohen (No. 161 
bis 163) beschriebenen Kleinbronzen mit diesem Revers (tSte 
lauröe k droite; huste laurä, drapä ou cuirassö ou drap6 et 
cuirassö k droite). 

Von den hochinteressanten Typen des Julianus Apost^ta, 
die auf die Wiedereinführung des Polytheismus Bezug nehmen, 
besitze ich folgende Inedita: 

13. lulianus Apostata, Kleinbronze. DEO • SARAPIDI. 
Brustbild des Sarapis mit Modius und Strahlenkrone von 
vom. Rf.: VOTA.PVBUCA. Isis auf einem Thron, von 
vorn dargestellt und r. blickend, den Horus s&ugend. 
Abgeb. Tafel VIII 9. 

Der Avers mit dem Brustbild des Sarapis von vorn in 
Verbindung mit diesem Revers ist neu. 
U. lulianus Apostata, Kleinbronze. DEO • SARAPIDI. Un- 
bärtiges Brustbild mit Strahlen und Modius nach rechts. Rfr. 
VOTA • PVBLICA. Isis und Anubis nach 1. stehend. Erstere 
mit dem Sistrum in der Rechten und ein Henkelgefäss in der 
Linken tragend. Letzterer voran mit Zweig in der Rechten 
und Mercurstab (?) in der Linken. Abgeb. Tafel VIII 10. 
Der Revers dieser trefflich erhaltenen Münze ist bisher nur be- 
kannt in Verbindung mit Helena (Isis) -Kopf und VOTAPVBUCA 
auf dem Avers (Cohen, Helena 37). 
15. Helena ,6emahlin des lulianus, Kleinbronze. VOTA. PVBLICA. 



248 £• J. Seltmann: 

Brustbild der Isis nach 1. mit dem Lotus über der Stirn 
und Sistrum in der erhobenen Rechten. Rf.\ VOTA . PVBUCA. 
Isis mit Horus, wie bei No. 13. Abgeb. Tafel VIII 11. 
Die von Cohen (Helena 7) angeführte Münze mit dieser Rf. 
hat auf der Vf. die Aufschrift ISIS . FARIA. 
16. Theodosiusl., Kleinbronze. D.N.THEODOSIVS.PF.AVG. 
Brustbild mit Diadem und Panzer nach r. Rf.: SPES* 
REIPVBLICAE. Kaiser mit Labarum und Weltkugel von 
vorn, einem nach 1. knieenden gefesselten Feinde den 
rechten Fuss auf den Rücken setzend. Abgeb. Tafel VIII 12. 
Eine Münze des Theodosius mit diesem Revers war bis jetzt 
unbekannt. 

Im Anschluss an obige Münzen, die in der Mehrzahl Klein- 
bronzen sind, möchte ich noch einer längst bekannten Klein- 
bronze Erwähnung thun, da mir scheint, dass die Typen der- 
selben bis jetzt wesentlich verkannt worden sind; ich meine die 
Kleinbronze mit der berühmten Legende lO • lO • TRIVMP. um 
den Lorbeerstrauch. Dieselbe ist dem Domitian zugetheilt wor- 
den, und Cohen beschreibt die Rückseite folgendermassen ; „Deux 
fers k cheval au milieu d'une armille terminöe par deux tStes de 
serpens''. Patin ^) bemerkt: „Soleas equornm vel quidquid illud 
est, neque enim liquet, serpentes complectuntur; qui aut prü- 
den tiam inter virtutes bellicas vel principem, aut gloriam, aut 
aeternitatem apud Aegyptios significant^ Natürlich haben die 
praktisch angelegten Römer in ihrer grossartigen Einfachheit 
derartige niedliche Spitzfindigkeiten überhaupt auf Münzen nicht 
gesetzt. EckheP) spricht von «duo parvi arcus velut equorum 
soleae inter duos angues coäuntibus caudis". Rasche') sagt: 
„Duae figurae, quae soleas ferreos equorum refeiTO videntur, in 
medio armillae cuiusdam e duobus draconibus vel serpentibus in 
circulum flexis compositae^. 

1) Imperatorom Rom. numismata (1671) S. 8, N. 2. 

2) Catalogus musei Caes. Yindob. II, S. 560, N. 9; vgl. doctr. nam. 
vet Vm, S. 316. 

S) Lezicon uniYerBae rei nuin. yetenun Band n 2, S. 794. 



Unedirte römische Eaisermünzen. 249 

Meine Sammlung enthält ein Exemplar dieser Kleinbronze ^) 
von sehr schöner Erhaltang, und indem ich dasselbe mit obigen 
Erklärungen der Typen vergleiche, ergiebt sich folgendes: der 
Gegenstand, welchen Cohen und Rasche alsArmilla, Eckhel und 
Patin als Schlangen bezeichnen, sind zwei an den Mundstttcken 
von einer Binde zusammengehaltene barbarische Eriegstrompeten 
{nccQyvxsg). Man findet dieses Instrument als Triumphzeichen auf 
römischen Münzen bekanntlich häufig, entweder in gestreckter 
Form (wie die Tuba), oder gekrümmt (gleich dem Gomu). Das- 
selbe läuft entweder in einen Greifen-, oder — wie auf unserer 
Münze — Wolfskopf aus. Ein Beispiel des gekrümmten »dqyv^ 
haben wir auf der Ruckseite einer gleichzeitigen Mittelbronze 
des Domitian, welche in der 1. Ausgabe des Cohen, Bd. I, 
Tafel Xyill 462 gut abgebildet ist. Die beiden Gegenstände, 
welche bis jetzt immer als Hufeisen bezeichnet worden sind, 
sind wohl wahrscheinlicher Phalerae aus Edelmetall, wie solche 
als Ehren- und Abzeichen von den berittenen Führern barbari- 
scher Heerhaufen getragen worden sein mögen. Phalerae dieser 
Form wären kein unpassendes Abzeichen für den fürstlichen 
Reiter. Ja, ich sollte mich nicht wundern, wenn den quasi 
hufeisenförmigen Epauletten des deutschen Officiers derselbe Ge- 
danke zu Grunde läge. Die Gegenstände auf unserer Münze 
ähneln bis ins Kleinste dem Hufeisen; man kann selbst die 
Nägelköpfe unterscheiden, und die Stollen treten scharf und 
deutlich abgegrenzt hervor. Aber es tritt etwas hinzu, was 
ihren decorativen Charakter bestimmt erweist, denn die ganze 
Oberfläche wird von einer stark markirten, erhöhten Schlangenlinie 
durchzogen. Dass eine gewundene Erhöhung dieser Art das 
Eingreifen des Eisens in den Boden verstärken und sichern kann, 
ist undenkbar. Diesem Zweck würden nur gerade Kerbschnitte, 
zackige oder zapfenartige Ansätze dienen. Indem ich also zu 
der Erkenntniss gezwungen bin, dass diese Schlangenlinie nicht 
nützen, sondern zieren soll, ist es wohl nicht zu kühn, wenn ich 



1) Abgebüdet Tafel YHI 13. 

ZeitMhrift flllr HaniunAttk. XX. X7 



250 £• ^' Seltmann: 

weiter schliesse, dass die vermeintlichen Hafeisen solche nicht 
sind, denn ein Hufeisen decoriren zu wollen, wäre wohl selbst 
dem feinfühligsten Ritter vom Amboss nicht eingefallen. 

Lehrbücher der Archäologie behaupten, die Römer hätten 
Hufeisen von der jetzt üblichen Form nicht gekannt. Antike 
Originale wären nicht vorhanden, und da wir weder an Bild- 
werken noch auf Gemälden Darstellungen des Gegenstandes 
finden, hätte man das Wort so zu nehmen wie es steht, näm- 
lich: soleae quae indutae sunt, also als eine Art Beschuhung 
aus Leder oder anderem Material (solea spartea), die dem Thiere 
nach Bedarf an und über den Hufen befestigt wurde. Erwähnten 
die Schriftsteller auch die solea ferrea, so bezeichne das nur 
eine eiserne plattenartige Verstärkung jener Beschuhung. 

Was nun den Mangel der antiken Belegstücke angeht, so 
ist zu befürchten, dass demselben auch in der Zukunft nicht so 
bald abgeholfen werden wird. Ein römisches Hufeisen 1 Können 
Kuriositätensammler etwa mit einem Exemplar „aus der Schweden- 
zeif" dienen? Ich bezweifle es, denn unter den zersetzenden 
Einwirkungen von Erde, Luft und Regen verwittert und zerfällt 
das Eisen rasch. Doch kommt es wohl überhaupt nicht zum 
Verwittern, denn gerade an dem Orte, wo es dem Thier 
vom Hufe fällt, auf der Landstrasse (zur Feldarbeit wurden 
ja Rinder benutzt), findet sich wohl bald Jemand, der nicht 
verschmäht dasselbe aufzuheben. Dass die bildenden Künste 
uns unbeschlagene Rosse zeigen, scheint auch nicht unnatürlich. 
Wir wissen, dass die Griechen noch zu Xenophon's Zeit Reit- 
pferden keine Hufeisen anlegten, sondern die Hufe duixh 
systematische Übung auf steinigem Boden in besonders einge- 
richteten Reitbahnen möglichst abzuhärten suchten. Zaum und 
Zügel aber wurden von jeher benutzt. Gleichwohl bringt uns 
die beste Skulptui* (man denke z. B. an die Reliefs vom Parthenon) 
Reiter auf zügellosen Rossen. Die Kunst schied eben von dem 
lebendig - schönen Leibe alles todte, überflüssige Beiwerk als 
störend ab, und wie viel unwesentlicher noch als der Zügel wäre 
das Eisen unter dem Huf für die bildliche Darstellung! Wenn 



Unedirte römische Kaisennünsen. 251 

aber die exakte Wissenschaft derartige Gründe als stichhaltig 
nicht anerkennt, so kann ich mich nur ihrem Bedauern an- 
schliessen, dass die Eisenplatte, die solea ferrea, immer noch 
nicht entdeckt worden ist. Jedenfalls bringt unsere Münze den 
Beweis, dass die nördlichen Barbaren im ersten Jahrhundert 
nach Christus unser Hufeisen in seiner besten Form kannten 
und brauchten, denn obgleich, wie eben gezeigt wurde, nicht 
eigentliche Hufeisen, können jene Phalerae nur nach dem Muster 
von solchen gebildet sein. Auf dieser Thatsache fussend frage 
ich, ob es wahrscheinlich sei, dass der Römer da gefehlt haben 
sollte, wo Gallier und Germanen reussirten. Allerdings bedeutet 
solea eine Sohle, und wenn diese Sohle aus Leder bestand, so 
konnte sie, weil geschmeidig und leicht, den ganzen Huf um- 
hüllen. Wie aber denkt man sich denn die eiserne Sohle oder 
Platte? Meines Erachtens müsste sie ungeschickt, schwer, halt- 
los und gleitend gewesen sein. Wie stellt man sich die An- 
fertigung einer solchen Platte aus Schmiedeeisen vor? Gegossene 
Platten wären doch wegen ihrer Sprödigkeit unbrauchbar ge- 
wesen. Sicher wäre die Herstellung eine sehr schwierige, wenn 
die vollkommene Ebenung und Glättung der yerhältnissmässig 
breiten Oberflächen durch die Benutzung des Hammers erreicht 
werden solL Gelänge es aber, so würde kurzer Gebrauch Alles 
verderben, denn das Pferd greift, vorwärtsstrebend, naturgemäss 
mit dem Yorderrande des Hufes in den Boden. Das Eisen 
würde sich schnell von vom abschleifen, und das Thier müsste 
dann auf einer schiefen Ebene haltlos umhertatimeln. Was aber 
am stärksten gegen die Theorie von den eisernen Sohlen spricht, 
ist die Bildung der Huffläche. Man beachte doch, dass ein 
guter Theil derselben aus dem erhöhten Homstrahl besteht, 
und dieser erhöhte Theil macht die Befestigung einer flachen 
Eisensohle unmöglich, wenn der Homstrahl in der Mitte nicht 
freigelassen wird. Wird das Centrum aber beseitigt, so bleibt 
doch nur der Rand, i. e. das übliche Hufeisen, übrig. Gleichwohl 
soll und muss es angeblich so gewesen sein, nur weil Boss, oder 
Maulthier calceatus vel soleis indutus est. Nun, aus ganz dem- 

17* 



252 ^- J* Seitmann: 

selben Grunde mfissten die Pferde in England einen Hufschutz 
tragen, der aus massiver Eisensohle mit Oberleder besteht, denn, 
englisch gesprochen, „beschuht^ sie der Schmied oder er ,ythut 
ihnen Schuhe an^. 

Ich glaube nach dem Gesagten zu dem Schluss berechtigt 
zu sein, dass die Römer, wenn sie schon (besonders für Zug- 
thiere wie Ochsen, die mit der Sohle gleichmässig auftreten) 
eine wirkliche Beschuhung aus Leder oder anderem Material 
benutzt haben, daneben auch eine solea ferrea kannten, welche 
in allen wesentlichen Punkten, wie unsere Münze zeigt, dem 
modernen Hufeisen glich. 

Zu dieser letzteren zurückkehrend bemerke ich noch, dass ihre 
Zutheilung an Domitian durch das Vorhandensein einer andern 
Kleinbronze gesichert ist, welche auf der Vorderseite den Kopf 
des Kaisers mit der Umschrift IMF . DOMIT . AVG • GERM und 
auf der Rückseite den Lorbeer mit lO-IO-TRIVM? führt. 
Beide Stücke sind also sicher bei Gelegenheit desselben Triumphes 
geprägt worden, und das unsrige giebt, wie üblich, eine Dar- 
stellung von Beutestücken aus demselben. In Rücksicht auf den 
geringen Umfang des Münzfeldes wählte der Stempelschneider 
abgerundete Gegenstände, welche sich dem engen Raum am 
leichtesten anpassten, nämlich die persönlichen Abzeichen des 
feindlichen Führers, umschlossen yon den Instrumenten, die das 
ganze Heer zur Schlacht riefen — eine einfach -praktische und 
zugleich bedeutsame Wahl. 

Wahrscheinlich ist die kleine Denkmünze zur Feier des 
Triumphes über die Chatten geschlagen worden. Die eben ge- 
nannte gleichzeitige Münze giebt dem Kaiser den Titel Germanicus. 
Domitian nahm denselben bekanntlich nach dem Chattenkriege 
(84 n. Chr.) an. 

Nachschrift: Ein Bekannter, der sich eines recht guten 
Gedächtnisses erfreut, sagte mir, dass er im Museo nazionale 
zu Neapel ein antikes Hufeisen aus Pompeji bemerkt hätte. Mir 
selbst (obgleich ich oft in jenem Museum gewesen bin) war 



Unedirte römische Eaisermünzen. 253 

nichts davon erinnerlich, um indessen der Sache auf den Grand 
zu kommen, schrieb ich an einen Freund in Neapel, den um die 
griechisch -sicilische Numismatik verdienten Dr. Ettore Gabriel. 
Ich erhielt zunächst folgende Antwort: „Non essendo riuscito 
da me a trovare nel Museo di Napoli il ferro di cavallo, mi 
sono rivolto al prof. Sogliano. Ma per veritä egli mi ha detto 
che non lo ha mal visto, e credo che si debba dare tutta la 
fede alla sua asserzione, perchä il Sogliano 6 assai competente 
in cose pompeiane. Perö mi ha detto che un dodici o tredici 
anni fa, fii rinvenuto negli scavi un pezzo di bronzo che aveva 
la forma di un mezzo ferro di cavallo (perch^ Taltra meti 
non c' era) e che egli rimase in dubbio se fosse o no ferro di 
cavallo. Quel pezzo si trova ora nei magazzini di Pompei ed 
occorrerebbero lunghe ricerche per trovarlo**. 

Nicht damit zufrieden, bat ich um genauere Auskunft über 
die Form und Beschaffenheit des Bruchstfickes, und er schrieb 
mir dann, me folgt: «Questa volta ho fatto, col conservatore 
del Museo, lunghe ricerche per trovare il noto oggetto, ma in- 
yano. Egli per altro ha potuto rispondere alle mie domande, e 
mi assicura, che V oggetto era di ferro, di una grandezza tale 
da far escludere la possibiliti che fosse di cavallo (al piü di un 
asinello). Aggiunge poi che V unica cosa la quäle potrebbe far 
sopporre che fosse ferro di cavallo, era una piccola ripiegatura 
ad una delle estremitä (f) la quäle corrisponde a quella dei 
ferri di cavallo che si fanno oggi^. Auf unserer Tessera sind 
diese Stollen an der solea ferrea ganz unverkennbar deut- 
lich. Ich lege flbrigens kein sehr grosses Gewicht auf das vor- 
handene ferro als Beweisstück für die Richtigkeit meiner An- 
sicht. Soweit es aber in Betracht gezogen werden darf, scheint 
es für dieselbe zu sprechen. Es liegt vielleicht in dem kleinen 
Museum bei der porta marina zu Pompeji. Wahrscheinlich hatte 
mein Freund es dort, oder sonstwo, bemerkt und irrte sich später 
nur in der Localität 

London, April 1896. 

E. J. Seitmann. 



Zur Münzlninde 
des Foütos, von Faphlagonien, Tenedos, Aiolis nnd Lesbos. 

(Hierzu Tafel IX und X.) 



Die folgenden Blätter enthalten Ergänzungen und einige 
Berichtigungen zu früheren Arbeiten. Als neu in der Numis- 
matik figurirt die Stadt Sebasteia am Halys, mit einer auf 
die Zeit des Augnstus zuruckdatirenden Aera. Von den be- 
schriebenen Münzbildem sind hervorzuheben die Meergottheiten 
mit Erebsscheeren am Haupte, Ma oder Enjo^ Zephyros(?), 
Hermes als Diskobol, ApoUon von Sinope, das Doppel- 
beil von Tenedos als Cultgegenstand, Apollon XQficti^QMg von 
Aigai, Sibyllen, Dionysos OalX^v von Methymna und die 
vergötterten und heroisirten Männer und Frauen von Mytilene. 

Pontos. 
I. 

Den unbestimmten Münzen des pontischen Reiches, die ich 

„Griechische Münzen^ 1890 S. 40— 45 und 248 zusammengestellt 

habe, sind einige neue anzureihen: 

1. Br. 15. — CTE<t^A zwischen Lederhelm links und Bogen 

rechts. 

Ef. CTE<t^A zwischen Stern mit acht Strahlen oben und 

Bogen untep. 
Gr. 2,57. M. S. Tafel IX No. 1. 
Dieses Stück ist dem mit CKOn., a. a. 0. S. 41, 21 Taf. IH 15, 
vollkommen ähnlich. Eine andere Varietät zeigt den Namen 



F. Imb oof -Blnmer: Zar Hünsknnde d. Pontus, v. Paphlagonien u. s. w. 255 

AINP) und eine vierte AnOAAb)'). Es handelt sich also hier 
offenbar um blosse Magistratsnamen. 

2. Br. 20. — Rose; rechts M*. 

Rf. Stern mit acht Strahlen zwischen zwei kleinen 

Mondsicheln. 
Gr. 7,50. M. S. Tafel IX No. 2. 

3. Br. 19. — Ebenso, mit M oder ähnlich links. 

Gr. 6,60. M. S. 

Die Rose ist eines der Mfinzbilder von Phanagoria ') ; auch 
der Stern kommt auf Münzen dieser Stadt vor^). Es liegt 
daher die Yermuthung nahe, als Prägstätte der Münzen No. 2 
und 3 Phanagoria anzusehen, in welchem Falle ihr auch die 
völlig verwandten Lederhelmmünzen zuzusprechen wären, wenig- 
stens die No. 23—25 Taf. III 16—18 meines Veraeichnisses. Von 
diesen zeigt die erste sogar das nämliche, auch gleich gestellte 
Monogramm wie No. 2 in einer Variante. 

4. Br. 17. — Kopf und Hals eines Pferdes rechtshin. 

22/ Gespannter Bogen mit aufgelegtem Pfeile; darunter 

Mondsichel und dahinter in rundem Gegenstempel 

Stern mit sechs Strahlen. 

Gr. 3,2a M. S. Tafel IX No. 3. 

Das Bild der Rückseite ist eine nach Art der Einstempelung 

vollzogene Überprägung; der frühere Typus ist leider nicht zu 

erkennen. Am Pontes Euxeinos findet man die Pferdebüste als 

Münztypus von Tyra'), Pantikapaion ') und der südlich von 

Phanagoria wohnenden Sinder'). Eine Entscheidung für den 



1) Griech. Münien S. 42, 22. 

8) Blancbet, Revue Nam. 1S92 S. 57, 3. 

3) Kat. Brit Mos. Pontos Taf. I 6. Nach Koehne, Mus. Kotschoubey I 
S. 399, 6 erscheint die Rose auch ak Oberprägung einer Knpfermünie der 
Phanagoriten. 

4) Mionnet Snppl. lY 416, 8 n. 12; m. S. 

5) Die ant. Hünsen Nord-Qriechenlands I Taf. XII 11 n. 12. 

6) Koehne a. a. 0. I Taf. YI 22. 

7) Cur. Oiel, Kl. Beiträge inr ant Nun. Südnuslands, Moskau 1886, 
TaH 1 15 n. 16 und Y 8—6. 



256 F. Imhoof-Blumer: 

einen oder den anderen dieser Orte lässt sich aber um so weniger 
trelSen, als die letzte Provenienz der Münze (Smyrna) nicht 
speziell nach dem Norden weist, und der gespannte Bogen, 
obwohl ein seltener Typus, da und dort vorkommen kann. Be- 
kannt ist er meines Wissens bloss aus einer Kupfermünze von 
Eerai in Pisidien^) und einer unbestimmten, im Pariser Eabinet 
bei Apollonia in Thrake eingeordneten Silbermünze ^) , deren 
Abbildung ich nachträglich hier auf Tafel IX No. 4 gebe. 
Vielleicht vermitteln Funde anderer ähnlicher Stücke die Be- 
stimmung dieser Bogenmünzen. 

n. Amisos. 

Auf die Bronzemünzen von Amisos mit dem Bildnisse des 
jugendlichen Mithradates Eupator im Lederhelm auf der VJ. und 
dem Köcher und AMI^OY auf der 22/. ') ist hier deshalb kurz 
zurückzukommen, weil von Theodor Reinach die Deutung des 
Kopfes und damit die Datirung der Münzen angefochten worden 
ist^). Nach ihm zeigen diese Münzen das Porträt des Mithra- 
dates n., wonach sie also, da der Kopf bloss in jugendlichen 
Altersstufen erscheint, in die Mitte des 3. Jahrhunderts vor Chr. 
gehören müssten. Als einzigen Grund für diese angebliche Be- 
richtigung führt Beinach die nach seiner Ansicht mangelnde 
Wahrscheinlichkeit an, dass während der Regentschaft der Laodike 
(120—111) Münzen mit dem Porträt ihres Sohnes geprägt wor- 
den seien. 

Dieser Annahme steht nun zweierlei entgegen: erstens der 
Mangel jeder Spur städtischer oder dynastischer Kupferprägung 
im Pontos vor den letzten Decennien des 2. Jahrhunderts *)i 
femer die untrügliche Identität der Aufschriftsform, des Charakters 



1) Griech. Münzen S. 169, abgebildet Monn. grecqnes S. 395, 70. 

2) Monn. grecques S. 395, 70 a. 

3) Griech. Münzen S. 36, 7 o. 8; Taf. III 1—3. 

4) Reyne Nom. 1891 S. 376 Anm. 

5) Eine Aasnahme hiervon scheinen bloss die Alteren Münzen von 
Phamakeia mit dem Zebnstier zu machen, die yielleicht bald nach der 
Gründung der Stadt durch Phamakes geprägt worden. 



Zar Münskande d. Pontos, v. PaphlagonieDi Tenedos, Aiolis a. Lesbos. 257 

der Buchstaben und der Gewichte der in Frage stehenden Münzen 
mit denen anderer Prägungen von Amisos und den pontischen 
Städten aus der früheren Zeit des Eupator '), und, in der Schrift, 
sogar mit Tetradrachmen des Mithradates Philopator und des 
Eupator. 

Ich darf daher aus voller Überzeugung im Allgemeinen 
und ohne neuen Yermuthungen über die etwaige Stellung des 
jungen Königs bis 111 Raum zu geben, bestätigen, was ich 
^^Griechische Münzen"" S. 37 und 39 über die schweren Köcher- 
münzen von Amisos gesagt habe. 

Einen neuen, dem ephesischen nachgebildeten Typus zeigt 
die folgeode Münze: 
L Br. 12. — Kopf der Artemis mit Lorbeer und Köcher 
rechtshin. 
Rf. AMIZOY r. Stehender Hirsch rechtshin; im Hinter- 
grund Palmbaum. 
Gr. 1,85. M. S. 
In der Ansetzung des ersten Jahres der Aera von Amisos 
mit 31 d. h. Herbst 32 bis Herbst 31 vor Chr.') stimmten zu 
gleicher Zeit auch Ramsay') und Kaestner^) überein. Hiernach 
fällt das Datum ETI (85) einer Münze mit Claudius*) in das 
Todesjahr des Kaisers 54 n. Chr., und ist die Beschreibung einer 
Londoner Münze folgendermassen zu berichtigen: 
2. Br. 20. — OEOC CE 1., BACTOC r. Kopf des Vespasian 
mit Lorbeer linkshin; darunter Weintraube. 
Rf. ETOY|C AP| AMIICOY auf vier Zeilen in einem Eichen- 
kranze. 
Brit. Mus. Kat. S. 21, 84 mit angeblich Galba. 
Auf einem anderen Exemplare steht 6E0Z ZEBAZTOZ 1. und 
hinter dem Kopfe eine Weintraube. Auf beiden Stücken ist der 

1) Vgl. X. B. Kat. Brit. Mus. Ponto8;^Taf. UI 2, 4, 6, 10 und Taf. 17 4 
und 5, wo die letzteren ebenfaUs der Zeit des Enpator sngetheilt sind. 

2) Oriech. Mfinsen S. 33/84. 

3) Asia min. S. 194 n. 441. 

4) De aeris 1890 S. 41/42. 

5) Revue Nom. 1891 8. 243» 23 Tal IX 3. 



258 F- Imhoof-Blumer. 

Kopf unverkennbar der Yespasians, der die Regierung im Dec. 69 
antrat. Das Jahr AP (101) entspricht Herbst 69 bis Herbst 70. 
Den Titel &€6g scheinen Yespasian und Titus und später Traian^) 
schon mit dem Augustastitel erhalten zu haben. 
8. S. 25. — AVT.KAI.TPA.AAPIA|NOCCEB.n.n.Vn.r. Kopf 
des Kaisers mit Lorbeer rechtshin. 
R/. AMICOV EAEVeEPAC ETOVC und im Abschnit Pir 
(163). Sitzender Zeus Nikephoros mit nacktem 
Oberkörper linkshin, auf der Rechten Nike mit Kranz 
rechtshin, die Linke am Scepter, die Füsse auf einem 
Schemel. 
Gr. 8,61. M. S. Tafel IX No. 7. 

4. S. 22. — Vf. wie oben, das Brustbild mit Gewand. 

Rf, AMICOV EAE|VeEPAC ETOVC und im Abschnitt Pir. 
Sitzende Tyche mit Schleier und Thurmkrone links- 
hin, im 1. Arm das Füllhorn, die Rechte am Steuer- 
ruder, dieses auf einen jugendlichen gehörnten 
Kopf von vorn stützend. 

Gr. 5,20. M. S. Tafel IX No. 5. 

5. S. 22. — Vf. wie No. 3, die Aufschrift nicht unterbrochen. 

Rf. Aufschrift wie No. 3, Typus von No, 4. Die Hörnchen 

des Kopfes haben je zwei Spitzen. 
Gr. 5,54. M. S. 

6. S. 22. — Vf. wie No. 4. 

Rf. AMICOV EAEVIOEPAC ETOVC und im Abschnitt PHP. 

Derselbe Typus; der Kopf linkshin mit bloss einem 

sichtbaren Hom. 
Gr. 5,50. M. S. 

7. S. 23. - AVT.KAI.TPA.AAPIIAMOCCeB.n.n.Vn.r. Brust. 

bild des Kaisers mit Lorbeer und Gewand rechtshin. 
Rf. Wie No. 4. Der Kopf linkshin, mit je einem Hörnchen 

mit zwei Spitzen vom und hinten. 
Gr. 6,19. Wien. Monn. grecques S. 227, 4. Hier 

Tafel IX No. 6. 



1) Qriech. Münxen 8. 47, 33 u. 34. 



Zur Münskunde d. Pontos, v. Paphlagonien, Teltedos, Aiolis u. Lesbos. 259 

8. S. 22. — Vf. wie No. 4. 

Ä/ AMICOV EAEVjeEPAC und im Abschnitt Pir Der- 
selbe Typus. Der Kopf linkshin, mit scheinbar zwei 
Hörnchen. 
Gr. 6,03. Brit. Mus. Kat. S. 21, 85 Taf. IV 7, wo die 
Beschreibnng „(female?) head (of Gaia?)*' lautet. 
Auf Kupfermünzen späterer Zeit kehrt der nämliche Typus 
wieder, aber mit bärtigem gehörnten Kopfe anter dem Steuer- 
ruder, z. B. auf Münzen mit Caracalla'), luliaDomna') und den 
folgenden: 

9. Br. 35. — AVT . KAI . M . AVP. | ANTßNINOC. Brustbild des 

bärtigen Caracalla mit Lorbeer, Panzer und Mantel 
rechtshin. 
22/ AMICOV eAeiVeePAC er. und im Abschnitt CW (248). 
Tyche mit Schleier und Thurmkrone, auf einem 
Throne mit hoher Bücklehne linkshin sitzend, Füllhorn 
im I. Arm, die Bechte am Steuerruder, dieses auf 
einen gehörnten Kopf linkshin stützend. (Hier ist 
der Bart zweifelhaft.) 
Im Handel. 
10. Br. 35. — AVT0.K.A6KM.KAI.KAA.BAABIN0C. Brustbild 
des Kaisers mit Lorbeer und Mantel rechtshin. 
i2/. AMICOV 6|AeveePAC und im Abschnitt Cie (269). 
Derselbe Typus; der Kopf ist deutlich bärtig und gehörnt. 
Im Handel. 
Aus der Art der Darstellung und aus der Lage und Bedeutung 
von Amisos scheint hervorzugehen, dass der gehörnte Kopf, auf 
den die Stadtgöttin ihr Steuerruder stützt, nicht als die Personifi- 
cation eines Flussgottes (Lykastos, Iris oder Halys), sondern als 
die des Meeres, des Pontos Euxeinos, aufzufassen ist. Einem 



1) HoimaieB greeqneB 8. 226, 8 Taf. m 92, wo das Hörn mehr einer 
Locke gleicht nnd der Kopf irrthümlich Zens oder Smrapis ingeschrieben 
wurde. 

2) Drexler, Nam. Zeitscbr. XXI, 1889 S. 19. Anf einer fthnUcben Münie 
mit Hacrinus, Griech Hünien S. 49, 41 Taf. lY 7, fehlt der Kopf. 



260 F- Imhoof-Blnmer: 

ähnlichen Bilde begegnet man auf einer Reihe von Münzen von 
Tomis aus der Zeit der Kaiser Maximinus, Gordianus und Phi- 
lippus, wo die stehende Stadtgöttin, mit Schleier und Ealathos, 
Scepter und Füllhorn, den einen Fuss auf den bärtigen Pontos 
setzt, der, aus dem Meere auftauchend oder schwimmend, mit 
einem charakteristischen Kopfschmuck der Meergötter, den Erebs- 
scheeren, dargestellt ist'). Als Krebsscheeren sind sicher auch 
die auf den Amisener Münzen No. 5 und 7 als zweispitzig be- 
schriebenen Hörnchen des Kopfes zu deuten. Sie erscheinen auf 
Münzen auch als Merkmal des Okeanos^) und der wohl mit 
Recht für GdXaaaa gehaltenen Göttin auf einer Bronze des 
phrygischen Laodikeia: 
Bn42. — A.V.T.KAI.M.AVP.Ce. I ANTßNeiNOCCeB. Brust- 
bild des bärtigen Garacalla mit Lorbeer, Panzer und 
Mantel rechtshin. 
Rf, eniA.AIA.nirPHITOCACIAP.r und im Abschnitt 
AAOAlKEfiN NjefiKOPfiN. Stehende Ge in Doppel- 
chiton und Schleier rechtshin, im r. Arm Füllhorn 
und hinter ihr sprossende Ähren. Der Göttin gegen- 
über steht Thal a SS a linkshin, im Doppelchiton, aber 
mit entblösster r. Bimst; am Kopf zwei aufgerichtete 
Krebsscheeren, in der erhobenen Linken Ruder 
und hinter ihr ein Delphin mit abwärts gerichtetem 
Kopfe. Auf den vorgestreckten freien Händen der 
Göttinnen, die sich beinahe vereinigen, steht Cara- 



1) Die antiken Münzen Nord-Griechenlands I Taf. VII 5, 15, 17, 19, 20, 
22, und hier Tafel IX No. 8 nach einer Münze mit Philippas innior und 
Sarapiskopf auf der Vf,, ans dem Museum in Bukarest. Die Erkl&rang dieses 
Münzbildes Yon Tomis hat zuerst Syoronos, Ephem. arch. 1889, S. 95, Taf. n 
13 gegeben. 

2) Auf Münzen Ton Tjros (Mionnet Y 448» 734 und Babelon, Cat. 
Ach^mönides S.347 u. 349 geben unvollkommene Beschreibungen), von Hadrian 
(Cohen II > S. 198, 1109/12) und auf Contorniaten (Sabatier Taf. XII 6 
n. 7). Die Münzen von Ephesos und Alezandreia mit aK6ANOC habe ich 
nicht gesehen; übrigens ist die letztere nach Mionnet VI 845, 2420 Anm. 
identisch mit Suppl. YI 151, 477, d. h. mit der von Ephesos, und schlecht 
erhalten. 



Zar Manskande d. Pontos, v. Paphlagonien, Tenedos, Aiolis n. Lesbos. 261 

calla in Eriegertracht und mit der Strahlenkrone 
linkshin, Schale in der Rechten und die Linke am 
Scepter. Unter dem Kaiser Adler mit entfalteten 
Flügeln auf einem Lorbeerkranz von vom, Kopf 
linkshin. 

Brit. Museum. Tafel IX No. 9. Vgl. Mionnet IV 
328, 768. 

Die Thalassa mit Erebsscheeren scheinen, ausser den be- 
kannten Münzen von Perinthos^), auch diejenigen von Eo- 
rykos zu zeigen. Hier ist es eine stehende Göttin im Doppel- 
chiton von vorn, die Rechte vorgestreckt, in der Linken Ruder 
und Aphlaston haltend. Mionnet beschreibt sie mit einem Stier- 
kopf'); wie der mir vorliegende Abguss des Mionnet Suppl. VII 
Taf. II abgebildeten Exemplares aber zeigt, ist der Eopf mensch- 
lich, mit zu beiden Seiten herabhängenden Haaren und, wie es 
scheint, mit Erebsscheeren oder sogar, nach Leake, mit Schild 
und Scheeren einer Erabbe als Eopf bedeckung versehen '). 

11. S. 21. — AVT.KAI.TPA.AAPIIANOCCEB.n.n.Vn.r Eopf 
des Eaisers mit Lorbeer linkshin. 

Rf. AMICOV EAEVeEP|AC ETOVC PIE (165). Stehender 
nackter Apollon linkshin. Lorbeerzweig in der 
Rechten y den 1. Arm an einem Dreifuss, um den 
sich eine Schlange ringelt. 

Gr. 6,05. M. S. Tafel IX No. 10. 

lU. Koma na. 

1. Br. 21. — Eopf der Ma oder Enyo mit Strahlenkrone und 
Gewandansatz rechtshin. 

Rf. KO|MA^ r. obent;(6). Eeule als Attribut der Göttin. 
N|^^ Das Ganze von einem Lorbeerkranze um- 
geben. 



1) Kat. Brit. Mas. S. 157, 58 mit Abb., n. Berlin S. 215, 47. 

2) Mionnet m 576, 190 und Snppl. YH 205, 222 mid 206, 227. 
8) Nmn. Hell. Snppl. S. 41, 1. 



262 ^' Imhoof-Blumer: 

Berlin. Fox, Greek coins 11 Taf. I 5. Hier Tafel IX 
No. 11. 

Die gegebene Deutung der Typen hat auch W. Drexler 
vorgeschlagen ^). Das Zeichen im Felde ist nicht der Buchstabe 
C, sondern die Zahl <;, ein Datum, das, bei Annahme des Jahres 
Herbst 34 bis Herbst 35 n. Chr. als des ersten Jahres der Aera 
von Komana, dem J. 39/40 entspricht^). 

2. Br. 30. — AV.K.A.Cen:. | CevOVHPOC (so). Brustbild des 

Kaisers mit Lorbeer, Panzer und Mantel rechtshin. 

Rf. lePOKAICA . I KOMANeCJN und im Abschnitt 67. BOP 
(172). Inmitten einer Tempelfront mit vier Säulen 
die von vorn stehende Göttin Ma oder Enyo in 
langem Chiton und Peplos, das Haupt mit Strahlen 
umgeben, die Recht« auf einen neben ihr stehenden 
Schild gestützt, im 1. Arm die Keule. Im Tempel- 
giebel Adler mit geschlossenen Flügeln rechtshin im 
Kampfe mit einer Schlange. 

M. S. Tafel IX No. 12. 

In grösserem Maassstabe, ohne den Tempel, ist die Göttin 
von Eomana durch eine Münze des nämlichen Jahres aus der 
Sammlung Hedervar bekannt, die vielfach publicirt worden ist 
und sich jetzt im Pariser Kabinet befindet^). 

3. Br. 30. — Vf. gleichen Stempels. 

Rf. Aufschrift wie No. 2 mit A statt A. Tempel front 
mit vier Säulen, ohne Statue. Der Giebel ist in der 
Mitte durch einen Bogen unterbrochen. 

Löbbecke. 



1) Zeitschr. f. Nun. Xm 1885 S. 285/286. 

2) Oriech. Münzen 8. 35 steht irrthümlich 41 d. h. Herbst 40/41. In- 
dessen ist auch dieses Datum möglich, da nach der Jahreszahl der Nerra- 
münze die Aera Herbst 35 beginnen konnte. 

3) lüUingen, ,Anc Coins 1831 Taf. V 4; Streber, Nnm. ant. 1833 S. 182; 
Sestini, Mus. Hedenrar. II 14 Taf. XYI 2; Boscher Lexikon I S. 775 Bellona 
und II S. 2221 Ma, u. a. 0. 



Zur Münikande d. Pontos, v. Paphlagonien, Tenedos, Aiolis n. Lesbos. 263 



4. Br. 29. — lOVAlA | AOMNA AT. Brustbild der lulia Domna r. 
Rf. lePOKAlCA. I KOMANe. und im Abschnitt eT.BOP. 

Tempelfront mit vier Säulen; im Giebel runder 

Schild oder Kranz. 
M. S. 

Andere Mflnzen der Stadt, mit den Bildnissen des Severus 
und des Caracalla und dem stets gleichen Datum, zeigen in der 
Mitte des Tempels auf einer Basis die Nike mit Kranz und Palm- 
zweig, gewöhnlich in verwilderter Ausführung. Es ist nicht, wie 
Wroth frageweise andeutet^), das Bild der Enyo. 

Die Münze mit dem Löwen, die Mionnet Suppl. 17 455,162 
nach Bauelemente beschreibt, ist ohne Zweifel eine italische mit 
der Aufschrift ROMANO. 

IV. Laodikeia. 

Br. 17. — Kopf des jugendlichen Dionysos mit Epheu 
rechtshin. 

Rf, AAoAI|KEIA£. Thyrsosstab mit Tänie; im Felde 

rechts l?P. 
Gr. 4,22. M. S. 

Die beiden anderen bekannten Münzen dieser Stadt, mit be- 
helmtem Kopf und Schwert*), und mit Aigis und Nike*), scheinen 
ebenfalls die Form AAoAlKEIAE und nicht, wie angegeben, 
AAoAlKElZN zu haben. Auf der Pariser Münze steht sicher 
(AJAoAl |.KEI[A£] , auf der Londoner fehlen die Endbuchstaben. 

Laodikeia, nach der Mutter oder der Gemahlin des Mithra- 
dates Eupator benannt, ist yermuthlich identisch mit dem heutigen 
Ladik, einer zwischen Amisos und Amaseia gelegenen kleinen 

Stadt*). 



1) Kat. Brit. Mas. S. 28, 3-5 Taf. Y 6. 

2) Paris. Mionnet n 351, 116. 

3) Brit. Mas. Kat. S.31, 1 Tat V 8. Sestini, Mas. Hederr. II S. U las 
anf einem Exemplar dieser Münze aaoaikeiax. 

4) y- Coinet, Torqoie d'Asie I S. 767. 



264 F* Imhoof-Blnmer: 

V. Sebasteia. 
Br. 28. — AV. KAI . ROY . AIKI . OVAAePIANOCeB. Kopf des Kaisers 

mit Lorbeer und Panzer rechtshin. 
Rf. [Ce]BACT|HiN&)N 67. ANC (254). Sitzende Roma mit 

Helm linkshin, auf der Rechten Nike mit Kranz 

rechtshin, die Linke am Speer, am Sitze runder 

Schild. 
M. S. Tafel IX No. 13. 
Diese Münze, deren Aufschriftsform auf den Stadtnamen 
Sebaste oder Sebasteia schliessen lässt, ist in Fabrik und Typus 
den Prägungen von Neokaisareia mit Gallus ähnlich ^) und daher 
zweifellos pontisch. Dem paphlagonischen Sebaste') kann 
sie nicht wohl gehören, weil da die Aufschriftsformen andere 
waren und nicht mit Daten geprägt wurde. Ganz ausser Be- 
tracht fallen die galatischen Sebastener, die ihren Namen 
constant mit dem eines ihrer Stämme (Tektosagen, Trokmer 
und Tolistobogier) verbanden und nicht über Caracalla's Zeit 
hinaus prägten, das kilikische Sebaste mit seinen Titeln 
bis Valerianus, das phrygische, das auf Münzen keine Aera 
führte, und endlich die Stadt in Samarien, die mit dem 
2. Jahrhundert römische Colonie wurde. Im Pontos hatte Kabeira 
Dia den Namen Sebaste angenommen ') ; es scheint ihn aber vor 
der Flavierzeit^) in Neokaisareia umgeändert und mit diesem 
bis Gallienus geprägt zu haben, so dass schliesslich bloss noch 
Sebasteia am Halys, das heutige Siwas, in Frage kommen 
kann, und diesem bedeutenden Orte glaube ich die Münze mit 
Sicherheit zutheilen zu dürfen. Sebasteia ist ein zu Ehren des 
Augustus angenommener Name '), und auf die Zeit dieses Kaisers 
weist auch die Aera hin, deren Beginn zwischen den Jahren 

1) Oriech. Münzen S. 55 Taf. IV 18. 

2) Num. Chronicle 1895 S. 275-279. 

3) Griech. Münzen S. 50. 

4) Die bisher dem pontischen Neokaisareia zngetheilten Münzen mit 
Bildnissen der Kaiser Tiberins und Clandins gehören dem lydischen Phila- 
delphia, s. Bevae Suisse de Nam. VI 1896. 

5) Revue Suisse de Kam. V 1895 S. 325. 



Zar Münzkonde d. Pontos, y. Paphlagonien, Tenedos, Aiolis u. Lesbos. 265 

Herbst 2—1 vor Chr. und 6 nach Chr. liegt ^). Wenn Strabon 
559/60 die Stadt mit dem ihr von Pompeius gegebenen Namen 
Megalopolis nennt, so liegt hierin kein Beweis für die schon 
von vornherein wegen des Namens Sebasteia unwahrscheinliche 
Annahme, dass Megalopolis erst nach 19 n. Chr., d. h. unter 
Tiberius oder später, Sebasteia umgenannt wurde'). Denn auch 
statt des Namens Sebaste, den Eabeira von der Königin Pytho- 
doris erhalten, bedient sich Strabon stets des alten Namens; 
den neuen erwähnt er bloss beiläufig, wo er Näheres über 
Kabeira berichtet, was er von Megalopolis zu thun unterlässt. 
Übrigens könnte diese Stadt eine Zeit lang den Doppelnamen 
geführt haben, um sich von den vielen Städten, die sich zu 
Ehren des Augustus benannt hatten, zu unterscheiden. 

VI. Sebastopolis Herakleopolis. 
Zu dem Verzeichnisse der Münzen dieser Stadt in „Griechi- 
sche Münzen** S. 55—58 No. 62—72 hat Prof. Pick einen neuen 
Beitrag geliefert durch eine merkwürdige Bronze mit dem Kopfe 
Traians, dem Namen F. C. Ruso und dem Datum 109 = Herbst 
106 — 107'). Sonst sind noch zu verzeichnen: 

1. Br. 28. — Vf. mit Geta, identisch mit dem Stempel a. a. O. 

No. 69. 
Rf. CeBACTOnO. 1., HPAKAeon. r., er. HC im Abschnitt. 

Tempel front mit vier Säulen und Schild im Giebel. 
Lübbecke. 

2. Br. 29. — AVT . KAI . n(0 . AIK . rAAAIH]NOC. Brustbild des 

Kaisers mit Lorbeer, Panzer und Mantel rechtshin. 
Rf. H>AKAeO. 1., CeBACTOnOAlC r. Nackter Herakles 
von vorn, die Rechte auf die Keule gestützt, am 1. 



Arm das Löwenfell. Im Felde 1. ^ • 
Löbbecke, 



(266). 



1) Der Regierungsantritt des Valerianns flllt in den Angnst 253, sodass 
das Datum 254, wenn es diesen Moment bezeichnet, dem Jahre Herbst 2 bis 
Herbst 1 vor Chr. entsprechen wfirde. 

2) Bamsay, ReTue des Et. Or. VI 1893 S. 252. 

3) Nom. Zeitschr. XXIU 1891 S. 71, 26 Taf. lU 7. 

Z«ttMhfUt Ar »DmiMBAÜk. XZ. 18 



266 ^. tmhoof-Blumer: 

Vn. Trapezus. 

1. Bn 29. — AVT.K.CeO|V.AAeiANAPOC. Brustbild des 

Kaisers mit Lorbeer, Panzer und Mantel rechtshin. 

Rf. TPAneZ0|VNTI R e.Pir (163). Jugendlicher Dio- 
nysos linkshin stehend, nackt, Gewand über Schultern 
und Armen, die Linke am Thyrsos, in der Rechten 
den Kantharos über einen vor ihm sitzenden Panther 
haltend. 

M. S. 

2. Br. 28. — OPB. CAAOV. OPBIANH AVr Brustbild der Orbiana 

mit Diadem rechtshin. 
Rf, TPAinezOVISr OAI und im Abschnitt 6 . Pir. Mithras 

zu Pferde, Altar, Rabe auf einem fiaum wie auf der 

Münze mit Alexander, Griech. Münzen S. 59, 76. 

Taf. V 8. 
M. S. 

3. Br. 29. — Vf. ebenso mit OPB. CAAOV. OPBI.AV. 

Rf TPAneZ0|VNTI(i)N e.PI[r]. stehende Tyche mit 

Steuerruder und Füllhorn linkshin. 
Im Handel. 

Vm. Zela. 

Br. 22. — AV . KAI . M . AVP . A[N|Tl(i)NINOC. Kopf des Jugend- 
liehen Caracalla mit Lorbeer rechtshin. 



e 



P 



Rf ZHAIT(i)N|TOV|nO. und im Felde ^ ^ (140). Garbe 

mit drei Ähren. 

M. S, 

Das erste Jahr der Aera von Zela läuft wie in Eerasos, 
Neokaisareia und Trapezus vom Herbst 64 bis Herbst 65 nach 
Chr.^). Das Datum 140 entspricht demnach dem J. 203/4. 



1) Eubitschek bei Paulj-Wissowa, Beal-Encjkl. I S. 643. 



Zar Münzkunde d. Pontos, t. Paphlagonien, Tenedos, Aiolis u. Lesbos. 267 

IX. Mithradates Philopator. 

Den Abbildungen zweier Tetradrachmen des Mithradates 
Philopator ^) lasse ich hier die eines dritten Stempels folgen. 
Das Stück, leider gebrochen, sonst aber trefflich erhalten, zeigt 
den Kopf etwas grösser und aufgedunsener und vielleicht etwas 
älter als die schon bekannten Exemplare. 

S. 32. — Kopf des Königs mit Diadem rechtshin. 

RJ. [BA^iyVEß^ I MiePAAAToY r. , *IAonAToPo^ | KAI 
4>IAAAEA4>oY 1. Stehender nackter Perseus von vorn, 
mit Helm, Flügelschuhen und den Rücken entlang 
Mantel, der um den Hals geknüpft ist. In der ge- 
senkten Rechten hält er das Gorgoneion, in der Linken 
die Harpe. Über dem Heros Stern und Mondsichel, 
links unten im Felde 1^. 

Gr. 14,85.«) M. S. Tafel IX No. 14. 

Das nämliche Monogramm sieht man auf dem Hunter'schen 
Exemplare der Tetradrachmen des Pharnakes'). 

X. Polemon II. und Tryphaina. 

1. S. 18. — BACIAEßC nOAEMQNOC. Kopf des Königs mit 

Diadem rechtshin. 
Rf. ETOYC I IE. Brustbild der Königin mit Diadem 

rechtshin. 
Gr. 3,70. M. S. Rf. Tafel IX No. 15. — Paris, Mionnet 

II 365, 35 und Tr^s. de Num. Rois grecs Taf. XXIV 22 

mit angeblich Agrippina. 

2. S. 18. — Ebenso, aber auf der Rf, BACIAICCA TPY*AINA. 

Gr. 3,48. Löbbecke. Rf Tafel IX No. 16. 



1) Ex. in Berlin: A. Ton Ballet, Zeitschr. für Nun. IV 1877 8. 239 
mit Hokschnitt; Imhoof, Portrfttkdpfe aaf ant. MOnsen 1885 8.78 Taf. Y 2; 
Th. Reinach, Revne Nnm. 1888 S. 251 Taf. XYI 5. Ex. in Paris: Th. Beinach, 
Berae Nnm. 1887 8. 97 Taf. lY 4. 

2) Der Yerlnst wegen Bmches betrigt 2 Or. 

3) Waddington, Revne Nun. 1863 8. 220 Taf. IX 4, wo das Monogramm 
fklfch geieiehnet ist Das Stflck wiegt 16,85 Gr. 

18« 



268 ^* Imhoof-Blamer: 

In der Regel wird das weibliche Brustbild der Münze No. 1 
und ihrer mit IB bis IZ datirten Varianten für das Porträt der 
jüngeren Agrippina ausgegeben, in jüngster Zeit noch im Kata- 
loge des Brit. Museums S. 46, 1 und 2^). Aus der Vergleichung 
der beiden Köpfe auf Taf. IX No. 15 und 16 geht aber zur 
Evidenz hervor, dass sie identisch sind und die Tryphaina 
mit dem königlichen Diadem darstellen. Hier und auf den 
anderen ähnlichen Drachmen sind Profil und Haartracht nicht 
die der Agrippina, die bei Lebzeiten auf Münzen entweder ohne 
Kopfschmuck oder, als Demeter oder Eubosia, mit Ähren be- 
kränzt zu erscheinen pflegt; in keinem Falle kommt ihr das 
königliche Abzeichen zu. Der schöne Münchener Goldstater 
des Kotys L'^) (Tafel IX No. 17) bietet zur Vergleichung ein 
Beispiel des gewöhnlichen Agrippinatypus. 

Wie die Porträts des Polemon, so sind auch die aus 
Schmeichelei stets jugendlich gehaltenen der Tryphaina in 
künstlerischer Auffassung und Ausführung ungleich. Diese Ver- 
schiedenheiten, die bekanntlich auch in anderen Porträtserien 
hervortreten, sind nicht der Art, dass auf den sonst völlig 
gleichartigen Drachmen der Jahre 12 — 17 (49 — 54 n. Chr.) 
zweierlei Bildnisse, das der Tryphaina und das der Berenike, 
zu unterscheiden gestattet wäre^). Sicher hat man in dem 
Frauenkopfe, von dem ich auf Tafel IX No. 19 und 20 zwei 
andere Darstellungen mit den Daten Bl und lA gebe^), nur die 
Mutter des Polemon, Antonia Tryphaina, eine offenbar gewandte 
und thatkräftige Fürstin '^), zu erkennen. Die letzte datirte 
Münze der Königin ist vom Jahre 17*), welches Datum auch 

1) Eoehne, Mas. Kotschoabej II S. 187/8 No. 6 und 12 glaubte in dem 
Franenkopf mit Diadem bald die Agrippina, bald die Tryphaina zu erkennen. 
Oreschnikow, Eat. der SammL Uwarow, Moskau 1887, S. 81 und Taf. in 519, 
hielt ihn dagegen für das Portr&t der Berenike, Gemahlin des Polemon n. 

2) Mus. Eotschoubej n S. 224, 10 : Gr. 7,94. 

3) Oreschnikow a. a. 0. — Die Ehe des Polemon mit Berenike war 
von kurzer Dauer. 

4) No. 19 Berlin, Fox, Greek coins II Taf. I, 7. No. 20 Wien, Gr. 3,53. 

5) Joubin, Bevue des Et. Gr. YI 1893 S. 8-21. 

6) Zeitschr. für Num. XYIU 1892 S. 196 Taf. I 2. 



Zur Münzkunde d. Pontos, v. Paphlagonien, Tenedos, Aiolis n. Lesbos. 269 

auf Drachroen mit Polemon und Claudius') und mit Polemon 
und Nero als Kaiser^) vorkommt. Da der Regierungswechsel der 
Kaiser auf 12/13. October 54 fällt, so läuft das erste Jahr der 
Aera Polemons von Herbst 37 bis Herbst 38, das 17., als 
Ti7phaina noch lebte, von Herbst 53 bis Herbst 54. 

Paphlagonia. 

XI. Abonuteichos lonopolis. 

1. Br. 32. — BEIBI . T|PeB . TAMOC. Brustbild des Trebonianus 

Gallus mit Strahlenkrone und Panzer linkshin, am 1. 

Arme Schild, vor der r. Schulter Speer. 
Ä/ Ze<t)YPIC iniNOnOAeiTflN und im Felde 1. H (8). 

Stehende nackte Figur von vorn, Kopf linkshin, die 

Rechte erhoben, am 1. Arm Gewand (?). 
M. S. Tafel X No. 1. 

2. Br. 32? — Vf. ebenso. 

Rf. IQNOnOAeiTflN. Die sich emporrichtende Schlange 

Glykon. 
Paris, ans der Samml. de Moustier No. 3111. 
Vielleicht steht Zig>vQ$g ') fQr Zig>VQog^ dann stellt der Typus 
die Personification des Westwindes dar. Die Zahl H, als Werth- 
zeichen für 8 Assarien, ist hier nicht befremdend, da auch auf 
den späteren Münzen von Amastris Werthzeichen B, r, A und 
H vorkommen^). 

XII. Amastris. 

1. Br. 23. - AVT. KAICAP | ANTÖNEINOC. Kopf des Pius mit 
Lorbeer rechtshin. 
Rf. AMACT I PIANfiN. Stehender nackter Hermes links- 
hin, den Stab in der Rechten, in der gesenkten Linken 
den Diskos. 



1) Mos. Kotschonbej 11 8. 186. 

2) M. 8. Or. 3,61. Tafel IX No. 18. 

3) Pape-Benseler, Gr. Eigennameii s. t. 

4) Qrieeh. Mfinsen 8. 68 a. 163. 



270 F« Imhoof-Blumer: 

M. S. Tafel X No. 2. — Paris. Mionnet II 393, 34. 

Brit. Mus. Kat. S. 87, 21 Taf. XX 7. — Wien. Num. 

Zeitschr. XXIH 1891 S. 19, 35 und S. 26 Taf. II 35. 

Das Attribut in der 1. Hand des Hermes liess Mionnet ohne 

Erwähnung, Wroth beschreibt es als Beutel und y. Schlosser als 

Gewand; es ist aber unverkennbar ein Diskos, den der Gott 

zum Wurfe bereit hält. Als Gott der Wettkämpfe ist Hermes 

oft als göttlicher Typus eines Diskobols dargestellt worden^); 

auf Münzen erscheint dieses Bild zum ersten Male. 

2. Br. 25. - AVT.K.n.Ce. | reTAC AVr. Brustbild des Geta 

mit Lorbeer und Panzer (?) rechtshin. Über der 
Brust runder Gegenstempel mit kleinem Brustbilde 
rechtshin und Kugel dahinter. 

22/. AMAC|TPIANn|[IM]. Stehender Wi ad er linkshin; im 
Hintergrunde eine Stele, auf der ein Vogel links- 
hin sitzt. 

M. S. Tafel X No. 3. 

3. Br. 28. — AVT . K . n . Gen. | reTAC AVr. Brustbild des 

Kaisers mit Lorbeer, Panzer und Mantel rechtshin. 
Bf. AMACTPIIANflN und im Abschnitt AniC. Stehender 

Apisstier, ohne Diskos zwischen den Hörnern, 

rechtshin. 
M. S. 

Xni. Germanikopolis. 
Br. 30. — AVT . K . M . AVP . | ANTÖNINOC. Brustbild des jugend- 
lichen Caracalla mit Lorbeer und Schuppenpanzer 
rechtshin. 
Rf. r|EPMANI|KOnO|Ae, im Abschnitt nc und im Felde 
oben eC, unten TIA. Schreitender Apis stier rechtshin. 
Sammlung von Schennis. Tafel X No. 4. Vgl. Mionnet 
n 398, 63. 
Diese Münze ist deshalb von Interesse, weil ihre Vf. gleichen 
Stempels ist wie die der Gangramfinze in „Griechische Münzen^ 

1) Ch. Scher er in Boscher's Lexikon I S. 23^9. 



Zur Münzkunde d. Pontos, t. Paphlagonien, Tenedos, Aiolis n. Lesbos. 271 

S. 66, 96 Taf. V14, und hiermit ein neuer Beweis für die politische 
Einheit von Gangra und Germanikopolis erbracht ist. Den Stier 
darf man wie den der Münze von Amastris No. 3 ohne Be- 
denken Apis nennen. 

XIV. Haimilion. 

1. Br. 25. — Kopf der Tyche mit Thurmkrone rechtshin. 

RJ. AIMIAIOY unter einem geflügelten Blitze; darüber 

Stern in der Mondsichel. 
Gr. 10,72. M. S. Tafel IX No. 21. 
„ 10,10. „ , andere Stempel. Griech. Münzen S. 70, 
109 (Himilion). 

2. Br. 25. — Ebenso, aber auf der Vf. Kopf des Apoll on mit 

Lorbeer rechtshin. 
Samml. Löbbecke. Tafel IX No. 22. Überprägung, 
unter der auf der Rf, ein scheinbar unbärtiger Kopf 
rechtshin zu erkennen ist. 

Die Aufschrift des a. a. 0. beschriebenen Exemplares der 
ersten dieser Münzen, die ich schon damals als möglicher- 
weise unvollständig hinstellte, ist also in AIMIAIOY zu ergänzen. 
Es liegt nahe, dieselbe für den römischen Namen Aemilius zu 
halten. Allein diese Annahme erscheint deswegen unstatthaft, 
weil in der gegebenen Form römische Feldherren oder Magistrate 
ihre Namen nicht auf griechische Münzen zu setzen pflegten 
und zudem für den Pontos oder Paphlagonien in mithradatischer 
oder der darauf folgenden Zeit ein Aemilius gar nicht in Frage 
kommen kann. Aus diesem letzteren Grunde verbietet sich auch 
die etwaige fernere Annahme, dass es sich hier um einen zu 
Ehren eines Aemilius angenommenen Stadtnamen handle, dessen 
Form überdies nur Atf^^Xia^ wie z.B. Fulvia^), Likineia"), sein 
könnte und daher die Mttnzaufschrift AIMIAIAE bedingen würde. 



1) Nach der Gemahlin des M. Antonius. Head, Hist. nnm. S. 564. 

2) Orflndang* des Licinios Morena in Kappadokien. Th. Reinach, Bevae 
des Et. Gr. I S. 833. 



272 ^- Imhoof-Blumer: 

Ebenso wenig sprechen die Münzbilder und Symbole für eine 
Stadt römischer Gründung oder für römischen Einfluss. 

AIMIAIOY stellt demnach die Genetivform eines Stadtnamens 
^tiiiX^og oder Alfiihov dar , wie sie vor der Römerzeit auf Mün- 
zen pontischer und paphlagonischer Städte allgemein gebräuchlich 
war, z. B. AMAZZEIAI, AMIIOY, AIAZ, AAOAIKEIAZ, AMAITPEQI, 
IINCnHI u. a. 

Wie mehrere andere Städte des pontischen Reiches hat 
Haimilion, dessen Lage einstweilen nicht zu bestimmen ist, nur 
einmal während kurzer Zeit geprägt. Der Charakter des Tyche- 
kopfes erinnert an denjenigen der Münzen von Amastris, die 
kurz nach dem J. 64 vor Chr. geprägt worden sind^). 

XV. Neoklaudiopolis. 

Br. 27. — lOYAlA AOMN|A CeBACTH. Brustbild der lulia 
Domna rechtshin. 
RJ. NeOKAAYAl I onOAeiTflN und im Felde L j, r-p 

(206). Stehende Athena Nikephoros linkshin, die 

Linke am Speer; zu ihren Füssen 1. Eule, r. Schild. 

M. S. Tafel X No- 5. 

Nach Ramsay lässt sich der Beginn der Aera von Germa- 

nikopolis, Neoklaudiopolis und Pompeiopolis auf das Jahr 5, d. h. 

Herbst 6 vor Chr. fixiren. Das Datum 206 entspricht demnach 

Herbst 200/20L 

XVI. Sinope. 

1. S. 28. — Kopf der Sinope mit Thurmkrone linkshin. Gegen- 
stempel mit Eopf des Helios von vorn und ^INßPEßN 
zwischen den Strahlen. 
Rf. [^1] 1., Nfl r. und im Felde 1. W ? Archaisches Bild 
des ApoUon rechtshin, nackt und mit langem, über 
den Nacken herabfallenden Haar ; in der vorgestreckten 



1) Oriech. Münzen S. 61, 81—84, denen ein Stack mit dem Datum B 
anzureihen ist. 



Zur Münzkunde d. Pontos, v. Paphlagonien, Tenedos, Aiolis n. Lesbos. 273 

Rechten, deren Handgelenk mit einem Ring geschmückt 
ist, hält er einen Lorbeerzweig, von der Linken hängt 
an einem Band ein Salbgefäss herunter. Vor dem 
Gotte Dreifuss. Gegenstempel mit Athenakopf 
linkshin. 

Gr. 16,60. Samml. Waddington. A. von Sallet, Zeitschr. 
fftr Num. IX 1882 S. 139; verbeck, Griech. Kunst- 
myth. Apollon 1887 S. 28 u. 36 Taf. I 29; Six, Num. 
Chron. 1885 S. 44, 106. Hier Tafel X No. 6. 

Nach dem ApoUonbilde dieses bis jetzt einzigen Tetra- 
drachmons findet der sonst unklare Typus einer Kupfermünze 
seine richtige Erklärung: 

2. Br. 18. — Weiblicher Kopf mit kleiner Thurmkrone und 

Schleier rechtshin. Gegenstempel. 

Rf. ^INQTTH^ im Abschnitt. Stehender nackter Apollon 
von vorn, beide Vorderarme seitwärts gestreckt, in 
der r. Hand einen Lorbeerzweig über den Dreifuss 
haltend, in der Linken wahrscheinlich das Salbgefäss. 

Gr. 3,61. M. S. Tafel X No. 7. 

Nach dieser Beschreibung ist die eines weniger gut er- 
haltenen Exemplares in „Monnaies grecques^ S. 230, 14 Taf. lU 93 
zu berichtigen. 

3. Br. 20. — Kopf der Sinope mit Thurmkrone rechtshin. 

Gegenstempel. 
Rf. IINQ über einer Schiffsprora linkshin; rechts TP. 

Das Feld vertieft. 
Gr. 8,90. M. S. 

Im Mus. Kotschoubey II S. 85, 4 ist noch eine Kupfer- 
münze mit dem Kopf der Sinope und dem sitzenden Poseidon 
beschrieben, die wie No. 2 und 3 vermuthlich in die Zeit vor 
der Eroberung der Stadt durch Pharnakes, 183 vor Chr., ge- 
hören. 



274 P- Imhoof-Blumer: 

Troas. 

XVII. Insel Tenedos. 

1. S. 24. — Doppelkopf, männlich mit spitzem Bart links- 

hin, weiblich rechtshin, mit gemeinsamer Tänie und 

Ohrring. Archaisch, Haar und Bart durch Punkte 

bezeichnet. 

TE 
i2/. /i/E Doppel beil; rechts daneben eine Amphora, 

AIO|A^ deren 1. Henkel durch eine Tänie an den 

Stiel des Beiles gebunden ist. Linienquadrat und 

vertieftes Quadrat. 

Gr. 15,73. M. S. Tafel X No. 8. 

„ 15,53. Dr. H Weber, London. 

Ein ähnliches Stück hat Rey. Greenwell im Num. Ghronicle 

1893 S. 89 Taf. VH 15 bekannt gemacht, mit der VJ. von einem 

anderen, der Rf, vom gleichen Stempel, der aber die Aufschrift 

TE^EAEGA^ zeigt. Der orthographische Fehler wurde in der 

Folge, wenn auch nicht spurlos, berichtigt und der nämliche 

Stempel, der über dem Doppelbeil schadhaft geworden, nicht 

gerade sauber ausgebessert. 

2. S. 19. — Doppelkopf, bärtig rechtshin, weiblich linkshin, 

Haar punktirt. Hier hat jede Eopfhälfte ihre eigene 
Tänie. 

R/ T ^. Über drei Stufen das Doppel beil, dessen 

Schneiden je auf einer senkrechten Stütze aufliegen. 

Vertieftes Viereck. 
Gr. 7,67. M. S. Tafel X No. 9. 
Über die verschiedenen Deutungen der beiden Münzbilder 
hat Wroth im Kataloge des Brit. Museum, Troas etc. S. XLV flf. 
ausführlich berichtet. Aus der Darstellung des nileKvq auf dem 
hier beschriebenen Didrachmon ist zu schliessen, dass das Wahr- 
zeichen der Stadt in einem Heiligthume, und zwar wahr- 
scheinlich im Tempel des Tenes, aufgestellt und demnach ein 
Gultusgegenstand war. Darauf deutet auch die dem Doppelbeil 



Zur Münzkunde d. Pontos, v. Paphlagonien, Tenedos, Aiolis u. Lesbos. 275 

angehängte Amphora des Tetradrachmon No. 1 hin, die ohne 
Zweifel als Weihge schenk aufzufassen ist. 

8. S. 15. — Doppelkopf wie auf No. 1. 

iZ/. Dop pel heil; zu beiden Seiten des Stiels 3V\|3±, 
oben AI | ON . Punktirtes und vertieftes Quadrat. 

Gr. 1,66. M. S. Tafel X No. 10. 
4. S. 8. — Vf. ebenso. 

i{/Doppelbeilin Linienquadrat und vertieftem Quadrat. 

Gr. 0,40. M. S. Tafel X No. 11. 

Aiolis. 

XVm. Aigai. 

1« S. 10. — Kopf eines Ziegenbockes rechtshin. 
RJ. Bosette mit acht Blättern. 
Gr. 0,53. M. S. Tafel X No. 12. 
Die Rosette ist auch der Typus kleiner gleichzeitiger Silber- 
und Eupfermfinzen der benachbarten Stadt Kyme'). 

2. Br. 20. — Tl . KAAY[AIOC KAI]CAP CeBACTOC. Kopf des 
Claudius mit Lorbeer rechtshin. 

R/, [eni ] AnOAAOAnPOY A YIOY XAA? ... und 1. 

im Felde AirA6fiN. Stehender ApoUon in langem 
Gewand rechtshin, in der Rechten herabhängende 
Tänien, in der Linken Lorbeerzweig. 
M. S. 
Ein Exemplar der nämlichen Münze hat Mionnet nach 
Gousinäry irrthümlich mit dem Bildnisse Traians beschrieben. 

Das ApoUonbild, das in der Zeit von Augustus bis Vespasian 
beinahe constant als Typus erscheint^), stellt vermuthlich den 
Apollon XQijfTtiJQ^og dar, der bei Aigai einen Tempel hatte 
und im Pythikosthale Oberhaupt Verehrung genossen zu haben 
scheint *). 



1) Griech. Münsen S. 107, 243/5 Taf. Vni 10—12, und unten Kyme No. 1. 

2) A. a. 0. S. 107, 240/1, and hier No. 2—4. 

8) Rieh. Bohn, Altertümer Ton Aegae, Berlin 1889 8. 25, 46 IL 



276 F- Imhoof-Blumer: 

3. Br. 20. — OYHCnACIANOC (so) KAICAP. Kopf des Kaisers 

mit Lorbeer rechtsliin. 
Rf. eni AOAAflNIOY (so) l, NGMeONIKOV r. und im Felde 

1. AirAeßlN. Apollonbild wie auf No. 2. 
M, S. Tafel X No. 13. Vgl. Mionnet IH 4, 16 und 17 

und Suppl. VIS, 11. 

4. Br. 19. — OYecnACIANOC KAICAP. Kopf des Kaisers mit 

Lorbeer linkshin. 
Rf. eni AnOAAflNIOIV NqMeONIKOY]| und im Felde L 

AirAei2N. Apollon wie vorher, aber ohne Tänien; 

er hält den Lorbeerzweig mit beiden Händen. 
München. 

5. Br. 19. — CeBACT unten, fl r. und N oben. Die einander 

zugekehrten Köpfe des Titus mit Lorbeer rechtshin 
und des Domitian linkshin. 

Rf. eni AnOAAflNIOY l., NeMeONeiKOY r. und im Felde 
1. AI|rA[e]|ßN. Apollonbild wie auf No. 2. 

M. S. Im Handel mit AlFACfiN auf einer Zeile. Mionnet 
m 4,18, ungenau. Brit. Mus. Kat. S. 98, 22 Taf. XVIII 
9, unvollständig. 

Nefieovixfjg ist der Titel des Apollonios, als Siegers in den 
Nemeischen Spielen. Den analogen Titel ^OXvfi^movUiig findet 
man auf einer Münze von Philadelphia mit Caligula'). 

6. Br. 28. — AYT . KAI . T . AI . AAPIA . | ANTQNeiNOC. Kopf des 

Pius mit Lorbeer rechtshin. 

Rf eni CTP . AIONYCIOY K? T . . OY und im 

Abschnitt TITNAIOC | AlfAeflN. Der bärtige Fluss- 
gott Titnaios mit nacktem Oberkörper linkshin am 
Boden sitzend, in der Rechten ein über die Schulter 
gelegtes Schilfrohr, in der Linken Füllhorn und da- 
hinter die Urne, der Wasser entfliesst. 

M. S. 



1) BeTue Suiflse de Nom. VI 1896. 



Znr Mftnikniide d. Pontos, y. Paphlagonien, Tenedos, Aiolis u. Lesbos. 277 

Nach Schuchhardt scheinen die Namen Pythikos und Titnaios 
dem gleichen Flusse Kodja Tschai zuzukommen, und der erste 
auf den ApoUoncuIt in diesem Gebiete hinzudeuten^). 

XIX. Kyme. 

1. Br. 11. — Aidlerkopf rechtshin. 

Rf. Rosette mit acht Blättern. 

Gr. 1,20. M. S. 
Siehe oben Aigai No. 1. 

Eine Reihe fQr Eyme neuer Namen findet man in den fol- 
genden Serien. 

2. S. 15. — APAAAToC 1. Stehender Adler rechtshin, den 

Kopf zurückwendend. 
Rf. KY oben. Vordertheil eines Pferdes rechtshin, 

darunter Getreidekorn. 
Gr. 1,77. M. S. 

3. S. 15. Ebenso mit PYOoNIKoC und auf der Rf. Epheu- 

blatt als Beizeichen. 
Gr. 2,03. M. S. 

4. S. 15. — Ebenso mit Getreidekorn unter dem Pferde. 

Gr. 1,81. M. S. 

5. S. 13. — KY 1. Adler wie auf No. 2. 

Rf. KAEANAPo^ 1. Derselbe Typus. 
Gr. 1,86. M. S. 

6. S. 14. — Ebenso, ohne Namen auf der Rf.-, über dem Pferde 

das Gefäss mit einem Henkel. 
Gr. 1,85. M. S. Tier- und Pflanzenbilder Taf. V 7. 

7. Br. 17. — ANTiroNo^ 1. Adler rechtshin. 

Rj. K|Y. Gefäss mit einem Henkel. 
Gr. 4,08. M. S. Tafel X No. 14. 

8. Br. 13. — Ebenso mit APoAAoAßPoE 

Gr. 2,06. M. S. 

9. Br. 17. — Ebenso mit APKECIAAoC. 

Gr. 3,70. M. S. 



1) Bohn a. a. 0. 8. 61. 



278 ^- Imhoof-Blamer: 

10. Br. 15. — Ebenso mit TorrYAoC. 

Gr. 3,95. M. S. 

„ 4,00. M. S. mit den Gegenstempeln Stern auf 
der Vf. und Weintraube auf der Bf. 

11. Br. 15. — Ebenso mit AAMACoC. 

Im Handel. 

12. Br. 15. — Ebenso mit AloTENHZ. 

Im Handel. 

13. Br. 16. — Ebenso mit AloNYCoOAN. 

Im Handel. 

14. Br. 17. — Ebenso mit eEYAßPoI. 

Gr. 4,33. M. S. 

15. Br. 16. - Ebenso mit IKEPTHZ. 

Gr. 3,60. M. S. 

16. Br. 18. — Ebenso mit KAAYAßN. 

Gr. 4,70. M. S. 

17. Br. 17. — Ebenso mit AYIANIAI. 

Im Handel. 

18. Br. 13. - Ebenso mit MEriCTAFoPa^. 

Gr. 2,55. M. S. 

19. Br. 17. — Ebenso mit PolKo^. 

Gr. 4,15. M. S. 

20. Br. 16. — Ebenso mit 4)IAoAoEoC. 

Gr. 3,80. M. S. Vgl. Mionnet Suppl. VI 10, 74. 

21. Br. 17. — Ebenso mit OVAAKoI. 

Gr. 4,70. M. S. 

22. Br. 16. — Ebenso mit ME hinter dem Adler. 

Gr. 3,60. M. S. 

23. Br. 11. — Dieselben Typen; auf der Ä/. K|Y und über dem 

Gefässe AE. 
Gr. 1,27. M. S. 

24. Br. 11. — Ebenso mit K|Y und unter dem Gefässe Epheu- 

blatt. 
Gr. 1,40. M. S. 



2iiT Münskunde d. Pontos, y. Paphlagonien, Tenedos, AioliB u. Lesbos. 279 

25. Br. 15. — KY obeD, OEoAAlTHZ unten. Vordertheil eines 

Pferdes mit Zügel rechtshin. 
R/. A 1. Einhenkliges Gefäss. 
Gr. 4,28. M. S. 

26. Br. 16. — Ebenso mit nAPMENITHC und auf der Rf. ME. 

Gr. 3,12. M. S. Vgl. Kat. Brit. Mus. S. 108, 49. 

27. Br. 17. — Ebenso mit PoAYAPXoff und pP. Pferd ohne 

Zügel. 
Gr. 3,60. M. S. 

28. Br. 17. — Ebenso mit IPEPXAZ und WP. 

Gr. 3,35. M. S. 

29. Br. 17. — Ebenso mit ZTAZinTToE und W. 

Gr. 4,15. M. S. 

30. Br. 10. — Kopf des Apollon mit Lorbeer rechtshin. 

Rf, EYMHAHI. Vordertheil eines freien Pferdes rechts- 
hin; oben 1. und r. je ein Monogramm. 
Gr. 1,00. M. S. 
Aus der Zeit etwa der Flavier ist 

31. Br. 21. — Brustbild der kymäischen Sibylla mit Tänie 

und Gewand linkshin, in der rechten Hand einen 
Lorbeerzweig emporhaltend. 
Rf. KYMAI|QN. Stehende Isis mit ihrem Kopfschmuck 
rechtshin, die Rechte am Scepter, auf dem 1. Arm 
den ihr zugewandten Horos tragend. 
M. S. Tafel X No. 15. 
Die Gruppe der Isis mit Horos ist auch aus Münzen von 
Kyme mit Sabina bekannt^). Es ist unrichtig, dieselbe für 
Eirene mit Plutos zu halten'). 

32. Br. 18. — KYMAI 1., ON CIBYAAA r. Kopf der kymäischen 

Sibylla mit Tänie rechtshin. 
Rf. Em iE|PONYM. Stehende Demeter mit Schleier 

linkshin, Ähren in der Rechten, in der Linken Fackel. 
M. S. Tafel X No. 16. 



1) Drezler, Nun. Zeitschr. XXI 1889 S. 66/67 Taf. n 12 und 13. 

2) Nun. Chron. 1895 S. 99, 19. 



280 F* Imhoof-Blumer: 

Nach dem Magistratsnamen zu schliessen, gehört die Münze 
in die Zeit der Antonine. 

Sibyllendarstellungen sind selten und bisher nur aus Münzen 
von Erythrai mit der Herophile ^), von Gergis') und aus römischen 
Denaren der Familie Manila bekannt'). Mit der erythräisch- 
gergithischen Sibylle oder der samischen Phyto ist die kymäische 
vielleicht zu identificiren. 

Der Kopf der kymäischen Sibylle ist mit einer Tänie ge- 
schmückt. Die beinahe fünfhundert Jahre älteren Münzen von 
Gergis stellen die Prophetin mit apollinischer Bekränzung, Ohr- 
gehäng und schwerer Halskette dar^); statt des Lorbeerkranzes um 
das Haupt trägt sie auf No. 31 einen Lorbeerzweig in der Hand. 

33. Br. 37. — AV . K . M . AVP . I ANTQNeiNOC. Brustbild des 
bärtigen Garacalla mit Lorbeer, Panzer und Mantel 
rechtshin. 

Ä/. eni CTPA.M.nAIVC.ePQTOC KVM und im Felde 
r. AIßN. Stehender Asklepios von vorn, Kopf links- 
hin, die Rechte am Schlangenstab, die Linke verhüllt. 

M. S. 

Der kymäische Strateg Fl. Paus. Eros kommt sonst erst 
zwanzig Jahre später, auf Münzen mit dem Bildnisse des Caesars 
Maximus vor*). Die Vf. der grossen Bronze No. 33 ist gleichen 
Stempels wie eine Bronze des Kretarios von Smyrna mit 
Segelschiff (m. S.), und merkwürdigerweise ist auch die Vf. der 
anderen bekannten kymäischen Münze des Eros*) mit einem 
Smyrnäer Stempel geprägt^). Fast könnte man meinen, dass 
diese grossen Kopfstempel erst zur Zeit des Maximinus von 
Smyrna nach Kyme gekommen und wieder benutzt worden seien. 

1) Monn. gi^ecqnes S 268 und Griech. Münzen S. 117, 295. 

2) Steph. Bya. s. v. re^K- 

3) Babelon II S. 180. 

4) Eat. Brit. Mos. Troas Taf. X 15; m. S., hier Tafel X No. 17. 

5) Mionnet Snppl. VI 21, 150 u. a. 

6) Eat Brit. Mns. Troas S. 119, 138 Taf. XXIQ 11. 

7) Exemplare meiner Sammlang wie Mionnet m 243, 1371 nnd Suppl. 
VI 360, 1798 und 361, 1803 mit den Strategen Ael. ApoUonias und Geminus. 



Zar Manzkunde d. Pontos, v. Paphiagonien, Tenedos, Aiolis u. lesbps. 281 

XX. Elaia. 

1. Br. 9. — - Kopf der Athena linkshin. 

iZ/. Getreidekorn zwischen zwei Lorbeerzweigen. 
Gr. 0,60 und 0,70. M, S. Tafel X No. 18. 

2. Br. U. — Vf. ebenso. 

Rf, Getreide körn zwischen E|A in einem Lorbeer- 
kranz, unter diesem AHMH. 
Gr. S,34. M. S. 

3. Br. 16. — Ebenso mit noAYIH. 

Gr. 3,50. M. S. 
In „Monn. grecques" S. 274 No. 232—234 habe ich einige 
Kupfermünzen zusammengestellt, die einen Büschel mit Mohn 
und Ähren auf der Rf. zeigen. Von der einen derselben wieder- 
hole ich hier die für die Vf. berichtigte Beschreibung: 

4. Br. 21. — NEPQNA r., CEBACTON 1. Kopf des Nero mit 

Lorbeer rechtshin. 
Rf, Eni oben, im Felde auf drei Zeilen M|E— NA|NA 

— PO|Y. Mohnstengel zwischen zwei A.hren. 
Seitdem machte Warwick Wroth eine ähnliche Münze be- 
kannt, die er aber auf Grund seiner Lesung AHAOO • • AITQN 
der Stadt Agathopolis in der thrakischen Chersonesos zu- 
theilte '). Aus dem mir freundlichst zugestellten Abdruck dieses 
Stückes sehe ich meine Vermuthung bestätigt^ dass es sich auch 
hier um eine Elal'termünze handelt. Die Beschreibung ist näm- 
lich wie folgt zu berichtigen: 

5. Br. 20. — Vf gleichen Stempels wie No. 4. 

Rf Über dem nämlichen Typus Efll in kleiner Schrift (genau 
wie auf den No. 232 und 233 der Monn. grecques), r. 

^^^en{vog), i [eaiaitän. 

XXI. Larisa. 
Über die Lage von Larisa hat zuletzt von Diest berichtet^). 
Die Stadt befindet sich in der Nähe des Hermos, etwa 12 km 
südöstlich von Kyme bei Burundschuk. 

1) Num. Chronicle 1896 S. 88, 3. 

2) Von Pergamon zum Pontus 1889 S. 34. Ramsajr, Asia Minor 8. 457. 

Zoitflclirift far Namismatik. XX. 19 



282 ^* Imhoof-Blumer: 

r 

Br. 10. — Jugendlicher Kopf eines gehörnten Flussgottes 
von vom, rechtshin geneigt. 

RJ. AA über einem Stierkopf mit Hals rechtshin. 

Gr. 1,10 und 1,13. M. S. Tafel X No. 19 und 20. Vgl. 
Mionnet III 21, 120, wo die Hörner für die Mond- 
sichel der Artemis gehalten sind« 

Ob in dem Köpfchen ein Zufluss des Hermos oder dieser 
selbst personificirt ist, bleibt einstweilen unentschieden. 

XXIL Myrina. 

1. S. 14. — Kopf der Athena mit korinthischem Helm 

rechtshin. 

Rf. M|Y. Kopf der Artemis mit Ohrgehäng und Hals- 
kette von vorn, etwas linkshin geneigt; über der r. 
Schulter Köcher, rechts im Felde Pfeilspitze. 

Gr. 1,88. Leake, Num. Hell., Asiat. Greece S. 85. 
„ 1,50. M. S. 

2. S. 14. — Ebenso, ohne Köcher, aber mit der Pfeilspitze. 

Gr. 1,75. Löbbecke. Tafel X No. 21. 

3. Br. 11. — Kopf der Athena mit korinthischem Helm 

rechtshin. 
iZ/. MY|PI. Amphora, um den Hals bekränzt. 
Gr. 1,12. M. S. 

Diese Münzen unterscheiden sich von denen einer anderen, 
wenig älteren Serie bloss durch die Form und die Verzierung 
des Helmes der Athena^). Sie sind alle älter als die bekannten 
Tetradrachmen und Drachmen von Myrina und gehören noch 
dem 4. Jahrhundert vor Chr. an. 

4. Br. 14. - eni Ae|IIOV APX. Brustbild des Apollon (?) mit 

Gewand rechtshin. 
Rf. MVpei|NAI2N Lyra. 
M. S. 



1) Zeitsehr. f. Nam. HI 1876 S. 321/2 Taf. YIII 17-20. 



Zur Münzkunde d. Pontos, y. Papblagonien, Tenedos, Aiolis u. Lesbos. 28B 

5. Br. 23. — AVTOKPATOPA AOMITIANON KAICAPA. Die ein- 
ander zugewandten Köpfe des Domitian mit Lorbeer 
rechtshin und der Domitia mit Gewand linkshin. 

Rf. eni KAeiNIIOV APXONTOC und im Felde J y. 

Stehender Apollon in langem Gewand von yorn, die 
Rechte gesenkt, in der Linken Lorbeerzweig und 
Tänien. 
M. S. Vgl. Mionnet Suppl. VI 37/38, 243/4. 

XXm. Temnos. 

1. Br. 18. — eni r., Zß im Abschnitt, lAOY 1. Der nackte 

bärtige Flussgott Herrn os am Boden sitzend, die 
Rechte an dem gebogenen Knie, im 1. Arm Füllhorn. 
Rf. THMN r., ITQN 1. Stehende Aphrodite in leichtem 
Chiton von yorn, Kopf rechtshin, den 1. Ellbogen auf 
eine Stele stützend. Die Qöttin, mit der Rechten 
ihr Haar ordnend oder schmückend, betrachtet sich 
in einem Spiegel, den sie mit der Linken vor die 
Augen hält. 
M. S. 
Varianten dieser Münze, auf denen der Hermos mehr in 
liegender Stellung erscheint, befinden sich in München') und 
London'). Das Bild ihrer Rf, stellt aber nicht, wie bisher be- 
schrieben, eine ApoUonfigur, sondern die nach Formen und Ge- 
berde unverkennbare Aphrodite dar. 

2. Br. 37. — A . K . M . AYP . Ce . | AAeiANAPOC. Brustbild 

des Kaisers mit Lorbeer, Panzer und Mantel rechtshin. 
Rf. en.KA.CMAPAIFAOY THMN und im Abschnitt 

«eiTQN. Thronende Ky bei e mit Thurmkrone, Schale 

und Tympanon linkshin; zu ihren Füssen sitzender 

Löwe. 
M. S. 



1) Mionnet lY 83, 455, falsch Mastaura lugetheilt. 

2) Kat. Brit Mus. Troas etc. S. 143, 1 1 Taf. XXIX 3. 

19* 



284 ^* Imhoof-Blamer: 

XXIV. Tisna. 

Br. 10. — Kopf des jugendlichen gehörnten Flussgottes Tis- 
naios linkshin. 
i2/ Till MAI. Lanzenspitze. 
Gr. 1,04. M. S. Tafel X No. 22. 
Ein neuer Typus zu der früher beschriebenen kleinen Gruppe 
tisnäischer Münzen^). Über die Lage der Stadt am Titnaios 
Pythikos s. Bohn und Schuchhardt, Altertümer von Aegae S. 61 
und Wroth a. a. 0. S. LXII und 149. 

Lesbos. 

XXV. Eresos. 

1. Br. 20. — Kopf des Apollon mit Lorbeer rechtshin. 

Rf. EPE^I in einem von vier Ähren gebildeten Kranze. 
Gr. 5,95. M. S. 

2. Br. 19. — Ebenso mit Lyra unter der Aufschrift. 

Marciana in Venedig. 

3. Br. 18. — Ebenso mit Keule unter der Aufschrift. 

Mus. Neapel No. 7994. 

4. Br. 18. — Ebenso, jüngeren Stils, mit "^ unter EREIL 

Gr. 5,17. M. S. 

5. Br. 16. — Geflügeltes Gorgoneion von vorn, Pkr. 

Rf. epeCI|ßN. Geflügelter Hermesstab. Pkr. 
Gr. 2,45. Im Handel. 

XXVL Methymna. 

1. S. 8. — Kopf der Athen a linkshin. 

Rf. M oben. Kantharos zwischen zwei Epheublättern. 

Vertieftes Quadrat. 
Gr. 0,46. M. S. 

2. S. 8. — Kopf der Athena rechtshin. 

Rf. Ir. Kantharos. Linienkreis. 
Gr. 0,32. M. S. 



1) Monn. grecqaes S. 2t5, 239-242. 



Zur Münzkunde d. Pontos, v. Paphlagonien, Tenedos, Aiolis n. Lesbos. 285 

3. S. 14. — FjT. ebenso. 

iZ/l MAjOY za beiden Seiten des Fusses eines Ean- 
tharos, über diesem 3C Das Ganze von einem 
Quadrat von Doppellinien umrahmt. 

Gr. 2,60. M. S. 

4. Br. 15. — KOMO|AOC. Brustbild des bärtigen Kaisers mit 

Lorbeer und Gewand rechtshin. 
Rf. MHe|VMNA|ia[N]. Kopf des Dionysos OaUiv ohne 
Halsansatz, mit langem Spitzbart, steif herabhängenden 
Haaren und einer Art Mütze, rechtshin. 
M. S. Tafel X No. 23. 
Das Bild der Rückseite war früher bloss aus Münzen der 
Nachbarstadt Methymna's, Antissa, bekannt^), von denen eine 
hier auf Tafel X No. 24 abgebildet ist; inzwischen ist es wieder- 
holt auch als methymnäischer Typus auf Münzen, die vom 
3. Jahrhundert vor bis zum 2. nach Chr. datiren, zu Tage ge- 
treten*). Wie ich bereits bemerkte'), hat Fr. Back in dem Bilde 
den von Olivenholz geschnitzten Kopf {nqocmnov) erkannt, der 
bei Methymna aus dem Meere gefischt und auf Befehl der Pythia 
als Dionysos Phallen verehrt wurde, und von dem die Methymnäer 
eine Nachbildung in Erz nach Delphoi sandten^). Die steifen, 
wie aus Holz geschnitzten Haare und der, wenigstens auf den 
methymnäischen Münzen, fehlende Halsansatz des Mttnzbildes 
bestätigen die Identificirung. 

Von diesem Dionysosbilde, das vermuthlich auf hermenförmi- 
ger Basis in einem Tempel stand, ist ohne Zweifel die Rede in einer 
Inschrift von Methymna aus der Wende des 3. zum 2. Jahrhundert 
vor Chr., die S. Reinach mit gewohntem Scharfsinn erläutert hat*). 

1) Mono, grecqnes S. 276; Griech. Mfinien S. 109. 

2) Kat. ßrit. Mus. Troas etc. S. 175, 7 Antissa Taf. XXXY 13; Monn. 
grecqnes S. 278, 248a Taf. E 28 nnd, als Gegenstempel, anf einer Münse 
mit Apollonkopf nnd Arion (wie Brit Mns. a. a. 0. Taf. XXXYII 4) in m. S. 

3) Griech. Mfinsen S. 109. 

4) Pansanias X 19, 3; Wroth, Kat. 1. c. S. LXXYI, wo das hand- 
schriftlich üherlieferiie Kttf^tliv dem wahrscheinlicheren ^alUv vorgesogen 
erscheint. Vgl. Boscher, Lexikon I S. 1063. 

5) Bnll. de Corr. Hell. Vn 1883 S. 37—41. 



286 ^* Imhoof-Blumer: 

XXVII. Mytilene. 

1. Br. 18. - CeiTOC NBOC MAP[KOY?]. Bildnis des jüngeren 
Sextos rechtsbin. 
Rf. ANAPOMCAA N6A NcXMi^{va%%o(;). Bildnis der 

jüngeren Adromeda rechtshin. 
M. S. Tafel X No. 25 und 26. 
Mit dieser Münze wird die Zahl berühmter oder hervor- 
ragender Lesbier, deren Bildnisse und Namen auf mytilenäischen 
Prägungen der Kaiserzeit vorkommen, um zwei neue vermehrt: 
Sextos der jüngere (Sohn des Markos?) und Andromeda 
die jüngere (Tochter des Lesbonax?), beide sonst unbekannt. 
Die Prägung datirt aus der Zeit des Titus oder des Domitian, 
zu welcher die Haartracht des weiblichen Porträts Mode war. 

Die beste kritische Übersicht der Bildnisse der Mytilenäer hat 
Wroth gegeben ^). Heute lässt sie sich folgendermassen ergänzen : 

.„ . } auf einer Münze aus der Zeit des Pius oder später. 
Alkaios i 

Sappho, auf Münzen derselben Zeit. 

Lesbonax ^dococfog^ auf Münzen aus der Zeit des Pius. 

Theophanes d^eogx ^., . 

Archedamis S^sa j » » 

Theophanes „ » Sept.Severus 

oder Caracalla. 

Sextos yiog \ „ . Titus oder 



1 



Andromeda via f Domitian. 

Dada \ ^ . 

^ , ., \ » n Traian. 
Pankratides ' 

Lesbonax ^^(ag viog^ „ ^ der Antonine. 

lulia Prokla ^Quatg^ ^ „ des Pius. 

Nausikaa ^Qootg, r, v n 

Sexstos ^Qwg \ 

Flavia Neikomachis ^) J " ^ 



des M. Aurelius. 



1) Eat Brit. Museum, Troas etc. 1894, S. LXXff. und S. 198ff. 
Taf. 39 und 40. 

2) Yermuthlich gehört hierher auch der Leukippos einer Münze aus 



Zur Münskunde d. Pontos, v. Paphlagonien, Tenedos, Aiolis u. Lesbos. 287 

Von diesen Persönlichkeiten sind bloss die fünf erstgenannten 
historisch bekannt. Die Bildnisse sind zu ihrem Andenken und 
zum Ruhme von Mytilene auf die Münzen gesetzt, und so wird 
es sich auch mit den Porträts der übrigen, zum Theil vergötterten 
und heroisirten Männer und Frauen verhalten, die, mit Ausnahme 
des Philosophen Lesbonax, zur Kaiserzeit gelebt zu haben 
scheinen. 

Wie aus dem obigen Verzeichnisse zu ersehen ist, unter- 
scheide ich zwei Lesbonax. Der ältere war der Philosoph, 
der Vater des Rhetors Potamon. Da Potamon, von dem auf- 
fallender Weise bis jetzt kein Porträt auf Münzen bekannt ge- 
worden ist, sich schon in den Jahren 47 und 45 vor Chr. als 
Führer mytilenäischer Gesandtschaften an Caesar her^orgethan 
hattet und sein muthmassliches Geburtsjahr daher frühestens 
um 80 vor Chr. gesetzt werden kann, so ist hieraus zu schliessen, 
dass des Lesbonax Wirken vornehmlich in die erste Hälfte des 
letzten Jahrhunderts fiel und er älterer Zeitgenosse des Theo- 
phanes war. Die Münze mit seinem Bildnisse ist erst zur Zeit 
des Pius unter dem Strategen Hieroitas, von dem auch Münzen 
mit dem Kopfe der Nausikaa bekannt sind, geprägt'). Ungefähr 
gleichzeitig mit diesen ist die Münze, auf der ein Lesbonax 
IjQcog v^oc, jugendlich und mit Epheu bekränzt, dargestellt er- 
scheint. In diesem v£og mit dionysischer Bekränzung ist nun 
gewiss nicht der Philosoph, sondern etwa ein Enkel oder späterer 



der Zeit des Sept. Severns, Kat. Brit. Mnsenm Taf. XL 2. — Ans einer In- 
schrift ergiebt sich die Wahrscheinlichkeit, dass Flavia Neikomachis die 
Tochter der lulia Prokla war, Wroth a. a. 0. S. LXXIIIff. — In einer 
anderen Inschrift wird eine Anrelia Artemisia geehrt nnd deren Abstammung 
Yon Potamon und LesboDax henrorgehoben, s. Cichorias, Mitth. Athen XUI 
1888 S. 67. Von dieser Artemisia könnten auch noch Porträtmünzen er- 
wartet werden. 

1) Mommsen, Das Potamon -Denkmal auf Mytilene, Sitzungs-Ber. der 
K. Preuss. Akademie 1895» No. XXXYII. 

2) Vgl. Cichorius, Rom und Mytilene, Leipzig 1888 S. 66, wo der Strateg 
Hieroitas für den Vater des Theophanes gehalten wird. Gegen diese Zeit- 
ansetzung spricht ausser dem Stil der Münze das Vorkommen des Beamten- 
titels. 



288 F. Imhoof-Blumer: Zur Münzk. d. Pontos, v. Paphlagonien u. s. w. 

Nachkomme desselben, vielleicht der Vater der Andromeda via 
A€cfßm{vaxtog)^ zu erkennen^). 

Ebenso sind zwei Sextos zu unterscheiden: der bärtige 
Sexstos ^Qfag auf Münzen aus der Zeit des M. Aurelius, und der 
bartlose Sextos viog McIqxov auf der oben beschriebenen Münze 
aus der Zeit des Titus oder des Domitian. Demnach ist der 
jüngere Sextos — vielleicht Gemahl der Andromeda und 
Schwiegersohn des jüngeren Lesbonax — auf Münzen wesentlich 
früher verehrt worden als der ältere, dessen Bild sich auf der 
folgenden neuen Münze zeigt: 

2. Br. 27. — CeiCTON r., HPQA 1. Brustbild des Sexstos 
mit Gewand rechtshin. 
Ä/. MYTIAH I NAIQN, Nackte (?) männliche Figur, linkshin 
auf einem Fels sitzend, die Rechte am Knie, die 
Linke auf den Fels gestützt. 
M. S. Tafel X No. 27. 
Ohne neue Funde datirter oder annähernd datirbarer In- 
schriften ist die chronologische Folge der porträtirten Mytilenäer 
einstweilen nicht festzustellen. Denn die Prägezeit der Münzen 
ist für diese Frage ohne Belang, und ebenso, wie mir scheint, 
die Haartracht der Frauen, die der Zeit der jeweiligen Münz- 
prägung entspricht, aber nicht immer der zu Lebzeiten der 
Heroinen herrschenden Mode. Es scheint dies schon aus dem 
wohl nicht früher als 30 n. Chr. geprägten Porträt der vermuth- 
lieh ältesten dieser Frauen, der Archedamis hervorzugehen, das, 
nach dem Vorbilde der späteren d^sd Ssßaotij, ebenfalls vergöttert 
und verschleiert erscheint 

Winterthur, September 1896. 

F. Imhoof-Blumer. 



1) Über einen Lesbonax, der im zweiten Jahrhundert nach Chr. gelebt 
hatte, Tgl. E. Rohde, Der Griech. Roman 1876 S. 341, 3 und Cichorias 
a. a. 0. S. 66. 



Zur Münzkunde Makedoniens. 



II. 
Die MUnzen der Derranen. 




1. M 31 mm. V/. AERRO^IKO^ oben. Zwei Stiere linksbin 

as einen Wagen gespannt, von welchem nur die Deichsel 
und das eine Rad (teilweise) sichtbar ist. Im Feld 1. und 
oben je ein makedonischer Schild.') Pkr. 
Bf. Vertieftes, vierfach geteiltes Quadrat. 

34,70 gt. ~ Puit. Beme arch^ol. 1866, Taf. XXIII 5. 

2. M 37-34 mm. Vf. CM13A r. von oben. Zwei Stiere rechts- 

hin an eioeD 'Wagen gespannt, von dem nur das Rad 
nnd ein Sttlck der Deichsel sichtbar ist; im Hinter- 
grande Hermes nackt, bärtig, rechtshin stehend, in der 
gesenkten B. das Kerykeion, die L. an den Kopf des 
einen Stieres legend. Pkr. 
Rf. wie vorher. 

40,57 gr. - Fkris. Revne atchiol 1866, Taf. XXm 6. 

3. M 36 mm. Vf. 09<I3^ oben. Bärtiger Mann mit unbe- 

kleidetem Oberkörper rechtshin in einem von zwei 
Stieren gezogenen Wagen sitzend, in der R., nie es 



1) Ober diese* Beiieicben reigl. S. 395 Anm. 1. 



290 H. Gaebler: 

scheint, die Zügel, in der erhobenen L. eine Peitsche 
haltend. Pkr. 
Rf. wie vorher. 

38,60 gr. — Paris. Revue arcb^ol. 1866, Taf. XXII 2. 

Diese drei Münzen hat zuerst Bompois^) zusammengestellt 
und ihnen die bekannten aufschriftlosen grofsen Silberstucke 
angereiht, welche auf der VJ, die Gruppe eines Mannes im Stier- 
gespann und auf der i2/. ein Triquetrum zeigen. Er teilt diese 
Prägungen dem von Herodot') und anderen erwähnten thrakisch- 
makedonischen Yolksstamm der Odomanten zu und sieht in der 
Aufschrift, die schon Lenormant') auf ein^n Dynasten bezog, 
den Namen eines ihrer Könige. In der That stimmen jene 
aufschriftlosen Stücke in der Darstellung ihrer Vorderseite mit 
der obigen No. 3 ganz augenfällig überein und auch im Stil 
und Gewicht gleichen sie der kleinen beschrifteten Gruppe voll- 
kommen. Mit Recht hat deshalb Bompois' Zusammenstellung 
allgemeinen Beifall gefunden. Später haben Head ^) und Imhoof ^) 
die bis 1879 resp. 1883 bekannt gewordenen Exemplare der 
schriftlosen Art verzeichnet. Zu diesen beiden Verzeichnissen 
nun bin ich in der Lage, einige wichtige Berichtigungen und 
Ergänzungen zu geben, welche auf die gesamte Münzgruppe ein 
ganz neues Licht werfen. 

Der Bequemlichkeit wegen möge das Imhoof'sche Verzeich- 
nis hier in aller Kürze wiederholt werden: 

No. 139 39,15 Imhoof. Monn. grecqaes Taf. D 1. 

— a. 35,50 Oat. Bompois (1882) S. 59, 743, Taf. XU 743. 

— b. — Newton, Trayela U S. 24, 1. 

— c. 34,40 Paris. Bevue archöol. 1866, Taf. XKU 4. 

— d. 33,90 CoU. Ed. Wigan. 

— e. 33,40 Turin Bibliothek. 

— f. 40,46 London Cat. Macedonia S. 150, 1. 



1) Bevue arch^ologiqne 1866, Taf: XXIT u. XXIII und 1867 S. 124ff. 

2) Herod. V 16 u. 711 112. Vgl. Thucyd. II 101 u. V 6; Strabo VH 
331, 36; Plin. n. h. IV 11, 40 n. a. m. 

3) Description des mödailles . . . de M. le baron Behr (1857) S. 19. 

4) London Cat. Macedonia (1879) S. XXIII ff. 

5) Monnaies grecqnes (1888) S. 99 f. 



Zur Haniknude Haledonieiu. 11. 291 

Ko.l39g. 40,40 Turin Bibliothek. 

— h. — Oxford, Cbriit Chnrch LibrMy. 

— i. 34,70 Paris. Newton, Tnvela H S. 24, 3. Revue ucbdol. 1866, 

Taf. XXn, 3. 

Um mit dem Wichtigsteo zu beginnen, so hat daa Oxforder 
Exemplar (h), welches bisher nur ans der mangelhaften Zeich- 
nupe bei Newton '] bekannt war, statt des dicken Perlkreises, den 
diese oben zeigt, in Wirklichkeit die Aufschrift IWOJUBA, 
wie ich auf einem Gipsabgufs feststellen konnte, den ich der 
gQtigen Vermitteluug des Herrn Dr. Imhoof-Blumer verdanke und 
nach welchem die nachstehende Abbildung angefertigt ist. Das E ist 
etwas verquetscht, die Übrigen Buchstaben dagegen sind völlig 
deatlicb. Damit ist die Zusammengehörigkeit der beiden Serien 




unwiderleglich bewiesen. Das Turiner Exemplar (g) ist, wie mir 
Herr Dr. Imhoof-Blumer freundlichst mitteilt, aus denselben 
Stempeln wie das Oxforder; von der Aufschrift auf der VJ. ist 
nur IH zu erkennen, das Übrige nicht zur Ausprägung gelangt. 
Ein drittes Exemplar, jedoch von anderem Stempel, befindet sich 
in Berlin, ist aber leider so schlecht erhalten, dass von einer 
etwaigen Aufschrift nichts zu erkennen ist. Ganz kurzlich sah 
ich ferner im Besitz eines hier durchreisenden Ausländers ein 
sehr gut erhaltenes Stück dieser Art mit einem nach r. fliegen- 
den Adler, der eine Schildkröte im Schnabel hält, als Beizeichen 



1) C. T. Newton, TnveU and diicot«riei in tb« Loraot n (1865) 
8. 24, 2. 



292 H. Gaebler: 

und mit der vollständigen Aufschrift : WO>ll W0>W3A. Diese lehrt, 
dass wir nicht, wie bisher geschehen, an einen Eönigsnamen zu 
denken haben, sondern vielmehr in der Aufschrift den Namen 
eines Volksstammes, analog dem BIEAATIKON^), erkennen müssen. 
Zu ergänzen wäre etwa äqyvq^ov^ also Münze der Derronen, 
und demgemäss zu der Aufschrift oben No. 1, die auf 0£ endet 
und dem BIZAATIKOZ') entspricht, etwa xaqaxtiqq, Gepräge. Wir 
lernen damit einen neuen thrakisch-makedonischenyolksstamm,von 
dem die historische Überlieferung nichts berichtet, kennen zu den 
bereits bekannten Bisalten, Edonen, Odomanten und Orreskiem. 
Wo dieser Stamm der Derronen seinen Wohnsitz hatte, 
vermögen wir mit ziemlicher Sicherheit festzustellen. Es war 
höchstwahrscheinlich die Halbinsel Sithonia, der mittlere von 
den drei Ausläufern der Chalkidike. Denn hier finden wir den 
Namen Jiqqiq^) als Bezeichnung der Südspitze von Sithonia*), 
und ferner ganz in deren Nähe an der Südwestküste die Stadt 
Tsqiavq^ wie sie stets auf den Münzen heisst*), oder To^coVf/, 
nach welcher auch der Meerbusen zwischen Sithonia und Fallene 
benannt ist. Diese Namensähnlichkeit ist gewiss keine zufällige. 
Vermutlich ist das spätere Terone mit dem alten Hauptorte der 
Derronen identisch. Die Derronen waren vermutlich ein Teil der 
phrygischen Urbevölkerung, welche in ältester Zeit Thrakien und 
die Chalkidike') bewohnte und später wahrscheinlich mit den ein- 
gewanderten Hellenen verschmolz. Auf einen Zusammenhang 
speciell mit den Sithonen und den Odomanten scheint der Um- 
stand hinzudeuten, dass die Sage von einem Odomantenkönig 
Sithon und seiner Tochter Fallene zu erzählen wusste^j, welche 

1) Vgl. BerUn Cat. 67, 1, Taf. IV 27. — Combe, Mus. Hunter (1782) 67, 1, 
Taf.XIII 4; Gousinöry, Voyage dans la Macödoine II (1831) 191, Taf. VI 18. 

2) Annuaire de nnmism. VIII (1884) 32, 3, Taf. I 3. 

3) Strabo VII 330, 31 n. 32; Ptolem. III 12, 10; Pomp. Mela U, 2, 34; 
Steph. Byz. s. To^vti. 

4) Jetzt Gap Drepano genannt. 

5) Vgl. Head, Hist. nmn. S. 184. 

6) Vgl. Tomaschek, Die alten Thraker I (1893) S. 37 (Sitz.-Ber. der 
Wien. Akad. der Wissensch., Bd. 128). 

7) Parthen. erot. 6, 1 nach Theagenes und Hegesippos. 



Zur Münzkunde Makedoniens, ü. 293 

Namen, wie bekannt, an den beiden Ausläufern der Ghalkidike 
haften, deren einen (Sithonia) wir oben als Wohnsitz der Der- 
ronen angesprochen haben. 

Die Münzen der Derronen gehören gewiss noch dem Ausgang 
des 6. Jahrhunderts an, gleichwie die der Bisalten. Wie bei 
letzteren die Buchstabenformen sehr mannigfaltig und schwankend 
sind, so sehen wir auch bei den Derronen für das P zwei ver- 
schiedene Formen (R und P) in Gebrauch und zwar offenbar zu 
gleicher Zeit. Der O-Laut des Namens ist analog dem HAfiNAN^ ) 
und dem späteren TeQwij höchstwahrscheinlich gleichfalls als 
lang zu betrachten und dementsprechend JsQQmytMoy zu schreiben. 

Kehren wir nunmehr zu den wirklich aufschriftlosen Prägungen 
der Derronen zurdck, so ist zu Imhoof 's Verzeichnis weiterhin zu 
bemerken, dass das Exemplar der Sammlung Wigan (d) ganz neuer- 
dings im Gatalogue Ashburnham (1895) S. 13, 71, Taf. III 71, 
gut abgebildet worden ist, woselbst sein Gewicht auf 40,11 gr. 
(statt 33,90 bei Imhoof) angegeben wird. Das andere Turiner 
Stück (e), für welches Imhoof 33,40 gr. angiebt, wiegt vielmehr 
38,40 gr., wie ich feststellen konnte. Dies ist von Wichtigkeit, 
weil die Frage nach dem Münzfuss, dem diese Prägungen folgen, 
einige Schwierigkeit bereitet, wie wir später sehen werden. Im 
Jahre 1882 hat das Berliner Münzkabinet ein vorzüglich er- 
haltenes Stück dieser Art erworben, dessen Besonderheit darin 
besteht, dass es, bis jetzt einzig, die Gruppe der Vf. nach links 
gewendet zeigt '). Auf der 22/. hat es, wie alle bisher erwähnten 
Stücke, das Triquetrum. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, 
dass in der Regel das Triquetrum so gezeichnet ist, dass die 
Beine nach rechts sich zu bewegen scheinen, doch findet sich 
einige Male auch die umgekehrte Bichtung, also nach links, was 
bisher nicht beachtet worden ist. Die Exemplare in Oxford 
(h) und Turin (g und e), sowie das der Sammlung Imhoof (139) 
zeigen auf der Rf. deutliche Spuren eines flach vertieften Qua- 

1) Vgl. London Gat. Maced. S. 144, 1. 

2) Berlin Gat. 174, SO, TaL YU 67; Friedlaender, Zeitachr. f. Nam. XI 
(1884) 8.48. 



294 H. Gaebler: 

drats, das auf den übrigen gänzlich yerschwunden ist Das Stack 
in Paris (i), welches statt des Dreibeins auf der Rf. einen ganz 
flach, zum Teil sogar mit vertieften Contnren angelegten Athena- 
köpf mit korinthischem Helm nach r. zeigt, ist, wie ich mich 
mit Hülfe eines Gipsabgusses überzeugen konnte, unzweifelhaft 
falsch') und in Paris auch bereits aus der Sammlung ausge- 
schieden. Mit Recht hat es Head in die Historia numorum 
(8. 180) nicht aufgenommen. Ich selbst besitze ein völlig gleiches, 
sicher unechtes Stück, das aus derselben Form wie das Pariser 
zu sein scheint. 

Den oben besprochenen Münzen der Derronen dürfte end- 
lich, nach dem Vorschlage Head's, noch das ähnliche barbarische 
Gepräge mit einer sinnlosen Aufschrift auf der Vf. und einem 
Pegasos im vertieften Quadrat der RJ. anzureihen sein, das in 
zwei aus den gleichen Stempeln herrührenden Exemplaren in 
London*) und Paris bekannt ist. Wahrscheinlich ist es von 
einem barbarischen Nachbarstamm in Nachahmung der Derronen- 
Münzen geprägt worden, hinter denen es auch im Gewicht er- 
heblich zurückbleibt 

Mit Berücksichtigung der vorstehend gegebenen Berichti- 
gungen und Ergänzungen lässt sich nunmehr folgende Liste von 
Münzen der Derronen aufstellen: 

A. Mit vertieftem Quadrat auf der Rf. 
L— 3. s. oben 8. 289. 

B. Mit Triquetrum auf der Rf. 

4. 36—31 mm. Vf W0>IIW0;W3A oben. Bärtiger Mann mit 
Ärmelchiton und flachem Hut in einem von zwei Stieren 
(nur einer sichtbar) gezogenen Wagen mit geflochtenem 
Sitz und altertümlichem Rad ') nach rechts sitzend, in der 
erhobenen R. eine Peitsche, der 1. Arm nicht sichtbar. 



1) Schon Bompois bezweifelte die Echtheit, Tgl. Revue arch^ol. 1867, 
S. 127 Anm. 1. 

2) London Cat Macedonia S. 151, 2 Abb. 

3) Über dessen Fonn vgl. Imhooi^ Monnaies grecques S. 79. 



Zur MünKknnde Makedoniens. II. "295 

Im Feld oben ein nach r. fliegender Adler mit einer 
Schildkröte im Schnabel, i. F. nnten Aphlaston. Pkr. 
Rf. Triquetrum linkshin. 

39,20 gr. — Privatbesiti. 

5. 35—33 mm. Vf. IV\0>UI3A oben. Dieselbe Gruppe; i. F. 

oben ein mit einem grossen Stern verzierter makedo- 
nischer Schild^), i. F. unten Aphlaston. Pkr. 
Rf. Triquetrum rechtshin, Spuren des Tertieften Quadrates. 

a. 41,21 gr. Oxford, Christ Chnrch. Newton, Trarels II S. 24, 2, 
ungenau [darana Head Oat Maeed. 8. XXTV 8; Imhoof^ 
Monn. grecqneB S. 100, 139 h]. — Abgeb. oben S. 291. 

b. 40,40 gr. Turin Bibl. Paciandi, Ad nommos consnlares .... 
animadr. philol. (1757) 8. 71, Taf. 1 1; Imhoof a. a. 0. 139 g. 

c. 36,82 gr. (sehr stark corrodiert, Schrift nicht sichtbar). Berlin 
Oat. 174, 81. 

6. Vf. Dieselbe Gruppe; i. F. oben korinthischer Helm rechts- 

hin, 1. F. unten Blume. Pkr. 
Rf. Triquetrum rechtshin, in den Zwischenriumen je eine 
Palmette. 

a. 36—81 mm. 40,46 gr. London Oat. Maeed. 8. 150, 1 Abb. ; 
Yanx, Korn, chronicle 1861, 8. 104, Tal VI 1; Head, Syn- 
opsis (1881) 8. 9, 17, Tal Y 17; Imhoof a.a.O. 139 f. 

b. 36—32 mm. 38»40 gr. Tarin BibL Imhoof a. a. 0. 139 e. 
Die Vf, ist, wie es scheint, aus demselben Stempel, wie die 
Ton a. Auf der Bf, Sparen des rertiefken Qnadrates. 

c. 34-31 mm. 35,70 gr. (besoh&digt). Oat Bompob (1889) S. 59, 
743, Taf. m 743; Imhoof a. a. 0. 139 a. — Aaf diesem Ex. 
ist aach der linke Arm des Mannes dargestellt and zwar 
rorgestreckt , wie am die (nicht gezeichneten) Zügel za 
halten (rgL Ko. 8ff. n. oben Ko. 3). Die Palmetien aaf der 
Rf. sind nur ganz achwach siehtbar nnd im Oat. nicht an- 
gegeben. 

7. 38—35 mm. Vf. Dieselbe Gruppe; i. F. oben korinthischer 

Helm rechtshin, i F. unten Palmette. Pkr. 
Rf. Triquetrum rechtshin, Spuren des vertieften Quadrates. 

89,15 gr. SammL ImhooL Imhoof a. a. 0. 139, TaL D 1. 



1) So ist dieses Beizeichen wohl zu erUlien. Anf dem Exemplar im 
Oat Ashbnmham (oben Ko. 10) erscheint ein deutlicher chanktexiaierter Schild 
neben einem korinthischen Helm, wahrend auf den anderen Stacken der Helm 
aUeia an Stelle des Schildes dargestellt ist 



296 ^* Gaebler: 

8. 36 — 32 mm. VJ. Dieselbe Oruppe, aber beide Arme des 

Mannes sichtbar, der r. mit der Peitsche erhoben, der 
1. vorgestreckt (vgl. No. 6 c). Im Feld oben korinthi- 
scher Helm rechtshin. Fkr. 
22/. Triquetrum linkshin. 

34,40 gr. Paris. Revue archöol. 1866, Tau XXII 4, ungenau; 
Imhoof a. a. 0. 139 c. 

9. 39—31. VJ, Dieselbe Gruppe wie vorher, aber linkshin; 

i. F. oben korinthischer Helm nach links. 
RJ. Triquetrum rechtshin ; in den Zwischenräumen je eine 
Palmette. 

38,87 gr. Berlin Cat. 174, 80, Tat VII 67. Friedlaender, Zeitschr. 
f. Num. XI (1884) S. 48. 

10. 33 mm. Vj. Ähnliche Gruppe rechtshin, der Mann ohne 

Kopfbedeckung und mit unbekleidetem Oberkörper, 
der Wagensitz ohne Flechtwerk und das Rad weniger 
altertümlich. Im Feld oben korinthischer Helm nach r. 
und daneben makedonischer Schild, i.F. unten Blume. Pkr. 
RJ. Triquetrum rechtshin, in den Zwischenräumen je eine 
Palmette (?) 

40,11 gr. Cat. Ashbumham (1895) S. 13, 71, Taf. III 71; früher 
Coli. Ed. Wigan. Imhoof a. a. 0. 139 d. 

11. 35— 32 mm. Vf. wie vorher, aber ohne den Schild. Pkr. 
RJ. Triquetrum linkshin. 

a. 32,74 gr. (am Bande beschädigt). Löbbecke.^) 

b. — Newton, Travels n S. 24, 1. 



1) Die Echtheit dieses Stückes hat Herr Prof. Pick, dem ein Gips- 
abgoss vorlag, in Zweifel gezogen nnd zwar ans stilistischen Gründen, indem 
er besonders die Form des Bades und des Wagensitzes, die Bodenlinie nnd 
das Triqnetmm beanstandete. Bad und Wagensitz sind allerdings anders 
gezeichnet, als bei den übrigen Stücken (No. 4 bis 9), finden sich aber in 
YöUig gleicher Form auch auf dem Ex. im Cat. Ashbumham (No. 10), nnd 
ihre Verschiedenheit dürfte sich daraus erkl&ren, dass No. 10 u. 11 offenbar 
die jüngsten der ganzen Gruppe sind. An der Bodenlinie und dem Trique- 
trum vermag ich nichts Verdächtiges zu sehen. Das Silber der Münze ist 
durch und durch oxydiert nnd kömig, so dass nur die Annahme übrig bleibt, 
dass ein altes echtes (vielleicht ganz schlecht erhaltenes) Stück mit einem 
modernen Stempel umgeprägt wäre, was immerhin möglich ist und zugleich 
eine Erklärung böte für die eigentümlichen, wie durch Abspringen des (in- 



Zur MünKkunde Makedoniens. II. 



297 



C. Barbarische Nachprägung (?). 
VJ. Sinnlose Aufschrift, ähnliche Gruppe rechtshin; i. F. 

oben korinthischer Helm nach r. Pkr. 
Rf. Vertieftes Quadrat, darin Pegasos rechtshin in einem 

doppelten Linienquadrat. 

a. 32 mm. 32,08 gr. London Cat Maced. S. 151, 2 Abb. 

b. 31mm. 31,94 gr. Paris. 

Wenn wir von der letzten Gruppe (C) absehen, so weisen 
die Münzen der Derronen folgende Gewichte auf: 



41,21 


(6 a) 


40,57 


(2) 


40,46 


(6 a) 


40,40 


(5 b) 


40,11 


(10) 


39,20 


(4) 


39,16 


(7) 


38,87 


(9) 


38,60 


(3) 


38,40 


(6 b) 


36,82 


(5 c) 


35,70 


(6 c) 


34,70 


(1) 


34,40 


(8) 


32,74 


(IIa 



sehr stark corrodiert. 

beschädigt. 

abgerieben. 

beschädigt. 
IIa) sehr stark oxydiert und beschädigt. 
Bompois, der nur 1, 2, 3 und 8 kannte, hält »diese Münzen für 
Oktodrachmen ^.olympischen Systems^, dessen Drachme er mit 
4,88 gn berechnet , und erklärt die sehr erhebliche Differenz 
zwischen 2, 3 einerseits und 1, 8 anderseits durch Abnutzung der 

folge der Oxydation) spröden Metalls beim UmprSgen entstandenen Yer- 
letinngen, welche die Vf, mehrfach zeigt. Dann müsste aber auch No. 10 
wegen der ganz genauen Übereinstimmung in allen Einzelheiten unecht 
sein. Wegen des Gewichtes yergl. S. 299. Herr Löbbecke hat die Güte 
gehabt, mir das Original zur Untersuchung zu übersenden, wofür ihm hier 
nochmals bestens gedankt sei. — Eine ganz plumpe F&lschung eines solchen 
Dekadrachmons, wie es scheint dem Londoner Exemplar (No. 6 a) nachgebüdet, 
befindet sich unter den Falschen des Münzkabinets zu Athen und liegt mir 
im Gipsabguss ror. 

Z«itMkrift für Nvaknfttik. XX. 20 



298 H. Gaebler: 

letzteren beiden Stücke')- Brandts^), dem die Gewichte von 
2, 6 a, 1 und 8 bekannt waren, sieht in diesen Prägungen zuerst 
(S. 119) attische Zehn- und Achtdrachmenstücke, zieht es aber 
später vor (S. 208), dieselben ^»als Zehn- und Zwölffache der 
auch den Silberstücken des Oetas von 27,70—27,10 gr. zu 6r^nde 
liegenden Einheit von 3,45— 3,37 gr. aufzufassen*** Das wäre 
also die phönikische (gräco-asiatische) Währung. Diese glaubt 
auch Head *) zu Grunde liegend, ohne jedoch zwei verschiedene 
Nominale zu unterscheiden. Imhoof endlich, der nur die Gruppe 
B behandelt, ist der Ansicht, dass in der Prägung ein System- 
wechsel zu konstatieren sei, und fasst die schwereren Stücke 
(etwa 40,50 gr.) als babylonische Tetrastatere , die leichteren 
(etwa 35,00 gr.) als Oktodrachmen euböisch-attischer Währung 
auf. Dieser Annahme eines Wechsels in dem Münzfusse wider- 
spricht der Umstand, dass in der offenbar älteren Serie A, die 
wir jetzt mit B vereint betrachten müssen, sich gleichfalls der- 
selbe Gewichtsunterschied zeigt, also eine zeitliche Aufeinander- 
folge zweier Systeme ausgeschlossen ist. Head's Ansicht, dass 
die Stücke sämtlich phönikische Dekadrachmen seien, ist eben- 
falls unhaltbar. Mit dem Normalgewicht von 36,50 gr. für ein 
solches Dekadrachmon Hessen sich nur die vier letzten Stücke in 
unserer Gewichtsreihe vereinigen, die überwiegende Mehrzahl 
dagegen, deren Gewicht bis 41,21 gr. aufsteigt, kann un- 
möglich mit diesem Ansatz in Einklang gebracht werden. 
Offenbar ist Head zu seiner Ansicht dadurch gefuhrt worden, 
dass er jene Münzen ßlr Prägungen der Odomanten hielt, sie 
also in dem sog. Bisalten-Gebiet („Bisaltian district'^) entstanden 
glaubte, dessen Bewohner (Bisalten, Edonen, Orreskier) sämt- 
lich der phönikischen Währung sich bedienten. Nun sind aber, 
wie wir oben gesehen haben, die Derronen, welchen diese 
Münzen in Wirklichkeit angehören, höchstwahrscheinlich auf 



1) Revue archöol. 1867, S. 128 f. 

2) Mfinz-, Mass- n. Gewichts wesen in Yorderasien S. 119, 208 a. 528. 

3) Historia namomm S. 170 u. 180^ 

4) Monnaies grecqnes S. 100. 



Zur Münzkunde Makedoniens, tl. 299 

Sitbonia ansässig gewesen, und da alle bedeutenden Städte der 
GhaUddike (Aineia, Akanthos, Dikaia, Mende, Olynthos, Poti- 
daia, Skione, Sermyle, Terone) in ihren ältesten Prägungen dem 
euböisch-attischen System folgen, so ist dieses auch von vorn- 
herein bei den Derronen vorauszusetzen. Diese Yermutung 
bestätigen die Münzen vollkommen. Nehmen wir die euböisch- 
attische Drachme zu 4,30 gr. an, so ergiebt dies fEUr das Deka- 
drachmon 43,00 gr., und so hoch muss in der That das Normal- 
gewicht f&r die Derronen - Münzen angesetzt werden, deren 
schwerste uns bekannte bei ziemlich vollkommener Erhaltung 
41,21 gr. wiegt ^). Bei den übrigen Stücken ist der Gewichts- 
verlust beträchtlicher, 5 c und 6 c wiegen sogar nur 36,82 resp. 
35,70 gr., sind aber beide so stark beschädigt, dass sich dieses 
Mindergewicht ohne weiteres erklärt. Schwieriger dagegen ist 
die Frage zu entscheiden, ob auch 1, 8 und IIa noch als Deka- 
drachmen aufzufassen sind. Bompois spricht bezüglich des 
ersteren von „usure assez consid^rable^, und auch 8 hat, wie 
die Abbildung und ein mir vorliegender Oipsabguss deutlich er- 
kennen lassen, eine starke Beschädigung erlitten, ebenso ist IIa 
am Rande erheblich verletzt und ausserdem sehr stark oxydiert 
So würde sich der grosse Gewichtsverlust also immerhin er- 
klären, und ich ziehe es in der That vor, sämtliche Stücke 
als Dekadrachmen aufzufassen, da es mir nicht wahrscheinlich 
ist, dass man, wie Brandis meint, zwei verschiedene Nominale 
(also Zehn- und Achtdrachmenstücke) nebeneinander in gleicher 
Grösse und (soweit es 8 u. IIa betrifft) sogar mit denselben 
Typen ausgeprägt haben sollte, die nur mit der Wage in der 
Hand zu unterscheiden waren. 



1) So hat Brandis also mit seiner zuerst (8. 119) geftosserten Ansicht, 
die er später (S. 208) allerdings zurücksieht, bezüglich des Münzfüsses das 
Richtige getroffen. 

Berlin. Dr. Hugo Gaebler. 



20» 



Die ältesten, bisher unbekaniiteii Mtmzeii der trafen von 

Eatzenelenbogen. 



Ich bin in der Lage einige dem 14. Jahrhundert entstam- 
mende Prägungen der Grafen von Eatzenelenbogen zu veröffent- 
lichen, die bisher als Münzherren nicht bekannt waren. 

Die am Mittelrhein gelegenen Besitzungen dieses geschicht- 
lich so wichtigen Geschlechts zerfallen in die kleinere niedere 
Grafschaft zwischen Lahn und Taunus mit dem Stammsitze des 
Oeschlechts Alt -Eatzenelenbogen, Schwalbach, Rheinfels, Ems, 
Oberlahnstein, St. Goar, und in die grössere Obergrafschaft 
zwischen Rhein, Main und Odenwald mit Darmstadt, Zwingen- 
berg, Bheinheim, Eberstadt etc., die das Eernland des jetzigen 
Grossherzogthums Hessen bildet. 

Das Grafenhaus wird bereits im 11. Jahrhundert erwähnt 
und theilt sich kurz vor der Mitte des 13. Jahrhunderts mit 
den Söhnen Dithers II. in die Linien Alt- und Neu-Eatzenelen- 
bogen (lat Catimelibocus), deren Besitzungen jedoch sich örtlich 
nicht genau scheiden. 

Indes war die jüngere Linie (Neu -Eatzenelenbogen) vor- 
nehmlich in der Obergrafschaft begütert und vermehrte ihre 
Besitzungen namentlich durch Eberhard I. (f 1312)^), den Freund 



1) Auf Bitten des faldischen Glerns {wurde dieser Graf Eberhard im 
Jahre 1282 durch König Rudolf dem Abte Berthold von Fulda auf 6 Jahre 
als Stiftsverweser beigegeben (vgl. Wenck, Hess. Landesgesch. I, S. 347). 

Einige im kgl. Eabinet zu Berlin befindliche, zweifeUos in das letzte 
Viertel des 13. Jahrhunderts gehörige Bracteaten hessischer bezw. fuldischer 
Fabrik (ein verwandtes Exemplar im herzogl. Museum zu Braunschweig) 
zeigen einen Weltlichen neben dem Abte sitzend und dürften mit Wahr- 



H. Buchenau: Die ftltesten Münzen der Grafen Ton Katzenelenbogen. 301 

und Bathgeber Rudolfs von Habsburg, durch den er 1276 die 
Beicbsgäter zu Tribur erhielt 

Sein Nachkomme Dither VI. von Neu - Katzenelenbogen 
(1357 — 1402) war kaiserlicher Landvogt in der Wetteran. 
Dithers Sohn Johann m. (1402—1444) vereinigte die Be- 
sitzungen beider Linien durch seine Heirath mit Anna, der 
Erbtochter Eberhards VI (f 1403), des letzten Grafen von Alt- 
Katzenelenbogen. 

Mit Johanns m. Sohn Philipp (1444—1479) sterben die 
Grafen von Katzenelenbogen im Mannesstamme aus, und durch 
die Heirath seiner Tochter Anna mit dem Landgrafen Hein- 
rich UI. von Hessen -Marburg fällt der grösste Theil der Graf- 
schaft an Hessen. Die Niedergrafschaft, in der neueren Zeit 
von den umwohnenden Rheinländern vermuthlich wegen des 
evangelischen Glaubens der Bewohner spöttischer Weise das 
„blaue Ländchen*" genann, gehörte dann bis zur Zeit der durch 
die französische Revolution geschaffenen Umwälzungen theils zu 
Hessen-Kassel theils zu Hessen-Darmstadt, während die Ober- 
grafschaft ausschliesslich im Besitz der letzteren Linie des 
hessischen Regentenhauses geblieben ist. 

Das Wappen der Grafen von Katzenelenbogen ist nach 
heraldischer Terminologie ein steigender „gelöwter Leopard^ 
mit nach vorne gekehrtem Kopfe und stets ungekrönt, roth in 
Gold; der Helm zeigt einen silbernen Flug, darauf eine Scheibe 
mit dem Leoparden. Die Zeichnung dieses Helmkleinodes wird 
auf den Siegeln mit ziemlicher Freiheit behandelt (vgl. die bei 
Wenck, Hess. Landesgeschichte, Bd. I, 1783, gegebenen aller- 
dings ungenauen Zeichnungen); die Scheibe liegt entweder auf 
dem Fluge oder sitzt unmittelbar dem Helme auf; das Siegel 
Bertholds U. von Neu -Katzenelenbogen (1312 — 1319, er war 
der Sohn Eberhards I., der Orossvater Dithers VI.) hat 
statt der Scheibe und des Fluges ein Schirmbrett, auf dem 



scbeixdicUeit in diese Zeit der Stiftverwesenchaft rerlegt werden. Da es 
jedoch keine eigentlich Katzenelenbogische Prftgnngen sind, so übergehe ich 
hier diese Stücke. 



302 



H. Bnch«iiKo: 



der Leoparde erscheint. Angeblich aoll die Linie Alt-Katzenelen- 
bogeD nur einen einfachen Flug, Neu-Eatzenelenbogeo den Fing 
doppelt geführt haben, und in dieser letzteren Form fflhrt das 
hessische Haus den Helm tod Katzenelenbogen, auch pflegen die 
hessischen Landgrafen das Wappenthier stets gekrönt im Schilde 
zu fuhren (vgl. Wenck, hese. Landesgesch. I, 8. 608 ff.)- Dass die 
j&ngere Linie Neu-Eatzenelenbogen jedenfalls im 15. Jahrhundert 
den Flug doppelt auf dem Helme geführt hat, beweist die Wappen- 
darstellnng auf dem von Hans Baldung, gen. Grien, verfertigteD 
grossen Votiybilde mit der Familie des Karkgrafen Christoph 




Ton Baden (1475—1515) und seiner Gemahlin Ottilie, Grftfln von 
Katzenelenbogen in der Oalerie zu Karlsruhe; vgl. die von 
B. Sucbier, Festschr- d. Banauer Geschichtsvereins 1894 onter 
Nr.. 35 gegebene Äbbilduni;. Dagegen fflr Alt -Katzenelenbogen 
lassen die Siegel, wie schon Wenck bemerkt, uns im unklaren, 
ob der Flug nur ein einfacher ist. Auf den unten beschriebenen 
Pfennigen erscheint die Scheibe gross, oval und unmittelbar auf 
dem Helme aufsitzend, und ganz augenscheinlich trägt der Helm 
auf diesen Mfluzen nur einen einfachen Flug. 

Zur Veranschaulichung des Wappenbildes gebe ich im Texte 
nach Abgüssen ans der Sammlang der Akademie zu Bauau die 



Die llteat«n Hunten der Grafen von Eatienelenbogen. 303 

Abbildung des Siegels Ditbers lY. (f 1315), des jOngeren 
Binders 'Wilbelms L von Alt-Katzenelenbogen (t 1331), als 
solcher f&hrt er «inen fSnflätzigen Turnierkrageo Ober dem 
Wappentiere, und die Abbildnog des Siegels seines Obeima Eber- 
hards I. von Neu-Katzenelenbogen (t 1312). 




Folgende sind die mir bekannt gewordenen grösstentbeils 
sicheren Gepräge der Grafschaft Katzenelenbogen: 

Ohne Kamen des MAnzberren. 



1. Flacher, einseitiger Silberpfennig aus der zweiten Hälfte 
des 14. Jahrhunderts. Im Keifen: Stechhelm von der 
rechten Seite, mit einer deutlich in Fonn eines nach 
hinten fallenden Tuches unterschiedenen Helmdecke. 
Helmbild: vor einem anscheinend ans Pfauenfedern zu- 
sammengesetztem Finge eine ovale Scheibe mit dem 
springenden getönten Leoparden. Keine Umschrift. 
Durchmesser: 14— 15 mm. Gewicht eines im Mancbener 
Eabinet befindlichen Exemplars 0,21 gr. 
Einige andere Exemplare befanden sich in der Sammlung 
des 1S94 verstorbenen Bezirksarztes Dr. Fikentscher in Augs- 
burg, wo ich dieselben im August 1894 einsah und als Eatzen- 
elenbogener Pfennige erkannte; seit dem August 1896 befinden 
sich diese St&cke mit der flbrigen Fikentscber'schen Sammlung 
im KgL Kabinet za Berlin. Das MOnchener Exemplar ist etwas 



304 H- Bachenaa: 

verstümmelt und durch Doppelschlag entstellt; siehe die erste 
der vorstehenden Abbildungen; die andern Abbildungen sind 
von den jetzt Berliner Exemplaren genommen. 

Graf Dither VL von Neu-Katzenelenbogen (1357—1402). 





2. Einseitiger, flacher Silberpfennig. Im dreieckigen Schilde 
ein springender, gelöwter Leopard von rechts, im Reifen 
die Umschrift: * DITIi • COfittaS • 08 • KR. Durch- 
messer: 15— 16mm; Gewicht von fünf Exemplaren des 
Egl. Eabinets zu München zusammen: 1,15 gr. 

Diese Stücke wurden mir im Sommer 1894 von dem Herrn 
Direktor des Egl. Münzkabinets zu München, Prof. Dr. Riggauer, 
zur Bestimmung vorgelegt, nachdem dieselben bis dahin der 
Enträthselung gespottet hatten, da das oben fast geschlossen 
gezeichnet, überdies fast auf allen Exemplaren schlecht er- 
haltene E stets als B gelesen worden war. Es stammen die 
Stücke, wie auch das Münchener Exemplar von No. 1 und No. 3 
aus den 1880 an das Münchener Eabinet gelieferten Funden 
von Billenhausen in Schwaben und Fetzelhofen in Franken. 

Der Hauptinhalt dieser Funde entfällt in die 2. Hälfte des 
14. Jahrhunderts und dieselben enthielten auch die räthselhaften 
Pfennige mit dem Sparrenschilde und dem Namen der Domina 
Agnes, die sowohl nach Hanau wie nach Eppstein gehören 
können ; ich habe eine Abhandlung über dieselben in Vorbereitung. 

Andere schlecht erhaltene Exemplare der Pfennige mit dem 
Namen Dithers fand ich auch in der Sammlung Fikentscher. 

Dither Y. von Eatzenelenbogen, „der junge greven Dithers 
selgen sune^ (Reimer, Hanauer Urk.-B. Bd. H, No. 300), welcher 
1326 minderjährig starb, bleibt ebenso wie die andern früheren 
Grafen dieses Namens für die Zuweisung der Pfennige völlig 
ausser Betracht. 



Die Ältesten Münzen der Grafen von Katzenelenbogen. 305 

Dither VI. ist geschichtlich keineswegs nnbedeatend. Er 
wurde 1394 durch König Wenzel zum Verweser des Herzog- 
thums Luxemburg bestellt (Wenck a. a. 0. S. 495), und derselbe 
Kaiser verpfändete ihm 1398 fttr 7000 schwere Gulden die 
Landvogtei in der Wetterau; zu deren besseren Handhabung 
Wenzel dem Grafen erlaubte drei alte Tumosen (»drey alte Tor- 
ness gros^) von jedem Fuder Wein und „anderm Kaufinanns- 
schatz, die den Bhein uf und abgebn^ zu erheben; einen zu 
Mainz, zwei zu Lahnstein oder einer andern schicklichen ZoU- 
statte (Wenck a. a. 0., Beilage CCLXXXVI). In der Limburger 
Chronik wird Dither VI. nach Wenck a. a. 0. S. 494 als tapferer 
Kriegshen* charakterisirt: ^Graf Dither von Eatzenelenbogen 
war von Limburg gebohren von der Mutter, der gar ein strenger 
Herr seinen Feinden war, dann er die mit grossem Volk, Rittern 
und Knechten, allezeit überritt, und das war alles sein Auflf- 
satz, dass er seine Feinde überritt, und war geheissen Birbe''. 
(Letzteres Wort bedeutet nach Wenck soviel als Biedermann.) 




3. Einseitiger, flacher Silberpfennig. Im Reifen, wie es 
scheint, in gothischer Minuskel die Buchstaben: hit*..; 
hinter den drei erkennbaren Buchstaben ist noch für 
drei weitere Platz, so dass das Gepräge dieser Münze 
nichts weiteres enthalten zu haben scheint als den 
Namen ^Dither**. 
In ähnlicher Weise erscheinen z. B. die Minuskelbuchst^ben 
nam^ und nSOt'" auf nur wenig späteren Amberger und Gör- 
litzer Münzen an Stelle eines bildlichen Typus, so dass der 
Name Dither als alleinige immerbin knappe Aufschrift der Münze 
nichts befremdliches haben dürfte. Das eine schlecht erhaltene 
Exemplar dieses Gepräges im Münchner Kgl. Kabinet (Durch- 
messer: 15— 16 mm; Gewicht: 0,25 gr.) ist mit den bereits 
beschriebenen Katzenelenbogener Geprägen zusammen gefunden 



306 ^* Bnchenftu: 

worden, wodurch die allerdings mit Vorsicht von mir versuchte 
Zuweisung des Stückes an den Grafen Dither VI. von Katzen- 
elenbogen an Wahrscheinlichkeit gewinnt. 

Es ist auffällig, dass wir von einem so bedeutenden Ter- 
ritorium wie die Grafschaft Katzenelenbogen nur diese wenigen 
kleinen Prägungen nachweisen können, während uns von andern 
nicht eben wichtigeren Gebieten, wie Nassau, Waldeck u. s. w. 
grosse durch Jahrhunderte fortlaufende MQnzreihen besitzen. 
Vielleicht liegt der Grund darin, dass die obere Grafschaft vor 
den Thoren von so bedeutenden Münzstätten wie Frankfurt und 
Mainz lag, von wo aus dieselbe leicht ihren Geldbedarf deckte, 
während die Niedergrafschaft nur durch das Strombett des 
Rheines von der im Mittelalter so unausgesetzt thätigen trier- 
schen Münzstätte Coblenz getrennt wurde. In der Niedergraf- 
schaft jedoch hatten die Grafen nach Wenck's Annahme (Hess. 
Landesgesch. I, S. 259 und Register unter «Münze") eine Münz- 
stätte in S. Goar; Stadt und Stift daselbst (seit ca. 1190 hatten 
sie auch einen Rheinzoll in S. Goar), trugen die Grafen von 
Katzenelenbogen von der Abtei Prüm zu Lehen und nach einem 
Prüm'schen Güterverzeichnis besass die Abtei im Jahre 1222 
Stadt und Stift S. Goar und die Münzgerechtigkeit an diesem 
Orte (vgl. auch Menadier, Deutsche Münzen, Bd. I, S. 36). 
Nach Wenck a. a. 0. jedoch nennt schon 1264 Graf Dither UL 
S. Goar schlechtweg «civitatem nostram". König Albrecht liess 
sich S. Goar 1300 vom Grafen Eberhard abtreten, gab die Stadt 
jedoch schon im folgenden Jahre demselben zurück (Wenck 
a. a. 0., Beilage GV und GVI). 

Hatten die Grafen demnach , wie sich wohl mit Hinsicht 
auf den Rheinzoll als zweifellos annehmen lässt, die Münze in 
S. Goar wirklich in Betrieb, so darf man vermuten, dass sie 
sich auch an der Tumosenausmünzung des 14. Jahrhunderts be- 
theiligt haben, ähnlich wie die benachbarten Dynastengeschlechter 
von Hammerstein, Isenburg (Sinzig), Nassau etc., und der von 
Grote, Münzstudien Bd. III, Tafel IV, 5 (Text S. 164) dem 
Grafen Johann III. von Sayn (1357—1403) zugewiesene Tumose 



Die ftltesten Münzen der Grafen von Katzenelenbogen. 307 

mit n Joh'anes comes^ und nach Grote's Angabe „gelöwtem Leo- 
parden'' als Beizeichen dürfte mit mehr Recht den Grafen 
von Neu - Katzenelenbogen Johann L (f 1357), dem Vater 
des oben als M&nzherr nachgewiesenen Dither VI., oder Jo- 
hann II. (t 1361), einem Vetter Johannas L Ton der gleichen 
Linie, zuzuweisen sein, da das als Beizeichen erscheinende 
Thierchen nach Massgabe der Abbildung nicht doppelschwänzig 
ist, wie stets der Saynsche Leopard. Hat Grote recht gesehen, 
dass der Kopf des Thieres auf dem erwähnten Tumosen nach 
vorne gewandt ist, so ist dadurch auch die Zuweisung des 
Stackes an Nassau oder Namur ausgeschlossen. 

In der Linie Alt -Katzenelenbogen regierten zur Zeit der 
erw&hnten Turnosenprägung Graf Wilhelm I. (f 1331) und 
Wilhelm II. (f ca. 1385). Für die zahlreich erhaltenen „Wil- 
helmus comes ''-Tumosen, die Grote (Münzst. VII, S. 42 ff.) dem 
Grafen Wilhelm von Berg (1360—1380) zuschreibt, käme die 
Zuweisung an Katzenelenbogen in Betracht, sobald sich statt 
des häufig auf diesen Stücken innerhalb der Inschrift auftreten- 
den kleinen Löwens der Leopard nachweisen Hesse. Unter den 
Turnosen des Herzogs Wilhelm H. von Jülich (1361—1391) 
beschreibt Grote (Münzstud. VII, S. 433) einen mit „Wilhelmus 
dux^ bezeichneten Tumosen seiner Sammlung, der einen deut- 
lich erkennbaren und ungewöhnlich grossen leopardirten Löwen 
über dem Kreuze der Rückseite trägt, und vermuthet hierunter 
eine Sayn'sche Nachmünze. Auch dieser Tumose kann mit 
gleichem Recht wie der erwähnte Johannes-Tumose für Katzen- 
elenbogen in Anspruch genommen werden. 

Münden. Dr. H. Buchenau. 



Ein AnsbaGher ScMlling des Markgrafen Albreclit AcMlles 

von Brandenburg. 



Die kurzlebigste fränkische Prägstätte der Markgrafen von 
Brandenburg war Ansbach. Kein Wunder, wenn so wenig Spuren 
ihrer Thätigkeit auf uns gekommen sind. Es ist das Verdienst 
von L. Fikentscher, ihre Verhältnisse klargelegt zu haben. In 
seinen „Beiträgen zur Geschichte der markgräflich branden- 
burgischen Münzstätten zu Ansbach, Schwabach und Jägerndorf 
im 15. und 16. Jahrhundert'' (Archiv für Geschichte und Alter- 
thumskunde des historischen Vereins für Oberfranken, Bd. 12. 
Bayreuth 1874) macht er es wahrscheinlich, dass Markgraf 
Albrecht Achilles wegen Missstimmung gegen die Reichsstadt 
Nürnberg zur Gründung der Onolzbacher Münze veranlasst wurde. 
Denn als im Jahr 1467 die Münzconvention der Markgrafen 
Johann und Albrecht mit der Stadt Nürnberg abgelaufen war, 
gemäss welcher die markgräflich brandenburgischen Münzen 
während der Dauer von 10 Jahren in Nürnberg aasgeprägt 
werden sollten, wurde dieselbe nicht mehr erneuert. Albrecht 
Achilles schloss dafür 1469 mit Bischof Georg von Bamberg 
einen Vertrag, in welchem bestimmt wurde, dass während des 
einen Vierteljahrs zu Bamberg, während des nächsten zu Onolz- 
bach oder einer andern markgräflichen Stadt gemünzt werden 
solle. Ein Ausschreiben Albrechts vom 17. Januar 1470 stellt 
fest, dass zu Onolzbach wirklich neue Weisspfennige und neue 
grosse Schillinge geschlagen wurden. Aber noch im gleichen 
Jahre ging die Onolzbacher Münzstätte wieder ein, nachdem 
Albrecht in den Besitz der Eurwürde gelangt war. An ihre 
Stelle trat nach Ostern 1470 die Münze zu Schwabach. 



L. Müller: Ansbacher Schilling Albrecht Achilles* von Brandenburg. 309 

Einen der zu Ansbach geschlagenen Weisspfennige besitzt 
das Germanische Nationalmuseum zu Nürnberg. Seine geprägte 
Seite zeigt nach Fikentscher das behelmte (?) Wappen zwischen 
den Buchstaben 3t(lbertus) — O(nolzbach). 

Den in der Sammlung des historischen Vereins zu Bayreuth 
befindlichen Schilling beschreibt F. f olgendermassen : 

VJ. Der brandenburgische rechtsgewandte Adler mit den 
Eleestengehi auf den Flügeln und dem ZoUernschen Wappen auf 
der Brust; Umschrift zwischen zwei feingerieften Linienzirkeln 
oben beginnend + ^tLBOR S D o 6 S 5ß3CR(miO S BR^tHOaS 

RJ. Schräggestelltes behelmtes und mit der burggräflichen 
Helmzier geschmücktes burggräflich nürnbergisches Wappen, 
oben und unten die Umschrift sowie den innem Linienzirkel 
theilend. Zu beiden Seiten der Helmzier die Buchstaben K— 
(AJbertus — Onolzbach) entsprechend dem früheren R(rideri- 
cus) — Z(enne). Die ebenfalls oben beginnende Umschrift lautet: 

fliouara 2 ßOo VK s KRean o o ; 

Das in meinen Besitz gelangte Exemplar weicht von dem 
Bayreuther darin ab, dass die zwischen Strichelkreisen stehende 
Umschrift mit 3CR6aßTo statt 3CR6aßooo endigt. Nur 
sind die beiden Ringelchen am Schluss etwas undeutlich, wie 
auch auf der Hf. die Buchstaben 6 o fll erloschen sind. Da sich 
die Änderung der Umschrift als eine Verbesserung darstellt, so 
gehört das Stück wohl einer späteren Emission an. 

Beide Schillinge haben bei einem Durchmesser von 26 mm 
ein Gewicht von 2,5 Gr. 

Strassburg. 

L. Müller. 



Die Medaille auf Degenhard FfefQnger. 

merzn Tafel XI. 



Die Herzogliche Bibliothek zu Gotha bewahrt unter ihren 
Handschriften einen kleinen Oktavband auf^), der den Titel 
trägt: Aerea et plvmbea Degenhardi Ffeffingeri Boioariae infer. 
marscalci hereditarii nvmismata. Er ist von der Hand Schlaegers, 
der von 1744 bis 1786 dem Herzog!. Münzkabinet zu Gotha 
vorstand, geschrieben und die Kopie eines aus dem Anfang des 
16. Jahrhunderts stammenden, jetzt nicht mehr vorhandenen 
Originals ^). Gyprian muss dieses Original bei Abfassung seines 
1714 erschienenen Katalogs der Handschriften der Gothaer 
Bibliothek^) noch gekannt haben. Denn aus seiner Beschrei- 
bung geht hervor, dass der Pfeffingersche Katalog mit vier mit 
der Widmung des B&chleins in Zusammenhang stehenden Wappen 
geschmückt war, die in der Kopie sich nicht mehr finden. Aber 
auch Gyprian hat schon nicht mehr den ganzen Katalog gesehen, 
sondern nur noch sein drittes und letztes Buch. Wohin dieses 
nun gekommen sein mag, ob es etwa vielleicht so schadhaft 
war, dass es, nachdem Schlaeger es kopiert hatte, aus der Biblio- 
thek ausgeschieden wurde, war mir nicht möglich zu ermitteln« 

Einen geringen Ersatz für den Verlust der beiden ersten 
B&cher bietet der am Schluss des dritten angefügte und auf 



1) Cod. Chart. B. 1763. 

2) Man ygl. daza die kurze Angabe bei Rathgeber, Beschreibung 
der herz. Gemftlde - Gallerie zu Gotha (Gotha 1835), S. 104, auf die auch in 
den Groteschen „Blättern für Münzkunde'*, Bd. I, No. 29 in einer Be- 
sprechung des Rathgeberschen Buches hingewiesen wird. 

3) Catalogus codicum mannscriptomm bibliothecae Gothanae (Leipzig 
17U), S. 120f. 



K. Koetschaa: Die Medaille auf Degenhard J^felfinger. 31 1 

den ganzen Katalog sich erstreckende Index. Damach enthielt 
das erste Buch auf (mindestens) 361 Seiten das Verzeichnis 
der goldenen, das zweite aof (mindestens) 402 Seiten das Ver- 
zeichnis der silbernen Münzen und Medaillen. Bedenkt man 
nan, dass im dritten Buch auf 151 Seiten 883 Stflck — darunter 
etwas &ber 100 römische Münzen — verzeichnet sind, so wird 
man mit einer annähernden Schätzung der Sammlung auf 2000 
Stück vielleicht noch hinter ihrem wirklichen Bestand zurück- 
bleiben. Das ist aber für eine Privatsammlung in Deutschland 
zu Anfang des 16. Jahrhunderts, wo man damals doch kaum 
erst nach dem Vorbild Italiens Münzen zu sammeln anfing, 
gewiss keine geringe Zahl. 

Die kurze, bei Cyprian abgedruckte, im übrigen belanglose 
Vorrede, die Pfeffinger auf die Dedication an Kaiser Maximilian I., 
an den Kurfürsten Friedrich den Weisen und an den Herzog 
Wilhelm lY. von Bayern folgen lässt, giebt als Jahr der Abfassung 
des Katalogs 1514 an. Doch ist es wahrscheinlich, dass mit 
diesem Jahr der Katalog noch nicht endgültig abgeschlossen war 
— so ist z. B. auf S. 140 bei einem Geschenk des Herzogs 
Wilhelm das Jahr 1515 verzeichnet — , aber keinesfalls kann 
er über das Jahr 1519 hinausgehen, in welchem, wie wir noch 
erfahren werden, der Besitzer der Sammlung starb. 

Damit habe ich alles Bemerkenswerte über den Katalog 
gesagt. Denn eine Beschreibung der Münzen, von denen nur 
die Aufschriften angegeben sind, sucht man vergebens. Hie und 
da findet sich ein Zusatz wie pulcher, parvus, magnus u. dgL 
und nur ganz selten eine ausführlichere Angabe, die aber auch 
dann noch nicht irgend welche Schlüsse gestattet. 

Über das Schicksal der Sammlung sind wir ein wenig besser 
unterrichtet als über ihren Inhalt. Pfeffingers Testament ist 
uns erhalten.^) Damach sollte Friedrich der Weise, der ihn 



1) Wo das Original dieses Testamentes sich befindet, weiss ich nicht 
Ich habe, wie Koede, Friedrich der Weise und die Anfinge der Reforma- 
tion (Erlangen 1881), der 8. 15 und S. 74 f. das Testament beillofig er- 
wlhnt, aber das Original anch nicht auffinden konnte, die Abschrift in 



312 K« Eoetschau: 

beim Sammeln unterstützt hätte, die in Yerwahrnng von Pfef- 
fingers Frau in Salbarnkirchen befindliche ,, seltsame Muntz an 
gold und Silber^ erben , sein Freund Spalatin aber die noch in 
Pfeffingers Haus zu Torgau aufbewahrte ,,kupfeme Muntz zu- 
sambt etlichen güldenen und silbernen Stücken.'* Von da ab 
fehlen wieder alle Nachrichten. Es lässt sich nur vermuten, 
dass wir höchstwahrscheinlich den auf Friedrich den Weisen, 
möglicherweise auch den auf Spalatin entfallenen Teil der Erb- 
schaft in den Münzkabineten der sächsischen Höfe, also vielleicht 
in Dresden, Weimar oder Gotha, wenn auch bei den mangel- 
haften Angaben des Katalogs von vornherein ohne Aussicht auf 
Erfolg, zu suchen haben. 

Ein Stück der Sammlung vermag aber trotz der dürftigen 
Angabe doch die Aufmerksamkeit desjenigen, der den Katalog 
durchblättert, zu fesseln. Ich meine die dort auf S. 95 leider 
ohne irgend welchen Zusatz verzeichnete Medaille, die Pfeffinger 
auf sich selbst anfertigen liess. Mir ist von dieser Medaille 
nur ein Exemplar bekannt geworden, das im Herz. Münzkabinet 
zu Gotha ^). Verschiedene Anfragen, ob noch anderswo sich 
Exemplare erhalten haben, ergaben verneinende Antworten. 
Beierlein, der die Medaille kannte und im Zusammenhang mit 
anderen veröffentlichte ^), giebt leider nicht an, in welcher Samm- 
lung er sie sab. Und ebenso wenig ist mir bekannt geworden, 
wo das von Heraus in einem Brief an Tentzel') kurz erwähnte, 



Nead eckers Nachlass benatzt, der aaf der Herz. Bibl. in Gotha anf be- 
wahrt wird. 

1) Man gestatte mir bei dieser Gelegenheit, den beiden Yorst&nden 
des EabinetB, Herrn Geh. Hofrat Dr. W. Pertsch und Herrn Prof. Dr. B. Pick, 
die mir jederzeit bei meinen Arbeiten die liebenswürdigste Unterstützung 
angedeihen Hessen, auch öffentlich meinen herzlichsten Dank auszusprechen. 

2) Herr Dr. H. Riggauer hatte die Güte, mich auf den Aufsatz B eier- 
lein s „Medaillen auf ausgezeichnete und berühmte Bajem^^ in Bd. X, Heft 2 
des Oberbayr. Archivs 1 vaterL Gesch. (München 1848) aufmerksam zu machen, 
wo sich die Stelle S. 163 ff. findet. Ein Nachtrag, die Bathgebersche Notiz 
betr., in Bd. XII, Heft 2, S. 179. Beierlein giebt auch eine Abbildung der 
Medaille, die aber für den Forscher unbrauchbar ist. 

3) Tentiel, Saz. Num. Lhi. Emest. I. S. 458. 



Die Medaille auf Degenhard Pfeffinger. 313 

aber schon als selten bezeichnete Exemplar geblieben ist. Das 
in Gotha befindliche ist alter Besitz des Kabinets. Schon Hort- 
leder, der uns eine ausführliche Beschreibung seines Bestandes 
unter Ernst dem Frommen hinterliess'), erwähnt die Medaille 
mit dem Bemerken, dass sie am 22. Juni 1622 an die Sammlung 
„aus dem gemeinen F. S. Archiv allhie gefolget worden^'). Dem 
Umstand, dass sie also offenbar nicht oft den Besitzer gewechselt 
hat, mag sie ihre gute Erhaltung verdanken. 

Ich gebe im Folgenden eine Beschreibung der Medaille, mit 
der man ihre Abbildung auf Tafel XI vergleichen möge. 

Bronzeguss '). Deutliche Spuren von Ciselierung. Durch- 
messer 74 mm. Vf, : TEGENHABT • PFEPPINGER • ZV • SAL- 
BARN . KIRCHEN . ERB • MARSCHALH • IN • NIDERNBAIRN 
Zwischen Anfang und Ende der Schrift ein lanzettförmiges Blatt. 
Brustbild rechtshin, nicht genau in die Mitte der Medaille ge- 
stellt, sondern etwas nach rechts verschoben. — Das bai^tlose 
Gesicht Pfeffingers trägt durch die stark gebogene Nase, den 
ausdrucksvollen Mund, besonders aber durch die ungleichen 
Proportionen — die Kinn- und Mundpartie erscheint im Ver- 
gleich zu der Nasenpartie auffallend lang — sehr charakte- 
ristische Merkmale an sich. Das weit in die Stirn gekämmte , in 
langen Locken auf die Schultern herabfallende Haar wird von 
einer am Hinterkopf nach oben umgeschlagenen Mütze, wie man 
sie in jener Zeit zu tragen pflegte, bedeckt. Das die Brust 
bekleidende Gewand ist nur durch einen von zwei parallelen 
Linien gebildeten Saum leicht angedeutet. 

Rf. Das Pfeffingersche Wappen. Keine Schrift. — Der 



1) Hortleders „Beschreibong des von dem Dnrcblaachtigen, Hoch- 
gebohmen Fürsten und Herrn Herrn Ernsten Hertzogen tu Sachsen, Jülich, 
Cleve und Berg etc. gesamieten Gabinets alter und neuer Müntzen'' befindet 
sich unter den Handschriften der Hers. Bibliothek zu Gotha mit der Signatur 
Cod. Chart. B. 1742. 

2) Die archiyalischen Nachforschongen ergaben leider kein weiteres 
Resultat 

3) Bathgeber a. a. 0. sagt: „aus Glockenmetall^S wohl in Hinblick auf 
die gelbliche Tönung der Bronze. 

Z«itaehrift Itt Nnmlaiiuitik. XX. 21 



314 K. KoetBchaa: 

Medailleur scheint kein geübter Wappenzeichner gewesen zu 
sein. Schon das im Schild angebrachte Wappentier, ein halber 
anspringender Wolf *), beweist es, noch mehr aber das zunächst 
jeder Deutung spottende Helmkleinod, welches uns erst die 
Heraldik als eine Trommel erklären muss, über der auf einem 
Schaft ein Pfauen wedel angebracht ist'). Vollends als ganz 
misslungen muss man die Helmdecken bezeichnen, die der 
Künstler in dem Bestreben, den Baum auszufüllen, fast gewalt- 
sam auseinandergezogen hat, und die beinahe wie vegetabilische 
Gebilde sich ausnehmen. 

Bei der Feststellung der Entstehungszeit der Medaille sah 
ich mich, da ich urkundliche Belege darüber, wie eine Rechnung 
oder dgL nicht hatte auffinden können, auf das angewiesen, was 
sich aus der Medaille selbst herauslesen lässt. Ffefflnger ist 
hier als Ei*bmarschall von Niederbayern bezeichnet. Wie nun 
aus der Pfeffingerschen Familienchronik, die der historische 
Verein von und für Oberbayem aufbewahrt^), ersichtlich ist, 
ging das Erbmarschallamt auf Degenhard nach dem Tode seines 
Vaters Gentiflor im Jahre 1503 über. Die Medaille muss also, 
wie auch schon Beierlein schliesst'), nach 1503 entstanden sein. 
Die Kehrseite gestattet uns aber — und das übersah der eben 
genannte Forscher — auch einen Schluss auf den terminus ad 
quem. Denn wir erfahren weiterhin aus der Chronik*), dass 
Kaiser Max laut Urkunde vom 8. April 1511 dem Degenhard 



1) Wenn nicht die Beschreibung and Abbildung in Siebmachers 
Wappenbnch, 6. Bd. 1. Abtlg., zn Hilfe käme, würde man wohl zweifeln 
können, welches Tier dargestellt ist. 

2) Siebmacher a. a. 0. 

3) Herr Dr. Werner Weissbach hatte die Güte, da ich seit der Be- 
schäftigung mit der Medaille keine Gelegenheit hatte, wieder nach München 
zu kommen, die Chronik für mich durchzusehen. Leider ergab sich aus ihr 
nichts auf die Medaille Bezügliches. Das biographische Material, welches 
an Ertrag hinter den gestellten Erwartungen zurückbleibt, ist schon von 
Geiss u. a. yerwertet. 

4) a. a. 0. 

5) In Siebmachers Wappenbuch a. a. 0. S. 23 wird auf die betr. SteUe 
hingewiesen. 



Die Medaille wai Degenhard Pfeffinger. 315 

gestattete, einen gevierteten Wappenschild — im 1. und 4. Feld 
mit einem Löwen, im 2. und 3. mit dem Wolf — zu führen 
und das Wappen mit zwei Helmen, dem alten und einem, aus 
dem der Löwe des Schildes herauswächst, zu krönen. So ge- 
winnen wir also als Grenzen für die Entstehungszeit der Me- 
daille die Jahre 1503 und 1511. Innerhalb dieses Zeitraumes 
aber noch eine nähere Bestimmung zu treffen , ist mir nicht 
möglich gewesen. 

Beierlein sagt'): „einer italienischen Reise mag (auch) die 
Medaille ihren Ursprung verdanken, da sie ganz in dem damaligen 
italienischen Stil gearbeitet ist" Ich glaube, dass kein Leser 
dieser Zeitschrift, welcher mit der Kunstgeschichte der Medaille 
sich vertraut gemacht hat, dieser stilistischen Bestimmung wider- 
sprechen wird. Deshalb kann ich mir wohl jede weitere Aus- 
einandersetzung über diesen Punkt sparen und brauche wohl 
kaum darauf hinzuweisen, dass ein indirektes Zeugnis für den 
italienischen Ursprung vielleicht schon in der ungeschickten 
Darstellung des Wappens zu sehen ist, da damit der italienische 
Medailleur vor eine ihm wenig geläufige Aufgabe gestellt wurde. 
Zudem würde auch die Medaille schwerlich anderswo als unter 
den italienischen schon aus dem Grunde unterzubringen sein, 
weil sie in der Entwicklungsgeschichte der deutschen Medaille 
— und nur diese kommt doch noch in Betracht — eine für 
diese Jahre ganz ungewöhnliche und gegen jede Einordnung sich 
sträubende Erscheinung wäre. Dass nun die Medaille wegen 
dieses italienischen Ursprungs bei einem Aufenthalt Pfeffingers in 
Italien entstanden sei, wie Beierlein meint, braucht man, obwohl 
diese Vermutung um so näher liegt, als Pfeffinger öfters dort- 
hin kam, meines Erachtens doch nicht unbedingt anzunehmen. 

Ich komme mit dieser Behauptung der Frage näher, welcher 
Künstler als Verfertiger der Medaille anzusehen ist. Wohl bin 
ich mir bewusst, damit ein unsicheres Gebiet zu betreten, weil, 
wie Friedlaender einmal sagt, „wenig Wert auf subjektive 



1) a. ft. 0. S. ISd. Anm. 2. 

«1* 



316 K- Eoetschan: 

Meinungen ttber Stil zu legen ist'); aber die Frage ist doch 
reizvoll genug, um mich solche Bedenken unterdrücken zu lassen. 
Natürlich betrachte ich meine Bestimmung keineswegs als eine 
unanfechtbare Lösung des Rätsels, sondern nur als einen Ver- 
such zu derselben. 

Wie wir seit kurzem aus R. von Schneiders trefflichen 
Untersuchungen wissen^), war im Jahre 1506 an der Münze zu 
Hall in Tirol im Auftrag des Kaisers Max ein mantuanischer 
Künstler thätig, Gian Marco Cavalli. Die Arbeiten nun, 
welche Schneider als Erzeugnisse seiner Hand mit sehr triftigen 
Gründen nachgewiesen hat, namentlich der Testen mit der Dar- 
stellung Maximilians und seiner Gattin Bianca Maria und die 
dazu gehörige Studie, die unter den Zeichnungen der Akademie 
zu Venedig aufbewahrt wird, scheinen mir mit der Medaille auf 
Pfeffinger eine' so grosse Stilverwandtschaft aufzuweisen, dass ich 
auch diese dem Cavalli zuzuschreiben geneigt bin. Um Miss- 
deutungen vorzubeugen, möchte ich betonen, dass mich zu dieser 
Annahme nicht etwa eine gewisse Ähnlichkeit in den Zügen 
Maximilians und Pfeffingers veranlasst hat; dieser Umstand hat 
mich im Gegenteil daran gemahnt, doppelt vorsichtig bei der 
stilkritischen Untersuchung zu Werke zu gehen. Mein Urteil 
gründet sich vielmehr, um ganz von der grossen Ähnlichkeit 
mehr allgemeiner Eigenschaften abzusehen, wie der künstleri- 
schen Auffassung der dargestellten Personen, wie der trotz 
Verwendung geringer Mittel so eindringlichen Wirkung u. ä., 
auf die Beobachtung, dass hier wie dort gewisse rein äusser- 
liche Merkmale übereinstimmen. Bei stilkritischen Erörte- 



1) Die italien. Scbaumünzen des 15. Jahrb. im 1. Bd. des Jahrb. der 
Egl. Prenss. Kunstslgn. S. 10. 

2) „Gian Marco Cavalli im Dienste Maximilians des Ersten'* im 14. Bd. 
des Jahrb. d. ksthist. Sign, des AUerh. Kaiserhauses (Wien 1893), S. 187fiF. 
Hier auch die frühere Litteratnr über Gav., zu der nur noch der Anfsati 
von ümb. Rossi .,G. M. e G. Batt. Gav." in der Rivista Ital. di Numism. V 
(1892) S. 481 ff. und die im VI. Bd. (1893) der gleichen Ztschr. erschienene 
Notiz R. V. Schneiders (S. 83 f.) „G. M. Gavalli aUa zecca di Hall in Tirolo" 
nachzutragen ist. 



Die Medaille auf Degenhard Pfeffinger. 317 

roDgen ist aber auf sie um so mehr Wert zu legen, als 
sie gerade durch ihre trockene Sachlichkeit ein Überwuchern 
subjektiver Anschauungen und Empfindungen rechtzeitig zurück- 
zudrängen vermögen. So beobachten vrir denn am Teston wie 
an der Medaille Pfeffingers^) eine ganz ähnliche Geschicklichkeit 
in der charakteristischen Wiedergabe von Stoffen (man vgl. die 
Mützen), eine ganz ähnliche Behandlung der Haare, die bei 
unserer Medaille durch die Giseliernng noch sorgfältiger er- 
scheint als beim Teston und an die Haarbehandlung der auch 
dem Gavalli zugeschriebenen Büste Mantegnas') erinnert, so er- 
kennen wir denselben Kunstgriff, durch eine kleine Falte an den 
Enden der Lippen dem Mund einen lebendigen und beredten 
Ausdruck zu verleihen, so können wir endlich denselben eckigen 
und scharf herausgearbeiteten Übergang vom Kopf zum Hals 
feststellen und den etwas gemilderten vom Hals zur Brust, so- 
wie dieselbe gewiss nicht anmutige, aber sehr charakteristische 
Zeichnung des Halses mittelst eines auffallend geradlinig ver- 
laufenden Striches. Und wenn wir die Bachstaben unterein- 
ander vergleichen, bekräftigen auch die Aufschriften diese Ver- 
wandtschaft. R. von Schneider hat dem Gavalli vermutungsweise 
— wie ich glaube, mit Becht — einige Medaillen zugeteilt'), 
von denen mir die auf Spagnoli') und die eine auf Maddalena 
aus Mantua *) bekannt geworden sind. Auch sie möchte ich zur 
Erhärtung meiner Behauptung heranziehen: in der Behandlung 
des Reliefs, namentlich in der unteren Begrenzungslinie der 
Büste scheint mir ein deutlicher Zusammenhang mit der Me- 
daille auf Pfefünger zu bestehen. 



1) Man Tgl. dam Taf. XIH in dem citierten Band des Jahrb., oder, wenn 
dieses nicht sngänglich ist, Taf. H im 3. Bd. der IUt. It sowie die Wieder- 
gabe der Zeichnung auf S. 101 derselben Zeitschrift. 

2) Dain der Aufsatz Bodens im 10. Bd. (1889) des Jahrb. der KgL 
Preuss. Kstslgn. S. 211 ff. mit Abb. 

3) a. a. 0. S. 193. Anm. 2. 

4) Armand IX. 101. 14. Abb. bei Bode a. a. 0. 

5) Armand IT. 101. 12. Abb. im Tresor de Num. (M6d. en Italie) II. 

xxm. 6. 



318 K. Koetschau: 

Maximilian hat grossen Wert darauf gelegt, dass die 
Kunst des Mantuaners eine Zeit lang seiner l^ünze in Hall zu 
gute kam. Sollte nun Pfeffinger, dessen Vorliebe für das Münz- 
wesen dem ihm sehr wohl gesinnten Kaiser gewiss nicht unbe- 
merkt geblieben war, nicht mit Cavalli während seines Aufent- 
haltes in Hall in Verbindung getreten sein? Sollte also nicht 
etwa die Medaille aus diesem Jahre stammen, sollte nicht ein 
Besuch Ffeffingers in Hall, der sich ja von seinen bayrischen 
Besitzungen unschwer machen liess, ihre äusserliche Veranlassung 
gewesen sein? Unmöglich ist es jedenfalls nicht. Sonst müsste 
man eben annehmen, dass der, wie wir noch sehen werden, viel 
umherreisende Pfeffinger in Mantua selbst dem Künstler den 
Auftrag erteilte, womit wir auf die Vermutung Beierleins zu- 
rückkommen würden. 

Ich habe den Leser noch mit Pfeffingers Leben bekannt 
zu machen. Eine zusammenfassende Darstellung darüber be- 
steht nicht. Sie wird sich auch so leicht nicht schreiben lassen, 
da das Material sehr zerstreut ist und oft erst an Stellen ge- 
sucht werden muss, wo man es zunächst nicht vermutet. Was 
ich gebe, will und kann nur ein Beitrag zur Biographie Pfef- 
fingers sein, die zu schreiben sich sehr verlohnen würde: die 
äusserst interessante Stellung, die dieser Mann unter den be- 
deutendsten Erscheinungen des Beformationszeitalters einnimmt, 
würde die verborgensten Triebfedern zu manch' einem wichtigen 
geschichtlichen Ereignis erkennen lassen. Freilich müssen für 
diesen Zweck die Archive noch fleissiger als bisher durch- 
sucht werden; namentlich dürfte das Weimarer Oesamtarchiv 
eine reiche Ausbeute gewähren. Denn auf das Sammeln unge- 
druckten urkundlichen Materials kommt es bei diesem Stoffe 
hauptsächlich an. Wahrscheinlich ist es dann auch ertrag- 
reicher als diejenige Quelle, die man zunächst als die am 
reichsten fliessende anzusehen geneigt ist, nämlich die schon 
erwähnte Familienchronik, deren auf Degenhard Pfeffinger be- 
züglicher Inhalt von dem um die Geschichte Oberbayerns 
sehr verdienten E. Geiss zum Teil bereits veröffentlicht worden 



Die Medaille »uf Degenhard Pfeffinger. 319 

ist'). Die BeziehoDgen Pfeffingers zu Bayern sind aber weit 
weniger interessant als seine übrigen. 

Degenhard entstammte einem alten Geschlecht, das ein 
zeitgenössischer Schriftsteller, Franciscas Irenicus, bis in die 
Mitte des 12. Jahrhunderts zai-fickführt'). Am 3. Februar 1471 
wurde er als Sohn des Gentiflor Pfeffinger und dessen Frau 
Magdalena Huberin von Wildenheim zu Salmanskirchen *) ge- 
boren'). Er hatte noch einen älteren Bruder, Bernhard, der 
aber schon 1482 starb, und zwei Schwestern, von denen Ursula, 
die Äbtissin des Klosters Frauenchiemsee, ihn um 9 Jahre 
flberlebte, während Regina, Äbtissin eines Salzburger Klosters, 
schon 1516 gestorben war^). Beim Tode Gentiflors im Jahre 
1503 erbte Degenhard als einziger männlicher Nachkomme nicht 
nur die Würde des Erbmarschalls, sondern auch die sehr be* 
trächtlichen 6&ter, zu denen als mütterliches Erbteil noch 
Wildenheim hinzukam. So sah er sich als Herr eines reichen 
Besitztums, das er beständig zu verbessern und zu vergrössem 
trachtete*). Besondere Glücksumstände brachten neuen Zuwachs 
an Gütern: 1507 verlieh ihm Friedrich der Weise das Schloss 
Waldsachsen bei Coburg, und aus dem Testament geht hervor, 
dasa er der Gnade desselben Fürsten ein Haus in Torgau zu * 



1) Man Tgl. beaonders £. GeisB, Oeseh. des Schlosses Henheim mid 
seiner Bewohner. Bd. VII des Oberbajr. ArchiTS. Aneh als Separat- Abdrack 
erschieaen. 

2) Gennaalae eiegeseos Tohmiina dnodeciiii, 3. Buch, Cap. 111, Fol. 100. 
Diese 1. Ausgabe ersehien 1578; in einer sp&teren, leichter sngänglichen, die 
Joh. Adam Bernhard 1728 besorgte, steht die SteUe S. 164. Irenicns bemerkt, 
dass er dem hochrerdienten Degenhard in liebe die Familie in seinem 
Werke anf&hre. 

3) So jetzt statt des frfiher gebrftochlichen SalbamkircheB. Es liegt 
bei Ampfing. 

4) Soweit kein anderes Citat gegeben wird, ist die Familienchronik 
Quelle. 

5) Hierfiber vgl. das Chronicon sive aanales Oeorgii Spalatini in 
Menckenins, scriptores rerum Oermanicarum (Leipiig 1728), 2. Teü, 
Sp. 592. 

6) Am wichtigsten ist der Kauf des Schlosses Zaagberg 1514. Yergl. 
Geiss a.a.O. 



320 ^* Eoetschan: 

verdanken hatte. Ich habe diese Besitzverhältnisse im Zu- 
sammenhang besprochen, um im folgenden die Schilderung damit 
nicht beschweren zu müssen, und um zu zeigen, dass ihm das 
Glück auch die materiellen Mittel in die Hand gab, das zu 
werden, als was ihn einmal Spalatin preist, ein Maecenas 
optimus 0. 

Nachdem De'genhard als Truchsess der Gemahlin Georgs 
des Kelchen, der Herzogin Hedwig zu Burghausen, seine Dienste 
gewidmet hatte, zog er im Jahre 1493, als er „gross und wohl- 
geschickt worden^, mit Sigmund von Laymingen aus seinem 
Vaterlande, um sich der Fahrt Friedrichs des Weisen nach 
Palästina anzuschliessen ^). Von diesem Zeitpunkt an lassen 
sich die Beziehungen zum Kurfürsten feststellen, die, wie man 
wohl aus dem Hundtschen Bechnungsbuch schliessen darf), 
schon damals einen gewissen Grad von Vertraulichkeit erreicht 
hatten. Auch in seinem weiteren Verlauf scheint dieses Ver- 
hältnis unter keiner Trübung gelitten zu haben. Einen tieferen 
Einblick in den Charakter desselben zu thun, gestatten uns die 
zahlreichen Briefstellen und besonders die von Spalatin, dem 
vertrautesten Freunde Pfeffingers^), hinterlassenen Nachrichten*). 

Schon die Verleihung von Waldsachsen und die Schenkung 



1) YgL die Annales bei Menckenias a. a. 0. Sp. 596. 

2) Über diese Fahrt vgl. man Röhricht, Deutsche Pilgerreisen nach 
dem heil. Lande (Gotha 1889), 8. 187 ff., wo auch die frühere Litteratnr voU- 
ständig angefahrt ist. — Die Chronik erw&hnt, Degenhard sei in Jerusalem 
zum Bitter geschlagen worden. Von der Reise habe er zahlreiche Heilig- 
tümer — also wie der Kurfürst — nach seiner Heimat mitgebracht. 

3) Abgedruckt im „Neuen Archiv f. sächs. Gesch. n. Altertumsk.^ lY. 
(1883), 8. 48, 56, 58 n. 62. 

4) Das Herzogl. Museum zu Gotha besitzt, was an dieser 8telle bemerkt 
sein möge, ein Speckstein-Medaillon mit dem Portr&t Spalatins nach rechts. 
Durchm.: 78 mm. Umschrift: ANNO • DOMINI • 1518 • GE0RGIV8 - 8PALA- 
TINYS. Deutsche, vielleicht Augsburger (?J Arbeit. Bemalung noch deut- 
lich erkennbar. Bisher ist mir keine Medaille bekannt geworden, die auf 
diese Vorlage zurückzuführen ist Ich hoffe, noch Näheres darüber beibringen 
zu können. 

5) YgL G. Spalatins bist. Nachlass u. Briefe. Hrsg. v. Neudecker 
u. Prell er. I. (Jena 1851) S. 25, 38, 50, 51, 54, 88, 90, 127, 151, 160, 161. 



Die Medaille auf Degenhard Pfeffinger. 321 

des Hauses in Torgau beweisen» dass Kurfürst Friedrich seinen 
Kämmerer^) möglichst nahe bei sich haben wollte. Bald brauchte 
er seinen Bat in Geldangelegenheiten, zu deren Besorgung 
der haushälterische Pfeffinger besonders geeignet gewesen zu 
sein scheint, bald zog er ihn zur Teilnahme an den Begierungs- 
geschäften heran, und als Luthers Auftreten die religiösen Streit- 
fragen in den Vordergrund aller Interessen rückte, nahm Fried- 
rich der Weise zu ihnen keine Stellung, ohne auch Pfeffingers 
Ansicht gehört zu haben. Dann wieder begegnen wir dem 
sächsischen Kämmerer öfters am Hofe des Kaisers. So er- 
scheint er z. B. dort auf ausdrücklichen Wunsch Maximilians 
im Jahre 1517, um in der Wahlangelegenheit seinen Fürsten zu 
vertreten'). Da die Beziehungen zwischen dem Kaiser und 
dem Kurfürsten damals" nicht die besten waren, muss man 
Pfeffinger doch nicht unbedeutendes diplomatisches Geschick 
zugetraut haben. Jedenfalls war er zur Zufriedenheit beider 
Teile thätig — er redete dem Kurfürsten zu, auf Maximilians 
Pläne einzugehen — , denn im folgenden Jahre wird er in der- 
selben Sache wieder zum Kaiser geschickt. 

Auch in litterarischen Angelegenheiten bediente sich Fried- 
rich der Hilfe des viel verwendbaren Mannes , der sich z. B. 
auf seinen Beisen um die Erlangung von Büchern , welche der 
Fürst kennen zu lernen wünschte, des öfteren bemühen musste '). 
Dabei mögen ihm seine guten Beziehungen zu vielen der Hu- 
manisten^) besonders zu statten gekommen sein. Zahlreiche 
Äusserungen, namentlich im Briefwechsel Spalatins und in dem 



1) Wann PfefiOnger diesen Titel erhielt, habe ich leider nicht fest- 
stellen können. 

2) Klnckhohn, Deutsche Beichstagsakten unter Kaiser Karl Y. 
I. S. 16-18, 67-71, 97, 121-123. 

3) Vgl. den Nendeckerschen Nachlass, Bl. 44, dann die gesammelten 
V^erke Aventins (Ausgabe der bajr. Akademie, München 1881). I. S. 684f. 

4) Es seien, wie namentlich aus dem Neudecker^schen Nachlass henror- 
geht, u. a. genannt: Joh. Lange, Burk. Schenk, Alb. de Meck, Mucianus Ruftis, 
Ulrich Finder, namentlich aber Scheurl. 

5) Neudeckerscher Nachlass, Bl. 5, 22, 26, 44, 49, 50, 51, 56» 64, 66, 
67, 78, 88, 115. 



32S K. KoetBchftu: 

Scheurls'); beweisen, wie angesehen Pfefflnger in diesen ge- 
lehrten Kreisen war. Gewiss wird man bei dem Lob eines 
Humanisten, da man damals mit schmückenden Beiworten in 
Superlativen nicht zu kargen pflegte, immer etwas vorsichtig 
urteilen müssen. Aber in diesem Falle hört man es doch 
deutlich aus der Phrase heraus, dass es den Briefschreibern mit 
ihrer Wertschätzung ernst war. Hätte man an ihm nur seine 
einflttssreiche Stellung und nicht auch seinen Charakter geschätzt, 
so würde sich diese Auffassung in vertraulichen Briefen gewiss 
geäussert haben. Aber nicht einmal nach Pfeffingers Tode lässt 
sich eine tadelnde Stimme vernehmen. So mag denn Spalatins 
Urteil über seinen verstorbenen Freund, er sei ein piorum, 
eruditorum, pauperum et sacrorum Patronus et Moecenas op- 
timns gewesen'), mit dem aller derjenigen zusammenfallen, die 
zu ihm in näheren Beziehungen gestanden hatten. 

Meine Schilderung steht im Widerspruch mit einem einzigen, 
üreilich besonders schwer wiegenden zeitgenössischen Urteil, mit 
dem Luthers'). Aber ich glaube, dieser Widerspruch löst sich, 
auch ohne dass man der Auffassung des Reformators Gewalt an- 
zuthun braucht, wenn man sich Pfeffingers Stellung zu den 
religiösen Fragen yergegenwärtigt Offenbar beschäftigte er 
sich sehr angelegentlich mit ihnen. Denn sonst vrürde Miltitz, 
als er 1518 nach Deutschland zurückkehrte, kaum von der 
Beisestrasse nach Pfeffingers etwas entlegenem bayrischen Wohn- 
sitz abgebogen sein, um sich dort von ihm über Luther und 
über die Stimmung in Deutschland unterrichten zu lassen^). 
Pfeffinger, der wie so viele seiner Zeitgenossen die Notwendig- 

1) Christ. SchearlB Briefbach, hrsg. Ton F. Yon Soden n. Knaake 
(Potsdam 1867> L 8. 10, 1051, 141; O. 13, 31, 35, 64, 69, 71 f., 74» 78, 
81 f., 89, 93, 97. 

2) Vgl Menckenias a. a. 0. Sp. 596. 

3) Die Briefe Luthers, die hier in Betracht kommen, vgl. man in der 
Aasgabe Yon de Wette, I. S. 24f., 43, 77, 104f., 131, 135, 283. 

4) YgL Seidemann, Karl Yon Miltitz. Dresden 1844. 8. 6f. Femer 
Kolde, Martin Lather (Gotha 1884), I. 8. 185f. Ein Brief Yon M. an Pf. 
abgedruckt in Tentsera histor. Bericht, hrsg. von Gypriän (Leipiig 1717) 
I. S. 380f. 



Die Medaille auf Degenhard Pfeffioger. 323 

keit von Reformen anerkannte, hofifte damals noch, dass eine 
Aussöhnung zwischen dem Papst und Luther zu stände kommen 
könne. Und dieses Gefühl, dass eine Vermittlung das erspriess- 
lichste sei, hat ihn wohl auch bis zu seinem Tode nicht verlassen. 
Als frommer Katholik ist Pfeffinger gestorben, noch in seinem 
letzten Willen darauf bedacht, den Lehren der Kirche gemäss 
sich „guter werck theilhaftig zu machen^ ^). Aber deswegen 
erscheint es mir doch sehr fraglich, ob Papst Leo X. und sein 
Kanzler Giulio de Medici, die sich brieflich an ihn wandten, um 
seine einflussreiche Vermittlung beim Kurfürsten zu Gunsten 
der Kurie zu erlangen^), etwas bei ihm erreicht haben'). Denn 
sonst würde nicht bald darauf Friedrich an seinen Kämmerer 
geschrieben haben ^), dass er beim Kaiser die Sache Luthers im 
Sinne von dessen Forderungen betreiben solle, es würde auch 
ein so intimer Freundschaftsbund wie zwischen Pfeffinger und 
Spalatin bei einer im Sinn der Kurie geführten Politik des 
ersteren nicht erklärbar sein. Aber Luther mag doch dem 
Berater des Kurfürsten nicht getraut haben, und so bildete 
sich denn eine gewisse Abneigung heraus, die durch einige rein 
äussere Umstände gewiss noch gesteigert wurde. Luther hielt 
Pfeffinger ftlr geizig. Ihm schrieb er es zu, dass Melanchthon 
so kärglich besoldet sei, dass er selbst eine vom Kurfürsten 
versprochene Kappe noch nicht erhalten habe. Und als er 
diesen an ein ihm zugesagtes Kleid erinnert, schreibt er: „so 
der Pfeffinger das ausrichten soll, dass er es mit der That und 
nit mit freundlicher Zusagung ausrichte; er kann fast gute Wort 
spinnen, wird aber nit gut Tuch daraus. "^ Ob dieser Vorwurf 

1) So im Testament aa der Stelle, wo die Legate fßr die 85 Heiligen- 
Bruderschaften, denen Pf. angehörte, erwShnt werden. Vgl. daxn Kolde, 
Friedrich der VTeise S. 15 und 74 f. 

2) Vgl. Tentzel a. a. 0. II. 8. SOfT. n. S. 84f. 

8) Vgl. Kolde, Friedrich der Weise, 8. 18, dem das nicht unmöglich 
gewesen su sein scheint. 

4) Der Brief des Kurfürsten, den ich in der Jenenser Ausgabe der 
Lutherschen Schriften nachgesehen habe, Bl. 184—135, ist vom Elisabeth-Tag, 
also Tom 19. November, 1518, während der Brief des Papstes am 24. Oktober, 
der des Kanslers am 11. Oktober 1518 geschrieben ist. 



324 H. Koe tschau: Die Medaille aaf Degenhard Pfeffinger. 

des Geizes gerechtfertigt war, oder nicht vielmehr eine Vergess- 
lichkeit Pfeffingers vorlag , will ich nicht entscheiden^). Aber 
weitere Belege für Pfeffingers Geiz habe ich nicht gefunden^). 
Im Jahre 1519 begleitete Pfeffinger seinen Herrn in der 
Wahlangelegenheit nach Frankfurt. Einer Epidemie, die ausge- 
brochen war, fiel er am 3. Juli zum Opfer *). Mit ihm starb sein 
Geschlecht aus, da seine Ehe mit Ehrentraut von Seiboltsdorf 
kinderlos geblieben war. In der Barfüsserkirche wurde er bei- 
gesetzt^); ob seine testamentarischen Bestimmungen, die Leiche 
nach Salmanskirchen zu überführen, später befolgt wurden, 
kann ich nicht sagen. Ein Grabmonument wurde ihm aber 
dort 1524 von seinem Vetter und Erben, Hans Jordan Herz- 
heimer, errichtet. Auch die Wittenberger Stiftskirche, der 
Pfeffinger viele Wohlthaten erwiesen hatte, wurde zu seinen 
Ehren mit einem Epitaph geschmückt^). Aufrichtig wurde der 
Heimgegangene von vielen betrauert, am meisten wohl aber 
von seinem fürstlichen Herrn, der sich zu Spalatin klagend mit 
den Worten wandte: »Ach der gute Pfeffinger, wohl einen ge- 
treuen, frommen und guten Diener hab' ich an ihm verloren!^*) 



Nachtrag. Nachdem ich mein Manuskript abgeschlossen 
hatte, erfuhr ich durch die Güte des Herrn Hofrates Dr. 
J. Erbstein, dass sich in der Erbsteiuschen Privatsammlung ein 
mit dem Gothaer übereinstimmendes Exemplar der Medaille auf 
Pfeffinger befindet. Karl Koetschau. 



1) Von Pfeif, heisst es anderswo einmal — ygl. KlackboliB 9^ a. O., 
8. 69 — dass er „von wenig Merken und Behalten'^ sei. 

2)Seckendorf, de Lutheranismo (Leipzig 1694), S. 67, bringt zwar 
die Unzufriedenheit der Landst&nde wegen der Steuern mit Pfeffingers Geiz, 
in Beziehung, aber die Stelle macht doch ganz den Eindruck, als sei sie 
auf Grund der Bemerkungen Luthers konstruiert 

3) Kluckhohn, a. a. 0. 8. 860. 

4) Vgl Spalatins Nachlass S. 160 f. 

5) Mentz, syntagma epitaphiorum (Magdeburg 1604), L 8. 63 und 
Faber, Kurtzgefasste historische Nachricht Yon' der Schloss- und Academi- 
schen Stiffts-Kirche zu Aller-HeiUgen in Wittenberg (Wittenberg 17 IT), 8. 154. 

6) 8. Anm. 4. 



Eleinere HittMlnngen. 



Methode, undeutliche und selbst bis zur vollkommenen 

ünsichtbarkeit abgeschliffene Prägung von metallischen 

Gegenständen wieder deutlich sichtbar zu machen. 

Im Jahre 1891 machte ich gelegentlich einer electrischen 
Untersuchung^) Versuche mit vollkommen eben abgeschliffenen 
und danach polirten Münzen; dabei wurde schon nach einer 
bis einigen Minuten die vorher vollkommen unsichtbare Prägung 
wieder scharf und deutlich sichtbar. 

Da diese Methode der Numismatik gelegentlich nützlich 
sein kann, so sei sie hier mitgetheilt. Sie ist überaus einfach. 

Man legt die blank geputzte Münze in eine Lösung 
von Kupfervitriol oder von einem anderen Metallsalz und hängt 
danach die beiden Electroden eines galvanischen Elementes 
oder mehrerer oder eines sonstigen Gleichstromes auf entgegen- 
gesetzten Seiten von der Münze in die Flüssigkeit; wenn der 
Strom schwach ist, geschieht dies nahe der Münze und in einer 
kleinen Schale. Je stärker der Strom ist, um so rascher tritt 
die Prägung wieder hervor. Auf der der einen Electrode (der 
Anode) zugewendeten Hälfte ist die Prägung metallisch; auf der 
andern Hälfte wird sie nach leichtem Abwischen des weniger 
haftenden Theiles des Oxydes als graue Liniirung sichtbar. Diese 
Liniirung kann man nach dem Trockenwerden der Münze durch 



1) Siehe: Die „morphologische Polarisation" Yon Eiern nnd Embryonen 
dnrch den electrischen Strom, sowie fiber die Wirkung des electrischen 
Stromes auf die Richtung der ersten Theilong des Eies. Sitznngsber. der 
Kais. Akad. d. Wiss. zn Wien 1891, math.-natorw. Classe Bd. 101. Abth. 3. 
und: W. Boux: Gesammelte Abhandlungen über Entwickelungsmechanik, 1895 
Bd. II, 8. 696. 



326 Kleinere Mittheilongen. 

Überstreichen mit einer alkoholischen Schellacklösung fixiren. 
Soll auf beiden Seiten Prägung sichtbar werden, so ist die 
Münze auf ein nicht metallisches Gestell mit vier aufwärts ge- 
richteten spitzen Füsschen zu legen. Je grösser die Münze ist^ 
um so höher hat die über- resp. auch die unterstehende Flüssig- 
keitsschicht zu sein (etwa von der Höhe des Radius der Münze). 

Wahrscheinlich hat es für den erwähnten Zweck einen Vor- 
zug, die eine Electrode direkt metallisch berührend auf die 
Münze aufzusetzen: diejenige Electrode, welche sich beim Ein- 
tauchen in die Lösung mit Metall beschlägt (die sog. Kathode). 
Stellen, welche nicht beschlagen werden sollen, werden vorher 
mit Lack fiberstrichen. 

Das überraschend gute Ergebniss beruht auf dem besseren 
electrischen Leitungsvermögen des bei der Prägung verdichte- 
ten Metalles; deshalb wird ein Versuch mit abgeschliffenen 
Gravirungen kaum ein brauchbares Resultat ergeben. 

Halle a. S. Prof. Dr. Wilh. Roux. 



Falsche griechische Münzen. 

Von falschen Münzen getäuscht zu werden, ist ein ziem- 
lich allgemeines Schicksal, nicht nur in früheren, unkritischen 
Zeiten. Eckhel selbst hat in seinen „Numi anecdoti" das 
falsche Silberstück mit dem Bacchuskopf von Naxus Siciliae 
und der Eule von Tarent publicirt, viele Museen haben sich 
von den gut gearbeiteten falschen Goldmünzen des Amyn- 
tas täuschen lassen u. s. w. Dass ich ebenfalls dem gemein- 
samen Schicksal so vieler, und nicht der schlechtesten Fach- 
genossen nicht entgangen bin, wird also wohl jeder billig 
Denkende nicht allzuhart beurtheilen. — Der von mir publi- 
cirte ASrmenaos (Z. f. N. XVIII p. 194) ist, wie dies bereits 
Herr Director Svoronos in Athen erkannt hat, falsch, ob- 
gleich mir eine derartige stylgerechte Fälschung noch nie 
vorgekommen ist. Bewiesen wird die Falschheit durch das für 
das Gepräge ein wenig zu alt aussehende Quadratum incusum, 



Kleinere Mittfaeiloiigeii. 327 

das sich aus demselben Stempel auf einem ganz evident falschen, 
aus schlechtem modernem Stempel der VJ. geprägten Tetra- 
drachmon von Terone in London findet Die Fälschung des 
ASrmenaos ist nicht ganz modern: ein Schwefelabguss befindet 
sich unter den Schwefelabgfiseen unserer Sammlung; in Farbe 
und Aussehen gleicht er den von Friedlaender i. J. 1845 bei 
Antonio Odelli in Bom angekauften Schwefelabgfissen, die leicht 
von den Mionnet'schen und anderen zu unterscheiden sind. Also 
muss die Münze 1845 schon existiert haben. Woher hat aber 
der Fälscher den, wie mir Philologen übereinstimmend erklären, 
völlig richtig und correct gebildeten, wenn auch sonst nicht 
vorkommenden eigenthfimlichen Namen AEPMHNAOZ von aif^ 
und f«f V, ähnlich dem macedonischen AEPOTTOZ, von ai^q und 
oqdmy also acht macedonische Namenbildung bei macedonischen 
Typen!? Liegt hier, was die vorzüglich gearbeitete Vf. des 
ASrmenaos mich fast sicher vermuthen lässt, doch ein verlorenes 
achtes Original zu Grunde? — 

Zu den gefährlichsten und besten Fälschungen gehört eine 
Anzahl seltener baktrischer Königsmtlnzen in Silber und Kupfer, 
die von Indiern in Bawal-Pindi (neben guten und ächten Stücken) 
ausgeboten werden. Einige derselben habe ich leider für acht 
gehalten und zum Theil sogar publicirt. Die Silbermünzen sind 
sehr gut, nach Londoner Photographien oder Abdrücken gearbeitet, 
das Gewicht ist stets ganz richtig. Die Kupfermünzen gehören 
z. Th. zum Allervorzüglichsten , was jemals die Fälscherkunst 
geleistet, vielfach ist es mir völlig unmöglich mit Sicherheit ein 
Urtheil, ob acht, ob falsch, abzugeben. Für sicher falsch halte 
ich jetzt folgende Stücke: Tetradrachmen des reduzirten Fusses 
VOD Archebius, Rf. Name des Philoxenus \ j ^ yt 
Diomedes I ^^ ^^j 

Strato I „ - , 

dsgl. ^ ^*'' ** 

ferner: Strato M D 

Agathoclea M D 

Archebius mit Eleptianten M D (roher als die andern). 



328 Kleinere Mittheilangen. 

Ausser diesen z. Th. sehr feinen, höchst gefährlichen Fälschungen 

giebt es auch weniger gute, z. Th. recht rohe , welche ebenfalls 

aus Bawal-Pindi kommen und die Inschriften fehlerhaft und 

barbarisirt zeigen, so das Tetradrachmon des Agathokles mit 

Alexander . Herakles - Kopf und AAEEANAPOY TOY *IAinnOY; 

auch das berühmte Londoner ünicum, das Dekadrachmon mit 

stehendem Zeus und dem auf dem Elephanten sitzenden Indier, 

vom griechischen Reiter verfolgt, haben die Indier nachgeschnitten 

und ausgeprägt. 

A. V. S. 

Mfinzfunde zu Baden in der Schweiz. 

Kein Jahr vergeht, in welchem nicht grössere Münzfunde 
in der Schweiz gemacht werden; so brachte der Winter 1891/92 
den Fund von Pfyn'), das Jahr 1893 die Münztöpfe von Etz- 
wylen und von Diessenhofen *) , 1895 den Topf von Schwerzen- 
bach'), und dazwischen fielen die Ausgrabungen zu Aventicum, 
Augusta Baurica und Aquae, welche jeweilen eine Menge Münzen 
aus der römischen Kaiserzeit zu Tage förderten. 

Charakteristisch für den Gourant in der römischen Schweiz 
ist bei Funden aus der ersten Kaiserzeit das häufige Vorkommen 
kontremarkirter, wie auch halbirter Bronzemünzen; typisch für 
die Funde aus dem Ende des III. und dem Anfang des IV. Jahr- 
hunderts ist die Vermischung des Beichsgeldes mit alexandri- 
nischen Potinmünzen. Auch das ausserordentlich häufige Vor- 
kommen der Gepräge von Lugdunum und Nemausus auf Schweizer 
Boden mag hier erwähnt werden. 

Am westlichen Ende der Stadt Baden (Aquae) im Aargau 
wurden 1893 und 1895 ausgedehnte Nachgrabungen vorge- 
nommen, welche grössere Gebäudeanlagen mit komplizirten 
Mauerzügen ergaben; die Einen wollten darin Kasernen, Andere 
wegen des Vorkommens von chirurgischen Instrumenten Militär- 

1) Stückelberg, Revue Suisse de Numismatiqae 1895, S. 273. 

2) Jos. Büchi, Protokoll der Yersammlung des thurg. bist Vereins 1892. 

3) Stfickelberg a. a. 0. S. 274. 



Kleinere llitäieilnngen. 329 

lazarethe erkennen. In diesem Gebäudekomplex wurden 1893 
durch den Unterzeichneten 66^), 1895 durch die Herren Meyer 
and Eellersberger 158 Münzen ausgegraben. Beide Funde er- 
gaben, indem die Grepräge mit dem Ende des zweiten Jahr- 
hunderts abschlössen, das Resultat, dass die Oebäulichkeit ?or 
dem Jahr 200 muss verlassen worden sein. Die spärlichen 
Münzen aus späterer Zeit gehören der Eulturschicht an und 
verteilen sich mit je einem Stück auf das m., das XV. und 
das XVII. Jahrhundert 

Die folgende Übersicht mag ein Bild dieser beiden Münz- 
funde geben. 

1893 1895 

Sequani (Potin) 1 — 

Römische Republik (Bronze) 1 (Bronze) 1 

Augustus « 6 , 28 + lÄ 

Agrippa « 1 « 5 

Tiberius , 1 „ 11 + lÄ 

Livia — ff 1 

Nero Drusus — « 1 

Germanicus — « 2 

Nero Caesar und Drusus Caesar 

(Söhne des Germanicus) .... — ^ 1 

Caligula — ,i 5 

Claudius » 5 , 6 

Nero « *x» 5 

Galba — « 1 

Vespasianus « 8 „ 7 + *-* 

Titus « 3 , 1 

Domitianus « 8 „ 7 + 1 M 

Nerva ^ 3 „ 2 

Traianus » 4 — 

Hadrianus » 2 , 3 

Pins ff 1-flÄ — 



4) Ders., im Anseiger f. schwell. Altertumskunde 1893, S. 268—269. 

ZeitMbrift for Namumatik. JJL 22 



330 Kleinere Mittheilnngen. 

1893 1895 

Faustina I (Bronze) 1 (Bronze) 1 

Marens Aurelius „ 1 — 

Lucius Verus — „ 1 

Grispina — „ 1 

Severus IM — 

Halbirte Stücke 6 20 

Bei der ersten Ausgrabung ergaben sieb 2, bei der zweiten 
7 Silberstücke (Denare), der ganze Rest bestand vorwiegend aus 
Mittelbronzen, untermischt mit wenigen Gross- und Kleinbronzen. 
Viele davon sind so stark patinirt oder haben durch Brand der- 
massen gelitten, dass eine Bestimmung unmöglich war. 

Zürich. E. A. Stückelberg. 



Literatur. 



A. Lad6, Le tr^sor du Pas-de-TEchelle. Oenf, Verlag 
der schweizer numismatischen Oesellschaft. 1895. 
Am 11. August 1895 wurden auf dem Salfeve, dem jedem 
Besucher Genfs bekannten Berge, in einer natfirlichen, „Grotte des 
Faux-monnayeurs ^ genannten Höhle eine sehr grosse Anzahl — an- 
geblich 1000 bis 1200, erhalten sind 800 bis 900 - Denare des 
11. Jahrhunderts gefunden. Die Hauptmasse besteht in Pfennigen 
des Bischofs Friedrich von Genf mit FRIDERIGS oder FR6D6BICS 
EPS um ein Kreuz, Rf. GENEVA Gl VIT AS um ein Karolingi- 
sches Kirchengebäude und einem anonymen Stück mit SGS 
PETBVS um den Kopf des Heiligen, Rf. die vorige Umschrift 
um ein von vier Kugeln begleitetes Kreuz, beide in zahlreichen 
Abarten und Verwilderungen. Zu diesen bereits bekannten 
Stttcken tritt in etwa 20 Exemplaren ein drittes, neues mit 
SCS MAVRIGIVS an Stelle des SGS PETBVS, in dem der Ver- 
fasser eine Nachahmung der Gepräge von Vienne sieht. Das 
luxuriös ausgestattete Buch bildet auf nicht weniger als 22 
Tafeln 248 dieser Münzen ab und widmet ihnen 129 Seiten 
Text Wenn auch die Wichtigkeit dieses Fundes für die genfer 
M&nzgeschichte nicht zu verkennen ist, so wird man doch dem 
Herrn Verfasser in seinen, auf das Gewicht, den Gehalt und 
den Stempelschnitt der einzelnen Stücke aufgebauten Schlüssen 
nicht immer folgen können: wir wissen aus zahllosen Beispielen, 
wie grosse Verschiedenheiten in allen diesen Beziehungen die 
auch nur einer kurzen Prägung entstammenden Pfennige regel- 
mässig aufweisen. F. Friedensburg. 



22* 



332 Literatur. 

Emil Bahrfeldt, Das Münzwesen der Mark Branden- 
burg unter den Hohenzollern bis zum Grossen Kur- 
fürsten von 1415 bis 1640. Berlin, Verlag von W. H. 
Kühl. 1895. Mit 25 Mänztafeln. VI u. 571 Seiten. 
Sammeln und Codiflciren soll, wie man oft hört, ein Zeichen 
des Niedergangs sein. Wenn überhaupt irgendwo, so trifft dies 
jedenfalls für die Münzwissenschaft durchaus nicht zu : ihre erste 
Aufgabe besteht im Sammeln und Verzeichnen des Gesammelten, 
und nur an der Hand eines möglichst vollständigen Materials 
kann sie ihre höheren Ziele verfolgen und erreichen. Es ist 
also nicht ein wehmüthiges, sondern ein freudiges und dank- 
bares Gefühl, mit dem wir das vorliegende Werk begrüssen, 
zumal da es die Fortsetzung der rühmlichst bekannten Arbeit 
desselben Verfassers über die Brandenburgischen Mittelalter- 
münzen bildet. Das Lob, das sich der Verfasser mit jenem 
ersten Theile für Fleiss und Sorgfalt in der Zusammenbringung 
des Stoffes, Geschick in der Darstellung, Vorsicht in der Be- 
urtheilung verdient hat, kann ihm auch diesmal nicht vorent- 
halten werden, und, wenn auch H. D. damals in seiner Besprech- 
ung (Bd. 17, S. 102 d. Z.) die Bearbeitung der späteren Münzen als 
den bei Weitem leichteren Theil der Arbeit bezeichnet hat, so 
hat doch auch sie ihre eigenen Schwierigkeiten, bedeutend genug, 
um dem Schriftsteller Gelegenheit zur Entfaltung seines Wissens 
und Könnens zu geben. 

Der Stoff ist auch diesmal trotz der Beschränkung auf die 
rein brandenburgischen Münzen — es fehlen also die Jägern* 
dorfer Joachim Friedrichs und die preussischen seit Johann Sigis« 
mund — ein überaus reicher: es werden dem Leser nicht weniger 
als 811 verschiedene Gepräge vorgeführt. Leider dürfen wir 
Preussen uns nicht rühmen, sie in einer öffentlichen Sammlung 
vereinigt zu sehen, wie dies in London und Paris mit den ein- 
heimischen Münzen wohl der Fall ist: hat man sich doch noch nicht 
einmal entschliessen können, die wenig bekannte, aber sehr reiche 
Sammlung der Königlichen Münze mit der des Münzcabinets zu 
vereinigen, wodurch dessen brandenburgisch-preussische Reihen mit 



Literatnr. 333 

eiDem Schlage der Yollstäadigkeit nahe gerückt werden würden. 
Ausser diesen beiden Sammlungen haben namentlich die Cabinete 
zu Wien, Dresden und Petersburg, wo sich die unvergleichliche 
Reicheische Sammlung befindet, daneben zahlreiche kleinere 
öffentliche und private Sammlungen zu dieser stattlichen Reihe 
beigetragen. Alle diese Münzen sind auf 25 von Albert Frisch: 
in Berlin hergestellten Tafeln sauber und zuverlässig abgebildet, 
und zwar die Pfennige und Groschen bis zum Jahre 1521 nach 
Zeichnungen von der geübten Hand des Fräuleins Buchholtz, 
alles übrige in Lichtdruck nach Abgüssen von den ürstücken. 
Dass diese letztere Art der Wiedergabe zu wünschen übrig 
lässt, wenn das abzubildende Stück mangelhaft erhalten war, 
muss mit in den Kauf genommen werden, sie bleibt doch für 
die neueren Münzen die beste. 

Entsprechend den heutigen Forderungen unserer Wissen- 
schaft haben die Urkunden die gleiche Berücksichtigung gefun- 
den, wie die Münzen, und so erhalten wir ein stattliches TJr- 
knndenbuch von 112, meist noch ungedruckten Nummern, unge- 
rechnet die in den Text verarbeiteten Archivalien. Die Aus- 
beute ist hier eine überraschend reiche, und es nimmt fast 
Wunder, dass man früher diesen Quellen so wenig Beachtung 
geschenkt hat, aus denen sich ftlr eine Reihe der wichtigsten 
Fragen — einzelne Beispiele werden später erwähnt werden — 
Aufklärung ergiebt. Die meisten Stücke entstammen dem Oe* 
heimen Staatsarchiv, einiges ist Provinzial- und städtischen 
Archiven entnommen, viele wichtige Urkunden endlich sind in 
Dresden und Weimar verwahrt. Wir sind durch diese Doku- 
mente in den Stand gesetzt, von den meisten Münzen die Menge 
der geprägten Stücke, ihr vorgeschriebenes und ihr wirkliches 
Schrot und Korn anzugeben, und der Verfasser hat davon auch 
ausgedehntesten Gebrauch gemacht und uns zugleich eine ein- 
gehende Oeldgeschichte dieser Zeit geliefert. 

Das vorliegende Buch hat insofern auch ein besonderes lite- 
rarisches Interesse, als es die erste ausführliche Darstellung einer 
grösseren Folge neuerer Münzen ist, deren schriftstellerische 



334 Literatur. 

BehandluDg nothwendig eine andere sein muss, als die mittel- 
alterlicher Reihen. Es erheben sich da die schwierigsten Zweifel 
namentlich wegen der systematischen Anordnung des Stoffes. 
Bahrfeldt hat den seinen nach den von jedem Regenten ge- 
prägten Münzgattnngen geordnet und unterscheidet in jeder der 
80 gewonnenen Abtheilungen wieder die einzelnen Münzstätten. 
Voraus steht in der Regel der kleinste Werth, Pfennig pp., und 
es wird zu den höheren aufgestiegen, wobei jedoch die Thaler 
vor die halben und viertel Thaler treten, zum Schluss folgt das 
Oold. Ich kann nicht sagen, dass mir diese Anordnung als die 
bestmögliche erschiene: sie zerreisst nicht nur den chronologi- 
schen Zusammenhang auf die empfindlichste Weise (ein Nach- 
theil, den allerdings eine im Anhang gegebene Übersicht zu 
beheben bezweckt), sondern trennt auch so eng zusammenge- 
hörige Gepräge, wie das Ganz- und Halbstfick. Mir würde 
die Anordnung nach Jahrgängen mit TJnterabtheilungen nach 
Münzstätten und die nach den Werthen absteigende Reihenfolge 
der Gepräge am zweckdienlichsten dünken. Ebenso lässt sich 
mit dem Herrn Verfasser über das Maass dessen rechten, was 
dem Leser geboten werden muss und soll. Es ist ja schwer, in 
der Wiedergabe von Stempelverschiedenheiten — bezüglich deren 
das hier angewandte System der Striche mir übrigens nach- 
ahmenswerth scheint — eine Grenze zu ziehen: aber, wenn von 
einem Prenzlauer Vierchen (No. 26) 72, von einem Brandenburger 
Groschen (No. 33) 44 Abarten aufgezählt werden, so beein- 
trächtigt das, wenn nichts andres, wenigstens die Handlichkeit 
des Buches. Das Gleiche gilt von den Mittheilungen, in welchen 
Sammlungen sich einzelne wichtige Stücke nacheinander be- 
funden haben, auch von den Verwandtschaftsverhältnissen der 
Münzer (z. B. S. 315). So werthvoll diese und ähnliche Angaben 
zuweilen auch sein mögen und so gern ich den Fleiss und die 
Mühe, die darin stecken, voll anerkenne, so meine ich doch, eine 
knappere Schreibweise, eine Beschränkung in der Aufiiahme von 
Varietäten und Verweisung nebensächlicher Mittheilungen unter 
den Strich wäre dem Buche nur förderlich gewesen. Vielleicht 



Literatur. 335 

entschliesst sich der Herr Verfasser, einen Auszug aus seinem 
Werk, ein Handbuch der brandenburgischen Münzkunde, zu 
yeranstalten: ein bequemes Nachschlagebuch dieser Art wfirde 
in allen Fällen von Nutzen sein, wo es nicht nöthig ist, den 
Codex des Wissens zu wälzen. 

Eine kleine Anzahl von Einzelheiten möchte ich noch her- 
vorheben, die mir beim Lesen des Buches aufgestossen sind. 
Ich verwahre mich ausdrücklich dagegen, dass mir etwa die 
Pflicht obläge, hier ein vollständiges Verzeichniss aller schwachen 
Stellen des Buches zu geben und in allen Zweifelsfragen den 
Herrn Verfasser eines Besseren zu belehren. Das wäre eine 
unbillige Zumuthung: der Zweck dieser Besprechung ist doch 
wesentlich der, die Fachgenossen auf das Buch aufmerksam zu 
machen. Manches, was hier als sicheres Ergebniss auftritt, 
mag diesem und jenem Leser zweifelhaft erscheinen, neue Ent- 
deckungen mögen unser Wissen erweitern und berichtigen — 
der Berichterstatter hat genug gethan, wenn er in grossen Zügen 
zeigt, wie der Verfasser seine Aufgabe angefasst hat und was 
aus dem angezeigten Werke zu lernen ist. 

Dass die auf S. 4 angeführte Stelle der Urkunde von 1423 
gerade mit Nothwendigkeit auf die städtische Münze zu Frank- 
furt bezogen werden müsste, kann ich nicht zugeben, auch auf 
S. 6 werden die Rathmanne (zu Brandenburg) mit der Aufsicht 
über die landesherrliche Münze betraut. Übrigens nimmt es 
angesichts der an letzter Stelle angeführten Urkunde, wonach 
der kurfürstliche Münzmeister zn Brandenburg Pfennige schlagen 
soll „als die von Berlin und Frankenforde slahen laten^, 
Wunder^ dass der Herr Verfasser unter Friedrich L nur jenes 
von Dannenberg zuerst nachgewiesene Vinkenauge mit Helm 
und Adler aufführt. Ich halte die Möglichkeit, dass schon unter 
den ersten Hohenzollem die Prägung der Helm- und Adler- 
pfennige begonnen hat, noch immer nicht für ausgeschlossen, 
wie dies übrigens auch Bahrfeldt selbst auf Seite 11 und 20 
zugiebt. Was insbesondere den Fund von Lagow anlangt, so 
zwingt sein Inhalt uns zwar nicht, wie Bahrfeldt S. 28 richtig 



336 litentnr. 

bemerkt, ihn nach 1440 anzusetzen, aber die mitgefundenen 
zahlreichen Schlesier aus den zwanziger Jahren des Jahrhunderts 
machen es doch wahrscheinlich, dass er eher vor, als nach 
diesem Jahre vergraben worden ist. Es spricht doch auch gegen 
alle numismatische Wahrscheinlichkeit, dass das neue Fürsten- 
haus seinen Regierungsantritt nicht noch durch andere Münz- 
denkmäler verewigt haben sollte. Bei dieser Gelegenheit mag 
noch der auf S. 28 gefahrte urkundliche Nachweis als wichtig 
hervorgehoben werden, dass die Helmpfennige frankfurtischen 
Ursprungs sind: allerdings konnte man im Hinblick auf die 
frankfurter Eipperpfennige daran auch ohne diese Urkunden 
nicht wohl zweifeln; ist es doch ein Erfahrungssatz, dass die 
Münzstätten der E^ipperzeit sich mit Vorliebe ihrer mittelalter- 
lichen Münzmale bedienen. 

Bezüglich der Vinkenaugen kann ich dem Herrn Verfasser 
nicht ganz beistimmen. Es scheint mir völlig ausgeschlossen, 
dass dasselbe Wort in Pommern, Mecklenburg und Brandenburg, 
zweiseitige, in der Niederlausitz aber hohle Pfennige bedeuten 
könnte. Im Übrigen glaube auch ich, dass in den Funden des 
15. Jahrhunderts nach Art derjenigen von Teschenbusch, Klötzin, 
Zezenow, Küstrin noch mehr brandenburgische Gepräge ent- 
halten sind, als Bahrfeldts No. 1 und die auf S. 19 abgebildeten 
Stücke. Es wird noch sehr viel Mühe kosten, diese, in ihren 
Geprägen z. Th. ja zweifellos auf Täuschung berechneten Stücke 
auseinander zu wirren. Was man noch im 1 5. Jahrhundert in 
dieser Beziehung in der Mark wagte, zeigen die Vierchen No. 27 
mit dem Greifen und dem greifenähnlichen Adlerkopf, deren Zu- 
theilung an die Münzstätte Königsberg mir durchaus annehmbar 
erscheint und deren von B. nicht vollständig gedeutete Auf- 
schrift zu Ende mit Moneta Ilova Marchionis aufzulösen sein 
möchte. 

Was die Frankfurter Goldgulden anlangt, so muss ich im 
Interesse des Herrn Landgerichtsraths Dannenberg gegenüber 
der Bemerkung auf S; 155 eingestehen, dass die Notiz über 
seine Mittheilung in der Sitzung der Numismatischen Gesell- 



Literatur. 337 

Schaft vom 4. Juni 1894 von mir herrührt und auf einem Miss- 
verständniss meinerseits beruht. Herr Dannenberg versichert aber 
noch jetzt, den Ooldgulden von 1514 bei Weidhas in einem 
deutlichen Exemplar gesehen zu haben. Da ich gerade bei 
Herrn Dannenberg bin, so möchte ich auch noch erwähnen, dass 
er in einer der letzten Sitzungen der Numismatischen Gesell- 
schaft erklärt hat, den ihm bei No. 387 zugeschriebenen falschen 
Thaler von 1550 mit 62 im Reichsapfel niemals besessen zu 
haben y so dass also das Urstück zu Herrn Bahrfeldts Abdruck 
sich anderswo befinden muss. 

Sehr glficklich ist der Herr Verfasser bezüglich der Er- 
forschung der crossener Münzgeschichte gewesen, von der wir 
bisher sehr wenig wussten, da die Stadt wiederholt durch Brand 
verheert worden ist und dabei ihre alten Urkunden eingebüsst 
hat. Zunächst weist B. überzeugend nach, dass Markgraf 
Johann „von Küstrin*' hier seine Prägestätte gehabt hat, be- 
züglich dessen Yerhältniss zu Herzog Friedrich von Liegnitz 
mir, wie ich in aller Bescheidenheit bemerken will, doch noch 
etwas mehr Verdienst zukommt, als der Nachweis des gemein* 
samen Münzmeisters, indem ich zuerst diese ganzen, wie ich 
glaube, sehr interessanten Verhandlungen über eine planmässige, 
gegen Polen gerichtete Raubmünzung veröffentlicht habe. In 
ihrer grossen Reichhaltigkeit sind auch die Archivalien, be- 
treffend die Einrichtung der kurfürstlichen Kippermünze zu 
Crossen, höchst interessant, und es ist besonders erfreulich, dass 
durch sie die Gepräge Georg Wilhelms mit Hischgeweih und 
Jagdhorn endlich ihre Heimath sicher nachgewiesen erhalten, 
indem diese Gegenstände in dem Siegel des crossener Münz- 
meisters Reichardt Jäger gleichsam als redendes Wappen er- 
scheinen. Bezüglich der Schicksale dieses Mannes kann ich 
nachtragen, dass er noch im Jahre 1624 aus der Haft entlassen 
worden ist, da ihm unter dem 26. Juli ein Beglaubigungs- 
schreiben vom Erzherzog Carl, Bischof zu Breslau, ausgestellt 
wird, wonach er im glogauischen und saganischen Ffirstenthum 
für die kaiserliche und die erzherzogliche Münze zu Neisse 



338 Literatur. 

Pagament zu kaufen und Contrebande zu beschlagnahmen ab- 
gefertigt worden (Stadtarchiv Glogau). Sein Genosse Jacob 
Jamnitzer aber übernimmt im Januar 1625 die kaiserliche Münze 
in Glogau (ebenda und Staatsarchiv Breslau). 

Die letzte Bemerkung, die ich noch zu machen habe, ist 
vielleicht — zur Zeit kann ich es nicht übersehen — die wich- 
tigste. Nach Herrn Bahrfeldt soll unter Johann Georg nur in 
der Münzstätte Berlin Geld geschlagen worden sein, und es fehlt 
bei ihm auch für die Zeit vom Tode Eonrad Schrecks (1580 
Sept. 8) bis zur ersten urkundlichen Erwähnung Michael Aschen- 
brenners (1592) an einem Münzmeister. Nun heirathet nach einer 
Eintragung im Traubuch der Maria-Magdalenen-Eirche zu Breslau 
am 27. Januar 1587 der Wappensteinschneider Johann Friedrich, 
„des ehrenfesten Franz Friedrich zu Frankfurt a. 0., Durchl. 
Churfürsten zu Brandenburg gewesenen Münzmeisters hinter- 
lassener Sohn^ (Schultz in Bd. 13 S. 50 d. Ztschr.). Wenn auch 
diese Eintragung nicht beweist, dass unter Johann Georg eine 
Münze zu Frankfurt bestanden hat, da Friedrich ja nach seinem 
Austritt aus dem kurfürstlichen Dienst dorthin übersiedelt sein 
kann, so widerlegt sie doch jedenfalls Bs. Annahme, dass Aschen- 
brenner unmittelbar auf Schreck gefolgt ist, und lehrt uns einen 
bei B. fehlenden, überhaupt wohl noch nicht beachteten branden- 
burgischen Münzmeister kennen. 

Damit scheiden wir von Bahrfeldts Buch. Überschreitet 
der Umfang dieser Besprechung das gewöhnliche Maass, so sei 
dies nicht nur mit der Wichtigkeit des Gegenstandes, sondern 
auch mit der Freude an dem Werke selbst gerechtfertigt. Darum 
möge an das Schlusswort Bahrfeldts hier der Wunsch geknüpft 
sein, dass er selbst seine berufene Feder der Fortsetzung des 
Corpus nummorum brandenburgicorum widmen möge. 

F. Friedensburg. 



Literatur. 339 



HaDS Hildebrand: Sveriges mynt under medeltiden. 
Stockholm 1887. 160 S. gr. 8, mit 481 Textabbildungen. 
Preis 5 Kronen. (Abdruck aus: ür Sveriges medeltid.) 

Von den skandinavischen Reichen hat es das am wenigsten 
bedeutende Norwegen bisher in numismatischer Beziehung am 
besten getroffen, insofern als sein Münzwesen nach Holmboe 
noch durch Schive vollständige Bearbeitung gefunden hat; das 
Bruderreich Schweden dagegen ebenso wie Dänemark waren im 
Rückstande geblieben. Für Dänemark hat zwar Hanberg neuer- 
dings das Münzwesen der Zeit von 1241 bis 1481 in gründlicher 
Weise erörtert, es fehlt aber noch an einer ähnlichen erschöpfen- 
den Arbeit für den vorhergegangenen so hoch interessanten 
Zeitraum 9 für den wir uns mit den so unvollkommenen älteren 
Hilfsmitteln der Beskrifvelse öfver danske mynter und dem 
allerdings recht brauchbaren Thomsen'schen Münzverzeichniss 
begnügen müssen. Aber bezüglich Schwedens mussten wir uns bis- 
her immer noch mit dem alten Brenner und einigen Münzkatalogen 
durchschlagen. Diesem Mangel hat endlich Herr Reichsantiquar 
Hildebrand durch die Yorgedachte ungemein fleissige und be^ 
lehrende Arbeit abgeholfen. Zu bedauern bleibt dabei für uns 
Deutsche nur, dass sie in einer bei uns so wenig bekannten 
Sprache abgefasst ist, indessen mit einiger Anstrengung gelingt 
es doch, selbst ohne Wörterbuch und Sprachlehre, nur unter 
Heranziehung des Plattdeutschen und Englischen, so ziemlich in 
das Verständnis einzudringen. Auf Grund einer solchen aller- 
dings mühsamen und etwas behinderten Durchmusterung wage 
ich nun, über das schwedische Münzwesen im Mittelalter im 
Folgenden Rechenschaft zu geben. 

Die ersten Versuche eigener schwedischer Prägung scheinen 
noch in die heidnische Zeit, ins X. Jahrhundert, zu fallen, wenig- 
stens sind bei Björkö in Schweden einige Münzen gefunden worden, 
welche die Dttrstädter Karls d. Gr. zum Muster haben, und nicht 



340 Literatur. 

von der Art derjenigen sind, welche Hauberg neuerdings^) 
mit schlagenden Gründen ffir Dänemark in Anspruch genom- 
men hat; sie haben theilweis auf der Rf, ein Schiff und ver- 
binden mit diesem Bilde auch andere an Stelle des Namens 
Garolus: zwei Vögel sowie einen Hirsch, der Hirsch aber findet 
sich auf einer andern derartigen MQnze, die auf der HJ. ein 
Gesicht von vom zeigt. Bei dem Denar mit Hirsch und Schiff 
(No. 347) wäre vielleicht hinzuweisen auf den merkwürdigen 
Penny Knuts d. Gr. aus dem Lübecker Funde, der auf der Rf. 
einen ganz ähnlichen Hirsch mit einem Kopfe darüber hat 
(Taf. m 4 Bd. IV d. Z.). Volle Klarheit beginnt erst mit Olaf 
Skotkonung, der nach Annnahme des Christenthums (1008) eine 
starke Ausmünzung eintreten Hess. Seine Münzen, schwere 
Pfennige im Durchschnittsgewicht von 2,135 gr., 4 auf 1 Örtug 
gehend, sind, in Nachahmung der angelsächsischen von Ethelred, 
in Sigtuna geprägt, bezeichnen ihn theilweise als rez Svevorum 
und tragen die Namen der Münzmeister Godwine, Leofman (Leman) 
Snelling, Thregr und Ulfkel, oder statt derselben den bekannten 
Spruch in nomine Dni mg (amen?). Auf einem Sigtuna-Pfennige 
mit REX ANDOr schlägt der Hr. Verf. vor, das A für das V des 
Runenalphabets, also VN, soviel als das angelsächsische on und 
cor für DOT zu lesen, und dies ONCOT auf Olafs Herrschaft 
über Gothland zu deuten. Ob aber nicht doch die alte Deutung 
rex Anglorum vorzuziehen? Zwei Pfennige (des hiesigen K. 
Mfinzkab.) mit 1) + OFAFA REX AN[3)r Ä/ + LEOF NA-N-M-AN 
und 2) + OrAFA REX ANCOF Ä/ TEN • AN MOTANC lassen mich 
das glauben; ich möchte auch, im Einklänge damit, auf der Rf. 
monetarius Anglicus lesen, Leofman (Leman) war ein Angelsachse. 
Ganz ähnlich die älteste dänische Münze von Svend Tveskäg 
mit Z . AEN REX AD DEICH RJ. CODPINE MAN DI£P (G.monetarius 
Danorum). Möglicherweise dient auch der Adelheidspfennig mit 
ganz kleinem ITAL unter dem Eönigsnamen (Dbg. 1168) zur Be- 
stätigung; da diese Buchstaben nicht Italorum gelesen und mit 



1) Im Gongres intemat de numismatique, Broxelles 1891 S. 409. 



Literatnr. 341 

dem rex der Umschrift in Verbindung gesetzt werden können, 
wie ich in WeyFs Berl. Münzblätt. S. 1643 u. 1814 ausgefQhrt 
habe, so mögen sie vielleicht auf den italienischen Münzmeister 
gehen; besser aber wohl, man verzichtet auf ihre Erklärung'). 
Bemerkenswerth ist auch ein Gepräge aus Olafs Zeit ohne Kopf 
und Namen des Königs, dagegen mit einem Kreuze auf jeder 
Seite, und zwar auf der einen Snellinc mo Si um ein doppelliniges 
Kreuz mit crux in den Winkeln, auf der andern aber (rückläufig) 
ZCELI6 MONESA ON um ein kleines Kreuz, was der Hr. Verf. 
Scelling moneta on liest und auf die Münzbezeichnung Skilling 
deutet; sollte aber nicht vielmehr auch hier der Münzmeister- 
name Snelling gemeint und die Münze überhaupt durch Yerwen- 
düng der Stempel zweier Rückseiten zu Stande gekommen sein? 
von denen freilich die mit dem kurzen Kreuze uns nicht weiter 
erhalten ist. Olafs Sohn Anund-Jakob hat uns trotz seiner 
langen Regierungszeit (1022—1051) nur wenige und seltene 
Münzen hinterlassen, die vermöge ihres leichten Gewichtes von 
1 ,19 gr. auf einen örtug von 8 Pfennigen hinweisen und eben* 
falls englischen Mustern, theils von Ethelred, theils von Knut, 
nachgeahmt sind; auch sie nennen Sigtuna als ihre Münzstätte. 
Ob aber No. 355 ihm mit Recht zugeschrieben ist? man kann 
doch die Umschrift um den Helmkopf so gut auf Knut als auf 
Annnd beziehen, in dessen Namen kein T vorkommt, und die 
Rf. mit BORMOB ON-SH ist genau dieselbe wie die des CNVT 
KEX SP No. 358, der insofern räthselhaft ist, als die Geschichte 
von einer Besitznahme des damaligen Schweden durch diesen 
König nichts weiss, nur in Schonen (Lund), das damals einen 
Bestandtheil von Dänemark ausmachte, hat er, und zwar reich- 
lich, in sieben Hauptarten, geprägt Als Münzmeister Anunds 
geben sich üastra, Sewine, Thormoth, Vlahi (VPAHI) und Wulf 
zu erkennen. 



1) Statt des gewöhnlichen MO f&r roonetarioB kommt auf Ethelreds 
neben manchen anderen grösseren Abweichnngen ancL MOT vor (Hildebrand, 
mynt, L Aangloe. No. 343). 



342 Literatur. 

Sehen wir von Schonen ab, wo der Mfinzhammer unter den 
dänischen Königen auch fernerhin in reger Thätigkeit blieb, so 
hört mit Anund, dem letzten des alten Upsala-Geschlechtes, auch 
für lange Zeit das Münzen auf. Aber ganz so öde, wie es nach 
unsem bisherigen Hilfsmitteln schien, sind diese drei Jahr- 
hunderte, die zwischen Anunds Tode und den nächsten zwei- 
seitigen Schriftmünzen König Albrechts liegen, doch nicht, denn 
die vorliegende Schrift führt uns eine Reihe Schriftbrakteaten 
vor, die bisher fast sämmtlich unbekannt waren. Unter Knut, 
dem Sohne des heiligen Erich (1167—1195), treffen wir kleine 
dünne feinhaltige Münzen (Yiertelpfennige), zum Theil von Schive 
auf Grund irriger Lesung der auf zweien von ihnen vorkommen- 
den zweifelhaften Umschriften für Norwegen in Anspruch ge- 
nommen; sie tragen auf einer Seite eine sternförmige Verzierung, 
auf der andern ein mehr oder weniger entstelltes Eirchengebäude 
(No. 433—444); ihnen schliessen sich andre an mit einem breiten 
Kreuze einerseits und andrerseits einem Sterne, einem B oder P 
im Dreieck, oder einem Kreuze mit Buchstaben in den Winkeln 
(No. 447—458), die man zum Theil irrig auf Abo gedeutet hat, 
während der Hr. Verf. vielmehr bei ihnen ostgothländischen Ur- 
sprung, und für die erste Gruppe Kalmar als Münzstätte ver- 
muthet. Bestimmter auf diesen König Knut Eriksson zu beziehen 
ist ein Brakteat mit KffHVTVS REX um einen mit Schwert 
bewaffneten Königskopf (No. 459), ähnlich dem in Lödöse ge- 
prägten mit liEDV und Königskopf (No. 460). Und dem Aus- 
gange des XII. oder dem Anfange des XIII. Jahrh. gehören 
andre kleine Brakteaten an, mit schreitendem Löwen, mit Löwen- 
kopf und mit gekröntem Königskopfe (No. 461—466). Völlige 
Sicherheit gewähren dann seines Sohnes Erich X. Knutsons 
(1208—1216) Brakteaten mit seinem Kopfe und +IieRICVS 
R€X oder ähnlich, und die seines Nachfolgers Johann Sverkers- 
son (1216—1222) mit +IOIiÄNNaS oder +IOIiÄHHaS R6X 
und einer Krone, einem Stern, Löwenkopf, Adlerkopf, Schwert 
zwischen zwei Sternen, auch mit I — zur Seite eines Thurmes, 
sie sind von grösserem Umfange als die vorgedachten, 18 statt 



Liteistor. 343 

14 Mm, und entsprechend schwerer, 0,30 statt 0,11— 0,18 gr. 
Johanns Nachfolger Erich XI. Eriksson (1222—1250) wird 
mit Brakteaten (von 0,25 gr.) bedacht, die einen gekrönten Kopf 
mit und ohne 6RIC R6X, eine Krone zwischen € — R oder € — X, 
und schriftlos eine Krone, einen fliegenden Vogel oder ein Burg- 
thor zeigen (No. 516—525). Bedeutender ist die Ausmflnzung 
seines Gegners, des Folkungers Knut, der den Thron von 1228 
bis 1234 eingenommen hat; ihm werden Brakteaten (von 0,25 gr.) 
mit KÄNVTVS und einem sehr roh gezeichneten Kopf, mit ähnlichen 
Umschriften um einen gekrönten Kopf, einen Wappenschild, einen 
Löwen, eine Lilie, einen Stern, eine Rose, sowie schriftlose mit 
Fahne und mit Thurm zugeeignet, ein mit ihnen gefundenes Stück 
mit + • Ä • R • V • 8 • 3C • K • und dem Königskopfe (No. 51 1), also 
in (Yestra- oder Ostra-) Aros geprägt, scheint die Heimath auch 
der übrigen zu verrathen. Fundgenosse ist auch ein merk- 
würdiger Brakteat mit dem Namen des 1248 verstorbenen larls 
Ulf Fase; er zeigt eine Hand mit der Umschrift VIiE KRRL 
(No. 515). . 

Es kommt nun mit dieses Erik Erikssons Schwestersohn 
Waldemar (1250 — 1274) das mächtige Geschlecht der Folkunger 
auf den Thron. Diesem Könige werden nach Anleitung eines 
Brakteaten mit VKU unter einer Krone (No. 526) andre schrift- 
lose mit demselben Münzbilde beigelegt, sowie auch als Fund- 
genossen andre mit unerklärlichem B, die man ehemals an den 
Regenten Birger larl gab. Gesichert für denselben Waldemar 
sind andre etwas grössere und schwerere Brakteaten, welche 
seinem gekrönten Brustbilde die Buchstaben VAI oder auch blos 
V beifügen (No. 541, 542), ihnen schliesst der Hr. Verf. andre 
mit ähnlicher, aber in immer grössere Barbarei verfallender Dar- 
stellung an (No. 543—553). Aber hier bereitet doch wohl der 
Daelie-Fund, der auch die No. 546, 547 und 552 geliefert hat 0, 
eine gewisse Schwierigkeit, denn wenn seine Vergrabungszeit 
auch wegen der erst i. J. 1192 auf den Bischofsstuhl gelangten 



1) Grote'B Mfinsstndien Bd. HI TaL 7 No. 133, 184, 185. 



344 Liteistur. ^ 

Gerhard von Osnabrück und Ludolf von Magdeburg nothwendig 
noch später angesetzt werden muss, als Grote^) meint, so wird 
man sich doch schwer entschliessen, mit derselben bis in Wai- 
demars Zeit herabzugehen; wenn aber dennoch, so hätten wir 
auch hier wieder einen der von mir (Dannenberg, Deutsche Ms. 
Bd. n B. 524) bei Besprechung des Fundes von Jarocin geschil- 
derten Münzschätze vor uns, die, im Laufe der Jahre gesammelt, 
schliesslich, nach gewissem Zeitverlauf, mit einigen in neuester 
Zeit vor der Verscharrung hinzugethanen bedeutend jungem Ge- 
prägen vermehrt worden sind. Die folgende Regierung von 
Magnus Ladulis (1274 — 1290) wird mit kleinen leichten, von 
Schive für norwegisch gehaltenen Brakteaten (von 0,11 gr.) ausx 
gestattet, welche mit den Buchstaben 6 und H (Ol) bezeichnet 
sind (No. 556 — 566); sie sind in Skeninge gefunden und wahr- 
scheinlich auch geprägt, denn in seinem Testamente v. J. 1265 
weist König Magnus Vermächtnisse an auf die Einkünfte ans 
den Münzstätten in Stockholm, Vesteräs, Nyköping, Örebro, 
Söderköping, Skeninge, Jönköping und Skara. König Birger 
(1290 — 1319) scheint zum Prägen zweiseitiger Münzen zurück- 
gekdirt zu sein, sie tragen auf der einen Seite eine Krone, 
auf der andern verschiedene Buchstaben: B, 8, I, L, H und S 
(No. 597—617) und stehen wohl in Zusammenhang mit etwas 
schwereren und grösseren Brakteaten (0,29 gr.), welche die Buch- 
staben 8 und H zum Gepräge haben, letzteren in der Form SO, 
bisweilen durch eingefügte Punkte und andre Kunststücke einem 
(Besicht ähnlich gemacht (No. 586, 587), und insofern erinnernd 
an die ähnliche Spielerei auf Münzen Werners von Trier, Jodocus* 
und Johanns von Luxemburg und Alberts von Hennegau ^). Zeit* 
verwandt ist eine andre, noch etwas Schwerere Reihe (0,38 gr.), 
die ebenfalls, theils mit glattem, theils mit gestrahltem Bande, 
bisweilen an Gepräge vom Südrande der Ostsee anklingend, die 
Buchstaben 9, 8, H, L und S enthält (No. 588—596). Unter 



1) V^eyl, Berl. Münzblfttter 8. 1645. 
S) a. a. 0. 8. 251. 



Literatur. 345 

des Magnus Smek (1319 — 1363) früherer Zeit werden dann, 
mit grösserer Zuversicht als letztere Brakteaten, auch zweiseitige 
Münzen mit Löwe und Krone, im Gewicht von 0,35 gr. und 
0,52 gr., aufgeführt, denen sich für seine spätere Regierungszeit, 
seit 1354, andre sehr häufig vorkommende anschliessen, welche 
statt der Krone drei um einen Buchstaben (K, B, Q, b, L, I, iß, 
P, H, S, V) oder ein Kreuz oder Patriarchenkreuz, eine Rose 
oder einen Thurm gestellte Kronen*) tragen (No. 620—640) und 
zu Genossen Brakteaten gleichen Gewichtes (0,36 gr.) mit Buch- 
staben (B, C, U, 0) zwischen zwei Kronen haben. Die zwei- 
seitigen Pfennige haben solche Ähnlichkeit mit den gleichzeitigen 
Brandenburgern, dass zwei derselben im Stockholmer Münzkabinet 
von Alters her unter diese Klasse eingereiht waren ; sie sind dem- 
nach auch bei Teschenbusch (s. Bd. VI 128 d. Z.) ziemlich zahl- 
reich unter der pommerscben Hauptmasse aufgetreten. 

Nun aber verschwinden mit dem Aussterben des Manns- 
stammes der Folkunger die stummen zweiseitigen Pfennige auf 
immer, und wie im XI. Jahrh. der englische Einfluss, so macht 
sich jetzt der deutsche, insbesondere der der norddeutschen 
(wendischen) Hansastädte in den Witten (Vierpfennigstücken) 
geltend, welche König Albrecht (von Mecklenburg, 1363—1389) 
schlagen Hess; sie wiegen 1,23—1,28 gr., stellen zufolge des 
skandinavischen Gewichtssystems (1 Mark = 8 Öre = 24 Örtug) 
einen Örtug dar und wurden vermuthlich zu 8 Pfennigen ge- 
rechnet Diese örtugs, urkundlich auch hvit penning (albi), sind 
wie alle folgenden Mfinzen mit vollst>&ndigen und deutlichen Um- 
schriften versehen, welche sie meist, unter Nennung des Königs- 
nunens, als moneta Svecie bezeichnen, in einem Falle auch Kalmar 
als Münzstätte angeben (No. 651), während die übrigen wahr- 
scheinlich in Stockholm, und eine andre mit gekröntem S und 
kleinem P daneben zufolge einer Urkunde von 1375 vermuthlich 
in Silfverberg geschlagen sind. Nebenher gehen Brakteaten (von 



1) Zun ersten Male erseheinen diese drei Kronen als Beiehswappen anf 
einem Siegel des Königs Magnns Ladalis an einer Urkunde von 1275. 

Z«ita«hrift fflr Nuinkm»dk. IX. 23 



346 Literatnr. 

0,3 gr.) mit gekröntem Kopfe, gekröntem K und gekröntem S 
(No. 654—665). Die gewaltige Margaretha hat uns keine 
Münzdenkmäler hinterlassen, desto mehr ihr Grossnefife Erich 
(von Pommern, 1396—1439): Örtugs von Stockholm mit 6 auf 
dem Kreuze (1—1,18 gr.), von Westeras (1,01 — l,12gr.) und von 
Abo (0,9— 0,94 gr.), diese beiden mit Ä bezeichnet, ausserdem 
wohl auch Äbo'sche Sterlinge (0,79 gr.) mit einer Krone auf dem 
Kreuze, Rf. Ä (No. 685). Dem I.Interregnum 1436—1440, 
das in seinem Siegel das Bild des heil. Erich führte, werden 
zwei seltene Ortugs mit dessen Namen und Q auf einem Kreuze, 
Rf. dem schwedischen Wappen auf dem Kreuze (No. 686, 687) 
zugetheilt. König Christoph's (1441 — 1448) Münzen haben 
das Reichswappen auf kurzem Kreuze und auf der Rj, die von 
Stockholm Q oder K, die von Äbo nur das K. Aus Karl 
Knutsons zweimal unterbrochener Regierung haben wir Örtugs 
von Stockholm und Äbo, die ältesten wohl gleich denen seines 
Vorgängers mit K, die späteren mit dem Bonde' sehen Geschlechts- 
wappen des Kahnes, merkwürdig No. 693, wo der deutsche 
Münzer dem lateinischen moneta das deutsche S'^SDIiS hat 
folgen lassen. König Christian I. (1457—1464) hat nur in 
Stockholm geprägt; Q oder K auf der einen und der Schild mit 
den drei Kronen auf der andern Seite bilden das Gepräge. Münz- 
reich ist die lange Zeit, in welcher der ältere Steen Sture als 
Reichsverweser waltete, und bemerkenswerth durch zwei Neue- 
rungen : die Einführung von ^ örtugs (Fyrkar) und die Anbringung 
der Jahreszahlen 1478 und 1480, die aber wohl hier wie auf 
den gröberen Sorten der Hansestädte nicht das Jahr der Prägung, 
sondern das der Münzordnung ausdrücken. Das Gepräge hat 
keinen Bezug auf Sture, sondern giebt den Namen des heil. 
Erich mit seinem Kopfe und auf der Rf, das Reichswappen, 
während die ^ Örtugs meist mit einer Krone und S bezeichnet 
sind; zu erwähnen ist unter letzteren einer mit HOßflTÄ STOQÄ 
IA8 Rf HOnaTÄ STOaii 80 (No. 705). Auch in Westeras hat 
eine reichliche Ausprägung ähnlicher ganzer und halber Örtugs 
stattgefunden, wogegen in Äbo nur wenige Ortugs geschlagen 



Literatur. 347 

sind, welche statt des heil. Erich den heil. Heinrich nennen 
(No. 711: SCS HÖiaiCHVS GB Reichswappen, Rf. MOßeTÄ 
ÄBOSieHS gekröntes «). König Johann (U97--1501) liess 
ebenfalls in Westeräs ganze und halbe Örtugs schlagen, welche 
den oldenburgischen Schild als sein Geschlechtswappen allein 
oder nebst dem Reichswappen tragen, nur der % Örtug von letzte- 
rer Stadt zeigt statt desselben eine Krone. Nach seinem Vertrage 
mit dem Stockholmer Münzmeister vom 4. 12. 1497 sollten zwar 
auch rheinische Goldgulden und Pfennige geprägt werden, aber 
weder die eine noch die andere dieser Munzsorten ist auf uns 
gekommen, während wir doch dänische Goldmünzen von ihm 
besitzen. Svante Sture, der von 1504 bis 1512 des Reiches 
waltete, hat nur ^Ortugs und nur in Westeräs geprägt: SCS 
eaiaVS ReX Krone, Rf. MOßaTÄ TtROSI gekröntes «, am 
Anfange der Umschrift das Schildchen des Geschlechtes Natt 
och Dag (No. 721). Ihm folgte in gleicher Eigenschaft als Reichs- 
verweser sein Sohn Steen Sture der Jüngere (1512-1520), 
unter dem das Münzwesen eine neue Gestalt annahm, denn ausser 
den Örtugs und '^ Örtugs , die wir von ihm undatirt und mit 
den Jahreszahlen 1512 und 1515, von Stockholm, und den ^^ Ör- 
tugs, die wir von Westeräs haben und die uns seinen Namen 
nebst hinzugefügtem deutschen RITT6R nennen, hat er schwerere 
Stücke eingeführt: zunächst dicke Münzen (piedforts) vom Stempel 
der 1512er Örtugs, im Gewichte von 33,66— 35,28 gr., also 
2 Markstücke (No. 733), dann aber auch grössere thaler- 
förmige Stücke von 1 Mark (15,65 — 18,23 gr.), V^y 2 und 
2 % Mark, in Nachahmung der hanseatischen Markgepräge, welche 
in vier verschiedenen Stempeln (No. 729—732) auf der HJ. den 
heil. Erich im Mantel oder ohne denselben, und auf der RJ. auf 
langem Kreuze das Reichswappen mit ißOIia STOOKIiOIifll ISSIZ 
zeigen, ein Gegenstand häufiger Fälschungen zur Täuschung der 
Sammler. Die kurze Herrschaft des dänischen Christian II. 
hat Schweden wohl mit dessen schlechten dänischen Klippen 
überschwemmt, aber keine eigenen schwedischen Gepräge hervor- 
gebracht. Gustav Wasa, der nach seiner Entthronung, zunächst 

23* 



348 Literatur. 

von 1521—1523 als Reichsvorsteher, dann (1523—1560) als 
König geherrscht hat, ist seinem Beispiele bezüglich der Prägung 
von geringhaltigen Klippen gefolgt (No. 743), hat dann aber 
neue bessere Münzen, Ore (im Gewicht von etwa 3,5 gr.), 1522 
und 1523 in Stockholm und Upsala, 1522 in Arboga und 1523, 
1524 in Abo schlagen lassen, die in einigen Stempelverschieden- 
heiten mit dem Bilde des heil. Erich und dem Reichswappen 
versehen sind. Ähnlichen Gepräges ist ein grosses, 12,90 gr. 
schweres Silberstück mit ßVBöRRÄTa • SWGüOQß • R(iks) Rf. 
ffiOßa ßOVÄ STOQh |5i3 (No.749), vom Hrn. Verf. wohl richtig 
für '^ Silbergulden, 16 auf die schwedische Mark gerechnet, er- 
klärt. Gustavs älteste '^ Ortugs sind 1522 in Stockholm ge- 
schlagen, zeigen Q> im Schilde, auf der RJ. eine Krone und 
nennen ihn Gustav Erikson (No. 747). Es folgen nun undatirte 
Örtugs von Stockholm und Westeräs mit dem Reichswappen, 
sowie \^ Örtugs mit einer Krone, worauf 1527 eine neue Münz- 
ordnung die Anwendung von Jahreszahlen befiehlt, während be- 
merkenswerther Weise trotz inzwischen erfolgter Rönigswahl und 
Krönung die Ore das alte Bild des Reichsheiligen nebst ent- 
sprechender Umschrift beibehalten. Die wichtigste Neuerung 
aber fällt ins Jahr 1528: Silbergulden (25,82 gr.), auch in Gold- 
abschlägen vorkommend, und halbe (von 12,91 gr.) mit GOSTAVS 
D G SVECORVM REX, der König im Mantel, mit Schwert und 
Reichsapfel , zwischen seinen Füssen den Wasa - Schild , i£/. 
MONET NOVA STOKOL' |628 geviertetes Wappen mit Herz- 
schild, auf langem Kreuze (No. 772). Und nach einigen Jahren, 
1534, ging man zur Prägung von ganzen, halben und Viertel- 
thalem, nach dem Vorgange der Schlickschen Joachimsthaler, 
über; die erste Art zeigt ebenfalls den König stehend, mit 
Schwert und Reichsapfel, daneben 1534, mit ähnlicher Rückseite, 
auf der nächsten Art steht die Jahreszahl neben dem Wappen- 
schilde, wogegen das Kreuz fehlt und die Umschrift OMNIS 
POTESTAS A DEO EST lautet mit hinzugefügter Gehaltsangabe 
AD 15 LOT. Ganz ähnlich sind zwei weitere Schläge, welche 
jedoch das Bild des stehenden Königs durch sein Brustbild 



Literatur. 349 

mit hinzugesetzter Jcahreszahl 15 — 34 ersetzt haben, und 
ihnen schliessen sich die halben und Viertolthaler desselben 
Jahres an, nur dass letztere das Brustbild halb von vorn 
zeigen. 

Hier bricht die Beschreibung der Reichsmünzen ab, um 
noch die der in Schonen (Lund, später Malmö) geschlagenen 
dänischen zu vollenden und auf das Münzwesen der Insel Goth- 
land überzugehen. Über dieses ist indessen bereits 8. 352 
Bd. XVIII d. Z. berichtet. Aber angeschlossen sind noch inter- 
essante Bemerkungen über die in Schweden in Rechnung und 
in Umlauf gewesenen fremden Münzen, über Münzrecht, Münz- 
beamte und namentlich über Schrot und Korn der Münzen. Diese 
Untersuchungen lassen sich in Kürze nicht wiedergeben, und so 
sei hier nur bemerkt, dass auch sie die fast überall sonst sich 
aufdrängende Wahrnehmung von einer steten Münzverschlechte- 
rung bestätigen, dergestalt, dass das Verhältniss der Mark fein 
zu der Mark Pfennige, das noch zu König Birgers Zeit auf 1:2 
angegeben wird, schon wenige Jahre darauf, 1311, sich auf 1 : 5, 
unter König Albrecht auf 1 : 6 oder 7 und sogar 8 , im Jahre 
1479 auf 1:11 und schliesslich gar 1509 auf 1 : 13 gestellt hat. 
Auch sei als besonders wichtig für die Frage nach dem Ursprünge 
der barbarischen Gepräge in den Münzschätzen des X. und 
XL Jahrhunderts noch hervorgehoben, dass der Hr. Verf. (S. 130) 
der Ansicht zuneigt, es möge von den derartigen in Schweden 
ausgegrabenen angelsächsischen Münzen ein Theil in Schweden 
selbst angefertigt sein, da sie sich in den englischen Funden 
nicht antreffen Hessen. Nicht minder erfahren einige irrthümliche 
Zutheüungen Berichtigung: No. 501 (+ lOIiÄimflS Adlerkopf) 
ist aufgeführt in v. Sanrma's schles. Mz. 1,39 (s. Friedensburg 
S. 153), No. 503 (10 Thurm) in v. Höfken, Arch. f. Brakt II 
a. 390, No. 584 in dieser Zeitschrift XV S. 198 '^ No. 548, 549 
liegen in einer grossen öffentlichen Sammlung unter Polen, 
No. 663 fg. im Museum schles. Alterthümer unter Schlesien (s. 
Friedensburg S. 314) und No. 667 wird oft an Görlitz ge- 
geben. 



350 Literatur. 

Die Nutzbarkeit der vorliegenden Abhandlung wird durch 
482 in den T^xt eingedruckte vortreffliche Abbildungen erhöht 
und lässt nur wünschen, dass der freilich so vielseitig in An- 
spruch genommene Hr. Verf. die Mufse gewinnen möge, sein 
reiches Wissen in einem alle schwedischen Mittelaltermünzen in 
ihrer Vollständigkeit zur Erscheinung bringenden Werke nieder- 
zulegen. Für jetzt müssen wir uns an dem vorliegenden, alles 
Wesentliche enthaltenden genügen lassen und sind ihm dafür zu 
wärmstem Danke verpflichtet. 

H. Dannenberg. 



Alphonse de Witte: Histoire monätaire des comtes de 
Louvain, ducs de Brabant et marquis du saint empire romain. 
Tome II. Bruxelles 1896. 4^ 348 S. Mit 32 Kupfertafeln. 

Nachdem wir kaum (hier Bd. XX, 107) über den ersten Band 
dieses bedeutenden Werkes berichtet, liegt uns dieselbe angenehme 
Pflicht bezüglich des zweiten ob. Da der erste mit Philipp 
V. St. Pol (1430) geschlossen hat, so beginnt dieser zweite and 
letzte mit dessen Vetter und Nachfolger Philipp (1430 — 67), 
der unter dem Namen des Guten bekannt ist, obgleich ihn der 
vom Hrn. Verf. veröffentlichte Bleijetton wegen seines unmensch- 
lichen Verfahrens gegen das arme Dinant nicht mit Unrecht 
„b§te cruelle^ nennt. Nachdem Philipp im Anfange seiner 
Herrschaft, bis März 1433, sich noch der Stempel seines Vor- 
gängers bedient hatte, ging er erst 1433 zu Prägungen unter 
eignem Namen über, und zwar zu wesentlich gleichförmigen und 
gleichwerthigen in allen seinen Besitzungen. Zu denselben ge- 
hört der gouden Ryder (cavalier d'or), von dem auch ein beson- 
ders grosses Schaustück mit 1434 vorhanden ist, wie wir ähn- 
liche aus Frankreich besitzen, von Karl VII. auf die Vertreibung 
der Engländer, und zwei von B6arn. Am bekanntesten von seinen 
Münzen sind die Doppelgroschen; weil sie ausser in Brabant 
auch in Flandern, Hennegau und Holland geschlagen wurden, 
so gab man ihnen den Namen Vierlander, vom Volke aber 



Literatur. 351 

worden sie auch Braspenuinck genannt, von brassen, d. h. essen, 
schwelgen, vermuthlich, weil sie damals die Zahlung für ein 
Mittagsmahl im Gasthofe darstellten. Ausser Brüssel war auch 
Zevenbergen (mit Z als Münzzeichen) und seit 1454 Hecheln 
zeitweise Münzstätte; auch giebt es eine monnaie noire (double 
mite) mit Philipps Namen und JROßaTK »OVK FKQTK . . 
W6iS6Üü, die jedoch der Hr. Verf. Bedenken trägt, als in dem 
Dorfe Wesel bei Antwerpen geschlagen anzuerkennen. Zahlreiche 
Münzerlasse (Ordonnances), Abrechnungen der Münzmeister und 
Yalvationstabellen, die im Lauf der Zeit zu immer grösseren 
Massen anschwellen, sind uns erhalten und unterrichten uns 
aufs Genauste über die Münzthätigkeit und die Münzpolitik 
jener Zeiten. — Aus der Münzgeschichte seines Sohnes und 
Nachfolgers Karl des Kühnen (1467—77) ist besonders be- 
merkenswerth, dass er zuerst den Gedanken einer internationalen 
Münzkonferenz ausgeführt, nämlich im Sommer 1469 zu Brügge 
eine solche mit seinem Schwager £duai*d lY. von England ins 
Werk gesetzt hat, mit dem Erfolge, dass die Münzen ihrer 
beiden Länder in ein festes Verhältniss zu einander gebracht 
wurden und die des einen Landes dementsprechend in dem 
andern Lande Geltung haben sollten. Gegen Ende d. J. 1474 
wurde zum Ersatz der kurz vorher geschlossenen Münze zu 
Löwen, die zu Antwerpen (Müuzzeichen : Hand) eröffnet und in 
demselben Jahre hier Münzen mit der Jahreszahl, die ersten 
derartigen in den Niederlanden, geschlagen. Die Archive zeugen 
auch von dem vergeblichen Bemühen Karls, ein festes Verhält- 
niss zwischen Gold und Silber herzustellen. Eine Neuschöpfung 
ist der double briquet, so benannt von dem Feuerstahl nebst 
Funken aus dem von seinem Vater gestifteten goldenen Vliess- 
orden, welche zwischen zwei Löwen dargestellt sind; man wird 
an die bekannte Medaille mit seinem Brustbilde erinnert, die 
auf der Rückseite eben diesen Orden mit der Devise: je Tai 
emprins bien en aviengne zeigt. — Seine Tochter Maria (1477 
— 82) scheint nur die Antwerpener Münzstätte benutzt zu 
haben. Wahrscheinlich auf ihren Ehebund mit Maximilian von 



352 Literatur. 

Österreich bezieht sich ein prächtiges thalerförmiges Stück von 
1477 (Madai 3845) mit der heil. Jungfrau zwischen den Heiligen 
Andreas nnd Sebastian und der Umschrift : tota pulcra es amica 
mea et macula non est in te, das in Gold und Silber vorhanden 
nicht als Münze anzusehen ist, ein Stück, dessen Schönheit wohl 
die Überlieferung zur Anschauung bringt, dass die Stempel- 
schneider die Entwürfe zu ihren Geprägen durch Maler haben 
zeichnen lassen. — Die Münzen aus der Minderjährigkeit ihres 
Sohnes Philipp des Schönen (1482—1494), meistens auch 
mit seines Vaters Namen (Maximilianus rex Romanorum pater), 
sind von unvergleichlicher Mannigfaltigkeit und theilweise grosser 
Schönheit, besonders der grand double (No. 576, Mill. 33) mit 
seinem Brustbild über dem Wappen und die thalergrossen grands 
r^aux d'argent (35 Mill., No. 586/7), die sein Bild in halber Figur 
mit den Umschriften : custodiat creator omninm humilem servnm 
suum, RJ, dat tibi in terris virtutem et in coelis gloriam tragen, 
und in den Urkunden zwar als „deniers de parement^ bezeichnet, 
aber doch mit 4V2 Patards bewerthet sind. An solchen Sprüchen 
ist diese durch Aufstände der freiheitliebenden Städte getrübte 
Zeit besonders reich; wir finden ausser dem herkömmlichen sit 
nomen Domini benedictum und pax Christi maneat semper no- 
biscum unter den früheren Herzögen salvum fac populum tuum 
(Psalm 27 V. 3), benedic hereditati tuae (Ps. 27 V. 9), benedic 
anima mea Domino (Ps. 102, 1), pro Deo da pauperibus, und 
unter Philipp: ama justiciam pacem et defende populum tuum, 
ireformacio guerre pax est, Deum plus ama quam argentum, 
amissa hello pax restauret, da pacem Domine in diebus nostris, 
invocavi Deum adjutorem meum, pax optima rerum, fiat pax in 
virtute tua. Auch Münzbenennungen kommen auf diesen Münzen 
vor: Simplex (duplex) patard. fabric. i. Bra, denarius simplex 
nominatus grifonus, simplex grossus. Der Kampf gegen schlechte 
ausländische Münzen, den so viele Erlasse zum Gegenstande 
haben, v^ird auch in der Zeit von Philipps Grossjährigkeit fort- 
gesetzt, v^rie die Ordonnance v. 8. 12. 1499 lehrt, nach welcher 
Abbildungen der zugelassenen guten Goldgulden an den Thüren 



Literatur.' 353 

der KircheD, der Rathhäuser und andern öffentlichen Orten an- 
geheftet werden sollten. Neueröffnet wird die Münzstätte zu 
Maestricht (TRKieaTI Ift VROehOF), die einen Stern als 
Zeichen führt. Die Spruchliste wird bereichert durch initium 
sapientiae timor Domini (Ps. 110 V. 10), omnis spiritus landet 
Dominum (Ps. 150, 6), diligite justitiam qui judicatis terram 
(Weish. Salom. 1, 1), letzterer auf den Toisons d'or, sowie den 
in Gold und Silber auf uns gekommenen (43 Mill.) grossen, 
Schaustücken ähnlichen Geprägeu von 1504. Auch für Philipps 
Gemahlin, die Königin Johanna, sind in Antwerpen Silber-Realen 
geschlagen worden. — Für Philipps unmündigen Sohn Karl V. tritt 
abermals Kaiser Max als Regent ein. In dieser Zeit, 1506—15, 
bleiben dieselben Münzstätten Antwerpen und Maestricht, ihre 
sehr einförmigen Erzeugnisse sind mit moneta archiducnm 
Austriae ducum Burg, et Brab. bezeichnet, einige von Billon 
tragen moneta arge', was nach Ausweis ähnlicher flandrischer 
nicht argentea, sondern argentosa zu lesen ist. Die lange Zeit 
nach Karls Mündigkeit, 1515—55, ist bemerkenswerth durch 
sein eifriges Bestreben nach Ordnung der Münzzustände, die 
durch fremdes schlechtes Geld ausserordentlich litten, durch 
Aufhebung der Unterschiede in den Münzen der verschiedenen 
Provinzen, welche fortan nur noch durch die Münzzeichen der 
einzelnen Mfinzhöfe kenntlich wurden, und durch die Einführung 
der Thalerprägnng ; denicr d'argent appel^ Carolus d'argent 
wurde der Thaler in der betreffenden Ordonnance vom 22. 2. 
1543 genannt. In letzterer Beziehung ist es aber wohl ein 
lapsus calami, wenn der Hr. Verf. die ältesten Thaler dem 
Grafen Schlick zuschreibt, da doch Sigismund von Tirol schon 
1484 und 1486 Thaler schlug, nnd abgesehen von vielen folgen- 
den aber selteneren Thalern von Lothringen u. s. w., die massen- 
hafte sächsische Prägung dieser Münzsorte schon 1500 beginnt. 
Die meisten Münzen Karls aus dieser zweiten Zeit tragen den 
Spruch da mihi virtutem contra hostes tuos, einige in Antwerpen 
geschlagene neben seinem Namen auch den seiner Mutter Johanna. 
— Noch einförmiger als seines Vaters Prägung gestaltet sich 



354 Literatur. 

die Philipps II., charaktcrisirt durch den Wahlspruch Dominus 
mihi adjutor (Ps. 117, 6). Belebt wird sie nur durch die Er- 
hebung der Niederländer gegen seine Schreckensherrschaft. Denn 
in seiner zweiten Herrschaftszeit 1577—86 prägten die Stände 
anfangs, bis 1581, unter Beibehaltung seines Namens, aber mit 
pace et justitia, dann 1582 bis 1584 der an seiner Statt zum 
Herzog gewählte Franz v. Anjou, und nach dessen unrühmlichem 
Ausgange griffen die Staaten für das Gold zurück auf Philipps 
des Guten lion d'or, aber mit der Devise antiqua virtute et fide, 
während sie für das Silber ein neues Gepräge mit confortare et 
esto robustus schufen. Nach Vorführung der Klippen von Breda 
1577, der zahlreichen Nothmünzen von Maestricht 1577 und 
deren von Brüssel von 1579/80 und 1584/85, sowie der wenig 
interessanten Gepräge aus Philipps letzter Zeit 1580—98 schliesst 
das schöne Werk, an dem nur, wie an den meisten in fran- 
zösischer Sprache erschienenen, der Mangel von Seitenüber- 
schriften und eines Inhaltsverzeichnisses zu bedauern ist. Es legt 
beredtes Zeugniss ab sowohl von dem Fleiss seines Verfassers 
als für die Reichhaltigkeit seiner und des Vicomte de Jonghe 
Sammlung, und wird auch vermöge seiner gediegenen Ausstattung, 
insbesondere auch wegen seiner vortrefflichen Abbildungen einen 
hervorragenden Platz in unserer fachwissenschaftlichen Litteratur 
einnehmen und behaupten. 

H. Dannenberg. 



Nekrologe. 



Seit unsrem letzten Bericht, Bd. XX 8. 194, hat der Tod in 
dem Kreise unsrer Genossen wieder zahlreiche Lücken gerissen, 
über die zu berichten traurige Pflicht ist. 

1. Am 24. Dezember 1894 starb zu Augsburg der königl. 
Bayerische Bezirksarzt Dr. Ludwig Fikentscher, ein Mann 
von trefflichem Charakter, im 59. Jahre. Sein Studium war die 
mittelalterliche Münzgeschichte Süddeutschlands , namentlich 
Frankens, und verdanken wir ihm zahlreiche Abhandlungen über 
dieselbe, die vorzugsweise in den |,Mittheilungen der Bayerischen 
numismatischen Gesellschaft '', zum Theil auch in dieser Zeit- 
schrift (Bd. II 371, XI 343) erschienen sind. Die Grundlage 
seiner Arbeiten bildete eine in weitem Rahmen angelegte Samm- 
lung der gedachten Gepräge, welche wegen ihrer unerreichten 
Vollständigkeit mittelst einer ausserordentlichen Bewilligung 
seitens Sr. Majestät des Kaisers jetzt dem hiesigen K. Münz- 
kabinet einverleibt worden ist. 

2. Graf Emmerich Hütten Czapski, aus Ulrich v. Huttens 
Familie entsprossen, verschied, 67 Jahre alt, am 20. Juli 1896 
zu Krakau, wohin er seine unvergleichliche Sammlung polnischer 
Münzen hatte überführen lassen. Das in vier Quartbänden er- 
schienene Prachtwerk über dieselbe sichert ihm einen ehren- 
vollen Platz in unsrer Literatur. 

3. Einen nicht minder empfindlichen Verlust hat die pol- 
nische Münzkunde durch das am 11. November 1896 erfolgte 
Ableben von Kasimir Stronczynski, Senator des Kgr. Polen 
und Kanzleidirektor in der Kommission für Kultur und Unter- 
richt zu Warschau, erfahren. Sein in zwei Auflagen gedrucktes 
Werk über die ältesten polnischen Münzen (Pieniqdze Piastöw 



356 Nekrologe. 

od czasöw najdawniejszych do roku 1300), dessen Abbildungen 
es auch dem nicht polnisch Sprechenden nutzbar machen, ist 
geeignet, seinem Namen ein dauerndes Andenken zu sichern. 

4. Hugo Freiherr v. Saurma- Jeltsch, k. preuss. Ritt- 
meister a.D., hat seine Müsse mit Sammeln von Münzen, erst 
brandenburgischen, dann schlesischen, zuletzt deutschen, schwei- 
zerischen und polnischen, mit Ausschluss der ganzen und halben 
Thaler, ausgefüllt und Verzeichnisse dieser verschiedenen Samm- 
lungen im Druck herausgegeben, welche, von trefflichen Abbil- 
dungen begleitet, höchst brauchbare Handbücher abgeben. Es 
ist über die beiden letzten hier Bd. XI 182 und Bd. XIX 194 
berichtet. Von den gedachten sehr bedeutenden Sammlungen 
ist die erste durch Versteigerung zerstreut, die zweite aber in 
Folge uneigennützigen Entgegenkommens ihres Besitzers in das 
Musenm schlesischer Altertbümer zu Breslau übergegangen. Auch 
V. Saurma's ^ Wappenbuch der schlesischen Städte und Städtel** 
(illustrirt von Clericus, 1870) ist zu erwähnen. Der 21. August 
1896, sein 59. Geburtstag, ist zugleich sein Todestag geworden. 

5. Joseph Weingärtner, Kreisgerichts-Direktor a. D., ist 
im Alter von 91 Jahren am 7. September 1896 zu Münster i. W. 
verschieden. Die Münzen seines Heimathslandes Westfalen waren 
es, auf die sich seine sammlerische und schriftstellerische Thätig- 
keit richtete. Von letzterer zeugen ausser der Beschreibung 
der Kupfermünzen der Stifter Paderborn und Corvei, sowie West- 
falens folgende Monographien: 1. Die Gold- und Silbermünzen 
des Bisthums Paderborn (1882), 2. Die Gold- und Silbermünzen 
der Abtei Corvei (1883) und 3. Die Silbermünzen von Gölnisch 
Herzogthum Westfalen (s. Bd. XIV 381 d. Z.) — Endlich ist 

6. noch vor Schluss des Jahres Prof. Dr. Simon Ljubic, 
Direktor des archäologischen Museums in Agram, dahingegangen, 
über dessen leider in kroatischer Sprache geschriebenes, die 
Südslavischen Mittelaltermünzen behandelndes grosses Werk in 
dieser Zeitschrift Bd. III 168 Bericht erstattet worden ist. — Möge 
junger Nachwuchs diese bedeutenden Verluste ersetzen! 

H. D. 



Register. 



A. 

A, Stadtzeichen t. Marsberg 4. 

Abd-el-Melik ihn Nah 126. 

Abonuteichos Jonopolis 269. 

Adalbero, Bisch, t. Worms 13. 

Adela 124. 

Adelheidpf. 840. 

Adelswappen auf schlesischen Münzen 
59. 

Adler, fliegend, Hasen verschlingend: 
Ghalkis 151. fliegend mit Schild- 
kröte: Derronen 291.295. schlangen- 
bekftmpfend im Tempelgiebel: Ko- 
mana 262. stehend: Kjme 277. 
Kopf: Kyme 277. 

Adlerschild der schlesischen Piasten 
55. 

Adolf lY T. Kleve-Mark 16. 

Aegae 275 fg. 

Aegeas d. delph. Orakel befr. 70. 

Aegis: Laodikeia 268. 

Aegina 149. 144. 

Ähren in d. Hand d. Athena 207. 

Ährenkranz: Eresos 284. 

Aelfred: London 193. 

Aelios 207. 

Aelias Apollonias: Smyma 280. 

Aenela, phönicisches Oew. 189. 

Aeolis 275 fg. 

Aeqoitas 205. 

Aera von Amisos 257. Germanikopolis 
272. Kerasos 266. Komana 262. 
Neokaisareia 266. Neoklandiopolis 
272. Pompeiopolis 272. Sebasteia 
264. Trapezns 266. Zela 266. Po- 
lomon n 266. 

Aermenaos, FAlschnng 326. 

Afrika, arabischer Drittelsolidas 26 fg. 

Agathoklea, Fftlschnng 327. 

AFAeaNOZ, Elaea 271. 

Agalhopolis 881. 

Agnes domina 304. 



Agrippa M. gef. in Baden 329. 

Agrippina 267, als Demeter Enbosia 
268. 

AiNi, Pontes 255. 

Akanthos, phönicisches Gew. 189. 

Aken 17. 

Albert, Erzb. t. Magdeburg 158 161. 

Albert, Erzb. v. Bremen 6. 

Albert, Bisch, t. Begensburg 85. 

Albert I v. Bayern 72. 

Albert III t. Bayern 101. 

Abert lY t. Bayern, München 109. 

Albert Y v. Anhalt 17 fg. 

Albinas: dementia 212. 

Albrecht Achilles v. Brandenbarg 
308 fg. 

Alcaeas: Mytilene 206. 

Alecin: Ganderbory 38. 

Alexander d. Qr., attisches Gew. d. 
Silberm. 189. 

Alexander Ul t. Mak. 176. 

Alexander II t. Schottland 13. 

Aleyd v. Borgend, Herzogin t. Bra- 
bant 110. 

Alexandria, knieend: M. Aurel 215. 

Alexandria, Potinmünsen gef. in d. 
Schweiz 328. 120. 

Alzey 23. 

Amastris 269 fjf^. 272. 

Amberg 78. 80. 

Amisos, Stadt 256 fg. 

Amisos, Heroine 259. 

Amphaxion, irrig yermnihete Stadt 183. 

Amphaxion, Tetradrachmen 172 ijg. 

Amphaxier, Makedonen in der Am- 
pnaxitis, Distriktsbezeichnnng zur 
Zeit Philipp's Y. 182. Distrikts- 
münzen (Distriktsnamen allein, aua- 
geschrieben oder im Monogramm, 
oder neben dem Geaamtnamen der 
Mak. im Monogr.) 184. 

AmphipoUs 171. 183. 189. 

Amphiktyonen 67. 



358 



Register. 



Amphora: Mjrina 282. Bz.: Tenedos 
274. 

Andreas, Bisch, t. Würzbarg 22. 

Andriskos 174. 178. 

ANAPOMEAA NEA AECBO) Mytilene 
286. 

Anglicus Monetarias 340. 

Anhalt 17 fg. Herzogstitel 18. Fürstcn- 
titel 23. 

Anklam 135. 

Annona 205. 207. 

Ansbach 308 fg. 

Antigonos Gonatas v. Mak. 203. 

ANTiroNOz, Kyme 277. 

Antiochia^ knieend: M. Aurel 215. 

Antiochia, Stadt: 244. 

Antiochns III t. Syrien: serrati 175. 

Antiochos v. Baktrien 219. 

Anton V. Bargond 112. 

Antonia 119. 

Antoninas Pias 329. dementia 212. 
reitender Kaiser 242. Aegae 276. 
Amastris 269. Dardanici 242. 

Antwerpen 110. 351. 

Anand Jacob v. Schweden 341. 

Aphlaston 179. Bz. Derronen 295. 
Makedonen 170. 

Aphrodite, stehend sich schmückend: 
Temnos 283. Kopf: Korinth 145. 

Apis: Ama8tri8270.GermanikopoliB270. 

Apollo, Kopf: Eresos 284. Uaimilion 
271. Kyme 279. Makedonen 175. 
179. 181. — Brastbild: Myrina 282 
— stehend: Antiochns 219. syrische 
M. 220. Myrina 283. Aegae 275. — 
neben dem Dreifass stehend: Amisos 
261. Sinope 272. •— anf dem Om- 
phalos sitzend: Amphiktyonen 67 — 
Jtlifiivtos 64. Kagytios 62. Xgticrf- 
Qiog 275. 

AnoAAOAnPOZ, Kyme 277. 

AnoAAA, Pontns 255. 

AnoAAnNios: nemeonikoz, Aegae 
276. 

Arabia: Traian 241. 

APAAATOC, Kyme 277. 

Archebins, Fftlschang 327. 

Archedamis: Mytilene 286 fg. 

Aribo, Erzb. v. Mainz 123. 

APKECIAAOC, Kyme 278. 

Amheim 116. 

Arnold I, Bisch, t. Worms 17. 

Arnold III t. Banderath, Toumosen 2. 

Artemis, Kopf: Amisos 257. Myrina 
282. — Kopf mit Lorbeerkranz: 
Andriskos 178. — Bmstb. im mac. 



Schild 177. — stehend mit Fackel: 
Makedonen 180. 

Aschenbrenner» M., Münzmeister in 
Berlin 338. 

Aschersleben 17. 

Asklepios: Kyme 230. 

Athen. Funde eab. Wappenm. in 
Attika 150. 

Attische Münzen im 6. Jahrh. 142 fg. 
vergl. Hippias. Pisistratiden. Solon. 

Attisches Münzgewicht in d. Ghalki- 
dike 299. d. Qoldm. Philipp n t. 
Mak. 189. d. Silbermünz. Alexander 
d. Gr. 189. 

Attisches Gewicht 226 fg. vergl. Ge- 
wichte. 

Attische Hohlmaasse 230. vergl. Hohl- 
maasse. 

Attische L&ngenmaasse, ans den Tem- 
peln berechn. 235 fg. vergl. Bauten. 

Athena, stehend: M. Aurel 201. — 
Kopf: Athen 143. Botteaten 190. 
Elaea 281. Makedonen 180. Ko- 
rinth 144. Methymna 284 ^. My- 
rina 282. Pella 190. Gegenst.: 
Sinope 273. — Athena Diades: 
149. 150. — Athena Hygieia: 207 
(Ath. Salus 207). — Athena Ktesias : 
207. — Athena Nike: 207. — Athena 
Nikekophoros: Neoklaudiopolis 272. 
— Athena Promachos: 207.-— Ähren 
in d. Hand d. Ath. 207. — Blitz, 
Attr. d. Ath. 203 fg. — Füllhorn, 
Attr. d. Ath. 205. — S&ule, Attr. 
d. Ath. 204 fg. 

Auerbach 74. 

Augsburg, K. Heinrich U, Bisch. 
Bruno 123. Münzen d. Gr. v. Stol- 
berg-Königstein 59. Gustav Adolf 59. 

Augustus, M. gef. in Baden 329. 

Aurelia Artemisia: Mytilene 287. 

M. Aurelius 201 fg. 245 fg. 380. 

Avidius Cassius 215. 

B. 

Babylon, schweres u. leichtes Gewicht 

228. 
Baffdad 126. 
Bahrfeldt, E., Das Münzwesen 

der Mark Brandenburg unter 

den Hohenzollern bespr. von 

Friedensburg 332 fg. 
Balbinus: Amisos 159. 
Balthasar Promnitz, Bisch, v. Breslau 

115. 



Register. 



359 



Bassum 7 fg. 

Bauten zur Berechnung der L&ngen- 
maasse verwandt 234 fg. verschie- 
dene Berechnungen auf d. Parthenon 
gestützt 235. Überlieferung der 
Maasse d. Erechtheion 236. 

BaTreuth 78. 

Behr, Chr., Bergwerksbesitzer 118. 

Bela I T. Ungarn 26. * 

Berenike Gem. . Polemon^s II 268. 

Bergheim (irrige Annahme) 15. 

Bergwerk, Wiederaufnahme d. Bergw. 
unter Philipp Y 173. Pacht unter 
Perseus t. Mak. 173. 176. den 
Makedonen wird der Betrieb der 
Bergw. nach der Schlacht bei Pjdna 
verboten 173. — römische Bergwerks- 
münzen 272 fg. als Erinnerungs- 
zeichen an die Eröffnung von Bifrg- 
werken in Rom und f&r Rom ge- 
prägt 245. vgl. Edonis. Laurion. 
rangaion. Paktolos. Tmolos. — 
Dardanici. — Freiwaldau. Zuck- 
mantel. 

Bembnrg, Halbgroschen 10. 

Bernhard I u. II v. Sachsen (Lüne- 
burg) 123. 

Bernhard v. Sachsen (Wittenberg) 15 fg. 

Bernhard v. Ravensberg, Sterling 12. 

Bernhard III v. Lippe, Sterling 9. 

Bernhard v. Schweidnitz 58. 

Beroea 186. 

Berthold, Bisch, v. Strassburg 166. 

Berthold v. Henneberg, Bisch, v. 
Würzbnrg 22. 

Berthold v. Stemberg, Bisch, v. Würz- 
burg 22. 

BiancaMaria, Qem.Maiimilian^8 1 316. 

BUefeld, Sterling 12. 

Birger v. Schweden 344. 

Bisalten, pr&gen nach phönicischem 
System 298. 

BIZAATIKOZ, 292. 

Blaffert 132. 

Blaandos 103. 

Bleibarren, Pompeji 224. 

Blita, geflügelt. Haimilion 271. Bot- 
teaten 191. PeUa 191. Bz.: Am- 
phaxier 172. Makedonen 177. Phi- 
Upp y V. Mak. 171. Attrib. d. 
Athena 203 fg. 

Blume, Bi. Derronen 295. 

Bösingfelde 12 fjf^. 

Bogen: Pontna 254. — Bogen mit 
Pfeil: Keraa Pis. 256. Apollonia 
Thrac. 256. Pontns 255. 



Boleslaus III v. Böhmen 126. 

Boleslaus v. Oppeln 54. 

Bolko I u. II V. Schweidnitz 54 fg. 

Bolko V. Oppeln 55. 

Bonn. Sterling Johannas I v. Brabant 
108. 

Botteaten 173 fg. nicht Bezeichnung 
eines selbständigen Volkes 182. 
sondern nur Bezeichnung der Make- 
donen in der Bottiaea 181. 188. 
nur Verwaltungsbezirk 183. nicht 
zur Zeit der 4 römischen Provinzen 

182. sondern zur Zeit Philipp's V 

183. Monogramm derselben auf 
Münzen: V 183. 190. fUschliche 
Zutheilung an Philipp II u. V 182. 

Bottiaea. Gebiet der Bottiaeer 187. 
Vertreibung der Bottiaeer aus der 
Emathia und Ansiedlung derselben 
in der Chalkidike 185. Zurück- 
führung in die Bottiaea unter 
Philipp V ? 185. Münzen der Bot- 
tiaeer 187. Gebrauch des phöni- 
cischen Gewichts 189. 

Brabant 107 fg. 350 fg. 

Bracteatenstempel als Siegelstempel 
benutzt 49. 

Brandenburg. Groschen 17. 

Braspenninck 351. 

Brannau: Heinrich IV 89 fg. Lud- 
wig IX 97. Siegel 98. 

Breda 354. 

Bremen, Heinrich II 128. 

Breslau, Bisth. 113 ^. Stadt 116. 
Bamen der Bisch, auf den Münzen 
115. 

Brilon 3. 

Br^man 111. 

Briquet 351. 

Brüssel 119 fg. 351. 

Bruno, Bisch, v. Würzbnrg 22. 

Bi^iden 126. 

Bured, Münzm. Ednard's d. Bek. 24. 

Burgbansen 90. 102. 

Burkhard v. Augsburg 84. 

C. 

CAE • PR, Makedonische Münze 177. 
Q. Caecilins Metellns praetor. 178. 
Caesar: dementia 212. 
Caesarea 120. 

Caligula, M. gel in Baden 320. Phila- 
delphia 276. 
Canterbuiy 38. 40. 
Caraealla 205. 217. Amisos 259. Ger- 



360 



Register. 



manikopolis 270. Kyme 280. Ko- 
roana 268. Laodikeia Phryg. 260. 
Zela 266. 

Carinns, dementia 211. 

Cartts, Clementia 211. 

Gavalli, 6. Marco: von Maximilian I 
in Hall beschäftigt 316. 

Chattensiegdenkmünze 252. 

Chaise d'or 111. 

Chalkidike prägt nach attischem 
System 299. 

Ghalkis 151. 

Xovg 231. 

Christian I u. II v. Schweden 346. 

Christoph v. Schweden 346. 

Claudias: Amisos 257. Kyme 275. 
Maked. 176. Philadelphia Lyd. 
264. gef. in Baden 329. Cl. u. 
Polemon II 269. 

Clementia 208. 210 fg. Clementia 
Caesaris 212. Clementia temporam 
211. mit Patera gleich der Jano u. 
Vesta 212. vom Typus der Spes 
2 1 3. gleich der Justitia sitzend 2 1 3. 

Colgrim 125. 

Commagene 220. 

Commodus: Methymna 285. 

Constanz 24. 

Contomiaten 217. 

Contremarkirte röm. Bronzem. in d. 
Schweiz gef. 328. vgl. Gegenstempel. 

Crispina, M. gef. in Baden 330. 

Crossen 337. 

Ca(sus) Albrecht V v. Anhalt, Gro- 
schen 18. 

Curia imperialis 161. 

Cyna 125. 

Cypem 120. 

D. 

D. = decreto. Maked. 177. 
Dada: Mytilene 286. 
Dalhem 111. 

AAA<t>IKON 62. 

Damascns 120. 

AAMACOC, Kyme 278. 

Dardanici 242. 

Darid: London 38. 

Delmenhorst 12. 

Delphi 62 fg. Widdermüozen 62 fg. 
Ziegenmünzen 63 ig. 

Delphin, poseidonisches Attribut 64. 
apollinisches Attribut 64. Theil des 
delphischen Wappens 64. Delphine 
im qnadr. ine: Delphi 62. 



AHMH Elaea 281. 

Demeter mit Fackeln u. Ähren: Kyme 

279. 
Demmin 136. 
JiQ(fig 292. 
Derronen 289 fg. auf Sithonia ansässig 

292 fg. 
W0>IIV\0;i;i3A seil. agyvQioy 292. 

10>i\}\0M3A seil. x'^Q^^^nQ 292. 

Deventer, Heinrich II 123. 

AeilOY Myrina 282. 

dicken penninc 111. 

Dietrich y. Oberlothringen 123. 

Dietrich III von Kleve u. Johann I 

V. Brabant prägen gemeinschaftlich 

Sterlinge 2. 108. Dietr. u. Graf t. 

Geldern werden vor Nachprägungen 

gewarnt 108. 
Dietrich IV von Katzenelenbogen, 

Siegel 302. 
Dietrich VI von Katzenelenbogen, 

Pfenn. 304. 
Dinant: Otto ILE 122. 
Diocletian, Clementia 211. 
AiorENHZ, Kyme 278. 
Diomedes, Fälschung 327. 
Dionysos, Kopf: Amphaxioten 184. 

Laodikeia 268. Thessalonike 185. 

Makedonen 179. Gegenst.: Antissa, 

Methymna 285. — Dionysos mit 

Thyrsos u. Kantharos neben dem 

Panther: Trapozunt 266. Dionysos 

(falktiy 285. 
AiONYCO«x»AN, Kyme 278. 
Dokimion 183. 

Domitia (u. Domitian), Kyme 283. 
Domitian 204. 241. 252. 329. 
Domkapitel 158. 
Doppelseitige Prägung beginnt in 

Griechenland um die Mitte des 6. 

Jahrh. 143. 
Doppelbeil: Tenedos 274. 
Doppelkopf: Tenedos 274. 
Dor arecht 111. 
Dorsten 36. 
Dortmund, Otto III u. Heinrich n 

123. Maximilian I 11. 
grand double 352. 
Drachme, 1 Hunderstel Mine leichten 

att Gew. 227. 
Dreifuss: Delphi 63. Makedonen 175. 

179. Bz. : Botteaten 189. Philipp Y. 

V. Mak. 171. 
Dreizack: Makedonen 180. Bz.: Phi- 
lipp Y V. Mak. 171. 



Register. 



361 



Drittelung des euböisch - attischen 
Mfinzsysteins 149. 150. 

Dnisus 329. 

Dablin 125. 

Dürsteder Denare Karls d. Gr. in 
Schweden und Dänemark nachge- 
ahmt 246. 

£. 

Eadround 125. 

Eberhard ▼. Diest, Bisch, v. Münster 
29 fg. 36. 40. 

Eberhard I v. Eatzenelenbogen , ful- 
discher Stiftsverweser 300. Siegel 
303. 

Edessa 186. 

edictum Pistense 158. 

Edonis, Bergwerksdistrict 183. 

Edsige 125. 

Eduard d. ßekenner v. England 24. 
193. 

Eduard I v. England 40. 

Edjric 125. 

Eichenkranz: Makedonen 171. 177. 
Phüipp V V. Mak. 175. 

Eike V. Repgow 158 fg. 

Eirene mit Plutos (irrige Ann.), Kyme 
279. 

Ekbert I v. Friesland 124. 

el Ahw&z 126. 

Elaia 281. 

Elektrische Behandlung verriebener 
Münzen 325 fg. 

Elektron, in Kleinasien gewonnen 151. 
nach Athen ausgeführt (?) 151. 
Elektronbarren d. Krösus in Delphi 
152. Elektronmünzen in Attika ge- 
funden 149. 150. nur in Kleinasien 
geprftgt (? Babelon) 150. auch in 
Athen geprägt (Head) 149. 152. 
in Aegina, Athen, Euböa geprägt 
(Köhler) 148. Elektroneulen 153. 

Emathia 185 fg. 

Embricho, Bisch, v. Würzburg 22. 

Eme habebe, Bleibarrenaufschnft 224. 

ifAitXTOI^ 231. 

if^TQtiaj Sechstel Stater schweren 

att. Gew. 228. 
ifintragitty Achtel Stater schweren 

att« Gew. 228. 
juiXov¥ 231. 
Envo: Komana 261. 
Ephesus 251. 

Ephenblatt, Bz.: Kyme 277. 278. 
Epheukranz: Maced. röm. E^ovinzen 

176. 

Zeittchrift fOr ^uiuUm»t:k XX. 



Epiphanius 238. 

Eppo, Bisch. V. Worms 13. 

Eppstein 304. 

Eresos 284. 

Erfurt 123. Gustav Adolf 59. 

Erich, Erzbisch, v. Magdeburg, Halb- 

gr. 20. 
Erich I V. Hoja 9. 
Erich X u. XI u. Erich v. Pommern, 

K. V. Schweden 342. 343. 346. 
Erlangen 74. 

Erlinger, G. Münzm. in Landshut 95. 
Ernst V. Bayern 86. 
Erythrai 280. 
es Sh&sh 126. 

Ethelred II v. England 125. 
Euboeische Währung 146. eub. Geld 

in Attika 147. eub. Wappenmünzen 

in Attika gefunden 150. 
Eule, Wappen v. Chalkis (Babelon) 

151. Athen, Tetradr. 143. attische 

Elektroneulen 153. 
EYMHAHZ, Kjme 279. 
Eversberg 5. 

P. 

Faustina, M., gef. in Baden 330. 

Fikentscher, L., Nekrolog 355. 

Flaggen Witten, Greifswald 137. 

Flavia Neikomachis: Mytilene 286. 

Florianus, dementia 211. 

Fortuna 205. 

Frankfurt a. d. Oder. Goldgulden und 
Helmpf. 336. 

Franz I v. Frankreich 115. 

Freiwaldau, Goldbergw. 117. 

Freystadt in Oberbayern 84. 

Friedland 128. 

Friedrich III, Erzbisch, v. Köln 8. 

Friedrich, Bisch, v. Genf 331. 

Friedrich V, Burggr. v. Nürnberg 
76 fg. 79. 

Friedrich I, v. Brandenburg, Yinken- 
angen 335. 

Friedrich II, v. Brandenburg, Ord- 
nung des Münzwesens 165. 

Friedrich I v. Bayern, Landshut 73 fg. 

Friedrich, Pfalzgraf b. Rh. 84. 

Friedrich der Weise, Pfalzgraf b. Rh. 
105. 

Friedrich der Weise, v. Sachsen erbt 
Pfeffingers Gold- u. Silbermünzen 
312. 

Friedrich v. Schagen, Vogt v. Wildes- 
hausen 14. 

24 



362 



Register. 



Friedrich, Fr., Münziu. in Frank- 
furt a. d. 0. 338. 

Friedrich, J., >Vappensteinschneider 
in Breslau 338. 

Fugger 118. 

G. Fulcinius quaestor, Maked. 177. 

Fulvia 271. 

für cave malum, Bleibarrenaufschrift 

FusB Tgl. Längenmaasse. 

Gadara 120. 

Galba, Münze von (Amisos 257) Zela 
266. gef. in Baden 329. 

GALEA DVCIS 56. 

GALEA DVCVM SLESIE IVVENVM BOL- 
KONVM 54. 

Gallienus. Qninar 246. Münze von 
Seb. Herakleia 265. dementia 211. 

Gallus. Münze t. Neokaisareia 264. 

Gangra (politische Einheit mit 6er- 
manikopolis) 271. 

Gaza 120. 

Ge n. Thalassa: Laodikeia 260. 

Gegenstempel: Brustbild: Amastris 
269. Kopf d. Athena: Sinope *293. 
Kopf d. Dionysos: Antissa, Me- 
thjmna 285. Stern: Kyme 278. 
Pontus 255. Weintraube: Kyme 278. 
vergl. contremarkirte röm. M. 

Geiserich 25. 

Geminus: Smyrna 280. 

Genius: Numerian 217. 

Georg, Bischof v. Bamberg 308. 

Georg II v. Anhalt 19. 

Georg I d. Reiche v. Baiem 104 fg. 

Gergis 280. 

Gernard T. d. Mark,Bisch.v. Münster 36. 

Gerhard III n. Johann I v. Hoya: 
Witte 6. 

Germane, knieend: M. Aurel 209. 

Germanicus, M. in Baden gef. 329. 

Germanikopolis, 270 fg. 

Geta, Sphinx 206. M. v. Amastris 269 
Seb. Herakleia 265. 

Getreidekorn, Münzb. Elaia 281. Bz. 
Kyme 277. 

Gewichte 223 fg. Allgemeine Stabi- 
lität ders. 226. Ungenauigkeit aller 
Gewichte 226. heilige Gewichte 227. 
geaichte Gew. 227. — Solonische 
Gewichtsreform 226. leichtes und 
schweres Gewicht in Athen 227. in 
Babylon 228. Gebrauch d. röm. 



Reichs^^cwichts in Athen 226. Ge- 
brauch des attischen Gewichts in 
Aquileia. Massilia. Pompei u. am 
Rhein 229. — Persisches Gewicht 
maced. Münzen 176. phönicisches 
Gewicht d. Botteaten 189. — Über- 
nahme des ptolemäischfe als itali- 
sches Gewicht 230. 

Giesser, Marquard, Münzm zu Otting 
84. 

Giesser, Peter, Münzm. zu München 
84. 

Gilbert, Münzm. zu Canterbury 38. 

Giovanni II, Bentivoglio v. Bologna 
117. 

Glykon: Abonuteichos 269. 

Gnoieu 128. 

rvNH, Titel der Agrippina u. Antonia 
119. 

Güstrow 43. 129. 

Gustav Adold, Augsburger u. Erfurter 
Münzen 59. 

Gustav Wasa 347. 

Godfried, Abt v. Helmershausen 14. 

Godfried I. U. III v. Brabant 109. 

Godfried v. Arnsberg 5. 

Godfried III v. Heinsberg; Sterling, 
Tournose 3. 

Godric 125. 

Godwine 125. 

rorrvAOC, Kyme 278. 

Gordianus III, Medaillon 216. M. v. 
Tomis 260. 

Gorgan 126. 

Gorgoneion, geflügelt: Eresos 284. 

Gotland 340. 

Greif: Rostock 129. 131. 

Greifswald 132. 136. 

Grifones 352. 

Grote, H., Nekrolog 195. 

H. 

Hadrianus, M. gef. in Baden 329. M. 
V. Amisos 261. Münzb. d. de- 
mentia 212. 213. 

Haelen 110. 

Hagenau 166 fg. 

Haimilion 271. 

Haimo, Bisch, v. Verdun 122. 

Hall in Tyrol 316. 

Halser, die bösen 93 fg. 

Hamburg 45. 140. 

Hanau 304. 

Hanaut 110. 

Harpe: Philipp Y v. Macedonien 175. 



Register. 



363 



Hartbert, Bisch, t. Hildesheim 49. 
Hattingen 11. 
Hausgenossen 164. 
Havelberg, Groschen 17. 
Heidelberg 78. 

Heinrich I, Erzbisch, y. Köln (?) 37. 
Heinrich, Erxbisch. t. Trier (?) 37. 
Heinrich II, Bisch, t. Worms 13. 
Heinrich II, Kaiser. Regensburg 124. 

K5ln 122. 
Heinrich I. U. III t. Brabant lOD fg. 
Heinrich IL IV v. Bayern 124. 
Heinrich I t. Niederbajem 72. 85. 
Heinrich lY t. Bayern. Münzvertr. 

Y. Regensb. 86 fg. 
Heinrich III t. Jauer 53 fg. prägt in 

Schweidnitz (?) 59. 
Heinrich III v. Glogau 53. 
Heinrich v. Sternberg, Sterl. 13. 
Heinrich m t. England 38 fg. 
Heinrich YIII v. England 115. 
Henri: London 39. Newcastle 39. 
Helena, Kleinbr. 247. 
Helm, korinthischer, Bz.: Derronen 

295. makedonischer 175. 176. 179. 

180. 19 L Lederhelm: Pontus 254. 
Helm d. Herzöge v. Schweidnitz 55, 

Tergl. Galea. 
Helmershansen, seh Ott. Pf. 14. 
Henkelgefass. Mzb. Kyme 279. Bz. 

Kyme 277. 
Heraea Arcadiae 147. 155. 
Herakles, auf die Keule gestützt.: 

Seb. Herakleia 265. Kopf: Am- 

phaxia 184. Botteaten 191. Make- 

donen 180. 181. Philipp V von 

Mak. 172. 175. 
Hermann II t. Lippe, Sterl. 9. 
Hermes, xgto^fogog 63. mit Diskus: 

Amastris 269. neben Stiergespann: 

Derronen 289. 
Hermesstab: Eresos 284. 
Hermos, Flussgott, sitzend: Temnos 

283. Kopf: Larissa 282. 
Herodes 220. 
Herophile: Erythrai 280. 
Herstall 110. 
Hieroitas: Mytilene 287. 
Hiezen, Peter, Mfinzm. Ludwig^s IX 

T. Bayern 103. 
Hildebrand, H., Sreriges mynt 

under medeltiden, bespr. t. H. 

Dannenberg 339. 
Hilpoltstein (Stein i. d. Oberpfalz) 84. 
Hippias, Münzverrufung ohne Typen- 
wechsel 147 fg. 



Hirkanis 183. 

Hirsch, stehend: Amisos 247. 

Horde 11. 

Hohlmaasse 230 fg. attisches dtjfiofftoy 

230. attische Preisamphoren 230. 

Maastische. 
Homburg im Herz ogth. Berg: Witten 1. 
Hufeisen, antike 249. 
Huntingdon 225. 
Hütten Chapski, Nekrolog 385. 
Huy, Otto IIL 122. 
Hygieia 203. Athena Hygieia 207. 
Hyrcodes 219. 
Hyrodes 220. 

J. 

Jacob T. Salza, Bisch, v. Breslau 1 1 5. 
Jäger, R., Münzm. in Grossen, Glogau, 

Neisse 337. 
Jamnitzer. J., Münzm. in Glogau 337. 
Jaromir v. Böhmen 126. 
Jauer 58. 

lEPONYM..., Kyme 271. 
Igel 123. 

IKETHZ, Kyme 278. 
Imbros: Widder 63. 
Ingolstadt: Stephan HI. 87. Hein- 
rich IV 91. Ludwig IX 97. 102. 
io io triump. 248. 
Joachim Friedrich y. Liegnitz - Brieg 

117. 
Johann V Turzo, Bisch, v. Breslau 1 13. 
Johann II, Bisch, v. Dorpat 21. 
Johann II, Abt t. Helmershansen 14. 
Johann I v. Niederbayem 72. 
Johann II v. Bayern 86. 87. 
Johann III t. Bayern 101. 
Johann I t. Brabant, Münzver. mit 

Arnold t. Loos 109. Münzver. m. 

Dietrich VII v. Kkve 108. 
Johann HI t. Brabant 111. 
Johann IV t. Brabant 112. 
Johann, Mkgr. v. Brandenburg 308. 
Johann t. Küstrin 337. 
Johann II t. Diepholz 5. 
Johann II d'Avesnes t. Hennegan 29. 
Johann II t. Kleve-Mark 11. 
Johann u. Leopold t. Leuchtenberg, 

Nachprägungen 13. 
Johann t. Schweden 342. 347. 
Joh., Münzm. in Canterbury 38. St. 

Edmundsb. 38. York 40. 
Johanna t. Brabant 111. 
Johanna t. Spanien, Gem. Philipp's 

d. Seh. 853. 

24* 



364 



Register. 



Jordan, Münzin. Amberg 78. 

Ipswich 125. 

Irland 125. 

Ismail ben Ahmed 126. 

Isis Brustbild: Helena 248. Isis faria 

248. Isis mit Horus: Kyme 279. 

Helena 248. Julian 247. Isis und 

Annbis: Helena, Julian 247. 
Italiens, yermeintl. Miinzm. d. Otto. 

Adelheidpf. 340. 
Judaea unter Palmbaum sitzend: 

Titus 241. < 
Judenkopf 21. 
Julia 119. 
Julia Domna: Amisos 259. Komana 

263. Neoklaudiopolis 272. 
Julia Prokla: Mjtilene 206. 
Julianus 247. 
Julius Africanus 238. 
Juno 212. 
Juppiter, dem Kaiser die Weltkugel 

reichend 211. vergl. Zeus. 
Justitia 213. 
P. JuTentius Thalna, praetor 178. 

K. 

Kabeira 265. 

KAAYAnN: Kyme 278. 

Kamel neben Arabia: Traian 242. 

Kantharos: Methymna 284 fg. 

Karl IV. 73. 141. 

Karl V. 115. 353. 

Karl d. Kühne, Münzvertr. m. Eduard 
IV V. Engl. 351. 

Karl Knutson t. Schweden 346. 

Kaspar Logau, Bisch, v. Breslau 1 15. 

Ratzenelen bogen 300 fg. 

Kerykaion, Bz.: Bott^aten 189. Phi- 
lipp V V. Mak. 171. 

Keule: Makedonen 174. 177. Phi- 
lipp V T. Mak. 172. Bz.: Eresos 
284. Keule im Eichenkranz: Am- 
haxitis 184. Makedonen 179. 181. 
Keule im mak. Schild 170. 176. 
179. Keule der Mak.: Komana 261. 

Kiel, Wittenpf. 47. 

KAEANAPOZ, Kyme 277. 

KAEiNiOY, Myrina 283. 

Kleve 2. 

Klinkharts 111. 

Knossos, Labyrinth 67. 

Knut T. England 125. 

Knut T. Schweden 342. 

Köcher: Amisos 256. 

Köln: Otto I. Otto lU. Heinrich H. 
122. Erzb. Heinrich I 37. 



Königsberg 17. 

Köthen, Denare 16 fg. Halbgroschen 

18 fg. 
Komana 261 fg. 

Konrad I, Bisch, t. Münster 32. 
Konrad I, Bisch, v. Worms 13. 
Konrad III, Abt t. Helmershausen 3. 
Korinth 144. 
Korkyra, Elektronm. 151. 
Kojvlfi 231. 
Kotys I. 268. 
KPETAPioc, Srayrna 280. 
Kriegstrompeten 241. 
Krebsschoeren des Okeanos: Tyros 

260. — des Pontes : Amisos, Tomis 

260. — der Thalassa: Laodikeia 

260. 
Krösus, ElektronbaiTen in Delphi 152. 
Kypido, Fr., Nekrolog 194. 
Kybele, thronend: Temnos 283. 
Kyme 275. 277 fg. 
Kypros 68. 
Kypselos 144. 153. 
Kyrene, Elektronm. 151. 
Kyzikos 150. 

L. 

Lada, le tresor du Pas-de- 
TEchelle. angez. von Friedens- 
burg 331. 

Längenmaasse 233. — Gebrauch d. 
altitalischen Fusses in d. Kaiserzeit 
234. Gebrauch d. oskischen Fusses 
in Poropeii bis auf Sulla 234. Fuss- 
maasse auf Grabsteinen 233. vgl. 
Bauten zur Berechnung der Lftngen- 
niaasse verwandt. 

Landshut 84 fg. Heinrich IV. 87 fg. 
Ludwig IX. 96. 

Langres 126. 

Landolf, Bisch, v. Worms 13. 

Langenzenn 78. 

Lanzenspitze: Tisna 284. 

Laodike, Begentin 256. 

Laodikeia Phrygiae 67. 

Laodikeia Ponti 263. 

Larissa 281 fg. 

Lauda 79. 

Lauf, Friedrich u, Otto 74 fg. Fried- 
rich 81. 

Lauriuro (Pisistratiden) 152. 154. 

Lebedos elektronsechstel (Babelon) 
151. att. Münztypen 151. 

leg: Makedonen 177. 

Lemnos: Widder 63. 



Register. 



365 



Leopold, Bisch, v. Worms 23. 

Leopold u. Johann v. Lenchtenberg, 
Nachprägongen 93. 

Lesbos 284 fg. 

Lesbonax philosophas, Mjtilene 286 fg. 

Lesbonax ligias vtog, Mytilene 286. 

Leukas : Athenakopf, Aphroditekopf, 
Schale 69. 

Liberantas 205. 246. 

Licinius major, Kleinbronze 247. 

Licinius Murena 271. 

Likineia Eappadoc. 271. 

Lilie: Anklam 135. ßreslau 111. 
Deramin 136. Gnoien 129. 

Lincoln 138. 125. 

Livia, M. gef. in Baden 329. 

Ljubic, Nekrolog 356. 

Löwe: Komana (irrth.) 263. 

Löwen 100 fg. 

Löwenberg 58 fg. Nachahmung seiner 
Münzen dnrch Bolko v. Schweidnitz 
59. Münzrecht 60. Heller 61. 

London 38. 40. 125. 193. 

Lncius Yerus, M. gef. in Baden 330. 

Ludwig, Bisch, v. Münster 5. 7. 

Ludwig Y. Arnsberg 5. 

Ludwig II V. Oberbayem 72. 

Ludwig IX V. Bayern 92. 96. Gold- 
prägungsrecht 102. 

Ludwig T. Stolberg-Königstein : Augs- 
burg 59. 

Ludwig IV V. Frankreich 126. 

Lübeck 43 fg. 140. 

Lügde 3. 14. 

Lüneburg 40. 123. 140. 

Lugdunum, M. gef. in d. Schweiz 328. 

Lyra: Makedonen 181. Myrina 2S2. 
Bz.: Eresos 284. 

AYZANIAZ, Kyme 278. 

M. 

m: Botteaten 189. 

Maasstische 231. Bronzeeinsätze ders. 

332. 
Macrinus: Amisos 259. 
Maddalena u. Mantua. Med. d. CavalÜ 

317. 
Maenadenkopf: Makedonen 176. 180. 
Maestricht 110 fg. 353. 
Magnus v. Schweden 344. 
Magnus Smek v. Schweden 345. 
Mainz: Otto III, Heinrich II 123. 
Makedonien 162 fg. 289. 
Makedonen erhalten von Philipp Y 

d. Münzrecht u. prägen zuerst in 

d. königL Münstätten 174. 



Malchin 130. 

Manlia, Denare m. d. Lybella 280. 

Margaretha v. Konstantinopel, Gr. t. 

Hennegau 28. 
Margaretha v. Schweden 346. 
Maria t. Burgund 351. 
Maris, babylonisches Maass 232. 
Mark, Grafsch. 36. 
Marken d. 8. Jahrh. 25. 
Maronea. Bergw. (Themistokles) 154. 
Maximian Herculeus: dementia 211. 
Maximilian I 316. 353. 
Maximinus: Kyme 280. Tomis 260. 
Mecheln 351. 
Mecklenburg 128. 
Medebach, Erzb. Wigbold 3. 
Medicinische Gewichte u. Maasstäbe 

237. 
Megalopolis Sebasteia 265. 
MEnCTAroPAC, Kyme 278. 
Mende, phönic. Gewicht 189. 
Mense, Augu8(to) 25. 
Mense, Octobr(o) 25. 
Menschliche Typen a. grlech. Münzen 

um die Mitte d. 6. Jahrb. 143. 
Merwaniden 120. * 

Metall! Ulpiaui 245. 
Methymna 284 fg. 
Metretes 231. 
Metrologie 222 fg. Metrologische Texte 

236 fg. 
Metz. Kari IV 162 fg. 
Milet 150. 
Mine, attische u. ihre Theilstücke 

227. ptolemäische, italische (=" 1} 

röm. pf.) 230. 
Minerva Fortuna 207. vgl. Athena. 
Mithradates H. (Reinach) 256. 
Mithradates Eupator: Amisos 256. 
Mithradates Philopator 257. 267. 
Mithras reitend: Trapezunt 266. 
Mohnstengel zw. Ähren: Elaia 281. 
Monatsnamen auf Münzen 25. 
Mondsichel: Pontus 255. 
Moneta,Attr.d. Füllhorn 205. stehend: 

Severus Alexander 246. 
M(oneta) n(ova) M(archionis) 336. 
Moritz v. Oldenburg 7. 
Mouton 111. 
Mühlheim, Tumosen 2. 
München 87. 
Münster 29 fg. 36. 
Münsterberg Öls 116. 
Münzfälcher in Rawal-Pindi ^27. 
Münzfunde, euböischer Wappenm. in 

Attika 150. — griech. - indischer 



366 



Register. 



Münzen b. Kabul 219. — römischer 
Münzen in d. Schweiz u. b. Baden 
insb. 328 fg. — deutscher Münzen 
zu Arnsberg 128 fg. Amswalde 141. 
Betekom 109. Billenhausen 304. 
Bremen 6. 12. 14. Brümmerloh 12. 
Dölitz 141. Farve 26. Fetzelhofen 
304. Grafenau 88. 96. Gr. Cords- 
haeen 127 fg. Hülst 115. Isenberg 
15. Elotzin 336. Küstrin 336. La- 
gow335. Lübeck 128fg. Laucha 17. 
Maestricht 109. Meppen 10. Olden- 
burg 5. 12 fg. Rahden 12. Bemlin 
129 fg. Ribnitz 9. Bust 130. Schwie- 
sow 129. Teschenbusch 336. Wol- 
degk 127 fg. Zamekow 41. Zezenow 
336. Züssow 122. 

Münzgewicht. Übergang vom aegi- 
netischen zum euböischen in Athen 
149. — attisches: in d. Ohalkidike 
299. d. Goldm. Philipp's 11 von 
Mak. 189. d. Silberm. Alexander d. 
Gr. 189. — persisches: makedoni- 
scher M. (Mommsen) 176. — phö- 
nicisches: Botteaten 189. Chalkidike 
189. 

Münzrecht d. deutschen Könige 156. 

Münzverein: Johann I v. Brabant u. 
Arnold v. Loos 109. Johann I v. 
Brabant u. Dietrich VII v. Kleve 
108. Johann I v. Brabant u. Bisch. 
V. Lüttich 109. Friedrich V von 
Nürnberg, Ruprecht I Pfalzgr. u. 
Friedr. V.Bayern 1377 76 fg. Mark- 
grafen V. Brandenburg und St^dt 
Nürnberg 1457 308. Markgraf von 
Brandenburg u. Bisch, v. Bamberg 
1469 308. Karl d. Kühne u. Eduard 
IV V. England 350. 

Münztag zu Eichst&dt 1476 103. 

Muiz ed Daula 126. 

Munus Caesaris Mazimiliani 113. 

Myrina 282. 

Mytilene 286 fg. 

N. 

Nagelbekh, St., Münzm. in Landshut 

92. 
Namur 124. 
Nasr ed Daula 126. 
Nasr n ihn Ahmed 126. 
Nansikaa: Mjrtilene 286. 
Neapolis 120. 
Negerkq|)f : Delphi 62. 
Nemausus 121. 328. 
Neokaisareia: Tib. Claudius 261. 



Neoklaudiopolis 272. 

Nero, M. gef. in Baden 329. Elaia 281. 

Nero u. Polemo n. 269. 
Nero u. Drusus, Söhne des Germani- 

cus 329. 
Nerva 329. 
Neubrandenburg 130. 
Neuburg 105. 
Neumarkt 78. 
Neustadt a. d. Aisch 78. 
Neustadt i. Holstein» Witten 47. 
Newcastle 39. 
Nicole: Canterburj 38. London 39. 9. 

Winchester 40. 
Nienburg 6. 9. 
Nike: Laodikei 263. Maced. 176. 

N. im Tempel: Komana 263. 
Nobilis, Simon v. Lippe 10. 
Nordheim 4. 
Northampton 39. 
Nürnberg 308. 
Nuh ihn Nasr 126. 
Numerian 211. 246. 
Nymwegen 124. 
Nysa 120. 

0. 

Obol = halbe Drachme leicht att. 

Gew. 227. 
Odomanten 290. 
ötting: Heinrich I 85. Heinrich IV 

88 fg. Ludwig IX 97. Georg 104. 
öttingen 93. 
Okeanos: Alezandria. Ephesos. Con- 

tomiaten 260. 
Olaf V. Schweden 340. 
Oldesloe 47 fg. 

Okvfiniovixrii 276. 

Omphalos : Amphiktyonen. Kyzikos. 
Seleuciden. Delphi 65. patera um- 
belicata 68. q^iakti o/utfaloy ovx 
l^ovoa 68. 

Orbiana: Trapezunt 266. 

Orodes 220. 

Orsoy 10. 

Oscytel 125. 

Osferth 125. 

Otto I, Bisch. V. Würzburg 22. 

Otto II V. Bayern 72. 85. 

Otto V V. Bayern 73 fg. 

Otto I V. Pfalz-Mosbach 95. 

Otto III V. Hoya 7. 

Otto- Adelheidpfennige 124. 

Otto Heinrich u. Philipp v. Pfalz- 
Neuburg 115. 

Oxford 39. 



Register. 



367 



P. 

Paktolos 151. 

Pallas vgl. Atheua. 

Palmbaum neben d. Hirsch: Amisos 
257. neben d. Judaea: Titus 241. 

Pangaionbergwerk in der Edonis 183. 

Pan, Kopf: Botteaten. Pella 190. 148. 

Pankratiades: Mjtilene 286. 

Pandikapaion : Pferdebüste 255. 

Paphlagonia 269 fg. 

Parchim 43. 130. 

Parinm Mjsiae: Schale unter d. Stier 
69. 

nAPMENiTHC, Kyme 279. 

Part, H., Münzm. in München 95. 

PaUrd 352. 

Pavia 125. 

Pax 213. 246. 

Pegasus: Korinth 144. P.imQuadratum 
ine. barb. Nachpr. d. Derronen 294. 
297. 

PeUa 148. 158. 171. 183. 186. 190. 

Peltae 183. 

Perger, H., Eisengräber in Braunan 99. 

Periander 144. 

Perseus: Mithridates Philopator 267. 
PhUipp V V. Mak. 170. 

Perseus v. Makedonien, Bergwerks- 
pacht 173. 176. 

Perserfeldzug Gordians 217. 

Persisches Gewicht macedonischer 
Münzen (Mommsen) 176. 

Pertinax Caesar 218. 

Pfaff, H., Münzm. in Straubing 101. 

Pfeffinger, Medaille italienischen Ur- 
sprungs 315. Münzsammlung 311. 

Pfeilspitze: Myrina 282. 

Pferd stehend ohne Zügel: Kyme 279. 

— schreitend: Makedonen 181. 

— laufend: Makedonen 180. — 
Yordertheil: Hyrcodes 219. Kyme 
277. 279. — Büste: Pontos. Panti- 
kapaion. Sinder. Tyra 255. 

Phalerae 249. 

Phanagoria 255. 

Pbaraakeia 256. 

Phamakes 267. 

Pheidon y. Argos 153. 

Philadelphia 276. 

Philipp II y. Mak. : attisches Gew. d. 

Goldm. 189. 
Philipp V y. Mak. 170 fg. Autonomie 

u. Münzrecht d. Makedonen 172 fg. 

Bergwerksemenerung 173. 



Philippns minor: Tomis 260. 

Philipp V. St. Pol 112. 

Philipp d. Gute v. Burgund 351. 

Philipp d. Kühne v. Flandern 112. 

Philipp d. Schöne 351. 115. 

Philipp II y. Spanien 354. 

Philipp August V. Frankreich 158. 

Philip: Northampton 39. 

Philippi: phönicisches Gewicht 189. 

<MA0A020C, Kyme 278. 

Philozenos: falsche M. 327. 

*A-nAVC-EPnc, Stratege, Kyrae 280. 

Phlius: Rad mit Nabe und Naben- 
kapsel (vermeintl. Druphalos) 65. 

Phocis 145. 

Phönicische Währung d. Botteaten u. 
d. Chalkidike 189. 

♦YAAKOZ, Kyme 278. 

Pieter, gouden 111. 

Pisistratiden 142 fg. Einführung zwei- 
seitig geprägter Münzen durch Pisi- 
stratos 153. vgl. Uippias. 

Pittakos: Mytilene 286. 

Polemon II u. Tryphaina 267. 

noAYAPXOC, Kyme 279. 

nOAYAH Eleia 281. 

Pommern 134 fg. 

Pompeii: Bleibarren, nicht Bleige- 
wichte 224. — Gewichtstücke 228 fg. 
— Gebrauch d. attischen Gewichtes 
229. 

Pompeiopolis 272. 

Pontus 254 fg. Städtisch -dynastische 
Kupferprägung nicht vor d. letzten 
Jahrzehnten d. 2. Jahrh. 256. 

Pontos Euxeinos mit gehörntem Kopf 
personificirt: Aroisos 259. 

Poseidon: Makedonen 174. — sitzend: 
Sinope 273. — Kopf: Makedonen 
179. 181. 

Potamon: Mytilene 287. 

Prandstetter, H., Münzverein in Brau- 
nau 100 fg. 

Probus: dementia 111. 

Promachos vgl. Athena. 

Providentia 205. 

Ptolem&ische Mine 230. 

C.Publilius qüaestor: Makedonen 177. 
185. 191. 

C. Publilius praetor: Amphazitis 148. 

C. P. Ruso: Sebaste Herakleia 265. 

Phytikos identisch mit dem Fluss 
TitnaioB 277. 

Pythodoris 265. 

nvGONiKOC, Kyme 277. 



368 



Register. 



Quadratum incusum Athen 149 fg. 
Swastica incusum: Eorinth 144. 
mit Delphinen: Delphi 62. mit 
Pegasus: Derronen 2i)4. 



R. 

Rad: Chalkis 151. Euböa 65. Phlius65. 
Banders: Haid 2. 
Randul: St. Edmundsb. 38. 
Hathenau, Groschen 17. 
Rawal Pindi, Fälschungen griechisch- 
indischer Münzen 327. 
rSal d^argent: Philipp d. Schöne 352. 
Recklinghausen 33 fg. 40. 
Regensburg: Herzog Heinrich II u. 

IV König Heinrich II 124. 
Reichenstein 116. 
Reiter: Botteaten 191. Philipp V v. 

Mak. 172. 
Renaud: London 9. 39. 
restitutori Italiae: Hadrian 214. 
Rheinberg: Tumosen u. Weissgr. 14. 

15. 
Rhinoceros: Domitian 241. 
Ricard: Lincoln 38. London 39. 
Riesa: Ankerwappen 21. 
Rieser: öttinger Pfcnn. 93. 
Rind, weidend: Botteaten. Pella 190. 
Ripen 47. 

Robert: Canterbury 38. 
Rochester 125. 
P0IK02, Kyme 278. 
Rolduc 111. 
Roma sitzend mit der Nike: Sebasteia 

264. — dem Kaiser die Weltkugel 

reichend 211. 
Rose: Pontus. Phanagoria 255. 
Rosette: Aigai 275. Kyme 275. 277. 
Rostock, Herrsch. 129. Stadt 42 fg. 

131 fg. 
Rudolph, Chr., Münzm. in Straubing 

101. 
Ruprecht, Erzbisch, v. Köln 14. 
Ruprecht HI, Pfalzgraf 79. 
Bntz, 6., Münzm. in Lauf 83. 

8. 

Sabina: Kyme 279. 

Sachsenspiegel 158 fg. 

Säule, Attribut d. Pallas 204 fg. 

Sah-Dynastie 220. 

Salentin III y. Sayn: Witten 1. 



Salus 203. 205. 

Samaniden 126. 

Samarkand 126. 

Samothrake: Widder 63. 

S. Edmnndsbnry 38. 

S. Goar 306. 

S. Andreas: Maria v. Burgund 351. 

S. Johannes d. Täufer: Breslau 113 fg. 

S. Lambertus: Oldenburg 12. 

S. Mauricius: Genf 331. 

S. Paulus: Hoya 7. Lippe 37. Münster 
29. Oldenburg 12. 

S. Petrus : Genf 33 1 . ttonischer Denar 
124. 

S. Reigneus 14. 

S. Sebastian: Maria v. Burgund 367. 

S. Servatius: Maestricht 111. 

S. Swenoier 8. 

8appho: Mytilene 286. 

Sarapis, ßrustbild : Julian 247. Kopf: 
Tomis 260. 

V. Saurma-Jeltsch. Nekrolog 356. 

Schärdinger, St., Münzm. in Lands- 
hut 95. 

Schale: Delphi 67 fg. Thrak. Cher- 
sones 69. römische M. 69. Siphnier- 
schatzhaus in Delphi 69. patera 
umbelicata 68. (fialtj 6/nffal6y ovx 
t^ovaa 68. 

Schiffshintertheil: Botteaten 188. Ma- 
kedonen 176. 180. 

SchiffsYordertheil: Sinope 273. 

Schild, makedonischer 169 fg. Derro- 
nen 289. Claudia 176. 

Schilling 341. 

Schinderling: Landshut 96. Straubing 
101. 103. 

Schlesischer Grosspfennig (Halbgro- 
schen, Denar) 52 fg. slesie=» Nie- 
derschlesien (?) 58. 

Schreck, K., Münzm. Berlin 388. 

Schnerkens 111. 

Schwabach 308. 

Schweden 340 fg. 

Schweidnitz. Siegel mit Greif bis 
1400 54. Siegel mit Schwein 54. 
Eberkopf heller 54. Grosspfenn. m. 
Eberkopf 52 fg. 

Schwert: Laodikeia 263. 

Schwerte 10. 

Sebaste Kilikiae 264. 

Sebaste Paphlagoniae (M. ohne Daten) 
264. 

Sebaste Phrygiae (M. ohne Aera) 264. 

Sebaste Samariae 264. 

Sebaste-Kabeira 264. 



RegiBier, 



369 



Sebastener Galatiens (haben nach Ca- 
racalla nicht mehr geprägt) 264. 

Sebasteia am Halys 264. 

Sebastopolis Herakleopolis 265. 

Securitas 205. 

Seiinas 68. 

Semowit y. Benthen 56. 58. 

Septimius Severus: Komana 262. M. 
gef. in Baden 830. 

Seqnani, M. gef. in Baden 329. 

Serrati, gegen 250 n. Chr. aufge- 
kommen , Karthago , Makedonen, 
Rom, Selenkiden 174. 175. 179. 

Seyeras Alezander, Grbr. 246. Tem- 
nos 283. Trapozunt 266. 

Sewine 125. 

CeiTOC HPßC Mytilene 268 fg. 

CeiTOC NeOC map Mjtilene 286. 

Sibylla, Brustb.: Kyme 279. 

Sichelstern im makedonischen Schild: 
Phib'pp y y. Mak. Botteaten 172. 
176. 180. 188. 191. 

Side, SUter 68. 

Siegfried y. Westerburg, Erzbisch. y. 
Köln 33 fg. 70. 

Sigmund I y. Bayern 101. 

Sigtona 340 fg. 

Sihtrik III y. Irland 125. 

Silen, Kopf: Makedonien, röm. Proy. 
176. 

Simon I y. Lippe 9. 37. 

Simplex denarius n. grossus 352. 

Sinha-Könige 220. 

Sinope (Heroine) Kopf 272. 

Sinope (Stadt) 272. 

CKon» rontus 254. 

CMAPArAOY, Temnos 283. 

Smyma, Stempel y. Sm. in Kyme be- 
nutzt 280. 

Solon 142 fg. Handelspolitik 146. 
Falschmünzergesetz 147. Münz- 
reform (Uebergang von der aegi- 
netischen zur euboeischen M^ Eh- 
rung) 149. Münzen mit der Eule 
u. dem quadr. ine. 149. Electron- 
eulen 153. 

Soathwark 24. 

Spagnoli, Med. d. Cayalli 317. 

Spalatin, Erbe der Pfeffingerschen 
Kupfermünzen 312. 

xnEPXAE, Kyme 279. 

Spes 213. spes fortuna 207; spes rei 
publicae: Theodosius I. 248. 

StadtgOttin auf Pontos tretend : To- 
mis 260. 



Stadtnaroen im Genitiy 272. 

Stal Johannas II y. Brabant 111. 

Stanford 125. 

zTAzmnoz, Kyme 279. 

Stater = 2 Minen schweren attisch. 

Gew. 228. = 2 Drachmen leichten 

att. Gew. 227. 
Steinmacher, W.» Mnnzm. in Neu- 

markt 78. 
Sten Sture I 346. 
Sten Sture II 347. 
CTE<»A, Pontus 254. 
Stephan II y. Bayern- Landshut 72. 

73. 
Stephan III y. Bayern 73. 86. 
Stephan I y. Ungarn 26. 
Stern: Phanagoria 255. Pontus 234. 

Bez.: Philipp V y. Maked. 181. 

Gegenst.: Kyme 278. Pontus 255. 

im mak. Schild 181. 
Steuerruder 207. 
Stiergespann: Derronen 289. 
Stierkopf: Larissa 282. 
Stralsund 46. 138 fg. 
Strassburg, Münzpriy. Otto's II 157. 

Friedrich IL 166 fg. 
Strato, Fälschung 327. 
Stronczynski, Nekrolog 355. 
Strymon 154. Kopf: Amphipolis 184. 

Makedonen 180. 
Sulzbach 73 fg. 82. 
Sura 178. 

Suthe, Stadt in Engl. 24. 
Swante Sture 347. 

Swantibor UI y. Poromern- Stettin 134. 
Swastica incusum: Korinth 144. 
Syracus 145. 150. 

T. 

Tacitns: dementia 211. 

Tarsos: Electronmünzen 151. 

Taschner, Ludw., Münzm. in Lands- 
hut 93. 

Temnos 283. 

Tempel mit einem Bilde der Ma: 
Komana 262. 

Tenedos 274. 

Tenes 274. 

Terme 292. 

Terone, pbönicisches Gewicht 189. 

Tna(fTiif40Qt«. Viertel Stater schweren 
Gewichtes 228. 

Teterow 133. 

Thalassa : Kory kos 26 1 . Perinthos 261. 
— Ge u. TbaUssa: Laodikeia 260. 



370 



Register. 



BEI Thessalonike 181. 185. 
eEOAAiTHZ: Kyme 279. 
Theodosius I, Kleinbronze 248. 
Tbeophanes: Mjtilene 286. 
Theopbilus, Michael u. ConstantinYIII 
124. 

GEOC CEBACTOC 257 fg. 

Thessalonike 181. 183. 185. 
eEYAnPOZ: Kyme 278- 
Thiel: Heinrieb II 123. 
Thjrsosstab: Laodikeia 263. 
Tiberius, M. gef. in Baden 329. M. 

V. Philadelphia Lydiae 264. 
Tirlemont 110. 
Tisna 284. 

Tisnaios, Flussgott, Kopf: Tisna 284. 
Titnaios, Flnssgott: Aigai 276. 
Titus, Mittelbr. 241. M. gef. in Baden 

329. — Titusu.Domitian: Aigai 296. 
Tmolos 151. 
Tourelles 111. 

Tragilos, phöniciscbes Gewicht 189. 
Traianus, Denar 241 . M. gef. in Baden 

329. M. V. (Aigai 275) Sebaste 

Herakleia 265. 
Trapezont 266. 
Trebonianns Gallus: Äbonuteicbos 

269. 
Treptow 134. 

Trier, Erzb. Heinrich II 123. 
Trikka 68. 

Triquetrum: Derronen 290. 293. 
TgiififjioQia, Drittel Stater schweren 

Gewichts 228. 
Troas 274 fg. 
Tropaenm: M. Aurel 246. 
Tübingen, Grafen v. 165. 
Tumosen, vielleicht den Grafen v. 

Katzenelnbogen 306 fg. 
Tnrzo, Bergwerk 117 fg. 
Tyche: Amisos 258 fg. Haimilion 271. 

Trapeznnt 266. 
Tylisos, Ziege (apollinisch) 64. 



ü. 

Überpr&gnng pontiscber M. 255. der 
Serrati durch Pbilipp V v. Make- 
donien 175. 

Ulf Fase 343. 

Ulrich V. Ottingen, Nachprftgung d. 
bair. Schwarzpf. 98. 

Uranopolis 171. 189. 

Ursinas Velins, Unterhändler d. Bisch. 
Johann Y v. Breslau 114. 



V. 

Valenciennes 28 fg. 

Valerianus: Sebasteia 264. 

Venus victrix: Julia 119. 

Verfrühte Prägungen 117. 

Verona: Otto III 125. 

Vespasian 126. M. gef. in Baden 329. 
M. y. Aigai 275. Amisos 257. 

Vesta 212. 

Vettii, gallische Völkerschaft in Make- 
donien 186 fg. 

Victoria mit Kranz 11. auf d. Hand 
d. Venus: Julia 119. 

Vienne 831. 

Vilvorden 110. 

Vinkenaugen 336. 

Virtus 211. 

Vitellius: dementia 213. 

Vota publica: Helena 248. Julian 247. 

Votis vicennalibus: Severus Alexander 
246. 

W. 

Waldemar, R. v. Schweden 343. 
Walter: London 39. 
Wappenmünzen, attisch-euböisch 142. 

148. 
Washmegir 126. 

Wassenberg, Tournos u. Sterling 2. 
Wasserburg 98. 

Weingärtner, J., Nekrolog 356. 
Weisssieden der serrati 175. 
Wendenpfennige 124. 
Wenzel, König. Prager Gr. 52. 140. 

Münzordnung 84. 
Wenzel v. Luxemburg 111. 
Werle 130. 

Werlhof, A. t., Nekrolog 195. 
Wesel b. Antwerpen 351. 
Wewelinghöfer 5. 
Widder: Amastris 270. d. Aphrodite 

heilig : Kypros 63. d. Hermes heilig : 

Phenea 63. Widderkopfe : Delphi 62. 
Wigbold, Erzb. y. Köln 3. 
Wildeshausen 14. 

Wilhelm I v. Bayem-Straubing 72. 
Wilhelm, Burggraf y. Hammerstein 5. 
Wilhelm v. Berg u. Rayensberg 12 fg. 
Wilhelm U y. Berg, Toumose 2. 
Willem: Canterbury 38. London 9. 39. 
Willigis, Erzbisch, y. Mainz 123. 
Winchester 40. 125. 
Wismar 41 {g. 133. 
Witte, A. de, Histoire monetaire 

des comtes de Louyain ducs 



Register. 



3n 



deBrabant, angez. v. H. Dannen- 

berg 107. 350. 
VVittekind v. Schwalenberg 13. 
Wittenpf. 106. 
Wittenberg 17. 
Wolf, halb, aafspriDgeod: Wappen 

Pfeffingers 314. 
Worms: Otto m 123. 
Württemberg 165. 
Würzburg 22 fg. 123. 
Wunderlich, £., Nekrolog 194. 



York 40. 125. 



Y. 



Z. 



Zebustier: Phamakeia 256. 
Zela 266 fg. 



Zerbst, Halbgroschen 18. 

Zevenbergen 357. 

Z€*YPIC: Abunotcicbo!« 269. 

Zeus, Kopf: Makedonen ISl. Bottea- 

ten 191. Pella 191. Philipp V v. 

Mak. 172. — Nikephoros: Amisos 

258. — Sarapis: Amisos (irrth. 

Ann.) 259. Tomis 260. 
Ziege, Opferthier versch. Gotth. 63. 
Ziegenbock: Aigai 275. Amphaxitis 

184. Makedonen 179. Thessalo- 

nike 185; 
Ziegenböcke: Botteaten 190. Pella 

190. Philipp V V. Mak. 172. 
Zijariden 126. 
Zuckmantel, Goldbergwerk 117. 



Druck TOD W. Pormetter in Berlin. 



SITZUNGSBERICHTE 



DER 



NUMISMATISCHEN GESELLSCHAFT 



ZU 



BERLIN. 



1896. 



Sitznng YOm 7. Jannar 1895. 

Herr Regienmgsrath Friedensburg besprach einen im 
vergangenen September in Russisch-Polen gemachten Fond ans 
dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts, der hauptsächlich aus 
böhmischen Groschen und polnischen Münzen verschiedener Art 
bestand, aber auch zwei der seltensten schlesischen Heller in je 
einem Exemplar enthielt. Der erste dieser Heller ist der zuerst 
vom Vortragenden bekannt gemachte Ratiborer mit dem kleinen 
gothischen a und dem Adler, dessen Umschriften durch das vor- 
liegende Exemplar wesentlich ergänzt werden, so dass jetzt 
RXTVBO sicher ist, während für die Adlerseite SQOIiaTR mit 
grosser Sicherheit angenommen werden kann. Das zweite Stück 
ist der bisher nur in einem Exemplar vorhandene Heller Herzog 
Przemislaws von Troppau, dessen Umschriften hier zu beider- 
seits fflOHaTÄ DVOIS (paviae) vervollständigt werden. So- 
dann legte der Vortragende eine jüngst von ihm erworbene, aus 
altem französischen Besitz stammende Goldmedaille des Breslauer 
Abtes zu St. Vinzent, Johann (IX.) Queschwitz (1586 bis 1596) 
vor. Das Stück ist gegossen, von schönem, kräftigem Stil und 
wiegt fünf Dukaten. Bei Kundmann (Silesii in nummis No. 26) 
ist dieselbe Medaille, jedoch sehr schlecht, abgebildet und das 
(Gewicht auf acht Dukaten angegeben. Da die Arbeit an keinen 
der sonst bekannten Künstler dieser Zeit erinnert, so liegt die 
Annahme nahe, dass wir es mit dem Werke eines Breslaner 
Goldschmieds zu thun haben, von dem, nach der Behandlung 
insbesondere des Haupthaares zu schliessen, vielleicht auch die 
Medaille auf den Breslauer Patrizier Andreas Pucher von der 
Puchen (Eundmann No. 37) herrührt, die sich in einem bleiernen 



- 4 — 

Exemplar im städtischen Cabinet zu Breslau befindet. Die schle- 
sischen Renaissance - Medaillen gehören fast durchweg zu den 
grössten numismatischen Seltenheiten: es scheint, als ob in den 
Eriegsnöthen, unter welchen dieses Land im 17., 18. und 
19. Jahrhundert gelitten, die meisten dieser reizenden Denk- 
mäler der Kleinkunst in den Schmelztiegel gewandert sind. 

Herr Hauptmann Brause sprach über das MUnzwesen der 
Familie Fugger unter Vorzeigung eines von ihr im Jahre 1623 ge- 
prägten Thalers. Alsdann legte er einen jener Thaler vor, welche 
der Münzpächter Ephraim unter Friedrich II. während der preussi- 
schen Besetzung Sachsens in den Münzstätten Leipzig und 
Dresden mit den sächsischen Stempeln, aber unter Beifügung 
des königlichen Monogramms geprägt hat, und zwar, wie bekannt, 
aus geringhaltigem Silber, so dass der Volkswitz reimte : „Aussen 
gut und innen schlimm, aussen Friedrich, innen Ephraim.'^ Li 
der sich anschliessenden Besprechung wurde der Wunsch laut, 
es möge bald einmal eine auf die Akten sich stützende Dar- 
stellung dieser in vielen Beziehungen interessanten Episode der 
preussischen Münzgeschichte veröffentlicht werden. 

Herr Landgerichtsrath Dannenberg besprach unter Vor- 
legung der Tafeln zu einem ^in Vorbereitung befindlichen, der 
Zeitschrift für Numismatik zugedachten Aufsatz fünfzig bisher 
noch nicht veröffentlichte Mittelaltermünzen, welche mit seiner 
Sammlung in den Besitz des königlichen Cabinets übergegangen 
sind. Meistens entstammen diese Stücke deutschen Prägestätten, * 
unter denen fünf hier zum ersten Male genannt werden, nämlich 
Orsoy und Schwerte in der Grafschaft Mark, Bösingfelde im 
heutigen Lippe-Detmold und Acken und Zerbst in Anhalt. Wich- 
tige Bereicherungen erhalten namentlich die westfälischen Reihen 
in einem zu Brilon geprägten Denar Wigbolds von Köln, zwei 
Pfennigen von Marsberg, femer solchen der Grafen von Arns- 
berg und Hoya und der Edelherren von Diepholz und endlich 
einer Reihe von lippischen Münzen, meist nach dem Muster der 
gleichzeitigen Engländer geprägt. Unter den übrigen deutschen 
Geprägen ist von besonderem Interesse ein Constanzer, durch 
die Inschrift der Rückseite fär diese Münzstätte gesichert, aus 
dem Ende des 12. oder dem Anfange des 13. Jahrhunderts, ein 
Stück, das sich unter den Erzeugnissen derselben Zeit und 



— 5 — 

Gegend völlig fremd ausnimmt und zunächst noch in vieler Be- 
ziehung ein Räthsel bleibt. Von den nichtdeutschen Münzen sind 
am bemerkenswerthesten eine virahrscheinlich sttditalische Eui^er- 
münze mit der noch unerklärten Aufschrift MENSE OCTVBR 
und eine kleine maurische Goldmünze der bekannten Axt mit ent- 
stelltem Kreuz und lateinischen Aufschriften, die die Datirung 
nicht wie sonst meistens nach der Indiktion, sondern nach Jahren 
der Hedschra giebt. 

Sitznng vom 4. Februar 1895. 

Der Vorsitzende, Herr Regierungsrath Friedensburg, 
widmete dem jüngst verstorbenen ehemaligen Mitgliede der Ge- 
sellschaft, Herrn Regierungsrath von Brakenhausen, einen Nach- 
ruf, im Anschluss an den Herr Landgerichtsrath Dannenberg 
über die von dem Verstorbenen erfundenen und modellirten 
Gussmedaillen unter Vorlegung einer grösseren Anzahl von Be- 
legstücken sprach. Herr v. B. hat eine stattliche Reihe, gegen 
60 Stück, solcher Medaillen theils zur Verherrlichung Seiner 
Majestät des Kaisers, des Fürsten Bismarck und anderer Fürst- 
lichkeiten, namentlich aber zur Erinnerung an Personen seines 
Bekanntenkreises, z. B. des Vortragenden, des Generals von Win- 
terfeldt, des Obersten von der Mülbe u. a., angefertigt, von denen 
nicht wenige künstlerische Auffassung und vornehmen Geschmack 
verrathen. 

Herr von der Heyden besprach die ältesten sächsischen 
Thaler („Güldengroschen''), welche von Friedrich UI., dem Weisen, 
in Gemeinschaft mit seinem Oheim Albert, später mit seinem 
Bruder Johann und seinem Vetter Georg geprägt worden sind 
sowie die Münzen und Medaillen desselben Fürsten auf seine 
Würde als Reichsverweser unter Vorlegung einer ansehnlichen 
Reihe dieser jetzt wieder gebührend geschätzten Gepräge. 

Herr Regierungsrath von Kühlewein zeigte einen überaus 
seltenen, nur von v. Schulthefs in einer Anmerkung erwähnten 
Doppelthaler des Grossen Kurfürsten von 1648 mit dem Brust- 
bild im Kuromat und dem behelmten Wappen, daneben die 
Buchstaben C T. 

Herr Stadtbaurath Bratring setzte seine Vorträge über 



- 6 — 

die pommerschen Münzen durch Besprechung der kleinen Sorten 
Herzog Bogislaus XIV. fort. Es sind dies ausser einem höchst 
seltenen halben Reichsort mit dem Brustbilde namentlich Ifibische 
und sundische Doppelschillinge, erstere als %^ Thaler bezeichnet, 
letztere von dem bekannten Gepräge mit verschlungenem D S, 
ferner Groschen (Dreipölker) , ein Dreier von 1622, Sechslinge 
und ein halber Groschen. Ausser diesen Münzen zeigte der 
Vortragende auch noch ein Medaillon von Höhn auf den 1660 
erfolgten Tod der Schwester dieses Herzogs, Anna von Croy (s. 
den Vortrag in der Sitzung vom 8. Januar 1894) mit einer Art 
heraldischer Allegorie und Schrift. 

Herr Gontre-Admiral Strauch zeigte die von der Bepublik 
San Marino auf Grund eines Vertrages mit dem Königreich 
Italien geprägten, aber gänzlich aus dem Verkehr verschwun* 
denen Kupfermünzen zu 5 und 10 Gentesimi, erstere von 1864 
und 1869, letztere von 1879. Dann besprach er die Münzen 
des Königreichs Hawaii, bestehend aus einer sehr selten ge- 
wordenen Kupfermünze („hapa haneri^^) mit dem Bilde Kameha- 
meha III. von 1847 und den Geprägen Kalakauas I. zu 1, % 
^X Dollar und 1 Dime, sämmtlich vom Jahre 1883. Andere 
Stücke, die in den Verzeichnissen der Händler vorkommen, z. B. 
ein Fünf centstück von 1881 und Zehndollarstücke der Königin 
Liliuokalani, scheinen Erzeugnisse einer auf den Sammeleifer 
spekulirenden privaten Industrie zu sein und sind in Honolulu 
selbst durchaus unbekannt. Endlich legte Herr Strauch noch 
die Münzen der argentinischen Republik, bestehend in Stücken 
zu 1 Peso, 50, 25, 10 und 5 Centavos in Silber und zu 2 und 
1 Centavo von Bronze, vor, welche neben ihren Nachbarn inso- 
fern eine Merkwürdigkeit bilden^ als sie seit 1881 dasselbe Ge- 
präge zeigen, während die südamerikanischen Staaten sonst mit 
dem Gepräge der Münzen fast ebenso schnell wechseln wie mit 
den Briefmarken. 

Herr Regierungsrath Friedensburg setzte seine Mitthei- 
lungen über schlesische Renaissancemedaillen unter Vorzeigung 
zweier von Breslauer Bischöfen herrührender Schaustücke fort. 
Das erste zeigt dep Bischof Martin Gerstmann, einen geborenen 
Schlesier, der den Breslauer Bischofssitz von 1574 bis 1585 
inne hatte, und ist von dem Nürnberger Valentin Maler geprägt. 



— 7 — 

während das zweite auf Andreas Jerin, den Nachfolger Martin 
Oerstmanns bezflgliche, gegossen ist und die Namensbnchstaben 
eines noch nnermittelten — wohl schwäbischen — Künstlers 
H W trägt. Die Medaille des Martin Gerstmann ist auch des- 
wegen interessant, weil sie offenbar das Vorbild für das von 
Dewerdeck erwähnte grosse Goldstück dieses Bischofs ist, das 
sich im städtischen Mfinzkabiiiet zu Breslau befindet und keinen 
Künstlernamen zeigt 

Herr Landgerichtsrath Dannenberg besprach onter Vor- 
legung der Tafeln zu einem demnächst im Archiv für Brakteaten- 
kunde erscheinenden Aufsatz eine grössere Anzahl bisher noch 
nicht veröffentlichter Brakteaten, die mit seiner Sammlung in 
das königliche Münzkabinet gelangt sind. Es befinden sich 
darunter Oberaus interessante und wichtige Stücke: ein ver- 
muthlich in Erfurt geprägter Babarossa mit FRIDERIOUS 
CESAB, ein auch urkundlich noch nicht nachgewiesener Dynast 
Eginhard von Kamburg (etwa 1175), ein in der Numismatik bis- 
her nicht vertretener Bischof Rudolf von Merseburg (1240 bis 
1243), ein Graf Heinrich von Schwarzburg, femer Brakteaten 
der Edelberren von Zerbst, von Hallermund u. a. m. 

Herr Hauptmann Brause legte eine grössere Anzahl von 
sogenannten Schiessklippen vor, grösstentheils von den sächsischen 
Kurfürsten herrührend, darunter auch die sehr seltene sechs- 
eckige Klippe von 1719, geprägt zum Hanptschlessen der 
Schneppergesellschaft, und das nicht minder seltene 1724 bei 
Gelegenheit des Büchsenschiessens zu Bayreuth ausgegebene 
Stück, unter Hinzufügung der erforderlichen geschichtlichen 
Mittheilungen. In der Besprechung des Vortrages wurde darauf 
hingewiesen, dafs die heute verbreitete Klage über den durch 
die Schützen- und ähnliche Feste veranlassten unnützen Aufwand 
auch für die vergangenen Zeiten durchaus zutreffe. Fürsten 
und Städte wetteiferten seit dem 16. Jahrhundert in der glän- 
zenden Ausstattung solcher Feste, bei denen in der Regel auch 
ein besonders für diese Gelegenheit geprägtes „Kleinot'* nicht 
fehlen durfte, und steckten sich damit oft in drückende Schul- 
den. Von besonderer Pracht waren natürlich die Feste, welche 
die hohen Herren unter sich veranstalteten, z. B. ein Schiessen 
zu Dresden im Jahre 1630, bei welchem unter den 44 Schützen 



— 8 — 

sich 19 Fürstlichkeiten befanden. Nicht ohne Interesse ist es, 
wie der bekannte Mnnzschriftsteller Tentzel den bei diesen Ge- 
legenheiten getriebenen Aufwand gleichsam zu entschuldigen 
sucht : je schwerer die Regiernngslasten hoher Regenten, schreibt 
er, je grösser scheint die Billigkeit, dass sich selbige durch fürst- 
liche Vergnügungen und vergönnte Lustbarkeiten zuweilen refrai- 
chiren. So verdienen denn auch diese, von den Sammlern nicht 
eben hoch geschätzten Stücke unter dem kulturgeschichtlichen 
Oesichtspunkt unsere Beachtung. 

Sitzung vom 4. Harz 1895. 

Herr Landgerichtsrath Dannenberg zeigte einige Denare 
des 11. Jahrhunderts vor, namentlich von Rhynsburg (bei Ley- 
den), einen von den bisher bekannten abweichenden und von 
Kaiser Heinrich HI. einen in Celles geschlagenen, merkwürdig 
als die einzige Kaisermünze, welche das Kaiserliclie Urkunden- 
monogramm trägt, und zwar in solcher Vollständigkeit, dass 
selbst der Vollziebungsstrich nicht fehlt. — Des ferneren erging 
er sich über die im 16. und 17. Jahrhundert verbreitete Sitte, 
politische und religiöse Streitigkeiten auf den Münzen zu be- 
handeln, wofür die auf das keine von beiden Religionsparteien 
befriedigende Interregnum von 1548 geschlagenen Thaler mit 
PACKE . DI . SATAN • DV • INTERIM, die Thaler des Fräuleins 
Maria von Jever, diejenigen Herzogs Christian von Braunschweig 
mit GOTTES FREVNDT DER PFAFFEN FEINDT, die Reihe 
der von August von Braunschweig auf die endliche Befreiung Wol- 
fenbüttels von fremder Besetzung 1643 geprägten sogenannten 
Glocken thaler, und so viele von Heinrich Julius von Braun- 
schweig : der sogenannte Rebellenthaler, der Lügenthaler, Wahr- 
heitsthaler u. s. w., als Beispiele angeführt sein mögen. Aus- 
gehend von diesen Thatsachen ist es dann nicht schwer, die Er- 
klärung eines kürzlich zum Vorschein gekommenen Bleistückes 
zu finden, das ziemlich genau den über einem gothischen Bogen 
sitzenden Löwen der Lions d*or von Philipp dem Guten, Herzoge 
von Brabant (1419—1467), nachahmt, jedoch umgeben von der 
Umschrift: IE . SVI . VNE . BIETE . CRVELE. Der Löwe ist 
das Wappenthier des Herzogthums Brabant und personifizirt in 



— a -- 

der damals gebräuchlichen Weise den Herzog. Obgleich nun 
die Geschichte ihn durch den Beinamen des Guten ausgezeichnet 
hat, so ist doch der Vorwurf, den ihm die Mfinzaufschrift macht : 
Je suis une bSte cruelle'' ein nur zu wohlverdienter, denn im 
Jahre 1466 zog Philipp vor Dinant, dessen Bürger seinen Sohn, 
den Grafen von Gharolais, beleidigt hatten, und nachdem er die 
Stadt am 30. August erstürmt hatte, gab er sie der Plünderung 
durch vier Tage Preis, Hess 800 Gefangene ertränken und ver- 
trieb die Einwohner; kein Wunder, wenn einer der letzteren 
dann für dieses zum Himmel schreiende Unrecht des „guten 
Herzogs^^ seine kleine Rache in der geschilderten Weise ge- 
nommen hat 

Herr v. d. Hey den legte einen halben Portugalöser Kaiser 
Ferdinands HI. vor, im Jahre 1639 für Schlesien geschlagen. 
Er ist von einem unbekannten Münzmeister, der sich seiner Ini- 
tialen M-I und eines Schwans auf den schlesischen Münzen von 
1637 bis 1651 bediente, geprägt worden. Das Goldstück, das 
sich durch tadellose Erhaltung auszeichnet, ist ein Abschlag von 
dem Halbthalerstempel des genannten Jahres und gilt bisher als 
unbekannt. 

Über eine seltene Münze der Didia Clara, Tochter des M. 
Didius Julianus (28. 3. bis 1. 6. 193), berichtete der als Gast 
anwesende Herr Landtagsabgeordnete van Vleuten. Die 
Münze, eine Grossbronze von hervorragender Schönheit, mit 
dem Brustbilde der Didia Clara, ist jüngst mit anderen Münzen 
und Alterthümern römischen Ursprungs in Köln gefunden worden. 
Der Vortragende sprach dabei ausführlich über die historischen 
Ereignisse zur Zeit des Commodus, Pertinax und der beiden Vor- 
genannten. 

Herr Contre-Admiral Strauch zeigte einen Viertelpeso der 
Provincia del Rio de la Plata aus dem Jahre 1824, der eine 
merkwürdige, wohl durch Doppelschlag hervorgerufene Ver- 
prägung trägt. 

Herr Dr. Bahrfei dt verbreitete sich über die Ausmünzung 
der märkischen Vierchen im 1 5. Jahrhundert. Sie sind ursprüng- 
lich in Pommern zu Hause und tauchen dort gegen 1425 auf. 
Ein Vierchen, Quadrinus, galt 4 Vinkenaugen, daher der Name. 
In der Uckermark wurden sie vor 1447 auf Friedrichs II. Be- 



— 10 - 

fehl durch den Münzmeister Hennig Huselitze zu Prenzlau ge- 
prägt. Sie waren lediglich für den Verkehr mit Pommern be- 
stimmt, dessen Gepräge als Muster vorgeschrieben wurden. Das 
Gleiche gilt für die neumärkischen Yierchen, die Friedrich II. 
dem Münzmeister Michael Hemelporte 1468 in Königsberg zu 
schlagen aufgiebt. Andere Münzschmieden für märkische Vier- 
chen sind nicht bekannt. Man hat fünf verschiedene Typen. 
Der eine Typus ist durch die Aufschrift PREMSLOY für diese 
Stadt bestimmt, drei andere schliessen sich in Schrot und Korn, 
auch durch die Funde und durch den Prenzlauischen Helm, den 
sie tragen, jenem ersten Typns bisher unbestritten an. Sie sind 
i. D. zu 531 Stück aus der 3V2 löthigen Mark ausgebracht, also 
leichter und geringhaltiger als die pommerschen, von denen 508 
auf die 4'^löthige Mark gehen. Anch die Königsbergischen müssen 
schlechter als die pommerschen und prenzlauischen gewesen 
sein, da sie zu 600 ans der 3^1öthigen Mark angeordnet waren. 
Die königsbergischen sind bisher noch nicht nachgewiesen. Der 
Vortragende nimmt indessen als solche eine gewisse Sorte Vier- 
chen seiner Sammlung in Anspruch, die zwar seit 1869 schon 
bekannt, aber noch unbestimmt geblieben ist. Es sind das die- 
jenigen Stücke, die auf der einen Seite den pommerschen Grei- 
fen, auf der anderen Seite einen verzerrt dargestellten, einem 
Greifenkopf ähnlichen Adlerkopf führen. Der Adlerkopf deutet 
auf die Mark, aber es fällt in die Augen, dafs er ganz mit Ab- 
sicht einem Greifenkopfe ähnlich gestaltet ist. Die damit jeden- 
falls erreichte Absicht war, diesen Yierchen einen leichteren 
Eingang in Pommern zu verschaffen — das Publikum sollte sie 
für Pommersche halten. Da sie schlechter waren als die letz* 
teren, so ward diese Täuschung nothwendig, damit ihre Annahme 
in Pommern nicht verweigert würde. Zum näheren Nachweise 
des königsbergischen Ursprunges dieser Vierchen tritt ihr Schrot 
und Korn hinzu, die nach den heutigen Untersuchungen mit den 
Anordnungen von 1468 fast genau übereinstimmen. Endlich ist 
auch noch die Aufschrift der Münzen zu berücksichtigen. Sie 
lauten meist F.D.G.I.E...K. und lässt sich auflösen Fri- 
dericus Dei Gratia Imperii Elector . . ., während das K bei einigen 
auf Königsberg bezogen werden kann. Die Aufschrift kommt 
ebenso — ausgeschrieben — auf den Groschen Friedrichs II. 



— 11 — 

vor. Damit dürften für diese Yierchen der ihnen gebührende 
Platz in Königsberg gefunden sein. — Derselbe Vortragende 
wies schliesslich zwei seltene Brakteaten Conrads des Grofsen 
von Meissen vor, 1130—1156, den einen bekannten mit dem 
Krückenkreuze und der Umschrift * CONRADVSoM, den anderen 
mit stehendem Markgrafen, Schwert, Fahne und Schild haltend 
und mit der Umschrift * MARHIO GONRADVS. Der kostbare 
unedirte Bracteat ist gewissermassen als Urstück des sehr ähn- 
lichen mit der immer noch nicht erklärten Umschrift MONETA 
MARCIONIVEIM anzusehen, der damit nun auch als ein Con- 
rad von Meissen gesichert ist und nicht in die Lausitz gehört. 

Sitznng vom 8. April 1895. 

Die Sitzung wurde durch den Vorsitzenden, Herrn Regie- 
rungsrath Friedensburg, mit einem Nachruf auf das am 
8. April im Alter von 93 Jahren verstorbene Ehrenmitglied der 
Gesellschaft, Dr. Hermann Grote zu Hannover, eröffnet Der 
Verstorbene, der Nestor der deutschen Numismatiker, war ein 
überaus fleissiger und sehr vielseitiger Gelehrter: er hat nicht 
nur auf dem Gebiete der eigentlichen Numismatik, sondern auch 
auf dem der Genealogie und Heraldik wie der Münzgeschichte 
und Geldlehre wichtige und werthvolle Arbeiten geliefert, welche 
grösstentheüs in seinen „Münzstudien'' veröffentlicht wurden, 
deren siebenter Band auch seine Selbstbiographie enthält. Die 
Erschienenen ehrten sein Andenken durch Erheben von den 
Sitzen. 

Herr Münzwardein-Assistent Brinkmann legte einen halben 
Dukaten des Markgrafen von Brandenburg und Herzogs von 
Jägerndorf Johann Georg von 1620 und einen Golddollar (Yen) 
von Japan vor, welcher von japanischen Münzern in Osakka sehr 
sauber geprägt worden ist, und theilte einiges über das neue 
Münzwesen Japans mit. 

Herr Baurath Fischer- Di eck zeigte einige seltene und 
schön erhaltene karolingische Denare seiner Sammlung von Karl 
dem Grossen (Mainz), Ludwig dem Deutschen, Karl dem Dicken 
und Papst Johann, Arnulf und Papst Stephan u. a. m. 

Herr von der Heyden legte eine grosse Seltenheit, einen 



- 12 — 

doppelten sächsischen Klappmützenthaler , von Friedrich dem 
Weisen in Gemeinschaft mit Georg und Johann geprägt, vor 
und sprach dann über mehrere schöne Medaillen von Georg 
Wilhelm von Brandenburg mit dessen Brustbild und dem bran- 
denburgischen Wappen. Zwei dieser in der Sammlung des Vor- 
tragenden befindlichen Stücke, eines von 1616 in Qold, das an- 
dere ohne Jahreszahl und von Silber, in zierlicher Einfassung, 
zeigen den Fürsten als Kurprinzen, das dritte, ebenfalls von 
Silber, ist 1621 gefertigt; alle drei sind von sehr guter Arbeit. 
Endlich legte Herr von der Heyden noch eine bisher unbe- 
kannte Medaille Friedrichs III. von Brandenburg vor, die auf 
der Rückseite das Brandenburgische Wappen von Waflfen um- 
geben und die Aufschrift „Nee regibus impar^ trägt: sie ist 
offenbar kurz vor Annahme der Königswürde geprägt. 

Herr Dr. Nützel zeigte die Abdrücke von 19 im Besitz 
des königlichen Münzkabinets befindlichen Siegelstempeln aus 
dem 13., 14. und 15. Jahrhundert, meist rheinischen und west- 
fälischen Städten und Stiftern angehörig, und zum Theil von 
hervorragender Schönheit. Über diese Stempel soll später aus- 
führlich berichtet werden. 

Herr Regierungsrath Friedensburg hielt einen Vortrag 
über zwei sehr seltene schlesische Reitpfennige, welche sich auf 
Beamte des Münz- und Rechnungswesens beziehen. Solche 
Rechenpfennige kennt man u. a. aus Böhmen, Sachsen, dem 
Harz; von Schlesiern enthält das bekannte Tafelwerk des Frei- 
berrn von Saurma nui' zwei Stücke, auf den kaiserlichen Rath 
und Zahlmeister Wolf Egen und den Kammer-Buchhalter Ladis- 
laus Prock bezüglich. Das bekannte Werk von Neumann über 
die Kupfermünzen fügt diesen ein drittes Stück hinzu, welches 
auf der einen Seite Namen, Wappen und Devise des liegnitz- 
briegischen Rathes Johann Spaner (geb. 1599, gest. 1656) giebt, 
auf der anderen in gleicher Weise einen gewissen Jer(emias?) 
Rein verewigt; in letzterem hat man wohl einen mit dem Münz- 
wesen befassten Beamten zu sehen, der freilich urkundlich noch 
nicht nachgewiesen ist. Das Stück ermangelt der Jahreszahl, 
und es lässt sich einstweilen keine genauere Zeitbestimmung 
dafür aufstellen. Ganz neu ist endlich ein Reitpfennig, der auf 
der einen Seite das Wappen (Arm mit Streitkolben) und die 



— 13 — 

Namensbuchstaben des bekannten Jägerndorfer Münzmeisters 
Leonhard Emich trägt, dessen Zeichen von 1564 bis 1606 auf 
zahlreichen Geprägen, darunter auch Raitpfennigen, dieser Münz- 
stätten erscheint. Die Rückseite hat ausser der Jahreszahl 
MDLXXXXI ebenfalls ein Wappen und die Namensbuchstaben 
HI, die zur Zeit noch der Erklärung harren. Beide Stücke 
sind für das Münzkabinet der Stadt Breslau erworben worden. 
In der an diesen Vortrag sich anschliessenden Besprechung wur- 
den verschiedene Methoden des mechanischen Rechnens er- 
örtert. 

Herr Dr. Bahrfeldt bemerkte zu den Mittheilungen, die 
Herr Hauptmann Brause in der Januarsitzung der Gesellschaft, 
über die von Friedrich dem Grossen in Dresden geprägten 
Münzen gemacht, dass der bekannte Ephraim mit dieser Prä- 
gung nichts zu thun gehabt hat, 'die Münzen (Dukaten, Thaler, 
Groschen von 1756 und 1757) vielmehr vom preussischen Münz- 
meister Johann David Billert geprägt worden sind, dessen 
Namens -Initialen sie auch tragen. Die Akten über die Aus- 
münzungen Ephraims befinden sich im kgl. geheim. Staatsarchiv 
zu Berlin, wohin sie vor mehreren Jahren seitens der kgl. Münze 
abgegeben worden sind. 

Sitzung vom 6. Hai 1896. 

Herr Admiral Strauch legte wiederum eine Anzahl über- 
seeischer Münzen vor; zunächst die Reihe des indischen ya> 
sallenstaates Travancore, bestehend in 1 Gash und 7s Chuckram 
in Kupfer und 1 Chuckram und 4 Chuckram in Silber, femer 
diejenige der englischen Insel Guernesey — 1« 4, 8 Doubles, 
das Achtdoublestück = 1 Penny — , endlich die dänisch - west- 
indische zu 1 Gent, 5, 10, 20 Cents» eingeführt durch Ordre vom 
4. April 1849, während das Gepräge durch Ordre vom 23. Juli 
1859 festgesetzt ist. Letztere beide Reihen werden noch heute 
geprägt, während die von Travancore etwa aus den 1820 er 
Jahren stanunt. Ferner besprach der Vortragende die neueren 
aus der am 4. April 1871 eröffneten Münze zu Osakka hervor- 
gegangenen japanischen Gepräge unter Vorlegung der haupt- 
sächlichsten Stücke. Zuerst wurden nur Silbermflnzen zu 



— 14 — 

1 Dollar (= 100 Sen), 10 und 5 Sen geprägt, jetzt auch zu 50 
und 20 Sen in Silber, 5 Sen in Nickel, 2, 1, ^^ Sen und 1 Ria 
(= Vio Sen) in Kupfer, sowie ferner 20-, 10-, 5-, 2- und 1- 
DoUarstficke in Gold. Die sehr gefälligen Stücke zeigen die 
japanischen Staatsembleme, den Drachen, die Sonne, das Chry- 
santhemum u. s. w. Von den älteren Münzen sieht man im 
Lande zuweilen noch die elliptisch geformten, „Tempo^ genann- 
ten Stücke aus Bronze mit quadratischem Loch, die jedoch nicht 
mehr gangbar sind und schon vielfach für Sammler nachgemacht 
werden. 

Herr Dr. Nützel setzte seine in der vorigen Sitzung be- 
gonnenen Mittheilungen über Siegelstempel des königl. Mfinz- 
kabinets durch Vorlegung einer gi*ossen Anzahl Abdrücke fran- 
zösischer Stempel, z. Th. von sehr schöner Arbeit und mit überaus 
interessanten Darstellungen, fort. 

Herr Landtagsabgeordneter van Yleuten machte Mitthei- 
lungen über einen im vorigen Winter zu Köln gehobenen Fund 
römischer Kupfermünzen im Gewicht von ungefähr 15 Centnem. 
Die dem Vortragenden zugekommenen etwa 800 Stücke beginnen 
mit Diocletian und schliessen mit den Söhnen des grossen Con- 
stantin, doch so, dass Constantin H. sehr häufig, Gonstantius IL 
selten und Gonstans gar nicht vertreten ist. Leider ist der 
Fund zum Schaden der Wissenschaft zerstreut worden, so dass 
sein Gesammtbestand nicht mehr festgestellt werden kann. Vor- 
gelegt wurden einige sehr schön erhaltene Stücke aus dem Funde, 
darunter namentlich solche mit den Bildnissen der Kaiserinnen 
Helena und Fausta. 

Herr Stadtbaurath Bratring fuhr in seinen Mittheilungen 
über die pommerschen Münzen fort und machte die ersten Ge- 
präge der schwedisch - brandenburgischen Zeit zum Gegenstande 
der Erörterung. Bekanntlich eroberte im schwedisch - pommer- 
schen Kriege der Grosse Kurfürst am 16. December 1677 Stettin 
und am 10. October 1678 Stralsund, musste jedoch 1679 im 
Frieden von St. Germain-en-Laye alle seine Eroberungen wieder 
herausgeben. Er hatte sich bereits in Stettin häuslich einge- 
richtet in der Hoffnung, wenigstens diese Stadt behalten zu 
können, und hat dort auch nach dem Zeugniss der zeitgenössi- 
schen Schriftsteller prägen lassen. Die zur Erinnerung an die 



- 15 - 

Einnahme von Stettin geschlagenen Mänzen^ von denen sechs 
Doppeldnkaten nebst zwei Silberabschlägen und zwei halbe Du- 
katen und ein Silberabschlag vorgelegt wurden, zeigen theils die 
Namensbachstaben des bekannten brandenburgischen Stempel- 
schneiders Johann Höhn, theils ein OS, welches in diesem Falle 
zweifellos den Btettiner Münzmeister Christoph Sukro bedeutet. 
Dieser Christoph Sukro hat auch schwedische Münzen geprägt, 
die jedoch nur in geringer Zahl vorhanden sind und von denen 
mehrere Gulden von 1681 vorgelegt wurden. Dieselben Anfangs- 
buchstaben sind auch das Zeichen des Berliner Stempelschneiders 
Christoph Stricker (1675 fg.) und eines wohl nicht mit in Be- 
tracht kommenden Dänen Christoph Schneider (1678 bis 1698). 
Das von Amim'sche Tbalerkabinet führt, z. Th. nach Madai, 
aus der Zeit von 1677 bis 1680 zehn verschiedene Thaler mit 
dem Münzzeichen C S an, und es entsteht nun die Frage, ob 
einige von diesen Stücken, und welche, pommerschen Ursprungs 
sind. Der Versuch, durch Vergleichung mit den schwedischen, 
mit G S bezeichneten Münzen einen Anhalt zu gewinnen und 
nach der Verschiedenheit des Stils die Pommern von den Bran- 
denburgern zu scheiden, ist bisher nicht gelungen, da alle diese 
Stücke, von denen eine grössere Reihe vorgelegt wurde, vielfach 
und zumTheil sehr bedeutend von einander abweichen, so dass 
eine Trennung in zwei Gruppen sich auch mit einiger Sicherheit 
nicht vornehmen lässt. 

Herr Regierungsrath Friedensburg sprach über den 
Medailleur Henri Fran^ois Brandt und dessen Werke unter Vor- 
legung einer grossen Anzahl seiner Medaillen nebst den dazu 
gehörigen Zeichnungen, die ihm von den Erben zu diesem 
Zwecke in höchst dankenswerther Weise zur Verfügung gestellt 
worden waren. Brandt wurde dm 13. Januar 1789 zu La Chaux 
de Fonds im Canton Neuenbürg geboren, kam schon im zehnten 
Jahre zu dem Graveur Moise Perret in die Lehre, durch dessen 
Fürsprache er 1806 von J. L. Droz in Paris als Schüler auf- 
genommen wurde. Im Jahre 1813 errang er den Grand prix de 
Röme und ward Pensionär der französischen Akademie zu Rom, 
wo er für Ludwig XVIII. und Pins VH. arbeitete, 1817 wurde er 
als erster Münzmedailleur nach Berlin berufen, ward Professor, 
1824 auch Mitglied der königlichen Akademie der Künste und 



— 16 — 

gehörte der Numismatischen Gesellschaft von ihrer Gründung 
bis zu seinem im Jahre 1845 erfolgten Tode als Mitglied an. 
Er hat ausser zahlreichen Fürstlichkeiten auch eine grosse 
Anzahl seiner berühmten Zeitgenossen, von denen nur Thor- 
waldsen, Canova, Horace Yemet, Humboldt, Goethe und Blücher 
genannt seien, in Medaillen verewigt, die sich fast immer durch 
ausserordentlich lebendige Bildnisse auszeichnen. 

Herr Dr. Weil besprach an der Hand des Verzeichnisses 
des Münzkabinets zu Madras die Funde römischer Münzen in 
Vorder-Indien. Dank der Sorgfalt, die die indische Regierung 
diesem Gegenstande widmet, liegen uns jetzt Fundberichte vor, 
die sich über ein Jahrhundert erstrecken und, wenn auch im ein- 
zelnen vielleicht unvollständig, doch im ganzen ein recht getreues 
Bild von dem Inhalt dieser Funde geben. Sie beginnen mit Gold- 
und Silbermünzen des Augustus und reichen bis zu Theodosius 
und Constans U. hinab. Das römische Reich musste die Aus- 
fuhrwaaren Indiens, Perlen, Edelsteine, Seide etc., in Edelmetall 
bezahlen, da seine eigenen Erzeugnisse dort keinen Absatz fan* 
den; daher die Klage alter Schriftsteller über den Abfluss von 
Gold und Silber nach dem Osten. Auffallig aber ist es und 
kann als Beweis für die Lebhaftigkeit des Handels angesehen 
werden, dass jetzt auch die spätrömischen Kupfermünzen aus 
der Zeit ^er Finanznoth, wo man selbst die höchsten Beträge in 
Kupfer zahlte, in Ost -Indien zum Vorschein kommen, da doch 
diese Münzen sich wenig zum Verkehr mit einem fremden 
Reiche eignen. Ob hier die Araber als Vermittler gedient und 
inwieweit etwa das indische Münzwesen von dem römischen be- 
einflusst worden ist, lässt sich zur Zeit nicht entscheiden. Die 
an den Vortrag sich anschliessende Besprechung, an der sich 
namentlich die Herren van Vleuten, Dr. Nützel und Friedensburg 
betheiligten, liess diese Frage als eine offene, weiterer Aufklärung 
durch Funde bedürftige, erscheinen. 

Sitznng vom 10. Jnni 1895. 

Herr Landgerichtsrath Dannenberg berichtete über die 
numismatischen Erfolge seiner letzten italienischen Reise» die 
ihn auch nach Tunis, besonders aber nach der Insel Pantellaria, 



— 17 — 

dem alten Coseyra, geführt, wo sich im Alterthum eine Münz- 
ßtätte befunden hat. Er legte seine Erwerbungen, bestehend 
meist in römischen Kaisermfinzen , vor und erläuterte sie des 
Näheren. 

Herr von Jacobs zeigte Proben aus dem grossen Schatze 
römischer Münzen, der im April d. J. in Köln aufgedeckt uad 
von Herrn van Vleut«n in der vorigen Sitzung besprochen wor- 
den ist. Bei den Fundamentirungsarbeiten auf einem am 
Marienplatze im Südosten der Stadt belegenen Grundstücke 
stiessen die Arbeiter auf mehrere Thongefässe, die mit Münzen 
gefüllt waren. Die durch Oxydation zu grossen Klumpen zu- 
sammengeballten Stücke erwiesen sich als römische Kleinbronzen 
aus der Zeit Constantins I., seiner Gattin und Söhne. Angeb- 
lich soll der Schatz gegen 15 Centner betragen haben. Die 
näheren Untersuchungen werden zu ergeben haben, ob eine 
wesentliche Bereicherung der bisher bekwnteüQ MüBzreihen jener 
Zeit gewonnen ist. 

Herr Contre-Admiral Strauch verbreitete sich über «ine 
Anzahl überseeischer Münzen seiner Sammlung, von denen er 
zur Vorlage brachte: von Ecuador 1 Sucre 1888 nach dem 
System von 1884, von Peru 1 Sol 1869 mit sitzender Libertad, 
5 Pesetas 1880 und 1 Sol 1887 mit deren Kopf, \(m Honduras 
1 Peso 1888 mit dem Datum der Unabhängigkeitserklärung 
(15 de setiembre 1821) und der Aufschrift Gentro America, hin- 
weisend auf den beabsichtigten Staatenbund von Honduras, 
Salvador, Nicaragua, Guatemala und Costa Rica. Demselben 
Anlass gilt auch 1 Peso von Salvador mit dem Bilde Colons 
und der Beischrift America Central. Daran schlössen sich ein 
sehr primitiv angefertigter (gravirter) Nothpeso 1865 von Copiapo 
(Chile), und von Korea 1 Whan und 5 Yang (1 Dollar), 1 Yang 
(20 Cents), 'A Yang (5 Cents) in Nickel, in Silber 5 Fun (5 Cents), 
1 Fun (1 Cent) in Kupfer, endlich von Afghanistan die Serie 
von 1 Kabuli (fiupie) 1892/98, '/> KabuU 1890/91 und kupferne 
Paissa. 

Herr Dr. Bahrfeldt trug — nach seinen Forschungen im 
königlichen geheimen Staatsarchiv zu Berlin — über die Ge- 
schichte der Münzstätte Drlesen in der Neumark vor, die unter 

Johann Sigismund eine nicht unbedeutende Heckenmünee war, 

2 



— 18 — 

in der minderwerthiges Geld geschlagen wurde. Die ersten 
Anfänge der Einrichtung einer Prägestätte in Driesen datiren 
aus dem Jahre 1607, wo der damalige polnische Münzwardein 
Heinrich Laifert, aus angesehener Münzbeamtenfamilie in Goslar 
stammend, dem Kurfürsten Joachim Friedrich von Brandenburg 
zur Anlage der Münze empfohlen wird. Dies zerschlägt sich 
aber nach mehrfachen Verhandlungen zwischen dem Eui:fürsten, 
dem Kammermeister Berger in Küstrin und Laffert, und erst 
unter Johann Sigismund wird die Errichtung der Münze zu 
Driesen im Jahre 1612 ausgeführt. Laffert, der die von ihm 
gefertigten Münzen meist mit seinen Namensinitialien Hj oder 
H L kennzeichnete, brachte sie mit Zustimmung seines Landes- 
herrn minderwerthig aus. Daraus ergaben sich viele Beschwerden 
über das Driesensche Geld, so dass die Probationstage des ober- 
sächsischen Kreises sich mit der Angelegenheit zu beschäftigen 
hatten und Kurfürst Johann Sigismund von ihnen wiederholt 
(1614, 1615) aufgefordert wurde, die minderwertige Prägung 
einzustellen — anfangs ohne Erfolg, denn noch im Mai 1615 
konnte des obersächsischen Kreises Generalmünzwardein Chri- 
stoph Biener berichten, dass in Driesen das Münzwerk fortge- 
setzt werde* Erst im Verlaufe dieses Jahres hat unter dem 
Drucke des Kreises der Kurfürst die Heckenmünze eingehen 
lassen. Geschlagen sind nach den Verhandlungen des Probations- 
tages zu Leipzig, am 22. Mai 1614, Dukaten, Thaler und Gro- 
schen, von denen aber nur die beiden letzten Sorten bisher 
nachweisbar sind. Ein im December 1617 seitens des posen- 
sehen Münzmeisters Rudolf Lehmann an die brandenburgischen 
Räthe gericlitetes Schreiben berührt noch einmal die ehemalige 
Münze in Driesen, deren Wiederaufrichtung in Züllichau em- 
pfohlen wird. Das ist aber nicht zu Stande gekommen. Dr. 
Bahrfeldt berichtete sodann über einen interessanten Fund deut- 
scher Mittelaltermünzen in Böhmen. Sein hauptsächlichster 
Inhalt bestand aus kleinen niederländischen und rheinländi- 
schen jüngeren Ursprungs und vereinzelten grösseren deutschen 
Denaren der älteren Zeit. Hervorzuheben sind aus dem Funde 
Regensburger Denare Ludolfs von Schwaben, Nabburger Hein- 
richs n. mit dem Münzmeister PER und dem für diese Präge- 
stätte hier zuerst auftretenden Meister ANA ; ferner der seltene 



— 19 — 

Osnabrücker mit lOSNABRYQGEI. Besonders ist ein Mainzer 
Denar Heinrichs IV. ausgezeichnet durch eine ansprechende 
Darstellung des heiligen Martin, der einem Bettler ein Stück 
seines Mantels abschneidet, und durch die Seltenheit der Münze, 
die bisher nur in den Kabinetten zu Kopenhagen und Dresden, 
in letzterem übrigens auch in Gold (ans der v. Römerschen 
Sammlung) vorhanden war. Von den kleinen Denaren seien 
Utrechter des Bischofs Andreas von Kuyk, Deventersche des- 
selben, sowie solche von Bischof Conrad mit den nun gesicherten 
Umschriften CONRADVS und *DAVENTRIA (rückläufig), auch 
von Kaiser Heinrich lY. aus der gleichen Münzstätte, endlich 
auch verschiedene kleine, noch nicht gesicherte mit einem Mfinz- 
herrn ODTO genannt. Da der Fund in seinem ganzen Umfang 
noch nicht festgestellt ist, so ist sein Alter vorläufig nicht an- 
zugeben und es lassen sich Schlüsse aus seinem Inhalt noch 
nicht ziehen. 

Sitzung vom 1. JdU 1895. . 

Herr Contre -Admiral Strauch besprach die seit etwa 
Jahresfrist neu aufgetauchten Prägungen unter Vorlegung von 
Münzen in Urstücken oder Abbildungen. Er erwähnte zunächst, 
dass in dem bezeichneten Zeitraum ein neues Miinzsystem nir- 
gends eingeführt worden sei, gedachte alsdann der für Deutsch- 
Neu-6uinea geprägten Münzen und verbreitete sich eingehender 
über die Oepräge fSr Britisch - Honduras. Bisher prägte man 
dort seit 1885 nur kupferne Centstücke, nach dem Gesetz vom 
15. Oktober 1894 aber Stücke zu 50, 25, 10, 5 Gents, ent- 
sprechend den kanadischen Münzen, da in Kanada wie in Hon- 
duras der amerikanische Golddollar Standardmünze ist. Das 
Gepräge, jugendlicher Kopf der Königin Viktoria und Werth- 
Ziffer, ist nicht sehr geschmackvoll. Für ihre ostasiatischen Be- 
sitzungen prägen die Engländer jetzt auf Grund des Gesetzes 
vom 2. Februar 1895 einen sogenannten „BritishdoUar^, an 
Werth genau dem japanischen Yen gleich, mit dem sogenannten 
chinesischen Labyrinth in einer Art Mäander - Einfassung und 
einer sitzenden Britannia, und für Nyassa-Land Stucke zu 20 
und 10 Reis. In Bulgarien sind zu den bisher vorhandenen 

Geprägen des Fürsten Ferdinand zu 5, 2, 1 und ^ Leu Stücke 

2* 



— 20 - 

zu 100, 20 und 10 Leva in Gold getreten, die, wie die erstge- 
nannten Münzen, das Bild des Fürsten tragen. Früher gestattete 
die Türkei dem unter ihrer Oberhoheit stehenden Bulgarien nur, 
Münzen mit dem Wappen zn prägen, und sie soll beabsichtigt 
haben, die Bildnissmünzen Ferdinands zu unterdrücken. Es 
scheint jedoch bei der Absicht geblieben zu sein. Die in der 
vorigen Sitzung erwähnten Münzen von Korea sind keine Probe- 
münzen, sondern laufen nach einer Mittheilung des doitigen 
Gonsuls im Lande um, und sind auf Grund des Gresetzes vom 
15. August 1894 geprägt. San Marino, das seit 1875 nicht 
mehr geprägt hat, liess 1894 Zehncentimesstücke ausgehen. Die 
interessanteste Neuheit ist die Münzreihe von Abyssinien zu 1, 
*/i» % % Talari, auf den Fuss der Maria - Theresien - Thaler in 
Paris geprägt und auf der Hauptseite den gekrönten Kopf des 
Königs Menelik II., auf der Rückseite den kreuztragenden 
Löwen aus dem abyssinischen Wappen zeigend. Femer sprach 
der Vortragende unter Vorlegung von Rupien von Alvar, Bika- 
nir, Burma und Portugiesisch - Indien über das Münzwesen des 
britischen Indien. Die indische Rupie ist nicht Landesmünze im 
strengen Worte, wenngleich sich ihre Giltigkeit auch über die 
Grenzen des von England in jeder Beziehung beherrschten Theiles 
von Indien erstreckt. In Indien giebt es noch 624 Eingeborenen- 
Staaten (^native states""), von denen eine ganze Anzahl noch 
eigene Münzen prägt, nicht immer nach dem Rupienfuss. Die 
indische Regierung verhält sich gegen diese Prägungen, die 
vielfach schlecht und unterwerthig sind, im allgemeinen ziemlich 
duldsam, sie hat allerdings einigen der einheimischen Fürsten, 
die sich etwas zu Schulden hatten kommen lassen, das Präge- 
recht selbst genommen, anderen den Münzschlag untersagt, doch 
ist ihr Verbot nicht überall beachtet worden. Die Fürsten sehen 
das Prägerecht als ein wichtiges Attribut ihrer Würde an, und 
es giebt Fürsten, die lediglich ihres Rechtes wegen Münzen 
schlagen, die gar nicht in den Umlauf kommen, sondern alsbald 
in die Schatzkammer wandern. Es ist daher sehr schwer, wo 
nicht unmöglich, über diese Prägungen ein vollkommenes und 
klares Bild zu bekommen. Beispiels halber sei erwähnt, dass 
von den 21 Radschputana-Staaten heute noch 19 prägen, und 
zwar 6 verschiedene Goldmohurs und 5 Theilstücke, 16 ver* 



-^ 21 -^ 

schiedene Rupien und 38 Theilstücke und 16 Enpfermänzen. 
Burma prägt keine Münzen mehr, Portugal prägt für seine in- 
dischen Besitzungen Münzen nach dem Münzfuss und in der 
Form der Rupie und ihrer Theilstücke auf 6rund eines 1881 
mit England geschlossenen Vertrages. 

Herr Baurath Fischer - Dieck legte einige für seine Samm- 
lung neu erworbene österreichische Münzen vor, einen dreifachen 
sogenannten Dreikaiserthaler von 1590, ein Breslauer Fünf- 
dukatenstück Ferdinands IL 1627, einen seltenen halben Thaler 
Ferdinands III. von 1657 aus derselben Münze und einen 
Sechsteldukaten Leopolds von 1675 mit der Rose als Münz- 
zeichen. 

Herr Regierungsrath Friedensburg besprach die Reichen- 
steiner Goldgulden, die die herzoglichen Brüder Karl und Al- 
brecht von Münsterberg -Öls auf Qrund des ihnen vom Kaiser 
am 17. März 1502 ertheilten Privilegs haben schlagen lassen. 
Man kennt von diesen Fürsten einen nur in dem Exemplar des 
Vortragenden bekannten Goldgulden ohne Jahreszahl, dann 
solche von 1510, 1511 und 1512, ebenfalls nur in je einem 
Stücke bekannt, ferner von Karl allein Goldgulden von 1510, 
1512, 1513, 1514, 1515, 1516, 1517, 1518, 1519, endlich 
solche etwas abweichenden Gepräges mit der Jahreszahl 1522 
and ohne Jahr. Unsere Urkunden lassen nicht errathen, wie 
es kommt, dass der jüngere Bruder sich noch bei Lebzeiten des 
älteren allein auf der Münze hat nennen lassen können, doch 
ist das Vorhandensein des früher von dem Vortragenden ange- 
zweifelten Gulden Karls von 1510 jetzt erwiesen. Die bisher 
ungedeutct gebliebenen Buchstaben HD, die auf einigen dieser 
Stücke neben dem Heiligen erscheinen, dürften auf Hans Dippold, 
einen gleichzeitigen herzoglichen Oberhofmeister auf dem Reichen- 
stein, zu beziehen sein. Vorgelegt wurde aus der Sammlung des 
Vortragenden ausser den Goldgulden der Brüder von 1510 und 
ohne Jahr die vollständige Reihe der Gulden Karls. 

Sitzung vom 9. September 1895. 

Herr von der Heyden legte zwei für seine Sammlung nen 
erworbene Seltenheiten vor: den Dickthaler des schwedischen 
Reichsverwesers Sten Sture, im Jahre 1512 zu Stockholm ge- 



— 22 — 

prägt, mit St. Erich und Wappen, und den Goldgulden Bogis- 
lavs X. von Pommern mit Madonna und Wappen in vorzüglicher 
Erhaltung. Ersteres Stück hat den Beamten des Stockholmer 
Münzkabinets zur Begutachtung vorgelegen, ist mit den dort 
befindlichen fünf echten und acht falschen, theils gegossenen, 
theils geprägten Exemplaren verglichen und als echt anerkannt 
worden. 

Herr Landgerichtsrath Dannenberg theilte mit^ dass 
kürzlich in Italien zum ersten Male eine Bildnissmünze des 
grossen Ostgothenkönigs Theodorich gefunden worden sei: sie 
zeigt seinen Kopf mit dem langwallenden Haar des germanischen 
Edlen, auf der Rückseite erscheint eine Siegesgöttin, das Gewicht 
ist gleich dem dreier damaliger Solidi. Der Vortragende bemerkte 
hierzu, dass dies das erste ostgothische Goldstück mit dem 
Bildniss des einheimischen Herrschers sei, da die Germanen im 
ehemaligen Römerreiche immer nur Silber- und Kupfermünzen 
mit den Bildern ihrer Könige geprägt, auf ihren Goldmünzen 
aber die Köpfe der oströmischen Kaiser angebracht hätten. In 
der Besprechung dieser Mittheilung wurde seitens des Herrn 
Regierungsraths Friedensburg bemerkt, dass der Geschichts- 
schreiber Justinians, Prokopius von Caesarea, mittheile, wie die 
Frankenkönige den Kaiser wiederholt um das Recht, ihr Bild 
auf Goldmünzen zu setzen, gebeten hätten, wie ihnen das aber 
immer wieder mit dem Hinzufügen verweigert worden sei, dies 
Recht stehe allein dem Kaiser zu und werde nicht einmal von 
dem Perserkönige beansprucht. Hieraus folge jedenfalls, dass 
man das Recht der Goldmünze unter eigenem Namen und Bild- 
niss als eine der höchsten Befugnisse, die eben nur dem Kaiser 
zukomme, angesehen habe. Die Versammlung war daher mit 
dem Vortragenden einverstanden, dass das in Rede stehende 
Stück, worauf ja auch sein Gewicht hindeute, weniger für den 
Verkehr, als vielmehr zu Geschenken, Auszeichnungen oder der- 
gleichen bestimmt gewesen sei. Herr Landgerichtsgerath Dan- 
nenberg gab ferner einen eingehenden Bericht über einen im 
Frühjahr zu Woldegk (Mecklenburg - Strelitz) gemachten Münz- 
fund, der, obwohl nur 261 Stück enthaltend, doch von Wichtig- 
keit ist. Er bestand hauptsächlich aus Geprägen der zur Zeit 
seiner Vergrabung ein numismatisches Ganzes bildenden Nach- 



_ 23 — 

barländer Pommern und Mecklenburg, und zwar in überwiegen- 
der Mehrzahl aus Witten (Vierpfennigstücken), dazu zwei Gross- 
pfennigen (Sechspfennigstücken) und neunzehn einseitigen Zwei- 
pfennigstücken. Beigemischt waren, was bisher für diese 
Gegenden selten nachgewiesen ist, Prager Groschen von Karl IV. 
und Wenzel! V. in grösserer Anzahl, die für 3 Witten oder 12 
Pfennige gegangen sein mögen. Vertreten waren die mecklen- 
burgischen Städte Neubrandenburg, Friedland, Onoien, GtLstrow, 
Malchin, Parchim und besonders reichlich Rostock, also alle 
Prägestätten ausser dem selten erscheinenden Teterow und Wis- 
mar. Bemerkenswerth ist ein räthselhafter Witte, der auf der einen 
Seite aiVITKS Dttl D WGRLa, auf der andern Givitas Magno- 
pol hat, da die Herrschaft Werle erst 1436, also nach der vermuth- 
lichen Vergrabungszeit dieses Fundes, mit Mecklenburg vereinigt 
worden ist. Pommern ist mit nur drei Herzogsmünzen bethei- 
ligt, darunter eine neue Abart des Wittens von Treptow a. d. 
ToUense, wichtig, weil sie durch das ausgeschriebene Ducis zu 
erkennen giebt, dass diese Münze nicht in die gemeinschaftliche 
Regierung Swantebors IH. und Bogislavs VII. (1404-1413) fällt, 
sondern nach des letzteren Tode geprägt ist. Zahlreich sind 
die städtischen Gepräge von Anklam — darunter der seltene 
Witten mit der Lilie beiderseits — , Demmin, Greifswald und 
Stralsund. Letztere ergeben das sicher späteste Datum, denn 
die Prägung der im Funde vertretenen Witten mit langem 
Kreuz hat urkundlich erst 1410 begonnen und noch später sind 
die hier zahlreich auftretenden mit dem Stadtwappen (Strahl) 
im Schilde beiderseits. Da auch die Zweipfenniger mit ge- 
kröntem Kopf vorkommen, während sichere Lübecker fehlen, 
bezeichnete der Vortragende den Fund als einen neuen Beweis 
der Richtigkeit seiner Ansicht, dass ein Theil dieser Münzen 
in Greifswald geprägt sei, wie ja überhaupt diese kleineren Hanse- 
städte mehrfach die Münzbilder ihrer grösseren Schwestern be- 
nutzt hätten : Anklam den Strahl von Stralsund, Greifswald den 
Balkenschild von Rostock. 

Herr Regierungsrath Friedensburg machte einige Mit- 
theilungen über die demnächst in Frankfurt a. M. bei Adolf 
Hess zur Versteigerung gelangende grossartige Sammlung von 
Kunstmedaillen fast ausschliesslich der deutschen Renaissance, 



— 24 — 

die der verstorbene Eugen Felix zn Leipzig hinterlassen hat, 
unter Vorlegung des prachtvollen, mit sechs Lichtdrucktafeln 
ausgestatteten Verzeichnisses. Die Sammlung enthält herrliche 
Folgen, namentlich von bayerischen, nürnbergischen und augs- 
burgischen Medaillen; von berühmten Künstlern sind namentlich 
Hans Schwarz, Hagenauer, Valentin Maler, Hans Beinhart und 
Antonio Abbondio sehr gut vertreten, der erstgenannte u. a. 
durch das nur in diesem einen Exemplar bekannte Stück mit 
seinem Selbstbildniss. Auch einige kunstvoll und kostbar ge- 
fasste, zum Anhängen eingerichtete Gnadenpfennige, ein Wachs- 
und ein Steinmodell — die übrigen Modelle sind bereits im 
Jahre 1886 mit der Kunstsammlung des Verstorbenen veräussert 
worden — sind vorhanden. Das Steinmodell stellt das Bildniss 
einer unbekannten Frau vor und ist ein Werk grossartiger 
Meisterschaft; ob es aber von Albrecht Dürer herrührt, was 
das Verzeichniss als wahrscheinlich bezeichnet, ist wohl zweifel- 
haft, der Stil der bisher bekannten vier Medaillen dieses Mei- 
sters ist doch ein anderer, so weit sich nach Abbildungen ur- 
theilen lässt. 

Herr Wardein -Assistent Brinkmann legte die in der 
vorigen Sitzung von Herrn Admiral Strauch erwähnte Münz- 
reihe des Königs Menelik IL von Abyssinien, sowie die in 
der hiesigen königlichen Münze neu geprägten Goldstücke der 
deutschen Neu-Guinea-Kompagnie und des Herzogs Alfred von 
Sachsen-Coburg vor. 

« 

Sitznüg vom 7. Oktober 1895. 

Herr Begierungsrath Friedensburg legte ein von dem 
schwedischen Beichsantiquar H. Hildebrandt verfasstes nnd der 
Gesellschaft übersandtes Werk über Schwedens Münzen im Mittel- 
alter vor, dessen Studium er den Mitgliedern ans Herz legte, 
indem er eine ganze Beihe von Fällen anführte, in denen ältere 
schwedische Münzen in deutschen Büchern und öffentlichen 
Sammlungen für Deutschland in Anspruch genommen wurden. 
Weiter legte er eine von ihm jüngst auf der Versteigerung der 
Felix' sehen Sammlung erworbene, ebenso seltene wie interes- 
sante Medaille vor. Sie zeigt auf der Hauptseite das behelmte 



— 25 — 

Wappen des Dr. jur. Franz Kram aus Sagan, auf der Bückseite 
den in ein Cruzifix endenden Baum der Erkenntniss zwischen 
Adam und Eva, davor eine Tafel mit der Widmung. Franz 
Kram war Rath der Kurfürsten Moritz nnd August von Sachsen 
und in den Jahren 1554/55, 1560/61, 1564/65 Rector der Uni- 
versität Leipzig; er starb 1568. Seine bis heute so gut wie 
unbekannte und selbst bei Kundmann fehlende Medaille ist ein 
feiner Guss, der in manchen Einzelheiten etwas an die Arbeiten 
von Hans Reinhard erinnert und wohl von einem Künstler aus 
dessen Schule herrührt. 

Herr Admiral Strauch besprach die aus Anlass der Er- 
öffiinng des Nord-Ostsee-Kanals erschienenen Medaillen privater 
Erzeugung und legte ein Yerzeichniss davon vor, das nicht 
weniger als 159 verschiedene Stücke dieser Art aufweist. Die 
Darstellungen sind meist mehr oder weniger erträglich, scharfe 
Rüge aber verdient die greuliche Ausländerei, die sich hier ans 
Bücksichten des „Geschäfts*' breit macht. Die Inschriften dieser 
Machwerke, die doch hauptsächlich auf den Vertrieb in Deutsch- 
land berechnet sind, sind abwechselnd in deutscher, russischer, 
französischer, englischer u. s. w. Sprache abgefasst und ent- 
halten neben Geschmacklosigkeiten, wie „que Dieu protdge la 
marine fran^aise^, auch eine Anzahl Sprachschnitzer, z. B. 
„north east maritime canal^, „the american marine*" u. a. m. 
Derselbe Redner zeigte und erläuterte alsdann im Anschluss an 
seinen Vortrag vom 1. Juli d. J. je ein Achtannastück von Nepal 
und Tibet und von Baroda, einem der wenigen Staaten Indiens, 
die Rupien nach dem Muster derjenigen der englischen Regierung 
prägen, Stücke zu 7« Bapie und 1 Paissa, endlich ein im Jahre 
1888 zur Feier der fünfnndzwanzigjährigen Regierung König 
Christians IX. von Dänemark geprägtes Zweikronenstück mit dem 
Kopfe des Königs und der Aufschrift: Med Gud for Aere og Ret 
in ziemlich geschmackloser Ausführung. 

Herr Baurath Bratring besprach die vier höchst seltenen 
und merkwürdigen schwedischen Tapferkeitsmedaillen ans der 
Zeit des siebenjährigen Krieges, in den Schweden gegen den 
V^illen seines mit Preussen verschwägerten Königs durch den 
Kinfluss seiner Nachbarn hineingezogen wurde. Drei dieser 
Stücke, welche der Vortragende aus seiner Sammlung vorlegen 



- 26 - 

konnte, sind von G. Liungberger in Stralsund gravirt; zwei 
davon mit allegorischen und maurerischen Darstellungen und 
Widmungsinschriften sind von der in dem schwedisch - pommer- 
schen Heere bestehenden Freimaurerloge ausgegeben, die dritte 
mit der Aufschrift: Hederlige sar (ruhmvolle Verwundung), von 
dem General Augustin Ehrensvärd zur Erinnerung an den Sieg 
bei Neukahlen 2. Januar 1762 gestiftet. Die vierte endlich, 
ebenfalls von dem genannten General herrührend, bezieht sich 
auf die „Schlacht^ bei Pasewalk am 3. Oktober 1760. 

Herr Landgerichtsrath Dannenberg kam auf das in vo- 
riger Sitzung nur gelegentlich berührte Goldmedaillon Theoderichs 
d. Gr. zurück und berichtigte die mannigfachen bei seiner aus- 
führlichen Besprechung in der Vossischen Zeitung vom 27. 7. 
d. J. untergelaufenen Irrthümer, indem er namentlich richtig 
stellte, dass des Königs Brustbild nicht mit einem Helm bedeckt, 
sondern mit dem langen Haupthaar des freien Germanen dar- 
gestellt sei. Er nahm hiervon Veranlassung, auf die ostgothi- 
schen Prägungen näher einzugehen, über die jener Bericht 
gleichfalls viel Unrichtiges enthält, und hob hervor, dass auf 
Münzen ein germanischer Herrscher zum ersten Male erscheint 
auf den kleinen Eupferstücken mit dem Kopfe des Kaisers Li- 
bius Sevems (461—465) und dem Monogramm Ricimers, wäh- 
rend Odoaker, der dem weströmischen Reiche 476 ein Ende ge- 
macht, der erste gewesen ist, der seinen sehr charakteristisch dar- 
gestellten Kopf, mit langem Haar und Schnurrbart, umgeben von 
seinen Namen auf die Münze gesetzt hat. Hierin ist ihm dann, 
ausweislich des in Rede stehenden Medaillons, allerdings keiner 
zum Umlauf bestimmten Münze, Theoderich gefolgt, dem als 
nächster sein Neffe und zweiter Nachfolger Theodahat sich an- 
scUiesst: seine grossen Kupfermünzen (Vierziger?) zeigen uns 
seinen Profilkopf, an denen öfters der Schnurrbart deutlich zu 
erkennen ist, geschmückt nicht mit dem Diadem der römischen 
Kaiser, sondern mit einer eigenthümlichen geschlossenen Krone, 
derselben, welche wir demnächst auf einigen Kupfermünzen sei- 
nes Nachfolgers Baduela (Totilas) wahrnehmen. 

Herr von der Heyden zeigte seine Erwerbungen aus der 
Felix' sehen Sammlung: zwei herrliche Medaillen des kunst- 
sinnigen Erzbischofs Albrecht von Magdeburg, des Bruders des 



— 27 — 

EurflirsteD Joachim von Brandenburg, und hielt dann einen Vor- 
trag über die aus Anlass des Krieges von 1870 in Deutschland 
und Frankreich entstandenen Prägungen. Unter den vorgelegten 
drei officiellen Medaillons, die in Preussen ausgegeben wurden, 
ist namentlich das von dem königlichen Münzmedailleur EuUrich 
gravirte bemerkenswerth, das auf der Hauptseite das Bildniss 
Kaiser Wilhelms I. ohne Umschrift, auf der Rückseite die Ger- 
mania mit Elsass und Lothringen, umgeben von dem den Aus- 
zug und die Heimkehr der deutschen Heere darstellenden Friese 
der Berliner Siegessäule, zeigt. Sehr interessant sind die fran- 
zösischen Spottmünzen, die die mannigfachste Bosheit an Kaiser 
Napoleon auslassen, aber auch Kaiser Wilhelm und seinem ge- 
hassten Kanzler mitspielen: man entblödete sich nicht einmal, 
den deutschen Kaiser im vollen Ornat mit einer umgehängten 
grossen Uhr in einer Einfassung von lauter „Pendulen'^ darzu- 
stellen. Auch zeigte der Vortragende ein schön emaillirtes sil- 
bernes Kreuz, das die Wappen von Elsass und Lothringen und 
die Aufschriften trägt: „Souviens toi, France^! und unten ,,Je 
vous pleure et j'espäre". Dieses Kreuz ist 1871 in Paris gekauft. 
(Und in Deutschland prägt man Medaillen mit: Dien prot^ge la 
marine fran^aise!). 

Im Anschluss an diesen Vortrag legte Herr Regierungsrath 
von Kühlewein die Gipsabgüsse zweier sehr schöner Sieges- 
medaillons vor: das eine, von 1866, zeigt das Brustbild König 
Wilhelms, umgeben von den Namen von zwölf Generälen, auf 
der Rückseite eine schwebende Siegesgöttin, nach einer antiken 
Münze gearbeitet; das andere, von 1871, ähnelt in der Haupt* 
Seite dem ersten, nur dass hier 24 Generäle genannt sind, auf 
der Rückseite erscheint die sitzende Germania. 

Herr Dr. Bahr fei dt endlich zeigte das mit vielen Abbil- 
dunden versehene Verzeichniss einer 'sehr vollständigen Samm- 
lung aller im deutsch-französischen Kriege entstandenen Münzen, 
Medaillen und Geldzeichen, die im Jahre 1889 in Paris verstei- 
gert wurde und namentlich eine Fülle meistens mehr boshafter 
und gemeiner als witziger Spottmedaillen französischer Mache 
enthält. 

Herr Dr. Weil besprach den zuletzt erschienenen Band 
aus der Reihe des Gatalogue of Greek coins des Britischen Mu- 



- 28 — 

seums, der, von Waiwick Wroth bearbeitet, die Münzen der 
Troas, von Aeolis und Lesbos enthält. Wroth macht darin auf 
die, wie es scheint, bisher nicht beachtete Thatsache aufmerksam, 
dass die Sechstelstatere (Hektae) aus Elektron, die von Phokaea 
und Mytilene lange Zeit hindurch geprägt worden sind, in Pho- 
kaea stets nach links gekehrte Typen, seien es Götterköpfe oder 
Thiergestalten , zeigen, während in Mytilene die Münzbilder 
immer nach rechts gewendet sind. Der Vortragende glaubt 
daraus folgern zu dürfen, dass der uns erhaltene Münzvertrag 
zwischen diesen beiden Städten (etwa 400 v. Chr. oder bald nach- 
her), obwohl der Wortlaut der Inschrift nichts davon enthält, 
nur die Erneuerung eines älteren Abkommens war; denn diese 
Prägung reicht auch in Mytilene weit hinauf in das fünfte Jahr- 
hundert. 

Sitzung vom 4. November 1895. 

Herr von der Heyden legte drei von dem Wiener Me- 
dailleur A. Scharff gegossene Plaquen von ausgezeichneter Schön- 
heit vor: die eine giebt das trefflich gelungene, höchst charak- 
teristische Brustbild des Wiener Antiquitätenhändlers Cubasch, 
die beiden anderen zwei weibliche Bildnisse, eine „Ballerina'' 
und ein „Waschermadel^ , namentlich letzteres von grossem 
Liebreiz. 

Herr Regier nngsrath von Kühlewein zeigte an einigen 
neueren Medaillen, dass auch jetzt noch manche hübsche Arbeit 
in diesem Kunstzweige an den Tag tritt und der gute Ge- 
schmack durch die Medaillenfabriken noch nicht völlig verdorben 
ist. Er legte eine Medaille von Godet 1891 , auf die Berliner 
Eochkunstansstellung bezüglich, und zwei unbezeichnete Preise 
der Berliner Hundeausstellungen von 1890 und 1892 vor, ferner 
drei im Auftrage des Kaisers hergestellte und dem Vortragen- 
den für diesen Zweck anvertraute Medaillen auf die Einweihung 
der Gnadenkirche im Invalidenpark (von Schulz und Uhlmann) 
und der Kaiser Wilhelms - Gedächtnisskirche (von Loos). Be- 
sonders das erstere Stück mit dem Bildniss I. M. der Kaiserin 
und einem Bitter und einer Samariterin, die das Kirchenmodell 
halten, wurde allseitig als in jeder Beziehung wohlgelungen und 



— 29 — 

geschmackvoll anerkannt. Weiter legte der Vortragende die 
seltene Medaille des Grafen Rochus von Lynar, des im Jahre 
1525 geborenen und 1596 gestorbenen Erbauers der Festung 
Spandau, vor, die im Jahre 1578 zur Erinnerung an seine Ver- 
mählung geschlagen ist und auffallender Weise auf der Rückseite 
eine spanische Aufschrift trägt. Man hat früher geglaubt, sie 
sei von einem spanischen Medailleur Diego Martin, der damals 
in Berlin lebte, gefertigt worden; dies hat sich aber als irrig 
erwiesen, doch ist auch die Annahme J. Friedlaenders , der be- 
rühmte sächsische Künstler Tobias Wolff sei der Urheber, zwei- 
fellos verfehlt, da Wolffs Arbeiten, übrigens durchweg Güsse, 
einen ganz andern Stil zeigen. 

Herr Regierungsrath Friedensburg sprach im Anschlnss 
an die Mittheilungen E. Fialas in der Festschrift der belgischen 
Numismatischen Gesellschaft von 1891 und seine eigenen, dem- 
nächst in der Zeitschrift des Museums schlesischer Alterthümer 
zu veröffentlichenden Forschungen über die Medaillen des fürst- 
lichen Hauses Rosenberg, das von 1581 bis 1599 die alte Berg- 
und Münzstadt Reichenstein in Schlesien besass. Von Wilhelm 
von R. besitzen wir ausser einigen, auf die Verleihung des Or- 
dens vom goldenen Vliess bezüglichen medaillenartigen Gold- 
münzen, zu denen Matthes Kauerhase in Breslau die Stempel 
geschnitten hat, mehrere Medaillen, deren Verfertiger sich bis- 
her nicht haben ermitteln lassen und die in den „Böhmischen 
Privatmünzen*' abgebildet und besprochen sind. Von Wilhehns 
Nachfolger Peter Wok kannte man bisher nur eine Medaile, 
die bei seinem im Jahre 1611 erfolgten Tode zur Ausgabe ge- 
langte und von der ein Gipsabguss nach dem im königlichen 
Kabinet befindlichen Urstück vorgelegt wurde. Auch wnsste 
man, dass im Jahre 1592, wo Peter Wok zur Regierung ge- 
langte, ein Goldarbeiter Samuel, leider ungenannten Wohnortes, 
für die Herstellung eines Schanpfennigs Bezahlung empfangen 
hat. Der Vortragende zeigte nun eine ziemlich rohe geprägte 
Medaille aus diesem Jahre mit dem Brustbild des regierenden 
Herrn und einem Lamm als Symbol der Demuth, welche an- 
scheinend das in jener Nachricht gemeinte Stück ist, jedenfalls 
aber eine wichtige Bereicherung der kleinen Rosenbergischen 
Mflnzreihe darstellte. 



— 30 — 

I 

Herr Baurath Bratring zeigte einen sehr interessanten 
pommerschen Gnadenpfennig vor. Das ovale Stück ist aus 
Kupfer, gegossen und schwach vergoldet, auf der Hauptseite 
etwas nachciselirt und mit einer zierlichen, zur Aufnahme von 
Perlen und Edelsteinen bestimmten Einfassung versehen; es 
wurde von den Anwesenden für echt erachtet. Auf der Hanpt- 
seite erscheint das fürstliche Brustbild mit starkem Haar und 
Vollbart nebst der Umschrift V. G. G. BOGISLAF Herzog Zu 
Stettin Pommern Der Cassuben Vnd Wenden, auf der Rückseite 
das behelmte neunfeldige Wappen mit zwei behelmten Wappen- 
haltern. Zweifelhaft ist, ob man in dem Dargestellten den XIII. 
oder XIV. Bogislaw vor sich hat, den Vater oder den Sohn: 
ersterer starb 1606, letzterer 1637. Da die von Bogislaw XIV. 
vorhandenen, überaus zahlreichen Thaler ein völlig anderes 
Brustbild zeigen, derartige Medaillen auch von ihm nicht bekannt 
sind, während das alte Liebeherr'sche Verzeichniss eine solche 
von Bogislaw XIII. beschreibt, so hat die Zutheilung an den 
Vater die Wahrscheinlichkeit für sich. 

Herr Admiral Strauch zeigte im Anschluss an frühere 
Vorlegungen ein weiteres Beispiel von neuesten Erinnerungs- 
münzen: ein belgisches Fnnffrankenstück auf die im Jahre 1853 
erfolgte Vermählung des jetzigen Königs der Belgier mit der 
Erzherzogin Marie Henriette. Die Münze, deren Stempel Leo- 
pold Wiener geschnitten hat, zeigt drei Brustbilder, nämlich 
ausser denen des Brautpaares noch das des Königs Leopold I. 
und ist aufifallender Weise vom 21. und 22. August 1853 datirt; 
an letzterem Tage fand die Hochzeit statt. Ferner sprach er 
über die Verwendung des Maria Theresiathalers im afrikanischen 
Verkehr unter Vorweisung eines solchen Stückes, wie sie für 
diesen Zweck noch immer in Wien mit der Jahreszahl 1780 ge- 
prägt werden. Sodann hielt er einen Vortrag über die Ent- 
wickelung des mexikanischen Dollars, der, wie bekannt, in Ost- 
Asien ein Hauptzahlungsmittel bildet. Er hat den alten spani- 
schen Thaler, den Carolus- oder Säulendollar, fast ganz verdrängt, 
so dass dieser nur noch, und zwar in fast unkenntlichen Stücken, 
in den malayischen und siamesischen Staaten umläuft. Durch 
Gesetz vom 2. Februar 1895 ist er „Standard coin** in Straits 
Settlements, Hongkong und Labuan geworden , während der 



— 31 — 

durch ein Gesetz von demselben Tage gechafifene „ British Dollar'' 
dort nur „additional coin'' ist. Das Gepräge ist seit dem Jahre 
1824, von kleinen Verschiedenheiten abgesehen, dasselbe ge- 
blieben : der die Schlange verzehrende Adler auf der Nopalstande 
und Freiheitsembleme im Sonnenbilde; Unterbrechungen fanden 
unter Kaiser Maximilian statt, der seinen Kopf und das Staats- 
wappen als Gepräge annahm, und später noch einmal, indem 
man eine Wage auf die Mfinze setzte; da diese Sorte jedoch 
von den Chinesen nicht genommen wurde, kehrte man zu den 
% alten Münzbildern zurück. Der Rücksicht auf China ist es wohl 
auch zuzuschreiben, dass der Dollar noch immer die Werthbe- 
zeichnung 8 Eealen trägt, obwohl diese Münzsorte schon seit 
1890 abgeschafft und das Decimalsystem eingeführt ist, und dass 
der Feingehalt darauf um eine Kleiuigkeit geringer angegeben 
ist, als er thatsächlich beträgt 

Herr Dr. Bahrfeldt sprach über den sehr seltenen Denar 
aus dem Ende des zehnten Jahrhunderts, den die Numismatiker 
französischer Zunge „le grand d6nier de St. Omer'' nennen und 
der nach den beiden bisher bekannten Exemplaren eine sichere 
Zutheilung hinsichtlich seines Prägeherrn noch nicht gefunden 
hat. Da seine Aufschriften undeutlich sind, legte man ihn 
bald dem Grafen Balduin IV. (989—1036), bald dem Grafen 
Arnold IL von Flandern (964 — 989) bei. Neuerdings ist ausser 
dem Stücke des berühmten Leissower Fundes noch ein solches 
aus dem Funde von Giechanow in Russisch - Polen aufgetaucht, 
und letzteres bezeugt nach Dannenbergs Lesung wenigstens so 
viel, dass die Aufschrift weder BALDVINVS noch ARNOLDVS, 
sondern RVMOLDVS .... lautet. Die Feststellung, wer dieser 
Rumoldus oder Romualdus ist, ob der Heilige, der allerdings in 
St. Omer, dem alten Audomarum, nicht verehrt wurde, oder ob 
etwa ein noch nicht bekannter Graf dieses Namens, bleibt wei- 
terer Forschung vorbehalten. 

Sitzung Yom 2. Dezember. 

Herr Begier ungsrath Friedensburg übergab der Gesell- 
schaft ein ihm von der Soci6t6 suisse de nnmismatique übersandtes, 
von dieser in vornehmer Ausstattung herausgegebenes Buch, 
welches einen im Jahre 1895 auf dem Sal&ve, dem bekannten 



- 82 — 

Berge nahe bei Genf, gemachten Fund von Genfer Denaren des 
11. Jahrhunderts behandelt Vertreten sind in sehr zaUreichen 
Exemplaren der Denar des Bischofs Friedrich mit karolingischer 
Kirche und Kugelkreuz und der anonyme Pfennig mit Kopf und 
Namen des heiligen Petrus — beide bisher in je einem Stück 
bekannt — , sowie in etwa 20 Exemplaren ein neues Gepräge, 
das dieselbe i2/. wie die vorigen, auf der Hf, aber das Haupt 
des heiligen Moritz nebst dessen Namen zeigt. Der Verfasser 
des Buches — Herr Lad6 — nimmt an, dass es sich hier um 
eine Nachahmung der Gepräge von Vienne handelt. Weiter 
zeigte der Vortragende im Anschluss an frühere Mittheilungen 
einen Gipsabguss des Wiener Exemplars der Medaille auf Franz 
Kram aus Sagan, welches von dem in seinem Besitz befindlichen 
in Grösse, Raumvertheilung und Einzelheiten der Darstellungen 
und Umschriften wesentlich abweicht. Hiemach steht fest, dass 
zwei Modelle zu dieser Medaille vorhanden gewesen sind, was sonst 
sehr selten vorkommt. Der Vortragende zeigte weiter den Gips- 
abguss einer Dresdener Silbermedaille auf den lüderlichen Lieg- 
nitz-Brieger Herzog Heinrich, dessen abenteuerliche Fahrten 
durch Hans von Schweinichen's Aufzeichnungen allgemein be- 
kannt geworden sind, sowie ein schönes Urstück einer ebenfalls 
noch nicht veröffentlichten Medaille auf den kunstsinnigen 
Georg U. von Lieguitz-Brieg , und wies endlich nach, dass die 
Medaillen auf den Abt Johann Queschwitz und den Weihbischof 
Adam Weisskopf, sowie eine Goldmünze des Bischofs Andreas 
Jerin aus Breslau von einer Hand herrühren. Alle diese Stücke 
werden demnächst in der Zeitschrift des Museums schlesischer 
Alterthümer näher besprochen werden. 

Weiter legten mehrere Herren Münzen und Medaillen ans 
ihren Sammlungen vor: Herr Regierungsrath von Kühlewein 
eine dem Staatssekretär des Reichs-Postamts Dr. Stephan von 
den Mitgliedern dieses Amts und den Ober-Fostdirektoren zu 
seiner fünfundzwanzigjährigen Dienstjubelfeier gewidmete, von 
Duyfifke modellirte und von Langaard gefertigte Medaille mit dem 
wohlgelungenen Bilde des Gefeierten und den allegorischen Ver- 
körperungen der Post und Telegraphie; Herr Dr. Weber als 
Gast einen aus zwei nicht zusammengehörigen Hälften (Ratze- 
burg und Tirol) bestehenden Schraubthaler, dessen Inhalt in einem 



- 33 — 

auf Marieoglas ungewöhnlich zierlich gemalten Frauenbildniss mit 
den einzelnen Monaten entsprechenden Kleidung besteht; Herr 
Baurath Fischer -Dieck aus einem lothringischen Funde einen 
Thaler des Bischofs Max von Cambray von 1569; Herr von der 
Heyden eine Arbeit des berühmten französischen Medailleurs 
Roty, der von manchen noch über den Wiener Scharff gestellt 
wird, mit dem Bilde des hundertjährigen Naturforschers Che- 
vreul, dem auf der Bückseite die weibliche Idealgestalt der Ju- 
gend Frankreichs ihre Huldigung darbringt. 

Herr Dr. Bahrfeldt sprach über eine Medaille der Familie 
von Schellendorf, die zum schlesischen Uradel gehörte und schon 
1326 urkundlich vorkommt. Im 15. Jahrhundert bestanden 
die vier Linien zu Adelsdorf , GöUschau, Lobedau, Domanze. 
Carl Magnus v. Schellendorf wurde am 5. März 1602 von Kaiser 
Budolf II. in den Freiherrnstand erhoben, und wohl dessen Sohn 
Christoph ist es, auf den sich die vorgelegte Medaille bezieht. 
Die Familie Schellendorf ist ausgestorben, der Name hat sich 
indessen in Verbindung mit demjenigen der zum ostpreussischen 
üradel gehörigen Familie v. Bronsart erhalten. Eine Verwandt- 
schaft zwischen diesen beiden Familien hat aber niemals be- 
standen, nur ihre Wappen waren einander ähnlich, und auf 
Grund dieses Umstandes schlössen am Ende des vorigen Jahr- 
hunderts ein Lieutenant v. Schellendorf und ein Lieutenant 
V. Bronsart, beide beim Begiment Brünneck, einen Erb vertrag, 
nach welchem die überlebende Familie auch den Namen der zu- 
erst ausgestorbenen ihrem Namen zuzufügen haben sollte. Zur 
Ausführung kam dies zuerst im Jahre 1824 durch den General- 
Lieutenant Heinrich v. Bronsart, und seit dieser Zeit führt 
dessen Familie den Namen Bronsart v. Schellendorf. Die ovale 
Medaille zeigt das freiherrliche Wappen der Schellendorf und 
hat die Umschrift: J^ CIßristian • Frei • Herr -Von • SCHELLEN- 
DORF • Böm • Kaiserl • Majestät • Hof • Cammer • Bath • Vnd • Gam- 
mer PRiE sident • IN • Ober . Vnd • Nider • SCHLES : Die andere 
Seite der Medaille bezieht sich auf die Familie von Pötting und 
Persing, zum böhmischen Adel gehörig, deren Ahnherr Alsam 
V. P. (1322—1388) unter KaiserKarl IV. zum Eeichsritter ge- 
schlagen und aus der Freiherr Urban v. P. 1637 in den Reichs- 
grafenstand erhoben wurde. Die jüngere Linie starb 1 850 aus, 

3 



— 34 — 

die ältere blüht noch. Dargestellt ist auf der Medaille das 
Pötting'sche Wappen mit der Umschrift: cg> ELISABETH A CON 
STANTIA • Freifrau -Von • SCHELLENDORF • G • Freifrau • Von • 
PÖTING, 1637. Die Medaille, von der bisher nur das vorgelegte 
Exemplar nachzuweisen ist, wird zur Erinnerung an die Ver- 
mählung des Christoph v. Schellendorf und der Elisabeth Con- 
stantia v. Pötting gefertigt sein. 

Herr Landgerlchtsrath Dannenberg berichtete in Anleh- 
nung an das in der Oktober-Sitzung vorgelegte Werk des schwe- 
dischen Reichsantiquars Hans Hildebrand über das schwedische 
Mttnzwesen des Mittelalters. Es nimmt, nach einigen Versuchen 
in heidnischer Zeit, seinen Anfang mit der Einfuhrung des Ghri- 
stenthums unter König Olaf Skautkonung (1008). Dessen Mün- 
zen, in Sigtuna geprägt, nennen ihn rex Suevorum und sind ge- 
naue Nachahmungen der gleichzeitigen des englischen Königs 
Ethelred. Dasselbe gilt von den Münzen seines Sohnes und 
Nachfolgers Anund Jakob (f 1051). Nun folgt ein münzloser 
Zeitraum von mehr als einem Jahrhundert, worauf kleine Brak- 
teaten der Könige Knut, Erich X , Johann, Erich XL, Knut und 
Waldemar die Zeit von 1167 bis 1274 ausfüllen, neben denen 
schriftlose ein- und zweiseitige Pfennige einhergehen. Derartige 
Gepräge werden auch den Königen Magnus Ladulaas (1276/90) 
und Birger (1290/1319), zugetheilt. Unter Magnus Smek (1319 
bis 1363) treten zweiseitige Pfennige auf, die zum ersten Male 
die drei Kronen, das heutige schwedische Staatswappen, zeigen. 
Nach dem Aussterben des Mannesstammes der Folkunger ge- 
langte Albrecht von Mecklenburg (1363/89) auf den Thron, der 
zuerst grössere zweiseitige Münzen mit vollständigen Um- 
schriften nach dem Muster der hansischen Witten, Örtugs ge- 
nannt, 24 auf die Mark, in Stockholm, Kalmar und vielleicht 
in Silfverberg prägt; neben ihnen kommen auch noch einseitige 
Pfennige vor. Die folgenden Regierungen, mit Ausnahme der- 
jenigen Margarethens, haben uns zahlreiche Münzen, geprägt 
in Stockholm, Abo in Finnland und Westeraas, hinterlassen, 
meist Örtugs, Erich von Pommern (1396/1439) auch Sterlinge 
(Dreipfennigstücke), der Reichsverweser Sten Sture d. Ä. die 
ersten halben Örtugs. Sten Sture d. J. führte als Reichsver- 
weser 1512 thalerförmige Münzen zu 1, 1^, 2 und 2^ Mark 



- 35 — 

ein, und Gustav Wasa, der auch Öre (»3 Örtugs) in Stock- 
holm, Upsala, Arboga und Abo schlug, ging nach einer Yer- 
suchsprägung von halben Silbergulden 1523 nnd ganzen Silber- 
gulden 1528 im Jahre 1534 zur Prägung richtiger Thaler nach 
deutschem Muster über, deren einer höchst merkwürdiger Weise 
den Feingehalt mit „ad 15 Lot'' angiebt. 

Herr Contre-Admiral Strauch hielt einen längeren Vor- 
trag über Triquetra und Mäander, die sich, abgesehen von 
einigen Münzen Ceylons, auf dem Hongkong-Dollar von 1866 
bis 1868 und dem British - Dollar von 1895 vorfinden und, wie 
sich annehmen lässt, als heilige Zeichen der Chinesen in das 
Gepräge übernommen worden sind. Nach Wiedergabe der Er- 
klärungen, welche man für diese beiden, seit uralten Zeiten nnd 
bei allen Völkern vorkommenden Zeichen sonst aufgestellt hat, 
legte der Vortragende dar, dass nach den alten chinesischen 
Überlieferungen der Mäander dort als ein Zeichen des Eegens, 
des Oewiters, dann übertragen des Reichthums und Überflusses 
gilt, während die Triquetra eine verwandte natürliche Bedeutung 
besitzt und den Blitz versinnlicht. An den durch zahlreiche 
Zeichnungen erläuterten Vortrag schloss sich eine Besprechung, 
in der die verschiedenen Fälle des Vorkommens beider heiliger 
Zeichen auf Münzen aufgezählt und deren Bedeutung erörtert 
wurde. 



Drude TOB W. Pormetter in Berlin. 



SITZUNGSBERICHTE 



DER 



NUMISMATISCHEN GESELLSCHAFT 



Zu 



BERLIN. 



1896. 



Sitzung Tom 6. Januar 1896. 

Herr Bibliothekar Dr. Weil hielt einen Vortrag über die 
ältesten Münzen Athens. Es sind jetzt gerade 20 Jahre her, 
dass F. Imhoof- Blumer (in v. Sallets Zeitschr. Bd. 3 S. 275) 
und unabhängig von ihm £. Curtins (im „Hermes^ X 224) die 
bis dahin als das älteste Silbergeld Athens betrachteten sogenann- 
ten Wappenmünzen für Prägungen der Städte Euböas erklärten. 
Sorgsame Beobachtungen über die Herkunft dieser Stücke, wie 
sie an mehreren attischen und euböischen Funden von ü. Köhler 
gemacht worden sind, haben ausser Zweifel gestellt, dass sie 
gleichzeitig mit altem, epigraphem Gelde der euböischen Städte 
wie solchem Athens zusammen im Umlauf gewesen sind, eine 
Thatsache, die durch die Gleichheit des Münzfusses dieser Reihen 
hinreichend erklärt wird. Für die Münzgeschichte Athens waren 
nun nur noch doppelseitig geprägte Reihen übrig, an ihrer Spitze 
das Silbergeld mit den Typen des Athenakopfes im niedrigen 
Helm und der Eule mit der Beischrift A9E. Die Frage ent- 
stand jetzt, ob, wie die Einführung der Münze in Athen von 
der Überlieferung bestimmt auf Selon zurückgeführt wird, auch 
die Feststellung der dauernden und für Athen kennzeichnenden 
Prägebilder auf ihn zurückgehen könnte. R. Head hat dies 
entschieden bejaht, Imhoof-Blumer dagegen wollte nicht über die 
Zeit des Hippias, bezw. das Jahr 5U v. Chr. hinaufgehen; es 
blieb also zwischen den Ansetzungen beider Gelehrten ein Ab- 
stand von 70 Jahren, der für die antike Numismatik überhaupt 
von Bedeutung ist, weil es sich zugleich um die Festlegung des 
Beginns der zweiseitigen Prägung und die Verwendung des 
Kopfes der Stadtgottheit als Münzbild handelt. Der Vortragende 



- 4 — 

glaubt, dass die Lösung dieser Streitfrage, die neuerdings gleich- 
zeitig von H. y. Fritze (in v. Sallets Zeitschr. Bd. 20) und von 
J. P. Six (im Numismatic Chronicle 1895) versucht worden ist, 
zur Zeit noch nicht gefunden ist. Fritze schlägt einen Mittel- 
weg zwischen den Ansichten Heads und Imhoofs ein und setzt 
die Einführung der doppelseitigen Prägung und des Athenakopfes 
in die Mitte des sechsten Jahrhunderts, also in die Zeit des 
Peisistratos ; er nimmt an, ihr sei die Prägung einseitiger Mfinzen 
mit der Eule, wie solche unter den Wappenmünzen vorkommen, 
vorangegangen, denen gewisse, schon von U.Köhler herangezogene 
sehr alterthümliche, aufschriftslose Hekten in Elektron mit dem 
Eulengepräge gleichzeitig seien. Die Möglichkeit des athenischen 
Ursprungs dieser beiden Reihen hatte bereits Head anerkannt, 
die Entscheidung aber offen gelassen. Six nimmt seinerseits, 
gleich den älteren Forschern, die ganze Masse der Wappen- 
münzen für Athen in Anspruch. Er sieht in den Reihen mit 
d^m vierspeichigen Rade (Rs. eingeschlagenes Viereck) das älteste 
Silbergeld Athens, in die erste Tyrannis des Peisistratos gehören 
nach seiner Ansicht die Stücke mit dem Gepräge des Pferdes, 
in die zweite die mit der Eule und die mit der Amphora. In 
die Zwischenzeit werden die Münzen mit Astragal, Triquetra, 
Frosch, Skarabaeus verlegt und der dritten Tyrannis die bereits 
doppelseitig geprägten Stücke mit Gorgoneion (Rs. Pferdevorder- 
theil oder Löwenkopf) zugewiesen, während auf die Zeit des 
Hippias nicht nur das Silbergeld mit Gorgoneion und Stierkopf 
entfällt, sondern auch der Beginn der zweiseitigen Prägung mit 
den bekannten Stempeln. Allerdings finden sich fast alle diese 
Typen auf einer anderen, sicher athenischen Denkmälerreihe 
wieder, nämlich auf von E. PerniceJ nachgewiesenen athenischen 
Gewichten ; aber diese vertheilen sich über sieben Jahrhunderte, 
und man sucht vergeblich nach einer Analogie für solche Mannig- 
faltigkeit des Münzschlags bei anderen Handelsstädten; denn 
die Stateren von Kyzikos und Lampsakos müssen ebenso wie die 
in Mytilene und Fhokaea geprägten Hekten ausser Betracht 
bleiben, weil die ganze Organisation ihrer Prägung eine durch- 
aus eigenartige gewesen ist. Auch entsteht, wenn die Wappen* 
münzen nach Athen verlegt werden, die Frage, wo denn die auf- 
schriftlosen Münzreihen der euböischen Städte zu suchen sind: 



- 5 — 

hat doch Athen erst während des sechsten Jahrhunderts ganz 
allmählich diese alten mächtigen Handelsplätze, insbesondere 
Chalkis und Eretria, zu überflügeln vermocht. Wenngleich nun 
die neue Durcharbeitung dieser umfangreichen Folgen das Ver- 
dienst hat, Mittelglieder zwischen einzelnen der oben genannten 
Gepräge nachgewiesen zu haben, so werden doch weitere Auf- 
findungen abgewartet werden müssen, ehe sich das über jenen 
ruhende Dunkel lichtet. An den Vortrag schloss sich eine Be* 
sprechung, an der sich namentlich die Herren Dannenberg und 
Friedensburg betheiligten und in der den Ansichten des Vor- 
tragenden im Wesentlichen beigetreten wurde. 

Herr Hauptmann Brause zeigte eine grosse Anzahl der 
von ihm selbst mit höchster Sorgfalt und wunderbarer Treue 
gezeichneten Tafeln zu seinem demnächst erscheinenden Werke 
über Noth-, Feld- und Belagernngsmflnzen, und legte die sehr 
seltene Klippe vor, welche 1575 in der niederländischen Stadt 
Oudewater während der spanischen Belagerung aus Tafelsilber 
geprägt worden ist: sie zeigt das Stadtwappen, die Aufschrift 
GODT MET ONS und die Werthangabe 40 Sols. 

Herr Regierungsrath Friedensburg zeigte eine kleine 
Reihe der bekannten Goldgulden des Herzogs Wenzel von Liegnitz 
mit der Inschrift Wencesl. dux F., in welcher das P. Primus 
oder Primogenitus bedeutet, und machte auf einige besonders 
zierliche Abarten aufinerksam, die den Adler neben dem Kopfe 
des Heiligen mit nach links — statt, wie gewöhnlich, nach rechts 
— gewandtem Kopfe geben. Fast scheint es, dass der Adler 
dieser Stücke den schlesischen Herzogshelm trägt; aber, obwohl 
eine solche Darstellung an sich nicht unerhört wäre, sind die 
Golden an der bezeichneten Stelle doch nicht deutlich genng, um 
eine sichere Entscheidung zu gestatten. 

Herr Admiral Strauch besprach die neuen englischen 
Bronzemünzen (1 Penny, V* Penny, 1 Farthing) von 1895. In 
der sogenannten Jubiläumsprägung von 1887 war der Ana- 
chronismus, der in der unveränderten Beibehaltung des jugend- 
lichen Bildnisses der Königin lag, für die Gold- und Silber- 
münzen beseitigt worden, für die Bronze bestand er fort, da man 
weder damals noch 1893 Münzen aus diesem Metall ausgab. 
Deshalb wurden in England allerlei schlechte Witze darüber ge- 



- 6 — 

macht, wie dieser Unterschied die Unterthanen lehren sollte, dass 
auch die Königin nicht in der Lage sei, sich ein jagendliches 
Aussehen zu bewahren. Jetzt trägt auch das Kupfergeld das 
Bild der gealterten Herrscherin in Wittwentracht, auf der Rs. 
erscheint eine verschlechterte Auflage der früheren Brittania, 
bei der man sogar unterlassen hat, die Herrschaft Englands zur 
See wie früher durch die Anbringung eines Leuchtthurms und 
eines Schiflfes unter vollen Segeln zu versinnbildlichen. 

Herr Dr. Bahrfeldt zeigte, im Anschlüsse an die Vorlagen 
von Schar£fschen und Rotyschen Medaillen in früheren Sitzungen, 
eine Bronzemedaille aus der berühmten Wyonschen Medaillen- 
münze in London, einen Ehrenpreis von der dortigen Ausstellung 
i« J. 1862, ausgezeichnet durch die ansprechende allegorische 
Darstellung und die Weichheit der Ausführung. Derselbe legte 
ferner einen Züricher Denar vor, auf der Hs. mit einem Kreuz 
und der Umschrift HERIMAN DVX, auf der Rs. mit einem 
Gebäude und * TVRECVM. Im Hinblick auf die typenähnlichen 
Züricher Denare von Ernst L (1012 bis 1015) oder Ernst n. 
(1015 bis 1027) wird man diesen Denar an Herzog Hermann H. 
von Schwaben, 997 bis 1003, zu geben haben, von dem Züricher 
Münzen bisher überhaupt nicht bekannt waren. 

Sitzung vom 3. Februar 1896. 

Der Vorsitzende eröfhete die Sitzung mit der Mittheilung 
von dem Ableben eines Ehrenmitgliedes der Gesellschaft, des um 
die orientalische Münzkunde hochverdienten Geh. Hofraths 
Professor Dr. Stickel in Jena, den die Gesellschaft noch im ver- 
flossenen Jahre zur Vollendung des 90. Lebensjahres hatte be- 
grüssen und beglückwünschen können. Die Anwesenden ehrten 
den Hingeschiedenen in der üblichen Weise. — Alsdann theilte 
der Vorsitzende mit, dass der früher beschlossene Schriftentausch 
mit der belgischen Schwestergesellschaft nunmehr in Wirksam- 
keit getreten sei, und legte das erste Heft des laufenden Jahr- 
ganges der Revue beige vor, indem er auf dessen reichen Inhalt, 
darunter namentlich die Aufsätze von de Jonghe über drei noch 
unbekannte Lütticher Bischofsmünzen und von Schulmann über 
einen verkannten Florenen — Gotthard von Heiden, nicht Gott- 



— 7 — 

fried von Heinsberg — sowie die Fortsetznng der interessanten 
Arbeit Maxe-Werlys über die Münzen des Herzogthums Bar 
aufmerksam machte. Auch hat die belgische Gesellschaft der 
hiesigen ihre im Jahre 1891 aus Anlass des internationalen Münz- 
forscherkongresses erschienene Festschrift, enthaltend eine grosse 
Anzahl von Aufsätzen aus allen Gebieten der Münzwissenschaft, 
zum Geschenk gemacht, die ebenfalls vorgelegt und besprochen 
wurde. Weiter zeigten mehrere Herren ihre neueren Erwerbungen 
unter Hinzuffigung der erforderlichen Erläuterungen : Herr Stadt- 
rath Bratring ein ebenso schönes wie seltenes Yierdukaten- 
stück Ernst Bogislaws von Croy, anscheinend von J. Höhn ge- 
schnitten, das sich im Gepräge an die aus Ampach und Reichel 
bekannten Silbermedaillen dieses Herrn, deren eine die Jahres- 
zahl 1656 trägt, anschliesst; Herr Landtagsabgeordneter van 
Yleuten ein stempelfrisches Goldstück mit dem Bilde des Lucius 
Yerus, Rs. REX PARTHIS DATVS, die Darstellung für diese 
Zeit au£fallend roh geschnitten, einen Denar des Monetars des 
Augustus Durmius mit der Elefantenbiga, ein sehr schönes 
Grosserz des Domitian mit JOYI VICTORI u. a.; Herr Land- 
gerichtsrath Kirsch einen yorzüglichen Denar Pipins mit Namen 
und Titel im Monogramm, unter ersterem die wohl den Münz- 
meister andeutenden Buchstaben HAD, ein von den Vormündern 
Albert Ottos Grafen zu Solms geprägtes, seltenes Sechskreuzer- 
stttck von 1621 und eine zierliche Auswurfsmünze Friedrichs HL 
von Brandenburg; Herr Reg.-Bath v. Eühlewein die treffliche 
offizielle Medaille auf die Eröffnung des Kaiser-Wilhelmkanals 
(modellirt von Herter, geschnitten vom königlichen Mflnz- 
medailleur Schulz) mit den Bildern der drei Kaiser und den an- 
muthigen Gestalten der die beiden Meere verkörpernden Nixen, 
ferner ein hübsches Stück auf die Reichsjubelfeier mit einer 
Wiedergabe der Wemerachen Kaiserproklamation, endlich die 
von R. Begas modellirte Gussmedaille zu Ehren Adolf Menzels. 
Letzteres Stück wurde einer eingehenden Besprechung unter- 
zogen und erntete nicht das überschwängliche Lob, das ihm 
anderwärts zu Theil geworden ist: wenn auch das Bildniss die 
Persönlichkeit des Gefeierten treffend wiedergiebt und die Rück- 
seite leicht und flott behandelt ist, so hält die Medaille doch keines- 
wegs den Vergleich mit den Meisterwerken der Renaissance aus, 



— 8 - 

die uns stets von Neaem durch die wunderbare Tiefe der Auf- 
fassung entzücken. 

Im Anschluss hieran zeigte Herr Regierungsrath Friedens- 
burg eine zweite moderne Gussmedaille (modellirt von Seeger), 
die dem verdienten Prähistoriker Geh. Sanitätsrath Dr. Grempler 
zu Breslau jüngst von seinen Freunden und Verehrern über- 
reicht worden ist: auch sie eri'ang keinen ungetheilten Beifall, 
obwohl insbesondere der auf der Rückseite ausgedrückte Gedanke 
— Putten bei einer Ausgrabung — recht gefiel. 

Herr Hauptmann Brause hielt einen Vortrag über die Be- 
lagerung der den Spaniern treu gebliebenen Stadt Middelburg 
durch die aufständischen Niederländer im Jahre 1572, und legte 
die vollständige Reihe der damals geprägten, zum Theil sehr 
seltenen Nothmünzen: Thaler, Halbthaler, doppelter und einfacher 
Dukat vor. 

Herr Landgerichtsrath Dannenberg erläuterte einige von 
ihm vorgelegte Medaillen mit Darstellungen römischer Bauwerke. 
Vier davon haben die Peterskirche zum Gegenstande: die älteste, 
von Julius II. 1506 ausgegeben, von Caradosso gegossen, giebt 
diese gi'össte Kirche der Christenheit nach dem Plane Bramantes, 
der das Pantheon auf die konstantinische Basilika zu setzen 
vorhatte, die zweite, von Paul in., zeigt sie so, wie sie Michel- 
angelo gestaltete, die dritte von 1586 (Sixtus V) mit dem durch 
Mademo der Vorderseite vorgebauten Langschiffe und dem 
Obelisken davor, die letzte endlich, von Alexander VII., in der 
Gestalt, in der wie sie heut sehen, mit den Berninischen Ko- 
lonnaden, dem Obelisken in der Mitte des Yorhofs und den 
beiden Springbrunnen zur Seite.. Dieser Obelisk erscheint auch 
auf der Rückseite einer Medaille mit dem Brustbilde des Bau- 
meisters Domeniko Fontana, der im Jahre 1586 glücklich die 
schwierige Aufgabe löste, die gewaltige Last von ihrer alten 
Stelle im vatikanischen Zirkus auf den jetzigen Platz zu schaffen. 
Endlich zeigt uns eine Medaille mit dem geradezu grossartigen 
Bilde Alexanders VI. die Engelsburg, wie sie dieser Papst zu- 
folge der Umschrift hergestellt hat: mit Graben und Befestigungs- 
thttrmen, die jetzt verschwunden sind. 

Herr Admiral Strauch besprach im Anschluss an frühere 
Vorträge von ihm und an der Hand einer Abhandlung im 



— 9 — 

Numismatic Chroniclc die Münzen der indischen Eingeborenen- 
Staaten Gutch, Navanagar, Porbandar und Jannagad, von denen 
namentlich die von Gutch (Einheit: 1 Kori, 4 Kons etwa » 
1 Rupie) von denen aller anderen indischen Staaten in Form, 
Gewicht und Benennung abweichen. Ferner legte er die gegen- 
wärtig auf Grund des Gesetzes vom H. Februar 1885 (und 
zwar zuerst in Berlin) geschlagenen Mfinzen Aegyptens vor; 
Mfinzeinheit ist das Pfund zu 100 Piaster (20,80 Mk.), 1 Pia. = 
10 Oehr-el-Ghersch. Geprägt wurden in Gold: 100, 50, 20, 10, 
5 Pia., in Silber 20, 10, 5, 2, 1 Pia., in Nickel '/lo, 7io, Vio Pia-, 
in Bronze V»> V40 Pia- 
Herr Begierungsrath Friedensburg zeigte eine kleine, bis- 
her gänzlich unbekannte Silbermedaille seiner Sammlung mit den 
Wappen der 1577 geadelten, später mit dem Zusatz ^von Kupfer- 
berg^ in den Freihermstand erhobenen schlesischen Familie Fürst 
und der 1554 geadelten Schmidt von Schmiedeburg, die sich offen- 
bar auf die Vermählung Georg Friedrichs v. F. (gest. 1600) mit 
Patientia von S. bezieht. Endlich legte er das soeben erschienene 
Buch von Emil Bahrfeldt: „Das Münzwesen der Ma/k Branden- 
burg unter den HohenzoUern bis zum Grossen Kurfürsten^ vor 
und wies darauf hin, wie erfreulich es sei, dass die längst als 
dringendes Bedfirfniss empfundene Bearbeitung des branden- 
burgischen Münzwesens gerade von einem Mitgliede der Gesell- 
schaft geliefert worden sei. Bahrfeldt hat mit Eifer und Geschick, 
vor allem mit nicht genug zu rühmender Gründlichkeit und Sorg- 
falt ein Werk geschaffen, für das ihm die wohlverdiente Aner- 
kennung hoffentlich nicht entgeht. 

Sitzung vom 2. Harz 1896. 

Herr Admiral Strauch machte einige Mittheilungen über 
das durch das Gesetz vom 11. Februar 1895 eingeführte, auf 
einem neuen System beruhende Münzwesen der Republik Chile. 
Münzeinheit ist das Fünftel des Goldescudo zu 0,54918 Gr. Fein- 
gold. Der Escudo wird zu 5 Pesos gerechnet (etwa =: 1,50 Mk.), 
und es sind in Gold Stücke zu 20, 10 und 5 Pesos, in Silber 
solche zu 1 Peso, 20, 10 und 5 Centavos (1 0« = '/im Peso) 
geprägt. Da der silberne Peso bei einer Feine von 835 Tausend- 



— 10 — 

stein 1 6,70 Gr. Eeinsilber enthält, so stellt sich das Yerhältniss 
des Goldes zum Silber wie 1 : 30 ; ein wohl noch nie dagewesener 
Satz. Die Stempel der neuen Münzen sollen von dem berühmten 
französischen Medailleur Roty herrühren. Zeitungsnachrichten 
zufolge ist auch Russland im Begriff, ein neues Münzsystem an- 
zunehmen, und es sollen die ersten neuen Gepräge bei der bevor- 
stehenden Krönung verausgabt werden. Der Vortragende legte 
weiter einige von ihm neuerworbene indische Rupien der Staaten 
Hyderabad und Gwalior vor, Staaten, die trotz ihrer Grösse und 
Bedeutung noch immer an der Eingeborenen-Prägung festhalten, 
sowie eine solche von Kaschmir, auch einen schon jetzt ziemlich 
seltenen Franken, 1880 zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens 
des Königreichs Belgien geprägt. 

Herr kaiserl. Rath Fiala aus Prag als Gast legte eine 
grosse Reihe der überaus interessanten Denare des Rackwitzer 
Fundes vor, femer solche aus den Funden am weissen Berge 
bei Prag und bei Manschütz, und theilte Näheres über diese 
und ähnliche Funde mit, u. a., dass der Manschützer Fund 
neben Pfennigen des XIII. Jahrhunderts auch solche Bolesl- 
aws II. von Ethelredstypus enthalten habe. Insbesondere 
führt er aus, dass die Rackwitzer Denare nicht, wie man an- 
genommen habe, von den Babenbergern in Oesterreich, sondern 
von den grossen Herrengeschlechtern an der Grenze von Bayern 
und Böhmen geschlagen worden seien. In der an diesen Vor- 
trag sich anschliessenden Besprechung, an der sich nament- 
lich die Herren Dannenberg, Bahrfeldt und Friedensburg be- 
theiligten, wurde besonders auf die höchst auffallenden Gepräge 
der Rackwitzer Denare, die übrigens durchweg von viel schönerem 
Stempelschnitt sind, als man nach den landläufigen Abbildungen 
erwartet, hingewiesen: es finden sich da neben zahlreichen Nach- 
ahmungen böhmischer Pfennige Stücke mit der Darstellung eines 
Reiters, eines Centauren, dem sehr geschmackvoll verzierten 
Zeichen der heiligen Dreieinigkeit u. a., namentlich aber eine 
Kopie spätrömischer Kaisermünzen mit zwei unter einem Vexillum 
sitzenden Gefangenen und — was das Allermerkwürdigste ist — 
ein Denar mit einer auf einem Fisch reitenden Person, genau 
so, wie sie auf grossgriechischen Münzen erscheint. 

Herr von der Heyden zeigte eine ausserordentlich reiche 



— 11 — 

Reihe von Thalern und Medaillen Maximilians L, beginnend mit 
den zwei Schauthalern auf die burgundische Hochzeit im Jahre 1479, 
und schloss daran einige Seltenheiten aus der Zeit Karls Y. : die 
Medaille auf die Schlacht bei Mählberg mit den Bildnissen Karls 
und Ferdinands und der Ansicht der Schlacht, die Medaille 
Karls y. von Hans Reinhard, einen Doppeltbaler von 1522 mit 
den Köpfen Maximilians und Ferdinands, mehrere Medaillen 
Johann Friedrichs von Sachsen, ''und den Thaler Pfalzgraf 
Friedrichs IL als kaiserlichen Statthalters von 1522. £ndlich 
legte er die 123 Millimeter grosse Medaille Albrechts V. von 
Bayern auf die Unterdrückung der protestantischen Partei (1558) 
in einem schönen silbernen und vergoldeten Exemplar vor: das 
(aus der Felixschen Sammlung stammende) Stück ist veohl von 
niederländischer Arbeit und macht einen überaus prächtigen 
Eindruck, wenngleich das Brustbild der Fürsten etwas plump 
gerathen und der Bart verzeichnet ist. 

Herr Dr. Nütz el gab eine Lebensbeschreibung des berühmten 
Orientalisten, Geheimen Regierungsraths, Professors Dr. Stickel zu 
Jena, der am 21. Januar 1896 im Alter von 91 Jahren sein 
arbeitsreiches Leben beschloss, und zeigte die im vorigen Jahre 
erschienene Denkmünze mit seinem Bilde. Es war dem Ver- 
storbenen, der als Knabe noch den ersten Napoleon gesehen, als 
Jüngling mit Goethe verkehrt und in seinem Alter Bismarck 
begrfisst hatte, vergönnt gewesen, bis an sein Ende sich die voll- 
ständigen Kräfte seines Geistes zu erhalten. 

Herr Hauptmann Brause legte unter Mittheilung der ent- 
sprechenden geschichtlichen Ereignisse die siebenbürgischen Noth- 
münzen seiner Sammlung vor: drei Thaler Christoph Bathorys 
von 1580, geprägt von Felician Herberstein in Nagy-Banya, die 
kronstädter Belagerungsklippe von Sigisniiund Bathory 1601, 
kronstädter Thaler und Halbthaler von 1612, namentlich der 
letzte von grosser Seltenheit, endlich drei Thaler Gabriel Bathorys 
von 1611. 

Herr Landtagsabgeordneter van Vleuten als Gast zeigte 
einen Schauthaler des Trierer Domkapitels von 1715 mit der 
den „heiligen Rock** haltenden hl. Helena. 

Herr Major Bahrfeldt als Gast besprach im Anschluss 
an von ihm auijgefundene Archivalien die hildesheimer Medaillen 



— 12 — 

auf die im Jahre 1528 erfolgte Yermehrnng des Stadtwappens 
und wies nach, dass diese Stücke seit dem Beginn des 
17. Jahrhunderts lange Jahre hindurch auf private Bestellung, 
und zwar im Gewicht und Gehalt je nach den Wünschen 
der Käufer bezw. entsprechend dem von ihnen hergegebenen 
Edelmetall geschlagen worden seien. Es sei daher thöricht 
von den Sammlern, diese und ähnliche Stücke nach ihrem 
verschiedenen Metall und^ Gewicht zu ganzen Reihen zu- 
sammenzustellen, da es sich, im Grunde genommen, doch 
immer nur um dieselbe Medaille handle. An diesen Vortrag 
knüpfte sich eine Erörterung der verschiedenen Zwecke, für 
welche ehedem Goldabschläge von Silbermünzen hergestellt 
wurden — meistens dienten sie zu Geschenken zum Neujahr, 
auch als Pathengeschenke, Schützenpreise u. a. — und man war 
darüber einig, dass nur selten die Absicht vorgelegen habe, mit 
solchen Goldabschlägen einen besonderen Münzwerth zu schaffen. 
Herr Dr. Bahrfeldt hielt einen Vortrag über den gross- 
artigen Silberschatz von Leissower Mühle bei Frankfurt a. 0., 
über den er schon in früheren Sitzungen allgemein orientirende 
Mittheilungen gemacht hatte. Durch seinen stattlichen Inhalt 
an Silberschmuckstücken, besonders aber durch seinen Münzen- 
reichthum (über 4700 Stück) und die grosse Zahl hervorragender 
Seltenheiten und bisher gänzlich unbekannter Münzen zählt der 
Fund zu den bedeutendsten des 10. und 11. Jahrhunderts, die 
jemals zur wissenschaftlichen Prüfung gelangt sind. Die kritische 
Bearbeitung des Fundes aus des Vortragenden Feder ist jetzt 
im Drucke erschienen. 

Sitzung vom 13. April 1896. 

Die Sitzung eröffnete der Vorsitzende unter Vorlegung 
einiger neu eingegangener Schriften, darunter das Aprilheft der 
„Bevue belge^ und eine Arbeit des Vereinsmitgliedes von Jakobs: 
„Das Volk der Siebener -Zähler^, in welcher der Ursprung 
unseres heutigen Zahlensystems im Anschluss an neuerlich ent- 
deckte altbabylonische Maasse und Gewichte gesucht wird. 

Alsdann hielt Herr Landgerichtsrath Dannenberg einen 
Vortrag über die Gussbronzen der römischen Kaiserzeit (bis 180 



— 18 — 

n. Chr.), indem er 7od dem Münzwesen der Bepublik ausging. 
Nachdem man sich in Kom auffallend lange mit ungemünztem 
Kupfer (aes rüde) beholfen hatte, ging man im 4. Jahrhundert vor 
Beginn unserer Zeitrechnung dazu über, Geldstücke durch Guss 
herzustellen, die auf der Rückseite mit dem Bilde eines Schiffes 
gezeichnet waren, während die Vorderseite den Götterköpfen vor- 
behalten blieb. Die Münzeinheit bildete der As, der in 12 Theile 
(unciae) zerlegt wurde und 1 Pfund (327,45 Gramm) wiegen 
sollte, aber in den auf uns gekommenen Stücken sich selten 
über 10 Unzen erhebt. Nach etwa einem Jahrhundert (264 v. Chr.) 
wurde er auf ein Drittel seines Gewichts verringert und sank 
allmählich bis auf ein Yieinindzwanzigstel (Seminncialfuss), wo- 
mit der Anlass gegeben war, vom Guss zur Prägung des Mttnz- 
stücks überzugehen. Die zuerst 268 v. Chr. erscheinenden Silber- 
münzen sind im Werthe von 10 verringerten Assen (daher 
Denarii) ausgeprägt und an Stelle des Asses selbst trat als 
Münzeinheit ein Stück von 2\^ Assen, der Sesterz (Drittehalb- 
stück), der, in der Republik nur selten in Silber ausgebracht, 
unter den Kaisern das gewöhnliche Eupfergeld bildete. Die 
vom Vortragenden vorgelegte Münzreibe eröffnete ein Libralas 
der ältesten Zeit, an das sich eine Reihe theils durch die 
charakteristischen Bildnisse, theils durch die Darstellungen der 
Rückseite bemerkenswerther Gepräge bis auf M. Aurel anschloss. 
Herr v. d. Heyden zeigte eine Anzahl kostbarer Medaillen 
der brandenburgischen Kurfürsten vom Joachim I. ab (Abguss 
der im königlichen Kabinett befindlichen Arbeit des Hans Schwarz) 
bis zum Grossen Kurfürsten, unter denen sich namentlich das in 
der Festschrift der Gesellschaft veröffentlichte Kleinod Johann 
Sigismunds in durchbrochenem, mit Perlen und Edelsteinen ge- 
schmücktem Rahmen, das mittelst feiner Kettchen an dem 
brandenburgisch-preussischen Adler hängt, ebenso durch seine 
Zierlichkeit wie durch seine Seltenheit auszeichnete. — Herr 
Hauptmann Brause legte die vollständige Reihe der während 
der Belagerung von Brannau im Jahre 1743 geschlagenen Noth- 
münzen — 6 Stück in Gold, Silber und Blei — vor und zeigte 
sodann drei schöne Medaillen: die eine in getriebener Arbeit, 
von Pieter van Abeele herrührend, auf die Yennehrang des 
Wappens der Stadt Amsterdam, die zweite, gegossen, mit einer 



— 14 — 

interessanten Darstellung der Belagerang dieser Stadt im Jahre 
1650, endlich eine von Ludwig XIY. zur Erinnerung an die Er- 
oberung von Burgund 1668 geprägte. 

Herr Regierungsrath Friedensburg sprach über einen von 
ihm für das Münzkabinet der Stadt Breslau erworbenen schlesischen 
Thaler Ferdinands I. mit der Jahreszahl 1564. Der Thaler kann 
aber nicht aus diesem Jahre stammen, weil man damals Gulden- 
thaler prägte, während das vorliegende Stück ein schwerer Thaler 
ist, sodass die Annahme naheliegt, dass es erst unter Maximilian 
geschlagen ist, der auch in Wien und in Kremnitz mit dem Bilde 
seines Vaters hat prägen lassen. Dann sprach er über die 
beiden breslauer Medailleure Hans Bieger Vater und Sohn, deren 
mit H. R. gezeichnete Werke in den Münzbüchern und Katalogen 
einem gewissen „Hans Riedel "" zugeschrieben zu werden pflegen. 
Einen Stempelschneider dieses Namens hat es aber niemals ge- 
geben, ein Hans Riedel, der auch Rudel, Rüdell u. ä. geschrieben 
wird, war in den 1620 er Jahren Wardein bei der kaiserlichen 
Münze zu Breslau und hat die meisten der aus ihr hervorge- 
gangenen Gepräge mit seinen Namensbuchstaben gezeichnet. 
Der Wappenstein- und Münzeisenschneider Hans Rieger der 
ältere starb 1653 im Alter von 73 Jahren, sein Sohn wird noch 
bis 1660 erwähnt; die Werke beider auseinanderzuhalten dürfte 
sehr schwer sein. Unter den vielen Münzen und Medaillen, zu 
denen diese — übrigens ziemlich unbedeutenden — Künstler die 
Stempel geschnitten haben, verdient besondere Erwähnung eine 
jüngst bekannt gewordene Medaille mit dem Bilde des Schweden- 
königs Gustav Adolf und der Jahreszahl 1634, ein Denkmal des 
Versuchs der evangelischen Schlesier, unter schwedischem Bei- 
stand des drückenden habsburgischen Joches ledig;^ zu werden. 

Endlich legte der Vortragende noch die bereits von Erman als 
zusammengehörig erkannten Medaillen auf Benedikt Stimmel und 
Albert Winss, beide von 1579, in Abgüssen nach den Urstücken 
des kgl. Kabinetts, sowie im Original aus seiner Sammlung eine 
solche von 1578 auf Abraham von Grünberg, Vogt zu Krossen 
und Komthur zu Lossen, vor, die zweifellos von demselben 
Künstler, wie jene herrührt. Da Stimmel erster Bürgermeister 
in Frankfurt a. 0. war (gest. 1602 im Alter von 80 Jahren), 
Winss einem Frankfurter Patrizierhause entstammt und Grün- 



— 15 — 

bergs Familie in den Grenzgebieten zwischen der Mark und 
Schlesien ihre Heimath hatte, so liegt die Vermuthung nahe, 
dass der Verfertiger dieser Stücke der zu Frankfurt angesessene 
Münzmeister Franz Friedrich oder sein nach Breslau überge- 
siedelter Sohn, der Wappensteinschneider Johann Friedrich ge- 
wesen ist. 

Herr Dr« Bahrfeldt besprach zwei jüngst erschienene numis- 
matische Bücher: C!oraggioni, Münzgeschichte der Schweiz, die 
weniger durch ihren Text als durch die Yortre£fiichen 25 Tafeln 
Abbildungen sich auszeichnet, und Grössler, Mansfelder Münzen, 
eine willkommene Ergänzung zu der bisherigen Literatur zur 
Mansfeldischen Münzkunde. Sodann verbreitete er sich über 
den Brakteatenfnnd von Hohen-Volkfien und legte die haupt- 
sächlichsten Stücke daraus vor, Brakteaten wie Denare. Die 
Hauptmasse des Fundes bestand aus schriftiosen braunschweigi- 
sehen Pfennigen mit dem Löwen, theils einfach im Felde, theils 
unter bethürmten Gebäuden. Als völlig neuer Münzherr tritt 
Wilhelm von Lüneburg auf (1184—1213), dessen Gepräge um 
den Löwen die Aufschrift * WILLEHELMVS DE LYN sehen 
lassen. Brandenburg, und zwar die dem Fundorte nahe gelegene 
Münzstätte Salzwedel, lieferte unter anderen Brakteaten seltener 
Art das hochinteressante Stück Ottos IL mit dem Schlüssel, 
dem Stadtzeichen Salzwedels, und der Umschrift MICI DEDI ET 
EMIET. Auch ein neuer Stempel des Denars Heinrichs von 
Gardelegen (1184—1188) mit der ansprechenden Darstellung 
der Hand Gottes über einer Burg mit Schlüssel fand sich^ der 
auf beiden Seiten des Grafen Namen trägt. Noch unbekannt 
waren zwei, nur in einzelnen Exemplaren im Funde vertretene 
Brakteaten aus Salzwedel; auf dem einen ist der Markgraf mit 
Schlüssel, Fahne und Schild über einen bethürmten Bogen, in 
dem ebenfalls Thürme sich befinden, dargestellt, der andere 
zeigt ein Brustbild mit zwei Schlüsseln unter einem bethürmten 
Portal. Neu ist auch ein durch seine geringe Grösse au£faUender 
Brakteat Bernhards von Sachsen (1180—1212) von zierlicher 
Arbeit mit Schwert und Fahne und der Aufschrift BERNA=::HRD 
DVX. Eine Anzahl stumme Brakteaten Niedersachsens machen 
den Beschluss. Die Yergrabung des Fundes, der im Alter an 
den für die braunschweigische Münzkunde so wichtigen von 



— 16 — 

Mödessee sich anschliesst, wird etwa im Jahre 1200 geschehen 
sein. 

Sitzung Tom 4. Mai 1896. 

Herr Admiral Strauch legte mehrere überseeische Mflnzen 
vor, darunter als besonders bemerkenswerth 1 Eori von 1855, 
die Mänzeinheit des indischen Staates Gutch (4 Eori = 1 indi- 
scher Kupee), und 10 Dirhem von Marokko aus dem Jahre 1299 
der Hedschra = 1881/82 n. Chr., im Werthe gleich etwa 1 span. 
Duro. Diese 10 Dirhemstücke sind nur in sehr geringer Zahl 
geprägt worden und nicht in den allgemeinen Verkehr gelangt. 
Der Vortragende fügte die Mittheilung hinzu, dass Spanien sich 
mit der Absicht trage, für Puerto Rico besondere Münzen nach 
spanischem System zu prägen. 

Herr Dr. Weber als Gast zeigte einige Brakteaten und 
Herr Regierungsrath y. Kühlewein drei moderne Medaillen. Die 
eine, auf den Tod der Kaiserin Augusta mit dem Kopfe in 
vertieftem Felde, mit Schleier und antikem Diadem, ohne Um- 
schrift, Rückseite mit gekröntem Namenszuge und Angabe 
des Todestages, soll nur an die Offiziere vertheilt worden 
sein, die am Sarge Wache gehalten haben. Die andere, auf 
das Brieftauben -Wettfliegen zwischen Berlin und Wien 1893, 
hat den Kopf des Präsidenten des ornithologischen Vereins 
Bachofen y. Echt, auf der Rückseite fliegende Tauben und 
beider Städte Thürme. Die dritte Medaille bezieht sich auf 
den Musiker Hans v. Bülow und zeigt dessen scharf geschnittenes 
Profilbild, auf der Bückseite ein Palmenblatt und eine auf des 
Meisters ruhmreiches Wirken bezügliche Inschrift. Die beiden 
letzten Medaillen sind von A. Schar£fs kunstfertiger Hand. 

Herr Dr. Bahr fei dt brachte die soeben erschienene dritte 
Auflage von Schlickeysen-Pallmanns Abkürzungen auf Münzen und 
Medaillen zur Ansicht und wies, eine ausführliche Besprechung 
anderen Orts sich vorbehaltend, darauf hin, dass die Mängel 
der zweiten Auflage keineswegs beseitigt seien, ja dass ein 
grosser Theil der numismatischen Literatur seit 1882 überhaupt 
nicht berücksichtigt sei und dass das Buch nichts weniger als be- 
friedigen könne. Er legte weiter eine ansehnliche Reihe von Mittel- 
altergroschen seiner Sammlung vor, darunter besonders zu nennen 



- 17 — 

der brandenburgische sog. Statthaltergroschen von 1481, die 
älteste märkische Münze mit einer Jahreszahl; ein stolberger 
Qroschen von Graf Heinrich VIIL und seinen Söhnen von 1501, 
braunschweigische Groschen von Herzog Wilhelm I. 1416—1482, 
Heinrich III. 1427—1463 aus der Münze zu Salzderhelden, von 
Albrecht m. 1427—1483, Heinrich dem Älteren 1495—1514, 
ferner ein Turnose von Arnold II. von Randerath, Groschen von 
Schoenvorst, ein Albus Friedrichs IV. von Mors, in Valkenburg 
geschlagen, u. a. m. 

Herr Stadtbaurath firatring setzte seine Vorträge über 
pommersche Münzen fort. Er gab ein Bild von der schveedisch- 
pommerschen Prägung unter Gustav Adolf, Christine und Karl 
Gustav. Von Gustav Adolf sind nur zwei in Stettin 1632 
geschlagene Dukaten bekannt. Seine Tochter Christine prägte 
Doppeldukaten, Dukaten, Doppelthaler, Thaler, halbe Thaler, 
halbe Beichsörter und Witten (Vm Thlr.). Sie haben sämmtlich 
kein Münzmeisterzeichen und zeichnen sich durch korrekte 
Arbeit aus. Karl Gustav prägte dieselben Sorten wie seine 
Vorgängerin in der Krone, nur Halbthaler und halbe Reichsörter 
nicht, dafür aber noch Viertelthaler und Doppelschillinge. Ein 
Theil dieser Münzen führt die Initialen des Münzmeisters Ulrich 
Butkau. Eine grosse Anzahl schöner und seltener Stücke der 
obigen B«ihe, die Herr Bratring aus seiner Sammlung vorlegte, 
verdeutlichte und belebte den Vortrag. 

Herr Hauptmann Brause verbreitete sich über die Belagerung 
der Stadt Haarlem durch die Spanier unter Herzog Alba in den 
Jahren 1572/1573 und schilderte die Grausamkeiten, die die Be- 
lagerer an der Besatzung verübte, weü sie den Muth gehabt hatte, 
ihre Heimath und ihre Familie zu vertheidigen. In diesen schweren 
Zeiten Hess die Stadt Nothmünzen anfertigen, meist Thalerklippen, 
die heute zu den gesuchten Seltenheiten gehören. Hervorragend ist 
die aus der Mailletschen Sammlung stammende Klippe mit der 
GraviniDg: „Haarlem van den Tiran Alba belegert haeft door 
noot dit Geld geslagen^. Nicht weniger als zwölf verschiedene 
Nothmünzen dieser Art zeigte Herr Brause aus seiner Samm- 
lung vor. 

Die neuesten Erwerbungen f&r seine Sammlung deutscher 

Kaisermfinzen brachte Herr Baorath Fischer-Di eck zur Vorlage: 

2 



- 18 — 

einen schönen in Melle geprägten Denar Karls des Kahlen, einen 
gelnhäuser Denar Budolfs von Habsbnrg, je einen Eskalin von 
Karl V. V. 1540 und von Philipp II. v. 1547, beide aus einem 
Funde in Lothringen stammend. 

Herr Landgerichtsrath Dannenberg sprach im Anschluss 
an seinen Vortrag in der Aprilsitzung über die Grossbronzen 
(Sesterzen) der späteren Kaiserzeit und legte viele schöne und 
seltene derartige Stücke vor, unter denen besonders die von 
Didius lulianus, Balbinus, Pupienus und Paulina, der Gemahlin 
des Maziminus, hervorragten. 

HerrRegierungsrathFriedensburg zeigte mehrere besonders 
schöne Medaillen aus neuerer Zeit, von König in Dresden auf Thor- 
waldsen und Bauch, von Voigt in München auf König Ludwig L, von 
Schnitzspahn in Darmstadt auf Prinz Alfred von England und die 
Grossfürstin Marie Feodorowna, endlich von Scharflf in Wien 
auf Bosegger, und machte dann Mittheilungen über einige 
ihm in schlesischen Akten geglückte Auffindungen von allge- 
meinerem Interesse. Unter den Münzforschern ist es streitig, 
ob der Winterkönig, von dem wir Geld aus den Münzstätten 
Prag, Kuttenberg, Joachimsthal und Olmütz besitzen, auch in 
Breslau hat prägen lassen. Diese Frage ist jetzt mit Sicher- 
heit zu verneinen; die königliche Münze in Breslau war damals 
bereits seit 20 Jahren eingegangen und auch eine städtische be- 
stand nicht mehr. Im Januar 1620 wandte sich nämlich der 
Bath der Stadt an die Herzöge von Öls mit der Bitte, da sie 
auf die erhoffende glückliche Ankunft des Königs von Böhmen 
etliche Stücke Goldes zu münzen bedacht, zu denen die Stempel 
allbereit verfertigt seien, deren Prägung in ihrer Münze zu Öls 
zu gestatten. Es sind dies die bekannten seltenen Goldstücke 
zu 1 und 2 Dukaten mit dem Bilde des Königs und dem bres- 
lauer Stadtwappen. In November 1620, also schon gegen Ende 
seiner kurzen Herrschaft, schreibt dann Friedrich an dieselben 
Herzöge, dass er zur Stillung und Abfertigung des ihm aus 
Böhmen nachgefolgten Kriegsvolkes eine Summe Geldes in mög- 
lichster Eile zusammenbringen müsse, und dass er daher Silber 
in die Münze zu Öls werde führen lassen, damit es dort zu 
Geld geprägt werde; im Januar des folgenden Jahres ersucht 
dann die Königliche Kammer den ölser Münzmeister Hans Tuch* 



— 19 - 

mann um Auskunft über die bisherige AusmüDzung. Wir be- 
sitzen nun aus dem Jahre 1621 einen Vierundzwanziger und 
einen Achtundvierziger König Friedrichs mit dem Monogramm 
Hans Tuchmanns, die Erzeugnisse dieser Prägung. Schlesisch 
sind endlich auch die Münzen Friedrichs mit dem Zeichen 
Christoph Gantors, der 1619 und 1620 sich in Troppau aufhielt. 
Aus der ölser Münze ist übrigens auch der löwenberger Schützen- 
festthaler von 1615 hervorgegangen, wie sich aus einer Urkunde 
Herzog Karls aus diesem Jahre ergiebt, worin er die Prägung 
und zwar gemäss der kaiserlichen Bewilligung bis zum Betrage 
von 2000 Stück gestattet. 

Sitzung Tom 1. Juni 1896. 

Herr Landgerich tsrath Dannenberg setzte seinen Vortrag 
über das altrömische Kupfergeld fort, indem er über die so- 
genannten Mittelbronzen der Kaiserzeit, d. h. der Stücke zu 1 
und 2 As (Dupondius), sprach. Da beide Werthe in Stücken 
von gleicher Grösse und Schwere ausgebracht wurden, so unter- 
schied man sie dadurch, dass man den Dupondius in gelbem 
Kupfer prägte und dem auf ihm erscheinenden Kaiserbildniss eine 
Zackenkrone aufsetzte, während es sonst auf dem As einen Lor- 
beerkranz trägt. Der Redner belegte seine Ausführungen durch 
eine ansehnliche, von Pompejus bis Septimius Severus reichende 
Reihe der besprochenen Münzen, in der sich auch einige Ver- 
treter der seltenen kleinen Werthe, Semis und Quadrans, befanden. 

Herr Regierungsrath Friedensburg zeigte eine schöne 
Bronzemedaille von Hameranns in Rom, die zur Verherrlichung des 
französischen Marschalls Turenne geprägt ist und auf der Rück- 
seite die Idealfiguren der Honos, Virtus und Aequitas in ge- 
nauer, nur in den Zopfstil übersetzter Wiederholung einer Gross- 
bronze des Vitellius trägt. Derselbe legte sodann zwei schlesi- 
sche Medaillen vor: einen gegossenen, ziemlich rohen Gnaden- 
pfennig des Herzogs Heinrich Wenzel von Öls aus dem Jahre 
1618, der ein für Schlesien ziemlich später Vertreter dieser 
Technik ist, ferner einen ovalen Schauthaler des Bischofs Karl 
Ferdinand von Breslau von 1642. 

Herr Oberbibliothekar Dr. Weil hielt einen, demnächst 

2* 



— 20 — 

zu veröffentlichenden ausführlichen Vortrag über ein jüngst 
aufgefundenes Proxeniedekret der Pisaten aus Ol. 90, 1 = 
364 y. Chr., das auf die Partei Verhältnisse im Peloponnes, 
wie sie durch die thebanische Hegemonie und die Erbauung 
von Megalopolis sich gestaltet hatten, neues Licht wirft. 
Mit der Olympiafeier des angegebenen Jahres hatte E. Curtius 
die bekannte kleine Goldmünze der Pisaten mit Zeuskopf 
und Blitz, die einzige autonome Goldmünze des Peloponnes, 
in Verbindung gebracht, eine Annahme, die seither durch 
anderweit bekannt gewordene Prägungen dieser Zeit voll be- 
stätigt worden ist. Die damaligen Zustände in Elis wie in den 
anderen Landschaften des Peloponnes finden auch in den gleich- 
zeitigen Münzen ihren kennzeichnenden Ausdruck. 

Sitzung vom 8. September 1896« 

Die Sitzung wurde vom Vorsitzenden durch einen Nachruf 
auf den jüngst verstorbenen Frhrn. Hugo v. Saurma eröffnet, 
der sich um die Siegel- und Münzkunde seiner Heimath Schle- 
sien durch die Herausgabe des „Wappenbuches der schlesischen 
Städte und Städtel^ und der „Schlesischen Münzen und Medaillen*^ 
grosse Verdienste erworben hat. Nachdem er seine unvergleich- 
liche schlesische Münzsammlung an das Museum schlesischer 
Alterthümer abgetreten und auch hierbei seinen selbstlosen, nur 
auf die Förderung der Wissenschaft gerichteten Sinn bethätigt 
hatte, hat er noch eine grosse Sammlung groschenförmiger 
Münzen angelegt und diese in einem prachtvoll ausgestatteten 
Tafelwerk beschrieben. Ausser diesen Veröffentlichungen sichert 
ihm auch das Verzeichnis seiner ersten, brandenburgischen 
Sammlung ein ehrenvolles Andenken in der numismatischem Welt 
— Die Versammlung ehrte den Verstorbenen in üblicher Weise. 

Mehrere Mitglieder legten hierauf ihre neuesten Erwerbungen 
vor: Herr Baurath Fischer-Dieck einige durch tadellose Er- 
haltung ausgezeichnete Brakteaten Friedrichs L und Ottos IV. 
aus der saalfelder Münze, Herr Admiral Strauch einige süd- 
amerikanische Silbermünzen von auffallender Kleinheit und einen 
ganzen spanischen Thaler von dem bekannten kantigen Format, 
wie sie in Mexiko und Südamerika im 16., 17. und 18. Jahr- 



- 21 — 

hundert geschlagen wurden, Herr v. d. Hey den eine schöne 
Medaille auf den General v. Tilly von 1628 mit seinem Brust- 
bild und Wappen. Herr Segierungsrath Friedensburg zeigte 
die aus Anlass der ungarischen Tausendjahrfeier geprägte Er- 
innerungsmünze, eine Krone, die auf der Hauptseite das Brust- 
bild des Kaisers Franz Josef mit der Stephanskrone und auf der 
Bückseite den Heerführer Arpad auf einem von einem Friedens- 
genius geführten Rosse, geleitet von einigen Getreuen zu Fuss, 
zeigt. Das anscheinend von Meister Scharfif geschnittene Stück 
macht trotz der entzückenden Feinheit des flachen Reliefs der 
Rückseite keinen erfreulichen Eindruck: abgesehen von dem 
mindestens wunderlichen Gedanken, den Einzug der Magyaren 
in das Abendland unter das Geleit eines ;Friedensgenins zu 
stellen, sieht namentlich das Kaiserbildniss der Hauptseite 
sehr gedrückt aus. Die Aufschriften sind natürlich ungarisch: 
in der östlichen Reichshälfte wird bekanntlich auch mit dem 
Kurantgelde auf die nichtmagyarischen Völker keine Rücksicht 
genommen, während die Münzen des eigentlichen Österreich ent- 
weder gar keine (!) oder lateinische Aufschriften tragen. Das 
Latein scheint überhaupt dazu ausersehen zu sein, das einigen 
Stämmen des vielsprachigen Reiches so verhasste Deutsch zu 
verdrängen : so erhält die Numismatische Gesellschaft öfters Ver- 
öffentlichungen in kroatischer Sprache mit der schönen Auf- 
schrift: „Pro benevolam commutationem^ ! 

Herr Admiral Strauch hielt im Anschluss an eine, alle 
paar Monate mit grosser Regelmässigkeit wiederkehrende Zeitnngs- 
nachricht von Reichsmünzen, die wegen eines orthographischen 
oder Stempelfehlers eingezogen werden sollen, einen Vortrag 
über sprachliche Eigenthfimlichkeiten neuerer deutscher Münzen. 
So ist die Schreibweise GROSHERZOG — nicht GROSSHERZOG 
— hergebrachte Sitte in Baden, dessen sämmtliche Münzen seit 
Karl Friedrich sie aufweisen. Ebenso schreibt sich bis heute 
das Grossherzogtum Hessen und früher die Grossherzogthümer 
Frankfurt (Karl Theodor von Dalberg), Berg (Joachim Murat) 
und Oldenburg (Paul Friedrich August). Oldenburg ist unter 
Nikolaus Friedrich zum doppelten S übergegangen, kürzt aber 
heute — wenig glücklich — GR. H. ab; Sachsen- Weimar und 
beide Mecklenburg schreiben, wo sie nicht abkürzen, gleichfalls 



— 22 - 

richtig. Nicht ohne Interesse sind auch die Verschiedenheiten 
in der Schreibweise des Wortes König. Preussen schrieb es 
unter Friedrich Wilhelm IL : KOENI^, unter Friedrich Wilhelm III. 
bis 1816 mit (E, dann wieder bis zur Einführung der Reichs- 
währung KOENIG, seitdem KÖNIG. Baiern seit König Otto, 
Sachsen und Württemberg schreiben KOENIG. Auch in anderen 
Beziehungen sind die Aufschriften der Belchsmttnzen von einander 
verschieden. Den Zusatz ^ Von Gottes Gnaden * zum Titel haben 
z. B. nur die Gepräge König Johanns von Sachsen, Friedrich 
Franz IL und IIL von Mecklenburg-Schwerin, von Mecklenburg- 
Strelitz und Heinrichs XXn. von Reuss ä. L., und die als altes 
Herkommen geltende Sitte, den Nachfolger auf seinen Münzen 
nach der entgegengesetzten Seite sehen zu lassen, wie den Vor- 
gänger, findet sich wohl auf den Prägungen von Sachsen, Baiem 
und Koburg, nicht aber auf denen von Preussen, Württemberg 
und Mecklenburg gewahrt. 

Sitzung vom 6. Oktober 1896. 

Herr Begierungsrath Friedensburg besprach das jüngst 
erschienene numismatische Prachtwerk: Portraitmedaillen des 
Erzhauses Österreich von Friedrich III. bis Franz II. von 
Dr. Domanig, das auf 50 Tafeln eine Reihe herrlicher Medaillen 
des Hauses Habsburg, und zwar sowohl von der regierenden 
als auch von den Nebenlinien, in schönen Lichtdrucken vorführt. 
Der Text giebt die biographischen Nachrichten und werthvoUe 
Mittheilungen über die Verfertiger der Medaillen. Ferner theilte 
der Vortragende die urkundliche Entstehungsgeschichte des be- 
kannten Thalers des letzten Herzogs von Württemberg -Öls, 
Karl Christian Erdmann, von 1785 mit. Danach hat der Herzog 
das Stück zur Erinnerung an seine Regierung auf Grund einer 
besonderen Genehmigung des Königs von Preussen in einer An- 
zahl von 4000 Stück prägen lassen, der Stempel ist von dem 
breslauer Münzmedailleur König nach einer von dem Rektor der 
berliner Kunstakademie, Meil d. J., verschlimmbesserten Zeichnung 
hergestellt. 

Herr Hauptmann Brause legte den Entwurf zu dem im 
Geschmack des 16. Jahrhunderts gehaltenen, künstlerisch voll- 



— 23 - 

endeten Titelblatt seines im Druck befindlichen Werkes über 
Noth- und Belagerungsmünzen vor und zeigte alsdann zwei 
seltene niederländische Gepräge seiner Sammlung: einen im 
Jahre 1619 zur Verherrlichung der Unterdrückung der kirch- 
lichen Umtriebe geschlagenen Doppelthaler, ausserdem eine 
Medaille zur Erinnerung an den 1573 von einer kleinen holländi- 
schen Flotte erfochtenen Sieg über den spanischen Admiral 
Grafen Bossu (beides Arbeiten des geldrischen Münzmeisters 
Cornelius Wyntgis), indem er die einschlägigen geschichtlichen 
Nachrichten mittheilte. 

Herr Dr. Buchenau als Gast besprach einen im münchener 
Kabinet befindlichen Fund ^fränkischer Denare aus dem Ende 
des 14. Jahrhunderts, der eine grosse Menge neuer und wichtiger 
Stücke enthält: zwei durch die Umschrift und bezw. das Wappen 
gesicherte Pfennige Dietrichs von Katzenelenbogen (DITER 
COMES DE CA), andere von Eberhard von Eppstein, ferner 
den einer noch nicht ermittelten (Eppstein oder Hanau) Domina 
Agnes, endlich einen vorläufig nicht sicher zu bestimmenden 
mit drei D. 

Herr Dr. Weil machte im Anschluss an eine leider in 
kroatischer Sprache erschienene Veröffentlichung auf die beachtens* 
werthe Funde römischer Münzen im Museum von Agram auf- 
merksam. 

Herr v. d. Heyden zeigte eine kunstvolle silberne Halskette 
mit daranhängeuder Medaille Johann Friedrichs von Sachsen (von 
Reinhardt), welche laut der auf der Medaille eingeritzten Um- 
schrift im 17. Jahrhundert von einem Schützenkönig seiner Gilde 
gestiftet wurde. 

Herr Landgerich tsrath' Dannenberg legte eine grosse 
Reihe schön erhaltener und zum Theil sehr seltener Tetra- 
drachmen des europäischen Griechenland aus seiner Sammlung, 
darunter solche von Rhegium, Akragas,* Gela, Syrakus, der 
Königin Philistis, von Macedonien, Athen u. s. w. vor und gab 
die erforderlichen Erläuterungen. 

Herr Stadtbaurath Bratring berichtete über die Sammlung 
pommerscher Münzen des im Jahre 1840 verstorbenen Kommerzien- 
raths Karl Friedrich Pogge, deren Anfänge bis etwa zum Jahre 
1770 zurückreichen und die im Rathhause zu Stralsund auf- 



— 24 - 

bewahrt wird. Der Vortragende besprach die hauptsächlichsten 
Gepräge und legte davon Abdrücke, beziehentlich Originale ans 
seiner eigenen Sammlung vor. Darunter sind hervorzuheben: 
von Johann Friedrich ein Viertelthaler vom Jahre 1594; von 
Philipp IL ein Goldgulden von 1618 mit Brustbild und Schnecke 
und der Beischrift LENTE SED ATTENTE, eine Doppelthaler- 
klippe von 1614 mit deutschen, durch kleine Wappenschilde unter- 
brochenen Umschriften, ein Reformations-Doppelthaler von 1617; 
von Franz L ein Goldgnlden von 1618 mit Brustbild, ein Viertel- 
thaler auf seinen Tod mit dem Hexameter PACIFICVM RAPVIT 
VERVM NON DEFICIT ALTER; von Philipp Julius ein Halb- 
thaler von 1622 mit den Münzmeister-Initialen H P (zusammenge- 
zogen), die vielleicht Hans Puls bedeuten, der von 1628—1632, 
1635, 1636 städtischer Münzmeister in Stralsund war, ein Viertel- 
thaler von 1622 mit deutscher Aufschrift, dem Greifen und der 
Werthsbezeichnung REICHES ORTH; von Bogislaus XIV., dem 
letzten pommerschen Herzog, eine grössere Anzahl seltenster Ge- 
präge in Gold und Silber; ans der schwedischen Zeit ein Doppel- 
dukat der Königin Christine von 1653; von der Stadt Stralsund, 
die sehr reich in der Poggeschen Sammlung vertreten ist, ein 
Goldgulden von 1629 mit im Stempel aas 1628 geänderter Jahres- 
zahl, ein Dukat von 1632 mit S unter dem Strahl, was sonst 
nirgends vorkommt, ein Doppelthaler des Jahres 1538, abweichend 
von dem bisher bekannten, endlich ein Thaler auf die Wallen- 
steinsche Belagerung 1628. Erfreulich ist es, dass die Poggesche 
Sammlung nicht zersplittert, sondern als Ganzes aufbewahrt und 
dem Studium zugänglich gemacht ist. 

Herr Dr. Bahrfei dt verbreitete sich in einem längeren 
Vortrage über die Münzen Polens bis zu Kasimir dem Grossen. 
Vor Miesco I. , 962 — 992, 'darf man von einer national- 
polnischen Münzprägung nicht sprechen. Die Funde enthalten 
bis dahin keine pdlnischen Gepräge, sondern hauptsächlich 
arabische Münzen und arabischen Silberschniuck, meist in 
zerhacktem Zustande. Polen ist nicht arm an solchen Funden; 
sie sind der Beleg für die alten Handelsstrassen von Indien, 
Persien, Arabien, den Ufern des Schwarzen und Kaspischen 
Meeres nach Norden durch Polen bis zur Ostsee. Altgriechische 
Münzen sind in polnischen Funden nicht vorgekommen; gegen- 



— 25 — 

» 

theilige Angaben in den Münzbüchern (angeblich 1824 ein Fund 
bei Scbubin) beruhen auf Irithum. Miesco L trat 966 zum 
Christentham über und von ihm rühren die ersten polnischen 
Münzen (Denare) her. Man sieht auch hier wieder Christentham 
und Münzprägung gleichzeitig auftreten. Ein Denar hat die 
Umschrift MISICO um eine Krone, ein anderer zeigt eine Hand 
und MISIGA EIVA. Die kleinen halbbrakteatenförmigen Nach- 
ahmungen der Dürstedter Denare Karls des Grossen gehören 
nicht Miesco von Polen, sondern sind dänisch. Boleslaus I. Chrobry, 
992—1025, hat nach böhmischen und deutschen Vorbildern prägen 
lassen, seine Münzstätten waren Breslau (SGS lOHANS), Gnesen 
(GNEZDVN), Posen (? SCS PETRUS), Kiew. Bemerkenswerth 
sind besonders die Nachahmungen der Otto-Adelheidpfennige, 
theils mit Kreuz und Kirche, theils mit Kopf und Kirche be- 
ziehentlich Kreuz; ferner der Denar mit BÜLESLAVS DVX 
INGLITVS und der jüngste mit dem Königstitel. Von Miesco IL, 
1025—1034, hat man keine Münzen. Irrthümlich legen die 
polnischen Numismatiker seiner Gewahlin, der vielgehassten Rixa, 
jene kleinen Sachsen-(Wenden-)Pfennige bei, die in der Umschrift 
R — X A haben, aber links von der Elbe geprägt sind. Von 
Boleslaus IL Smialy, 1058—1080, und Wladislaus L, 1080^1102, 
sind u. a. kleine, den Sachsenpfennigen ähnliche Stücke aus- 
gegangen, in Breslau und Krakau geprägt Aus Boleslaus III. 
Krzywusti Zeit, 1102—1139, ist besonders wichtig ein breites 
brakteatenförmiges Stück; nach der Darstellung, die einen Bischof 
zeigt, der einem vor ihm Knieenden den Segen spendet, ist es 
zur Erinnerung an die Pilgerfahrt, die Boleslaus im Jahre 1139 
zum Grabe des heiligen Adalbert in Gnesen unternahm, ge- 
schlagen worden. Der Brakteat stammt aus dem Funde von 
Skromowska Wola. Wladislaus II., 1139—1146, und Boleslaus IV., 
1148—1173, setzten die Denarprägung in stärkerem Masse und 
mit oft wechselnden Typen fort. Zu Ende der Regierung des 
letzteren treten die ersten kleinen Brakteaten auf, ihre Blfithe- 
zeit fällt aber erst unter Miesco in., 1173, 1177 und 1195 bis 
1202; sie tragen lateinische, meist aber hebräische Aufschriften : 
ein Beweis, dass damals, wie auch späterhin noch, die Juden 
als Münzbeamte und Münzpächter in Polen zugelassen waren 
und einen nicht unbedeutenden Einfluss im Mfinzwesen sich zu 



— 26 — 

erringen verstanden hatten. Die hauptsächlichsten Funde von 
Miesco-Brakteaten sind die von Glgbokie, Kreuzburg und Wieniec. 
Kasimir II. Sprawiedliwy, 1177—1195, hat drei Brakteaten- 
Typen mit seinem Namen gezeichnet, dann aber einige besonders 
interessante mit den Namen von Kardinaltugenden, wie FIDES, 
VIRTVS, auch mit DEXTERA (Dei), ORVX, SIRENA, AQVILA, 
hinterlassen. An Leszek Bialy, 1207 — 1227, werden die Brak- 
teaten mit LISK, LISKVS KROL und der Denar mit LESTCÜS 
gewiesen, während Wladislaus DI. Laskonogi, 1202—1207, wieder 
einen grossen Brakteaten (von der Art des schon unter Boles- 
laus III. erwähnten) mit * D VX VLADIZLAVS und einem Stier vor 
einem Baume, ausserdem in Gnesen Brakteaten mit dem Namen 
des heiligen Adalbert, auch solche und Denare mit des heiligen 
Wenzels Namen geschlagen hat. Die Münzen Boleslaus Y. 
Wstydliwy, 1228—1279, und Boleslaus Pobozny, 1257—1279, 
von einer etwas abweichenden Fabrik, lassen sich nicht immer 
mit Sicherheit auseinander halten, doch dürfte des ersteren 
Prägung umfangreicher sein ; eine Anzahl solcher Brakteaten, die 
diesen Fürsten in den polnischen Münzbüchern beigelegt werden, 
sind richtiger an Boleslaus den Hohen von Schlesien, 1163—1202, 
zu geben. Mit drei seltenen Pfenningen Wladislaus' Lokietek, 
1296—1333, schliesst die Denar- und Brakteatenperiode in Polen, 
die einen vielfachen Wechsel in den Typen, wie auch in 
Schrot und Korn hat erkennen lassen. Leider macht sich für 
diese Zeit der Mangel an urkundlichem Material sehr fühlbar, 
so dass auf ein näheres Eingehen auf die eigentliche Münz- and 
Geldgeschichte wenigstens vorläufig verzichtet werden muss. 
Zur Erläuterung des Vortrages legte Herr Dr. Bahrfeldt eine 
grosse Anzahl der besprochenen Münzen aus seiner Sammlung vor. 

Sitzung vom 2. November 1896. 

Herr Landgerichtsrath Dannenberg erörterte die Frage, 
ob die Herzoge von Bayern vor Albrecht IV. (1506) Goldmünzen 
geprägt haben. Es giebt Goldgulden mit Kaiser Friedrich III. 
Namen und MO. NO. AVK. ING, die in den massgebenden, 
lediglich für den Geschäftsverkehr bestimmten, alten Münzbüchern 
als ingolstädtische ausgegeben werden. Dagegen hat Grote 



— 27 — 

Ingelheim, die alte Kaiserpfalz, allenfalls Groningen (IN. G. . . .) 
als Prägestätte vorgeschlagen, auf des Vortragenden Widerspruch 
aber letztere Erklärung aufgegeben. Nachdem somit lange 
Jahre Ingelheim als Prägestätte gegolten hat, ist neuerdings 
eine Urkunde ans Licht gekommen, welche die alte Zutheilung 
zu rechtfertigen scheint. Am Freitag vor St Jakobi 1464 
hat der genannte Kaiser dem Herzog Ludwig IK. dem Reichen 
zu Landshut das Recht ertheilt, u. a. in Ingolstadt „ungarische 
Dukaten oder Gulden nach rheinischem Fasse"" zu schlagen. Ein 
solcher rheinischer Gulden ist nun aber der in Bede stehende. 
Bedenken erregt nur, dass er nicht das in der Urkunde vorge- 
schriebene Gepräge trägt: Ludovicus comes palat. Rh. um den 
Löwen, und dux Bavar. infer. et super, um die bayerischen 
Wecken. ludess liegt die Annahme nahe, dass der Herzog ent- 
weder eine Abänderung dieser Vorschrift erwirkt, oder dass er 
sich eigenmächtig über sie hinweggesetzt hat, denn er ist als 
wenig gewissenhafter Münzherr bekannt und hat in Landshut 
kleine Silberpfennige geschlagen, denen ihr schlechter Gehalt den 
Schimpfnamen „Schinderlinge'' eingetragen hat. Da überdies von 
einer Prägung in Ingelheim nichts überliefert ist, Ingolstadt hin- 
gegen mindestens schon um 1400 als Münzstätte auftritt, so scheint 
in letzterer Stadt auch der fragliche Goldgulden entstanden, der die 
bayerische Goldprägung um sechs Jahrzehnte hinaufrücken vtrürde. 
Herr Dr. Nütz el besprach mongolische Münzen mit christ- 
lichen Legenden. Dschingischans Enkel Hulagu hatte 1258 
n. Chr. das abbasidische Chalifat von Baghdad vernichtet 
und ein grosses Reich in Persien begründet. Sein Sohn und 
Nachfolger Abagha (1265—1281) soll dem Christentum freund- 
lich gesinnt und sogar selbst Christ gewesen sein. Von ihm 
finden sich u. a. auch Münzen, die auf der Vorderseite in arabi- 
scher Sprache und Schrift die Legende enthalten: «im Namen 
des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, des einigen 
Gottes", dazv^ischen ein kleines Kreuz. Ähnliche Prägungen 
giebt es auch von seinem Sohne Arghün (1284-- 1291) und dessen 
Sohn Ghaz&n Mahmud (1295 1304). Diese Münzen mit christ- 
lichen Legenden sind jedenfalls für Gebiete mit christlicher Be- 
völkerung, vielleicht Georgien, geprägt worden. Erwähnt ward 
auch vom Vortragenden als interessante Thatsache, dass ein 



— 28 — 

anderer Sohn Abaghas, Eaichatu (1291—1295), von seinem 
mongolischen Vetter, dem Grosschan Gfaubilai, den Gebrauch des 
Papiergeldes für sein Reich übernahm. Ferner legte Dr. Nützel 
eine der seltenen kleinen Silbermünzen vor, die die Genuesen 
in Kaffa prägten, das sie mit anderen Theilen der Krim vom 
13. bis 15. Jahrhundert besassen. 

Herr Dr. Bahrfeldt überreichte für die Bibliothek der Ge- 
sellschaft seine Schrift «Abkürzungen auf Münzen"", eine kritische 
Beurtheilung der dritten Auflage des Schlickeysen-P allmanschen 
Werkes gleichen Namens, umfangreiche Nachträge und Verbesse- 
rungen dazu enthaltend (s. den Vortrag in der Maisitzung). Sodann 
legte er etwa 500 Federzeichnungen (von der kunstfertigen Hand 
des Frl. Marg. Buchholtz in München) vor, die hauptsächlichsten 
Typen des grossen Denarschatzes von Lnpow in Pommern aus dem 
11. Jahrhundert. Es sind neben wenigen korrekten Münzen 
Nachahmungen von skandinavischen, englischen, niederländischen, 
böhmischen, ungarischen, deutschen und anderen, auch arabischen 
Denaren. Da der Fund trotzdem von nicht zu unterschätzendem 
Interesse ist, und da man ihn in der numismatischen Literatur 
bisher übergangen hat, so erscheint es geboten, vorerst einmal 
seinen umfangreichen Inhalt bildlich festzulegen. 

Herr Regierungsrath v. Eühlewein zeigte eine sehr schöne 
Medaille auf das 70jährige Geburtsfest des Dichters Gottfried 
Keller. Sie ist von Böcklin entworfen, von SchariBf geschnitten und 
trägt auf der Vorderseite des Dichters Profilbild im Lorbeer, auf 
der Rückseite die Darstellung, wie Orpheus durch Gesang und Spiel 
die wilden Thiere zähmt. Zwei andere Medaillen von Prof. Tauten- 
hayn sind auf Herm. v. Helmholtz gefertigt: ein sehr schönes 
Plakett mit dem vorzüglich ausgeführten Brustbilde des grossen 
Physiologen, und eina Medaille der 66. Versammlung deutscher 
Naturforscher und Ärzte in Wien 1894, dem Andenken des 
Meisters gewidmet. Ferner besprach der Vortragende die Ge- 
schichte und die Leistungen der früheren königlichen Eisen- 
giesserei in Berlin während der Jahre 1804 bis 1873 und legte 
dabei eine Anzahl dort hergestellter eiserner Brustbilder, Medail- 
lons und historischer Medaillen vor. 

Herr Admiral Strauch legte ein Rubelstück auf die Krönung 
Nikolaus 11. von Russland vor, bei dem die Vorderseite mit dem 



— 29 - 

wenig erhabenen Kopfe sehr mittelmässig ausgefOhrt ist, die Rück- 
seite aber recht dürftig erscheint; femer eine Medaille auf die 
^jTheuerung** 1840 — 1847 und den darauf folgenden „Erntesegen" 
1847 von Lorenz, dem Verfertiger der Medaille auf die 1844 er 
berliner Gewerbeausstellung. Weiter wies er im Anschlüsse an 
seine Mittheilungen über die Aufschriften uuserer deutschen 
Münzen in der Sitzung vom 9. September auf die Zweimark- 
stücke von Reuss alt. und jung. Linie hin, die die abweichenden 
Bezeichnungen Souv. Fürst und Reg. Fürst tragen. 

Herr Regierungsrath Friedensburg legte mehrere neuer- 
lich von ihm erworbene schlesische Medaillen, die bisher noch 
gar nicht oder nicht genügend bekannt sind, vor. Zunächst ein 
Stück in Gelbkupfer auf Georg von Loxan, den deutschen Vize- 
kanzler Ferdinands I., einen in Böhmen angesessenen Schlesier. 
Das bereits in den „Böhm. Privatmfinzen" veröffentlichte Stück 
zeigt das Wappen und die Kreuzigung Christi; seine Echtheit 
ist nicht unzweifelhaft, wenngleich die Ausfahrung der Rückseite 
den Verdacht der Fälschung anszuschliessen scheint. Ein zweites 
Stück bezieht sich auf Eleazar Schlaher, einen Edelmann aus 
der Gegend von Nimkau. Es ist eine etwas rohe Gussmedaille 
aus dem letzten Viertel des 16. Jahrh. mit dem Bilde Schlahers 
und seinem Wappen. Von besonderer Wichtigkeit ist die 1590 
auf den damals 33 Jahre alten Einnehmer bei der kremnitzer 
Kammer Sebastian Henckel bezügliche geprägte Medaille. Sie 
hat ein ausserordentlich lebendiges Brustbild und das Henckelsche 
Wappen. Ein Sebastian Henckel wird 1571 als des Kaisers 
Diener im Kloster vor Guben genannt ; dies kann nicht der hier 
Dargestellte sein, der damals 14 Jahre alt war. Dieser ist viel- 
mehr mit dem Sebastian Henckel identisch, der 1589 als Ver- 
walter der Kammergefälle in Kremnitz, nach 1592 als Haupt- 
mann der Salzhfitten in Schlesien und Lausitz erwähnt wird und 
von dem das königliche Münzkabinet in Berlin eine kleine Medaille 
ohne Jahr besitzt. 

Sitzang vom 7. Dezember 1896. 

Herr Landgerichtsrath Dannenberg setzte seine Vorträge 
über altgriechische Münzen fort, indem er eine Anzahl Tetra- 
drachmen von Rhegium, Myrina, Side, der Könige Agathokles 



— 30 — 

von Syrakus, Nikomedes von Bithynien, Attalos von Pergamon 
und Amyntas von Galatien vorlegte. Daran schloss er eine 
Reihe von Cistophoren von Pergamon, Ephesus und Tralles, von 
M. Antonius, dem Triumvir, nebst seiner Gemahlin Octavia, und 
dem Kaiser Augustus. Diese Cistophoren, die bei Livius und 
Cicero vorkommen, sind leichte Tetradrachmen, gleich drei 
attischen Drachmen, im Gewichte von 12,4 bis 12,64 gr, be- 
nannt von der darauf dargestellten „cista mystica'^, einem 
Gegenstand des geheimen Bacchusdienstes. Sie sind in 1 1 Städten 
des westlichen Kleinasien geprägt, nachdem das pergamenische 
Reich, dem sie angehörten, im Jahre 113 durch das berühmte 
Testament seines letzten Herrschers, Attalos IQ., an den 
römischen Staat gefallen war. Nicht v^enige dieser Münzen 
tragen neben den Namen einheimischer auch solche römischer 
Beamten, u. a. des M. TuUius Cicero, der als Prokonsul auf 
Cistophoren von Apamea, als Imperator auf solchen von Laodicea 
erscheint. 

Herr Landtagsabgeordneter van Vleuten als Gast legte 
einige seiner neuen Erwerbungen vor: einen gefütterten Denar, der 
die Kopfseite des Septimius Severus mit einem Revers des Lucius 
Yerus verbindet, einen Denar des Erzbischofs AJbero von 
Trier mit CLAVES PETRI, einen Obol von Äees (RESA), etwa 
aus der Zeit Engelberts I. oder n. von Köln, und einen sehr 
schönen Goldgulden des Grafen Wilhelm von Berg. Herr Dr. 
Nützel zeigte eine Anzahl Andenken an seine Vorfahren, die 
bekannte nürnberger Patrizierfamilie: ausser mehreren Bild- 
nissen Johann und Gabriel Nützeis in Kupferstich drei Me- 
daillen mit dem Bildnisse des Letzgenannten, davon eine in 
Abguss, die sich auf die Eroberung der Feste Hohenlandsberg 
i. J. 1554 bezieht, und das zur Erinnerung an den Neubau des 
nürnberger Rathhauses ausgegebene Schaustück, auf dem auch 
das Wappen der Nützel steht. 

Herr von der Heyden legte im Anschluss an den in der 
vorigen Sitzung gehaltenen Vortrag über die berliner Eisen- 
giesserei einige von dieser ausgegebene eiserne Neujahrskarten, 
zum Theil von den Medailleuren der Münze modellirt, aus den 
Jahren 1818, 24, 33, 35, 38, 40, 48 vor und gab weitere Mit- 
theilungen über die Geschichte dieser Anstalt. 



— 31 — 

Herr Regierungsrath von Euhlewein hielt einen Vortrag 
über den russischen Medailleur Tolstoi, der eine Anzahl 6 Zoll 
grosser Medaillons zur Erinnerung an die Ereignisse des auch 
von den Bussen so genannten Freiheitskrieges in antikisirenden, 
oft geschmackvollen Darstellungen gegossen hat. Unter Be- 
nutzung dieser Medaillons hat Klepikofif 1835 eine Reihe von 
Medaillen geschnitten, die sämmtlich auf der Hauptseite das 
Brustbild Alezanders I. in Gestalt des Eriegsgottes Rodomisl 
tragen nebst der Umschrift „Rodomisl das Werkzeug des Jahr- 
hunderts''. Aehnlich prahlerisch sind die Darstellungen dieser 
Medaillen, deren eine, auf die von den Russen bewirkte Be- 
freiung Berlins von den Franzosen bezüglich, vorgelegt wurde. 
Auch zeigte Herr v. E. eine sehr seltene Medaille auf die Auf- 
richtung der Viktoria auf dem Brandenburger Thor nach ihrer 
Wiedergewinnung aus Feindes Hand; sie zeigt auf der Bückseite 
ein in Sammet ausgeführtes eisernes Kreuz. 

Herr Hauptmann Brause legte unter Mittheilung der ent- 
sprechenden geschichtlichen Ereignisse vor: den Doppelthaler 
auf den Sieg Moritzens von Oranien bei Turnhout 1597, einen 
anderthalbfachen Thaler zur Erinnerung an den ebenfalls von 
Moritz erfochtenen Sieg von Nieuwport 1600, endlich die sehr 
schön geprägte Medaille, die 1609 an die Gesandten der beim 
Frieden von Antwerpen betheiligten Mächte vertheilt wurde. 

Herr Admiral Strauch zeigte ein zweisprachiges (chinesisch 
und persisch) 3 Mescalstück von Easchgar vor und besprach 
die heut in Niederländisch-Indien umlaufenden Münzen, die er 
zugleich vorlegte: 278« 1, V2 Luiden holländischen Gepräges, 
ferner 74 und 7io Gulden in Silber, 27«, 1, 7> Cent in Kupfer 
mit japanischer ^Inschrift auf der Rückseite. Auch die alten 7s 
nnd 74 Stüver der „Vereinigten Ostindischen Kompagnie^ sind 
dort noch zahlreich im Verkehr. 

Herr Regierungsrath Friedensburg zeigte Abgüsse einiger 
seltener schlesischer Medaillen, darunter derjenigen des Herzogs 
Sylvius von Oels von dem unbekannten Künstler D. Vogt, von 
Bischof Johann VI. , Sitsch 1600, der Erzherzogin Marie Chri- 
stine, Herzogin von Teschen, mit der Darstellung ihres von 
Ganova gemeisselten Grabmals in der Augustinerkirche zu Wien 
u. s. w. 



— 32 — 

Herr Dr. Bahrfeldt hielt den zweiten Theil seines Vor- 
trages über die polnischen Münzyerhältnisse während des Mittel- 
alters (vergl. SitzuDgsber. v. Oktober d. J.) und behandelte die 
Zeit von Kasimir dem Grossen bis zu Sigismund I., 1333 — 1506. 
Er verbreitete sich über das Münzsystem, die Münzstätten, die 
verschiedenen Typen, die Münzbeamten mit ihren Zeichen und 
dergleichen einschlägige Punkte. Zur Belebung des Vortrages 
diente die Vorlage der einzelnen Münzsorten aus seiner Sammlung. 



Zeitschritt für Numismatik XX. 




Berlin, Weidmaonsche BacbbaDdlnng. 



Zeitschrirt für Numismatik XX. 



% m 






Berlin, WeidmanDschc BuchtaaDdlang. 



Zeitschrift für Numismatik XX. 






f^ 






P9 

5 6 7 8 

^9 ^ß w %i W w 



II 12 







w„® W.W 9M 



Berlin, WeidmanDBChe Buchhandlang. 



Zeitschrift för Numieniatik XX. 





3 



Berlin, Weidmannsche Buchbandlang. 



Zeitschrift für Numismatik XX. 







W ® Wß 



10 II 



8 

13 H 







Berlin, WeidmannBcbe BuclihandlaDg. 



Zeitschrift für Numismatik XX. 




Berlin, Weidmannsche Buchhandlung. 



Lichidnick von Alben Friicb, BerliD W. 



Zeitschrift für Numismatik XX. 




i~ 










Berlin, Weidmannsche Buchhandlung. 



Lichtdruck voo Albert Friach, Beriin W. 



Zeitschrift für Numismatik XX. 



#:• • • 




5 JE. 















Berlin, Weidmannscbe Biichbandlung. 



Lichldnick von KXhtn FHich. Beriin. 



kl/' 











mr 



'® 




/iiii'JiLäL 



■ iirr' 




MB 




Bi'rfiii, W'pidninnnsohc Buchhandliino. 



Zeitschrift fui-Numisniflbk XX. 




Berlin, Weidmannsche Buchhandlung. 







W 



h^' 






, V > V "-'■